Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Der Reverend des Grauens: Die Trilogie: Reverend Pain #1-3 Cassiopeiapress Horror

Der Reverend des Grauens: Die Trilogie: Reverend Pain #1-3 Cassiopeiapress Horror

Vorschau lesen

Der Reverend des Grauens: Die Trilogie: Reverend Pain #1-3 Cassiopeiapress Horror

Länge:
390 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 11, 2018
ISBN:
9783739648316
Format:
Buch

Beschreibung

Reverend Pain Band 1 bis 3
von Steve Salomo

Der Umfang dieses Buchs entspricht 344 Taschenbuchseiten.
Am 6. Juno im Jahre des HERRN 2036 brach die Hölle über die Welt herein. Die Menschen waren gottlos geworden, in den großen Industrienationen gab es keinen Glauben mehr. Allein das Geld regierte.
Es war der Zeitpunkt, auf den die Hölle seit Anbeginn der Welt gewartet hatte. Die Zeit, da es keinen Glauben mehr gab und die Menschen ihr Herz vor GOTT verschlossen.
Die Hölle schlug zu mit all ihrer Gewalt. Dämonenhorden überrannten die Städte der Ungläubigen und nahmen die Erde in Besitz. Der Satan regierte, und seine Schergen versklavten die Menschheit.
Doch dann kam die Priesterschaft. Mutige und gottesfürchtige Männer. Mit ihren Waffen und dem Wort GOTTES drängten sie die Dämonenhorden zurück.
Noch immer gibt es jedoch überall auf der Welt Dämonen Nester. Die Priesterschaft schützt die Menschen gegen die Kreaturen der Finsternis, die noch auf der Erde verweilen. Und sie schickt ihre Reverends aus, Wanderer im Namen GOTTES, die sich den Mächten des Schreckens überall auf der Welt stellen.
Einer dieser Männer war REVEREND PAIN…


Dieses Buch enthält folgende drei Romane:
Dämonentöter
Schrei, wenn dich der Werwolf holt
Das Totenreich der Orks

Titelbild: Michael Sagenhorn
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 11, 2018
ISBN:
9783739648316
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Der Reverend des Grauens

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Buchvorschau

Der Reverend des Grauens - Steve Salomo

München

Der Reverend des Grauens – Die Trilogie

Reverend Pain Band 1 bis 3

von Steve Salomo

Der Umfang dieses Buchs entspricht 344 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

Dämonentöter

Schrei, wenn dich der Werwolf holt

Das Totenreich der Orks

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Dämonentöter

Reverend Pain 1

von Steve Salomo

Prolog

AUS DER CHRONIK DER PRIESTERSCHAFT:

Am 6. Juno im Jahre des HERRN 2036 brach die Hölle über die Welt herein. Die Menschen waren gottlos geworden, in den großen Industrienationen gab es keinen Glauben mehr. Allein das Geld regierte.

Es war der Zeitpunkt, auf den die Hölle seit Anbeginn der Welt gewartet hatte. Die Zeit, da es keinen Glauben mehr gab und die Menschen ihr Herz vor GOTT verschlossen.

Die Hölle schlug zu mit all ihrer Gewalt. Dämonenhorden überrannten die Städte der Ungläubigen und nahmen die Erde in Besitz. Der Satan regierte, und seine Schergen versklavten die Menschheit.

Doch dann kam die Priesterschaft. Mutige und gottesfürchtige Männer. Mit ihren Waffen und dem Wort GOTTES drängten sie die Dämonenhorden zurück.

Noch immer gibt es jedoch überall auf der Welt Dämonen Nester. Die Priesterschaft schützt die Menschen gegen die Kreaturen der Finsternis, die noch auf der Erde verweilen. Und sie schickt ihre Reverends aus, Wanderer im Namen GOTTES, die sich den Mächten des Schreckens überall auf der Welt stellen.

