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Die Tochter des Suebenfürsten: Teil 2 des Doppelbandes

Die Tochter des Suebenfürsten: Teil 2 des Doppelbandes

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Die Tochter des Suebenfürsten: Teil 2 des Doppelbandes

Länge:
333 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 18, 2019
ISBN:
9783743898608
Format:
Buch

Beschreibung

Mystische Liebesromanze, die eine Brücke zwischen der Antike und der Jetztzeit schlägt.

Vorübergehend zum günstigen Sonderpreis!

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Klappentext:
 
Sighild liebt Raik, und Raik liebt Sighild. Beide ahnen nichts von ihren jeweiligen Gefühlen füreinander, denn diese sind verboten. Als Tochter des Suebenfürsten Ariovist ist sie unerreichbar für den jungen Wachmann aus dessen Gefolge. Doch die Unruhen des gallischen Krieges, in dem Germanen und Römer um die Vorherrschaft in Gallien kämpfen, reißen die beiden brutal aus ihrem vertrauten Umfeld. Nachdem sie Hilfe von unerwarteter Seite erhalten haben, müssen sie sich gemeinsam in einer fremden Welt behaupten. Raik hatte einst geschworen, dass er für Sighild sterben würde, aber er begreift, dass ein ganz neues Leben unter vermeintlichen Feinden weitaus mehr Mut erfordert als der Heldentod. Während die beiden entdecken, wie tief ihre Empfindungen füreinander sind, droht neue Gefahr.
Ist ihre Liebe stark genug, um Raum und Zeit zu überdauern?

Unterdessen müssen Arduinna und Askan ihre ganz eigenen Kämpfe ausfechten und mit den Folgen leben, die nach der Begegnung mit Julius Cäsar ihr Schicksal besiegeln.

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Seitenumfang: 400 Taschenbuch-Normseiten

Inklusive Bonuskapitel in Form der in sich abgeschlossenen Kurzgeschichte "Die Erben des Keltenfürsten"

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Leseempfehlung: Ab 16 Jahren
 
Herausgeber:
Freigegeben:
May 18, 2019
ISBN:
9783743898608
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Die Tochter des Suebenfürsten

Buchvorschau

Die Tochter des Suebenfürsten - Isabelle Vannier

München

Über das Buch

Mystische Liebesromanze, die eine Brücke zwischen der Antike und der Jetztzeit schlägt

Klappentext:

Sighild liebt Raik, und Raik liebt Sighild. Beide ahnen nichts von ihren jeweiligen Gefühlen füreinander, denn diese sind verboten. Als Tochter des Suebenfürsten Ariovist ist sie unerreichbar für den jungen Wachmann aus dessen Gefolge. Doch die Unruhen des gallischen Krieges, in dem Germanen und Römer um die Vorherrschaft in Gallien kämpfen, reißen die beiden brutal aus ihrem vertrauten Umfeld. Nachdem sie Hilfe von unerwarteter Seite erhalten haben, müssen sie sich gemeinsam in einer fremden Welt behaupten. Raik hatte einst geschworen, dass er für Sighild sterben würde, aber er begreift, dass ein ganz neues Leben unter vermeintlichen Feinden weitaus mehr Mut erfordert als der Heldentod. Während die beiden entdecken, wie tief ihre Empfindungen füreinander sind, droht neue Gefahr. Ist ihre Liebe stark genug, um Raum und Zeit zu überdauern?

Unterdessen müssen Arduinna und Askan ihre ganz eigenen Kämpfe ausfechten und mit den Folgen leben, die nach der Begegnung mit Julius Cäsar ihr Schicksal besiegeln.

Inklusive Bonuskapitel in Form der in sich abgeschlossenen Kurzgeschichte Die Erben des Keltenfürsten.

Am Buchende ist ein Kapitel mit historischen Anmerkungen angefügt. Wie immer gilt: Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, und bitte darum, mir eventuelle trotzdem unterlaufene historische Ungenauigkeiten zu verzeihen, die über die bewusst ausgedehnte künstlerische Freiheit hinausgehen.

Kapitel 1 : Die Fremden

Gewandet in ihr bestes Kleid, mit würdevoller Haltung und stolz erhobenem Kopf stand Sighild in der kleinen Empfangshalle der Festung und wartete darauf, dass man ihr die beiden Gefangenen vorführte.

Nachdenklich musterte sie den kunstvoll geschnitzten mächtigen Thron, auf dem ihr Vater Ariovist bei wichtigen Anlässen zu sitzen pflegte. Sie fragte sich, wie lange es dauern würde, bis sie wieder Feste in der Halle feiern konnten, so wie in ihrer Kindheit, mit Musik und Tanz. An diese glücklichen Zeiten konnte sie sich kaum noch erinnern. Nun herrschten Unruhen und Krieg vor. Lange hatte ihr Vater versucht, seine Familie abzuschirmen vom Wissen um die Gefahr, die ihnen drohte. Doch als diese immer näher kam in Form der römischen Truppen, gelang es ihm nicht mehr. Trotzdem hatte er angesichts des Wehklagens ihrer Mutter klargestellt, dass es nicht Angelegenheit der Frauen war, sich darum Gedanken zu machen. Es sei allein Männersache.

Sighild, von den Ihren üblicherweise bei ihrem Kosenamen Hildiko gerufen, liebte und achtete ihren Vater. Sie fand aber dennoch, dass es Frauen durchaus etwas anging, was um sie herum geschah, insofern auch ihre Leiber und Leben betroffen waren. Dies war mit ein Grund, warum sie, gänzlich gegen alle Regeln, darauf bestanden hatte, dass man ihr die Gefangenen zu einer Befragung überließ. Vielleicht konnte sie aus diesen mehr herausbekommen, als ihr die Mannen ihres Vaters bereit waren zu sagen, was den Krieg mit den Römern anging. Die beiden Fremden mussten in der Nähe der Schlachtfelder gewesen sein, und vielleicht hatten sie sogar Kunde vom Befinden ihres Vaters.

Als sie Schritte nahen hörte, straffte sie sich und atmete tief ein. Aufregung und Neugier durchströmten sie. Trotz der Warnung der Seherin empfand sie keine Furcht, denn sie vertraute auf den Schutz der Wachleute ihres Vaters. Insbesondere dachte sie dabei an einen ganz Bestimmten. Raik, der einen immer größeren Teil ihrer Gedankenwelt einnahm, ohne es zu ahnen. Jedesmal wenn sie ihn sah, schlug ihr Herz schneller, genau wie jetzt, da er ihr gemeinsam mit dem Wachmann Wisgard die Gefangenen brachte. Sie suchte den Blick ihres heimlich Angebeteten, noch ehe sie die Fremden überhaupt in Augenschein nahm, und ihr Herz dehnte sich in ihrer Brust, als er ihre Musterung erwiderte. Was sie wurmte war nur die schiere Unergründlichkeit seiner Miene, die ihr immer noch so rätselhaft war wie seit dem Tag einen Sommer zuvor, an dem sie sich ihrer Empfindungen für ihn bewusst geworden war. Er gab nie preis, was er dachte, und wenn er das Wort an sie richtete, dann fühlte sie sich entweder wie ein Kind oder seine unerreichbare Herrin. Beides missfiel ihr, auch wenn sie wusste, dass sie nie etwas anders für ihn sein konnte – geschweige denn durfte.

Sie bemühte sich um eine feste, hoheitsvolle Stimme, auch um den Gefangenen ihren Stand zu verdeutlichen, als sie den beiden Wachen ihren Dank für die schnelle Ausführung ihres Befehls aussprach.

Dann musterte sie einen Augenblick lang die Fremden, die merkwürdig gefasst schienen dafür, dass sie gefangengenommen worden waren.

Die Frau hatte eine ähnlich stolze Haltung wie sie selbst und konnte nur wenige Jahre älter sein. Auffallend waren ihr flammend rotes Haar, in einem geflochtenen Zopf gebändigt, und ihre ungewöhnliche Gewandung. Letztere war eines Weibes unziemlich. Nachlässig gegerbte Beinkleider, als hätte deren Trägerin es eilig gehabt, umschlossen schlanke Waden und ihr Oberkörper war nicht in Linnen, sondern nach Männerart ebenfalls in frisch bearbeitete, anschmiegsame Tierhaut gehüllt. Die ärmellose Tunika lag derart eng am zierlichen Körper der Fremden, dass es wie Kriegerkleidung anmutete. Waren alle Gallierinnen so gewandet? Sie hatte kaum Kontakt zu den Frauen des Volkes gehabt, das ihr Vater zu beherrschen suchte, bis auf vereinzelte Sklavinnen, die man jedoch bereits in Germanenkleidung gesteckt hatte, ehe man sie zur Verrichtung niederer Arbeiten in die Wohnburg brachte. Was sollte sie wohl mit diesen beiden Fremden anfangen? Sie sahen nicht so aus, als ob sie sich in den Sklavendienst fügen würden, vor allem der Mann. Von fast beängstigend kraftstrotzender Statur, ähnlich der des hochgewachsenen Raik, strahlte er einen Kampfeswillen aus, der sie an ihren Vater erinnerte, als dieser in die Schlacht aufgebrochen war. Außerdem besaß er flachsfarbenes Haar, wie viele Männer ihres Volkes. Lediglich das Fehlen eines seitlichen Haarknotens, den zum Beispiel auch Raik trug, verriet ihr, dass er wohl kein Germane sein konnte.

