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Die Erziehung verhaltensauffälliger Hunde: Und die Gründe ihres Scheiterns

Die Erziehung verhaltensauffälliger Hunde: Und die Gründe ihres Scheiterns

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Die Erziehung verhaltensauffälliger Hunde: Und die Gründe ihres Scheiterns

Länge:
233 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 19, 2019
ISBN:
9783748123545
Format:
Buch

Beschreibung

Warum scheitern so viele Versuche, unerzogene Hunde zu erziehen?

Oder anders gefragt: Warum sind Misserfolge beim Versuch, einen Hund von seinen unerwünschten Verhaltensweisen zu befreien, gar nicht so selten?

Der Autor sieht im Anthropomorphismus (Vermenschlichung) das Kardinalproblem. Durch ihn werden dem Hund entweder Bedürfnisse und durch sie initiierte Verhaltensweisen angedichtet, die schlichtweg nicht stimmen oder, und das ist der Hauptgrund des Scheiterns, das Bedürfnis des Hundes nach Sicherheit, dessen Befriedigung meistens der Auslöser seines unerwünschten Verhaltens ist, wird gar nicht als solcher erkannt.

Das führt dazu, dass viele Hundetrainer(innen) glauben, die Hunde könnten durch Konditionierung (beispielsweise mittels Belohnung) nachhaltig von ihrem unerwünschten Verhalten befreit werden. Das ist aber nicht oder nur scheinbar möglich. Durch Konditionierung kann ein Hund zwar ausgebildet aber nicht erzogen werden. Und da das Beseitigen des unerwünschten Verhaltens kein Ausbildungs-, sondern ein Erziehungsziel ist (die Beseitigung des Grundes), sind alle Methoden der Konditionierung zum Scheitern verurteilt.

Wir sprechen in diesem Kontext ja nicht von missglückten Versuchen, den Hunden Sitz, Platz & Co. beizubringen, sondern von erfolglosen intra-, inter- und umweltspezifischen Sozialisierungen. Die Palette von unerwünschtem Verhalten reicht von harmlosen Problemen wie dem Zerren an der Leine, Verbellen oder Hinterherjagen bis hin zu ernsthaften Aggressionen und Beißattacken nicht nur gegen andere Hunde, sondern auch gegen Menschen, insbesondere Alten und Kindern. Diese Verhaltensauffälligkeiten werden häufig von den Hundeschulen nicht nur nicht beseitigt, sondern sogar als angeblich kaum therapierbar diagnostiziert; obwohl beinahe alle diese Hunde, mit Ausnahme der neuropathologischen Fälle, in nur wenigen Schritten von den ursächlichen Konflikten befreit werden könnten.

Der Autor lässt in seinem Buch, wie bereits in seinem ersten mit dem Titel "Problemhunde und ihre Therapie", seinen Hund namens NEO aus dessen Perspektive dem Leser und der Leserin erklären, warum all die gescheiterten Erziehungsversuche scheitern mussten und wie sie stattdessen durch Beseitigung der Ursache und ein verändertes Verhalten des Menschen dem Hund gegenüber in relativ kurzer Zeit gelingen. Dabei verwendet er zum besseren Verstehen eine Reihe von Erkenntnissen aus angrenzenden Fachgebieten wie den Kognitions- und Neurowissenschaften.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 19, 2019
ISBN:
9783748123545
Format:
Buch

Über den Autor

Der Autor SASCHA BARTZ ist ein erfolgreicher Hundetrainer, der schon seit vielen Jahren nicht nur in Deutschland sondern auch in Österreich und der Schweiz vielen oftmals schon verzweifelten und resignierenden Hundehalter(innen), die nicht selten regelrechte Odysseen an erfolglosen Hundeschulbesuchen hinter sich haben, geholfen hat, ihre Hunde von ihrem unerwünschten Verhalten in kürzester Zeit zu befreien. Dazu tourt er ganzjährig durch die drei Länder und bietet vor Ort seine Hilfe an. Augenzwinkernd betont er aber immer, dass er eigentlich gar nicht die Hunde erziehe, sondern Frauchen und Herrchen das richtige Verstehen hündischer Bedürfnisse ermöglicht und ihnen ein richtiges Verhalten ihnen gegenüber demonstriert.