Einer dieser Männer war REVEREND PAIN…

1

Sandy Rendall wälzte sich unruhig in ihrem Bett hin und her. Sie stöhnte. Es war ein ängstliches, furchtsames Stöhnen. Sie sah sich durch einen Wald rennen. Es war hell, und doch war es nicht Tag. Es war eine eigenartige Dämmerung, die aber nicht zwischen Tag und Nacht lag. Ein Zustand, den es in der realen Welt nicht gab. Sie fühlte sich verfolgt, sie wusste, dass er hinter ihr her war. Sie lief keuchend, mit klopfendem Herzen. Sie hatte Angst. Furchtbare Angst. Aber sie wünschte sich auch, dass er sie einholen würde. Sie sehnte sich danach, in seinen starken Armen zu liegen. Sie wünschte sich, seine warmen, zärtlichen Lippen auf den ihren zu spüren, seine verlangenden Berührungen auf ihrem Körper.

Plötzlich schreckte das sechzehnjährige Mädchen zusammen!

Vor ihr tauchte er auf, aus einem dichten, schimmernden Nebel. Eine hoch gewachsene Gestalt, gekleidet in einen langen, nachtschwarzen Umhang.

Er war alt. Viel älter sogar, als er eigentlich aussah. Und er sah sehr alt aus.

Aber vielleicht war »alt« das falsche Wort, überlegte Sandy. Weise klang in ihren Gedanken richtiger. Weise und — reif.

Er war groß, mindestens ein Meter neunzig, schlank, mit feingliedrigen Händen. Sein Gesicht hatte adlige, markante Züge, das schlohweiße Haar war streng zurückgekämmt.

Und darunter brannten Augen in einem höllischen, hypnotischen Feuer.

Dieser Blick strahlte Gefahr aus, teuflische Gier, aber auf eine merkwürdige Weise weckte er in Sandy auch ein Verlangen, das ihr Blut kochen ließ und durch ihren Körper fuhr wie glühende Lava. Ein Verlangen, das die Sechzehnjährige noch nie in ihrem jungen Leben erfahren hatte, jedenfalls noch nie so stark.

Was war das für ein Gefühl, was für ein Verlangen?

Keuchend atmete sie ein, und ihr Busen hob und senkte sich dabei.

Da streckte der Mann die Hand nach ihr aus. Komm …

Sandy zögerte, obwohl es sie Kraft kostete, diesem hypnotischen Befehl zu widerstehen, der sich in ihrem Gehirn einzubrennen schien.

»Komm!«

Der Befehl war jetzt drängender, duldete keinen Widerstand mehr.

Sandy trat auf den Unheimlichen zu …

… und erwachte mit einem lauten Keuchen auf den Lippen.

Sie lag in ihrem Bett, in ihrem Zimmer im Farmhaus ihres Vaters. Draußen herrschte stockdunkle Nacht, die plötzlich von einem grellen Blitz zerrissen wurde.

Ein Gewitter tobte draußen, kein Regen fiel, aber der Sturm heulte und pfiff, und Sandy saß aufgerichtet in ihrem Bett, den Blick auf das große Fenster gerichtet. Und jetzt sah sie auch die hoch gewachsene Gestalt, die dort draußen stand und sie mit brennenden Augen anstarrte. Im zuckenden Licht der Blitze zeichneten sich die Konturen nur als Scherenschnitt vom Sturmhimmel ab, aber Sandy wusste sofort, um wen es sich handelte.

Er war es, der alte Mann aus ihrem Traum.

Der Mann, nach dessen Küssen sie sich sehnte, nach seiner Berührung. Und nach vielem mehr.

Sie hatte trotzdem Angst vor ihm, eine unerklärliche Furcht hatte sie er griffen, die sie lähmte. Selbst wenn sie hätte aufschreien wollen, sie hätte es nicht gekonnt.

Aber sie wollte es nicht. Sie starrte in diese hypnotisch brennenden Augen, direkt in die Gefahr — und wurde von dieser Gefahr angezogen wie eine Mücke von der Flamme einer Kerze.

Komm!, hörte sie wieder den Befehl des Unheimlichen, aber er sprach ihn diesmal nicht, sie hörte ihn in ihren Gedanken, und da stand sie auf und stieg aus dem Bett, bekleidet nur mit einem dünnen Nachthemd, das ihren grazilen Körper kaum vor den Blicken des Unheimlichen verbarg.

Sie trat langsam, mit steifen, stockenden Bewegungen wie eine Mario nette, an das Fenster heran, über die knarrenden Holzbohlen, deren Kälte sie nicht spürte, obwohl sie barfuß war. Dann stand sie vor dem Fenster, sah jetzt deutlich dieses markante, strenge Gesicht der schwarzen Gestalt …

Und da öffnete sie das Fenster.

