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Auswahlband Nord-Morde Februar 2019

Auswahlband Nord-Morde Februar 2019

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Auswahlband Nord-Morde Februar 2019

Länge:
689 Seiten
7 Stunden
Freigegeben:
Jan 26, 2020
ISBN:
9781386114062
Format:
Buch

Beschreibung

Auswahlband Nord-Morde Februar 2019

von Alfred Bekker & Albert Baeumer & Hendrik M. Bekker & Tomos Forrest

Krimis, die im Norden Deutschlands spielen, sind in diesem Band versammelt. Braunschweig, Hamburg, Ostfriesland und Rügen bilden die Tatorte dieser Geschichten.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Tomos Forrest: Tod eines Wikingers

Alfred Bekker: Ein Kugel für Lorant

Alfred Bekker & Albert Baeumer: Rügen, Ranen, Rachedurst

Hendrik M. Bekker: Der Tote im Bett

Freigegeben:
Jan 26, 2020
ISBN:
9781386114062
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Tod eines Wikingers

Tomos Forrest

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: unsplash mit Kathrin Peschel, 2019

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2019 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Klappentext:

IM STÄDTISCHEN MUSEUM Braunschweig wurden aus einer wenig gesicherten Vitrine bedeutende Fundstücke entwendet; unter anderem eine Handöx (Handaxt), die ein Braunschweiger Forscher in Dänemarks Norden ausgegraben hatte – natürlich nur den Axtkopf ohne Stiel. Eine Besonderheit: Ein weiterer, identischer Axtkopf wurde bereits im 18. Jahrhundert bei Kanalarbeiten in Braunschweig gefunden, zusammen mit Bruchstücken von Silbermünzen aus der Zeit König Harald Blauzahns und auch dieser wurde geraubt.

Eine Replika (Nachbildung) dieser Axt, allerdings mit Stiel, wurde gleichermaßen gestohlen, und mit dieser Replika wurde in Braunschweig noch am selben Tag jemand ermordet, der sich für die Geschichte der Nordmänner interessierte.

Bei seinen Recherchen entdeckt Kriminalrat Thomas Faust, der als Kriminalist mehr aus privatem Interesse an dieser Zeit in die Ereignisse verwickelt wird, Hinweise zum Tathergang. Auf der „grünen Insel" Föhr stößt er auf ein weiteres Gegenstück der Axt und begegnet dabei einem verschrobenen, alten Mann, der ihm Geschichten aus der Zeit der Nordmänner erzählt, als wäre er dabei gewesen und entgeht selbst nur knapp einem Anschlag ...

WIR SCHREIBEN DAS 21. Jahrhundert.

1.

Einen Moment lang blieb Thomas Faust im Eingangsbereich stehen und atmete die Museumsluft tief ein. Auf eine merkwürdige Weise schien sie sehr vertraut zu sein und weckte lange zurückliegende Erinnerungen. Er war als junger Familienvater zum letzten Mal hier gewesen, gefühlt eine Ewigkeit. Kurz hatte er seine Augen geschlossen und schwelgte in den vorüberziehenden Bildern. Da war die nachgestellte Zinnfigurenwerkstatt. Liebevoll aufgebaute Rohlinge standen zwischen den Gussformen, allerlei Werkzeugen und alten Möbeln, die das Diorama einer alten Werkstatt in einem der für die Stadt typischen Fachwerkhäuser bildete. Und dann diese unheimliche Uhr, vor der sich früher alle Kinder gefürchtet hatten, mit einem Gerippe, das zur vollen Stunde mit einem Knochen gegen eine Glocke schlug.

Faust wurde jäh aus seinen Träumen gerissen, als eine lärmende Schulklasse durch die große Tür hereinkam, Jacken und Taschen auf den Boden der Garderobe schleuderten und mit viel Geschrei und Gelächter sich auf einen Museumsbesuch vorbereitete.

„Handys bleiben aus! Sehe ich einen von euch damit herumspielen, gibt es Ärger!, kam die Stimme einer Lehrerin. Faust nickte ihr zu, und die resolute, etwas ältere Dame im gelben Strickpullover und knielangem grauen Rock warf die langen, blonden Haare mit einer bedeutungsvollen Geste zurück, als sie ihn mit einem kühlen Blick streifte. „Alle Sachen werden hier an den Haken so aufgehängt, wie ihr das in der Schule macht. Ich will hier nichts mehr herumliegen sehen! Und die Mappen kommen ordentlich hier an die Wand!

„Wo geht es zu den Sauriern, Frau Frank?, meldete sich einer der Jungen mit topmodischem Haarschnitt. Faust konnte dieser Art wenig abgewinnen. Zu seiner Zeit nannte man das verächtlich „Rundschnitt, wenn die Haare im gesamten Nacken ultrakurz waren und nur auf der Schädeldecke längeres Haar stand. Aber wie so vieles andere hatte sich auch hier der Geschmack gewandelt.

„Hier gibt es keine Saurier!, antwortete Frau Frank mit verächtlichem Gesichtsausdruck. „Wir gehen in das Städtische Museum, nicht in das Naturhistorische!

„Herr Faust?"

Er drehte sich zu der Stimme um und erblickte eine junge, sportlich gekleidete Frau, die ihm fröhlich lächelnd die Hand entgegenstreckte.

„Ja, Thomas Faust!", erwiderte er und versuchte gleichzeitig, mit der anderen Hand seinen Dienstausweis aus der Tasche zu ziehen.

„Lassen Sie ruhig, Herr Faust, ich brauche keinen Ausweis von Ihnen zu sehen. Schließlich war Ihr Bild ja oft genug in der Zeitung!"

„So, na dann folge ich Ihnen doch einfach!", antwortete er der jungen Frau, die auf einen Fahrstuhl im Hintergrund deutete.

Sie zog einen Schlüssel heraus und öffnete damit die Türen, ließ Faust den Vortritt und sagte dann mit einem schelmischen Lächeln: „Wie man so sagt, folgen Sie mir ganz unauffällig!"

Pflichtschuldig lächelte Faust über diesen abgestandenen Scherz und schwieg, während der Fahrstuhl sanft anruckte und dann ein kurzes Stück nach oben schwebte. Dort angekommen ging seine Begleiterin wieder voraus, hielt die gegenüberliegende Tür auf und Faust erkannte die Kollegen, die offenbar noch bei der Spurensicherung tätig waren. Dezent verabschiedete sich die Museumsangestellte von ihm.

„Herr Faust, das ist aber eine Überraschung! Sind Sie privat hier?", erkundigte sich ein junger Beamter in Zivil, der Faust noch von den Vorlesungen auf der Polizeischule kannte und inzwischen zum Fachkommissariat 2, Raub- und Erpressungsdelikte, gehörte.

„Privat?, antwortete Faust und grinste dazu. „Könnte man fast annehmen, wenn es um einen Gegenstand aus der Zeit der Nordmänner geht, nicht wahr, Herr Jürgens? Aber ich muss Sie enttäuschen, ich bin genau wie Sie dienstlich hier.

