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Digitales Verderben: Wie Pornografie uns und unsere Kinder verändert

Digitales Verderben: Wie Pornografie uns und unsere Kinder verändert

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Digitales Verderben: Wie Pornografie uns und unsere Kinder verändert

Länge:
280 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 9, 2014
ISBN:
9783864156694
Format:
Buch

Beschreibung

Das Smartphone ist längst zum liebsten Spielzeug der Jugend in Deutschland geworden. Überall wird gesurft: Zuhause, im Bus, auf dem Schulhof. Pornos sind dabei allgegenwärtig. Und der heutige Internet-Konsum verursacht bei jungen Menschen einen anderen Umgang mit Sexualität. Lange vor ihren ersten eigenen sexuellen Kontakten sehen die Konsumenten, wie es läuft im Bett. Oder laufen könnte: Gruppensex, Gang Bang, Sex mit Tieren, Sex und Gewalt – es gibt scheinbar nichts, was nicht erlaubt wäre. Das mobile Internet ersetzt beinahe den Sexualkundeunterricht in der Schule, lange bevor der Biologie-Lehrer das Thema anpacken kann. Digitales Verderben richtet sich an alle, die sich Sorgen machen angesichts des Problems Internetpornografie – seien es Eltern, Lehrer oder die User selbst. Der Autor bietet mögliche Lösungsansätze und wagt einen Blick in die Zukunft. Was haben wir noch zu erwarten? Was kann man tun? Wo gibt es Hilfe? Digitales Verderben sucht die Antworten. Ohne Polemik und ohne falsches Pathos will das Buch Orientierung geben, damit die, die Einfluss auf die Jugend haben, den Anschluss nicht verlieren.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 9, 2014
ISBN:
9783864156694
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Digitales Verderben - Anne Sophie Wöhrle

In Deutschland herrscht bei vielen die Meinung vor, dass Sexualität angeblich »nur natürlich« und deshalb auch »nur gut« sei, und deshalb auch ihre Darstellung in der Pornografie und deren Konsum als völlig problemfrei anzusehen. Ein kritisches Hinterfragen dieser Position – etwa unter dem Blickwinkel des Machtaspekts – findet kaum statt, vielmehr wird Kritik rasch unter den Generalverdacht der Lustfeindlichkeit gestellt. Umso mehr ist es zu begrüßen, wenn sich Einzelne diesem Meinungsmonopol widersetzen, und sich auf eigene Faust aufmachen, Fragen zu stellen, und versuchen, differenzierte Antworten zu finden. Anne Sophie und Christoph Wöhrle leisten mit ihrem Buch einen wichtigen Beitrag zum Verständnis, wie Pornographie zumindest auch und bei gar nicht so wenigen wirken kann: nicht befreiend und lustfördernd sondern einengend.

Dr. Jakob Pastötter,

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://d-nb.de abrufbar.

Für Fragen und Anregungen:

wöhrle@mvg-verlag.de

1. Auflage 2014

© 2014 by mvg Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH,

Nymphenburger Straße 86

D-80636 München

Tel.: 089 651285-0

Fax: 089 652096

In den mit einem * (Sternchen) versehenen Kapiteln wurden die Namen der Protagonisten von den Autoren geändert.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Lektorat: Oliver Bitzer

Umschlaggestaltung: Kristin Hoffmann, München

Umschlagabbildung: Illustrationen von Kristin Hoffmann unter Verwendung von Shutterstock-Motiv

Satz: Carsten Klein, München

E-Book: Grafikstudio Foerster, Belgern

ISBN Print 978-3-86882-515-2

ISBN E-Book (PDF) 978-3-86415-668-7

ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86415-669-4

Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter

www.mvg-verlag.de

Beachten Sie auch unsere weiteren Verlage unter 

www.muenchner-verlagsgruppe.de

Inhalt

Titel

Zitat

Impressum

Inhalt

Kapitel 1: Bestandsaufnahme (Einleitung)

So Porno ist Deutschlands Jugend

Zahlen und Fakten zum Thema

Was wir mit diesem Buch wollen

Neil Postman und was er uns heute noch zu sagen hat

Sind Pornos harmlos?

