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Misery Yoga

Misery Yoga

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Misery Yoga

Länge:
170 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 23, 2019
ISBN:
9783906095615
Format:
Buch

Beschreibung

Führt Yoga zum Absturz oder zur Erleuchtung? Die Autorin weiss, Yoga und ein Leben in einem indischen Ashram sind nicht nur von Sonnenschein verwöhnt. Im Gegenteil, oft sind die Wolken düster und alles andere als lustig.

Elsa Gantenbein verschrieb sich dem Yoga, diente einem indischen Yoga-Guru in seinem Ashram und lebte dort für ein Jahr. Ihre Schilderungen aus Ost und West pendeln zwischen Wissensvermittlung, Philosophie und Sarkasmus, ohne anklagen oder urteilen zu wollen. In Anlehnung an den achtstufigen Pfad des Raja Yoga von Patanjali führt sie durch die Wirren des Yoga, erklärt auf ungewöhnliche und unterhaltsame Weise dessen Grundlagen. Fragen des Vegetarismus, Kinderwunsches und der Abhängigkeiten finden genauso Platz wie nach der echten Meditation. Wer sich tief ins Yoga wagt, schreitet auf einem Grat zwischen Schizophrenie und wahrer Spiritualität. Und so manches macht nur mit einem zünftigen Schuss von beidem Sinn.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 23, 2019
ISBN:
9783906095615
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Misery Yoga - Elsa Gantenbein

Misery Yoga

Heilversprechen oder Vernichtungswaffe?

Ein Erfahrungsbericht

von

Elsa Gantenbein

© bei der Autorin

Meditating woman © Sergey Nivens - Fotolia

Coverbild bearbeitet © Wortfeger Media GmbH

Coverdesign © Wortfeger Media GmbH

Lektorat & Herausgeber: Tanja Alexa Holzer,

Wortfeger Media GmbH, wortfeger.ch

November 2014

ISBN 978-3-906095-61-5

Das Printbuch ist erhältlich

unter der ISBN 978-3-906095-59-2

E-Book Distribution: XinXii

www.xinxii.com

Alle Urheberrechte ausdrücklich vorbehalten.

Insbesondere die Vervielfältigung und Verbreitung, auch auf elektronischem Weg und auszugsweise, sind nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin und des Herausgebers gestattet.

Inhaltsverzeichnis

Prolog

Yamas: fünf Enthaltungen oder der Versuch, ein besserer Mensch zu werden

Ahimsa: nicht verletzen, Gewaltlosigkeit

Satya: Wahrhaftigkeit

Asteya: Ehrlichkeit oder nicht stehlen

Brahmacharya: Kontrolle über die Sexualkraft

Aparigraha: kein Anhaften an Besitz, kein unnötiges Anhäufen von Materiellem

Niyamas: fünf Verhaltensregeln oder der Versuch, ein noch besserer Mensch zu werden

Shoucha: innere und äussere Reinheit

Santosha: Zufriedenheit

Tapas: Strenge, Disziplin, um den eigenen Willen zu stärken

Swadhyaya: Selbststudium

Ishvara pranidhana: Selbsthingabe

Asanas: gehaltene Körperstellungen oder: mein Körper, mein Tempel; ein neues Zuhause, der Ashram

Pranayama: Kontrolle der Lebensenergie oder Beginn der Bewusstseinskontrolle

Pratyahara: zurückziehen der Sinne oder der Welt entsagen

Dharana: Konzentration oder Eintauchen in die Maya (Illusion)

Dhyana: Meditation oder Bewusstwerdung

Samadhi: Selbsterkenntnis oder das Erwachen aus dem Albtraum

Epilog

Anhang

Sprüche

Rudolf Steiners Ergebenheitsgebet

Mein Leitfaden

Schlusswort

Prolog

Dieses Buch basiert auf meinen subjektiven Erfahrungen, die ich unter dem Pseudonym Elsa Gantenbein publiziere. Bewusst erwähne ich keine Namen und Ortschaften, um die Privatsphäre der Beteiligten zu schützen. In keiner Weise soll kategorisiert, beleidigt oder verurteilt werden – weder Personen noch Systeme, Traditionen oder Institutionen. Eine absolute Wahrheit ist auszuschliessen, da subjektive Erfahrungen geschildert werden. Je nachdem, ob man sich mit dem niederen oder höheren Selbst identifiziert, erhält die Wahrheit eine andere Färbung. Es geht also nicht darum, ein Schwarz-Weiss-Denken zu proklamieren, sondern eher eine Sowohl-als-auch-Haltung zu etablieren.

