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Die Extra Krimi Bibliothek Februar 2019 – 2100 Seiten Spannung

Die Extra Krimi Bibliothek Februar 2019 – 2100 Seiten Spannung

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Die Extra Krimi Bibliothek Februar 2019 – 2100 Seiten Spannung

Länge:
2,507 Seiten
28 Stunden
Freigegeben:
Feb 12, 2019
ISBN:
9781386263708
Format:
Buch

Beschreibung

Die Extra Krimi Bibliothek Februar 2019 – 2100 Seiten Spannung

von Alfred Bekker, Horst Bieber, Konrad Carisi & Horst Weymar Hübner, G.S.Friebel, Wolf G. Rahn

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

G.S.Friebel: Karla stellt den Dirnenmörder

Alfred Bekker: Eis in den Bergen

Konrad Carisi: Sherlock Holmes und der Meister aus Syracus

Konrad Carisi: James Watson und der Mord ohne Leiche

Alfred Bekker: Grausame Rache

Horst Weymar Hübner: Schiffsreise in die Hölle

Alfred Bekker: Künstlerpech für Mörder

Alfred Bekker: Der Sniper von Berlin

Alfred Bekker: Der Hurenmörder von Berlin

Horst Bieber: Die Kommissarin gibt auf

Horst Bieber: Mord beginnt im Herzen

Horst Bieber: Erben nicht erwünscht

Horst Weymar Hübner: Morgen muss Chicago sterben

Alfred Bekker: Schreckensgalerie

Wolf G. Rahn: Das Holzfällercamp

Krimis der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Mal realistisch, mal unheimlich und mysteriös. Und immer anders, als man zuerst denkt.

Freigegeben:
Feb 12, 2019
ISBN:
9781386263708
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Die Extra Krimi Bibliothek Februar 2019 – 2100 Seiten Spannung - Alfred Bekker

Publisher

Die Extra Krimi Bibliothek Februar 2019 – 2100 Seiten Spannung

von Alfred Bekker, Horst Bieber, Konrad Carisi & Horst Weymar Hübner, G.S.Friebel, Wolf G. Rahn

DIESES BUCH ENTHÄLT folgende Krimis:

G.S.Friebel: Karla stellt den Dirnenmörder

Alfred Bekker: Eis in den Bergen

Konrad Carisi: Sherlock Holmes und der Meister aus Syracus

Konrad Carisi: James Watson und der Mord ohne Leiche

Alfred Bekker: Grausame Rache

Horst Weymar Hübner: Schiffsreise in die Hölle

Alfred Bekker: Künstlerpech für Mörder

Alfred Bekker: Der Sniper von Berlin

Alfred Bekker: Der Hurenmörder von Berlin

Horst Bieber: Die Kommissarin gibt auf

Horst Bieber: Mord beginnt im Herzen

Horst Bieber: Erben nicht erwünscht

Horst Weymar Hübner: Morgen muss Chicago sterben

Alfred Bekker: Schreckensgalerie

Wolf G. Rahn: Das Holzfällercamp

KRIMIS DER SONDERKLASSE - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Mal realistisch, mal unheimlich und mysteriös. Und immer anders, als man zuerst denkt.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER TONY MASERO

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Karla stellt den Dirnenmörder

Krimi von G. S. Friebel

Der Umfang dieses Buchs entspricht 103 Taschenbuchseiten.

Als ihre beste Freundin Vera von einem Hurenmörder umgebracht wird und deren Tochter ins Heim soll, entschließt sich die Starhure Karla, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Sie hofft darauf, dass es anschließend einen Weg gibt, das kleine Mädchen zu adoptieren. Doch einer Dirne, noch dazu einer unverheirateten, wird ein Kind nicht einmal zur Pflege gegeben. Karla muss eine Entscheidung treffen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Karla Börger saß vor dem Spiegel und betrachtete ihr Gesicht. Das war ihr zur lieben Gewohnheit geworden. Sie war wieder auf der Suche nach einem Fältchen, konnte aber keines entdecken, so sehr sie sich auch anstrengte.

»Na bitte«, murmelte sie zufrieden vor sich hin. »Wer sagt denn, dass Nachtarbeit alt und hässlich macht. Doch nur die Neidhammel und die Spinner, oder wer sonst noch.«

Sie lächelte spöttisch vor sich hin.

Dann prüfte sie ihr Spiegelbild nochmals und war mit sich zufrieden.

Sie hatte die Lippen ein wenig aufgeworfen, ihre Augen glitzerten wie Sterne in der Nacht.

O ja, sie wusste sehr wohl, was die Männer mochten, worauf sie standen, womit man sie verrückt machen konnte. Und waren sie erst einmal in diesen Zustand versetzt, gab es keine Schwierigkeiten an ihre Geldbörse zu gelangen.

Sie öffnete noch ein Knöpfchen an dem goldenen Oberteil und lächelte sich im Spiegel zu. Ich bin mal wieder umwerfend, fand sie.

Mit einer schlangengleichen Bewegung erhob sich Karla vom Hocker und tänzelte durch die kleine Garderobe. Sie strich mit schlanken Fingern über die Hüften.

Das Licht war schwach und ließ ihre Schönheit nur unvollkommen erkennen.

Gleich würden alle sie bewundern.

Im Hintergrund ertönte leise Musik. Karla wusste, dass es gleich losging.

Da wurde die Tür aufgerissen.

»Hab ich es mir doch gedacht. Da steckst du mal wieder, und ich warte schon eine Ewigkeit.«

Franziska stand auf der Schwelle.

»Los, der Schuppen hat seine Tore schon geöffnet. Worauf wartest du denn noch? Ein paar von deinen Kunden haben bereits nach dir gefragt.«

»Franziska, du wirst nie nobel, hörst du. Du bist zu dumm dazu. Man muss sie warten lassen.«

»Wie? Du hast wohl ein Loch im Kopf, was? Dann hauen sie doch ab, und wir können zusehen, wo wir neue Fische angeln. Nee, ich weiß es besser.«

»Warten erhöht den Reiz, meine Liebe. Und vor allen Dingen, man wird dann interessant.«

»Tatsächlich?«

Karla schob das Mädchen in den Gang.

»Keine Sorge, du wirst es nie lernen, also brauchst du dich mit dieser raffinierten Kunst auch nicht abzugeben. Komm jetzt, ich denke, es pressiert so doll!«

Franziska nagte an ihrer Unterlippe. Verdammt, dachte sie bei sich, immer wenn ich in Karlas Nähe bin, dann fühle ich mich als Putzlappen. Wie kommt das eigentlich? Dabei habe ich heute meinen neuesten Fummel an und sie nur einen alten. Den hat sie jetzt auch schon eine Ewigkeit. Ich bin doch kein Aschenputtel, verflucht noch mal. Ich bin auch ein Star. Wieso redet sie eigentlich so blöd mit mir?

Schon wollte sie Karla festhalten und sie zur Rede stellen. Doch da erschien Mäxi und sprach sie gleich an: »Hallo Süße!«

Selbst er klebt an ihr, dachte Franziska wütend. Ich versteh das einfach nicht.

Karla lächelte und hing sich bei Mäxi ein. »Hallo Liebling, wie ist es?«

»Wunderbar, wie immer, wenn du in meiner Nähe bist.«

»Das wollte ich doch nicht wissen. Mich interessiert, wie es in der Bar aussieht.«

»Trist und leer, wenn du nicht da bist.«

Sie gab ihm einen Kuss.

Der Barkeeper fing gleich Feuer.

»Treffen wir uns nachher?«

»Nicht so stürmisch.«

Franziska mischte sich in das Gespräch ein und sagte eifrig wie ein kleines Kind: »Mäxi, ich hab ganz bestimmt Zeit. Magst du?«

Er gab ihr nicht mal Antwort.

Die Tür wurde aufgemacht, und Kristin kam auf sie zu.

»Haltet ihr eine Versammlung ab?«

»Nein, wir rollen jetzt an.«

Rotes, goldenes und grünes Licht überflutete mit seiner ganzen Pracht die Mädchen. Es war schon etwas unwirklich in dieser Bar. Wer erst einmal hier war, konnte sich nur schwer wieder lösen. Überschritt ein Besucher die Türschwelle, fühlte er sich in einer anderen Welt. Es war schön, und er wünschte sich dann nur von Herzen, es möge so bleiben. Die Bar war sündhaft teuer und nur das ganz vornehme Publikum erwünscht. So war sie immer gut besucht. Der Chef des Hauses konnte zufrieden sein.

Wie in allen Bars, so lief auch hier das übliche Programm mit nackten Mädchen und Stripperinnen. Und doch waren sie nicht die Attraktion dieser Bar. Irgendwie hatte es Karla geschafft, dass sich die meisten Männer um sie scharten. Niemand wusste, warum. Dabei war sie vor gut einem Jahr als Neuling in dieses Geschäft gerutscht. Rein zufällig, versteht sich. In Wirklichkeit war es mal wieder das liebe Geld, das sie verlockt hatte. Sie wurde nur zögernd eingestellt, denn sie konnte ja keine Qualitäten aufweisen.

»Lassen Sie es mich doch einmal versuchen. Ich brenne darauf. Ich brauche das Geld, also werde ich auch gut sein. Bitte!«

Der Chef der Bar, ein alter, dicklicher Mann an die siebzig, hatte sie träge gemustert. Sein Herz ließ es leider nicht mehr zu, dass er die Mädchen selbst ausprobierte. Eine Schande war das. Nun ja, er hatte zu ausschweifend gelebt und bekam die Rechnung dafür.