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Buchvorschau

Die Erziehung verhaltensauffälliger Hunde - Sascha Bartz

Hilferuf

01. MEIN CHEF UND ICH

ODER WARUM WURDE DIESES BUCH GESCHRIEBEN?

Sie beginnen gerade, unser zweites Buch zu lesen, weshalb ich mich und meinen Chef auch nur in aller Kürze vorzustellen beabsichtige. Denn ausführlicher tat ich dies bereits in unserem ersten Buch mit dem Titel „Problemhunde und ihre Therapie".

Aber bevor ich anfange, seien mir zwei Bemerkung gestattet:

Im Interesse eines flüssigen Lesens haben wir uns entschieden, bei der Verwendung von Geschlechterbezeichnungen auf das Nennen beider zu verzichten und stattdessen nur die feminine Form zu verwenden, mit Ausnahme der Textstellen, an denen es stilistisch eleganter oder traditionell passender erscheint, die maskuline Form zu verwenden. Somit begnügen wir uns vorwiegend beispielsweise mit der Bezeichnung Hundehalterinnen, wenn es um Herrchen und Frauchen geht. Gleichwohl versteht sich, dass wir stets beide Geschlechter meinen und mit der Wahl der weiblichen Form auf gar keinen Fall zum Ausdruck bringen wollen, dass nur Frauchen Probleme im Umgang mit ihrem vierbeinigen Liebling hätte; im Gegenteil. Vielmehr ist es so, sozusagen als Erfahrungswert aus unserer täglichen Praxis, dass Sie eher als Er den Mut hat, das zuzugeben.

Eine zweite Bemerkung bezieht sich auf den Inhalt des Buches. Da wir uns entschieden haben, dieses Buch als Zusammenfassung einer Auswahl der Texte, die mein Chef bereits in einer lockeren Abfolge im sozialen Netzwerk veröffentlicht hat, zu gestalten, war es nicht vermeidbar, dass einige Kapitel fachliche Wiederholungen enthalten. Aber wir denken, dass dies insofern akzeptabel sein sollte, weil es sich aus unserer Sicht um wichtige Aspekte in der Hundeerziehung handelt und sie deshalb gar nicht oft genug wiederholt werden können.

Wer bin ich?

Mein Name ist NEO und ich bin ein Deutscher Schäferhund. Ich begleite meinen Chef schon seit vielen Jahren auf seinen sogenannten Therapietouren durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Da er als Hundetrainer nur die sogenannten Verhaltensauffälligen meiner Spezies „behandelt", hat er mich gerne dabei, weil er mich immer mal wieder als Sparringspartner für seine Klientel einsetzt, um im Anschluss den Erfolg der zuvor angestrebten intraspezifischen Sozialisation (um in der Fachsprache zu bleiben – was in diesem Buch aber noch erklärt wird) zu überprüfen. Dabei muss ich dann immer den Bösen spielen, demgegenüber der frisch erzogene Protagonist sein gerade ihm erfolgreich anerzogenes Desinteresse, was das Ziel des zuvor stattgefundenen Trainings ist, demonstrieren muss, selbst wenn er mich zuvor zu gerne in der Luft zerrissen hätte. Und das selbst dann, wenn ich ein ihn noch so provozierendes Affentheater aufführe.

Aus diesem Grunde, weshalb ich also manchmal lieb und manchmal böse sein soll, hat mein Chef mich bewusst nicht von meiner Verantwortung für unsere beider Sicherheit entbunden, der ich auch aufgrund meiner mir angezüchteten Veranlagungen sehr gerne nachkomme (deshalb kann ich bei Bedarf böse sein); aber mir gleichzeitig meinen Entscheidungsspielraum eingeschränkt, so dass ich immer dann, wenn eine Entscheidung zum Anwenden meines agonistischen Verhaltensrepertoires ansteht, mir seine Erlaubnis einzuholen habe (deshalb kann ich auch lieb sein, wenn er sie mir versagt).

Damit sind wir aber bei einer Besonderheit in der Hundeerziehung, die jedoch nicht Gegenstand dieses Buches ist, denn wir behandeln hier vornehmlich die Fälle wie wir sie im Folgenden unter anderem im Abschritt „Was sind Problemhunde? beschreiben. Auf meine Besonderheit gehen wir nur vollständigkeitshalber einmal kurz am Ende des Buches im Kapitel „Die hohe Schule der Hundeschule ein.

