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Sucht mich: Bibelstudium zum Thema Gebet

Sucht mich: Bibelstudium zum Thema Gebet

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Sucht mich: Bibelstudium zum Thema Gebet

Länge:
381 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 15, 2019
ISBN:
9783965890015
Format:
Buch

Beschreibung

Dieses Buch wurde nicht aus der Theorie heraus geschrieben, sondern aus vielen Begegnungen mit der Herrlichkeit Gottes und Erfahrungen von Gebetserhörungen und Wundern - vor dem Hintergrund einer Gemeinde, die seit Mai 2007 durchgehend Tag und Nacht betet.

Lassen Sie sich an der Hand nehmen auf eine Entdeckungsreise in die übernatürliche Welt, in die Welt Gottes – und in das wunderbare Vorrecht, dass wir im Gebet Zugang zu seiner Gegenwart und zu allen Kräften und Ressourcen des Himmels haben.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 15, 2019
ISBN:
9783965890015
Format:
Buch

Über den Autor


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Sucht mich - Stefan Haas

www.tos.info.

Teil 1

SUCHT MICH!

Kapitel 1: Zu ihm

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. (Röm. 11,36)

Wenn Gemeinden zu ihren sonntäglichen Veranstaltungen zusammenkommen, so nennt man das im Deutschen „Gottesdienst. Im Englischen heißt es hingegen „Church Service. Der Unterschied ist größer, als man vielleicht zunächst annimmt: Es bezeichnet sprachlich eine grundsätzlich verschiedene Ausrichtung der Veranstaltung: In einem „Gottesdienst geht es vom Wort her offensichtlich darum, Gott zu dienen. In einem „Church Service ist der Fokus vom Wort her auf der Gemeinde. Wie sieht es vergleichbar mit dem Thema „Gebet" aus?

Am Anfang dieses Buches möchte ich uns zunächst ermutigen, sehr grundsätzlich über Gebet nachzudenken: Was bedeutet es eigentlich zu beten? Die deutsche Sprache hat hier eine Tendenz, dem Thema gleich eine spezielle Ausrichtung zu geben: „Gebet und „beten liegen sprachlich sehr nah an „bitten". Ist das nur ein Zufall – oder verrät uns unsere Sprache? Haben wir vielleicht tatsächlich ein Verständnis von Gebet, in dem das Bitten die zentrale Angelegenheit darstellt?

Die folgende Geschichte über Abraham aus Gen. 18,1-10² stellt unsere Gedanken auf den Kopf:

(1) Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war.

(2) Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde

(3) und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber. (4) Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. (5) Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.

(6) Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feines Mehl, knete und backe Brote. (7) Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab’s dem Knechte; der eilte und bereitete es zu. (8) Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen.

(9) Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. (10) Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben.

Der Herr begegnete Abraham. Das war etwas sehr Außergewöhnliches – auch für Abraham! Nur dreimal wird uns aus seinem Leben berichtet, dass der Herr ihm tatsächlich erschien.³ Abraham war mittlerweile 99 Jahre alt. Mit 75 Jahren war er aus Haran ausgezogen – und wartete seitdem auf seinen verheißenen Sohn. Abraham hatte sicherlich genug eigene Dinge, die ihn in diesem Moment beschäftigten, als der Herr ihm begegnete. Er hätte sofort ein Gespräch darüber beginnen können.

In Jes. 41,8 lesen wir eine sehr starke Aussage Gottes über Abraham:

Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, du Same Abrahams, meines Geliebten, (…)

„Ohawi – „mein Freund, mein Geliebter. Der Jakobusbrief greift das auf (Jak. 2,23):

So ist die Schrift erfüllt, die da spricht (1. Mose 15,6):

„Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden, und er wurde „ein Freund Gottes genannt (Jesaja 41,8).