»Gut, aber das Soll muss eingehalten werden. Wir bekommen von jeder Nummer einen gewissen Preis, verstanden?«

Sie hatte ihn durchdringend angesehen.

»Und wie hoch darf ich gehen?«

»Wie bitte?«

»Ich meine, ist das hier vorgeschrieben, wie viel wir von den Herren verlangen dürfen?«

»In der Regel verlangen sie hundert. Ob sie das immer erhalten, weiß ich nicht.«

Karla lächelte ihn an und fragte vorsichtshalber: »Ich darf also nehmen, was mir gefällt?«

»Nun ja, aber wir werden es prüfen.«

»Wieso das denn?«

»Hast du etwa einen Zuhälter?«

Sie dachte an Hanko, und ihr Gesicht wurde abweisend.

»Sagen wir mal, im Augenblick habe ich einen Freund.«

Der Boss hatte verstanden.

»Du möchtest also lieber unter meiner Obhut arbeiten?«

»Sobald es klappt.«

»Er ist also nicht gut, wie?«

»Was soll ich dazu groß sagen?«

»Mädchen, je länger ich mich mit dir unterhalte, desto mehr gefällst du mir. Hör zu, wenn du willst und die Zeit reif ist, dann komm wieder zu mir.«

»Ich kann mich also auf Sie verlassen?«

»Selbstverständlich. Wir sind ein anständiges Haus. Wenn du dich gut hältst, dann kannst du lange hier arbeiten.«

»Das habe ich auch vor. Außerdem will ich das Luxusmädchen werden, verstehen Sie!«

»Wie bitte?«

»Ich gehe nicht mit jedem, ich möchte mir die Kunden aussuchen dürfen, dann erlebe ich keine Überraschungen. Vor allen Dingen macht dann die Sache richtig Spaß.«

Er lachte schallend.

»Du hast dir eine ganze Menge vorgenommen, du unmögliches Mädchen.«

»Ich heiße Karla, und mein Name wird eines Tages Qualität bedeuten.«

»Nun, dann wollen wir eine kleine Wette abschließen, oder bist du dagegen?«

»Sie werden verlieren.«

»Ich setze tausend.«

»Ich auch!«

»Du nimmst den Mund ganz schön voll.«

»Ich weiß, was ich wert bin.«

»Sprechen wir uns nach vier Wochen wieder. Wenn du es bis dahin nicht geschafft hast, wird es nie klappen, mein Mädchen.«

»Karla heiße ich.«

»Natürlich, Karla.«

Wenn sie ehrlich sein wollte, hatte sie nicht damit gerechnet, in dieser Bar angestellt zu werden. Doch sie hatte sich gesagt, wenn ich schon als Dirne mein Leben fristen muss, Hanko will es so, nun denn, dann suche ich mir auch das Beste aus. Später kann ich noch immer absinken, aber ich werde mich bemühen, es lange oben auszuhalten.

Die Anfangszeit – wie gut sie sich noch daran erinnerte.

Manchmal wünschte sie sich von Herzen, dass man ihr einen Mord zugestand. Wenn, dann würde sie auf der Stelle Hanko umbringen.

Hanko war Benedikts bester Freund.

Wie hatte der Bruder von ihm geschwärmt, wie war er glücklich, wenn dieser ihn besuchte. Hanko, dieses Großmaul, das alles hatte und angeblich alles konnte. Der sensible Bruder musste sich jedes Ding erkämpfen, die Schule, den Beruf. Hanko brauchte das nicht. Eigentlich hatten sie sich nie die Mühe gemacht nachzuprüfen, ob es der Wahrheit entsprach, was er ihnen erzählte. Er war wie ein Fels in der Brandung. Wie gut konnte sie sich noch an die erste Zeit erinnern.

Sie war knapp zwanzig, als Hanko sie bewusst aufnahm. Sie und Benedikt hatten zusammen nach dem Tode der Eltern eine kleine Wohnung gemietet. Das war für beide billiger, und Benedikt war dann nicht so einsam. Karla wollte das Leben genießen und sich dann erst binden. So schnell wollte sie sich nicht in das Ehejoch zwängen lassen. Sie war clever. Doch dann wurden die Besuche Hankos immer häufiger. Er war eine imponierende Erscheinung und bezwingend in seiner Art. Er zog sie schnell in seinen Bann.

Hanko warf ihre Bedenken über Bord. Sie hing an seinen Lippen und war bald genauso beliebt wie der Bruder. Sie war auch noch glücklich, als sie spürte, dass sie ihn liebte, und konnte ohne ihn nicht mehr leben.

Hanko zerstörte ihr Leben. Er nahm sie mit, und sie zogen zusammen. Sie war selig und hoffte, bald seine Frau zu werden. Doch Hanko sprach nie von Heirat, und bald musste sie feststellen, dass er ihrer überdrüssig wurde. Er hatte nur Frauen gern, die sich ihm widersetzten. Wenn sie dann endlich schwach wurden, warf er sie zum alten Eisen.

Karla konnte er aber nicht so schnell zum alten Eisen werfen. Vor allem hatte sie viel Energie und war ein ganz anderes Mädchen als jene, die er bisher gekannt hatte.

Alles spielte zusammen. Er war bald am Ende, und an Arbeit dachte er nicht. Karla wusste nicht, wann er die Beziehung mit der Unterwelt angefangen hatte und auf welche Art und Weise.

Eines Tages machte er ihr die Eröffnung.

»Du gehst auf Anschaffe für mich. Wir brauchen Geld.«

Bis zu dem Augenblick war sie nur die einfache Sekretärin gewesen.

Sie hatte sich verzweifelt gewehrt. Hanko bezwang sie mit der Macht und Gewalt seiner Freunde. Eines Tages waren sie gekommen, drei auf einmal. Hanko war so freundlich und schloss sie mit Karla fünf Stunden zusammen in das Zimmer ein.

Anschließend nickte sie nur zu allem, was er ihr sagte. Sie war zerbrochen und schämte sich schrecklich. Immer wieder dachte sie an den Bruder. Doch er war zu schwach, um ihr Hilfe zu bieten, und ihn wollte sie nicht betrügen. Er würde daran zerbrechen. Benedikt durfte nie erfahren, was sie tatsächlich von Beruf war. Sie musste ihm ein glückliches Leben mit Hanko vortäuschen. Das war das Schwerste, was ihr abverlangt wurde. Hatte sie doch durch ihn diesen schrecklichen Menschen kennengelernt. Benedikt hatte sie fast in dessen Arme getrieben und pausenlos von seinem großartigen Freund gesprochen und nicht gemerkt, wie kalt und brutal er im Grunde war. Später erst wusste Karla, dass Hanko die Menschen nur benutzte, auch den schwachen Bruder.

Sie war also zum Barbesitzer gegangen, denn als gewöhnliche Hure wollte sie nicht gehen. Er verlangte viel von ihr, fünfhundert pro Nacht.

»Den Rest kannst du behalten. Es ist mir egal, wie und wo du das Geld verdienst, Schätzchen, aber es wird pünktlich abgeliefert, hast du mich verstanden?«

Sie wusste nicht, wie sich eine Nutte verhielt, musste sich aber als solche ausgeben.

Der Anfang war eine große Qual für sie gewesen. Eingebettet in den Luxus der wundervollen Bar hoffte sie, es würde alles leichter sein.

Dort waren die Mädchen auch nicht so gemein und brutal wie die Straßenhuren. In deren Augen waren die Laternenschicksen, wie sie verächtlich von ihnen sprachen, ein Dreck.

Karla, verklemmt, verstört und böse im Herzen, wurde in dieser Bar angestellt. Die Zahl Fünfhundert tanzte vor ihren Augen und die Grausamkeit des Luden. Hanko war jetzt Zuhälter geworden.

Sie hatte, fast wahnsinnig vor Angst, ihren ersten Abend in der Bar verbracht. Beim Boss hatte sie große Töne gespuckt, aber jetzt vor Ort, da war alles anders gewesen. Franziska, Rose und Kristin kannten sich in ihrem Gewerbe gründlich aus und hatten auch ein paar Stammkunden.

Karla dachte: Ich muss aufpassen, wie sie es anstellen, und es ihnen einfach nachmachen. Ich bin dann genauso gut wie sie.

Doch sie brauchte nur eine Stunde, um zu begreifen, dass es sie anwiderte, wie die Mädchen rangingen. Nein, das würde sie nie und nimmer können.

Während sie auf dem Barhocker klebte und alles im Raum kalt musterte, fühlte sich das Mädchen wie auf einem fernen Stern. Sie würde es nicht können. Es war so vulgär. In diesen Augenblicken ahnte Karla noch nicht, dass sie damit ihren Ruhm begründete.

Während sie die Umgebung beobachtete, wurde sie ihrerseits angestarrt. Schon kam ein Herr auf sie zu und fragte, ob er sich ein wenig mit ihr unterhalten dürfe. Sie neigte hoheitsvoll den Kopf.