Jürgens, der eben noch in der Hocke über Glassplittern saß, richtete sich auf und sah dem Kriminalrat erstaunt ins Gesicht.

„Aber – das ist doch nur ein Einbruch, noch dazu mit deutlichen Hinweisen auf den oder die Täter! Warum hat man Sie dazu gerufen?"

Faust nickte ernst, während sein Blick rasch über die aufgebrochene Vitrine glitt, kurz die verbliebenen Gegenstände musterte und dann auf einen halbmondförmigen, schwarzen Gegenstand in der Größe eines Fingernagels wies.

„Eine Silbermünze?"

Jürgens blickte überrascht zur Vitrine und zuckte die Schultern.

„Kann sein, ich kenne mich damit nicht so aus. Wir haben es hier wohl mit der Tat Jugendlicher zu tun. Die Eingangstür wurde ziemlich unprofessionell aufgebrochen, die Vitrine rücksichtslos mit dem Eisenrohr zerstört – da drüben liegt es – und die Gegenstände mitgenommen. Ich tippe auf Drogensüchtige, die sich von den alten Dingen aus dem Museum wohl eine gute Einnahme versprachen."

„So, meinen Sie?"

Etwas im Ton des Kriminalrates ließ den jungen Polizisten innehalten.

„Ja, so etwas hatten wir doch in den letzten Wochen mehrfach, wenn auch, zugegeben, nicht in einem unserer Museen!"

„Was ja auch aufgrund der Alarmanlagen kaum denkbar wäre, nicht wahr, Jürgens?"

Oha! Wenn der Alte diesen Ton anschlägt, hält man sich besser zurück – wenigstens das habe ich bei ihm gelernt!, schoss es dem Beamten durch den Kopf.

Faust nahm behutsam den kleinen, geschwärzten Gegenstand in die Hand und hielt ihn hoch, um durch das Deckenlicht mehr zu erkennen. Schließlich rieb er es zwischen einem Stück Stoff von seiner Jacke und prüfte es erneut.

„Was haben Sie denn da entdeckt?", erklang eine wenig melodische Stimme hinter ihm, und als sich Faust überrascht umdrehte, blickte er in das strenge Gesicht der Museumsdirektorin. Dr. Mathilde von Grüneberg war eine auf den ersten Blick sehr männlich wirkende, herbe Frau, mit breiten Schultern und einem Anflug von Damenbart auf der Oberlippe. Zu diesem herben Aussehen schien ihr etwas zu eng sitzender Pullover und der kurze Rock überhaupt nicht zu passen, viel weniger ihre breiten Schuhe mit einem ungewöhnlich dicken und hohen Absatz.

„Vermutlich einen Rest einer Silbermünze, die vom Täter wohl übersehen wurde!, antwortete der Kriminalist und präsentierte das Bruchstück auf der flachen Hand. Dr. von Grüneberg warf einen etwas pikierten Blick darauf, rümpfte die Nase und musterte mit strenger Miene die Polizisten, die noch immer an der zerstörten Vitrine beschäftigt waren. Die Museumsdirektorin schien keine Antwort geben zu wollen, war mit einem raschen Schritt neben Jürgens und herrschte ihn an: „Wie lange soll das hier noch gehen?

Der junge Polizist lächelte sie freundlich an und antwortete schließlich:

„Bis wir fertig sind, Frau Doktor. Da müssen Sie noch etwas Geduld haben!"

„Unglaublich, Sie sind doch schon seit zwei Stunden hier beschäftigt, was gibt es denn an einer aufgebrochenen und zerstörten Glasvitrine so lange noch zu sehen?"

Da kam sie bei Jürgens an den Richtigen. Er blieb weiterhin freundlich und sprach mit ruhiger Stimme, aber seine Worte konnten der Direktorin trotzdem nicht gefallen.

„Unglaublich, Frau Dr. Grüneberg, ist eigentlich nur, wie leicht Sie es den Tätern gemacht haben, hier hereinzukommen!"

Von Grüneberg, ja, so viel Zeit muss sein. Und warum haben wir es den Tätern leicht gemacht? Wissen Sie eigentlich, in welchem Zustand ich dieses Haus übernommen habe? Zu dem Zeitpunkt dauerten die Renovierungsarbeiten schon Jahre, und wenn ich nun in der Endphase noch ein paar wichtige Ergänzungsarbeiten durchführen lasse, so wird damit nur nachgeholt, was mein Vorgänger versäumt hat!"

Damit wollte sie sich wieder abwenden, blieb aber bei der Antwort des Polizisten erstaunt stehen.

„Das ist doch aber kein Grund, die Baustelle im Eingangsbereich nur mit einer einfachen Bautür aus Holz zu sichern! Jedes Kind wäre in der Lage, mithilfe eines ordentlichen Schraubendrehers das Vorhängeschloss zu knacken – und genau das ist ja auch geschehen. Ich denke mal, Sie können sich darüber freuen, dass die Täter keine größere Beute gemacht haben!"

„Ha, Sie wissen ja überhaupt nicht, wovon Sie sprechen, junger Mann! Hier befanden sich zwei wertvolle, fein ziselierte Axtblätter, dazu eine Replika dieser Waffen und einige Silbermünzen, alles aus der Zeit des 10. oder 11. Jahrhunderts! Und eine dieser Äxte wurde hier in Braunschweig gefunden, als Herzog Carl I. vermutlich mit der Vertiefung der Oker beginnen ließ, um die Schifffahrt wieder neu zu beleben! Man fand diese Axt in einem uralten Brunnenschacht, und das Besondere daran ist ja die Tatsache, dass ... – ach, was erzähle ich Ihnen das eigentlich alles, Sie haben ja ohnehin keine Ahnung von diesen Dingen! Sehen Sie also zu, dass Sie hier fertig werden, damit wir mit den Renovierungsarbeiten fortfahren können!"

Jürgens hatte sich aufgerichtet und mit einem jungenhaften Lächeln erwiderte er:

„Und dieser Fund einer Wikinger-Axt wurde von Professor Thomas Alexander Faust, einem Vorfahren unseres Kriminalrates Dr. Thomas Faust, den Sie hier stehen sehen, entdeckt, untersucht und seine Herkunft bestimmt! Und keineswegs bei der Vertiefung der Oker, sondern beim Ausheben einer Baugrube an der Langen Straße!"

Frau Dr. von Grüneberg stand mit geöffnetem Mund und drehte ihren Kopf vom Sprecher hinüber zum Kriminalrat und wieder zurück.

Doktor Faust? Und ... und Professor Thomas Alexander ...?"