Es versteht sich von selbst, dass Passagen aus dem Ashramaufenthalt mit einer anderen Färbung erlebt wurden als Lebensausschnitte aus dem weltlichen Setting.

Zu vermerken ist ebenfalls, dass es in Indien unzählig viele Ashrams, Orte der Anstrengung oder des harten Arbeitens, klosterähnliche Meditationszentren, sowie auch Gurus, Meditationslehrer und Yogameister gibt. Jede Institution ist individuell gestaltet, wobei die Basisstrukturen bei den meisten gleich aussehen.

Ich berichte in meiner Geschichte von einem Ashram, von dem ich den Namen und Standort nicht bekannt gebe. Falls du, liebe Leserin, lieber Leser, das Gefühl hast, dass ich von dem Ashram spreche, in dem du auch mal warst, ist dies entweder Zufall oder Tatsache. Wie erwähnt, alle Ashrams sind ziemlich gleich organisiert. In diesem Fall möchte ich deine Meinung nicht verändern, oder dir meine eigene aufzwängen. Lese einfach unvoreingenommen von meinen Erlebnissen und lasse sie nicht die deinen beeinflussen. Ich bin überzeugt, dass jede Person eine für sich angepasste Lebenserfahrung durchleben und diese dabei so wenig wie möglich von aussen beeinflusst werden soll. Nur so können wir unsere eigenen spirituellen Erfahrungen machen und auf diesem Pilgerweg zu uns selbst finden.

Yamas:

fünf Enthaltungen oder der Versuch, ein besserer Mensch zu werden

Ahimsa: nicht verletzen, Gewaltlosigkeit

Gewaltlosigkeit in Handlung, Sprache und Gedanken. Wie unsagbar schwer das ist. Vegetarier zu werden, ist dabei noch das Einfachste. Auch Pazifist zu sein, wenn man harmoniesüchtig ist – kein Problem. Wenn mir jemand eine reinhauen würde, könnte ich nicht zurückschlagen, dies konnte ich als Primarschulkind schon nie. Ich erduldete einfach die Linealschläge von den Lausbengeln. «Mobbing» kannte man früher noch nicht, man wurde einfach von anderen geplagt, wenn man kein Mitläufer war. In meinen Gedanken aber habe ich die natürlich auch verdroschen, erwürgt, wenn es sein musste, habe ich sie gedanklich auch getötet. In meinen Träumen tauchen bis heute immer wieder mal Gewaltthemen auf. Da werden kleine Mädchen mit Kopfschüssen ermordet, doch nicht wirklich, denn sie stehen immer wieder auf und sind nie tot. Katzen werden brutal zertreten, was auch nichts nützt, denn sie stehen auch immer wieder auf und greifen mich aufs Neue an.

Sigmund Freud würde sich die Zähne an meinen Psychoträumen ausbeissen. Zum Glück praktiziert er nicht mehr in der heutigen Zeit, er würde hysterisch werden, bei all dem Mist, den die Frauen heutzutage träumen. War der gute Sigi eigentlich Vegetarier? Ich schätze nicht, aber das Googeln würde sich lohnen. Ja, er war’s, wie meine Recherchen zeigten. Übrigens, die meisten intelligenten Wesen, die als Spezies Mensch bezeichnet werden, kamen darauf, dass Vegetarismus viel gesünder, ökologischer und friedlicher ist. Grosse Denker und Wissenschaftler entdeckten, dass gewaltfreies Handeln und Denken einerseits das eigene Gemüt besänftigen und andererseits den Kontakt zur Aussenwelt erleichtern, da man sich viel einfacher und bewusster mit den Lebewesen verbinden kann.

Yoga hat viel mit Verbindung zu tun. Es geht primär darum, eine Vereinheitlichung vom irdischen Wesen mit dem universellen oder göttlichen Wesen zu erlangen, denn wir sind beides zugleich.