Er bekam schnell heraus, dass sie hier angestellt war, also auch ein käufliches Mädchen, aber so ganz anders als ihre Kolleginnen. Sie gab sich wie eine Königin. Er dachte unwillkürlich: Vielleicht ist sie gezwungen, dieses Leben zu führen und hat eine ganz andere Erziehung genossen. Diese Augen können einem Löcher ins Herz brennen. Ich weiß auch nicht warum, obschon sie wie ein Eisblock vor mir sitzt, spüre ich, dass ich verrückt nach ihr bin.

Sie kamen bald ins Gespräch, und nach einer halben Stunde stellte er die unvermeidliche Frage.

Karla zuckte zusammen. Schon wollte sie ihm böse und zornig antworten, aber dann war da wieder die Zahl.

»Fünfhundert, oder ich schlage dich zusammen, dass du dich acht Tage lang nicht wiedererkennst.« So hatte Hanko gedroht.

Sie lächelte mit spröden Lippen und rutschte langsam vom Hocker.

Mäxi blickte sie aus unergründlichen Augen an.

Im hinteren Trakt der Bar waren Zimmer für die Mädchen eingerichtet. Dafür verlangte man pro Nummer zwanzig Mark Abgabegebühr und fuhr nicht schlecht dabei. Für den Boss war das eine gute Nebeneinnahme. Mäxi musste jeweils die Kunden der Mädchen zählen, damit auch alles stimmte.

Fünfhundert, und sie hatte schon so viel Zeit vertan!

Als sich die Tür schloss und sie mit dem Gast allein im Zimmer war, wurde sie fast hysterisch.

»Wie viel muss ich denn zahlen? «

Sie blickte ihn starr an.

»Hundertfünfzig«, sagte sie mit belegter Stimme.

Er lachte unwillkürlich auf.

»Mädchen, du kannst mich nicht bescheißen, ich kenne mich hier aus. Das ist ein Wahnsinnspreis.«

Ihr war kalt vor Angst. Aber klein beigeben, jetzt? Wäre sie dann nicht genauso blöde wie eine Laternenschickse?

»Schließlich bin ich ein Klasse-Mädchen«, entgegnete sie zornig. »So gehen Sie bitte, ich habe nicht gewusst, dass Sie es sich nicht leisten können, Qualität zu bezahlen.«

Er lief rot an.

»Nicht leisten können?« Damit hatte sie seinen wunden Punkt erwischt. Die Neureichen wollten immer für reich gehalten werden und gaben viel Geld aus, damit man es ihnen glaubte. So war es auch jetzt.

»Mein liebes Mädchen, wenn ich wollte, dann könnte ich dich die ganze Nacht mieten«, rief er lachend aus.

Karla blickte ihn mit ihren großen, blauen Augen nüchtern an.

»Das sind wirklich feine Worte, mein Herr.«

Er plusterte sich auf.

»Du glaubst mir also nicht?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Eine Nacht kostet immerhin tausend Mark, und die zu opfern, dazu gehört schon ein hübsches Vermögen, wenn die Familie darunter nicht leiden soll.«

Schweigend legte er das Geld auf den Tisch.

Weil sie richtig pokerte, hatte sie gleich in der ersten Nacht ihren Ruf begründet. Alle waren bald baff, als sie begriffen, dass sie einen Weltmeister gleich in der ersten Nacht erwischt hatte. Und das, obwohl sie stolz und abweisend dagestanden hatte.

Der Barbesitzer war sofort davon überzeugt, ein Juwel entdeckt zu haben. Mit dem Mädchen würde er jetzt das große Geld machen. Wenn er eine gute Dirne im Haus hatte, dann kamen die Kunden in Scharen, tranken viel und waren großzügig.

Am nächsten Abend ließ er Karla zu sich kommen.

Sie lächelte ihn an, denn sie war selbst noch erstaunt über ihren Erfolg und überrascht, weil sie gemerkt hatte, dass es im Grunde genommen leicht war, einen Mann glücklich zu machen. In der Regel wollten sie sich nur ausquatschen. Dann glaubten sie auch, dass sie Neues bei einer Dirne lernten, fühlten sich anschließend herrlich verworfen und prahlten bei ihren Freunden damit.

So konnte sie sich die Gäste gefügig machen. Sie brauchte ihnen nur überzeugend vorzuspielen, dass sie allein in der Lage war, dem Freier wirkliche Liebe zu geben. Wie glücklich war er dann!

Karla hatte noch am Morgen, als sie die Bar verließ, Hanko die fünfhundert gegeben. Er hatte sie angegrinst und gemeint: »Na also, und du hast dich so angestellt.«

Nicht einen Augenblick lang dachte er daran, dass sie vielleicht noch mehr Geld haben könnte. Er glaubte, sich in dem Geschäft auszukennen.

»Mädchen, jetzt geht das große Verdienen an.«

»Ja, jetzt geht das große Verdienen an«, wiederholte sie langsam.

Er bemerkte gar nicht, dass sie sich in einer seltsamen Stimmung befand. Zu Hause angekommen, war sie froh, dass sie gleich schlafen konnte. Hanko wollte schon lange nichts mehr von ihr. Auch das schmerzte nicht. Die Liebe hatte sie endgültig aus ihrem Herzen verbannt. Sie hasste Hanko abgrundtief. Tiefer und leidenschaftlicher konnte sie keinen Menschen verabscheuen wie diesen widerlichen Kerl.

Als sie wach war, betrachtete sie das Geld und presste die Lippen zusammen. Eines stand nun für sie fest, sie wollte sich nicht für den Lumpen krumm schuften. Er hatte sie in dieses Leben gestoßen, also sollte es ihr auch Glück bringen. Sie wusste jetzt, wie sie reich werden konnte. Es gab immer wieder Dirnen, die den Ausstieg aus dem Milieu schafften und dann ganz groß ankamen. Sie würde es tun. Dafür brauchte sie keinen Hanko, aber sie wusste auch um dessen Gefährlichkeit.

Als sie vor ihrem Boss stand, war sein Blick wieder bedauernd.

»Ich kann die Männer verstehen.«

»Bis jetzt war es nur einer«, stellte sie richtig.

»Ich möchte dich fest anstellen, Karla.«

»Gestern haben Sie noch ganz anders gesprochen.«

»Ich kann mich doch auch mal irren, oder?«

»Sicher – warum nicht.«

Sie blickte ihn ruhig an.

»Gestern wurde viel gesprochen.«

»Du willst frei sein?«

Sie nickte nur.

»Wenn Sie das schaffen, dann verspreche ich, solange ich Dirne bin, werde ich bei Ihnen arbeiten. Nichts und niemand kann mich dann abwerben. Ich will meine ganze Kraft in diese Bar reinstecken. Sie werden es nicht zu bereuen haben.«

»Du bist ein seltsames Mädchen, und ich glaube dir. So etwas wie dich, das findet man alle zehn Jahre mal. Ich kenne mich aus. Hanko ist ein Lump und ein Dummkopf dazu.«

»Wie ist es, kann man da was machen?«

Der Boss stand schwerfällig auf und ging zum Fenster.

»Es wird nicht leicht sein.«

»Das weiß ich.«

»Ich kann es tun, aber dann musst du mitspielen, mein Mädchen.«

»Und wie muss ich mich verhalten?«

»Dich vorläufig nicht draußen sehen lassen. Ich sage dir Bescheid, wenn alles vorbei ist.«

»Du willst ihm also die Flügel brechen?«

»So ungefähr habe ich mir das gedacht.«

»Von mir aus kannst du ihm das Rückgrat brechen. Ich würde mich noch darüber freuen.«

»Alles zu seiner Zeit, ganz so einfach ist es nicht.«

Nach der Arbeit bezog sie das Hinterzimmer und wurde von der Bar aus verköstigt. Sie wusste nicht genau, was der Boss tat, um seine Rechte geltend zu machen. Sie arbeitete fleißig, und der Bar bekam das ausgesprochen gut. Kristin hatte schon böse Augen. Doch dann begriffen die drei Dirnen, dass für sie auch eine ganze Menge abfiel, also schwiegen sie.

Einmal erschien Hanko in der Bar. Karla hatte gerade einen Stammkunden bei sich. Sofort fühlte sie einen kalten Schauer über ihren Rücken laufen.

Er musste sich informiert haben, zumindest wusste er, dass sie jetzt eine Klasse-Tülle war.

Seine Augen waren schwarz vor Wut, und er kam auf sie zu.

Karla dachte die ganze Zeit: Mir kann nichts passieren, wir befinden uns hier in einer Bar, und alle werden mir helfen. Ich darf keine Angst zeigen, sonst bin ich verloren.

Sie starrte ihn ebenfalls kalt an.

»Was willst du?«

Hanko wurde ein wenig nervös, denn eine Dirne hatte ihm noch nie so frech die Stirn geboten. In diesem Augenblick begriff er, dass sie ein Goldstück war, er hatte nur nicht rechtzeitig ihren Wert erkannt. Wäre dem so gewesen, hätte er sie natürlich von Anfang an ganz anders behandelt, und sie wäre bei ihm geblieben. Das konnte sich aber schnell ändern.

»Du glaubst dich jetzt in Sicherheit?«, fragte er höhnisch.

»Das will ich meinen.«

»Irre dich nicht«, schnauzte er sie an. »Ich kann warten und mich rächen, du wirst dich noch wundern. Ich werde zuschlagen, wenn du nicht mehr daran denkst.«

Wie hingezaubert stand plötzlich der Boss der Bar hinter Hanko. Mäxi hatte das diskrete Zeichen gegeben, und er war gleich aus den Hinterräumen nach vorn geeilt.