Faust verbeugte sich leicht und ergänzte:

„Professor Dr. Dr. mult. Thomas Alexander Faust, um genau zu sein, gnädige Frau. Leiter der Ausgrabungen einer Siedlung der Nordmänner nahe Skagen im Norden Dänemarks, Autor des noch heute gültigen Sachbuches über die dort siedelnden Menschen, ihre Kulturen und ihre Kriegszüge. Ehrendoktor von drei Universitäten."

„Das ist Ihr ...?"

„Urgroßvater, um genau zu sein. Seit dem Polizeiagenten Thomas Faust, geboren 1873 und in unserer schönen Stadt vor allem bekannt durch einen Kriminalfall, bei dem er einem bekannten englischen Detektiv assistieren konnte (vgl. Sherlock Holmes: Geheimakte Braunschweig) ist es in der Familie Tradition geworden, den Erstgeborenen mit dem Vornamen Thomas zu taufen."

Die Direktorin sah ihr Gegenüber noch einen Augenblick mit leicht zweifelnder Miene an, dann gab sie sich einen Ruck und erwiderte säuerlich: „Es ist vielleicht sinnvoller, wenn wir uns in meinem Büro unterhalten."

„Oh ja, sehr gern!", antwortete Faust und wartete ab, bis die resolute Dame vorausging und ihm den Weg wies.

„Wir sehen uns später, Jürgens!", verabschiedete er sich, und der Kriminalbeamte nickte schweigend. Er sah den beiden noch hinterher, als sich die Fahrstuhltür schon wieder geschlossen hatte.

„Warum mischt sich der Alte in einen Einbruch ein?", murmelte er dabei vor sich hin. Thomas Faust, Kriminalrat in der Braunschweiger Mordkommission, war bekannt für sein häufig unkonventionelles Vorgehen. Aber seine Erfolgsquote war so ansehnlich, dass niemand sich beklagte, wenn er einmal bei scheinbar völlig abwegigen Situationen eine andere Richtung einschlug als seine Kollegen.

2.

Faust betrat ein geradezu chaotisch aussehendes, kleines Büro, das von einem mächtigen Schreibtisch aus dunklem Holz dominiert wurde. Darauf befanden sich Stapel von Büchern, Zeitschriftenausschnitten, ein paar geschlossene Archivschachteln und auf dem dafür wohl extra frei geräumten Platz in der Mitte stand eine Porzellanvase, die der Kriminalrat auf den zweiten Blick als chinesisch einstufte. Auch auf dem Fußboden befanden sich so viele Bücher- und Zeitschriftenstapel, dass nur ein schmaler Weg zum Schreibtisch und dem einzigen Stuhl davor frei blieb.

Frau Dr. von Grüneberg nahm etwas vom Sitz herunter und legte es so geschickt ausbalanciert auf einen anderen Stapel, dass der zwar bedrohlich wankte, dann aber stehen blieb.

„Bitte, nehmen Sie doch Platz, Herr Faust! Einen Kaffee kann ich Ihnen leider derzeit nicht anbieten, unsere Cafeteria befindet sich ebenfalls im Umbau, und hier oben ist uns aufgrund der völlig veralteten Leitungen der Betrieb einer eigenen Kaffeemaschine strengstens untersagt worden."

„Machen Sie sich bitte keine Umstände!, wehrte Faust ab. „Ich möchte Ihre Zeit auch nicht unnötig in Anspruch nehmen. Was mich neben der laxen Sicherheit Ihres Hauses interessiert, ist natürlich der vollständige Inhalt der aufgebrochenen Vitrine. Können Sie mir bitte ein Verzeichnis zukommen lassen?

Die Direktorin schickte ihm einen strafenden Blick, nickte aber schließlich bedächtig.

„Die wird Ihnen mein Kustos zukommen lassen. Aber warum interessiert sich der Leiter der hiesigen Mordkommission für einen Einbruchdiebstahl?"

Aha, jetzt scheint sie mich doch besser zu kennen, als zunächst bei der Begrüßung. Das wird sicher eine interessante Unterhaltung!, dachte Faust. Offenbar hat sie mein Urgroßvater doch etwas beeindruckt. Laut entgegnete er jedoch:

„Wenn mit einem gestohlenen Gegenstand eine Straftat begangen wird, die zudem tödliche Folgen hat, dann kommt meine Dienststelle ins Spiel."

Frau Dr. von Grüneberg schien wie elektrisiert und saß plötzlich mit völlig durchgedrücktem Rücken hinter ihrem Schreibtisch.

„Tödliche Folgen – wie ist das zu verstehen?"

„Soweit mir bekannt ist, wurde bei dem Einbruch neben anderen historischen Artefakten auch die originalgetreue Nachbildung einer Handöx gestohlen."

„Das stimmt wohl, jedenfalls ist diese Vitrine ja vollkommen ausgeräumt worden. Der Kustos war damit beauftragt, zur Eröffnung eine Ausstellung über die Handelsverbindungen der Frühzeit zu konzipieren. Wir wollten die Verbindung der Hansestadt Braunschweig zu den skandinavischen Ländern aufzeigen und damit dokumentieren, dass wir schon vor der Hansezeit mit den Städten an Nord- und Ostsee Handel trieben. Unsere Magni-Kirche ist dafür bekanntlich ein gutes Beispiel. Der apulische Bischof Magnus wurde besonders von den Friesen verehrt, und dazu kommt, dass in der Weiheurkunde unsere Stadt erstmals im Jahre 1031 urkundlich als Brunesguik erwähnt, und ein guik ist ein ..."

„Handelsplatz, ich weiß, Frau von Grüneberg!, ergänzte Faust und bremste damit den Redeschwall. „Kommen wir zurück auf die Handöx.

„Ja, natürlich, ich vergaß Ihren Bezug zum Thema. Es war ja Ihr Vorfahre, der sich damit eingehend auseinandergesetzt hat. Wir haben eigens für die neue Ausstellung eine Nachbildung herstellen lassen, um dem Besucher den Gebrauch zeigen zu können. Es ist doch immer ein Unterschied, ob man nur ein mehr oder weniger gut erhaltenes Axtblatt in einer Vitrine sehen kann oder aber eine vollständige Axt selbst in die Hand nehmen kann."

Faust nickte mit ernster Miene zu ihren Ausführungen und antwortete dann:

„Und genau das hat jetzt jemand getan."

„Was meinen Sie?"

„Wir müssen davon ausgehen, dass der Dieb dieser Replika-Axt sie benutzt hat, um damit einem Menschen den Kopf einzuschlagen!"

„Oh mein Gott!"

Die Direktorin hatte unbewusst eine Hand vor den Mund geschlagen und starrte den Kriminalbeamten mit weit aufgerissenen Augen an.

„So liegt jetzt der Fall, und aus diesem Grund bin ich involviert. Ich bitte Sie, alles im Zusammenhang mit der Vitrine und ihrem Inhalt, was für den Mordfall wichtig sein könnte, mir mitzuteilen. Also angefangen von den beteiligten Mitarbeitern, die für die Ausstellung zuständig sind, über die Anfertigung der Reproduktion bis hin zu den am Umbau beteiligten Firmen. Können Sie das bitte veranlassen und mir die Liste noch heute zukommen lassen?"