Was ist eigentlich Pornografie?

Die Generation Porno

Was machen Pornos mit Jugendlichen?

Wie eine Debatte begann

Bernd Siggelkow und sein Vermächtnis

Fazit

Kapitel 2: Porno in der Pause* (Reportage)

Begegnung mit Schülern

Winter in der Stadt

Einmal kurz blankgezogen

Pornos statt Paninis

»Meine Mutter ist nicht kompliziert«

Herr Steppich aus Hessen

Pornos nach dem Sport

Einmal das Facial nachspielen

»Ich bin nicht süchtig, aber ich will’s auch nicht werden«

Kapitel 3: Porno für lau?

Wie sich eine ganze Branche verändert

Anonym, gratis, frei zugänglich

Pornoland Deutschland

Wie sich alles veränderte

Alles für lau

Der große Reibach

Amateure braucht das Land

Live-Cams und Webmaster

Computer für die Hosentasche

Was die Jugend tut

Flatrate für alle

Was verboten ist

Ein Tag in Berlin (Reportage)

Knete fürs Abspritzen

Sechs mal Sex

Gutes Geiles Geld

Mini beim Gangbang

Fazit

Kapitel 4: Ich spritze, also bin ich

Was Pornos mit Jugendlichen machen

Erwachsene und Pornos

Wirkung auf Jugendliche

Mädchen und Jungen

Alles nur in meinem Kopf

Das Facial zieht ins Kinderzimmer ein

Wen es betrifft

Komplexe und Körperkult

Sein folgt Schein

Sexting am Nachmittag

Wen es (besonders) betrifft

Fazit

Kapitel 5: Ich kann nicht mehr ohne

Wenn aus Spaß Sucht wird

Sexsucht ist nichts Neues

Süchtig nach dem Netz

Eine Mischung aus zweierlei

Fragen über Fragen

Sucht und Süchte

Das Belohnungssystem

Ein Problem, das wachsen wird

Hilfe ist möglich

Fazit

Kapitel 6: Unter Daddlern* (Reportage)

Besuch bei Sexsüchtigen

Aller Anfang ist brav

Eine andere Welt

Therapie beim Weißen Kreuz

Hilfe in der Hauptstadt

Mit 18 in die Videothek

Raus aus dem Morast

Kapitel 7: Mein Lover im Netz

Eine Reise zu Facebook

Belästigung im Netz

Versuche von Gegenmaßnahmen

Täter ohne Hemmungen

Es gibt Hilfe!

Ich zeig dir mein Ding!* (Reportage)

Erste Gehversuche

Eigene Welten in der Anonymität

Anal mit dem Anime-Girl

Willkommen bei Facebook

Aller guten Dinge sind drei – Penis auf WhatsApp

Fazit

Exkurs Kapitel 8: Bist du schwul oder was?

Homophobie unter Jugendlichen und Erwachsenen

Wann ist ein Mann ein Mann?

Sphären einer Ablehnung

Jugendliche und Homophobie

Probleme über Probleme

Petition über Petition

Fazit

Kapitel 9: Was die Zukunft bringt

Wo uns das Internet hinführen wird

Mobiles Netz für alle

Vernetzung über alles

Vernetzt mit allen

Fernseher mit allem

Bilder im Alltag

Freiheit allenthalben?

Alles Technik, oder was?