Der Wind stürmte herein, ließ ihre Haare und das dünne Nachthemd flattern, doch auch das registrierte sie nicht.

Komm …

Wieder war da der stille, lautlose Befehl des Unheimlichen, und er strecke seine Hände nach ihr aus, ergriff sie, und sie keuchte erneut auf unter seiner eiskalten Berührung, die trotz dem irgendetwas in ihr in Flammen zu setzen schien.

Dann hob er sie an, auf seine Arme, als habe ihr schlanker, mädchenhafter Körper überhaupt kein Gewicht, hob sie durchs Fenster zu sich hinaus, und es schien ihr, als würde sie in seiner Berührung und dem Flammenmeer, das diese in ihr entfachte, versinken.

Sie sah sein kaltes Gesicht. Bleich war es und undurchschaubar. Es zeigte keine Regung, kein Gefühl, und trotz dem ließ sein Anblick, seine Ausstrahlung, Sandys Herz in wilder Erregung pochen.

Sie schmiegte sich an seine Brust. Es war eine schmale, flache Brust, und doch war sie für Sandy unheimlich männlich.

Er hielt sie auf seinen Armen, dann trug er sie davon, in den tobenden Sturm hinein …

2

Seena wusste nicht, was sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Es war wie eine unheimliche Aura gewesen, die ihren Geist berührt und sie aus den Träumen geholt hatte. Eine Aura, so böse und schwarz wie die Abgründe der Hölle selbst.

Seena erschrak. Sie hatte nie mit jemandem darüber gesprochen, es war ihr selbst unheimlich, und sie war sich auch gar nicht sicher, ob sie diese Fähigkeiten wirklich hatte oder sie sich vielleicht nur einbildete.

Aber manchmal war es ihr, als könne sie die Schwarzblütigen irgendwie fühlen, ihr Kommen, ihre Nähe. Jedes Mal, wenn sie das kleine Dorf heimsuchten, auf der Jagd nach neuen Opfern, hatte sie es irgendwie gespürt. Aber sie hatte das Grauen nie verhindern können, hatte nicht einschreiten können.

Vielleicht war es wirklich nur Einbildung. Oder Zufall.

Deshalb hatte sie geschwiegen. Sie befürchtete auch, dass man sie, wenn man ihr glauben sollte, für eine Hexe halten würde, und das würde dann ziemlich unangenehme Konsequenzen für sie haben. Die abergläubischen Dörfler würden sie wahrscheinlich auf dem Scheiterhaufen verbrennen!

Abergläubisch? echote es in ihren Gedanken wider. Was war schon abergläubisch? Jahrhunderte lang hatten Menschen, die sich für so aufgeklärt gehalten hatten, nicht mehr geglaubt an Hexen, Dämonen, Werwölfe und Vampire. Doch es gab sie. Es gab sie wirklich. Sie und die Hölle und die ewige Verdammnis. Man hatte nicht mehr dar an geglaubt, und dann hatte die Hölle zugeschlagen, die menschliche Zivilisation fast vollständig ausgelöscht, und nun lungerten sie überall auf der Erde herum, in ihren Dämonennestern und Festungen und terrorisierten die Menschen, ob unschuldig oder nicht …

Nein, auch das stimmte nicht, dachte Seena. Keiner war wirklich unschuldig. Niemand …

Sie lauschte wieder in sich hinein, verdrängte dabei das Geräusch des tobenden Sturmes draußen und versuchte etwas wahrzunehmen.

Und da war tatsächlich etwas. Eine Art Ausstrahlung, die Aura eines dunklen Wesens, da war sich Seena jetzt sicher. Es war, als streife sie ein Hauch der Hölle.

Und dann durchzuckte sie ein Gedanke, ohne dass ihr klar wurde, woher dieser kam.

Sandy!

Ihre Schwester!

Sie wusste nicht, woher diese Erkenntnis kam, aber auf einmal war ihr klar, dass ihre Schwester in Gefahr war.