Faust hatte sich erhoben und legte seine Visitenkarte neben die chinesische Vase.

Die Direktorin starrte darauf und schien sich auf etwas zu besinnen, setzte kurz an, schüttelte dann aber den Kopf und nickte ihrem Besucher zu.

„Selbstverständlich. Ich lasse Ihnen die Auflistung noch heute zukommen."

Schon beim Eintreten hatte Faust das chaotische Arbeitszimmer rasch überflogen und mit Erstaunen registriert, dass es keinen Bildschirm auf dem Schreibtisch gab, und zwischen den Bücherstapeln schien sich auch kein Laptop zu verbergen. Erledigte die Direktorin alles über ihr Handy oder Tablet?

„Besten Dank. Müssen Sie mir den Fahrstuhl wieder aufschließen?"

Faust stand bereits an der Tür.

Irritiert sah die Direktorin vom Schreibtisch zu ihm auf, schließlich nahm sie ihr Schlüsselbund und eilte dem Beamten mit raschen Schritten voraus. Dabei schlugen ihre sonderbaren Schuhe hart auf dem Steinboden auf, und mit einem irritierten Lächeln starrte Faust auf ihre im Neonlicht seltsam schimmernden Strümpfe und den kurzen Rock, der sich beim Sitzen nach oben verschoben hatte und jetzt mehr von den Oberschenkeln der Dame freigab, als er sehen wollte.

Mit einem kurzen, aber kräftigen Händedruck verabschiedete sie sich von Faust und rauschte davon, noch bevor die Fahrstuhltüren sich hinter ihm wieder schlossen.

Thomas Faust kehrte über den Mitarbeiterausgang zurück, nickte den dort postierten Polizisten freundlich zu und stieg in sein Dienstfahrzeug.

Auf dem Rückweg zur Dienststelle machte er noch einen kleinen Umweg, fuhr in das Parkhaus der Schloss-Arkaden und besuchte das Stadtarchiv im Obergeschoss.

„Oh, Herr Dr. Faust, Sie waren aber schon lange nicht mehr bei uns!, begrüßte ihn die junge Frau in der Ausleihe. „Soll ich Ihnen das Findbuch bringen?

„Gern!, antwortete Faust. „Wenn Sie die Signatur noch auswendig wissen!

„Aber natürlich!", lächelte die etwas rundliche Angestellte. „Sie wissen doch, mein Freund und ich machen auch Wikinger, aber nur im Sommer und als Larp-Krieger."

Faust nickte nur freundlich und dachte: Hoffentlich erzählt sie mir nicht wieder von ihren neuen, im Winter genähten Gewändern. Irgendwann laufe ich schreiend davon!

Er erinnerte sich gut an den Namen der Frau, Ella Luise Mey; begeisterte Teilnehmerin an zahlreichen Larp-Veranstaltungen in Norddeutschland. Bei seinem letzten Besuch hatte sie ihm ohne Punkt und Komma eine Viertelstunde lang von ihrem Besuch in Haithabu und dem berühmten Museum vorgeschwärmt, und Faust musste sie mehrfach unterbrechen, damit er seine Materialen bestellen konnte.

Aber heute ging die junge Frau an das Regal, zog das Findbuch heraus und reichte es ihm. „Heute ist nicht viel los, Herr Doktor. Wenn Sie wollen, lasse ich die gewünschten Unterlagen sofort herausholen, und Sie müssen nicht nach der Mittagspause noch einmal kommen."

„Das wäre mir allerdings sehr lieb. Ich bin ein wenig unter Zeitdruck!", antwortete Faust lächelnd.

„Ja, wann sind Sie das nicht, Herr Doktor!"

Die junge Dame schien mit seinem akademischen Grad zu schwadronieren, und der Kriminalbeamte verkniff sich eine Bemerkung, betrat den Lesesaal, in dem zwei ältere Herren in den hinteren Reihen an langen Tischen saßen und eifrig in Urkunden blätterten.

Familienstammbäume, folgerte Faust sofort. Offenbar die Lieblingsbeschäftigung zahlreicher Rentner. Dann fielen ihm seine eigenen, diesbezüglichen Versuche am PC ein, und lächelnd nahm er in der ersten Tischreihe Platz, wo ihm nach wenigen Minuten tatsächlich die erbetenen Materialien vorgelegt wurden.

Faust hatte in erster Linie die Unterlagen seines Urgroßvaters heraussuchen lassen. Er öffnete die erste Mappe und nahm andächtig den Umschlag heraus, der die Reproduktionen alter Fotos enthielt. Seine Lupe steckte in der Innentasche seiner Jacke, er klappte sie auf und vertiefte sich in den nächsten Minuten in die Fotos.

Schließlich zog er sein Handy heraus und hielt es vor die Glasscheibe, damit die junge Frau sehen konnte, was er beabsichtigte.

Sie nickte nur lächelnd, und Faust hielt das Gerät über die Fotos.

Natürlich hatte er einwandfreie Kopien seit längerer Zeit in seinem Haus.

Aber es würde viel zu lange dauern, dort danach zu suchen, denn in seinem Arbeitszimmer sah es kaum anders aus als in dem der Museumsdirektorin. Außerdem wollte er gleich nach der Durchsicht zurück in sein Büro, um die bis dahin eingegangenen Unterlagen zu sichten.

Er wurde bereits ungeduldig von Kriminalkommissaranwärter Jürgens erwartet. Der junge Polizist hatte verschiedene Unterlagen in einer Mappe zusammengetragen und erhob sich beim Eintreten seines Vorgesetzten vom Besucherstuhl.

3.

„Leider ist die Kamera am Eingang ebenso außer Betrieb wie die am Gebäude gegenüber, in dem sich derzeit nichts befindet. Ich meine das ehemalige Haus, in dem die Stadtbibliothek und das Archiv vor dem Umzug ins Schloss untergebracht waren."

„Schlossarkaden!", murmelte Faust, während er den Bericht des jungen Polizisten überflog.

„Aber dafür hat die Kamera zum Löwenwall einwandfrei gearbeitet. Wir haben eine Reihe von Bildern, auf denen eine Gestalt etwas unter dem Arm trägt und sich eilig in Richtung Kurt-Schumacher-Straße bewegt. Erkennbar ist allerdings nicht sehr viel, der Mann trägt einen Hoody."

„Und noch dazu einen ziemlich auffällig gekennzeichneten. Was aber lässt darauf schließen, dass es sich um einen männlichen Täter handelt?"

Jürgens blickte den Kriminalrat erstaunt an, dann beeilte er sich mit seinen Erklärungen.

„Die Art des Einbruches, Dr. Faust, ein Eisenrohr wurde als Hebel verwendet und damit auch die Glasvitrine zerstört. Die Figur der Gestalt, die mir sehr breitschultrig erscheint, letztlich die Art, wie er sich bewegt."

