Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Kostenlos für 30 Tage, dann für $9.99/Monat. Jederzeit kündbar.

Rawls in 60 Minuten

Rawls in 60 Minuten

Vorschau lesen

Rawls in 60 Minuten

Länge:
115 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 20, 2018
ISBN:
9783748160922
Format:
Buch

Beschreibung

John Rawls ist der wohl bedeutendste philosophische Denker Amerikas. Sein Hauptwerk 'Eine Theorie der Gerechtigkeit' erfuhr kurz nach seinem Erscheinen im Jahr 1971 einen kometenhaften Aufstieg und wurde bereits zu seinen Lebzeiten weltweit diskutiert. Schon der Titel ist provokativ. Denn eine allgemeinverbindliche 'Theorie der Gerechtigkeit', so die vorherrschende Meinung, kann es doch eigentlich gar nicht geben, da diese immer eine Frage des Standpunktes ist. Was dem einen gerecht erscheint, hält ein anderer für ungerecht. Doch Rawls hat es tatsächlich geschafft, eine perfekt begründete und allgemeingültige Definition von Gerechtigkeit zu geben, genauer gesagt davon, was eine absolut gerechte Gesellschaft ausmacht. Um diese zeitlose und allgemeinverbindliche Definition zu finden, entwickelte er sein berühmt gewordenes und brillantes Verfahren - die Abstimmung unter dem 'Schleier des Nichtwissens'. Wenn wir Menschen nämlich absolut fair und objektiv über die gerechte Verteilung von Besitz, Einkommen, Bildung und unsere anderen Lebenschancen abstimmen sollen, dann darf niemand im Vorfeld der Abstimmung wissen, ob er z.B. in der künftigen Gesellschaft arm oder reich, Mann oder Frau, Arbeiter oder Unternehmer, gebildet oder ungebildet, begabt oder weniger talentiert ist. Ansonsten würde beispielsweise ein Reicher große Einkommensunterschiede gerecht, ein Armer ungerecht finden. Erst der 'Schleier des Nichtwissens', so Rawls wörtlich, 'zwingt jeden, das Wohl der anderen in Betracht zu ziehen'. Denn jeder muss mit allem rechnen. Eine solche verschleierte Abstimmung wird es zwar in der Realität nicht geben, aber, so argumentiert Rawls, wenn es sie gäbe und man sie zu Ende denken würde, dann käme man durch sie zu den einzigen beiden absolut gerechten Prinzipien der Gesellschaft: dem Gleichheits- und dem Unterschiedsprinzip. An ihnen muss man die Qualität jeder modernen Gesellschaft messen. Was bedeuten sie im Einzelnen? Warum ist unsere derzeitige Gesellschaft nach Rawls in vielerlei Weise ungerecht? Und - funktioniert das Gedankenexperiment von Rawls auch in anderen Bereichen? Wenn wir beispielsweise nicht wüssten, ob wir in einer künftigen Gesellschaft Menschen oder Tiere sind, würden wir uns dann womöglich für eine vegetarische Gesellschaft entscheiden? Ohne Zweifel entzündet Rawls mit seiner 'Theorie der Gerechtigkeit' ein ganzes Feuerwerk von bahnbrechenden Gedanken. Das Buch ist in der beliebten Reihe 'Große Denker in 60 Minuten' erschienen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 20, 2018
ISBN:
9783748160922
Format:
Buch

Über den Autor

Dr. Walther Ziegler ist promovierter Philosoph und Hochschullehrer. Als Auslandskorrespondent, Reporter und Nachrichtenchef des Fernsehsenders ProSieben produziert er in den 90er Jahren Filme auf allen Kontinenten. Seine Reportagen wurden mehrfach preisgekrönt. Von 2007 bis 2016 leitet er die Hochschule für Film- und Fernsehstudiengänge auf dem Gelände der Bavaria Filmstadt und bildet junge Journalisten aus. Er ist Autor zahlreicher philosophischer Bücher. Als langjährigem Journalisten gelingt es ihm, das komplexe Wissen der großen Philosophen spannend und verständlich auf den Punkt zu bringen.


Ähnlich wie Rawls in 60 Minuten

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Buchvorschau

Rawls in 60 Minuten - Walther Ziegler

Dank an Rudolf Aichner für seine unermüdliche und kritische Redigierung,

Silke Ruthenberg für die feine Grafik, Angela Schumitz, Lydia Pointvogl, Eva Amberger,

Christiane Hüttner, Dr. Martin Engler für das Lektorat

und Dank an Prof. Guntram Knapp, der mich für die Philosophie begeistert hat.

