Fürstenkrone 141 – Adelsroman: Küsse in der Nacht

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Fürstenkrone 141 – Adelsroman: Küsse in der Nacht

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Länge: 104 Seiten1 Stunde

Beschreibung

Romane aus dem Hochadel, die die Herzen der Leserinnen höherschlagen lassen. Wer möchte nicht wissen, welche geheimen Wünsche die Adelswelt bewegen? Die Leserschaft ist fasziniert und genießt "diese" Wirklichkeit.

Vom Fenster ihres Vaterhauses aus sah Gabriele das Meer, das wie ein lebendiges Bild in einem Rahmen eingespannt zu sein schien, und das Mädchen wurde nicht müde, die wechselnden Farben dieses Bildes zu betrachten. Auch jetzt stand sie müßig am Fenster und sah durch das verblühte Weinlaub, das sich um das kleine Haus des Kapitäns Daniel Lauritz rankte, auf das Meer hinaus. Der schrille Schrei einer Schiffssirene zerriß die Stille, und das Mädchen fuhr zusammen. Sie hatte keine Zeit, untätig hier zu stehen. Am nächsten Tag wollte ihr Vater von langer Fahrt nach Hause kommen, und sie mußte noch sehr viel tun, um alles für seinen festlichen Empfang vorzubereiten. Eilig nahm sie das Staubtuch wieder auf und begann, die Vitrine zu polieren, in der der Kapitän Daniel Lauritz wahre Prachtstücke von selbstgebastelten Segelschiffen verwahrte. Sie betrachtete das schönste Exemplar, das die getreue Nachbildung des Schulschiffes war, auf dem Kapitän Daniel Lauritz Seekadett gewesen war. Dann griff Gabriele nach dem Bild des Vaters. Es zeigte einen grauhaarigen Mann mit kühnem Profil und furchtlosen Augen. Eigentlich ist es merkwürdig, dachte Gabriele, während sie den silbernen Rahmen des Fotos blankrieb, daß ich Papa überhaupt nicht ähnlich sehe. Er war früher einmal blond, und ich bin dunkelhaarig. Er hat blaue Augen, aber die meinen sind schwarz. Überhaupt finde ich nicht die kleinste Kleinigkeit, in der wir uns äußerlich gleichen. Wahrscheinlich bin ich ganz nach meiner Mutter geartet. Die Tatsache, daß sie ihre Mutter nie gekannt hatte, war Gabrieles großes Herzeleid. Insgeheim träumte sie stets davon, wie schön es sein müsse, eine Mutter zu haben, und sie beneidete jeden glühend, der noch eine Mutter besaß. Sie hatte nur Tante Berti, die Schwester ihres Vaters, die das Hauswesen versorgte. Freundinnen hatte Gabriele nicht. Sie war schon als Kind zu verschlossen und zurückhaltend gewesen, um Freundschaften zu schließen, und nun stand sie mit ihren zweiundzwanzig Jahren ziemlich allein. Ich darf trotzdem nicht undankbar sein, schalt sie sich, während sie mit dem Staubtuch dem großen Globus zu Leibe rückte.
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