Faust sah ihn schweigend an und schien darauf zu warten, dass weitere Einzelheiten kamen, aber Jürgens mochte unsicher geworden zu sein.

„In welcher Beziehung stehen Opfer und mutmaßlicher Täter zueinander?"

Jetzt war Jürgens offenbar in Bedrängnis geraten.

„Äh – das wissen wir noch nicht, Herr Kriminalrat!"

„Können Sie bitte mal den akademischen Titel und meine Dienstbezeichnung weglassen? Danke. Und jetzt überlegen Sie bitte, warum ich Ihnen diese Frage gestellt habe."

Deutlich erkannte Faust, wie es im Gesicht des Mannes arbeitete. Aber noch vor seinem nächsten Gedanken wurde angeklopft, und gleich darauf trat ein uniformierter Beamter ein, der Faust einen großen Umschlag überreichte.

„Das wurde für Sie an der Wache abgegeben, Herr Doktor. Inhalt ist als harmlos eingestuft worden."

„Herzlichen Dank!"

Faust griff in den geöffneten Umschlag und zog ein Bündel von Zeitschriftennotizen heraus, blätterte sie flüchtig durch und legte sie an die Seite.

„Lösung gefunden, Jürgens?"

Der junge Beamte rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her, während er antwortete.

„Ich vermute, Sie spielen auf das erkennbare Emblem an, das der mutmaßliche Täter auf seinem Hoody trägt. Es ist der rechtsradikalen Szene zuzuordnen und gehört vermutlich zu einer Gruppe, die sich Odins Wölfe nennen. Der mit der Replika-Axt erschlagene Wolf-Dietrich Huschke ist in früheren Jahren der Anführer der Gruppe gewesen und wurde als Jarle bezeichnet. Es gab damals wohl mehrfach Auseinandersetzungen um diesen Posten, ein paar Handgreiflichkeiten in Kneipen wurden aktenkundig. Sein Nachfolger wurde Karl-Heinz Rietzel."

Faust nickte mit einem fröhlichen Lächeln.

„Sehr schön, Jürgens, Sie scheinen auf dem richtigen Weg zu sein. Also hat der Täter nach seinem Einbruch Huschke aufgesucht und die Durchschlagkraft seiner Axt ausprobiert. Wäre eine Möglichkeit. Allerdings frage ich mich bei dieser Vorstellung, warum er seinem Opfer noch vorher erlaubt hat, einen Helm aufzusetzen."

„Einen Helm? Der Tote trug einen Helm?", erkundigte sich Jürgens verdattert.

„Ja, einen einfachen Nasalhelm. Auch Hemd und Hose nach Art der Wikinger. In einer Lederscheide steckte noch ein Kurzschwert, ein sogenanntes Sax. Übrigens alles nach meiner Meinung nicht schaukampftauglich. Deshalb gelang es auch, den Helm mit einem kraftvollen Schlag zu durchtrennen und noch tief in die Schädeldecke des Opfers einzudringen, was wohl vermutlich seinen Tod verursachte."

Jürgens sah ihn schweigend an.

Der alte Fuchs mit seinem Spezialwissen!, dachte er dabei. Aber er selbst war ja auch nicht am Tatort, weil er dafür nicht zuständig war. Er hatte mit den Kollegen gesprochen und mit ihnen seine bisherigen Erkenntnisse ausgetauscht. Und daher nahm er an, dass sie jetzt nur noch den Einbrecher fassen mussten, um zugleich den Mörder zu schnappen.

Faust lachte leise vor sich hin, bevor er fortfuhr:

„Nicht ganz fair, ich weiß, Jürgens. Durch meine Vorfahren bin ich einschlägig vorbelastet, das gebe ich gern zu. Aber seit ein gewisser Thomas Faust mit Schüssen auf eine Schweinehälfte den Mordfall um Konrad Koch aufklärte (vgl. Konrad Koch und der Tote auf dem Fußballfeld), bin ich fasziniert von solchen Experimenten und habe selbst an geeigneten Orten solche – sagen wir – Materialtests durchgeführt."

„Konrad Koch? Meinen Sie den Fußballpionier, nach dem jetzt ein Einkaufszentrum benannt wird?"

„Eben den, aber das spielt jetzt bei unserem Fall keine Rolle, Jürgens. Der Helm ist zusammen mit dem Beil in das Labor der TU gegangen. Dort wird eine kriminaltechnische Untersuchung näheren Aufschluss geben, und in der Zwischenzeit werden die Kollegen die Bilder auswerten und auch noch nach weiteren in den anliegenden Straßen sehen. Herzlichen Dank für Ihre Mühe, ich halte Sie gern auf dem Laufenden!"

Faust hatte sich erhoben und reichte dem jungen Beamten lächelnd die Hand.

Jürgens ergriff sie, räusperte sich verlegen, druckste etwas herum und sagte schließlich: „Herr Doktor ... wäre es vielleicht möglich, dass ich ... ich meine, in Ihre Abteilung ...?"

„Verstehe, Sie möchten gern in das Fachkommissariat 1 wechseln und nutzen diese Gelegenheit für Ihre Bitte? Das wird nicht funktionieren, Jürgens, so gern ich da auch ein gutes Wort für Sie einlege. Aber wie ich hörte, ist Ihre Abteilung so hoffnungslos unterbesetzt, dass man wohl kaum auf einen Beamten verzichten kann."

Jürgens hatte ein rötlich angelaufenes Gesicht, als er noch einmal fortfuhr:

„Ich habe schon vor zwei Monaten ein Versetzungsgesuch gestellt, Herr Kriminalrat. Es wäre nur sehr ... hilfreich, wenn Sie in diesem aktuellen Fall vielleicht Ihr Wort in die Waagschale werfen könnten ..."

Faust nickte freundlich.

„Sehr schön formuliert, Jürgens. Ich werde also abwägen, was ich in die Waagschale werfe."

Damit nahm er die Zeitungsartikel auf und schien gleich alles andere um sich zu vergessen.

„Wikingerlager überfallen – schwere Ausschreitungen am Wochenende, las er die Überschrift. „Fünf Schwerverletzte nach Schlägerei im Wikingerlager. Polizei nahm zehn Verdächtige fest. Ist die Szene rechtsradikal unterwandert? So und ähnlich ging es über Wochen in der Presse weiter. Jemand hatte sich nicht nur die Mühe gemacht, alle Artikel auszuschneiden und an einigen Stellen mit Rotstift Markierungen vorzunehmen, sondern auch noch im aktuellen Fall einen Tag nach dem Mord ausgerechnet ihm alles zuzustellen. Zweimal tauchte der Name Wolf-Dietrich Huschke dabei auf, mit dem es offenbar Probleme wegen des Vorstandspostens gab. Außerdem wurde ein Jan Rettenschläger mehrfach erwähnt, die drei Männer, Huschke, Rettenschläger und Rietzel, bildeten wohl das Gründungsteam und über lange Zeit auch den Vorstand der Wölfe.

