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Mao, Stalin und der Koreakrieg: Die Beziehungen Sowjetunion - China vor und während des Konfliktes

Mao, Stalin und der Koreakrieg: Die Beziehungen Sowjetunion - China vor und während des Konfliktes

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Mao, Stalin und der Koreakrieg: Die Beziehungen Sowjetunion - China vor und während des Konfliktes

Länge:
878 Seiten
10 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 20, 2017
ISBN:
9783889752574
Format:
Buch

Beschreibung

Ein völlig vergessener Krieg. Das erste große Debakel der USA nach 1945, ja, des 20. Jahrhunderts, und doch ein unbekannter Krieg: Ein Massenmord, ein Krieg der Bombenteppiche, der chemischen Kriegsführung, der absoluten Verwüstung, der in dem relativ kleinen Land Korea drei bis vier Millionen Tote forderte.Über das Zustandekommen dieses Krieges gibt es verschiedene Hypothesen, die aber bis heute auf den gleichen Schuldspruch hinauslaufen, nämlich eine Verurteilung der Nordkoreaner, der Sowjetunion, Chinas und der Kommunisten überhaupt.Zu vielen einzelnen Themen ist dieses Werk sehr detailliert, sehr fundiert in seinen Aussagen und überaus exakt. Es wurden neueste Quellen benutzt, die amerikanischen, russischen und chinesischen Archive sind jetzt – zumindest größtenteils – geöffnet und zugänglich.Der Autor Shen Zhihua wurde 1950 in Peking geboren und ist Geschichtsprofessor an der East China Normal University.
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 20, 2017
ISBN:
9783889752574
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Mao, Stalin und der Koreakrieg - Shen Zhihua

Originaltitel:

沈 志华, 毛泽东, 斯大林 与韩战 广东人民出版社, 2013

Übersetzung aus dem Chinesischen: Wang Fanke

Übersetzung der Bildüberschriften: Carmen Qi

Herausgeber: Dr. Anton Stengl

© 2017 Zambon Verlag, alle Rechte vorbehalten

zambon@zambon.net

www.zambon.net

Satz und Gestaltung: Fabio Biasio

ISBN 978-3-88975-257-4

Shen Zhihua

Mao, Stalin und der Koreakrieg

Die Beziehungen Sowjetunion - China vor und während des Konfliktes

INHALT

Einleitung des Herausgebers:

Wie der Koreakrieg begann. Fragen zur Rolle Stalins, Maos und der USA im ‘Kalten Krieg’

Einleitung – Der aktuelle Forschungsstand zu den chinesisch-sowjetischen Beziehungen im Zusammenhang mit dem Koreakrieg

KAPITEL 1.

Ein Traum von Fernost – die sowjetische Fernostpolitik und die Hintergründe des chinesisch-sowjetischen Bündnisses

1. Die Ziele der Außenpolitik Stalins und ihr späterer Wandel

Marxistisch-leninistische Prinzipien, Komintern, Stalin

Die Nachkriegszeit

Stalin und das Jalta-System

2. Die sowjetische Strategie und Politik auf der Koreanischen Halbinsel

Die Periode von 1945 bis 1948

Die Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea

3. Die Grundlagen für den Wandel in der sowjetischen Chinapolitik

Der Vertrag mit Chiang Kai-shek

Die Kommunistische Partei Chinas

Die USA

Der Bürgerkrieg in China

KAPITEL 2.

Die Annäherung zwischen Moskau und Beijing – Grundlagen, Ziele und Voraussetzungen des chinesisch-sowjetischen Bündnisses

1. Die Schwierigkeiten bei den Verhandlungen zum chinesisch-sowjetischen Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit

Nordosteisenbahn, Xinjiang, Mongolei

Mao Zedong in Moskau, Dezember 1949

Der neue Vertrag

Die USA

Die Mongolei

2. Das chinesisch-sowjetische Bündnis in der Bewährungsprobe

Taiwan und der Koreakrieg

Die neue amerikanische Doktrin: die umfassende Eindämmung

KAPITEL 3.

Das Überschreiten des 38. Breitengrades – Stalins Analyse der internationalen Lage in Bezug auf den Nordosten Asiens

1. Die Situation vor Kriegsbeginn

Die ‘Koreanischen Freiwilligen’ gegen Japan 1937

Der Aufbau der nordkoreanischen Armee

Die Grenze

China und Nordkorea

Ein Angriff Südkoreas?

Die Position der Sowjetunion 1949

2. Die Entscheidung zu Gunsten des Angriffs

Kim Il-sung will Südkorea überrollen

Kim Il Sung und Stalin

Kim Il-sung und Mao

Der erfolgreiche Angriff auf Südkorea

3. Die Hintergründe für die Entscheidung Stalins

USA und Vereinte Nationen

Zur KP Japans

Stalin und die Chinesische Revolution

KAPITEL 4.

Über den Yalu-Fluss - die chinesisch-sowjetische Allianz und die Entscheidung Chinas zur Truppenentsendung nach Nordkorea

1. Stalin und Mao Zedong in ihrer Verantwortung

Die USA im Krieg

Die Sowjetunion und China

Sowjetische Luftunterstützung

Die Lage in Korea im Juli 1950

Die Niederlagen Ende August und September 1950

Incheon

Die Vereinten Nationen

Die Telegramme

2. Mao Zedong ist unter Druck

Die beiden Telegramme an Stalin

Die Entscheidung, wer die Leitung der Operation übernimmt

Das Telegramm Stalins

Nordkorea

Die chinesische Freiwilligenarmee

Zhou Enlai, Stalin und die Verzögerung

Die Vorbereitungen

3. Die Entscheidung zur Truppenentsendung

Der Diskussionsverlauf

Motive für die Entscheidung

1. Aufgaben im Rahmen der internationalen Arbeitsteilung des sozialistischen Lagers - die Revolution in ganz Asien

2. Die Taiwan-Frage löste revolutionäre Empörung gegen die Vereinigten Staaten aus

3. Bedrohte Grenzsicherheit und Souveränität Chinas

4. Die strategische Situation im Rahmen der chinesisch-sowjetischen Allianz aufrechterhalten und die Macht der Kommunistischen Partei konsolidieren

KAPITEL 5.

Die perfekte Zusammenarbeit der chinesisch-sowjetischen Allianz im Koreakrieg und das Verhältnis zu Kim Il Sung

Die sowjetische Luftwaffe im Einsatz

Die sowjetische Unterstützung für China

Das chinesisch-sowjetische Bündnis im Krieg

Oberbefehl und Führung

Die Frage zur Führung des Kriegs im Süden

Die Frage der Eisenbahnverwaltung

Die Frage der Verhandlungspolitik für die Waffenruhe

Die Frage der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens

BIBLIOGRAPHIE

Quellen, Literatur und weitere Veröffentlichungen von Shen Zhihua

EINLEITUNG DES HERAUSGEBERS

Das Massaker

Ein völlig vergessener Krieg. Das erste große Debakel der USA nach 1945, ja, des 20. Jahrhunderts, und doch ein unbekannter Krieg: Ein Massenmord, ein Krieg der Bombenteppiche, der chemischen Kriegsführung, der absoluten Verwüstung, das in dem relativ kleinen Land Korea drei bis vier Millionen Tote forderte.

Der Erfolgsregisseur Oliver Stone nennt in seiner überaus sehenswerten Dokumentarfilmserie ‘The Untold History of the United States’ folgende Daten: 3-4 Millionen tote Koreaner - das entspricht 10% der Bevölkerung - 1 Million tote Chinesen - 36.000 gefallene US-Soldaten. Die Toten, die Verletzten, die Verkrüppelten und ein total verwüstetes Land! Es gab keine Städte mehr in Korea, Pjöngjang und Seoul waren dem Erdboden gleichgemacht.

Über das Zustandekommen dieses Krieges gibt es verschiedene Hypothesen, die aber bis heute auf den gleichen Schuldspruch hinauslaufen, nämlich einer Verurteilung der Nordkoreaner, der Sowjetunion, Chinas und der Kommunisten überhaupt.

Die hier vorliegende, breit angelegte Untersuchung hat die Hintergründe, die Beziehungen der in die Kämpfe verwickelten Parteien, die Entwicklung zum Krieg als Thema. Wer den ersten Schuss abfeuerte, bleibt für den Autor des Buches, Shen Zhihua, zu Recht eine Frage, die von geringer Bedeutung ist. Dass die nordkoreanische Armee als erste die Demarkationslinie überschritt, darüber gibt es keinen Zweifel. Vorangegangen waren aber etliche Feuergefechte an der Grenze, kontinuierliche Zwischenfälle und Provokationen, die ausschließlich von Seiten südkoreanischer Truppen ausgingen, die bis zu 10 Km in nordkoreanisches Territorium vordrangen. Nordkorea wartete auf eine Eskalation dieser Angriffe, die nicht eintrat – und tat dann den ersten Schritt.

Gerade deswegen ist die Frage, wie es auf politischer und diplomatischer Ebene - und nicht unmittelbar militärischer - zu diesem Krieg kam, so wichtig.

