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Schicksal, Schuld & Werden: Eine Nornenanthologie

Schicksal, Schuld & Werden: Eine Nornenanthologie

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Schicksal, Schuld & Werden: Eine Nornenanthologie

Länge:
200 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 30, 2019
ISBN:
9783740739393
Format:
Buch

Beschreibung

Am Fuße des Weltenbaums sitzen Urd, Skuld und Verdandi, die Nornen, und bestimmen das Schicksal der Menschen. Sie machen Mädchen zu Sirenen und Babysitter zu Profikillern. Dabei hadern sie mehr als einmal mit sich selbst, verlieren sich im Jetzt, sind auf der Suche nach dem Leben und der Liebe, nach Freundschaft und Vertrauen. Die erste Anthologie von Autorinnen aus dem Nornennetz führt in neun fantastische Geschichten, die alle unterschiedlichen Facetten der Schicksalsgöttinnen zeigen. Freut euch auf heimtückische Strippenzieherinnen, hoffnungsvolle Liebende, verzweifelte Erkennende und schicksalshafte Begegnungen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 30, 2019
ISBN:
9783740739393
Format:
Buch

Über den Autor

Miriam Debus ist in Leipzig zu Hause und verdient sich ihr Geld in der Informatik. In der Literatur liebt sie epische Geschichten mit vielen Handlungssträngen.


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Buchvorschau

Schicksal, Schuld & Werden - Miriam Debus

Mit Geschichten von

Miriam Debus

June Is

Michelle Janßen

Jana Jeworreck

Laura Kier

Eva-Maria Obermann

Janna Ruth

Siiri Saunders

Esther Wagner

Für alle, die eine Norne in sich tragen

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Lorelay – Michelle Janßen

Die Stimme der Skuld – Esther Wagner

Erste Schatten der Zeitenwende – Jana Jeworreck

Die Quelle der Fäulnis – Janna Ruth

Schicksalsfäden – Laura Kier

Die Nornen des Daseins–June Is

Die Stärke der Schuld – Eva-Maria Obermann

Die Erschaffung der Elementewelt – Siiri Saunders

Feuerseelen – Miriam Debus

Die Autorinnen

Vorwort

Als sich 2017 das Nornennetz aus einer kleinen Gruppe von twitternden Autorinnen der Fantastik bildete, waren wir alle voller Tatendrang.

Wir wollen die Literaturlandschaft verändern, verbessern, sodass auch in den fantastischen Genres, in denen niemand glitzert oder eine romantische Geschichte im Mittelpunkt steht, Frauen die gleichen Chancen haben, Bücher zu veröffentlichen und gelesen zu werden, wie männliche Autoren.

Die Nornen, die am Fuße des Weltenbaums in der nordischen Mythologie das Schicksal lenken - analog zu den Moiren und Parzen der griechischen und römischen Mythologie – erfinden Geschichten, Schicksale, Leben. Genau das schaffen auch wir mit jedem Wort, das wir schreiben.

Wie vielfältig das sein kann, zeigt diese Anthologie, die erste Sammlung von Geschichten aus der Feder von Autorinnen aus dem Nornennetz. Von historischem Setting bis zur Dystopie, romantischer Basis und tiefgreifender Identitätskrise ist alles dabei. Viel Spaß mit unseren Schicksalsfäden und wenn Sie das nächste Mal in der Buchhandlung stehen, schauen Sie doch mal nach schreibenden Frauen in der Fantastik.

Eva-Maria Obermann

Wer hat dies Lied gesungen?

Ein Schiffer auf dem Rhein,

Und immer hat's geklungen

Von dem drei Ritterstein:

Lore Lay

Lore Lay

Lore Lay

- Clemens Brentano, Zu Bacharach am Rheine -

Es war einer dieser Tage, an dem die Berge das Licht leuchtend reflektierten und der strahlend blaue Himmel fast zu schön erschien, um wahr zu sein. Die Menschen in Patersberg, einer tiefgelegenen Stadt am Rhein, gingen geschäftig ihrer Arbeit nach. Aus dem Schornstein einer kleinen Bäckerei stieg Rauch auf. Innen buken der Bäcker Johann und seine Frau gerade das Brot, für einen Auftrag der nahegelegenen Burg Katz. Am Abend sollte dort ein Fest stattfinden. Johann wischte sich den Schweiß von der Stirn und blickte aus dem Fenster auf die schmale Gasse vor dem Haus. Die Hitze, welche aus dem Ofen hinter ihm aufstieg und den kleinen Raum füllte, verleitete ihn dazu, seiner Frau zuzunicken, die Schürze abzulegen und sich auf den Weg nach draußen zu machen.