In äusseren Handlungen sind wir schnell mal gewaltlos. Auf tierische Produkte zu verzichten und vegan zu werden, ist da schon viel schwieriger, aber auch machbar. Aber wie steht es denn mit dem Umgang mit uns selbst? Wie oft sagten wir Ja, wenn wir Nein meinten? Und die Konsequenzen daraus zermürbten uns. Wie oft üben wir an uns selbst Gewalt aus? Vergewaltigen uns zu Taten, die wir nicht vollen Herzens machen? Wir schleppen uns tagein tagaus zu einer Arbeitsstelle, an der wir achteinhalb Stunden versauern, uns vom Vorgesetzten das Leben schwer machen lassen, uns mit toten Nahrungsmitteln, Junk-, Fast-, Functional- und Convenience-Food vollstopfen, bis wir aus den Nähten platzen, um uns dann am Abend auf einem Laufband fast einen Herzinfarkt zu holen? Und fühlen uns mies, weil alle anderen viel schöner, schlanker, straffer und fitter sind? Wie oft rufen wir unsere Mutter an, nur damit sie uns das nächste Mal nicht auf die Nerven geht mit ihrem Satz: «Warum hast du dich so lange nicht gemeldet?» Wenn mir nicht danach ist, ich einfach keine Lust habe, mit jemandem zu telefonieren, dann sollte dies die entsprechende Person nicht persönlich nehmen. Telefonieren ist sowieso anstrengend für mich. Ich mag lieber entspannt von Angesicht zu Angesicht reden. Heutzutage gibt es Skype, das vereinfacht das Ganze. Wobei das sekundenlange, visuelle Anschweigen auch unangenehm werden kann.

Die alljährlichen Weihnachtsfeiern im angespannten, besinnlichen Familienrahmen. Jeder spielt seine Rolle perfekt. Alle leiden innerlich, doch niemand will es zugeben. Wenn doch nur jemand den ersten mutigen Schritt wagen und sagen würde: «Hey, Leute, ich habe auf diesen ganzen Mist einfach keinen Bock mehr. Mir ist nicht nach Weihnachten feiern zumute. Ich will tanzen gehen, kommt jemand mit?» Und dann gehen jene, die wollen, und die anderen können ihr Fondue Chinoise oder die Weihnachtsgans geniessen.

Ja, es stimmt, als Vegetarierin trägt man an solchen Anlässen schon die Zwei auf dem Rücken. Im schlimmsten Fall müsste man nach einer solch klaren Aussage wirklich auch alleine tanzen gehen, so viel Mumm sollte sein. Oder man findet einen Freundeskreis, in dem sich alle vegetarisch ernähren und das ganze Rechtfertigen schliesst sich aus.

Gewaltlosigkeit mit uns selbst ist also eine Herausforderung. Nach ihr folgt die nächste Stufe: nicht verletzen in Worten. Wie oft sagen wir einander Fluchworte und meinen es auch so? Vor allem, wenn wir hinter dem Rücken über die neue Angestellte des Chefs reden, oder über den Chef selbst, oder über unsere Kinder, Eltern, Freunde, Verwandte, Bekannte. Ich habe es manchmal versucht, einen Tag lang niemanden zu beleidigen oder verbal zu verletzen. Frauen sind schon tratschgeil. Wobei die Männer auch nicht besser sind, sie tratschen auf eine andere Weise, am Stammtisch. Oder beim Businesslunch, nach einem Meeting oder während des Sports. Viel subtiler, man erkennt das Tratschen erst nicht, sie wollen ja vehement verhindern, dass sie den Frauen etwas nachmachen.

«Macht ihr Männer dies bewusst oder ist es ein Sissy-Verhinderungs-Gen?» Man könnte ja als schwul, bisexuell oder gar metrosexuell entlarvt werden. Oh, wie schlimm.

«Liebe Männer, wir emanzipierten Frauen stehen auf originell sexuell eingestellte Männer.» Es ist okay, sich als Mann die Wimpern zu tuschen, sofern er sich dafür nicht schämt. Die Scham ist das Einzige, was den Mann unattraktiv macht. Die sexy Männer sind die, welche zu ihrem Mannsein stehen, in welcher Art oder Abart auch immer, das ist zweitrangig. Lieber habe ich Fun mit einer Tunte als einen öden Kinobesuch mit einem Kerl, der sich dafür schämt, mit über zwanzig Jahren noch eine Jungfrau zu sein. Ist doch kein Problem, wenn es nicht geklappt hat bis jetzt, dann war eben die Zeit noch nicht reif dafür.