»Sandy!«, schrie sie auf, dann flog die junge, 22-jährige Frau, nur bekleidet mit Slip und einen knappem Shirt, von ihrem Lager auf, rannte zur Tür, öffnete sie und trat auf den Flur des Farmhauses, der vor ihr in völliger Finsternis lag. Hier war kein Fenster, und so konnten auch die grellen Blitze des Unwetters nicht für sekundenlange Helligkeit sorgen, wenn sie draußen die Nacht zerrissen.

Seena wirbelte herum, wollte auf die Tür von Sandys Zimmer zueilen, doch dann stockte sie, tastete sich zur Eingangstür des Farmhauses und zog den mächtigen Balken fort, der die Tür verrammelte, damit die Mächte der Finsternis nicht eindringen konnten.

Draußen sprang sie der eisige Sturm an, riss ihr rabenschwarzes Haar zurück, zerrte an ihrer spärlichen Kleidung, und eine Gänsehaut bildete sich auf ihrer zarten weißen Haut.

Aber etwas anderes als die Kälte ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren, es war die hoch gewachsene Gestalt, die das Gelände der Farm gerade mit weiten Schritten verließ und zwischen die Bäume des Waldes tauchte, einen Körper auf den Armen, der in ein flattern des weißes Nachthemd gehüllt war.

»Sandy!«, rief die junge Frau gegen das Fauchen des Sturms, und halb nackt, wie sie war, stürmte sie vorwärts, um ihre geliebte Schwester aus den Klauen des Unholds zu befreien. Sie war nicht bewaffnet, sie hatte keine Chance, doch daran verschwendete sie keinen Gedanken, zu sehr war sie von dem ergriffen, was sie gerade gesehen hatte.

Hartfaserige Gräser schnitten in ihre schlanken Beine, Steine bohrten sich in ihre Fußsohlen, doch sie spürte den Schmerz kaum, lief nur einfach vorwärts.

»Sandy!«

Sie kam nicht weit.

Sie wusste zunächst nicht woher, doch plötzlich tauchte direkt vor ihrem Gesicht eine dämonische Fratze auf. Glühende Augen starrten sie an, die Schnauze war die eines Tieres. Sie sah spitze Ohren, und lange Fangzähne glitzerten im Licht des Mondes, an dem die Sturmwolken vorbeijagten.

Nur flüchtig registrierte sie, dass die hässliche, abstoßende Fratze vor ihr auf dem Kopf stand, weil die Kreatur an dem mächtigen Ast einer knorrigen Eiche hing, mit dem Kopf nach unten. Es war eine riesige Fledermaus, mit borstigem Fell auf dem gekrümmten Leib.

Ihr schrilles Kreischen schnitt in Seenas Gehirn, dann griff die Kreatur an, und Seena hatte keine Möglichkeit mehr, ihr auszuweichen. Die Fänge fuhren auf den Hals der jungen Frau zu, der ungeschützt war, denn sie hatte vor Schreck den Kopf gehoben. Schon sprenkelte der faulige Speichel der Bestie ihre Haut.

Sie wollte zubeißen, sie zu einer Kreatur der Nacht machen oder ihr gar den Kopf abbeißen. Erstere war die schlimmere beider Alternativen.

Seena kam nicht mal dazu, aufzuschreien.

Aber dann löste sich die Dämonenfratze vor ihr einfach auf, verging in einer Explosion aus Flammen, Rauch und kochendem Fleisch und Blut. Der Kopf sprang förmlich auseinander, und Seena hob abwehrend die Arme, um von den hässlichen Fetzen nicht getroffen zu werden.

Sie fiel zu Boden, in das harte Gras, das ihre Haut zerschnitt, und vor ihr landete der Rumpf der Kreatur, verwandelte sich in den Körper eines Menschen und zerfiel in Sekunden zu Staub. Es war ein unbeschreiblicher, entsetzlicher Anblick, wie der menschliche Torso so rasant alterte, das Fleisch mumifizierte, verfaulte und die Knochen freigab, bis endlich nur noch Staub zurückblieb, den der Wind verwehte.

Seena würgte, fasste sich mit beiden Händen an den Hals.