Wie sehr Abraham ein Freund und Geliebter Gottes war, zeigt sich u. a. in dieser Geschichte in Gen. 18. Anstatt den Herrn mit seinen Anliegen zu überhäufen, hatte Abraham offene Augen für Gott. Und er sah etwas Erstaunliches, was viele Christen nicht wahrnehmen: Er sah die Bedürftigkeit Gottes. Schauen wir uns noch einmal an, was Abraham sagt, als er den Herrn sieht:

(3) Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber. (4) Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. (5) Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen.

Und dann folgt der Satz:

Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen.

Abraham sah, dass der Herr zu ihm gekommen war, um erfrischt zu werden. Wir haben oft ein falsches Denken über den lebendigen Gott. Wir denken, da er ja allmächtig, allwissend, allgegenwärtig usw. ist, kann er eigentlich auch nichts nötig haben. Was wir oft nicht wahrnehmen: So wie der reichste Mensch sich Liebe nicht kaufen kann, so kann auch der allmächtige Gott mit aller seiner Macht nur auf einem Weg Liebe bekommen: indem Menschen sie ihm freiwillig geben. Ich glaube, dass der Herr hier zu Abraham wirklich kam, um erfrischt zu werden, mit einem Freund zu sprechen, Gemeinschaft mit ihm zu haben – und ihm auch noch zu erzählen, was ihn gerade beschäftigt. Der Herr sehnte sich danach, von der Liebe und Gemeinschaft eines Freundes erfrischt zu werden.

Es ist erstaunlich, dass Abraham das sofort wahrnahm, als er den Herrn sah. Das bedeutet zweierlei:

•Er kannte den Herrn wirklich gut. Nur wer jemanden gut kennt, der kann ohne Worte sofort erkennen, was ihn beschäftigt.

•Er war sehr aufmerksam und achtete genau darauf, wie es dem Herrn geht und was ihn bewegt.

Das ist eine erste grundlegende Erkenntnis zum Thema „Gebet": Gebet ist nicht bitten. Gebet ist ein Lebensstil der Liebe zum lebendigen Gott, der ihn selbst wahrnimmt und ihm dient. Das Wort Gottes sagt über unsere Bestimmung:

Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. (Röm. 11,36)

Wir sind zu Gott hin geschaffen. Alles in uns ist zu Gottes Ehre geschaffen. Der Epheserbrief fasst die gesamte Rettungsgeschichte Gottes mit Christen in folgenden knappen Sätzen zusammen (Eph. 1,3-8.11-14, SLT 2000⁴):

(3) Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus,

(4) wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, (5) und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, (6) zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten.

(7) In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade, (8) die er uns reichlich gegeben hat in aller Weisheit und Einsicht.

(…)

(11) Und in ihm haben wir auch ein Erbteil erlangt, die wir vorherbestimmt waren nach dem Vorsatz dessen, der alles nach dem Rat seines Willens wirkt, (12) damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir vorher schon auf den Christus gehofft haben.

(13) In ihm seid auch ihr, als ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt und gläubig geworden seid, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist der Verheißung. (14) Der ist die Anzahlung auf unser Erbe auf die Erlösung seines Eigentums zum Preise seiner Herrlichkeit.

Dreimal wird es in dieser äußerst knappen Zusammenfassung deutlich betont:

•Gott hat uns aus seiner Liebe heraus vor Grundlegung der Welt auserwählt, seine Kinder zu sein – zur Ehre seiner Herrlichkeit.

•Er hat uns gerettet und zu seinen Kindern gemacht – damit wir etwas seien zur Ehre seiner Herrlichkeit.

•Er hat uns versiegelt mit dem Heiligen Geist und uns damit die Anzahlung der ewigen Erlösung, des Himmels, gegeben – zur Ehre seiner Herrlichkeit.

Wenn das die Grundbestimmung unseres Lebens ist und auch die Grundbestimmung unserer Errettung und Erfüllung mit dem Heiligen Geist – dann kann dies für Gebet eigentlich nur eins bedeuten:

Es ist auch die Grundbestimmung von Gebet, dass der lebendige Gott die Ehre, Erfrischung, Liebe, Anbetung und Freude durch seine Kinder bekommt, nach der er sich sehnt.