Ein koreanischer Krieg war es nur für kurze Zeit. Als aufgrund der Erfolge der nordkoreanischen Armee, die fast schon das ganze Land erobert hatte, US-Bomber und dann US-Infanterie das Roll-back begannen, dann große Teile Nordkoreas eroberten, sich der chinesischen Grenze näherten und daraufhin die chinesische Freiwilligenarmee intervenierte – waren seit dem ersten Schuss vier Monate vergangen. Der Krieg dauerte weitere 55 Monate bis zum Waffenstillstand.

Autor, Geschichtsauffassung und Vorbild

Shen Zhihua (沈志华), 1950 in Beijing geboren, gilt nicht nur in China als Experte, ja sogar als Pionier auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Aufarbeitung von historischem Archivmaterial zum ‘Kalten Krieg’, besonders dem Koreakrieg und den chinesisch-sowjetischen Beziehungen, die in diesem Zusammenhang stehen.

In den chinesischen Medien tauchte 1995 sein Name auf, als er, auf mehr oder weniger legale Weise, 1,4 Millionen Yuan, rund 200.000 Euro, aus eigener Tasche für den Einkauf russischer Dokumente aufbrachte, und sie in Koffern und Kisten zu sich nach Hause brachte.

In einem Projekt, das sich über sechs Jahre hinzog (1996-2002), wurden sie in 34 Bänden veröffentlicht¹.

Die akademische Karriere von Shen Zhihua war Mitte der Siebziger Jahre zuerst einmal zu Ende, als gegen ihn Mordanklage erhoben wurde. 1976 konnte er anscheinend die Unhaltbarkeit dieser Anklage beweisen, so dass er 1977 seine Studien wieder aufnehmen konnte, mit post-graduatestudies an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS).

1983 wurde Shen unter der Anklage des Verrats von Staatsgeheimnissen verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Im Mai 1984 wurde er vorzeitig entlassen. Er entschloss sich, erst einmal viel Geld zu verdienen. Er ging nach Shenzhen und arbeitete in der Export/Import-Branche, später nach Guangzhou und spekulierte mit Gold. Er wurde in wenigen Jahren der größte Goldhändler Chinas. 1993 hatte er genug verdient und widmete sich wieder seinen Studien.

Er gründete sein eigenes ‘Centre for Oriental Historical Research and Association of Chinese Historical Studies’ (中国史学会东方历史研究 中心), arbeitete als Dozent an verschiedenen Universitäten, ist Direktor des ‘Center for Cold War International History Studies’ an der ‘East China Normal University’ in Shanghai und war bis 2014 am Woodrow Wilson International Center².

Seine bekanntesten Veröffentlichungen sind Secrets of the Korean War 朝 鲜战争揭密 (1995) und daran anschließend Mao, Stalin and the Korean War 毛泽东, 斯大林与韩战 (1998). Dieses Werk liegt erstmals in deutscher Übersetzung vor Ihnen.

Shens zentrale These in seinen Büchern: Chinas Intervention im Koreakrieg war nicht nur Selbstverteidigung und Hilfe für ein sozialistisches Nachbarland, sondern hatte viel mehr damit zu tun, sich als ein vertrauensvoller Partner der Sowjetunion zu zeigen, um so deren Unterstützung für die geplante militärische Eroberung Taiwans zu bekommen, und Stalin unterstützte die Invasion Kim Il-sungs nur deswegen, weil durch das eben abgeschlossene chinesisch-sowjetische Bündnisabkommen die Sowjetunion ihre Militärbasis in Lüshun verlieren würde, und dann nur noch in Nordkorea Stützpunkte in Ostasien haben könnte².

Es ging also allen Seiten, natürlich auch Nordkorea und Kim Il-sung, im Kern um nationalen Egoismus. Diesen doch recht oberflächlichen Standpunkt zu begründen und zu belegen, ist nicht einfach. Das Buch ist daher in vielen Punkten widersprüchlich, zweifellos ein Resultat der Versuche, die oben genannten Thesen unbedingt beweisen zu wollen, andererseits doch den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit zu verteidigen.

Zu vielen einzelnen Themen ist dieses Werk sehr detailliert, sehr fundiert in seinen Aussagen und überaus exakt. Es wurden neueste Quellen benutzt, die amerikanischen, russischen und chinesischen Archive sind jetzt - zumindest größtenteils - geöffnet und zugänglich.

Dann wiederum stützt sich das Buch auf Vermutungen, Mutmaßungen, die von der Grundposition des Autors bestimmt sind.

Was sofort auffällt – und das ist sicherlich ein großer Verdienst dieses Buches – ist die Relativierung der Fronten: Es gab weder einen geschlossenen amerikanischen Block, der unbedingt den Krieg wollte, noch eine chinesische und sowjetische Politik, die von vornherein auf einen militärischen Angriff aus war, im Gegenteil. Die Optionen waren zu dieser Zeit, 1949 und 1950, noch durchaus vielfältig. Keine Führungsspitze zeigte sich zu jedem Punkt und in jedem Moment einig, jede der Parteien veränderte im Verlauf der Zeit seine Einschätzungen und damit seine konkreten politischen Schritte.

Man muss sich daran erinnern, dass die Kriegsgegner fünf Jahre zuvor Alliierte gegen Nazi-Deutschland und Japan gewesen!

Besonders krasse Änderungen zeigte zweifellos die US-Politik mit Truman. Kein größerer Gegensatz ist vorstellbar als der zwischen Acheson und MacArthur. Dem gegenüber standen die Position des koreanischen Parteichefs Kim Il Sung mit dessen enormen Fehleinschätzungen, die kohärente revolutionäre Linie Mao Zedongs, die er gegen anfängliche Parteimehrheiten durchsetzte, und die Überlegungen Stalins, vorsichtig und besonnen.

Shen Zhihua übernimmt vorbehaltlos die Thesen des Buches ‘Uncertain Partners: Stalin, Mao, and the Korean War’ - Studies in International Security and Arms Control, von Sergei Goncharov, John Lewis und Litai Xue, das 1993 bei Stanford University Press erschien.

Sergei Goncharov war ehemaliges Mitglied des Fernostinstituts der Akademie der Wissenschaften in Moskau, Berater von Boris Yeltsin und im Russischen Außenministerium tätig; John W. Lewis ist Professor für Chinesische Politik an der Stanford University; Xue Litai ist Forschungsmitarbeiter am Center for International Security and Arms Control an der Stanford University. Ein ehemaliger Berater von Yeltsin als Stichwortgeber.

In einer Buchbesprechung werden die Thesen dieses Buch – die exakt denen des vorliegenden entsprechen - folgendermaßen zusammengefasst:

Ihr Text enthüllt, wie die Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und China, …, nicht von historischen Gesetzen und Kräften bestimmt wurden, wie es die kommunistische Geschichte und Theorie es so haben will. Was sich auf den informativen Seiten von ‘Uncertain Partners’ stattdessen zeigt, ist ein Bild zweier charismatischer Führer, Stalin und Mao, die in eigener Person das Schicksal ihrer beiden Nationen bestimmen, und dann von dem gerissenen Kim ausgetrickst werden.

Statt sich engstens mit den kommunistischen Rebellen unter Mao zu verbünden, verfolgte Stalin stattdessen eine Außenpolitik gegenüber China, die – gemäß der äußerst glaubwürdigen und gut begründeten Meinung der drei Autoren – mehr jener des Kaiserlichen Russlands des 19. Jahrhunderts ähnelte als der eines kommunistischen Machthabers gegenüber einem anderen kämpfenden Genossen. … Die Autoren zeigen sehr schön, wie Stalin sich erst dann Maos Sache annahm, als es so aussah, dass die chinesischen Kommunisten auf dem Schlachtfeld erfolgreich sein werden. (…) Wiederum zeigt sich, dass die Wirklichkeit, wie sie von diesen peinlich genau arbeitenden Wissenschaftler enthüllt wird, ein perfektes Gegenmittel zu irgendwelchen marxistischen Geschichtstheorien ist: Mao und Stalin verhandelten nicht miteinander wie es die Theorien des Klassenkampfes wohl festsetzen. Stattdessen handelten die beiden kommunistischen Hauptpersonen … entsprechend der langfristigen nationalen Interessen ihrer Länder und entsprechend ihrer Charaktere, Ambitionen, Rivalitäten und Feindseligkeiten. Hinter der offiziellen Rhetorik der kommunistischen, brüderlichen Hilfe und der gemeinsamen Klasseninteressen existiert eine viel komplexere Welt der Spiele um hohe Einsätze, persönlicher Intrigen und schließlich vorbehaltloser Betrügerei und Schwindel.³

Lauter Schwindler, Politik ist böse. Banalität wird auch nicht überzeugender, wenn akademische Titel daran hängen. In einer kritischeren Buchbesprechung⁴ heißt es:

But is it good history? For all its scholarship, it feels driven by a relentless desire to prove that it was more the personality quirks and uniquely deep-seated nationalist bent of both Stalin and Mao than their environs which shaped the events leading to the Sino-Soviet Alliance of 1950 and China´s subsequent entry into the Korean War. In writing a book highlighting the interactions between these two men the authors seem to have fallen victim to the very viewpoint they spend hundreds of pages disparaging. … Only in the conclusion do the authors face what for the historian must be the more important question: not so much the fact of great men making decisions under the weight of their own psychology but how these decisions are to be understood and interpreted within a framework of domestic and international events.