»Du hast Hausverbot, Hanko.«

»Was du nicht sagst!«

Die beiden Männer maßen sich mit kalten Blicken.

Der Boss schnauzte: »Ich an deiner Stelle würde den Mund nicht so voll nehmen. Es könnte dir schlecht bekommen. Außerdem ist es falsch, wenn du Karla drohst und das auch noch in aller Öffentlichkeit.«

»Wie, willst du mir vielleicht den Mund verbieten, alter Fettsack?«

Der Boss reagierte gelassen.

»Das nicht, es ist mir egal, wie du dir das Genick brichst, aber ich möchte dir einen wohlgemeinten Rat geben.«

»Darauf kann ich gut verzichten.«

»So? Nun, dann dürfte es dir auch egal sein, wenn Karla etwas zustoßen sollte.«

Hanko lachte schallend, und Karla zitterte vor Angst.

»Na, dann wünsche ich dir jetzt schon schöne Ferien im Knast«, sagte der Boss der Bar.

Hanko kniff ein Auge zu.

»Was willst du damit andeuten?«

»Lebenslänglich. Nun, wenn dir das Spaß macht ...«

»Auf der Stelle will ich wissen, was du damit sagen willst, du Schweinehund.«

»Ach, ich denke, du pfeifst auf meinen Rat?«

»Werde jetzt nicht frech, oder ich könnte mich vergessen. So schnell können deine Bewacher nicht zur Stelle sein.«

»Du irrst, sie sind die ganze Zeit schon zugegen und hören jedes Wort.«

Hanko starrte ihn nur an.

»Machen wir es kurz, Lüdchen!«

Hanko kochte vor Wut. Ihn einen Lüdchen zu nennen, das war wie ein Schlag ins Gesicht. Darin drückte sich alle Verachtung aus, die einer sich nur ausdenken konnte. In diesem Wort steckte die Verniedlichung, und man musste annehmen, dass er kein richtiger Lude war.

»Wenn Karla etwas passiert, dann wirst du dafür büßen müssen. Also sieh zu, dass ihr kein Haar gekrümmt wird, denn ich habe bei der Kripo hinterlegen lassen, dass du einen unbändigen Hass auf das Mädchen hast. Unser gemeinsamer Kommissar hat mir gesagt, dass er schon lange darauf wartet, dich zu kaschen. Du darfst auch sicher sein, dass, wenn Karla etwas passiert, sich genug Zeugen finden lassen werden, die dich oder deine Auftraggeber dabei gesehen haben.«

Hanko atmete ganz flach.

Karla warf dem Boss einen schnellen Blick zu.

Warum hatte er ihr das nicht gemeldet?

»Du Hund«, tobte Hanko. »Du verfluchter Hund!«

»Nur so weiter, das ist Musik in den Ohren meiner Freunde. Um so lieber werden sie gegen dich aussagen, denn jetzt haben sie deine Drohungen vernommen.«

Hanko ballte die Fäuste. Zum ersten Male fühlte er sich ohnmächtig. Ob er jetzt an seine Opfer denkt, dachte Karla, an mich, wie er mich mit diesen widerlichen Kerlen eingeschlossen hat. Weiß er, wie es ist, wenn man hilflos und einsam ist?

Ohne ein Wort zu sagen, stürzte Hanko davon.

Der Boss lächelte überlegen.

»Auch alte Böcke machen große Fehler.«

Karla wandte sich an ihn.

»Kann ich mich jetzt wieder frei bewegen und in die Stadt gehen?«

»Ja, auf diesen Auftritt habe ich nur gewartet.«

Karla starrte ihn bewundernd an.

»Und wenn er nicht gekommen wäre?«

»Ich habe so viel ausstreuen lassen, dass er einfach den Versuch machen musste, dich zu gewinnen«, sagte er lachend.

Karla blickte ihn lange nachdenklich an.

»Sich mit dir zu verfeinden, ist wohl nicht gerade gesundheitsfördernd, wie?«

»Das kann ich bestätigen.«

Sie wusste jetzt, wo ihre Grenzen waren. Sie hatte auch nicht vor, diese Stelle zu verlieren.

Karla arbeitete sehr zielstrebig und gut. Der Boss besorgte ihr eine hübsche Wohnung außerhalb der Bar. Sie richtete das Apartment nach ihren Wünschen ein. Die Wohnung befand sich in einem Hochhaus. Hier kannte niemand das Mädchen. Keiner würde auf den Gedanken kommen, hinter dieser modernen jungen Frau eine Dirne zu vermuten. Sie war zu allen freundlich und hilfsbereit.

Man wunderte sich nur, dass man sie nie mit einem Mann sah. War das nicht ein wenig absonderlich, wo sie doch so hübsch war? Natürlich suchten ein paar Anschluss im Fahrstuhl und in den Gängen, aber sie wusste sich zu wehren.

Eines hatte Karla schnell in ihrem Beruf begriffen: Wer sich selbst nicht helfen kann, ist verloren. Als Dirne musste sie in der Lage sein, sich jeden Mann vom Hals zu schaffen, wenn es nötig war, oder sie musste eines Tages mit dem Leben bezahlen.

Der Boss half ihr mit einem guten Rat.

»Mach einen Karatekurs mit. Wenn du fleißig bist, dann wirst du es schnell lernen und bist gesichert. Dann ist sogar eine Waffe überflüssig. Vergiss nicht, Mädchen, dass gerade bei den betuchten Kunden oft abartige Typen anzutreffen sind.«

»Das habe ich auch schon gemerkt.«

Karla wollte ihr Wissen weitergeben. Sie sprach mit Kristin, Franziska und Rose darüber. Außerdem machte die ganze Sache viel mehr Spaß, wenn sie zu viert loszogen. In der Nähe sollte eine gute Schule sein. Doch die drei waren faul und zu dumm, um den Wert der Sache zu begreifen.

»Ich bin froh, wenn ich in meiner freien Zeit pennen kann, und hin und wieder will man wie ein normaler Mensch leben. Da soll ich in die blöde Schule gehen und mir die Glieder verrenken lassen? Ich bin doch nicht bekloppt!«

»Aber es ist wichtig.«

»Wenn ich eine Laternenschickse wäre, dann sähe ich das ja noch ein. Nee, danke für Obst.«

Karla ging also allein.

Wenn sie etwas machte, dann tat sie es gründlich, und so blieb sie ein halbes Jahr am Ball. Dann beherrschte sie die wichtigsten Griffe und hörte auf. Der Trainer bedauerte das, denn er glaubte, in ihr ein Naturtalent entdeckt zu haben und wollte sie gern im Verein behalten. Sie dankte nur und kam nicht mehr in den Unterricht.

2

Die Abende waren, wie immer, gut ausgefüllt, und oft hatte sie auch viel Spaß. So wie heute. Sie hatte wieder vier Stammkunden, aber diese sollten erst später aufkreuzen. Sie verdiente fast jede Nacht ihre tausend Eier. So brauchte sie nicht jeden Kunden zu nehmen. Sie wählte sorgfältig aus, und das verstärkte ihren Ruf. Die Männer sahen es als große Ehre an, bei Karla anzukommen. Es geschah öfter, dass ein Kunde mit seinem Freund darüber sprach. Er wurde neugierig und wollte dieses Wundergeschöpf gern kennenlernen, also gingen sie eines Abends zusammen in die Bar.

Wie glücklich war dann der Stammgast, wenn er hörte, dass Karla gar nicht daran dachte, seinen Begleiter zu »bedienen«. Dieser war dann natürlich recht sauer. Doch der Freund lachte ihn aus und meinte: »Ich habe es dir doch gesagt.«

»Liegt es am Preis?«

Karla sah ihn mit ihrem eigenartigen Blick an.

»Nein, mein Freund, daran nicht. Du bist nicht mein Fall. Deine Manieren sind mir nicht gut genug. Ich bin nur Qualität gewöhnt, verstehst du. Komm, wir trinken noch einen. Ich kann dir Rose empfehlen, sie ist ein reizendes Geschöpf. Mit ihr wirst du viel Spaß haben.«

Inzwischen war der Gast aber so gereizt, dass er nur noch Karla wollte. Wenn diese aber einmal Nein sagte, dann blieb sie dabei, auch wenn der Gast eine verteufelt hohe Summe nannte. Dieser Streit wurde oft so laut geführt, dass viele in der Bar das Gespräch mitbekamen und anfingen, Wetten abzuschließen. Ging sie jetzt mit ihm nach hinten oder nicht? Das war ein interessanter Zeitvertreib.

Wenn der Stammgast sie dann fragte: »Warum hast du denn meinen Freund abgewiesen?« war ihre Antwort: »Ganz einfach, er hat mich wie eine billige Nutte taxiert.«

»Wie? Er hat doch nichts getan.«

Sie lächelte herablassend.

»Kaum habe ich mich zu euch gesetzt, rieb er schon sein Knie an meinem. Das finde ich verdammt billig. Ich will wie eine Dame behandelt werden. Ich gehe mit dir ja auch nicht um wie mit einem geilen Bock, oder?«

Er wurde rot.

»Das ist aber verdammt stark, Karla. Alles kannst du dir auch nicht herausnehmen.«

Er war sauer.

»Du kommst, weil du es nötig hast. Gut, ich verstehe das, ich verstehe auch, dass die Männer von Natur aus anders beschaffen sind, sonst wären wir vielleicht schon ausgestorben. Also respektiere ich auch euren Hang, aber ich mache es nicht verächtlich. Deshalb will ich nicht, dass man mich wie eine billige Ware umsonst abtätschelt. Sage es ihm! Frage ihn doch mal, ob er sich jeder Frau so nähert. Wenn ja, dann gehört er hinter Gitter, dann ist er nicht normal.«

Er liebte sie mit Leidenschaft und war anschließend glücklich, dem Freund eins auswischen zu können. Dieses Mädchen war und blieb seine Entdeckung.

Karla konnte sich mit der Zeit viel leisten. Sogar ein Auto hatte sie sich gekauft. Der Neid der drei Dirnen in der Bar war schon beträchtlich, und er stieg noch, als sie merkten, dass selbst Mäxi scharf auf Karla war.

Nur eines bedrückte Karla. Das war ihr Bruder Benedikt. Sie wusste ganz genau, dass er nie erfahren durfte, was sie jetzt tat. Er würde daran zerbrechen. Darum war es gar nicht so einfach für sie, vor ihm ein normales Leben zu führen. Sie musste höllisch aufpassen, dass er nicht mit Hanko zusammenstieß.

Sie hatte ihm gesagt, dass sie sich selbständig machen wollte, und deswegen sei sie ausgezogen. Er hatte ihre Adresse gewollt, aber bis jetzt hatte sie ihm diese mit der Begründung verweigert: »Weißt du, ich lebe im Augenblick bei einer Freundin. Sollte ich eine eigene Wohnung haben, dann lass ich es dich wissen.«

»Können wir denn nicht wieder zusammenziehen, Karla, wie früher? Dein Zimmer steht doch leer.«

Sie hatte geschluckt. Benedikt durfte nicht mit der Wirklichkeit konfrontiert werden. Er war ein guter Mensch und würde nicht begreifen, wie abgrundtief böse Hanko war. Deshalb musste sie ihn noch verschonen und erklären, dass sie auch weiterhin gute Freunde waren.

Karla aber wusste, wenn sie wieder zu Benedikt zog, dass er dann schnell herausfinden würde, was sie tat. Nein, sie konnte es nicht tun. Außerdem wollte sie frei sein.

Im Augenblick wollte sie ihm sowieso nicht ihre Anschrift geben, denn sie hatte keine Ahnung, ob Hanko noch versuchte, sie zu ergreifen. Sie musste erst Gras über die ganze Geschichte wachsen lassen. Dann konnte sie sich mit Benedikt abgeben und ihn einladen.

»Wirst du mich denn besuchen?«

»Warum suchst du dir keine Freunde?«

»Das ist schwierig, und seit du aus der Wohnung ausgezogen bist, ist es einsam bei mir geworden.«

»Du darfst dich nicht so einspinnen. Das ist nicht gut für dich, Benedikt. Bitte denke mal darüber nach. Es gibt viele Möglichkeiten.«

»Aber wir haben doch uns.«

»Ja«, sagte sie ein wenig gequält und verfluchte die Mutter, weil sie den Bruder verwöhnt und zur Unselbständigkeit erzogen hatte. Nun hatte sie ihn auf dem Hals und fühlte sich eigentlich die ganze Zeit schuldig, weil sie ihn nicht besuchte. Schließlich und endlich hatte sie ja einen anstrengenden Job zu verrichten. Die Bar machte erst gegen fünf Uhr morgens dicht, dann fuhr sie mit dem Taxi heim. Sie schlief in den Tag hinein, kochte, räumte auf und ging einkaufen. All das war zu tun, und bald war es schon wieder Zeit für ihren Job.

Heute war wieder ein anstrengender Tag, vielmehr eine anstrengende Nacht durchzustehen. Sie hatte sich hinten länger als gewöhnlich aufgehalten. Ein Stammkunde wartete bereits auf ihr Erscheinen.

Rose hockte am Tresen und sah sie lustlos an.

Karla wollte eigentlich nicht sofort ins Bett steigen. Sie brauchte immer ein wenig Zeit zum Einüben, wie sie sich das zurechtlegte.

»Sollen wir nicht erst etwas trinken?«

Er wollte nicht.

»Es geht auf meine Rechnung.«

»Das hört sich schon anders an.«

Sie blickte in das zerfurchte Gesicht des Mannes und dachte: Zu gern möchte ich wissen, warum du zu mir kommst. Du hast doch eine Familie, ich verstehe das einfach nicht. Warum gehst du nicht zu deiner Frau?

Ein paar ihrer Kunden hatten echte Sexschwierigkeiten, sie half, diese abzubauen. Doch so lange war sie noch nicht in diesem Gewerbe, dass sie schon einen Erfolg haben konnte. Karla war gewissenhaft und unterhielt sich gern mit ihren Kunden. Das gab ihr das Gefühl, nicht eine Nutte zu sein, sondern ein verständnisvoller Mensch, der auf die Nöte des anderen einging. Heute hatte der Kunde nicht viel Lust zum Reden und wollte gleich zur Sache kommen.

Ausgerechnet an diesem Abend hatte sie sich auch noch so aufreizend gekleidet. Kein Wunder, dass er Feuer fing. Als sie merkte, dass nichts mehr half, stand sie auf und ging nach hinten. Er folgte ihr wie ein Hündchen.

Im Koberzimmer angekommen, legte er gleich das Geld auf den Tisch. Sie musste sich wieselflink ausziehen. Bei dem Geld, das sie von jedem verlangte, durften sie schon eine nackte Dirne erwarten.

Es dauerte auch nicht lange, da war alles vorbei. Karla wunderte sich ein wenig darüber, denn sonst musste sie sich immer anstrengen, um ihn in Fahrt zu bringen.

»Was ist denn mit dir los? Ich kenne dich so gar nicht. Hast du Ärger?«

Er fuhr hoch.

»Wieso? Bist du nicht mit mir zufrieden? Ich war doch große Klasse. Oder etwa nicht?«

»Natürlich warst du das. So meine ich es doch gar nicht. Du bist anders als sonst.«

»Also merkst du es auch schon?«

»Ja, vielleicht kann ich dir helfen.«

Er lachte rau auf.

»Du und helfen, nein, ich habe mir nur eben die Bestätigung dafür geholt, dass ich doch kein so großer Versager bin, wie man es mir nachsagen will.«

»Wer tut das denn? Bist du fremd gegangen? Hast du eine von der Straße besucht?«

»Fein, jetzt bist du schon eifersüchtig, das liebe ich an dir.«

Fast war er schon wieder normal, aber dann wurde er ernst und erzählte ihr, dass es im Werk viele Schwierigkeiten im Augenblick zu verzeichnen gab. Man würde ihm das ankreiden, nun ja, die Wirtschaftslage und überhaupt, jeder könne doch mal Fehler machen.

Aber keine gravierenden, dachte Karla und konnte sich das gut vorstellen. Der Kunde war ein ziemlicher Bruder Leichtfuß und hatte in letzter Zeit wohl nicht besonders viel übrig für die Arbeit. Jetzt wurde ihm die Rechnung präsentiert.

Sie blieben nicht mehr lange in ihrem Zimmer. Es hielt ihn nichts bei ihr, obschon er noch bleiben durfte. Wenig später saßen sie wieder in der Bar. Sie lächelte ihn an, schlenderte herum und beobachtete die Kunden.

Die Nummer auf dem Podium lief programmgemäß ab. Ein paar Männer hockten gierig herum und schauten sich die Augen aus. Das waren die Kunden vom Land. Sie kamen einmal im Jahr in die Stadt und tobten sich dann gründlich aus. Für sie waren ja auch die Vorführungen gedacht. Die Stammkunden fanden sie längst langweilig und hielten sich anderswo schadlos.

Karla lehnte an einer Säule und blickte in die Runde, entdeckte dabei Kristin, die verzweifelt einen Kunden aufriss. Karla bemerkte sofort, dass der Mann viel zu betrunken war, um ihr zu folgen.

»Mit dem wirst du nur Schwierigkeiten bekommen«, sagte sie leise.

Kristin fuhr sie an. »Ich brauche deine Ratschläge nicht.«

»Verzeihung, ich wollte dir nur helfen.«

Dann verlor sie die zwei aus dem Auge, als ein Mann in die Bar kam, den alle kannten. Es war Humbert Verden.

Karla löste sich sofort von ihrer Säule und kam langsam näher. Er blickte sie aufreizend an und grinste breit.

»Wie geht’s Geschäft?«

»Wunderbar, oder hast du etwas anderes erwartet?«

Er schenkte ihr ein angedeutetes Lächeln und ging dann weiter zum Tresen. Als Mäxi ihn gewahrte, wurde er sichtlich nervös und sah ihn mit scheelen Augen an.

Karla nahm Platz neben Verden.

»Darf ich Ihnen einen Drink spendieren?«

»Ich bin platt!«

»Wieso das denn?«

»Seit wann ist man hier so freundlich?«

»Sind wir das nicht immer, Herr Kommissar?«

Er lächelte wieder.

»Nun, ich will nicht unhöflich sein. Wenn ich überall so wenig Ärger hätte wie hier, könnte ich mich pensionieren lassen.«

Karla gab Mäxi einen Wink, er stellte kurze Zeit später zwei Gläser auf den Tisch. Und dann tauchte auch schon der Boss im Hintergrund auf.

»Ich will doch nur in Ruhe mein Glas austrinken.«

»Also keine Durchsuchung?«

»Wird das etwa erwartet?«

Der Boss sah ihn durchdringend an. »Sie machen hier doch keinen Privatbesuch?«

»Nein, das gerade nicht.«

Sie sah ihn schweigend an.

»Ich komme von einer Leiche.«

Karla zog die Augenbrauen hoch. »Und was hat es damit auf sich?«

»Eine Dirne wurde erwürgt.«

Plötzlich umstanden auch die anderen Mädchen den Kommissar. Sie waren aufgeregt.

»Ein abartiger Kunde?«

»Schwer zu sagen, wenigstens vorläufig.«

»Wie meinen Sie das?«

»Ich habe das dumpfe Gefühl, es sah mir so nach Rache aus.«

»Wo ist sie denn gefunden worden?«

»Gar nicht weit vom Standplatz. Sie war auf dem Weg zu ihrer Arbeit. Die Mädels dort haben ausgesagt, dass sie sich für diese Nacht noch gar nicht aufgebaut hätte. Demnach ist sie vorher abgefangen worden.«

»Dann hat sie Ärger mit ihrem Luden gehabt.«

»Eben nicht, das habe ich schon alles nachprüfen lassen.«

»Also doch ein Kunde«, sagte Kristin.

»Er muss gewusst haben, dass sie ein käufliches Mädchen ist und hat ihr dann aufgelauert. Sie ist arglos mit ihm zu den Betriebshalden gegangen, da, wo die großen Röhren liegen. Darum hat man sie ja auch so spät gefunden.«

Mäxi putzte gründlich die Gläser.

Karla starrte vor sich hin.

»Und warum sind Sie jetzt hier?«

»Morgen steht es in allen Zeitungen. Ich sehe es als meine Pflicht an, euch zu warnen.«

Franziska regte sich auf und sagte: »Wir sind keine Straßenwanzen, hier kann uns nichts passieren.«

»Man kann nie wissen.«

»Nein, wir gehen immer mit dem Kunden nach vorn. Wenn er allein zurückkommt, dann merkt Mäxi das sofort, hält ihn zurück und lässt nachschauen. Da sind wir ganz sicher«, erklärte Rose.

»Vielleicht habt ihr recht und seid wirklich sicher. Aber ihr wisst jetzt Bescheid. Ich muss weiter.«

»Er läuft also noch frei herum?«

»Bis jetzt ist das leider so.«

»Vielleicht hat sie ihn mal betrogen?«

»Das könnte schon sein.«

Als der Kommissar gegangen war, sprach Karla noch mit Mäxi.

»Was meinst du? Er wollte uns doch noch etwas sagen.«

Er zuckte die Schultern.

»Verdammt, wenn dieser Hund nicht bald gefasst wird, dann kann das für uns böse ausgehen.«

»Wir arbeiten doch hier.«

»Trotzdem, Angst ist kein guter Geschäftspartner.

Karla hatte in dieser Nacht noch drei Kunden. Später vergaß sie den Kommissar vollkommen. Auch die anderen Mädchen dachten nicht mehr an den Mörder.

Karla war müde und sehnte sich nach ihrem Bett. Es war halb sechs, als sie sich endlich hinlegen konnte.

3

Ein paar Stunden später konnte sie über den Mord balkendick in der Tageszeitung lesen. Das war mal wieder eine Sensation für die Bevölkerung.

Karla ging in die Stadt. Sie wollte Einkäufe machen. Dabei hatte sie eine angenehme Überraschung. Sie stieß mit einer jungen Frau zusammen. Als sie sich entschuldigen wollte, blickte sie ihr Gegenüber richtig an und stutzte.

»Vera?«, fragte sie etwas unsicher.

Die Frau runzelte die Stirn.

»Kennen wir uns?«

»Bist du nicht Vera Celler?«

»Ja, die bin ich.«

Karla streckte ihr die Hand entgegen und strahlte sie an. »Erinnerst du dich nicht mehr? Ich bin Karla Börger.«

»Mein Gott, Karla, wie nett, dass man sich wiedertrifft. Nein, das ist aber eine Überraschung. Du, komm, wir gehen ins Kaufhaus, eine Tasse Kaffee trinken. Dann erzählen wir alles über uns.«

Karla vergaß ihre Einkäufe und war glücklich, Vera getroffen zu haben. Die ganze Schulzeit waren sie zusammen gewesen. Als ihre Eltern starben, war sie ja mit ihrem Bruder hierher in die Großstadt gezogen.

Vera wohnte jetzt auch in dieser Stadt.

Karla erfuhr bald, dass Vera noch nicht verheiratet war. Sie hatte Pech in der Liebe gehabt und musste nun für ein kleines Mädchen von sieben Jahren sorgen. Doch sie schien mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Sie besaß eine kleine Wohnung und arbeitete im Büro. Am Morgen ging die Kleine zur Schule. Anschließend durfte sie so lange bei der Nachbarin bleiben, bis ihre Mutter heimkam.

»Du musst uns unbedingt besuchen kommen. Wie freue ich mich, dass wir uns getroffen haben. Du, jetzt dürfen wir uns nicht mehr aus den Augen verlieren.«

Auch Karla glühte und war glücklich.

Freundschaft war doch für sie ein Fremdwort. Wie lange hatte sie darauf verzichten müssen. Selbst mit dem Bruder konnte sie nicht mehr freundschaftlich verkehren, Hanko hatte alles zerstört.

»Du musst kommen, Claudia wird sich freuen. Sie ist ein hübsches Ding. Kannst du morgen, am Samstag? Karla, du darfst einfach nicht nein sagen. Wir erzählen uns von alten Zeiten. Vielleicht können wir mal zusammen ein Klassentreffen veranstalten.«

Karla fühlte sich regelrecht überfahren, aber sie konnte nicht ablehnen.

»Ich komme gern.«

»Meine Mittagspause ist jetzt leider vorbei. Also, dies ist meine Adresse, Karla. Ich erwarte dich. Ich backe auch einen Kuchen. Du siehst einfach fabelhaft aus.«

Ehe Karla noch etwas antworten konnte, war Vera schon im Menschengewühl untergetaucht. Die Gute, dachte sie lächelnd, so war sie immer. Ein lustiger Kumpel, mit ihr konnte man Pferde stehlen. Sie war einmalig. Den Kaffee hatte sie vergessen zu bezahlen. Karla übernahm das gern.

Ein warmes, herzliches Gefühl schlich in ihr Herz. Sie war heiter und schon lange nicht mehr so froh gestimmt wie heute. Erst als sie daheim war, kam ihr die bittere Erkenntnis: Vera wusste ja nichts von ihrem Beruf. Sie würde sich abwenden, wie all die andern, wenn sie hörte, dass sie eine Dirne war. Doch sie war ihre Freundin. Sie hatte sich echt gefreut.

Und wenn sie ihren Beruf verschwieg?

Karla wurde traurig.

Morgen war Samstag. Wenn sie einfach nicht hinging und untertauchte? Vera hatte in der Eile nicht mal ihre Telefonnummer aufgeschrieben.

Karla stöhnte auf.

»Was soll ich machen? Was nur?«

Lange betrachtete sie ihr Spiegelbild.

»Du bist ein Feigling«, murmelte sie. »Ja, das bist du wirklich. Du stehst zu deiner Arbeit. Zumindest sagst du dir das die ganze Zeit vor. Jetzt handle auch danach. Du hast es dir selbst eingeprägt.«

Sie ging in ihrer eleganten Wohnung auf und ab.

»Gut«, murmelte sie wieder nach einer Weile. »Ich werde hingehen. Das bin ich ihr schuldig. Dann werde ich es ihr beichten. Sie wird mich aus der Wohnung werfen, und ich bin wieder allein. Ich will aber den Mut aufbringen und ihr meine Meinung dazu sagen, wenn es dazu kommen sollte.«

4

An diesem Abend war sie zerfahren. Mäxi musste sie wiederholt in die Wirklichkeit zurückholen.

»Machst du den Ausflug mit mir? «

»Wie? Ach, ich habe gar nicht zugehört. Was hast du gesagt?«

»Morgen ist Samstag. Ich wollte ans Meer fahren. Kommst du mit?«

»Ich habe schon eine Einladung.«

»Schade, ich hatte mich schon darauf gefreut.«

»Vielleicht nächsten Samstag, mal sehen.«

»Meinst du es ernst? «

»Ich sage dir noch Bescheid.«

Mäxi war sauer.

»Du spielst mit mir«, sagte er ärgerlich. »Das habe ich gar nicht gern, Karla.«

Sie sah ihn erstaunt an.

»Mein lieber Freund, ich glaube, du bildest dir das nur ein. Ich habe im Augenblick ganz andere Sorgen.«

»So lass sie mich doch wissen, vielleicht kann ich dir helfen, Karla.«

»Da drüben ist ein Stammkunde von mir, entschuldige.«

Sie entfernte sich.

Der Gast umarmte sie. »Wie habe ich mich nach diesem Augenblick gesehnt. Komm rasch.«

Sie ging mit ihm auf das Zimmer. Kaum hatte sie die Tür geschlossen, nahm er sie schon leidenschaftlich in die Arme. Sie mochte Peter recht gern, hin und wieder fing sie sogar Feuer, wenn sie in seinen Armen lag. Doch heute war das nicht der Fall. Langsam zog sie sich aus. Er stand gegen den Schrank gelehnt und betrachtete sie genüsslich.

»Warum können die anderen Frauen nicht so frei in der Liebe sein, Karla? Warum erpressen sie uns mit unserer Leidenschaft? Ich hasse das. Du weißt ja gar nicht, wie es ist, davon abhängig zu sein und sich zu unterwerfen.«

Er meinte seine eigene Frau. Sie hielt ihn knapp in der Liebe. Wenn sie etwas nicht erreichte, nannte sie ihn auch noch einen Schwächling. Sie machte ihn vorher moralisch fertig, so dass er nicht mehr in der Lage war, sie zu lieben.

Karla legte sich auf das Bett und streckte die Arme nach ihm aus.

»Vergessen wir, was war, lieben wir uns nur, Peter.«

Er sank in ihre Arme, streichelte ihre Brüste, küsste sie, wollte sich ganz vergessen. Sie war perfekt in der Liebe und doch so natürlich. Er fühlte sich nicht schlecht bei ihr. Sie gab ihm das Gefühl, dass er auf der gleichen Welle lag, und das war so köstlich. Er konnte sich dem Strom hingeben und war eins mit ihr. Sie spürte seine Leidenschaft, und er fühlte die Glut in seinen Lenden aufsteigen. Ihr Bauch, die herrlichen Beine, alles war für die Liebe geschaffen. Auch seine Frau war schön, aber eben eine kalte Schönheit. Er nahm das Mädchen und fühlte sich später wie ein neuer Mensch.

Karla sagte, als sie sich wieder anzog: »Vielleicht solltest du mal mit deiner Frau reden?«

»Über Sex?« Er lachte rau auf. »Das ist kein Thema, das ist für uns tabu. Darüber spricht man in der feinen Gesellschaft nicht.«

»Glaubt sie, du lebst wie ein Mönch?«

Peter hatte geduscht und zog sich ebenfalls an.

»Manchmal glaube ich, sie ist ganz froh, dass ich so wenig von ihr will. Vielleicht möchte sie mich in die Arme einer anderen Frau treiben. Das ist bequemer für sie.«

Er ließ sein Hemd sinken und blickte Karla an.

»Können Frauen ohne Liebe leben?«

»In gewisser Weise ja, Peter. Weißt du, sie sind schwer zu wecken und erwarten viel. Die meisten Männer sind nicht bereit, auf die Frauen einzugehen, und dann sperren sie sich.«

»Verflixt, sie machen es uns aber auch verdammt schwer. Immer müssen wir anfangen. Immer müssen wir ein Nein riskieren, du, das ist wirklich hart für uns. Warum kommen sie uns nicht entgegen, so wie du? Du vergibst dir doch auch nichts. Es ist einfach herrlich mit dir.«

»Danke für das Kompliment, aber ich bin eine käufliche Ware, vergiss das nicht.«

»Rede doch nicht solchen Unsinn, Karla. Wenn ich frei wäre, würde ich dich auf der Stelle heiraten.«

»Ist das wirklich wahr?«

Sie fühlte Wärme in ihr Herz aufsteigen.

Peter nahm sie wieder in die Arme.

»Du bist auch die große Ausnahme, Karla. Ich bin zu vielen Mädchen gegangen, bevor ich dich getroffen habe. Mit dir ist es einmalig.«

Sie lächelte ihn an. Im Herzen dachte sie: Wenn er es ernst meint, vielleicht wandelt sich doch noch die Welt? Vielleicht können wir in Zukunft in Ruhe arbeiten und anerkannt werden?

»Sollen wir zusammen etwas trinken?«

»Gern, gehen wir also.«

»Ich werde bald wieder kommen. Ich brauche dich einfach mehr und mehr. Du bist wie ein Schwamm, weißt du das?«

»Nein, wie sollte ich auch.«

Der Abend und die Nacht verliefen wie üblich, und Karla beglückwünschte sich wieder einmal, dass sie in der Hauptsache nur Stammkunden bedienen musste. Da machte die Arbeit viel mehr Spaß. Sie konnte sich ganz darauf einstellen. Das Persönliche blieb.

In der Bar gab es an den Wänden viele Spiegel. Sie konnte sich immer wieder betrachten. Ja, sie war rassig und schön, und während sie über Peters Worte nachsann, noch die Küsse spürte, dachte sie: Vielleicht bin ich gar keine Dirne, vielleicht gibt es noch eine zweite Stufe in diesem Beruf? Waren die Mätressen früher so gewesen? Leidenschaftlich und klug beeinflussten sie sogar die Politik.

5

Karla hatte lange überlegt , was sie Veras Tochter mitbringen sollte. Sie war in die Stadt gefahren und in ein Spielzeuggeschäft gegangen. Das war ein Genuss für sie. Sie hatte sich für eine Käthe-Kruse-Puppe entschieden, obschon diese sündhaft teuer war als kleines Geschenk. Sie konnte einfach nicht widerstehen. Wollte sie damit Freundschaft erkaufen?

Seit Langem nicht mehr war sie so aufgeregt wie an diesem Samstagnachmittag. Sie machte sich zeitig auf den Weg und kam pünktlich in der kleinen Straße an. Claudia stand am Fenster. Sie musste es sein, denn als Karla aus dem Wagen stieg, lief sie gleich zurück. Karla hörte die hohe, helle Kinderstimme: »Mutti, ich glaube, sie ist da.«

Dann sah sie auch Vera Celler.

Karla betrat die kleine Wohnung. Sie war bei Weitem nicht so groß und elegant wie ihre und doch gemütlich. Zwei Kinderaugen strahlten sie an. Sie musste Claudia einfach gern haben. Sie war ein hübsches Kind mit wirren, blonden Locken und einem herzlichen Lachen, unkompliziert und anschmiegsam.

Wie freute sie sich über die Puppe. Sie wollte sie Karla nennen. Kaffee und Kuchen standen noch nicht auf dem Tisch, da waren sie schon dicke Freunde. Karla hatte vor Glück Tränen in den Augen.

Etwas später erschien eine Freundin von Claudia. Sie gingen fürs erste ins Kinderzimmer. Die neue Puppe musste bewundert werden.

Vera sagte lachend: »So, jetzt sind wir endlich unter uns. Nun erzähl mal, wie es dir ergangen ist. Vor allem möchte ich wissen, was du jetzt so treibst. Bin ich froh, dass ich dich getroffen habe. Sag mal, Karla, können wir nicht wieder wie früher gute Freundinnen sein? Claudia mag dich auch recht gern. Das ist herrlich, wir haben weder Verwandte noch Familie. Sie möchte so gern Bekannte und Spielkameraden haben und ich eine Freundin. Das braucht man im Leben. Ich glaube, ich dränge mich viel zu sehr auf. Vielleicht willst du gar nicht, Karla, denn du bist so still. Ich quatsche die ganze Zeit, und dabei ist das für dich nur ein Höflichkeitsbesuch. Du hast bestimmt Menschen um dich.«

Karla wusste, jetzt war der große Augenblick gekommen. Sie musste Vera die Wahrheit sagen, oder sie würde von Anfang an alles vergiften.

Um des Kindes willen schon war sie gezwungen, mit Vera über ihren Beruf zu sprechen.

Vorsichtig begann sie: »Nun, ich kenne in der Tat eine Menge Leute, das streite ich nicht ab. Doch ich bin genauso allein wie du, Vera.«

»Geh, das kann ich nicht glauben. Du siehst wahnsinnig gut aus, Geld scheinst du auch im Überfluss zu haben, und dann bist du noch frei. Ich verstehe nicht, warum du allein sein sollst. Ich kann mir denken, dass die Männer bei dir Schlange stehen.«

»Damit hast du vollkommen recht.«

Vera zündete sich eine Zigarette an.

»Das ist mein einziger Luxus, den ich mir im Augenblick leisten kann. Das Kind kostet eine ganze Menge. Nun mal Spaß beiseite, Karla. Sprich endlich über dich.«

»Ich bin schon mitten drin.«

Sie stand auf. Es war nicht so einfach, zumal sie sich danach sehnte, bei Vera bleiben zu dürfen. Karla wusste, dass dann in der Zukunft die Dinge besser liefen.

»Ich muss dir etwas sagen, Vera. Ich finde, ich sollte ehrlich zu dir sein. Du musst es wissen, und dann kannst du entscheiden.«

»Warum denn so feierlich?«

Karla drehte sich mit einem Ruck zu der Freundin herum.

»Ich bin eine Dirne!«

Vera saß ganz ruhig da.

»Verstehst du! Ich sage dir die Wahrheit, ich arbeite in einer Bar. Damit allein verdiene ich nicht mein Geld. Bei mir stehen die Männer tatsächlich Schlange.«

Vera blickte die Freundin groß an.

Karla knetete ihre Hände. Sie dachte verzweifelt, ich habe es ja gewusst, sie ist wie die anderen. Jetzt wird sie mich vor die Tür setzen und sagen: Von wegen Freundschaft und so, ich will das nicht mehr. Nein danke, eine Tülle, die kann ich ganz und gar nicht brauchen.

Karla nahm ihre Tasche und sagte leise: »Du brauchst mir nichts zu sagen. Ich habe schon verstanden.«

Sie wollte das Zimmer verlassen.

Da hörte sie Vera sagen: »Bitte, erzähle mir alles.«

»Hast du denn nicht gehört?«

»Natürlich, setz dich und erzähle mir deine Geschichte.«

»Vera, ich muss dich auf etwas vorbereiten, das dir fremd ist.«

Sie hatte einen Kloß in der Kehle. Wie sollte sie es denn erklären?

»Erzähle mir, wie es angefangen hat, Karla.«

Sie nahm die Zigarette an, obschon sie sonst nicht rauchte.

Dann begann sie, von Hanko zu sprechen. Sie sagte es gleichgültig und monoton, sie ließ aber auch nicht aus, dass sie jetzt nicht mehr gezwungen wurde und aufhören konnte, wenn sie nur wollte. Doch nicht schon jetzt. Sie hatte sich vorgenommen, eine Menge Geld zu machen, um selbständig zu werden. Erst dann wollte sie diesen Job an den Nagel hängen. Seltsamerweise begann sie plötzlich auch davon zu reden, dass die Männer sie dringend brauchten. Wie wichtig sie doch im Grunde sei und ihren Beruf auch sehr ernst nähme.

Karla wusste selbst nicht, warum sie Vera das alles erzählte. Sie sprudelte es einfach heraus. Sie fühlte tiefe Erleichterung und Frieden in sich, als sie es ihr gesagt hatte. Klein und gedemütigt kam sie sich dennoch vor, denn sie war jetzt auf das Urteil der Freundin angewiesen.

Vera hatte stumm in ihrem Sessel gesessen und sich die Beichte angehört, die über eine Stunde dauerte. Sie war eine junge, moderne Frau. Manche Stürme waren über sie hinweggebraust. Sie dachte auch zurück an den Augenblick, als der Mann sie im Stich gelassen hatte, als sie schwanger war. Vielleicht konnte sie deswegen die Freundin besser verstehen.

Endlich hatte sie geendet.

Vera sagte leise: »Was du über deinen Job gesagt hast, fand ich wichtig und gut. Es zeigt mir, dass du noch immer die alte Karla bist.«

»Was willst du damit ausdrücken?«

»Du hast immer zu dir gestanden. Wenn du etwas tatest, dann hast du dich dazu bekannt. Deswegen habe ich dich in der Schule immer gut leiden können. Weißt du, Karla, ich finde es wahnsinnig nett von dir, dass du mir alles erzählt hast.«

»Vera, ich glaube, du siehst das nicht richtig.«

»Doch, du hättest mir nichts sagen müssen. Es wäre sicher lange gegangen, bis ich es erfahren hätte.«

»Ich weiß.«

»Ich finde es stark von dir.«

Karla blickte sie unsicher an.

Vera lächelte: »Ich bin nicht so blöde, um nicht zu erkennen, dass du für mich weiter nichts als meine Freundin bist. Das warst du und bist es auch jetzt noch. Du hast diesen Beruf, na und? Ich bewundere dich, weil du dazu stehst. Wäre es nicht so, dann müsste ich dich verachten.«

»Soll das heißen, du verstößt mich nicht?«

»Hör mal, hast du dich denn in der letzten halben Stunde irgendwie verändert?«

»Nein, wieso«, stotterte sie.

»Wir haben uns zufällig wiedergetroffen, und ich habe mich wahnsinnig gefreut. Wir sitzen hier zusammen und fühlen, dass wir uns immer noch gut verstehen. Bloß weil ich nun weiß, was du machst, soll sich etwas geändert haben?«

»O Vera, du ahnst nicht, was das für mich bedeutet.«

»Ich bin genauso beschissen dran wie du, also halten wir zusammen, nicht?«

Sie reichten sich die Hände.

»Das werde ich dir nie vergessen.«

»Ach, warum große Sprüche kloppen. Ich hab irgendwo noch eine Buddel stehen, die köpfen wir jetzt.«

Es wurde ein ausgelassener Abend. Bis neun konnte sie bleiben und durfte sogar noch Claudia zu Bett bringen. Sie lag mit ihrer Puppe im Bett und strahlte Karla an.

»Du kommst doch wieder? Ganz doll oft?«

»Ja, mein Herzchen.«

Claudia legte ihre weichen Kinderarme um den Hals der Dirne und gab ihr einen Kuss.

»Du bist große Klasse.«

Karla hatte ein Würgen in der Kehle. Für diese Sekunde war sie dem Schicksal unendlich dankbar. Vera sagte, ihr ging es hin und wieder auch schlecht, aber sie hatte ihr kleines Mädchen, wofür es sich lohnte zu leben. Sie waren miteinander wie zwei Freundinnen.

Karla musste gehen.

»Kommst du morgen?«

»Ich bringe meinen Wagen mit, dann machen wir einen Ausflug, ja?«

»Au fein!«

Karla verließ mit glänzenden Augen die Wohnung. In diesen Stunden war sie ein anderer Mensch geworden.

6

In der Bar wirkte sie wie aufgedreht. Sie hatte das Gefühl, zu allen Menschen gut sein zu müssen. Man kannte sie nicht wieder. Kristin war wie üblich sauer, weil sie in dieser Nacht einmal mehr begriff, wie weit entfernt Karla von ihnen lebte. Sie war der einsame Stern am Himmel.

Erst um Mitternacht wurde ihre Freude etwas gedämpft.

Sie hatte gerade einen Kunden bedient, einen schwierigen noch dazu, und war jetzt ganz schön geschafft. Als sie mit ihm in die Bar zurückkam, saß Verden an der Theke und wurde von Mäxi bedient.

Der Kunde ging schnell davon, er wollte nicht erkannt werden, weil er eine Lokalgröße dieser Stadt war. Verden hatte ihn trotzdem erkannt, tat ihm aber den Gefallen und verhielt sich, als hätte er ihn nicht bemerkt.

»Hallo, wieder auf Streife?«

»Ein zweiter Mord, Karla.«

Sie zuckte zusammen.

»Wieder eine Dirne?«

»Wieder eine Dirne, auch sie wurde erwürgt.«

Sie bekam eine spitze Nase. »An der gleichen Stelle?«

»Nein, etwas weiter davon entfernt.«

»Es ist also derselbe Täter?«

»Wohl anzunehmen, wie die Dinge liegen.«

Die drei Dirnen gruppierten sich um Karla und den Kommissar.

»Verflucht, dann ist man ja seines Lebens nicht mehr sicher. Ich lasse mich jetzt nur noch in Begleitung sehen.«

»Nichts gehört von einem Abartigen, Karla?«

Sie schüttelte den Kopf.

Verden war unglücklich. »Ich weiß nicht, wo wir anfangen sollen. Man fühlt sich so hilflos.«

»Es ist also ein Triebtäter, nicht wahr?«

»Ja, ich glaube daran, denn ich kann mir nicht denken, dass sie ihn auch betrogen haben soll, zumal es nicht ihr Stil war.«

»Du hast sie also gekannt?«

Karla kam es ein wenig merkwürdig vor, aber sicher musste er alle Dirnen kennen. Schließlich war er oft genug in der Strichstraße und kontrollierte die Mädchen, ob sie auch rechtzeitig den Arzt aufsuchten.

»Ich habe sie gut gekannt. Sie war eine von den Verlässlichen. Deswegen tut es mir ja auch so leid, dass es sie erwischt hat. Man könnte vor Wut zerspringen. Vielleicht liegt er schon wieder auf der Lauer.«

»Und was sagen die Mädchen dazu?«

»Ihr seid ja geschützt in gewisser Weise, ganz bin ich auch noch nicht davon überzeugt. Doch die auf der Straße haben jetzt wirklich keinen leichten Stand, weil sie ja Geld verdienen müssen.«

»Dann sollen die Luden besser aufpassen.«

»Das werden sie wohl in Zukunft. Ich habe mit ihnen gesprochen. Sie wollen jetzt eine Art Wache aufstellen und sich jede Wagennummer merken. Wenn wieder ein Mord passiert, dann müssen wir alle Kunden abgrasen.«

»Prost Mahlzeit, darauf warten die auch gerade.«

»Ich weiß, es wird eine heikle Angelegenheit sein.«

Karla ging nach Hause und schlief sich aus. Am Morgen dachte sie nicht mehr an den Mord, sie wollten ja einen Ausflug unternehmen.

7

Sie konnte nicht sagen , wann sie das letzte Mal so glücklich gewesen war. Claudia war entzückend. Karla und sie wurden Freunde. Es war schön, mit ihr und Vera durch die Wälder zu streifen. Karla ließ das wirkliche Leben einfach hinter sich und war nur noch eine junge Frau. Auch Vera genoss es in vollen Zügen.

Einmal sprachen sie über den Mord. Karla versicherte, dass sie nicht darunter falle. »Er meint nur die ganz einfachen Dirnen«, erklärte sie der Freundin.

»Aber warum?«

»Wenn das die Polizei weiß, dann hat sie in der Regel auch bald den Mörder. Lass uns nicht mehr davon reden.«

»Du hast recht.«

Sie besuchten eine Gaststätte, um etwas zu essen, dann fuhren sie zu der kleinen Wohnung zurück. Auch dort blieben sie noch zusammen. Karla hatte jetzt das Gefühl, sie wären eine verschworene Gemeinschaft. Sie konnte

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