Fazit

Kapitel 10: Was man tun kann

Tipps für Eltern, Lehrer und die User selbst

Was Eltern tun können:

Was Lehrer, Sozialarbeiter, Erzieher und Jugendbetreuer tun können:

Was User tun können:

Anhang: Links, Literatur, Online-Quellen, über die Autoren

Interessante Links

Sicherheit im Internet

Kinder- und Jugendschutz allgemein

Schutzsoftware

Sexualaufklärung

Literatur

Online-Quellen

Über die Autoren 

Anne Sophie Wöhrle

Christoph Wöhrle

Bestandsaufnahme (Einleitung)

So Porno ist Deutschlands Jugend

»Ich hatte meinen Lebensunterhalt mit meinem Aussehen verdient, und nun war alles dahin: das wundervolle blonde Haar, das Gesicht mit dem strahlenden Lächeln, die großen verführerischen Augen. Alle Kurven, für die Männer tausende Dollars gezahlt hatten, nur um sie anzuschauen, waren dahingeschmolzen zu einem heruntergekommenen Skelett.«

(Jenna Jameson, eine der bekanntesten weiblichen Pornodarstellerinnen, in ihrer Autobiografie »Pornostar«)

Ich war sicherlich ein Spätzünder. Meinen ersten richtigen Porno habe ich mit 23 Jahren gesehen. Es war auf einer Brasilien-Reise im Frühjahr 2003, meine beiden Kumpels Daniel und Stefan hatten schlimmen Durchfall, während draußen der Karneval über die Altstadt von Salvador da Bahia fegte. Also gönnten sich die beiden etwas Ruhe im Hotelzimmer und ließen den »Adult Channel« nebenbei im Fernseher laufen.

Da sah ich den blanken Busen und die rasierte Scham einer Brünetten und wie sie von einem überaus muskulösen Hünen im Doggystyle penetriert wurde. Er kniete hinter ihr, sie lag vornüber gebeugt auf dem Bett und war mit Handschellen an die Kopflehne gefesselt. Unter die Bilder hatten die Macher dieses Videos sphärische Klänge und harte Beats als Tonspur gelegt. Der Rhythmus schlug analog zu den Bewegungen des schnellen Rammlers. Ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen gefiel der Frau, was sie da gerade mit diesem Mann tat. Oder besser gesagt, was der Mann da mit ihr tat. Zumindest sah man, dass sie stöhnte und die Augen schloss, während ihr Körper unter den Stößen zu erbeben schien.

Mir gefiel dieser Porno ausgesprochen gut. Es fühlte sich für mich ein bisschen an wie die Erfahrung, wenn du als Torhüter beim Fußball das erste Mal einen Hechtsprung wagst und einen Ball parierst. Du bist unsicher, aber wirfst dich rein und fühlst danach eine Erleichterung und auch einen Anflug von Stolz. Denn jetzt gehörst du dazu.

Sicher hatte ich viel über Pornografie gehört. Aber zu dieser Zeit war das Internet noch eine Welt, die sich mir erst langsam erschloss. Damals wurden Pornos noch vor allem auf Video-Kassetten und DVDs vertrieben. Man ging in eine Videothek oder einen Sex-Shop. Oder ins Pornokino, wo die Erben Onans am Eingang Taschentücher gereicht bekamen und den Laden nicht selten mit heraufgezogener Kapuze betraten wie Diebe in der Nacht. Pornos waren in der Schmuddelecke. Eindeutig. Und wer sie konsumierte, dem konnte man getrost unterstellen: Er weiß, was er da tut.

Es waren andere Zeiten. Für viele der jungen Konsumenten in der heutigen Zeit, die, so behaupten wir, nicht unbedingt wissen, was sie da tun, wäre mein erster Porno wohl viel zu soft und brav, ergo: zu langweilig gewesen. So wie die mittelalterlichen Zeichnungen aus dem »Codex Manesse« für einen Kunstliebhaber: Er findet sie putzig, vielleicht schön und handwerklich gelungen, aber legt eben nicht die Kriterien zur Bewertung von zeitgenössischer Kunst an.

Ob der brasilianische Porno auch ein Stück Kunst war, sei dahin gestellt. Aber ich hatte – was Sex-Filme angeht – endgültig meine Unschuld verloren. Und das war irgendwie aufregend.