Auch in diesem Buch bin ich wieder der Erzähler, weil mein Chef meint, dass die hier behandelten Themen von einem Hund erzählt werden sollten. Denn der Anthropomorphismus (Vermenschlichung – auch dies erklären wir später noch) und die sich daraus ergebende Fehlinterpretation unseres hündischen Verhaltens und unser Missverstehen durch den Menschen sei die Quelle allen Übels.

Wer ist mein Chef?

Dass er Hundetrainer ist, habe ich gerade erwähnt. Aber noch nicht, dass er sich nur und ausschließlich mit der Erziehung meiner Spezies befasst. Das ist deshalb erwähnenswert, weil er, wie er auch offen eingesteht, sich in die Ausbildung unsereins ungern einmische, denn dazu fehle ihm oftmals die Geduld. Außerdem überlasse er dieses Feld lieber den vielen Hundeschulen, die diesen Job auch sehr professionell erledigen würden. Er befasse sich stattdessen lieber mit der Sozialisation, und dabei auch wiederum vorwiegend mit solchen Helden meiner Gattung, bei denen sich schon handfeste vermeintliche Verhaltensauffälligkeiten manifestiert hätten wie Aggressionen aller Art bis hin zu Beißattacken oder sonstigen Vorkommnissen, die eventuell auch schon den Amtstierarzt auf den Plan gerufen hätten. Aber auch die allseits bekannten Leinenaggressoren und Dauerkläffer wecken sein Interesse. Kurzum, ihn interessieren alle Fälle von unerwünschtem Verhalten, also sogenannte Problemhunde.

Was sind Problemhunde?

Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht so simpel, zumal wir damit bereits das potentiell verminte Feld des Anthropomorphismus, auf das ich noch ausführlich eingehen werde, betreten. Denn würde sich beispielsweise ein Kind adäquat verhalten wie wir, wenn wir fremden Leuten in den Arm oder sonst wohin beißen, würde jeder sagen, es sei ein Problemkind. Aber uns gleiches anzudichten wäre schon anthropomorphisierend. Denn wenn wir zubeißen, dann verhalten wir uns, zumindest aus unserer Perspektive, mitnichten problematisch, sondern nehmen, wenn Sie so wollen, nur unser legitimes Recht auf Selbstverteidigung wahr.

Was ich damit sagen will, ist, dass es Problemhunde im vom Menschen interpretierten Sinne des Wortes, bei denen diese Bezeichnung tatsächlich gerechtfertigt erscheint, nur sehr selten gibt. Denn solche sind vorwiegend pathologisch, oftmals neuropathologisch begründet. Und gemessen an der Häufigkeit wäre es absurd zu unterstellen, dies seien alles Psychopathen. Die überwiegende Mehrheit meiner Spezies, die typischerweise aufgrund ihres Verhaltens als Problemhunde bezeichnetet werden, sind jedoch tatsächlich nur Opfer falschen Interpretierens dieses angeblich problematischen Verhaltens durch den Menschen.

Trotzdem will ich eine Antwort auf die Frage, was Problemhunde im hiesigen Kontext sind, nicht schuldig bleiben. Mein Chef bezeichnet all diejenigen meiner Spezies als solche, die ein von Frauchen unerwünschtes und durch sie nicht korrigierbares Verhalten an den Tag legen oder ein nichtkorrigierbares Verhalten, mit dem sie andere Mitglieder unserer Fauna (Mensch und Tier) belästigen, gefährden oder sogar schädigen.

Dabei unterscheidet er stringent zwischen den echten Problemhunden und den sogenannten Problemhunden. Von echten spricht er dann, wenn tatsächlich eine neuropathologische Schädigung vorliegt; die armen Teufel sozusagen nichts dafürkönnen.

Aber den überwiegenden Anteil, und nur mit diesen beschäftigen wir uns hier, stellen die sogenannten. Dabei handelt es sich um Hunde, bei denen eine den Umständen entsprechend notwendige Erziehung nicht oder noch nicht stattgefunden hat oder gescheitert ist und sie sich deshalb intraspezifisch (den eigenen Artgenossen gegenüber), interspezifisch (anderen Lebewesen gegenüber einschließlich Menschen) oder umweltspezifisch (auf unterschiedlichste Umwelteinflüsse reagierend) nicht sozialisiert verhalten und dieses Verhalten die Halterinnen oder andere Menschen stört, gefährdet oder sogar Schaden zufügt.