»Seena!«

Es war der Ruf eines alten Mannes, der das Tosen des Sturmes nur mühsam übertönte. Sie drehte den Kopf und sah ihren Vater, wie er mit nacktem Oberkörper, nur mit Stiefeln und einer alten, von Hosenträgern gehaltenen Cordhose bekleidet, dastand. Er hielt ein Lasergewehr in den Händen, eine Waffe, die er sich selbst aus mehreren unbrauchbaren Waffen zusammengeschraubt hatte, und dessen Mündung noch rauchte.

Er war wohl geweckt worden, als Seena nach ihrer Schwester gerufen hatte, und war hinausgestürmt. Er hatte den Vampir erschossen. Mit einem gezielten Laserschuss, denn Laser war gebündeltes Licht, und Licht vernichtete die Kreaturen der Nacht.

Als Sonnenlicht war es für sie tödlich, deshalb fürchteten sie den Tag, und gebündelt als Laserstrahl tat es die gleiche verheerende Wirkung.

Ihr Vater stapfte auf sie zu, sein unrasiertes, faltiges Gesicht drückte Er staunen und Furcht aus, und seine Lippen zitterten. Er wollte eine Antwort haben, wollte wissen, was sie hier draußen tat, doch er war unfähig zu sprechen.

»Sandy«, erklärte Seena. »Sie haben Sandy geholt. Graf Orlov war hier. Er hat sich Sandy geholt.«

Ihr Vater erschrak, und fast befürchtete sie, ein Herzanfall würde ihn nun fällen. Doch er fing sich wieder. Sein Gesicht drückte unendlichen Schmerz aus. Seine Augen wurden feucht, während er stammelte: »Graf Orlov …«

Sie konnte sich nicht länger um den alten Mann kümmern, sie musste ihrer Schwester helfen, deshalb jagte sie an ihm vorbei zum Haus zurück, hastete durch den dunklen Flur auf ihr Zimmer zu, betrat es und schlüpfte in eine alte Armeehose mit großen Taschen und in ihre Stiefel. Eine Jacke anzuziehen, um sich gegen den beißenden Sturm zu schützen, daran dachte sie nicht, denn sie hatte es zu eilig. Gedanken wirbelten wild durch ihr Gehirn, sie drehte sich um und sah ihren Vater, der ihr ins Haus zurück gefolgt war und nun in der Tür zu ihrem Zimmer stand, noch immer die Waffe in der Hand.

»Gib mir das Gewehr, Vater.«

Er antwortete nicht, rührte sich auch nicht. Seine Lippen zitterten immer noch, und ein Speichelfaden hing daran.

»Du sollst mir das Gewehr geben, verdammt!«, schrie sie ihn an und trat auf ihn zu.

»Nein«, sagte er jetzt leise und wich einen Schritt zurück.

»Du verdammter alter Narr.« Sie riss ihm die Waffe einfach aus den Händen und überprüfte die Energiebatterie.

»Was hast du vor, Seena?«, fragte der Alte leise und verstört.

»Ich muss Sandy aus den Klauen dieses Unholds befreien, verstehst du das nicht?« Sie klang zornig, wütend.

»Graf Orlov …«, sagte er verhalten. »Er ist kein gewöhnlicher Untoter, kein gewöhnlicher Vampir. Er ist ein Vampir-Dämon, ein Wesen der Hölle. Er ist mächtig, er ist grausam.« Er packte sie plötzlich bei den Schultern und drehte sie zu sich herum. »Du kannst ihn nicht jagen, er wird dich töten. Du hast keine Chance.«

»Es geht um Sandy; alter Mann, begreifst du das nicht? Sie ist meine Schwester! Und sie ist deine Tochter.«

»Aber das bist du auch«, murmelte er. »Ich habe an diese Bestien bereits deine Mutter verloren, in dieser Nacht deine Schwester. Aber dich — dich will ich nicht auch noch verlieren. Es würde mir das Herz zerreißen. Zwei Töchter in einer einzigen Nacht …«

»Du Narr«, fauchte sie ihn an. »Du hast deine Frau verloren, ja. Meine Mutter! Als sie sie holten, hattest du auch nicht den Mut, etwas zu unternehmen. Du hast es einfach geschehen lassen. Und das willst du auch heute wieder tun? Du bist ein feiger alter Mann.«

»Graf Orlov wird bereits zurück auf seiner Burg sein«, wandte er ein, während ihm Tränen in die Augen stiegen. »Du kannst ihn nicht mehr einholen, es ist vorbei.«

Fast war es ihm, als wolle sie vor ihm ausspucken, doch dann wirbelte sie nur herum und strebte auf die Tür zu.