Warum schickt mir jemand diese Artikel? Und wieso ist dieser Fall schon öffentlich?, fragte sich Faust und fuhr seinen PC hoch. Ein paar Mausklicks weiter hatte er die aktuelle Schlagzeile unter den News gefunden. Tod eines Wikingers!, lautete die reißerische Überschrift des vor wenigen Stunden online gestellten Beitrages. Anführer der rechtsradikalen Gruppe ‚Odins Wölfe‘ mit Wikingeraxt erschlagen aufgefunden! Droht eine neue Eskalation in der Braunschweiger Szene?

Der Beitrag konnte zudem ohne Zugangsberechtigung auf der Seite der Zeitung bei Facebook diskutiert werden, und als Faust die ersten zehn Kommentare gelesen hatte, stieg ihm die Galle hoch. Rechtsradikale Schweine, man kennt solche Typen! – Rocker wie in den Großstädten tarnen sich als Wikinger-Fans! – Lebenslang wegschließen! das waren noch die harmlosesten Kommentare. Für die Öffentlichkeit waren also Menschen, die sich für die Wikinger interessierten, automatisch rechtsradikale, verkappte Nazis.

Unwillkürlich schlug der Kriminalrat mit der flachen Hand auf seinen Schreibtisch.

Was für ein Humbug! Rechtsradikal, natürlich! Und seit wann gab es eine Braunschweiger Szene mit braunen Wikingern?

Er rief gerade an seinem Telefon das Verzeichnis auf, um die Redaktion anzurufen, aber dann legte er den Hörer wieder auf, nahm seine Jacke vom Haken und ging hinüber in den Dienstraum, wo zwei Männer und eine Frau hektische Betriebsamkeit an einer Multivisionswand zeigten. Faust schmunzelte über den gezeigten Diensteifer seiner Kollegen. Diese neue Wand war kaum einen Monat alt, und offenbar wollten sich alle darin übertreffen, sie sinnvoll für die Notizen zu nutzen. Er entdeckte die Fotos von der Kameraaufzeichnung in guter Auflösung, vergrößerte Ausschnitte daraus und ein paar Fotos aus dem Zentralregister, die mit Pfeilen zugeordnet waren.

„Wie ich sehe, habt ihr bereits den Täter!, begrüßte er die Beamten, die kaum aufgesehen hatten, als er eintrat. „Was gibt es Neues, Petra?

Die angesprochene Kriminalkommissarin, Petra Lichtner, groß, schlank, dunkelhaarig und durchtrainiert, hatte erst vor einer Woche ihr Sportabzeichen erneuert und galt als eine der großen Sportlerinnen unter den Kollegen.

„Es könnte sich um einen alten Bekannten handeln, Chef. Wir haben nur auf deine Rückkehr gewartet und wollen ihn dann aufsuchen."

Sie gab Faust zwei Bilder in die Hand und deutete auf den Text an der Wand.

„Ihr habt das Erkennungsprogramm über die Bilder von den Aufzeichnungen laufen lassen? Respekt! Das ist wirklich ein alter Bekannter von uns, Karl-Heinz Rietzel, genannt Carlo. Mehrfach verurteilt wegen Einbruchs, schwerem Diebstahl, Körperverletzung – habe ich etwas ausgelassen?"

„Versuchter Totschlag war 2008 auch mal dabei, Chef! Es hätte nicht viel gefehlt, und er hätte einem gewissen Wolf-Dietrich Huschke den Schädel eingeschlagen."

„Und was ist damals passiert? Liegt immerhin mehr als zehn Jahre zurück!"

„Die Wölfe hatten zu einem großen Wikinger-Treffen in der Asse eingeladen. Aber die Sache lief wohl etwas aus dem Ruder. Neben den friedlichen Familien, die einfach ein Lagerfeuer-Wochenende verleben wollten, kamen aus dem ganzen Bundesgebiet Rockergruppen und einige Vereinigungen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Huschke machte Rietzel dafür verantwortlich, die beiden gerieten in einen handfesten Streit, der schließlich mit Äxten und Schilden ausgetragen wurde. Dabei spaltete Rietzel seinem Vereinsfreund den Schild und erwischte ihn ziemlich hart am Helm. Die Sache ging zwar glimpflich aus, aber Huschke erstattete trotzdem Anzeige."

„Und was wurde daraus?"

„Er hat einen Rückzieher gemacht und erklärt, dass er aufgrund der unfairen Kampftechnik sauer gewesen sei. Aber alles wäre vollkommen in Ordnung gewesen, Schaukämpfe mit vollem Körperkontakt gehörten zum Programm, das nur leider in der Hitze des Gefechtes ein wenig aus dem Ruder gelaufen war."

Thomas Faust schätzte seine Kommissarin aufgrund ihrer forschen Art, an die Fälle heranzugehen. Aber an ihrer Ausdrucksweise hätte er gern etwas geändert, vor allem, wenn sie ihn mit Scheffe ansprach, auf eine nur ihre eigene Weise, die ihm jedes Mal einen Schauer versetzte und für ihn genauso schlimm war wie das Wort Einzigste oder die falsche Verwendung eines Dativs, wie sie gern in seiner Dienststelle gepflegt wurde. Reagierte er darauf mit einer Zurechtweisung, erntete er zumeist nur ein Achselzucken und bestenfalls die Anmerkung, das wäre nun einmal umgangssprachlich so üblich im Braunschweigischen. Schönen Dank dafür!

4.

Bildvergleiche mit Körpergröße hatten die ersten Hinweise gegeben, als man dann die Akte „Rietzel" durchsah, fand sich tatsächlich ein Foto von dem Mann, wo er ein T-Shirt mit dem gleichen Emblem trug – zwar kein Hoodie, aber die Verbindung schien auf der Hand zu liegen. Also fuhren Lichtner und Faust mit einem zivilen Dienstfahrzeug in die Weststadt, wo der Mann wohnte. Allerdings reagierte niemand auf ihr Klingeln, und als sie die defekte Eingangstür des Wohnblockes aufstießen, quoll der Briefkasten von Karl-Heinz Rietzel über von Reklame und nichts deutete darauf hin, dass der Mann in der letzten Zeit mal zu Hause war.

„Was meinst du, wollen wir mal dem Klubgelände der Wölfe einen Besuch abstatten?", erkundigte sich Faust.

„Ist das nicht in der Wolfsburger Gegend?"

„Ja, auf einer ziemlich abgelegenen Weide, von der Straße nicht einsehbar. Also?"

Petra Lichtner war schon an der Beifahrertür und Faust stieg ein, startete und fuhr aus der Weststadt zurück auf die A39. Sie waren trotz des starken Verkehrs eine gute halbe Stunde später in dem Waldgebiet vor Wolfsburg.