Kaum hatte er die stickige Kammer hinter sich gelassen und tief die kühle Luft des noch neuen Tages eingeatmet, ging es ihm besser. Er ließ den Blick über die Dächer zu den höher gelegenen Wäldern, welche die Stadt umrandeten, schweifen. Zwischen Vogelgezwitscher, dem entfernten Gemurmel des Rheins und dem Treiben der Anwohner stellte sich stets eine gewisse Ruhe in ihm ein. Es wurde gerade Sommer und das Rheintal öffnete seine unbeschreibliche Schönheit einem jeden, der sich die Zeit für sie nahm.

Er wandte sich um, bereit, wieder in sein Haus zu treten. »Hm?« Johann öffnete die Tür und prallte mit seiner Frau zusammen. Die Hitze zeichnete sich in der Röte ihrer Wangen ab. »Dreh dich um!« Sie gestikulierte wild vor seinen Augen herum und zwängte sich an ihm vorbei.

Vier schwarze Pferde donnerten über die schmale Brücke. Ihre Reiter trugen Schwerter bei sich und blickten grimmig unter ihren eisernen Kopfbedeckungen hervor. Patersberg war ein kleiner Ort, in dem nicht viel Aufregendes geschah. Das Auftauchen vierer solcher Männer lockte Mann und Maus hervor. Die Kinder der Dorfschule kletterten auf den Zaun rund um das Schulgelände für eine bessere Sicht, unter ihnen die staunenden Lehrer und Greta, Johanns Tochter, welche ganz vorne stand und mit aufgerissenen Augen die Reiter beobachtete. Diese ignorierten die gaffenden Menschen und preschten weiter zwischen den Häusern hindurch. Vor der Bäckerei wurden sie langsamer und blieben schließlich vor Johann stehen.

»Du, welchen Weg zur Burg Katz?«

Die Stimme des Mannes schnitt durch die klare Luft. Die Worte klangen abgehackt und doch beherbergten sie einen gewissen me-lodischen Klang, den sich Johann nicht erklären konnte. Er wirkte wesentlich bedrohlicher als seine Begleiter. Die Welt um den Reiter herum verdunkelte sich und mit einem Male stand Johann der Angstschweiß auf der Stirn. Verwirrt stammelte er wirre Laute vor sich hin und wies schließlich, den Blick auf das Schwert des Reiters fixiert, mit einem zitternden Finger auf den Berg zur linken Seite.

»Dort entlang.«

Der Mann zügelte sein Pferd und drehte den Kopf in die angegebene Richtung. Die Menschen bildeten eine Gasse für ihn und seine Gesellschaft und bevor sie es sich versahen, waren die drei verschwunden. Das einzige, was sie hinterließen, waren ihre Hufspuren im Dreck der Straße und das Echo ihrer Worte in Johanns Kopf.

Bald waren die anderen Bewohner zurück an ihre Arbeit gegangen. Die Schüler und Schülerinnen wurden von ihren Lehrern zurück in die Klassenräume gescheucht und auch Johann fand sich vor seinem Ofen wieder. Die Stimme des Reiters ließ ihn nicht los. Draußen stieg die Sonne über dem Tal empor und legte Patersberg in den Schatten der Berge und Hügel ringsumher.

Der Wald und die Felsklippen lagen ruhig da in der windstillen Landschaft und irgend-wo kreischte ein Rabe. Kaum zwei Stunden Fußweg entfernt arbeitete eine junge Frau zwischen blühenden Wiesen und einem Feld voller reifender Früchte daran, ebenjene Felder mit Wasser zu versorgen. Ein anstrengendes Unterfangen, bedenkt man, dass sie sich mehrere hundert Meter über dem Fluss befand. Der Brunnen vor dem Haus war fast erschöpft, was ihre Arbeit weiter erschwerte. Die Sonne brannte munter auf jene Teile der Erde, welche nicht im schützenden Schatten des Waldes lagen, hinab. Lore blinzelte durch das grelle Licht und blickte zum Haus. Ihre Großmutter saß unter einem Dachvorsprung und flocht Körbe aus Stroh. Die Hitze schien auf dem kleinen Stück Land zu stehen, von dem aus man weit über das Tal vor ihnen sehen konnte. Dicht bewaldete Ländereien mit blitzenden Felsenklüften dazwischen, welche steil hinab zum Rhein führten. Dessen Wasserstrom erfüllte die Luft mit einem träumerischen Rauschen, das nur durch gelegentliche Rufe der Schifffahrer unterbrochen wurde, die verhindern wollten, dass ihr Schiff in die brausenden Wirbel nahe der Klippe gezogen wurde.