»Halt!«, rief er, und sie stoppte tat sächlich und wandte sich ihm noch einmal zu.

Er zog ein Kruzifix aus seiner Hosentasche, ein kleines, silbernes Kreuz, und hielt es ihr hin.

»Nimm es«, sagte er. »Es wird dich schützen. Es ist das Zeichen des HERRN, es besitzt Macht, denn das Böse kann es nicht ertragen.«

Ihre Augen funkelten wild, dann stieß sie hervor: »Es wird mich nicht schützen. Dein Gott hat die Menschen nicht beschützt, als diese Bestien die Erde überfielen. Nichts hat er unternommen, gar nichts. Er wird auch mich nicht schützen.«

»Doch«, keuchte er. »Wenn du an ihn glaubst. Hörst du, du musst glauben! Du musst GOTT vertrauen. Er war es nicht, der das Böse in die Welt ließ, es waren die Menschen selbst.«

Sie warf ihm einen abfälligen Blick zu, auch dem Kreuz in seiner Hand, dann wandte sie sich ab und ging.

»Du musst glauben!«, rief der alte Mann hinter ihr her. »Glauben, hörst du?«

Doch sie war schon fort, und zurück blieb der Alte, ergriffen von der Angst, jetzt ganz allein zu sein.

Alles hatte er verloren, diese Nacht würde ihm auch das Letzte nehmen.

Ahnte Seena denn nicht, wie sehr er sie liebte?

Er sank zu Boden, er weinte.

Und er begann zu beten …

3

Der Angriff erfolgte schnell und unerwartet.

Seena Rendall hatte sich auf das kleine Motorrad geschwungen, das zur Farm ihres Vaters gehörte, hatte das Lasergewehr so auf die Lenkstange gelegt, dass sie nach Möglichkeit auch beim Fahren einigermaßen damit schießen konnte, und war in die tiefe Nacht gebraust.

Sie fuhr nicht quer durch den Wald, sie nahm die kleine, schmale Straße, die mehr ein Trampelpfad war, aber immer hin besser als gar nichts, und gab mehr Gas, als bei diesen Verhältnissen eigentlich gut war. Sie wusste ja, wohin Graf Orlov wollte — zu seiner Burg, die auf dem Gipfel eines nahen Berges stand, und deshalb ging auch der Pfad, die erdige Straße, bergauf.

Sie wunderte sich, warum sich Graf Orlov nicht gleich zu einer riesigen Fledermaus verwandelt und sein Opfer auf breiten Schwingen durch die Luft getragen hatte, statt zu Fuß den langen Weg zu beschreiten. Aber wahrscheinlich hatte es der dunkle Graf nicht eilig, es war ihm egal, ob er verfolgt wurde, denn was hatten die Sterblichen einem Vampir-Dämon — einer Kreatur der Hölle — schon entgegenzusetzen?

Seena bezweifelte sogar, ob das Gewehr gegen ihn helfen würde, das gebündelte Laserlicht.

Vielleicht hatte ihr Vater Recht, viel leicht war es dumm und töricht, den Grafen jagen zu wollen, aber sie musste einfach etwas unternehmen. Sie konnte nicht zulassen, dass ihre Schwester das gleiche Schicksal erlitt wie der einst ihre Mutter.

Die hatte sich ebenfalls Graf Orlov geholt. Auch als Vampir-Dämon unter lag er dem Gesetz der Blutsauger, nicht in ein fremdes Gebäude eindringen zu

können, in dem Menschen lebten, wenn man ihn nicht einließ. Aber er hatte Mutter unter einen Bann geschlagen, und sie hatte ihn ins Haus gebeten.

Wahrscheinlich war es bei Sandy ähnlich gewesen. Dann hatte der Graf sie zur Frau genommen, denn damals war Seenas Mutter noch sehr jung und schön gewesen. Seena selbst war noch ein Kind gewesen, und Sandy gerade erst vier. Die Vampire liebten junge Frauen. Gut mussten sie aussehen und begehrenswert, stärker noch als bei sterblichen Männern war dieses Verlangen nach äußeren Gelüsten, denn im Gegensatz zu den Sterblichen kannten die Dämonischen kein Gefühl, keine wahre Liebe, und so zählte für sie nur das Äußere und die Lust und die Gier.