Petra Lichtner bewunderte den Orientierungssinn ihres Vorgesetzten, der nicht einmal anhielt, um sich umzusehen, sondern nach Verlassen der A39 bei Mörse plötzlich in einen Feldweg einbog und sich an einer Wegkreuzung östlich hielt.

„Ganz sicher?", erkundigte sie sich nach einer Weile, denn die Asphaltierung der Straße hörte plötzlich auf und ging in den festgefahrenen Untergrund eines einfachen Feldweges über.

„Ja. Etwa fünfhundert Meter von uns befindet sich die Revierförsterei Rotehof an der Straße Uhlenhorst. Wenn wir dort sind, haben wir den Teich und das Gelände verpasst. Da drüben ist es."

Petra erkannte zwischen den Bäumen das dunkle Wasser des Stemmelteiches. Noch ein Stück weiter war der Feldweg ziemlich aufgeweicht und von zahlreichen Fahrzeugspuren zerfurcht. Hier hielt Faust an, stieg aus und drückte die Fahrzeugtür leise an. Mit einem Griff überzeugte er sich, dass seine Dienstwaffe leicht erreichbar saß und ging voraus.

Je näher sie dem Grundstück kamen, umso deutlicher lag Brandgeruch in der Luft. Dann mussten sie zwischen dicht stehenden Kiefern hindurch und erreichten die Lichtung, die sie vor Jahren schon einmal betreten hatten, damals jedoch in Begleitung einer Hundertschaft. Es bestand der Verdacht, dass im Klubheim der Wölfe eine kriminelle Vereinigung tagte, Waffen und Drogen besaß und von hier aus nächtliche Raubzüge in die Umgebung bis nach Wolfsburg hinein unternahm. Als Faust jetzt zu den nicht mehr rauchenden Überresten des Klubhauses schritt, dachte er an die damalige Aktion, die sich als völlig überzogen herausgestellt hatte. Es mochte eine raue Truppe sein, die sich hier in Lederhosen und mit Lammfelljacken darüber versammelte, Bier und Honigmet aus Kuhhörnern trank und wilde Lieder gröhlte, aber es gab weder Waffen noch ein einziges Gramm Rauschgift, noch nicht einmal den sogenannten persönlichen Bedarf. Bei der Überprüfung der Personalien ergaben sich zwar einige Vorstrafen und in einem Schuppen stand ein uralter Ford, dessen TÜV-Untersuchungen um ein halbes Jahr überschritten war. Doch damit hörte auch alles auf, was Anlass zur Sorge bot.

Man zog ab, die Wölfe lachten breit über ihre Gesichter, verzichteten jedoch auf irgendeine Form aggressiven Verhaltens. Heute nun bot sich den beiden Beamten ein völlig anderes Bild. Alles war niedergebrannt, und das offensichtlich schon seit mehreren Tagen. Faust schritt auf der einen Seite das Gelände ab, seine Kollegin auf der anderen, bis sie sich wieder trafen und zum Auto zurückkehrten.

Da fiel nicht weit von ihnen entfernt ein Schuss, und die Polizisten zogen sofort ihre Dienstwaffen.

„Das kam von dort drüben!", sagte Petra Lichtner und deutete in die Richtung. Faust antwortete ihr mit einem Zeichen, und die beiden beeilten sich, durch den Wald zu der Stelle zu gelangen. Nach kaum fünfzig Metern entdeckten sie eine Bewegung zwischen den Bäumen und achteten jetzt darauf, dass sie die Bäume als Deckung nutzen konnten.

Faust war etwas vorausgeeilt und drehte sich zu seiner Kollegin um, als sie einen Mann in gebückter Haltung vor einem Hochstand sahen. Was er da im hohen Gras tat, war nicht sofort zu erkennen. Sein Jagdgewehr mit montiertem Zielfernrohr lehnte seitlich an einem der Trägerbalken.

„Polizei – Hände hoch und hinter den Kopf!", rief Faust, als er die Lichtung betrat, die Dienstwaffe auf den Mann gerichtet. Dunkelgrüne Jagdkleidung, rot kariertes Hemd, ein breitrandiger Hut – offenbar ein Jäger, der am hellen Tag etwas geschossen hatte.

Der Mann richtete sich langsam auf und hob die Hände. Jetzt wurde ein langes Jagdmesser in seiner Rechten sichtbar.

„Was wollen Sie hier? Das ist Privatgelände, ich bin der Pächter!"

„Ganz ruhig, guter Mann. Wir waren in unmittelbarer Nähe und haben den Schuss gehört. Hier ist nirgendwo abgesperrt, wie kommen Sie also dazu, am helllichten Tag hier im Wald auf etwas zu schießen?"

Petra stand jetzt zwischen dem Mann, der noch immer im Gras kniete, und seinem Jagdgewehr. Mit raschem Griff nahm sie es auf, prüfte die Sicherung und hing sich den Gewehrriemen über die Schulter.

„Messer weg!", schnauzte sie den Mann an, und gehorsam ließ der es fallen.

Als die beiden noch einen Schritt näher traten, erkannten sie vor dem Jäger den Körper eines Jagdhundes mit braun-weiß geflecktem Fell.

„Haben Sie etwa Ihren Hund erschossen?", fauchte ihn Petra an und sah ungläubig von dem Jäger zu dem Hundekörper und wieder zurück.

„Das habe ich tatsächlich, aber ich habe meinen armen Nico damit erlöst. Sehen Sie selbst, was die Schweine mit ihm gemacht haben!"

Faust beugte sich über den Hund und sah die Bügelfalle, in die das Tier getreten war. Sie hatte ihm beide Hinterläufe glatt durchschlagen. Der aufgewühlte Untergrund bewies, wie sehr das Tier gelitten haben musste.

Die Beamten hatten ihre Waffen längst ins Holster gesteckt und ließen den Mann aufstehen. Während Petra seinen Ausweis kontrollierte, erkundigte sich Thomas Faust: „Was ist hier passiert?"

„Können Sie sich das nicht denken?, brummte der Jäger und deutete auf den toten Hund. „Diese Schweine haben ausgerechnet hier beim Hochstand eine Bügelfalle so aufgestellt, dass mein Nico hineintreten musste. Er hatte Witterung aufgenommen und war mir vorausgelaufen, als es passierte. Glauben Sie mir, seine Schreie werde ich nie im Leben vergessen!

„Wir verstehen Sie natürlich, Herr – Ewers!, sagte Petra Lichtner nach einem raschen Blick auf den Ausweis, den sie ihm jetzt zurückgab. „Aber Sie können trotzdem nicht einfach hier Ihren Hund erschießen, wenn möglicherweise Spaziergänger im Wald unterwegs sind, die getroffen werden könnten!

„Unsinn!, rief der Mann erbost aus. „Ich habe ihm den Gnadenschuss gegeben, aus unmittelbarer Nähe. Da konnte nirgendwo im Wald jemand getroffen werden!