Sind wir Freunde und Geliebte Gottes? Wie können wir es werden? Darum wird es in diesem Buch gehen.

2Das 1. Mose-Buch – ich bevorzuge die lateinische Bezeichnung der 5 Bücher der Thora, da sie auf dieser Basis auch international in vielen Sprachräumen verwendet werden: Genesis (Gen.) - 1. Mose; Exodus (Ex.) - 2. Mose; Levitikus (Lev.) - 3. Mose; Numeri (Num.) - 4. Mose; Deuteronomium (Dtn.) - 5. Mose.

3Gen. 12,7; 17,1 und 18,1

4SLT = Schlachter-Bibelübersetzung aus dem Jahr 2000

Kapitel 2: Warten auf Gott

Ps. 130,6+7

(6) Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen; mehr als die Wächter auf den Morgen (7) hoffe Israel auf den HERRN! Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.

Seit vielen Jahren ist ein regelmäßiger Höhepunkt meines Gebetslebens eine wöchentliche, persönliche Gebetsnacht von Mitternacht bis sechs Uhr morgens. Ich liebe es, nachts zu beten. Wie schon erwähnt haben wir als Gemeinde seit April 2006 eine Gebetswohnung mit einem Türmchen in der Innenstadt von Leipzig. Es ist erstaunlich, wie still es mitten in der Nacht inmitten einer Stadt von fast 600.000 Einwohnern wird. Während die Stadt zur Ruhe kommt, wache ich mit dem Herrn und beginne einen neuen Tag und eine neue Woche. Dabei kommt es mir oft so vor, als ob eine neue weiße, noch unbeschriebene Seite in einem Buch aufgeschlagen wird. Noch weiß niemand, was auf den Seiten dieser Woche einmal stehen wird. Wie schön ist es, diese Zeit erst einmal mit dem Herrn zu füllen – indem ich auf ihn warte.

Dabei weiß ich, wie schön es sein kann, wenn nach der Nacht die ersten Vögel anfangen zu singen und langsam der erste helle Schein am Horizont erscheint. Aus dem Türmchen heraus habe ich über den Dächern von Leipzig schon viele wunderschöne Sternennächte ebenso wie Sturm, Hagel, Schnee und Eis und genauso viele herrlich milde Sommernächte erlebt. Besonders liebe ich die Nächte um den 21. Juni herum, da es in diesen Nächten immer ein besonderes Himmelsschauspiel gibt. Als ich es zum ersten Mal gesehen habe, konnte ich es überhaupt nicht einordnen. Die Dämmerung beginnt in dieser Zeit in Leipzig etwa um halb vier oder vier Uhr. Ab etwa zwei Uhr wird es aber um den 21. Juni herum in einem begrenzten Bereich des Himmels sehr hell. Dort erscheint dann ein richtiges Morgenrot und blauer Himmel – während es auf mehr als drei Vierteln des Himmels noch pechschwarze Nacht bleibt. Und das Erstaunliche ist: Dieser Sonnenaufgang vor dem Sonnenaufgang erscheint im Norden! Das bleibt anderthalb bis zwei Stunden so, bis das Morgenrot langsam Richtung Osten wandert, größer wird und in die übliche Dämmerung übergeht, bei der dann schnell der ganze Himmel heller und heller wird.

In Ps. 130,6+7 heißt es nun also:

(6) Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen; mehr als die Wächter auf den Morgen (7) hoffe Israel auf den HERRN! Denn bei dem HERRN ist die Gnade und viel Erlösung bei ihm.

Nachtwächter warten auf den Morgen. Sie beobachten den Himmel und sehen die ersten Zeichen von Dämmerung, weil sie sehnsüchtig darauf warten.

(schamar), das u. a. „hüten, bewachen, etwas beobachten, auf etwas achten" bedeuten kann.⁵ Der Psalmbeter drückt aus: Mehr als die Nachtwächter auf den Sonnenaufgang warten, beobachtet meine Seele den Herrn: Was denkt er? Was beschäftigt ihn? Gibt es irgendwelche ersten Anzeichen einer geistlichen Dämmerung, einer Bewegung Gottes – eines Eingreifens Gottes? Ebenso wird Israel aufgefordert, in dieser Weise mehr auf den Herrn zu hoffen, als die Nachtwächter den Himmel beobachten und auf die ersten Anzeichen des Morgens warten.

Acht Tage nach der Geburt Jesu reisten Josef und Maria mit Jesus nach Jerusalem. Im Tempel begegneten sie dabei zwei sehr ungewöhnlichen und erstaunlichen Helden Gottes: Simeon und Hanna.

Lk. 2,22-39

(22) Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, (23) wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2. Mose 13,2; 13,15): „Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen, (24) und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: „ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben (3. Mose 12,6-8).

(25) Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war mit ihm. (26) Und ihm war ein Wort zuteil geworden von dem Heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. (27) Und er kam auf Anregen des Geistes in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, (28) da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:

(29) Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; (30) denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, (31) den du bereitet hast vor allen Völkern, (32) ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.

(33) Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. (34) Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird (35) – und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –, damit vieler Herzen Gedanken offenbar werden.

(36) Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser; die war hochbetagt. Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem sie geheiratet hatte, (37) und war nun eine Witwe an die vierundachtzig Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. (38) Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

(39) Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth.

Beide, Simeon und Hanna, hatten ein Verständnis davon, was es heißt, auf Gott zu warten. Über Simeon heißt es in Vers 25: Er wartete auf den Trost Israels. Und über Hanna wird uns in Vers 38 berichtet, dass sie zu allen redet, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.

Ähnliche Sätze lesen wir über Josef von Arimathäa.

Mk. 15,42+43

(42) Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, (43) kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu.

Im Griechischen steht an allen drei Stellen das Wort προσδέχομαι (prosdechomai), das so viel bedeutet wie „eine Person aufnehmen oder annehmen; auf etwas oder jemand warten, erwarten".

Kurz vor der Himmelfahrt gab Jesus seinen Jüngern folgende Anweisung:

Apg. 1,4+5

(4) Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; (5) denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

Dabei wird das „warten hier im Griechischen interessant ausgedrückt: Das griechische Wort heißt περιμένω (perimeno) und bedeutet wortwörtlich „darum herum bleiben (und daraus dann „warten, erwarten"⁷) – wie wenn man sich z. B. um ein Lagerfeuer herum versammelt, das im Zentrum steht, man es beobachtet und Holzscheite nachlegt. So sollen die Jünger Jesu die Tage nach der Himmelfahrt verbringen und in dieser Weise auf die Kraft des Heiligen Geistes warten. Wir lesen in den Versen 12-14 weiter:

(12) Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt. (13) Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. (14) Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

Da waren sie nun im Obergemach. Jesus hatte ihnen gesagt, dass sie Jerusalem nicht verlassen, sondern um die bevorstehende Erfüllung der Verheißung herum bleiben sollen: die Taufe im Heiligen Geist. Wie lange würde es genau dauern? Das hatte er ihnen nicht gesagt. Wie würde es aussehen? Was würde genau passieren? Sie hatten keine Ahnung. Sie wussten nicht, worauf sie wirklich warteten. Sie wussten nicht, was konkret passieren würde, wenn es sich erfüllt. So warteten sie: Stunde um Stunde, Tag um Tag … aufmerksame Beobachter, Tag- und Nacht-Wächter um die Verheißung herum: Der Heilige Geist wird kommen.

Nach zehn langen Tagen des Wartens und Beobachtens geschah plötzlich etwas Außergewöhnliches:

Apg. 2,1-4

(1) Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.

(2) Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. (3) Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, (4) und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

Wenn wir Apg. 1 als geübte Bibelleser lesen, wissen wir bereits, was in Apg. 2 passiert. Wir müssen uns aber eines klar machen: Was hier passierte, hatte noch nie ein Mensch so erlebt. Es war völlig neu. So etwas gab es noch nie. Viele Menschen hatten auch im Rahmen der Geschichte Israels im Tanach⁸ den heiligen Geist sehr unterschiedlich erlebt. Aber noch nie in der gesamten Weltgeschichte war etwas passiert, das man den Geschehnissen vergleichen kann, die in Apg. 2,1-4 berichtet werden.

Und vielleicht ist das auch genau der Schlüssel. Warum sollen wir auf Gott warten? Warum sollen wir Anzeichen des Reiches Gottes beobachten wie Nachtwächter auf die ersten Anzeichen der Dämmerung warten und den Himmel danach absuchen?

Ein Grund ist sicherlich: Gott sucht immer Menschen, die mit ihm zusammen wachen – und denen er seine Geheimnisse mitteilen kann, weil sie auf ihn schauen und hungrig auf ihn warten. Der Herr sucht immer nach Menschen, denen er mitteilen kann, was ihn beschäftigt – und die das dann wieder im Gebet bewegen und mit zur Geburt bringen.

Ein zweiter Grund ist: Könnte es sein, dass wir auf echte Bewegungen Gottes nur dann wirklich vorbereitet sind, wenn wir vorher darauf gewartet haben? Könnte es sein, dass nur diejenigen, die auf Anzeichen des Reiches Gottes warten, es bereits wahrnehmen, wenn Gott gerade eine neue Bewegung anfängt – und darauf vorbereitet sind ihre Rolle darin einzunehmen?

Was hat Simeon wohl erwartet, als er auf den „Trost Israels" wartete? Wen hat er wohl erwartet, als der Heilige Geist ihm die Verheißung gab, er würde erst sterben, wenn er den Messias gesehen hat? Was waren wohl seine Vorstellungen vom Messias? Hat er vielleicht nach einem erwachsenen Mann geschaut – mit einer heldenhaften und königlichen Ausstrahlung wie König David? Als dann aber ein kleines, gerade neugeborenes Baby in den Tempel gebracht wurde, war er – auf Anregen des Heiligen Geistes – im richtigen Moment zur Stelle und erkannte sofort, dass dieses Baby der Messias ist, auf den so viele so lange schon warteten.

Wie oben bereits gesagt, bedeutet das griechische Wort προσδέχομαι (prosdechomai) nicht nur „erwarten, sondern zuerst „jemand empfangen, jemand aufnehmen. Wer auf Gott und seine Bewegungen wartet, empfängt ihn bereits und nimmt ihn auf – und wird so in der Zeit des Wartens vorbereitet für alles, was der Herr tun will.

Die Prophetin Hanna lehrt uns dazu noch, dass dieses Warten auf Gott kein passives Abwarten ist. Über sie heißt es⁹:

(…) die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.

Was für eine wunderbare Frau! Auch sie war mit ihrem ganzen Leben in Liebe zu Gott darauf ausgerichtet, ihm zu dienen – mit Gebet und Fasten. Wir sehen eine ähnliche Freundschaft in ihrem Leben zum Herrn wie wir sie schon bei Abraham gesehen haben.

Und auch der Vater des verlorenen Sohnes lehrt uns etwas über die geistliche Bedeutung des Wartens. Als der verlorene Sohn aus der Fremde endlich wieder zurückkehrt, heißt es¹⁰:

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Der Vater des verlorenen Sohnes konnte ihn nur deswegen schon sehen, als er noch weit entfernt war, weil er die ganze Zeit auf ihn gewartet hatte. Dieses Warten hat ihn vorbereitet. Als es nur das kleinste Zeichen gab, dass sein Sohn zurückkehrte, war er vorbereitet, ihm sofort entgegenzulaufen, ihm um den Hals zu fallen und ihn zu küssen – und ihn mit ganzem Herzen und aller Entschlossenheit wieder zu Hause aufzunehmen.

Warten im Gebet auf verlorene Menschen bereitet uns innerlich vor, dass wir sofort wahrnehmen, wenn sich in ihnen etwas verändert – wenn sie innerlich mit ersten zaghaften Schritten beginnen, zum Vater zurückzukehren. Nur wer im Gebet darauf gewartet hat, der sieht den verlorenen Sohn schon von weitem zurückkehren. Wer im Gebet darauf gewartet hat, nimmt diese Veränderung sofort wahr, läuft dem Verlorenen entgegen und nimmt ihn in der Herzlichkeit und Entschlossenheit auf, die es braucht, wenn verlorene Kinder zum Vater heimkehren.

Der Prophet Habakuk drückt das Warten auf Gott sehr eindrücklich aus¹¹:

Hier stehe ich auf meiner Warte und stelle mich auf meinen Turm und schaue und sehe zu, was er mir sagen und antworten werde auf das, was ich ihm vorgehalten habe.

6vgl. BAUER, WALTER, a. a. O., Spalte 1426

7vgl. BAUER, WALTER, a. a. O., Spalte 1307

8Tanach ist der jüdische Begriff für das, was wir Christen „Altes Testament" nennen.

9Lk. 2,37

10Lk. 15,20

11Hab. 2,1

Kapitel 3: Das Gebet in der Wüste

Ich war gebeten worden, auf einer Israelreise für die geistlichen Impulse zu sorgen – und stellte dann fest, dass viele der Orte der geplanten Route besondere Orte des Gebets in der Bibel waren. So hielt ich eine Reihe von Inputs über Gebet. Insgesamt waren wir mit vier Reisebussen und 164 Teilnehmern auf dieser Reise unterwegs.

Eines Tages waren wir in der Region des Toten Meeres. Wir besuchten die ehemalige Bergfestung Massada. Unser Tour-Guide teilte uns Kopfhörer aus und schloss seinen Sender mit Mikrofon an. Dann testete er alles, während wir noch in der Talstation der Seilbahn warteten. Dabei sagte er den Satz: „Jetzt müsstet ihr mich alle hören – es sei denn, ihr seid zu weit entfernt von mir."

(Midbar)(dawar) bedeutet im Hebräischen „Wort, Rede¹³ und das entsprechende Verb „reden, sprechen, erklären, das im Tanach sicherlich eines der am meisten gebrauchten Wörter ist.

Als dann später am Tag in Qumran alle vier Reisebusse versammelt waren, lehrte ich – wie ich es geplant hatte – über das „Gebet in der Wüste":

Ps. 63,1-4

(1) Ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war.

(2) Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist. (3) So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit. (4) Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

Wir standen mitten in der Wüste Juda. Um uns herum waren fast nur trockener Staub und Sand zu sehen. Es war über 30 Grad heiß, und man musste sehr darauf achten, genug zu trinken. An einem solchen Ort betete David diesen Psalm. Vielleicht ganz in der Nähe?

Er betete dabei ein Gebet von großer Sehnsucht und Eindringlichkeit:

(2) Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein ganzer Mensch verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

Was ist an der Wüste besonders?

•Man muss nichts dafür tun, um durstig zu werden.

•Man hat keinerlei Ablenkung.

Ich glaube, dass genau das eigentlich immer für uns gilt: Unsere Seele ist immer unglaublich durstig nach Gott – nach seiner Gegenwart, nach seinem Wort, nach seiner Liebe und Nähe. Unsere Seele ist von Gott so geschaffen, dass sie durstig nach ihm ist. Das einzige Problem ist: Dieser Durst kann von vielem kurzfristig überlagert werden. Nichts anderes kann diesen Durst stillen. Aber es gibt vieles, das von diesem Durst ablenken kann oder diesen Durst betäubt, zudeckt oder vergessen lässt.

Die Wüste ist aber der Ort, an dem es keine Ablenkung gibt. Daher bricht an diesem Ort der Durst nach Gott wieder mit voller Macht hervor. Wir müssen aber deshalb keine Eremiten-Mönche werden, die sich in die Bescheidenheit eines Klosters in der Wüste zurückziehen und allen weltlichen Freuden entsagen.

Aber ich bin überzeugt, dass der Herr uns in einer anderen Weise tatsächlich in die Wüste ruft: Wir brauchen ganz regelmäßig Zeiten und Orte,

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