Die Einschränkung, die mein Chef mittels der Bezeichnung „den Umständen entsprechend notwendige" Erziehung vornimmt, bedeutet, dass nicht alle Hunde zwingend erzogen werden müssen. Darauf gehen wir im Kapitel „Dialog mit dem Urgroßvater" aber noch ein. Die Frage der Schuld oder Verantwortlichkeit soll hier aber noch nicht beantwortet sein. Die Antwort finden Sie aber in diesem Buch. In semantisch korrekter Weise müssten wir demzufolge statt von sogenannten Problemhunden besser von Problemfrauchen sprechen. In diesem Buch gebrauchen wir die beiden Begriffspaare sogenannter Problemhund und sogenannter verhaltensauffälliger Hund synonym.

Was waren die Gründe für das Schreiben dieses Buches?

Drei Sachverhalte haben uns motiviert, ein weiteres Buch zur Erziehung von sogenannten verhaltensauffälligen Hunden zu schreiben:

Die Vielzahl und Häufung der Fälle, in denen sich Hundehalterinnen nahezu verzweifelt und hilfesuchend an meinen Chef wenden, weil sie trotz regelrechter Odysseen von Hundeschulbesuchen keine befriedigende Hilfe bekommen haben und die unerwünschten Verhaltensweisen ihrer Schützlinge nicht wirklich beseitigt wurden. Und das obwohl es für beinahe alle diese Fälle eine relativ einfache Lösung gegeben hätte.

Die sich aus der Analyse dieser Fälle ableitenden Erkenntnisse zu den repräsentativen Ursachen des Scheiterns einer Hundeerziehung und der sich daraus für uns ergebenden Motivation, die häufigsten Fehler, die von den Hundeschulen bzw. Hundetrainierinnen gemacht werden, einmal in einem Buch darzulegen.

Unser Unverständnis darüber, warum mein Chef, wenn er sein Wissen und seine Erfahrungen im sozialen Netz publiziert, auf so viel Widerstand und Ablehnung stößt.

Eine Frage, die sich daraus als erstes ableitet, ist die nach den Gründen, warum zum einen trotz oder wider besseres Wissen in der Hundeerziehung immer noch Schulungs- bzw. Trainingsmethoden angewendet werden, deren Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit zumindest fragwürdig sind, wenn nicht sogar bereits wissenschaftlich widerlegt; und zum anderen neuere oder alternative Kenntnisse hartnäckig abgelehnt oder verneint werden.

02. DIE EXPERTISE EINES LUFTFAHRTEXPERTEN

ODER WARUM HAT ES ALTERNATIVES WISSEN SO SCHWER?

Wenn mein Chef sein Wissen und seine Erfahrungen im Netz der sozialen Medien zur Diskussion stellt, sieht er sich zu seiner Verwunderung gelegentlich bösartigen Attacken bis hin zu persönlichen Beleidigungen ausgesetzt. Und seine Verwunderung ist umso größer, je mehr er davon überzeugt ist, dass es sich bei seinen publizierten Kenntnissen noch nicht einmal um sehr neue handelt und vielfach schon allein durch den gesunden Menschenverstand nachvollziehbar sein sollten.

Seine Veröffentlichungen haben aber offensichtlich einen „Makel": Sie widersprechen etablierten und weit verbreiteten Überzeugungen. Und redensartlich weiß man bekanntlich, dass heilige Kühe nicht so einfach geschlachtet werden (dürfen).

So wundert er sich beispielsweise darüber, wenn seine Feststellung, dass alle Trainingsmethoden, die zur Erlangung des angestrebten Trainingszieles das Mittel der Belohnung nutzen – die wissenschaftliche Psychologie spricht von operantem Konditionieren (im Zirkus von Dressur) – keine geeigneten Mittel zur Erziehung eines Hundes seien, nahezu einen Sturm der Entrüstung auslösen. Ähnlich heftig fallen die Reaktionen aus, wenn er behauptet, dass die Erziehung eines Hundes in der Regel sogar in nur einer einzigen Trainingseinheit möglich sei.

Und obwohl er seine Feststellungen sachlich begründet, provozieren sie – und das eben zu seinem großen Erstaunen – drastische emotionale Reaktionen der Ablehnung.