„Es handelt sich bestenfalls ...", begann Faust, aber Ewers unterbrach ihn wütend.

„Was laufen Sie eigentlich hier in meinem Wald herum und richten Ihre Dienstwaffen auf mich? Haben Sie die Schilder nicht gesehen?"

„Wir sind über den Feldweg gekommen, da stehen keine Schilder!"

„Und ob da welche stehen!, brüllte der erboste Mann jetzt laut heraus. „Aber wahrscheinlich haben diese Brüder sie wieder einmal herausgerissen und ins Unterholz geworfen! Selbst eine einfache Schranke hatte ich vor ein paar Wochen unten am Feldweg angebracht, die ist allerdings seit ein paar Tagen wieder verschwunden!

„Meinen Sie mit den Schweinen die Leute vom Klubhaus da hinten?"

„Wen denn sonst, wenn nicht diese Jung-Nazis?"

„Nicht so voreilig mit solchen Behauptungen, Herr Ewers! Wir haben die Wölfe vor einiger Zeit überprüft und weder Drogen noch rechtsradikales Material im Klubhaus gefunden. Wissen Sie vielleicht etwas über den Brand? Das Klubhaus ist ja vollständig zerstört!"

Jetzt ging ein Grinsen über das Gesicht des Jägers, und mit einem heftigen Kopfnicken sagte er: „Natürlich habe ich den Brand vor zwei Nächten bemerkt und auch die Feuerwehr alarmiert, was glauben Sie denn? Die Freiwillige Feuerwehr von Hattorf und Flechtorf war sofort im Einsatz und hat verhindert, dass durch das Feuer Bäume beschädigt wurden."

„Dann ist der Brand also aktenkundig. Und Sie sind als Pächter des Waldes auch zuständig für das abgebrannte Klubhaus?"

„Ja, die Burschen hatten es mal vor gut fünf Jahren von mir gemietet. Damals haben sie sich als harmlose Pfadfindergruppe vorgestellt. Ha, schöne Pfadfinder, diese Wölfe! Und so christlich dazu!"

„Was meinen Sie denn mit christlich?"

Ewers nahm jetzt eine neben dem Hochstand liegende Schaufel auf und wollte offenbar an Ort und Stelle ein Grab für seinen Hund ausheben.

„Na, angeblich handelte es sich um eine Pfadfindergruppe aus Braunschweig, die zur Gemeinde von irgend so einem Heiligen gehören sollte ... den Namen habe ich vergessen. Halt, ich weiß es wieder, Sankt Lukas sollte das sein, aber auf eine Nachfrage von mir kannte dort niemand eine solche Gruppe."

„Und wer war Ihr Ansprechpartner?"

„Karl-Heinz Rietzel, der Präsident dieser angeblichen Pfadfinder. Er hat fast das ganze Jahr über im Clubhaus gewohnt. Nicht offiziell natürlich, da hat er eine Adresse in Braunschweig. Aber wenn ich hier im Revier unterwegs war, bin ich ihm fast täglich begegnet."

„Und wie hat er sich da verhalten?"

„Wie soll er sich verhalten haben? Meistens haben wir kein Wort miteinander gewechselt, und Rietzel wusste genau, dass ich ihm das Betreten des restlichen Waldes untersagt hatte. Aber keiner hat sich daran gehalten, weder er noch einer seiner Kameraden. Und ich habe ihnen untersagt, noch einmal mit Motorrädern auf das Grundstück zu fahren."

„Motorräder? Daher also der aufgewühlte Feldweg. Aber Pfadfinder mit Motorrädern – das passt ja nun wirklich nicht zusammen!", antwortete Faust mit ironischem Unterton.

„Sage ich doch, die waren ja auch alles andere als Pfadfinder. In meinen Augen wurde das Klubhaus in den letzten Monaten von einer Motorrad-Bande für ihre Diebeszüge benutzt. Ich hätte sonst was darum gegeben, wenn ich die Burschen losgeworden wäre!"

„Konnten Sie nicht den Mietvertrag einfach kündigen, wenn man sich nicht an die Anweisungen von Ihrer Seite gehalten hat?"

Ewers stieß einen prustenden Laut aus.

„Sie sind gut, Mann! Wissen Sie, was mir dieser Rietzel gesagt hat? Er besteht auf Erfüllung des Vertrages, solange die vereinbarte Laufzeit noch nicht vorbei ist. Sollte ich ihm mit einer vorzeitigen Kündigung kommen, sollte ich ihn kennenlernen! Richtig massiv bedroht hat er mich! Der Kerl ist gemeingefährlich und gehört längst weggeschlossen! Ewers hatte sich erneut in Rage geredet. „Sie hätten mal erleben sollen, wie er reagiert hat, als ich denen verboten habe, den Feldweg mit Motorrädern zu benutzen! Er hat mich am Hemd gepackt und angeschrien, dass niemand von seinen Leuten ein Motorrad besäße, noch nicht einmal ein kleines Moped oder einen Roller! Sie müssten schon für den Transport ihrer Ausrüstung mindestens einen PKW benutzen, am besten natürlich einen Kombi oder einen Bus!

„Gut, wir melden uns noch bei ihnen, Herr Ewers, wegen der Hundetötung. Ach, noch etwas. Hatte Rietzel ein Handy? Und haben Sie seine Nummer?"

„Natürlich hatte der Typ ein Handy, die Nummer habe ich bei mir gespeichert, gebe ich Ihnen gleich!, antwortete Ewers und zog sein Mobiltelefon heraus. „Diese sogenannten Wikinger hatten alle modernen Dinge, im Klubhaus gab es sogar ein Laptop, das ich bei einem meiner Besucher eingeschaltet gesehen hatte. Zu sehen waren auf dem Bildschirm irgendwelche Ausgrabungsfunde, das habe ich deutlich erkennen können, als ich mit Rietzel und Huschke wieder einmal eine Auseinandersetzung wegen der Waldwegbenutzung hatte.

Er gab Faust die während des Gespräches herausgesuchte Handy-Nummer, und der Kriminalrat tippte sie in sein Adressverzeichnis ein.

Damit kehrten die beiden wortlos zu ihrem Fahrzeug zurück.

Unterwegs führte Petra Lichtner ein paar Telefongespräche und sorgte dafür, dass die beiden Feuerwehren zusammen mit Beamten der Bereitschaftswache von Königslutter das Klubgelände noch einmal gründlich durchsuchten.

5.

„Treffer!", sagte Petra , als Faust in den Dienstraum trat, und legte den Hörer auf. Sie war allein im Raum, die anderen Kollegen waren nach einer kurzen Auswertung vor gut zwei Stunden noch einmal zu dem abgebrannten Klubhaus gefahren.

„Das heißt?"

„Männlicher Toter im Waldstück, nahe dem abgebrannten Klubhaus. Mit Sicherheit handelt

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