Zahlen und Fakten zum Thema

Aufregend sind Pornos auch heute noch. Verschiedene Studien haben deren Konsum in der deutschen Bevölkerung untersucht. Dabei kam heraus, dass die Konsumenten durch die Freiheit des Internets immer jünger werden. Das Einstiegsalter liegt bei 11 bis 13 Jahren.

Pornos sind heute praktisch frei zugänglich für jedermann. Laut der repräsentativen Dr.-Sommer-Studie der Jugendzeitschrift Bravo (2009) haben 42 Prozent der 11- bis 13-Jährigen in Deutschland und 79 Prozent der 14- bis 17-Jährigen schon einmal pornografisches Material gesehen. Männliche User schauen deutlich öfter Pornos als weibliche. Sehr regelmäßigen Pornokonsum hat die Studie bei 8 Prozent der männlichen und 1 Prozent der weiblichen Nutzer zwischen 11 und 17 Jahren festgestellt.

Bei einer Online-Befragung von Mathias Weber und Gregor Daschmann von 2010 gaben 93 Prozent der männlichen User zwischen 16 und 19 Jahren an, bereits gewollt Pornografie konsumiert zu haben. Bei den Mädchen waren es 61 Prozent. 5 Prozent der Jungen und 20 Prozent der Mädchen sagten, sie seien nur zufällig beim Surfen auf Porno-Seiten gelandet. Rund 50 Prozent der Jungen, aber nur 3 Prozent der Mädchen gaben an, Pornos »fast täglich« oder »mehrmals täglich« zu konsumieren.

In anderen Ländern wurde eine noch weitere Verbreitung ermittelt. So ergab eine Studie der Autoren Susanne Knudsen, Lotta Löfgren-Mårtenson und Sven-Axel Månsson (2007), dass in Skandinavien länderübergreifend 99 Prozent der männlichen und 86 Prozent der weiblichen Internet-User zwischen 12 und 20 Jahren bereits pornografisches Material gesehen haben. In einigen asiatischen Ländern mit weitreichender Verbreitung des Internets auch im öffentlichen Raum wie etwa Südkorea und Taiwan tendieren die Werte in Richtung 100 Prozent.

Und mit zunehmendem Alter steigt der Pornokonsum noch. Laut einer Studie der Medienwissenschaftlerin Nicola Döring von 2009 nutzen 16 Prozent der Studenten und 1 Prozent der Studentinnen täglich Pornografie, ebenso zumeist im Internet. 73 Prozent der Studenten und 9 Prozent der Studentinnen konsumierten zumindest einmal wöchentlich.

Das Zahlenwerk solcher Studien wird in diesem Buch noch weiter dargelegt und kommentiert werden. Auch wenn Studien bekanntlich oft nur das belegen, was deren Erheber für erheblich halten. Oder wie es Neil Postman, auf den wir gleich kommen werden, ausdrückte: »Viele Psychologen, Soziologen, Ökonomen und andere Kabbalisten der neueren Zeit lassen sich die Wahrheit von ihren Zahlen sagen, und wenn diese stumm bleiben, stehen sie mit leeren Händen da.«

Aber Zahlen und Studien sind nun mal die einzigen Informationen, die wir haben. Sie sind die Art, wie wissenschaftliche Erkenntnisse präsentiert werden und deshalb zitieren wir sie doch.

Aber interessanter als die Zahlen ist der Ort, wo Pornos heute konsumiert werden: nicht das Hotelzimmer und auch nicht mehr das Kino, sondern das World Wide Web. Und weil das Internet so schwer kontrollierbar ist, ist auch ein altersabhängiger Zugang zu Pornografie kaum mehr durchsetzbar – trotz eindeutiger Gesetzeslage (siehe Kapitel 3).