Aber wie der Zufall so spielt, kam er mit einem Luftfahrtexperten ins Gespräch, der ihm für dieses Phänomen eine überraschende Erklärung gab:

In der Luftfahrt gebe es ein Forschungs- und Untersuchungsthema mit dem Namen Human-Factors (Menschliche Faktoren). Und im Rahmen dessen befasse man sich unter anderem mit den Ursachen menschlichen Fehlverhaltens, um daraus resultierend Fehlervermeidungsstrategien zu entwickeln. Es gehe dabei unter anderem um die Frage, warum dem Menschen Fehler passieren und welche kognitiven Leistungsgrenzen möglicherweise die ursächliche Rolle spielen. Das Ergebnis seien interessante Erkenntnisse zum „Umgang" des Gehirns mit Fehlern; auch bezeichnet als kognitives Fehlermanagement.

Und damit wir die Zusammenhänge besser verstehen konnten, hielt er einen kleinen Diskurs über die neurowissenschaftlichen Erkenntnisse zum sogenannten endogenen (körpereigenen) Belohnungssystem des Gehirns und seines Gegenspielers, dessen Inhalt ich im Folgenden versuche, mit eigenen Worten und in knapper Form wiederzugeben:

Die Evolution hat die Menschen bekanntlich zur erfolgreichsten Spezies unserer Fauna werden lassen; sie ist quasi ihre größte Erfolgsstory. Keine andere hat sich derart flexibel an ungünstige und sich stets ändernde Umweltbedingungen angepasst und sich dadurch unterschiedlichste Lebensräume erfolgreich erobern können. Die entscheidende Rolle in diesem Prozess spielte, und spielt nach wie vor, zweifelsohne das menschliche Gehirn. Eine der Funktionen, die dem Gehirn dabei unter anderem zukommt, ist die Gewährleistung des ständigen Strebens seines Inhabers nach Neuem. Denn Anpassung des Organismus setzt seine Weiterentwicklung voraus. Stagnation hätte das Gegenteil bedeutet. Und um diese Weiterentwicklung zu gewährleisten, hat sich die Natur quasi einen Trick einfallen lassen, um dem Selektionsdruck gerecht zu werden. Der Mensch strebte sozusagen endogen – aus innerer Motivation heraus – stets nach dem Unbekannten: Wir nennen es die Neugierde.

Fürst Wladimir Odojewski schreibt über diese Neugierde in seinem Zyklus „Russische Nächte" (1844): „In allen Zeiten wendet sich des Menschen Seele mit einem Drang von unbezwingbarer Kraft unwillkürlich, wie ein Magnet dem Norden, Aufgaben zu, deren Lösung verborgen ist in der Tiefe jener geheimnisvollen Elemente, die das geistige und das stoffliche Leben bilden und verbinden; nichts hält diesen Drang zurück … dieser Drang ist so beständig, daß es manchmal scheint, als vollzöge er sich wie die physischen Funktionen unabhängig vom Willen des Menschen".¹

Odojewski konnte die wissenschaftliche Begründung dieses typisch menschlichen Verhaltens und in seinem Wesen verankerte Streben noch nicht kennen. Erst die moderne Neurowissenschaft hat es, zumindest teilweise, entschlüsselt. Es handelt sich um eine Art neuronales Belohnungssystem, das den Menschen antreibt.

Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie an der Uni Ulm, beschreibt es in seinem Buch „Lernen" wie folgt: „… unser Gehirn berechnet kontinuierlich voraus, was demnächst eintreten wird, und wenn dies eintritt, was meist der Fall ist, wird das Geschehen als unbedeutend verbucht und nicht weiter verarbeitet …. Gelegentlich geschieht jedoch etwas anderes. Manchmal treten Ereignisse ein, die sich von dem, was das Gehirn vorausberechnet hat, positiv abheben. Wir tun etwas, und das Resultat dieses Tuns ist besser als erwartet. Wenn dies der Fall ist, dann geschieht mehr als der beruhigende Abgleich von Vorausberechnetem und Eingetretenem. Es wird vielmehr im Gehirn ein Signal generiert." Und wenn dieses Signal produziert wird, führt es „zu einer Ausschüttung von Neuropeptiden …, bei denen es sich vor allem um körpereigene Stoffe handelt,

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