Lores Vater war einst einer dieser Männer gewesen, beständig auf Reisen und immer angewiesen auf die Güte des Flusses. Dann hatte er ihre Mutter kennengelernt und ihnen ein Haus gebaut, welches, fernab vom Rest der Menschen, auf einem kleinen Plateau nahe des Lorelayfelsens stand. Von hier aus war er immer dem nahe, was er am meisten geliebt hatte.

Als sie noch klein war, hatte er ihr all die Legenden und Sagen erzählt, die sich um die berühmte Klippe rangen. Sie war nach dem Felsen benannt worden. Nach dem Tod ihrer Eltern waren Lore und ihre Großmutter hiergeblieben. Es war weit vom Schuss, jedoch friedlich und sie hatten alles, was sie brauchten. Sie schirmte ihre Augen mit einer Hand ab und besah sich den Acker, wo der Weizen geraden begonnen hatte, in die Höhe zu schießen. Hinter dem Feld konnte sie zwei Schiffe erkennen, welche ihren Weg durch die unruhigen Gewässer suchten. Sie fragte sich, wie es wohl war, per Schiff das Land zu bereisen.

Gerade wollte sie sich wieder ihren Pflanzen widmen, als donnerndes Grollen um sie herum ertönte. Besorgt sah sie zum Himmel, doch der war blau und klar. Ihre Großmutter legte das Stroh beiseite und erhob sich zögerlich aus ihrem Stuhl. Jetzt erst erkannte Lore, was das Geräusch erzeugte. Der Hufschlag von Pferden hallte durch die Wälder und nur wenige Augenblicke später konnte sie die Reiter zwischen den Bäumen erkennen. Es waren drei Männer in leichter Rüstung mit klirrenden Schwertern. Ihren Pferden stand der Schaum vorm Maul. Der Aufstieg zum Felsen war schon zu Fuß anstrengend. Lore hatte Mitleid mit den armen Tieren, welche offensichtlich den steilen Weg hinaufgetrieben worden waren. Sie lief zum Haus, um Wasser für die Pferde zu holen, doch ihre Großmutter hielt sie mit einem Arm zurück. Lore sah Sorge in ihrem Blick. Etwas stimmte nicht.

»Isolde und Lorelay vom Lorelayfelsen?« Die Stimme des Reiters klang, als wäre er noch ein Kind, doch sie gehörte einem Mann, der mehrere Jahre älter war als sie. Zögerlich nickend trat sie vor. Umständlich stiegen die Männer ab und zogen ihre Schwerter, bevor sie ihre Aufmerksamkeit erneut auf die beiden Frauen richteten.

»Ja das ist richtig. Wer seid Ihr?«

Die Stimme ihrer Großmutter war schwach und doch verlieh ihr das sanfte Beben darin mehr Autorität, als die Männer ausstrahlten. Der junge Mann holte Luft, doch ehe er mit seiner quietschenden, hohen Stimme antworten konnte, wurde er von erneutem Grollen unterbrochen.

»Ist sie das?«

Ein lautes Rufen erschütterte die Männer und Lore, welche noch immer nicht verstand, was passierte. Lores Großmutter legte die Hand auf ihre Schulter. Sie spürte, wie die ältere Frau zitterte.

Dumpfe Hufgeräusche hallte durch den lichten Wald und hinter einigen Eichen erschien ein schwarzes Pferd, dessen Reiter im Gegensatz zu den anderen kein Kettenhemd, sondern eine vollwertige Rüstung samt Helm trug.

Der hochgewachsene Mann mit der schneidenden Stimme leitete sein Pferd gekonnt durch die Büsche, bevor er abstieg und sich zu den übrigen Rittern gesellte. Das Schwert an seiner Hüfte klirrte mit jeder Bewegung. Lore hatte keine andere Möglichkeit, als fast ehrfürchtig zu ihm aufzublicken. Sie wollte keine Schwäche zeigen vor den Männern, welche zweifellos nicht in friedlicher Absicht zu ihr gekommen waren.

Doch als der Neuankömmling seinen Helm abnahm und ihn lässig einem seiner Kollegen in die Arme drückte, fiel es ihr schwer, ruhig zu bleiben. Eine große Narbe zog sich über das Gesicht des Ritters, von der ergrauenden Kotelette links, zu seinem milchig-blinden rechten Auge. Seine Oberlippe war an einer Stelle gespalten und ließ einen permanenten Blick auf eine gelbliche Zahnreihe zu.