Damals hatte Seenas Vater es einfach zugelassen, war verzweifelt gewesen und hatte geheult, hatte aber nichts unternommen in seiner Feigheit, und Seena hasste ihn dafür. Das tat sie noch immer, über all die Jahre hinweg.

Seenas Mutter war zur Vampirin geworden, zur Buhle des schwarzen Grafen, seine Geliebte und seine Hure, und Seena, ein junges Mädchen damals noch, hatte stets geschluchzt und geweint, wenn die anderen Jugendlichen, aber auch die älteren, ihr das gesagt hatten, um sie zu quälen und sich an ihr zu rächen für die Untaten, die ihre Mutter als Vampir Gräfin beging.

Dann aber war ein Reverend ins Dorf gekommen, einer jener Priester, die stets auf Wanderschaft waren. Das Dorf Tombstone hatte keinen Priester, niemand verspürte den Ruf dazu und hatte den Mut, diese Aufgabe zu übernehmen und sein Leben zu riskieren, um sich den Teuflischen entgegenzustellen, und so hatte sich der Reverend der Sache angenommen.

Er war ein undurchsichtiger, schweigsamer und harter Mann gewesen, nur dem Glauben verhaftet, und

Seena fragte sich, ob alle Reverends so waren, denn sie hatte bisher nur diesen gesehen. Doch der Reverend hatte wenigstens tröstende Worte für sie gehabt, hatte für einen Moment ihre Qual gelindert und von der göttlichen Bestimmung gesprochen, und Seena hatte an Gott zu glauben begonnen, an seine unermessliche Gnade und an die Erlösung.

Aber dann hatte der Reverend die Vampir Gräfin, ihre Mutter, gefangen, ihr Gesicht war entstellt gewesen, verätzt vom Weihwasser, das er ihr entgegengespritzt hatte, und er hatte sie auf den Dorfplatz gezerrt und sie gepfählt, während alle Dorfbewohner gejohlt und gejubelt hatten und auch Seena mit ihrer kleinen Schwester hatte zugucken müssen.

Ihre Mutter war nicht zu Staub verfallen, das taten nur wirklich alte Vampire, die über Jahrhunderte gelebt hatten und die der Alterungsprozess dann schlagartig einholte. Ihre Mutter hatte wieder ausgesehen wie früher, auch ihr Gesicht war nicht mehr entstellt gewesen, und es hatte ausgesehen, als ob sie schliefe.

Dann aber hatte der Reverend ihre sterbliche Hülle auf einen Scheiterhaufen gelegt und sie verbrannt. Das verzehrende Feuer hatte ihren schönen Körper endgültig zerstört. Es hatte nach verbranntem Fleisch gerochen, und die kleine Sandy hatte geschrien und getobt, und Seena hatte den Reverend gehasst, da konnte er noch so viel von Erlösung sprechen und ihr Trost schenken wollen.

Sie hatte sich auch wieder abgekehrt vom Glauben. Was sie gesehen hatte — sah so die Erlösung aus?

Auch ihr Vater hatte einfach nur zu gesehen, und jetzt erzählte er wieder vom Glauben und von Gott? Sie hasste ihn noch mehr dafür!

Graf Orlov hatte sich an dem Reverend grausam gerächt. Er hatte ihn zu einem Untoten gemacht, zu einer Kreatur des Teufels, die nicht sterben konnte, aber er hatte ihn beerdigt, lebendig begraben, das hatte er in einer Nacht im ganzen Dorf höhnisch herumgebrüllt. Der Reverend würde bis in alle Ewigkeiten in seinem Sarg liegen, nach Blut dürsten, sich aber nicht befreien können und dieses schreckliche Schicksal erleiden, bis die Welt selbst unter ging. Eine grausame, entsetzliche Rache.