Was wir mit diesem Buch wollen

Was das für die Kinder und Jugendlichen bedeutet, ist das Thema dieses Buches. Wir glauben, dass der Konsum von Pornos durch junge Menschen deren Umgang mit Sexualität beeinflusst. Wir glauben, dass es hier bereits entsprechende Entwicklungen zu beobachten gibt.

Internet-Pornos beeinflussen die jungen Menschen, die mit ihnen auf die eine oder andere Art in Kontakt kommen, erheblich. Und sie beeinflussen damit die ganze Gesellschaft – nicht zum Guten; das ist die These von »Digitales Verderben«.

Unser Buch beschäftigt sich mit der Frage, was das für Folgen hat. Unser Blickwinkel fußt auf wissenschaftlichen Studien und eigenen Recherchen. Es soll aber kein Buch von Wissenden sein, die den Leuten von oben herab sagen, wie sie zu leben haben.

Genauso wenig soll es über Gebühr polemisieren. Vielmehr wollen wir uns als Wissbegierige zeigen, die denen Input und Hilfe geben, die sich mit dem Thema Pornografie und Jugend beschäftigen wollen, seien es Eltern, Lehrer, Sozialarbeiter, Jugendbetreuer oder die jungen Konsumenten selbst.

Da wir Journalisten sind und um dieses Buch auch kurzweilig zu halten, sind einige Kapitel oder Kapitelteile als Reportagen aufgeschrieben. Hier gehen wir nah ran an die Menschen, die wir getroffen haben, um dann in den übrigen Kapiteln wieder einen Schritt zurück zu treten und Distanz aufzubauen.

Prinzipiell wollen wir uns immer entlang der Fragen bewegen, die unsere Leser beschäftigen. Wie funktioniert Pornografie und wie wird sie von Menschen rezipiert? Schadet Pornografie meinem Kind? Wie bringt man Jugendlichen eine verantwortliche Nutzung des Internets bei? Welche Hilfen gibt es, die man als Erwachsener oder auch als junger Konsument in Anspruch nehmen kann?

Neil Postman und was er uns heute noch zu sagen hat

Es war das Jahr 1985, als Neil Postman sein Sachbuch »Amusing Ourselves to Death« veröffentlichte (in Deutschland erschien es Ende 1988 unter dem Titel »Wir amüsieren uns zu Tode«). Postman war im Hauptberuf Professor für Kommunikationswissenschaften und »Media Ecology« an der New York University. Man kann ihn, ohne zu übertreiben, einen der bedeutendsten Medien- und Kommunikationswissenschaftler seiner Zeit nennen.

Seine Rede zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 1985 hatte ebenfalls den Titel »Wir amüsieren uns zu Tode«. Platt gesagt, war Postmans Thema die um sich greifende Volksverdummung durch das Aufkommen des Privatfernsehens in den USA. Das Buch wurde ein weltweiter Bestseller und Postman erhielt dafür ein Jahr nach Erscheinen den renommierten Orwell-Award.

Auf George Orwell und Aldous Huxley bezog sich Postman in seinem Buch. Er wollte die Frage klären, wer von beiden mit seiner Zukunftsvision Recht hatte.

Orwell warnte vor der Knechtung der Welt durch eine fremde Macht, den »großen Bruder« – später Namensgeber für die Endemol-TV-Show »Big Brother«, die um die Jahrtausendwende mediale Furore machte und Guido Westerwelle im Container vielleicht zum peinlichsten Auftritt seiner Karriere trieb. Es ging bei Orwell um die Überwachung und Kontrolle, ausgeübt durch eine aufoktroyierte Instanz.

In Huxleys Werk »Schöne neue Welt« dagegen bedurfte es einer solchen Instanz erst gar nicht. Bei ihm entmachten sich die Menschen selbst und gelangen in eine Unterwürfigkeit gegenüber den Technologien, denen sie ehrerbietig dienen – wie die alten Griechen ihren Göttern.

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