Geschichte als Eiertanz nationalistischer Betrüger – in Wirklichkeit bleibt Shen glücklicherweise dann doch nicht in einer solchen Position hängen, er überschreitet seine Grenzen und versucht, das Zustandekommen der Entscheidungen seiner Protagonisten in einem Gesamtkontext zu erklären.

Die Quellen

Shen Zhihua verneint keineswegs, einen gezwungenermaßen subjektiven Standpunkt einzunehmen, also von seinem persönlichen Standpunkt aus, Vermutungen anstellen zu müssen, da wichtige Quellen - wie etwa persönliche Aufzeichnungen von Stalin und Mao, Tagebücher, Notizen, etc. - fehlen. Bei Lesen des Buches hat man jedoch nicht den Eindruck, er würde seine Wertungen auch nur im leisesten in Zweifel ziehen.

Die Quellen sind leider nicht immer überzeugend. Es handelt sich zum Teil natürlich um neu veröffentlichte Dokumente aus russischen Archiven, die über jeden Zweifel erhaben sind, dazu kommen die schon lang zugänglichen amerikanischen und die chinesischen Texte.

Zum anderen Teil werden aber auch nicht veröffentlichte Texte, mündliche Informationen, Interviews und Erinnerungen herangezogen. Dies wäre im Kontext einer ‘Oral History’ zum Zwecke der Veranschaulichung und der Vertiefung des Verständnisses historischer Vorgänge durchaus in Ordnung. Dagegen würde sich nichts sagen lassen. Problematisch und fragwürdig sind diese Aussagen jedoch, wenn sie als absolute Wahrheit behandelt werden, obwohl es nichts gibt, was sie bestätigen könnte.

Als besonders wichtige Quellen werden bei Shen die persönlichen Archive von Kovalev⁵, Stalins Kontaktperson bei Mao, und die Erinnerungen von Shi Zhe, einem Russisch-Dolmetscher Maos⁶, verwendet, auf die sich auch das Buch von Goncharov, etc. im Wesentlichen stützte. Dazu die schon zitierte Buchbesprechung:

Part of the problem lies with a shortage of material. … To compensate, the authors rely heavily on the memoirs and recollections of Kovalev and Shi Zhe. While the personality quirks and uniquely deep-seated nationalist bent of Kovalev and Shi Zhe, not of Stalin and Mao as the authors intended, seem to write much of the history in ‘Uncertain Partners’, their assertions, often contradictory, leave us unsure as to who made it. If Kovalev and Shi Zhe truly detested one another as much as Goncharov, Lewis and Litai tell us they did, one must wonder how, and using what methodology, did the authors sift through Kovalev´s and Shi Zhe´s conflicting testimony. One walks away from the book feeling that the answer to the debate over whether or not the history of the world is but the biography of great men probably lies not in one or another of the warring theories but rather rests with the cloudy remembrances of secondary actors and third rate witnesses.

Sehr oft wird auch Sekundärliteratur zitiert, auffällig ist zu Beispiel, dass in dem ersten Teil des Buches, bei dem es explizit um Stalin geht, immerhin 24mal die ‘Дневник’ zitiert wird: ‘Дневник’ heißt übersetzt einfach nur ‘Tageszeitung’.

Noch schlimmer: Bei einigen Zitaten, die wichtig und überraschend sind, wird überhaupt keine Quellenangabe gemacht⁸.

Bedenken bezüglich bestimmter Quellen hatten übrigens auch Prof. Domenico Losurdo⁹ von der Universität Bologna, Verfasser eines lesenswerten Buches über den Wandel des Stalin-Bildes, und weitere Historiker.

Die Informationen zu den Hintergründen, dem Zustandekommen und dem Verlauf des Koreakrieges am Anfang machen trotz allem das Buch für ein besseres Verständnis des Kalten Krieges äußerst wertvoll. Die zentralen Fragen werden hier kurz geschildert.

Worum es ging. Kernfragen des Koreakrieges

Kim Il-sungs Angriff auf Südkorea und die Sowjetunion, China und die USA

Die Einschätzung Kims Anfang 1950 war nicht ganz aus der Luft geholt: Die Wiedervereinigung seines Landes durch eine kurze militärische Aktion zu erreichen, also Südkorea zu überrollen und das Regime von Rhee zu kippen, schien durchaus realistisch zu sein. Man würde es in kürzester Zeit, ohne ausländische Hilfe, ohne viele Opfer schaffen, denn Rhees Soldaten würden nach Hause gehen oder reihenweise überlaufen. Die Bevölkerung würde die Diktatur nicht verteidigen.

Und so war es dann auch!

Nur drei Tage nach Kriegsbeginn, am 28. Juni 1950, eroberten Kims Truppen die südkoreanische Hauptstadt Seoul! Nach 5 Tagen war die südkoreanische Arme um die Hälfte dezimiert, überwiegend durch Desertation.

Die Intervention der USA in Korea, die sowohl Stalin als auch Mao nicht ausgeschlossen, aber eher für unwahrscheinlich gehalten hatten, folgte auf dem Fuße.

Die Politik der USA hatte sich im Lauf des Jahres 1950 radikal gewandelt! Die Seiten zu diesem Thema gehören zu den interessantesten des Buches! Hier ist jedes Detail auch durch amerikanische Quellen, die oft im Internet abrufbar sind, belegt.

Shen schreibt über die Anfangsposition der Vereinigten Staaten:

Wenn es Krieg mit der Sowjetunion gebe, wäre es die grundlegende Strategie der Vereinigten Staaten, im Westen (Europa) Angriffspolitik zu betreiben und im Osten (Asien) Defensivpolitik. Daher reichte die Verteidigungslinie der USA im Fernen Osten von Japan über die Ryukyu-Inseln bis zu den Philippinen. Aus diesen Überlegungen heraus hatten sich die USA nicht in dem Bürgerkrieg Chinas eingemischt und wollten sogar Taiwan aufgeben. Aus dem gleichen Anliegen zogen die USA im Juni 1949 ihre Truppen von der koreanischen Halbinsel zurück.¹⁰

In einem Memorandum des amerikanischen Staatssekretärs vom 29. Dezember 1949 hieß es¹¹: … wobei der Grund für die Eroberung Chinas durch die Kommunisten nicht vor allem in der militärischen Kraft, sondern in dem Zusammenbruch der KMT (Guomintang) und der Ausnutzung der Agrarrevolution durch die KP Chinas liege, die lange Zeit in China einen Anreiz darstellte. (…) Obwohl man in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Konferenz der Stabschefs die militärische Hilfe für die KMT erhöhen will, stellt es nichts anderes dar, als ein Jahr Aufschub für den Fall von Taiwan (…). Da Taiwan keine strategische Bedeutung für die Sicherheit und Verteidigung der Vereinigten Staaten hat, lohnt sich dieser Preis nicht.

Die Vereinigten Staaten sollten auf keinen Fall statt der Sowjetunion sich selbst als imperialistische Bedrohung gegen China darstellen.

Die gleiche Position nahm der Nationale Sicherheitsrat der USA ein.

In Taiwan wurde übrigens Shen in den Massenmedien beschuldigt, mit diesen Angaben Staatsgeheimnisse ausgeplaudert zu haben (was natürlich völliger Unsinn ist, es handelte sich um öffentliche Erklärungen der amerikanischen Regierung!).

Am 5. Januar 1950 kündigte Truman auf einer Pressekonferenz an, dass die USA nicht die Absicht haben, mit einem Militärschlag in die aktuelle Situation in Bezug auf Taiwan zu intervenieren, sich auch nicht in den Bürgerkrieg in China verwickeln zu lassen und der chinesischen Armee in Taiwan nicht einmal militärische Hilfe oder Beratung geben werde.

Am 12. Januar 1950 wurde in der berühmten Rede von Dean Acheson vom amerikanischen Verteidigungsministerium noch einmal klar gestellt, dass Japan, Okinawa und die Philippinen die US-Verteidigungslinie im Pazifik dargestellten. Das hieß, Korea und Taiwan gehörten definitiv nicht zum Einflussbereich der Vereinigten Staaten. Was hatte sich in den wenigen Monaten zwischen Januar 1950 und dem nordkoreanischen Angriff Ende Juni 1950 geändert?

Am 14. Februar 1950 wurde das Bündnisabkommen zwischen China und der Sowjetunion veröffentlicht. Jetzt war es eindeutig geworden: Durch den Vertragsabschluss mit der Sowjetunion stand China auf der Seite des Feindes.

Die sogenannte ‘Verteidigungslinie’ der USA wurde sofort neu definiert: Sie wurde nun unmittelbar vor China gezogen, Korea bzw. Südkorea und Taiwan befanden sich dahinter. Die USA bereiteten sich auf eine militärische Konfrontation mit China vor, die entweder in Korea, Taiwan oder auch in Vietnam stattfinden würde, sobald China die jeweiligen Grenzen des Landes überschreiten würde.

Die Guomintang-Diktatur war bei niemandem beliebt, am wenigsten bei den Taiwanesen. Darüber war sich die US-Regierung im Klaren. Aber jetzt brauchte man sie. Der Scharfmacher MacArthur, Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte im Fernen Osten, verglich im Mai 1950 Taiwan mit einem unsinkbaren Flugzeugträger. Wenn Taiwan von der KP Chinas kontrolliert werden würde, würde es nichts anderes bedeuten, als dass Taiwan unter der Herrschaft der Sowjetunion steht und dann wären die Verteidigungslinien der USA am ganzen Pazifischen Ozean in Gefahr.

Die offizielle amerikanische Position zur Taiwan-Frage wurde jetzt mit dem Hinweis auf die Zugehörigkeit der Insel zu Japan schon seit dem Ende des 19. Jahrhunderts begründet. Daher müsse zuerst ein Abkommen mit Japan getroffen werden.

Als Kim Il-sung 1949 den militärischen Angriff vorschlug, also immer noch das alte Konzept der USA seine Gültigkeit hatte, wie standen Stalin und Mao zu diesem Zeitpunkt den Angriff auf den Süden Koreas? Stalin erklärte in der Sitzung des Politbüros der KP vom 24. September 1949 sehr überzeugend:

Aber bisher tut ihr noch sehr wenig in Bereichen wie der Initiative zur aktiven Beteiligung an den Kämpfen der Volksmassen des Südens, der Entwicklung der Guerilla-Bewegung in ganz Südkorea, der Errichtung von befreiten Gebieten und der Planung von Volksaufständen. Nur unter der Bedingung, dass der Volksaufstand, der die Basis des reaktionären Regimes zerstören kann, schon begonnen hat und wirklich am Laufen ist, kann der militärische Angriff auf den Süden die südkoreanischen Reaktionäre stürzen und für die demokratische, nationale Wiedervereinigung ganz Koreas entscheidend sein.¹²

Was Stalin hier vorschlug, war das Konzept Mao Zedongs für den Volkskrieg. Mao vertrat natürlich genau dieselbe Auffassung. Noch im Januar 1950 waren beide der Meinung, es sei auf jeden Fall noch zu früh, einen Angriff zu wagen. Zudem solle Korea nur zurückschlagen, aber nicht angreifen, um nicht in der Weltöffentlichkeit in die hassenswerte Position des Aggressors zu geraten. Genau dies traf dann später leider zu!

Kim Il-sung drängte vehement auf einen sofortigen Angriff und ließ nichts unversucht, Stalin und Mao davon zu überzeugen. Schließlich willigte Stalin Ende Januar 1950 ein, auf persönlicher Ebene mit Kim noch einmal zu reden. Auch Mao war zu diesem Zeitpunkt in Moskau.

Aber Kim kam erstmal nicht, im April 1950 ist er in Moskau. In dem offiziellen Gespräch vom 10. April ist von einem militärischen Angriff auf Südkorea überhaupt nicht die Rede. Nordkoreanische Politiker, die später vor Kim Il-sung in die Sowjetunion flohen, erzählten von Privatgesprächen zwischen Stalin und Kim¹³ - und Stalin soll Kim auf einmal regelrecht zum Krieg überredet haben. Es gibt keine anderen Quellen, als diese mündlich vorgebrachten Erinnerungen, die nicht einmal aus erster Hand sind.

Für Shen ist diese Angelegenheit besonders wichtig: Ein plötzlicher Alleingang der Sowjetunion mit Kim im Frühling 1950 ohne die Mitwisserschaft der chinesischen Regierung.

Ist dies glaubwürdig? Die koreanischen Zeugen behaupten, Stalin hätte am Ende der Privatgespräche mit Kim gesagt: Wenn ihr auf starken Widerstand stoßt, kann ich wenig helfen. Ihr solltet um die Hilfe von Mao bitten. Und jener sollte nicht einmal informiert gewesen sein?

Der Ablauf der Geschehnisse ist jetzt sehr lückenhaft. Ende März 1950 soll Kim um einen Besuch bei Mao gebeten haben. Mao erhielt am 3. Mai 1950 ein Telegramm Stalins, das sagte, ihn in den nächsten Tagen über den Besuch der koreanischen Genossen im April informieren zu wollen. Mehr ist in den Archiven nicht zu finden. Stalin war wohl der Auffassung, dass zuerst die Nordkoreaner mit Mao sprechen sollten. Am 13. Mai fuhr Kim nach Peking. Über sein Gespräch mit Mao gibt es wiederum nur mündliche Aussagen.

Kim soll gesagt haben, seine Militäraktion wäre in zwei, drei Monaten beendet, fremde Hilfe sei absolut nicht notwendig. Laut der Meinung von Shen soll Mao nur gezwungenermaßen mit dem Angriff zum damaligen Zeitpunkt einverstanden gewesen sein – weil eben auch Stalin dafür gewesen sein soll. Es lässt sich nicht eindeutig nachvollziehen, denn auch die Position Stalins scheint nicht so eindeutig gewesen zu sein! So schreibt schließlich auch Shen, nachdem er zuvor Stalin als Kriegshetzer hingestellt hatte: Auch Stalin war eigentlich mit militärischen Aktionen Nordkoreas nicht unbedingt einverstanden gewesen.¹⁴

Am 24. Juni 1950 überschritt die nordkoreanische Armee die Militärische Demarkationslinie, den 38. Breitengrad, eine rein provisorische Grenze, willkürlich von den damaligen Alliierten USA und Sowjetunion festgelegt. Weder in Nord- noch in Südkorea gab es zu diesem Zeitpunkt ausländische Truppen, weder Russen noch Amerikaner. Die neue nordkoreanische Armee war mit der Hilfe sowohl der Sowjetunion (Ausrüstung) als auch Chinas (Ausbilder, Militärberater) aufgebaut worden und der südkoreanischen in jeder Hinsicht überlegen.

Am 25. Juni 1950 nachmittags - um 0 Uhr hatte der Angriff begonnen! – nahm der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine Resolution der USA an, in welcher die Militäraktion Nordkoreas verurteilt, die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und der Rückzug zur Demarkationslinie gefordert wurde. Alle UN-Mitgliedsstaaten wurden aufgerufen, diese Resolution umzusetzen – und die USA beschlossen daraufhin militärisch einzugreifen. Schon ab dem 26. Juni wurde vehement bombardiert.

Der Koreakrieg wird in den USA übrigens auch heute offiziell als ‘conflict’ bezeichnet, da es nie eine Kriegserklärung der Vereinigten Staaten gegen Nordkorea gegeben hatte.

Am 7. Juli wurde eine Resolution zur Entsendung von UN-Truppen verabschiedet. Im UN-Sicherheitsrat waren damals weder China vertreten, sondern Taiwan an seiner Stelle, noch die Sowjetunion, die genau aus diese Grund den Sicherheitsrat seit Januar 1950 boykottierte.¹⁵

Ende August 1950 bat Kim Il-sung um die Entsendung chinesischer Freiwilliger in sein Land, um die USA aufzuhalten. Die nordkoreanische Luftwaffe war nicht mehr existent, die Flak größtenteils vernichtet, es gab keine Möglichkeiten mehr, sich gegen die amerikanischen Bomber zu wehren. Am 15. September 1950 begann die Landung der amerikanischen Armee mit rund 150 Schiffen und 70.000 Soldaten in Incheon. Ende September verfügte die nordkoreanischen Truppen über keine Panzer und keine Kanonen mehr.

Stalin konnte eine direkte Intervention der Roten Armee in Korea nicht verantworten. Er entschloss, nach der Landung der USA sowjetische Luftwaffe nach Dandong an die chinesisch-nordkoreanische Grenze zu schikken, Kampfjets, die überaus erfolgreich kämpften – unter chinesischer und nordkoreanischer Fahne!

Wollten die Amerikaner nach Peking marschieren?

Als der Koreakrieg am 25. Juni 1950 begonnen hatte und die Truppen Kims im Eiltempo nach Süden marschierten, war eine Rückendeckung durch chinesische Freiwillige unter nordkoreanischer Fahne im Gespräch. Stalin wandte sich zu diesem Zeitpunkt gegen jede Einmischung durch Truppen von außen, Mao stimmte ihm zu. Nach den Bombardierungen durch die amerikanische Luftwaffe landeten am 1. Juli die ersten zwei US-Infanterieregimenter zur Unterstützung Südkoreas. Seit 8. Juli 1950 war MacArthur, der Held des Pazifikkrieges, Oberbefehlshaber der US-Truppen in Korea. Nachdem sich nach der Landung der US-Truppen in Incheon die Situation auf dem Schlachtfeld völlig verkehrt hatte, wäre wiederum eine chinesische Intervention zum Schutz der Demarkationslinie am 38. Breitengrad vorstellbar gewesen. Doch man zögerte, man wollte eine Eskalation des Krieges noch unbedingt vermeiden. Zwei Wochen später ist die nordkoreanische Armee in Auflösung begriffen. Kim Il-sung bittet China um militärische Hilfe, um die Entsendung von Truppen, Stalin unterstützt seinen Vorschlag.

Am 27. September bekommt MacArthur den Befehl, in Nordkorea einzumarschieren. Am 2. Oktober 1950 soll der amerikanischen Regierung über den indischen Botschafter gesagt worden sein, dass die chinesische Armee intervenieren würde, wenn die USA Nordkorea angreifen würde. Dies wird einfach ignoriert. Am 8. Oktober 1950 setzten die USA bei der UN durch, dass es nicht mehr um die Verteidigung des 38. Breitengrades als südkoreanische Grenze, also um das Zurückschlagen des nordkoreanischen Angriffs, gehen müsse, sondern um die militärische Eroberung Nordkoreas.

Am 11. Oktober überschreitet die amerikanische Armee die Demarkationslinie und marschiert in Richtung chinesische Grenze, auf den Fluss Yalu zu, den sie an zwei Stellen erreichen wird. Am 19. Oktober interveniert die chinesische Freiwilligenarmee in Nordkorea. 350.000 US-Soldaten werden in Korea kämpfen, dazu 44.000 Soldaten anderer Länder – unter UN-Fahne, aber amerikanischem Kommando. Die chinesische Freiwilligenarmee umfasst 180.000 Mann. Mit sowjetischer Luftunterstützung dringt sie bis zum 38. Breitengrad vor. Dort bleibt sie stehen.

Die Entscheidung, chinesische Truppen nach Korea zu schicken, war nicht einfach. Zweifellos – wie Shen aufzeigt – war es in erster Linie Mao, der die Intervention innerhalb der KP-Führung durchsetzte – übrigens auch gegen den Willen Lin Biaos¹⁶. Die Entscheidungsfindung wird im vorliegenden Buch sehr detailliert dargestellt. Interessant ist es besonders, dass auch in diesem Fall, also 1950 im Koreakrieg, genauso wie bei der Kampagne des ‘Großen Sprungs nach Vorn’ und in der Kulturrevolution, Mao Zedong keine stabile Mehrheit in der Parteiführung hatte¹⁷.

Es gab nicht nur die Sicherheitsüberlegung - die reale Gefahr, dass die USA die Grenze zu China überschreiten, daher schon in Korea gestoppt werden müssen - und die Revolutionsüberlegung - die Besetzung Koreas durch Amerika hätte einen Rückschlag für die Revolution in ganz Asien bedeutet. Beide Überlegungen schließen sich jedoch keineswegs gegenseitig aus, sondern, im Gegenteil, sie ergänzen sich. Shen fügt seine schon genannten persönlichen Thesen an: Die Taiwan-Frage und die Verpflichtung gegenüber der Sowjetunion. Er ergänzt jedoch, sie seien jetzt zu wenig präzise¹⁸.

Sofort nach Beginn des Koreakriegs, schon am 26. Juni 1950, hatte die amerikanische Regierung die 7. Flotte ihrer Kriegsmarine in die Taiwan-Straße zwischen China und der Insel geschickt und den Status Taiwans für ‘unbestimmt’ definiert. Das vorhergehende Prinzip der ‘Nichteinmischung in innere chinesische Angelegenheiten’ war damit außer Kraft gesetzt. Auch dies zeigt, wie real die Bedrohung durch die USA geworden war.

General MacArthur will gleich bis Peking durchmarschieren., so lautete ein Zwischentitel in einem Artikel von Theo Sommer zum Koreakrieg in Der Zeit¹⁹. Er schrieb, ein Waffenstillstand mit Nordkorea und China ging dem General MacArthur gründlich gegen den Strich. Er wollte den Krieg nach China hineintragen, wollte das Reich der Mitte niederbomben, notfalls mit Atomwaffen.

Am 20. März 1951 schrieb MacArthur in einem Brief an den Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, der dort sofort verlesen wurde: Wir müssen gewinnen. Es gibt keinen Ersatz für den Sieg. Drei Tage später torpedierte er den mittlerweile von Truman verfolgten Gedanken an eine Friedensinitiative.

Am 10. April 1951 entließ der genervte Präsident seinen General, der in Massenveranstaltungen im ganzen Land weiterhin den Siegfrieden und den Angriff gegen China propagierte. Natürlich stand er nicht allein da.

Am 8. Juli 1951 begannen die Waffenstillstandsverhandlungen, die erst am 27. Juli 1953 – also nach zwei Jahren! – zu Ende gingen.

Das zweifelhafte Geschichtskonzept von Shen Zhihua und seine unzweideutigen Sympathien (Mao) und Antipathien (Stalin) machen es leider notwendig, wenigstens kurz auf weitere Punkte, die in diesem Buch behandelt werden, genauer einzugehen.

Anmerkungen zu weiteren Fragestellungen

Zur Politik Stalins

Die Außenpolitik Stalins, nicht nur im Kontext des weltweiten ‘Kalten Krieges’, sondern seit Beginn seiner Regierungszeit am Ende der Zwanziger Jahre, wird erstaunlich ausführlich dargestellt. Ein Kapitel von über siebzig Seiten befasst sich damit. Das Ergebnis fällt zu Ungunsten Stalins aus, der gleich am Anfang der Ausführungen als russischer Nationalist bezeichnet wird, der mit Marxismus und Revolution absolut nichts zu tun hatte. Dieser Abschnitt des Buches gehört zweifellos zu seinen schwächsten Teilen.

Die Sowjetunion hatte mit 20 Millionen Toten einen großen Preis im Kampf gegen den Faschismus gezahlt. Natürlich musste sie versuchen, weitere militärische Konflikte zu vermeiden, die Nation wieder aufzubauen und ein möglichst gutes Verhältnis zu den anderen Ländern zu finden. Stalin wird aber von Shen Zhihua unterstellt, er habe in der Tradition des Zarismus(!) eine Politik zur Sicherung des Staatsinteresses durchgeführt. Der russische Zar betrieb eine aggressive, imperialistische Politik, die auf Machterweiterung und Eroberung aus war und nicht einfach auf Sicherung des Staatsinteresses. Shen wirft aber Stalin keineswegs eine aggressive Politik vor, eher im Gegenteil, dessen Politik soll opportunistisch gewesen sein. Shen ist auch hier widersprüchlich und sein Vergleich ist einfach falsch.

Stalins Opportunismus bestand konkret darin, dass er auf die Einhaltung des Jalta-Abkommens zwischen den Alliierten von 1945 bestand, also auf den machtpolitischen Status quo der frühesten Nachkriegszeit. Im Abschnitt Marxistisch-leninistische Prinzipien, Komintern, Stalin²⁰ wird versucht, die kommunistische Position in der Außenpolitik im Spannungsfeld zwischen der Unterstützung der sozialistischen Revolution weltweit und der zwangsläufigen Koexistenz mit den kapitalistischen Ländern in eine Gegenposition zur nationalistischen Stalinschen Politik zu stellen. Bei Shen läuft es darauf hinaus, dass genau zwei Standpunkte in der Kriegs- und Nachkriegszeit überhaupt möglich gewesen wären: entweder für den Sozialismus und die Revolution einzutreten oder für die Sowjetunion Partei zu ergreifen. Diese Gegensätzlichkeit, die ja keineswegs Shen erfunden hat, ist unhaltbar.

War die Befreiung Polens, anderer osteuropäischer und der Balkanländer durch die Rote Armee und die großen demokratischen Reformen, die in diesen Ländern tatsächlich realisiert wurden – wie die Enteignung des Großgrundbesitzes, die Landreform, die Entmachtung der Nazi-Kollaborateure, die Abschaffung der Monarchie, usw. – kein Erfolg gegen den Faschismus und kein Schritt zur sozialen Revolution, sondern nur sowjetische Machtpolitik?

Die Auflösung der Komintern im Jahre 1943 scheint für ihn der einfachste Beweis dafür zu sein, dass Stalin nicht mehr die Revolution weltweit als Ziel ansah. Seitenlang geht der Shen Zhihua darauf ein²¹. Aber hatte Stalin überhaupt die Auflösung gewollt? Und wenn ja, aus welchen Gründen? Diese Frage ist bis heute offen.

Der VII. Kongress der Komintern, der die allgemeinen Grundlinien der antifaschistischen Politik der Kommunisten festlegte, hatte 1935 stattgefunden. Es war nicht nur der letzte Kongress, keine einzige Konferenz fand nach ihm noch statt, keine Führungsebene der Komintern trat nach ihm noch zusammen! Es war vorbei. Die Komintern war bei ihrer offiziellen Grablegung schon acht Jahre tot. Wer hatte ihr Ende gewollt? Die Führer der Kommunistischen Parteien Italiens und Frankreichs, Togliatti und Thorez²², hatten den VII. Kongress dominiert – während Stalin auf ihm nicht gesprochen hat, keinem einzigen Gremium angehörte. Es gibt vor 1943 keine Äußerung von ihm zu Gunsten einer Auflösung der Komintern.

Dass Stalin keineswegs immer eine Mehrheit hinter sich hatte, zeigt seine Absetzung auf dem 19. Parteitag 1952²³. Nicht alles, was in der Sowjetunion vor sich ging, geschah auf Geheiß Stalins – was zu dem einfachen Geschichtsbild von Shen mit seinen Personifizierungen nicht passt.

War die Politik Stalins nach 1945 wirklich so kriecherisch und immer nur auf Kooperation mit dem Westen ausgerichtet, wie Shen Zhihua es behauptet? 1946 hielt Stalin eine Rede, in der er von der Unvermeidlichkeit von Kriegen im Imperialismus sprach. Shen selbst zitiert den Bericht Novikovs vom September 1946, der die aggressive Großmachtpolitik der USA zu dieser Zeit völlig richtig analysierte²⁴. Im Sommer 1947 hielt Truman seine berühmte Rede, in der er allen Ländern, die sich vom Joch des Kommunismus befreien wollen amerikanische Hilfe zusicherte, die Truman-Doktrin war geboren. Darauf antwortete Shdanow im gleichen Jahr mit dem Konzept der zwei Lager²⁵, der kapitalistische Westen und der Ostblock.

Trotzdem versuchte Stalin, unter Berufung auf Jalta, in konkreten Situationen so weit wie möglich Konflikte und Spannungen zu verhindern, wie es zum Beispiel die ‘Stalin-Note’ an die bundesdeutsche Regierung von 1952 beweist. War dies falsch?

Weder waren die westlichen Großmächte stark genug, die Sowjetunion und die internationale kommunistische Bewegung zu eliminieren, was sie im ‘Kalten Krieg’ ja so gern getan hätten, noch hatten die Kommunistischen Parteien in irgendeinem Land wirklich eine Mehrheit hinter sich, gab es in irgendeinem Land eine tatsächlich revolutionäre Situation. Die Kraft der KP in vielen Ländern kam in erster Linie aus ihrer überragenden Bedeutung im Widerstand gegen den Faschismus, nicht aus ihrer Funktion als Partei der sozialen Revolution. Dies zeigt das Beispiel Italien. Daraus leitete sich die überaus komplexe Politik in den verschiedenen Staaten ab, das Lavieren, das Hinhalten, die Kompromissbereitschaft, wobei natürlich auch vieles falsch gemacht wurde.

Es können hier nur einige Beispiele aus der im Buch besprochenen sowjetischen Politik herausgenommen und als Diskussionsbeitrag der Meinung von Shen Zhihua entgegengesetzt werden.

Das Beispiel Italien

Shen Zhihua schreibt über die kommunistische Nachkriegspolitik in Frankreich, Italien, Griechenland, wie auch in Bulgarien, in der Tschechoslowakei, etc. Er lässt kaum ein Land aus – wobei die Ausführlichkeit, mit der es tut, wiederum erstaunt, aber es ist ihm wohl wichtig, um die Position Stalins zu erklären. Nehmen wir den Fall Italien²⁶. Shen scheint wohl der Meinung zu sein, dort hätte eine Revolution stattfinden sollen, die Stalin aber nicht wollte.

Die Kommunistische Partei, die in erster Linie den Kampf gegen Nazis und Faschisten geführt hatte, war keineswegs die stärkste Partei. Bei den ersten Wahlen 1946 errang sie knapp 19% - die Christdemokraten aber 35%. Bei der bedingungslosen Kapitulation der Faschisten im September 1943 waren die kommunistischen Partisanen im Norden und in Mittelitalien überaus stark, aber gleichzeitig existierte die Regierung Badoglio, vom italienischen König eingesetzt und von den USA unterstützt, die den gesamten Süden in ihrer Hand hatten. Wäre die Spaltung des Landes eine Alternative gewesen? Eine sozialistische Revolution in Mittelitalien, Bürgerkrieg in Norditalien und ein Königreich im Süden? Die Rote Armee stand in Österreich, die jugoslawischen Partisanen in Friaul. Die Einrichtung einer sowjetischen Besatzungszone im Norden und einer amerikanischen im Süden – ähnlich wie in Deutschland, Österreich und Korea - wäre es vorstellbar gewesen? Dies wäre nicht im Sinn der italienischen Bevölkerung und auch nicht im Interesse der Sowjetunion gewesen. Der Eintritt der Kommunisten in die Regierung Badoglio, in der sie Ministerposten innehatten, also die Schaffung einer provisorischen, antifaschistischen Einheitsregierung, war von daher ein genialer Schachzug! Dadurch wurde ein ungeteilter und demokratischer, italienischer Staat garantiert und zugleich konnten die Kommunisten dort, wo sie waren, in den Städten und Dörfern, die von ihnen befreit worden waren, unter den Augen der Amerikaner, ihre Macht festigen und ausweiten. Dass Togliatti seine opportunistische Politik durchsetzte²⁷, war keine Schuld Stalins - gerade Togliatti war einer der ersten fanatischen ‘Antistalinisten’ unter den Führern der Kommunistischen Parteien.

Das Beispiel der Iran-Krise 1946

Shen klagt Stalin an, u. a. auch die Kurden und die Aseri im Iran verraten zu haben. Im August 1941 waren britische und sowjetische Streitkräfte kampflos im Iran einmarschiert. Es handelte sich um eine kurzfristige militärische Besetzung von Seiten der Sowjetunion und Großbritanniens, die verhindern sollte, dass der Nazi-freundliche Herrscher Reza Schah Pahlavi, der zu Gunsten seines Sohnes zurücktreten musste, die Nazis unterstützte. Die iranische Regierung bestand natürlich weiterhin. Der Iran blieb bis zum Ende des Krieges in eine britische und eine sowjetische Besatzungszone geteilt. Die Sowjetunion unterstützte die kommunistische Tudeh-Partei, wie auch die separatistischen Bewegungen der Kurden und Aseri.

Im Dezember 1945 wurde die Volksrepublik Kurdistan in Mahbad gegründet, gleichzeitig die aserbaidschanische Volksregierung ins Leben gerufen. Im März 1946 hätte gemäß den Vereinbarungen des Potsdamer Abkommens vom Juli 1945 die Rote Armee den von ihr besetzten Norden des Iran verlassen müssen. Es war vereinbart worden, dass sechs Monate nach der Kapitulation Japans die alliierten Truppen aus dem Iran abziehen. In Verhandlungen mit der iranischen Regierung im Februar 1946 forderte Stalin – was Shen nicht erwähnt – das Recht auf Stationierung sowjetischer Truppen im Norden Irans für unbestimmte Zeit, die Anerkennung der kurdischen und aserbaidschanische Autonomie sowie die Gründung einer iranisch-russischen Erdölgesellschaft, joint-venture zu gleichen Teilen. Die Verhandlungen kamen anfangs zu keinem Ergebnis.

Stattdessen drohte der US-Präsident Truman mit dem Einsatz von Atomwaffen, wenn Stalin seine Truppen nicht vereinbarungsgemäß aus dem Iran abzöge²⁸. Es ging ja ums Öl!

Die iranische Regierung unterschrieb schließlich eine Vereinbarung, dass die Aserbaidschanische Volksregierung in Verhandlungen mit der Zentralregierung treten kann und dass im Mai 1946 die sowjetisch-iranische Ölgesellschaft gegründet wird. Von alledem erzählt der sonst so ausführlich berichtende Shen nichts. Daraufhin erklärte Stalin, dass sich die Rote Armee innerhalb von sechs Wochen, also bis Mai 1946 aus dem Iran zurückziehen werde, was sie auch tat.

Im Juni 1946 begannen die Verhandlungen zwischen der iranischen Zentralregierung und der Aserbaidschanischen Volksregierung mit Vereinbarungen zur Landreform, zur Besetzung des Gouverneurspostens, zu Fragen des Militärs, Erhebung von Steuern und möglichen Wahlterminen. Der Innenminister der Aserbaidschanischen Volksregierung wurde zum Gouverneur von Aserbaidschan ernannt. Zugleich bekamen Mitglieder der kommunistischen Tudeh-Partei in der Zentralregierung die Posten des Gesundheitsministers, Wirtschaftsministers und Bildungsministers. Auch in Kurdistan war nach wie vor die separatistische Regierung an der Macht. Wo war der Fehler Stalins? Wo war der Verrat?

Im Dezember 1946 - ein halbes Jahr nach dem Abzug der Roten Armee - überschlugen sich allerdings die Ereignisse. Die Minister der Tudeh-Partei wurden auf Veranlassung des pro-amerikanischen Schah Pahlevi²⁹ entlassen, gleichzeitig besetzten Truppen der iranischen Armee Aserbaidschan und Kurdistan. 10 Monate später, im Oktober 1947, wurde vom Parlament einstimmig die Gründung einer sowjetisch-iranischen Ölgesellschaft abgelehnt. Im selben Monat unterzeichnete die iranische Regierung mit der Regierung der Vereinigten Staaten ein Abkommen über die Errichtung einer amerikanischen Militärmission.

Hätte die Rote Armee jetzt in den Iran einmarschieren sollen, um Aseri und Kurden zu helfen?

In diesem Fall hätte sich die Sowjetunion im Iran in der Rolle der aggressiven Supermacht wiedergefunden. Wenn die Befreiungsbewegungen nicht aus eigener Kraft den Kampf gewinnen können – ist ein Einmarsch kontraproduktiv. Erinnern wir uns an Afghanistan: Die Sowjetunion versuchte das wohl fortschrittlichste Regime, welches das Land je gehabt hatte, dessen Einfluss aber nie über Kabul herauskam, durch eine militärische Intervention an der Macht zu halten. Ergebnis: eine Katastrophe. Und was wäre wohl geschehen, wenn die UdSSR in den Sechziger Jahren in Vietnam einmarschiert wäre?

Die USA, Chiang Kai-shek und Stalins Telegramme

Der Gesprächspartner Stalins auf der chinesischen Seite war 1945 Chiang Kai-shek, der die chinesische Nationalistische Regierung vertrat, also das Bündnis seiner Partei, der Guomintang, mit der Kommunistischen Partei gegen Japan. Ihm gegenüber waren die sowjetischen Forderungen in Bezug auf eine gemeinsame Kontrolle von Dalian und Port Arthur (Lüshun) sowie den gemeinsamen Betrieb der Nordostchinesischen Eisenbahn durchaus berechtigt.

Chiang war ein äußerst unsicherer Partner. Während des anti-japanischen Krieges waren sogar die Amerikaner kurz davor ihn endgültig fallen zu lassen: Er und seine Generäle nutzen die finanzielle amerikanische Hilfe zur persönlichen Bereicherung - und verkauften Waffen an die Japaner!³⁰ John Service engagierte sich dafür und wurde auf Druck Chiang Kai-sheks als Verbindungsmann der USA zur Guomintang abgesetzt. Er wird von Shen zitiert. Service hatte wohl eine echte Sympathie für die chinesischen Kommunisten. Die Position einiger amerikanischer Diplomaten und Politiker, im antijapanischen Bündnis lieber mit den chinesischen Kommunisten zusammenarbeiten zu wollen als mit der Clique von Chiang Kai-shek ist überraschend und wird in andern Texten nicht erwähnt.

Shen zitiert eine sowjetische Quelle, die davon spricht, dass Stalin Mao unterstützte, die Führung in der KP zu übernehmen, aber er bleibt bei seiner These eines kontinuierlichen Interessenkonflikts zwischen den beiden Persönlichkeiten. Es geht seiner Meinung nach bei Stalin ja immer nur um nationale sowjetische Interessen. Damit sei der Konflikt Stalin-Mao vorprogrammiert gewesen.

Interessant ist aber folgende Behauptung von Shen: Stalin soll am 20. oder 21. August 1945 in einem Telegramm an das ZK der KP geschrieben haben: China darf nicht in einen Bürgerkrieg treten, sonst besteht die Gefahr der Zerstörung der chinesischen Nation. Mao Zedong soll nach Chongqing gehen und ein Friedensgespräch führen.³¹

Shen interpretiert dies als Aufruf Stalins, sich der Guomintang zu ergeben. Als Quellenangabe schreibt er dazu in einer Fußnote: Dieses Telegramm aus Moskau wurde von Mao Zedong zuerst in der erweiterten Sitzung des Politbüros der KP Chinas im April 1956 erwähnt, in: Ausgewählte Werke von Mao Zedong, Band 5, Beijing, Volksverlag, 1977, S. 286.

Dieser Band, der erst kurz nach dem Tod Maos erschien, wurde ein Jahr später wieder eingestampft. 1993 erschienen die Gesammelten Werke von Mao Zedong in fünf Bänden, die Texte von 1921 bis 1976 enthielten. Im Vorwort wurde darauf hingewiesen, dass sie sich als offizielle Ergänzung zu den ersten vier Bänden der Ausgewählten Werke verstehen; auf den früheren fünften Band wird nicht eingegangen. In Indien erschienen nach chinesischen Quellen in englischer Sprache weitere sechs Ergänzungsbände zu diesen ‘Ausgewählten Werken’, die sehr ausführlich sind³² - und nur dort wurde die Rede Maos auf der Sitzung vom 25. April 1956 vollständig abdruckt: Ein solches Telegramm bzw. eine Anweisung Stalins in diesem Sinne wurden auf dieser Sitzung überhaupt nicht erwähnt!

Im Internet abrufbar ist das US-amerikanische Wilson-Archiv für Dokumente des ‘Kalten Krieges’³³. Am 28. August 1945 kam es tatsächlich zu einem Treffen zwischen Mao und Chiang in Chongqing – aber in diesem Monat gab es laut Wilson-Archiv keinerlei Telegrammverkehr zwischen Mao und Stalin. Ist dieses Telegramm ein Mythos?

Die gemeinsame anti-japanische Front aus Guomintang und Kommunistischer Partei bedeutete keine enge Zusammenarbeit dieser beiden Parteien, sondern war letztendlich nicht viel mehr als ein - kontinuierlich verletzter – Waffenstillstand zwischen ihnen. Es gab nie Zweifel daran, dass es nach der Kapitulation Japans genau zwei Optionen gab: entweder eine Partei unterwirft sich der anderen oder unverzüglich Bürgerkrieg.

So erklärt sich das frühe Datum des angeblichen Telegramms. Am 6. August 1945 hatten die Amerikaner die Atombombe auf Hiroshima abgeworfen, am 9. August war die Rote Armee in der Mandschurei einmarschiert, am 15. August erklärte Japan das Ende der Kampfhandlungen, am 2. September kapitulierte Japan offiziell. Die Verhandlungen vom 28. August in Chongqing endeten erst 10. Oktober 1945 mit einem Abkommen – das nichts wert war. Die Guomintang-Truppen griffen trotz aller Vereinbarungen mit insgesamt 800.000 Mann die Gebiete an, die unter der Kontrolle der Kommunisten standen. Mao erklärte am 17. Oktober, warum diese Verhandlungen überhaupt geführt worden waren³⁴:

In Chongqing gibt es Leute, die Tschiang Kai-schek für unzuverlässig, für einen Betrüger halten, die glauben, dass Verhandlungen mit ihm zu keinem Resultat führen können. Ich traf viele Leute, die mir das erklärten, darunter auch Mitglieder der Guomintang. Ich erwiderte ihnen, was sie sagten, sei berechtigt, sei wohlbegründet, und unsere achtzehnjährige Erfahrung hätte uns zutiefst davon überzeugt, dass es so ist. Die Guomintang und die Kommunistische Partei werden in ihren Verhandlungen bestimmt keine guten Resultate erreichen, es wird bestimmt zu Kriegshandlungen, zum Bruch zwischen ihnen kommen, aber das ist nur eine Seite der Sache. (…) Unsere befreiten Gebiete haben eine Bevölkerung von 100 Millionen Menschen, eine Armee von einer Million Mann und eine Volksmiliz von zwei Millionen Mann - eine Macht, die niemand zu unterschätzen wagt. (…) Es war richtig, wenn wir früher nicht zu Verhandlungen gingen, es war aber auch richtig, dass wir diesmal verhandelten; in beiden Fällen haben wir jeden Schlag mit einem entsprechenden Gegenschlag beantwortet. Es war gut, dass wir diesmal hingingen, denn wir haben damit die von der Guomintang ausgestreuten Gerüchte, dass die Kommunistische Partei keinen Frieden, keinen Zusammenschluss wolle, zunichte gemacht. (…) Nach Abschluss des ‘Übereinkommens vom 10. Oktober’ ist es unsere Aufgabe, auf der Einhaltung dieses Übereinkommens zu bestehen, von der Guomintang zu fordern, dass sie sich daran hält, und weiterhin nach Frieden zu streben. Wenn sie losschlägt, werden wir sie restlos vernichten. Die Sache ist so: Greift sie an, werden wir sie vernichten, und sie hat dann ihren Willen. (…)

Es geht Shen bei dieser Telegramm-Geschichte einfach darum, entsprechend seiner These des Gegensatzes zwischen Mao und Stalin, Moskau falsche Ratschläge, Misstrauen und mangelnde Unterstützung vorzuwerfen. Er überzeugt damit nicht, es sind Tatsachen, die er selbst anführt, die ihm widersprechen:

Als die Rote Armee im Frühling 1946 aus Nordostchina abzog, bekam die Kommunistische Partei die Waffen, die den Japanern abgenommen worden waren. In einer Fußnote auf S. 118 schreibt Shen: Aber es gibt keinen Zweifel, dass diese Waffen eine wichtige Rolle spielten, damit am Anfang des Bürgerkriegs die KP Chinas dem massiven Angriff von Chiang widerstehen konnte.

Warum unterstützte Stalin jetzt die KP Chinas, wo er doch angeblich noch im August gegen den Bürgerkrieg war? Shen behauptet, er wollte nur den Norden Chinas unter der Kontrolle der KP sehen, aber nicht ganz China³⁵. Daraus versprach er sich irgendwelche Vorteile. Eine chinesische Revolution wollte er aber nicht. Ist dies überzeugend?

Vier Jahre später, als der Bürgerkrieg faktisch zu Ende war, am 10. Januar 1949, wurde Mao durch Stalin vom Vorschlag der Guomintang unterrichtet, die Sowjetunion, sowie die USA, Großbritannien und Frankreich als Vermittler im Bürgerkrieg einzusetzen³⁶.

1948 hatten sich die letzten Guomintang-Truppen in der Mandschurei ergeben, damit stand der Sieger fast schon fest. Der letzte Angriff der Kommunisten in der großen Schlacht von Huaihai begann am 6. Januar 1949 begonnen, am 10. Januar war es vorbei. Die Volksbefreiungsarmee hatte definitiv den Sieg errungen.

Und da schickt Chiang Kai-shek dieses Telegramm nach Moskau!

Shen schreibt, Stalin hätte darauf bestanden, Verhandlungen mit der Sowjetunion in einer Vermittlerrolle zu beginnen - und Mao hätte getobt, er wollte definitiv den Sieg.³⁷

Einen Tag später kam ein zweites Telegramm Stalins³⁸. Aus dem Wortlaut beider Telegramme lässt sich solche Interpretation schwerlich ableiten.

Es ging zweitrangige taktische bzw. propagandistische Überlegungen. Shen versucht wieder Material für seine These von der Feindlichkeit Stalins gegenüber den chinesischen Kommunisten zu bekommen³⁹. Dann aber zitiert er auch noch Mikojan, der aussagt, Ende Januar/Anfang Februar 1949 herrschte zwischen Stalin und Mao Sonnenschein⁴⁰.

Das Bündnis mit der Sowjetunion

Am 1. Oktober 1949 wurde offiziell die Volksrepublik China ausgerufen. Im Mai 1950 konnte die Insel Hainan im Süden befreit werden, die Insel Taiwan blieb in der Hand Chiang Kai-sheks. Die militärischen Auseinandersetzungen, wie etwa die Bombardierung von Shanghai durch die Guomintang, setzten sich bis 1958 fort. 1945 - vor Ausbruch des Bürgerkriegs - war mit der Guomintang-Regierung, die damals ja noch im Bündnis mit der Kommunistischen Partei Chinas stand, ein Bündnisvertrag abgeschlossen worden, der natürlich hinfällig war.

1948, als der Sieg im Bürgerkrieg kaum in Frage stand, wurde detaillierter über ein festes Bündnis zwischen den beiden sozialistischen Ländern China und Sowjetunion gesprochen. Im Februar 1949 fuhr Mikojan als sowjetischer Vertreter nach Peking, im Dezember 1949 Mao zu Gesprächen mit Stalin nach Moskau. Im Januar 1950 begann die abschließenden, offiziellen Verhandlungen zum Bündnisvertrag zwischen China und der Sowjetunion, der am 14. Februar 1950 mit allen Zusatzabkommen veröffentlicht wurde.

Zu den wichtigsten Diskussionspunkten gehörten die Xinjiang-Frage (der sowjetische Einfluss vor Ort), die Mongolei-Frage (die Unabhängigkeit der Äußeren Mongolei) und die Nordost-Fragen (die Verpachtung des Kriegsmarinestützpunktes Lüshun und die Verwaltung der chinesischen Nordost-Eisenbahn). Die Position Stalins, was die Zugehörigkeit Xinjiangs und die Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Mongolei betraf, entsprach der chinesischen. Trotzdem schildert Shen sehr detailliert die Verhandlungen: Über fast hundert Seiten beschäftigt er sich damit. Wiederum möchte er Stalin als Politiker eines neuen Zarismus darstellen – kommt aber dann dann zu dem Schluss: Immerhin gab es in Bezug auf den Vertrag und dessen wesentliche Grundsätze kaum Meinungsverschiedenheiten zwischen China und der Sowjetunion.⁴¹

Die Äußere Mongolei, die im Gegensatz zur Inneren Mongolei ausschließlich von Mongolen bewohnt war, hatte nach der Revolution und dem Zusammenbruch des chinesischen Kaiserreichs 1911 im Jahre 1915 ihre Unabhängigkeit ausgerufen, die von der neuen Republik China anerkannt worden war. Nach der Oktoberrevolution 1917 besetzten chinesische Truppen diese Region, aus der sie 1921 wieder vertrieben wurden. 1924 wurde die Mongolische Volksrepublik ausgerufen, der zweite sozialistische Staat auf der Welt.

Shens Behauptung, Aus logischer und rechtlicher Sicht verlor, als die Sowjetunion mit China die Aufhebung des chinesisch-sowjetischen Vertrages von 1945 vereinbarte, die Unabhängigkeit der Äußeren Mongolei ihre Rechtsgrundlage. ist von daher unverständlich. Zudem hatte am 20. Oktober 1945 bereits ein Referendum über die Unabhängigkeit der Mongolei stattgefunden, eine Formalität, und nach der Gründung der Volksrepublik China hatten sich am 6. Oktober 1949 beide Länder gegenseitig anerkannt. Welches Problem sollte 1950 noch auftauchen?

Die ewigen Zankäpfel, wie im Text immer betont wird, scheinen die Nordost-Bahn und die Häfen von Lüshun und Dalian gewesen zu sein. Alles andere – immerhin eine größere Kreditsumme der Sowjetunion an China, militärische Hilfe, Versendung von Experten, neue Handelsbedingungen für Xinjiang, joint-ventures für Nichteisenmetalle und Erdöl, usw. usf. – in neun Vertragswerken definiert – wird nur kurz erwähnt. Dass die Sowjetunion China den Kredit mit einer Verzinsung von 1% gegeben, den osteuropäischen Ländern aber immer zu 2% gegeben hatte, erwähnt Shen nur in einer Fußnote⁴².

Die Hafenstadt Dalian ist der südliche Endpunkt der chinesischen Nordosteisenbahn, ein Ableger des Transsibirien-Express. Dalian wurde unter der japanischen Besatzung zu einer bedeutenden Industriestadt und zum wichtigsten Hafen der Mandschurei, der auch die Verbindung nach Japan und Korea herstellt. Lüshun liegt etwas südlich von Dalian, hieß zu Kolonialzeiten Port Arthur und ist heute der Sitz der chinesischen Kriegsmarine.

All dies war einmal russisch und ging im Russisch-japanischen Krieg 1905 an Japan verloren. Stalin sagte, um diesen Fleck der Niederlage im Jahr 1905 zu tilgen, hätten sie schon 40 Jahre gewartet. Ein sehr merkwürdiges, aber nachgewiesenes Zitat. In Wirklichkeit stand aber ein Anschluss dieses Gebietes an die Sowjetunion niemals auch nur zur Debatte: Es ging ausschließlich um die Erlaubnis einer zeitlich begrenzten Stationierung von Truppen der Roten Armee und einer ebenfalls zeitlich begrenzten gemeinsamen Verwaltung von Eisenbahn und Hafen!

Im Vertrag hieß es dazu: Die Vertragsparteien vereinbaren, dass alle zur Zeit in Lüshun und dem Hafen Dalian stationierten sowjetischen Truppen nach dem Inkrafttreten dieses Vertrags innerhalb von zwei bis drei Jahren in die Sowjetunion abgezogen werden. Der Rückzug beginnt im Jahr 1950. Außerdem sind sie sich einig, nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags mit Japan die am 14. 8. 1945 unterzeichnete Vereinbarung zu Lüshun und dem Hafen Dalian zwischen China und der Sowjetunion sowie das Protokoll des Abkommens zum Hafen Dalian erneut zu überprüfen.

Ausschließlich China ist für die Verwaltung von Dalian zuständig, das sowjetische Eigentum in Dalian wird der chinesischen Regierung übergeben. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags mit Japan oder spätestens Ende 1952 wird die Sowjetunion die Rechte und das gesamte Vermögen der Nordost-Eisenbahn an die chinesische Regierung ohne finanziellen Ausgleich übergeben. Bis dahin werden die von der Sowjetunion in und aus Lüshun gelieferten Materialien und Rohstoffe von allen Steuern befreit. Sowjetische Truppen und militärisches Material können auf der Nordost-Eisenbahn frei transportiert werden.

Auch Shen staunt über Stalins Zugeständnisse. Das Bündnis Sowjetunion-China war besiegelt – mit den Folgen der amerikanischen Reaktion darauf und für den Koreakrieg.

Mao als Führer der Revolution in Asien

Shen behauptet, dass⁴³ … die Sowjetunion nach der Gründung der Kominform⁴⁴ ihre politische Ausrichtung in Asien darauf beschränkte, die rückständigen Länder zwar allgemein zum Kampf oder zur Revolution gegen die Unterdrückung und Ausbeutung durch den Imperialismus (vor allem den US-Imperialismus) zu ermutigen, nicht aber zum bewaffneten Kampf. Im Propagandamaterial der Kominform und der außenpolitischen Abteilung der Sowjetunion war die Formulierung des Kampfs deutlich sichtbar, aber die Sowjetunion hat weder die Beziehungen mit den asiatischen Ländern intensiviert, noch die bewaffneten Revolutionen unterstützt. Obwohl nach 1948 sich der bewaffnete Aufstand in vielen asiatischen Ländern verwirklichte und meistens von Shdanows Bericht motiviert und inspiriert worden war, standen alle diese militanten Aktionen nicht direkt in einem Zusammenhang mit Moskau.

Offensichtlich hatte Stalin trotz des Sieges der chinesischen Revolution noch keine optimistische Perspektive über die Zukunft der asiatischen Revolutionen.

Auch in diesem Punkt widerspricht sich Shen, der in einem späteren Kapitel schreibt, dass Mao Zedong im Sommer 1949 Stalin gegenüber die Gründung einer asiatischen Kominform vorgeschlagen hat:

Stalin äußerte die Hoffnung, dass in Zukunft China den kolonialen und halbkolonialen Ländern in der Weiterentwicklung der nationalen demokratischen revolutionären Bewegungen noch mehr helfen werde und die Verantwortung für die Revolution in den ostasiatischen Ländern übernimmt.⁴⁵

Das heißt, dass die Erfahrungen und die Konzepte

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