Die anderen Reiter schienen ihre Gefühle zu teilen. Voller Respekt traten sie zurück und ließen den Mann in der Rüstung sprechen.

»Ja, Sire.«

Die Stimme des kleinen, blonden Jungen – er konnte nicht älter als sie sein – zitterte, als er die Frage beantwortete. Sofort trat er zurück neben seinen männlicheren Kollegen mit der Kinderstimme und den stillen dritten Reiter, welcher bisher nichts gesagt hatte. Der vernarbte Mann grinste, was die Verformung über seiner Lippe pink färbte und anschwellen ließ. Lore wich unmerklich zurück.

»Die berühmte Lorelay«, der Ritter tat einige Schritte auf sie zu und entledigte sich währenddessen seiner eisernen Handschuhe. Betont langsam fuhr er sich durch das fettige Haar und grinste erneut.

»Du hast dir einen ganz schönen Namen gemacht, weißt du das? Sämtliche Männer im Dorf berichten von deiner Schönheit und wie du sie alle in deinen Bann ziehst.«

Lore blickte erschrocken zu ihrer Großmutter. Hin und hergerissen zwischen Ekel und Angst, fühlte sie ihr Herz schneller schlagen. Sie hatten seit Wochen kaum Menschen getroffen. Wovon auch immer der Mann berichtete, es musste sich um eine Verwechslung handeln.

Der Ritter leckte sich über die gespaltenen Lippen und fuhr fort: »Normalerweise interessiert das niemanden.«

Er machte einige Schritte in Richtung des Kliffs und trat dabei auf die frisch keimenden Triebe vor sich. »Aber als gestern Abend ein Schiff unter diesem Felsen gekentert ist und alle Männer an Bord bestätigen, dass ihnen eine Zauberin erschienen sei – da wurde der Graf aufmerksam. Schöne Frauen können ohne Zweifel verzaubern, doch für solch eine Tat benötigt es mehr als nur große blaue Augen.«

Der Ritter wand sich wieder um. Unter seinem Stiefel knirschten die Reste der Setzlinge. Er entblößte seine Zähne, ohne zu lächeln. »Es kann ja nicht sein, dass wir eine Hexe am Rhein haben und nichts dagegen tun.«

Die anderen Männer starrten düster zu ihnen herüber. Hexerei war ein ernstes Anliegen.

Lore schluckte. »Ich bin keine Hexe und auch keine Zauberin!« Wut staute sich in ihr auf, doch sie ahnte, dass es intelligentere Dinge gab, als dieser nachzugeben. Mit einer schnellen Bewegung holte der Mann aus und schlug mit der flachen Hand zu.

»Du redest, wenn ich dir erlaube zu sprechen. So lange ich nicht weiß, wie du die Männer verführst, schweigst du.« Er beugte sich vor und raunte direkt an ihrem Ohr »Ich glaube ja nicht an diesen ganzen Hokuspokus, aber man will ja kein Risiko eingehen.« Sein abscheulicher Atem ließ Lore würgen. Mit einem Zwinkern beäugte er sie von Kopf bis Fuß und schnalzte dann mit der Zunge.

»Eins ist klar, die Geschichten über deine Schönheit sind wahr.« Die anderen Männer lachten bestätigend, auch wenn sie eher unsicher als tatsächlich belustigt klangen. Als sein dreckiger Blick von ihr abließ, atmete Lore tief durch. Ihre Wange brannte, doch es fühlte sich an, als hätte man ihr einen massiven Stein von der Brust ge-nommen. Der Mann mit der Narbe winkte zwei seiner Mitstreiter, welche auf Lore zukamen und sie links und rechts packten. Sie wurde auf den Rücken eines Pferdes gezwungen, dessen Reiter mit einem suggestiven Grinsen hinter sie stieg und sich an sie presste. Mit einem letzten verzweifelten Blick auf das kleine Haus und ihre wütend aussehende Großmutter verschwand sie zwischen den Bäumen und ritt ihrem Ungewissen Schicksal entgegen.

Der Wald lichtete sich und vor ihnen lag der sich mehrmals windende Weg zur Stadt. Heller Stein hob sich vom saftigen Grün der Wiesen ab, auf welchen vereinzelt ein paar Schafe zufrieden in der frühen Mittagssonne grasten. Bienen summten, Blumen blühten und das Pferd unter ihr trabte mit einer beruhigenden Regelmäßigkeit.

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