Inhalt

Rawls’ große Entdeckung

Rawls’ Kerngedanke

Warum wir die Frage nach Gerechtigkeit stellen: Die drei Grundtatsachen der Menschheit

Der Urzustand – die Stunde Null bei der Auswahl der idealen Gesellschaft

Der Schleier des Nichtwissens und die Maximin-Regel

Die zwei Gerechtigkeitsgrundsätze: Das Gleichheits- und das Unterschiedsprinzip

Robinson Crusoe, Freitag, Dagobert Duck und John Rawls stranden auf einer Insel

Was nutzt uns Rawls’ Entdeckung heute?

Die am wenigsten Begünstigten heranführen – Rawls’ Kritik am Kapitalismus

Die faire Güterverteilung: Praktisch umsetzbar oder reine Theorie?

Der Schleier des Nichtwissens – ein übertragbares Entscheidungsprinzip?

Rawls‘ Vermächtnis: Die unsterbliche Forderung nach Gerechtigkeit

Zitatverzeichnis

Rawls’ große Entdeckung

Der Harvard-Professor John Rawls (1921-2002) ist der wohl bedeutendste Denker Amerikas. Im Alter von fünfzig Jahren veröffentlicht er sein philosophisches Hauptwerk Eine Theorie der Gerechtigkeit. Bereits der Titel ist seit seinem Erscheinen im Jahre 1971 bis zum heutigen Tag eine Provokation. Denn eine solche Theorie, so die vorherrschende Meinung, könne es doch gar nicht geben, da Gerechtigkeit immer eine Frage des persönlichen Standpunktes sei. Jeder hält aus seiner Perspektive etwas ganz anderes für gerecht oder ungerecht. Und jetzt kommt ein amerikanischer Philosophie-Professor und behauptet, dass er eine zeitlose und für jedermann gültige Definition von Gerechtigkeit gefunden habe.

Tatsächlich erlebt das Buch einen kometenhaften Aufstieg und wird innerhalb von drei Jahrzehnten auf der ganzen Welt bekannt. Es gehört inzwischen zu den Klassikern der Philosophie und gilt als wichtigstes Werk der politischen Ethik. Kein Zweifel – Eine Theorie der Gerechtigkeit ist ein bahnbrechendes

Werk, das nicht nur Wissenschaftler und Politiker fasziniert, sondern zu Recht bereits vielerorts in den Schulunterricht einfließt.

Rawls stellt darin die große Frage nach der gerechten Gesellschaft: Nach welchen Prinzipien muss eine moderne Demokratie organisiert werden? Von der Antwort auf diese Frage hängt vieles ab – so auch die Beurteilung unserer gegenwärtigen Verhältnisse. Wir dürfen uns nämlich auf keinen Fall mit weniger zufrieden geben als mit der, so Rawls wörtlich, „vollkommen gerechten Gesellschaft":

Schon auf den ersten Seiten seines Hauptwerkes formuliert Rawls das ehrgeizige Ziel und die ungeheure Dimension seines Projektes:

Wie aber soll sie aussehen, die „vollkommen gerechte Gesellschaft"?

Die Frage nach der bestmöglichen Form des Zusammenlebens hat in der Philosophie eine lange Tradition. Bereits in der Antike entwirft Platon in seinem Buch Politeia einen Idealstaat, der von gut ausgebildeten Philosophen-Königen absolut gerecht regiert wird. In der Renaissance beschreibt uns Thomas Morus in seinem Roman Utopia eine vollkommen harmonische Gemeinschaft von Menschen, die eigentumslos und glücklich auf einer Insel leben. Seine phantasievolle Wortschöpfung Utopia, abgeleitet vom altgriechischen „ou topos, was so viel wie „Nicht-Ort heißt, ist zur Beschreibung von Zukunftsvisionen inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Am Vorabend der Französischen Revolution schließlich entwirft uns Rousseau in seinem Buch Der Gesellschaftsvertrag eine ideale Gemeinschaft von absolut freien Bürgern, die sich durch Volksversammlungen selbst regieren.

Rawls war also keineswegs der erste, der die Frage nach der idealen und gerechten Gesellschaft gestellt hat. Doch am Ende leistet er dann doch erheblich mehr als alle seine Vorgänger. In seiner Theorie der Gerechtigkeit entwirft er nicht nur eine Utopie, also eine Wunschvorstellung von der idealen Gesellschaft, sondern gibt uns darüber hinaus erstmals ein Verfahren an die Hand, mit dem jeder Mensch die gerechte Verteilung von Gütern

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Rawls in 60 Minuten denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen