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Schreibzauber

Schreibzauber

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Schreibzauber

Länge:
133 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Feb. 2019
ISBN:
9783748123576
Format:
Buch

Beschreibung

In der Anthologie "Schreibzauber" sind Werke zusammengefasst, die die Autoren/Innen des gleichnamigen Autorenkreises geschrieben haben.

Der Autorenkreis gründete sich im Mai 2008 und besteht aus sechs Mitgliedern.

Den geschriebenen Wörtern verbunden, treffen sie sich einmal im Monat. Ihr Ziel: Ideen zu Papier bringen.

Aus ihrem umfangreichen Vorrat an Prosatexten und Lyrikwerken wurden Auswahlen getroffen, die in dieser Anthologie zum ersten Mal erscheinen.
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Feb. 2019
ISBN:
9783748123576
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Schreibzauber - Books on Demand

Inhalt

Uschi Böhle

Eine Reise zu einem geheimnisvollen Loch

Nachtschwärmer

Mein Freund Bodo

Hans im Glück

Gerhard Brinkmann

Das Glück ist weg

Walpurgisnacht

Meine schlimmsten Stunden

Andrea Hennecke

Immer wieder Bahnhof

Jugendsünden

Buslady

Das Glückskleeblatt

Kofferchaos

Birgit Malow

Blütenbotschaften

Trost

Der Jabulani

Scheidungsmutter

Eine Aufgabe der Liebe

Verwandlung

Ein Licht für Abdul

Bettina Wells

Herr Schmidtke lebt

Gemüsebluesmus

Abgründe

Nicht Neues im Wilden Westen

Coolness

Traumjob

Andreas Witteler

Een Neuer im Dorp.

Lisas Nebenwirkungen

Worte im Sand

Frischwelk im Winter

Vom Schmetterling geführt

Uschi Böhle

*1947, lebt in Iserlohn

»Schreiben ist eine köstliche Sache; nicht länger mehr man selbst zu sein, sich aber in einem Universum zu bewegen, das man selbst erschaffen hat.« (Flaubert)

Das ist es, warum ich Freude am Schreiben empfinde. Ich lache und leide mit meinen Figuren. Daher bevorzuge ich heitere Texte. Gelegentlich gönne ich mir einen Ausflug in das ernste Genre.

Mein Anspruch an alle Geschichten: Sie dürfen nicht langweilen und müssen eine Pointe haben.

Uschi Böhle

Die Reise zu einem geheimnisvollen Loch

Wir saßen gemütlich auf dem Sofa und lasen gemeinsam die Zeitung. Mein Hund Till blickte mir interessiert über die Schulter. Gebannt starrten wir auf ein Foto, auf dem das sagenhafte Loch Ness zu sehen war und die schemenhaften Umrisse des berüchtigten Seeungeheuers.

Till und ich schauten uns aufmerksam an. Wir beide verständigten uns durch Telepathie. Ich hatte die Angewohnheit, zusätzlich meine Gedanken laut auszusprechen. Mein kluger Golden Retriever nutzte dazu seine ausdrucksvolle Mimik und Körpersprache.

»Dieses Monster fasziniert mich«, sagte ich, »gibt es dieses Fabelwesen wirklich?«

Baron Till sah mich empört an: »Lord Ness ist kein Monster, sondern ein Wasserdrache.«

»Meinetwegen«, antwortete ich, »aber ich glaube erst daran, wenn ich dieses legendäre Wesen mit eigenen Augen gesehen habe. Fotos können manipuliert werden.«

Tills Reaktion ließ mich staunen. »Gut, machen wir uns auf den Weg.«

»Und wie soll das gehen?«, fragte ich verwundert. »Die Einreisebedingungen der Briten für Hunde sind extrem kompliziert. Außerdem würden sie dich in eine Flugbox stecken und du müsstest im Gepäckraum reisen.«

Ein unvorstellbarer Gedanke: Mein ‚weißer Baron‘ als Gepäckstück.

Till schien zu lächeln. »Ich habe es dir bisher verschwiegen, aber ich kann fliegen. Der berühmte Glücksdrache Fuchur ist mein Vorfahre.«

»Der aus der ‚Unendlichen Geschichte’ von Michael Ende? Das ist ein Scherz, oder?«, sagte ich zweifelnd.

Natürlich war mir immer bewusst gewesen, dass mein Hund in jeder Hinsicht außergewöhnlich war. Ich schaute ihn prüfend an. Tatsächlich wiesen sein wunderschön geformter Kopf und das perlmuttfarben schimmernde Fell große Ähnlichkeit mit dem berühmten Glücksdrachen auf. Wenn man bedenkt, dass im Laufe der Jahrhunderte aus Urvater Wolf, dank freundlicher Unterstützung der Menschen, ein Mexikanischer Nackthund entstehen konnte, so ist der Gedanke, dass mein Golden Retriever von Fuchur abstammt, gar nicht so abwegig.

»Warum hast du mich eigentlich nicht Fuchur genannt?«, fragte sein Blick.

»Weil Baron Till von der Lauensteiner Burg der einzig passende Name für dich ist, irgendwie standesgemäß.«

Meinem ‚weißen Baron’ gefiel diese Antwort, denn seine einzige Schwäche war eine gewisse Eitelkeit.

»Wie funktioniert das mit dem Fliegen?«, wollte ich wissen. Ohne seine Antwort abzuwarten, begann ich bereits zu planen.

»Ich gehe am besten in den Baumarkt und besorge Drachengestänge, Sicherheitsgurte, usw... Außerdem werde ich mich im Sauerland für einen Schnupperkurs im Drachenfliegen anmelden«, geriet ich in Begeisterung.

Baron Till signalisierte energisch: »Stopp! Glücksdrachen sind Geschöpfe der Luft und Wärme. Sie fliegen ohne Flügel, getragen von der Liebe und durch die Kraft ihrer positiven Gedanken. Du musst fest daran glauben und mir vertrauen.«

Sein Blick war beschwörend.

»Das will ich«, antwortete ich ungewohnt kurz.

Ich konnte es aber nicht lassen, die Überlegene zu spielen: »Die Navigation übernehme ich! Oder wie hast du dir das vorgestellt?«

»Vielleicht sollte ich die Kursbestimmung übernehmen. Ich würde mich an der Sonne und die Sterne und den Magnetfeldern orientieren«, schlug er vor.

»Pah, in Britannien ist die Sonne ein seltenes Erscheinungsbild am Himmel und die Sterne lassen sich nicht ständig blicken. Magnetfelder, was soll das sein? Ich bestimme die Richtung, basta!«

Till war zu höflich, um mich daran zu erinnern, wie häufig wir unter meiner kundigen Führung stundenlang im Kreis herumgeirrt waren. Mein Orientierungssinn war berüchtigt, aber das hatte ich für einen Moment verdrängt.

»Morgen machen wir uns auf den Weg«, entschied ich.

Wir starteten in der Dämmerung. Ich zog meine Wanderjacke

an und packte etwas Reiseproviant in die Taschen. Für meinen Mann hinterließ ich einen Zettel auf dem Küchentisch: »Ich bin dann mal weg!«

Ich weiß nicht mehr, wie viele Stunden seit Beginn unserer Reise vergangen waren. Meine Hände hielten Till fest umklammert, ich verbarg meinen Kopf in seinem Fell, um nicht nach unten schauen zu müssen. Es war mir fürchterlich schlecht. Trotzdem tat ich so, als ob ich genau wüsste, in welche Richtung wir fliegen müssen und gab meine scheinbar kompetenten Anweisungen. Wir waren beide völlig erschöpft, als wir zur Landung ansetzten.

Unter uns lag eine bizarre Vulkanlandschaft. So hatte ich mir Schottland nicht vorgestellt. Wir landeten unsanft am Fuß einer Felsformation in der Nähe einer Springquelle. »Willkommen am Loch Ness«, verkündete ich selbstbewusst.

Mein ‚weißer Baron‘ schaute mich fassungslos an: »Mensch Frauchen, wir sind in Island. Wir haben uns ein wenig verflogen.«

Dieses Understatement liebte ich an ihm.

»Da wollte ich schon immer mal hin. Bei diesem ständigen Nebel kann man leicht die Orientierung verlieren«, ergänzte ich kleinlaut.

Inzwischen hatte Till seine gewohnte Gelassenheit wiedergefunden: »Die Springquelle da drüben ist ein Geysir! Und

dieser Fels vor uns ist gar kein Fels, sondern ein Troll.«

Erschrocken schaute ich meinen klugen Hund an: »Sind das nicht ziemlich ungehobelte Typen?«, fragte ich ängstlich.

»Nicht unbedingt. Hier in Island haben sie eher ein positives Image«, versuchte er mich zu beruhigen. »Es gibt übrigens eine Möglichkeit, um diese raubeinigen Riesen zu besänftigen, indem man eine Kerze anzündet und singt.«

Ich befürchtete, dass der Klang meiner Stimme das Gegenteil bewirken könnte. Deshalb schlug ich eilig vor: »Besser nicht. Wir sollten hier verschwinden, denn wir haben noch einen langen Weg vor uns. Außerdem habe ich einen Vulkan grummeln hören.«

Mein gescheiter Golden schmunzelte. »Das Rumoren stammt nicht von ihm. Es ist der Troll, der so dröhnend schnarcht. Wir sollten uns ein wenig ausruhen, bevor wir unsere Reise fortsetzen.«

Schutzsuchend kuschelte ich mich an meinen Glücksdrachen. Er strahlte Ruhe und Zuversicht aus. Diesmal würde ich ihm die Navigation überlassen.

Ich konnte nicht einschlafen. Immer wieder blickte ich misstrauisch zu dem geräuschvoll schlummernden Felsen.

Solange sein grollender Atem die Erde erbeben ließ, bestand keine Gefahr. Dachte ich zumindest.

Baron Till hatte inzwischen wieder Kraft geschöpft. Er hob den Kopf und schaute besorgt in meine Richtung. »Achtung Frauchen, Troll von hinten!«

Vorsichtig drehte ich mich um. Ein hünenhafter Unhold kam mit plumpen, riesigen Schritten auf mich zugetrabt. Er ruderte wild mit den Armen und bewegte dabei gestikulierend seine Schaufelhände. Die Erde unter mir bebte. Ich zitterte. Wollte er mich töten oder herzlich willkommen heißen? Ich hatte mich bisher nicht mit der Gebärdensprache dieser furchterregenden Spezies beschäftigt. Jetzt war eindeutig nicht der richtige Zeitpunkt dieses Versäumnis nachzuholen. Vielleicht würde mich der garstige Geselle nur versehentlich unter seinen überdimensionalen Fußsohlen zermalmen. Aber was half es, wenn er sich anschließend dafür entschuldigte. Also rannte ich los und blieb nach wenigen Schritten erschrocken stehen. Meine Füße schienen Wurzeln

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