Seena fragte sich, ob die Geschichte von damals mit der Entführung von Sandy zusammenhing. Suchte der Blutgraf nun eine neue Frau? Sollte es die Tochter sein, wollte er die Blutlinie weiter fortsetzen oder die an den Rendalls begangene Untat noch verstärken, weil ihr Schmerz noch nicht reichte und sich der Vampir-Dämon daran weiden wollte?

All diese Gedanken gingen ihr während der wilden, gefährlichen Fahrt durch die Nacht und den Sturm durch den Kopf, ungeordnet und wirr, und in zwischen hatte es angefangen zu regnen, was die Straße in eine Schlammpiste verwandelte, die mörderisch war.

Dann erfolgte er Angriff.

Sie schossen aus der Nacht heraus auf sie zu, vier, fünf, nein — sechs Kreaturen. Riesige Fledermäuse mit mächtigen Schwingen. Ihre Augen glühten wie Kohlen im Feuer der Hölle. Kreischend stürzten sie sich auf das Mädchen auf dem Motorrad.

Seena reagierte, und es verwunderte sie selbst, wie schnell sie das tat. Sie hob das Lasergewehr mit nur einer Hand und schoss. Sie schoss mehrmals, mindestens fünf oder sechs Laserblitze durchstießen die pechschwarze Nacht, und zweimal traf sie.

Kreischend stürzten die beiden Kreaturen vom Himmel, und noch während sie fielen, wurden ihre Körper von Flammen eingehüllt, glühten, zuckten— und explodierten in der Luft, zerplatzten wie Gasballons, und die Fetzen ihrer Körper wirbelten umher.

Doch Seena hatte nicht mehr auf ihre rasante Fahrt achten können, während sie schoss. Die Maschine rutschte im Schlamm weg, kam vom Weg ab und prallte mit dem Vorderrad gegen einen umgestürzten Baum. Seena schrie auf, wurde von der Fliehkraft aus dem Sattel gerissen und flog wie eine weggeworfene Puppe durch die Luft.

Alles um sie herum wurde schwarz, und als sie wieder zu sich kam, lag sie im dichten Unterholz. Sie wusste nicht, wie lange sie bewusstlos gewesen war. Sie wusste auch nicht, ob und wie schwer sie verletzt war, aber sie sah die Maschine neben sich liegen, und sie war völlig zerstört.

Und dann sah sie die Kreaturen, die Vampire, die auf sie zujagten, um ihr die spitzen, messerscharfen Fänge in den schlanken Hals zu schlagen.

Sie spürte, dass sie noch etwas in der Hand hatte, metallisch und kalt war es. Das Lasergewehr, sie hatte es nicht los gelassen, als sie durch die Luft geschleudert worden und im Unterholz aufgeschlagen war. Wie eine Ertrinken de hatte sie sich daran festgeklammert, denn es war das einzige, was sie noch schützen konnte vor dem Tod ― oder vor Schlimmerem.

Sie riss es hoch, sie schoss, und ein Vampir wurde mit aufgesprengtem Brustkorb zur Seite geschleudert, aber da war der vorderste bereits heran, seine Augen schienen Feuer zu versprühen, und sein fauliger Odem raubte Seena den Atem.

Trotzdem, sie feuerte nochmals, aber der Kopf der heranrasenden Bestie war bereits sehr nahe, und als er von dem Laserblitz getroffen wurde und explodierte, spritzte kochendes Blut und Fleisch in Seenas Gesicht. Es war Dämonenblut, es schien ihre Haut in Feuer zu setzen, und sie schrie gellend auf, ließ das Gewehr fallen und drückte die Hände aufs Gesicht.

Ein böser Fehler.

Ein mörderischer Fehler.

Denn eine der verbleibenden Kreaturen war jetzt heran. Seena konnte sie zwischen den Fingern ihrer einen Hand hindurch erblicken, die glühenden Augen, die Fangzähne.

Aus, schoss es ihr durch den Kopf. Aus und vorbei!

4

Und dann …

Dann sah Seena, wie ein gleißender Laserstrahl die Kreatur traf und zur Seite wischte. Kreischend landete sie im Unterholz, zappelte, kämpfte verzweifelt gegen die Flammen an, die ihren Körper verzehrten, schaffte es aber nicht und verbrannte bei lebendigem Leibe. Das Schreien und Kreischen war schier unerträglich.

Seena drehte

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Der Reverend des Grauens denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen