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Im Dunkeln der Nacht

Im Dunkeln der Nacht

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Im Dunkeln der Nacht

Länge:
130 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
22. Dez. 2017
ISBN:
9783963611896
Format:
Buch

Beschreibung

Der "Baldeney-Killer" hat wieder zugeschlagen. Sarah Pieters, eine junge Kriminalbeamtin aus der Stadt Essen im Ruhrgebiet, ermittelt in einer Serie von Morden an jungen Mädchen, die allesamt im Baldeneysee im Essener Süden aufgefunden wurden. Und Hinweise deuten darauf hin, dass der Mörder ein weiteres Opfer in seiner Gewalt hat. Sarah Pieters läuft bei der Ermittlung die Zeit davon. Schafft sie es rechtzeitig, das entführte Mädchen zu retten?
Herausgeber:
Freigegeben:
22. Dez. 2017
ISBN:
9783963611896
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Im Dunkeln der Nacht - Martin Piotrowski

Epilog

Prolog

Die junge Frau steht gedankenverloren am Bordstein der regennassen Straße. Sie ahnt nicht, dass diese Nacht für sie anders endet, als alle Nächte zuvor in ihrem kurzen Leben. Völlig anders.

Marie Bendner hat ihre Hände in die Taschen ihres durchnässten Parkas gesteckt. Die Kapuze sitzt tief in der Stirn. Sie blickt hoch. Die Fußgängerampel an der Gladbecker Straße leuchtet Grün auf. Sie eilt mit hastigen Schritten über den Zebrastreifen und tapst mit ihren durchweichten Turnschuhen in einzelne Pfützen, die sich durch den anhaltenden Aprilregen auf dem Asphalt gebildet haben. Das gelbe Licht der Straßenlaterne spiegelt sich in den Wasserlachen auf dem Boden.

Ein Auto nähert sich der Ampel. Geblendet vom Scheinwerferlicht schaut Marie weg. Ihre Lippen zittern und die Kälte kriecht durch ihren 18-Jahre alten Körper, wie ein langsam wirkendes Gift. Der starke Regen hat ihren alten grünen Parka durchweicht, genauso wie ihre Leinenumhängetasche. Ihren Jeanshosen ist es nicht anders ergangen. Das Flap-Flap der Scheibenwischer mischt sich mit dem wummernden Klang des Motors. Musik schallt dumpf aus der Fahrzeugkabine. Klingt nach Klassik, denkt Marie. Welcher Freak hört heutzutage noch Klassik? Muss sich um einen alten Knacker handeln, dem das Gedudel gefällt. Sie selber steht mehr auf Punkrock, so wie ihr Freund Ralfi.

Im stärker werdenden Regen eilt sie auf den gegenüber liegenden Gehweg und wendet sich nach links, in Richtung Grillostraße. Die Kreuzung, die zur Universität und dann in die Essener Innenstadt führt, ist noch ein paar hundert Meter entfernt. Das Auto fährt an und überholt sie. Wasser spritzt auf und der Schwall trifft sie am linken Bein. Marie schaut kurz hoch und sieht einen vorbeifahrenden hellen Kastenwagen. »Arschloch!«, murmelt sie düster vor sich hin. Welcher Freak hört in einem Transporter klassische Musik? Dann richtet sie ihren müden Blick auf den Gehweg vor ihr und marschiert weiter.

Sie denkt an das Geld in ihrer Leinentasche. Und an das, was sie dafür machen musste. Marie hasst es, auf den Straßenstrich zu gehen. Fremden Kerlen ihren jungen Körper gegen Bezahlung darzubieten, sich von ihnen Begrapschen und Befummeln zu lassen und Verkehr mit ihnen zu haben. Die junge Frau schüttelt sich, während sie in Richtung Essener Innenstadt weitergeht.

Für sie ist es momentan eine zusätzliche Einnahme zu dem Geld, welches sie vom Sozialamt bekommt. Sozusagen Schwarzarbeit. Marie grinst gequält. Mit dem Geld vom Strich und der Stütze kommt sie zurecht. Manchmal bleibt genug, um ihren Freund finanziell zu unterstützen. Sie hat Ralfi Bürste Winkler, einen 19-jährigen Punker, auf der Straße kennengelernt. Gemeinsam haben sie letzten Sommer und Winter unter gleichgesinnten obdachlosen Jugendlichen als Straßenkinder in der Innenstadt gelebt. Ihr Haupttreffpunkt ist der Hauptbahnhof und im Sommer der Kennedyplatz im Zentrum.

Marie ist vor zwei Jahren von Zuhause abgehauen. Sie konnte ihre alkoholisierte Mutter nicht mehr ertragen, die nur gelacht hat, als ihr Stiefvater ihr an die Wäsche ging. Sie hat dem Schwein zwischen die Beine getreten und sein Gesicht zerkratzt. Ihre Mutter hat geschrien und versucht, sie, ihre eigene Tochter, davon abzuhalten. Am nächsten Tag ist sie mit wenigen Sachen abgehauen.

Die erste Zeit hat sie sich durch Betteln oder leichte Jobs warmes Essen besorgt. Als der Bedarf an täglichen Dingen des Lebens anstieg, kamen kleine Diebstähle hinzu. Sie lernte schnell, sich auf der Straße anzupassen. Ralf, der Punker, hat sie beim Betteln gesehen und angesprochen. Seitdem hing sie mit ihm und seinen Kumpels in der Szene ab. Ralfi zeigte ihr, wo es Übernachtungsplätze gab, in denen sie duschen und pennen konnte. Tagsüber verbrachte sie weiterhin ihre Zeit auf der Straße.

Marie hatte ein paar Jugendhilfeprogramme durchlaufen, die ihr die Streetworker in den Notschlafstellen vermittelt hatten. Aber die Angebote passten ihr nicht. Ralfi hatte es nicht erst wieder versucht, seit er aus einem Heim abgehauen ist. Als Ralfi in die Drogenszene abrutschte, war sie es, die ihm finanziell half. Es hatte Marie Anfangs eine Menge Kraft gekostet. Doch der Strich war für sie die einzige Möglichkeit, sich und ihren Freund über Wasser zu halten.

Verbittert kaut Marie auf ihrer Lippe herum. Sie ist auf dem Weg zum Hauptbahnhof, um sich dort mit ihrem Freund zu treffen. Von dem Geld will sie Ralfi einladen. Im Hauptbahnhof gibt es McDonald´s, Subway oder Mr. Chicken. Bei dem Gedanken an der Auswahl von Fastfood läuft ihr das Wasser im Munde zusammen. Marie schluckt und blickt nach vorne.

Der helle Kastenwagen, der sie vorhin nassgespritzt hat, steht halb auf dem Gehweg. Seine Warnblinkanlage leuchtet rhythmisch auf. Der Fahrer steht neben der geöffneten Schiebetür und hantiert im Innern des Wagens. Marie grinst. »Geschieht dir recht, Arschloch«, murmelt sie. Der Fahrer ist nicht zu erkennen. Er trägt einen schwarzen Mantel mit Kapuze, der ihn fast vollständig verhüllt. Etwas mulmig blickt Marie auf den Mann. Doch der Regen zwingt sie vorwärts. Marie sieht kurz zurück. Kein Fußgänger ist bei dem Sauwetter unterwegs. Und kein anderes Auto kommt in diesem Moment die Gladbecker Straße entlang gefahren.

Marie beeilt sich, an dem defekten Wagen und dem unheimlichen Mann vorbei zu gehen. Sie hört ihn murmeln. Gerade will sie aufatmen, als ein kräftiger Arm sie von hinten packt und ihren Mund zuhält. Sie hört ein starkes Summen und spürt einen heftigen Schmerz an ihrem Hals. Der elektrische Schlag lässt ihre Nerven vibrieren und die Muskeln unkontrolliert zucken. Sie merkt gerade noch, dass sich ihre Blase entleert, als sie gepackt und betäubt in den Transporter gehoben wird.

Erstes Kapitel

Stunden zuvor geht Kriminaloberkommissarin Sarah Pieters durch die volle Essener Innenstadt. Langsam schlendert die zierliche rot-blonde Frau über die Kettwiger Straße in Richtung Hauptbahnhof. Sie will Hendrik, ihrem Freund, zu seinem heutigen Wiegenfest ein Geschenk kaufen. Sarah hat an diesem Samstag frei und genügend Zeit für die Suche nach etwas Besonderem. Was soll man schon einem Mann schenken, der von »Beruf Sohn« ist?

Hendriks alter Herr ist mit seiner jungen Freundin, die Sarahs ältere Schwester sein könnte, wieder verreist. Irgendwo in der Karibik, Kuba, oder so. Hendrik und Sarah wollen daher Hendriks Geburtstag allein im Haus seines Vaters in Bredeney, einem der teuersten Stadtteile Essens, verbringen. Sarah seufzt und geht in der Mitte der Fußgängerzone auf Kaufhof zu. Der Blick aus ihren grünen Augen ist unbestimmt nach vorne gerichtet, so als ob sie die entgegen kommenden Passanten nicht wahrnimmt. An ihren Wangen bilden sich kleine Grübchen beim Lächeln. Der psychologische Trick der Dozentin von der Polizeischule klappt immer noch.

Die Leute vor ihr scheren nach den Seiten aus. Sarah grinst jetzt. Wie ein Eisbrecher durch das Packeis, kommt es ihr in den Sinn. Sie erreicht den Kaufhof, der gegenüber dem Essener Hauptbahnhof liegt und geht gemächlich durch das Erdgeschoss. In der Parfümabteilung befinden sich fast ausschließlich Frauen. Sarah schlendert umher und schnuppert an dem einen oder anderen Duft. Normalerweise trägt sie kein Parfüm und kaum Make-Up. Sie findet es für ihren Beruf nicht angemessen. Als Kriminalbeamtin bei der Essener Polizeiinspektion kann sie gut auf diese Dinge während des Dienstes verzichten.

Zur Feier des Tages gönnt sie sich ein kleines Fläschchen Duftwasser, von dem sie meint, dass es angenehm riecht und Hendrik gefällt. Sie packt die dünne Pappschachtel mit der Parfümflasche an der Kasse in ihre linke Tasche der kurzen Jacke und den Bon in ihre Brieftasche, die in die Innenseite ihrer dunklen Oberbekleidung verschwindet. Suchend blickt sie umher. Dann geht sie zu den Rolltreppen, die sich in der Mitte des Geschäftes befinden. In der zweiten Etage ist die Herrenabteilung. Sarah steigt vorsichtig mit ihren sportlichen flachen Schuhen auf die fahrende Treppe. Sie verzichtet auf den Handlauf, der, übersät mit menschlichen Keimen, sie auf den Weg nach oben begleitet.

Während die stählernen Treppenstufen sie gemächlich aufwärts tragen, blickt sie gewohnheitsmäßig umher. Vor und einige Stufen über ihr steht ein Mann, der nur wenige Jahre älter als sie scheint. Der etwa 30-jährige trägt geputzte Halbschuhe ohne abgelaufene Absätze, Bluejeans, die ihrem Namen gerecht werden und eine kurze helle Jacke, die an seinem knackigen Gesäß endet. Sarah blickt von seinem Hintern hinauf. Sein markanter Kopf dreht sich geschäftig und er überschaut die Personen in seiner Umgebung. Seine Hände hat er locker an den Seiten anliegen. Die Haare sind gepflegt und kurz geschnitten. Der Mann dreht sich zu ihr und sieht ihr Sekunden direkt in die Augen. Seine braunen Augen mustern Ihre Grünen professionell. Sarah hält dem Blick stand und lächelt freundlich hinauf, als ob sie einen alten Bekannten getroffen

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