Die dritte gewaltlose Ebene: in Gedanken. Als Grundschullehrerin war das besonders schwierig. Da habe ich Störenfriede imaginär an die Wand geklatscht. Diesen Gedanken haben sie subtil natürlich mitgekriegt und benahmen sich dann umso blöder. Heute würde ich es anders machen, mit viel mehr Mitgefühl und Geduld. Oder auch nicht, ich weiss es nicht. Ein Wiedereinstieg in diese Indoktrinations-Gehirnwäsche-Fabrik ist nicht auszuschliessen, einfach um die Erfahrung zu machen, wie das Unterrichten ist nach einem absolvierten spirituellen Training. Ob ich tatsächlich ein besserer Mensch geworden bin, oder bin ich eben doch wieder in der Egotrip-Sackgasse gelandet? Wenn ich es nicht ausprobiere, werde ich es nie erfahren. Gewaltlosigkeit in Gedanken ist irre schwierig. Auch wenn man sich all die Fluchworte mit Selbstkontrolle erspart, in Gedanken hallen sie noch lange nach. Vor allem, wenn man im Ashram mit all diesen Idioten zu tun hat. Ups. Schon wieder passiert. Es ist wirklich, jedenfalls für mich, ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber durchaus möglich, davon bin ich überzeugt. Ich bin noch lange nicht so weit. Ich kann schon mal froh sein, dass ich mich nicht selbst mit irgendwelchen minderwertigen Worten beschimpfe. Hättest du diese Mahlzeit nicht besser zubereiten können? Warum bist du schon wieder so schnell fett geworden? Reiss dich zusammen, tu jetzt nicht so zickig, ich blöde Kuh, ich arme Sau, dumme Ziege, Huhn. Jedes Mal sich beim Blick in den Spiegel gewaltfrei zu begegnen.

«Ja, ich liebe meinen Körper, ich geniesse lustvoll den einzig existierenden Tempel auf der Erde, alle anderen sind Fälschungen oder Halluzinationen. Ich finde mich schön, ich schaue gut zu mir, ich gehe sorgsam mit mir um. Ich tue mein Bestes, dass es mir gut geht. Ich bin für mich selbst verantwortlich und ich bin dieser Aufgabe gewachsen. Ich übertrage diese Verantwortung an keinen anderen, nur ich kann diese Aufgabe erfüllen, niemand anderes ist für mich, mein Leben und meine Gesundheit verantwortlich. Weder meine Eltern, mein Gatte, mein Arbeitgeber, meine Versicherung, der Staat, mein Hausarzt, mein Therapeut und zu guter Letzt auch nicht mein Guru.»

Im Ashram hatte ich eine Phase, in der ich dem Selbsthass begegnete. Anfangs fühlte ich mich schlecht, dass ich es zuliess, mich selbst zu hassen. Wie unwürdig. Ich sollte mich doch selbst lieben. Das sagen immer alle, und mein Therapeut auch von Zeit zu Zeit. Ja, ich weiss, dass ich das sollte, aber leider geht es nicht. Kein Wunder, dass es nicht geht. Ist doch die ganze Selbstliebe verstopft durch einen riesigen Hasspopel. Zuerst sollte dieser Rotz mal raus geschnäuzt werden und anschliessend, wenn die Liebeskanäle von den Hasselementen und Selbsthassanteilen frei sind, kann die Liebesenergie wieder ungehindert fliessen.

Gibt es eigentlich einen Akupunkturpunkt, der dies sozusagen auf Knopfdruck fast schmerzfrei vollziehen könnte? Im Ashram ist alles immer so unglaublich schmerzhaft. Aber ehrlich gesagt, ich fühle, es muss so sein. Je mehr Schmerzen, desto tiefer die Reinigung respektive die Läuterung. Und das sage ich jetzt nicht als Masochistin, eine Veranlagung dazu ist schon da, aber ernsthaft: Je mehr Schmerzen ich erfahre, desto befreiter fühle ich mich anschliessend. Blockierte Energie kann daraufhin wieder fliessen. Letztendlich sind Schmerzen verdichtete Energie. Liebesenergie, die falsch programmiert wurde. Ein Softwarefehler sozusagen. Deshalb geht das so im Ashram: Hardware formatieren, so dass alle fehlerhaften Softwares gelöscht werden, und dann können neue, frische, korrekte, schnellere –

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