Um sich nicht die Blöße zu geben, dass man ihr die Verwunderung und Beunruhigung ansah, wandte sie sich hoheitsvoll an Raik und ordnete an: »Du wirst den beiden meine Worte übersetzen, sofern sie unserer Sprache nicht mächtig sind. Du beherrscht doch das keltische Gallisch vorzüglich, soweit mir bekannt ist?«

Unbehaglich räusperte sich Raik und fragte sich wie schon so oft, was die Tochter seines Herrn von seiner Herkunft wusste, die der Grund für seine Sprachkenntnisse war. Ebenso sein dunkles Haar und die nussfarbenen Augen, welche bei den Germanen nur selten vorkamen. Würde sie ihn verabscheuen, wenn sie wüsste, dass er der Sohn einer gallischen Sklavin war, die unstandesgemäß von seinem Vater, ihrem Besitzer, geschwängert worden war? Dessen guten Beziehungen zu Ariovist war es zu verdanken, dass über seine Herkunft Stillschweigen bewahrt wurde, als er aufgrund seiner kämpferischen Begabung in die Dienste des Suebenfürsten eintrat. Doch er vergaß es nie. Er vergaß nie, dass er von noch niedrigerem Stand war als seine junge Herrin es je ahnen würde, und beschämenderweise zur Hälfte dem feindlichen Volk der Haeduer angehörte. Im Herzen war er jedoch Germane, durch und durch. Er verachtete seine Wurzeln, denn so hatte sein Vater es ihm vorgelebt, nachdem er dem Kindesalter entwachsen war. Was Hildiko darüber dachte sollte ihn ohnehin nicht kümmern, sagte er sich. Er war nur dazu da, ihre Befehle zu befolgen und die ihres Vaters, wenn dieser von den Schlachtfeldern zurückkehrte.

Also nickte er ehrerbietend und antwortete: »Ja, ich bin des Keltischen mächtig. Wir haben uns bereits dessen vergewissert, dass die beiden die germanische Sprache nicht beherrschen. Was sie hier wollen haben sie uns noch nicht erzählt.«

»Nun, das werden wir hoffentlich sogleich herausfinden«, kam es von Sighild. Ihr Tonfall war ernster, als er es von ihr gewohnt war. Er spürte, wie sehr sie ihre Anspannung zu verbergen versuchte und bewunderte sie für ihren Mut. Rechtzeitig mahnte er sich, seine Bewunderung nicht offen zur Schau zu stellen, sondern erwartete mit bemüht ausdrucksloser Miene ihre nächsten Worte. Sie atmete tief ein und er senkte den Blick, da ihr Gewand sich über ihrer zarten Brust spannte und Begehren in ihm weckte. Was für eine harte Prüfung seiner Selbstbeherrschung, auf die er einiges hielt. Er hatte bei keinem Weib mehr gelegen, weder Dienstmagd noch Sklavin, seit Hildiko seine Sinne verwirrte. Er konnte es nicht, obwohl er aus dieser Zurückhaltung keinen Nutzen zog. Im Gegenteil. Das Kribbeln seiner Lenden brachte ihn manchesmal fast um den Verstand. Er wusste kaum noch, wie es war, sich in einem Weib zu versenken, denn seine Erfahrungen beschränkten sich auf ein einziges Mal. In der Kriegerausbildung hatte er sich auf Drängen seiner Kampfgefährten vor einer Wanderdirne zum Mann machen lassen. Eine lieblose Erfahrung, die er gern verdrängte. Als Sklavensohn und mittelloser Bastard war er im Haushalt seines Vaters jenseits des Rhenos ohnehin kein erstrebenswerter Bettpartner der Frauen gewesen, und später hatte seine verantwortungsvolle Aufgabe als Wachmann in Ariovists Wohnburg all seine Aufmerksamkeit gefordert. So wie auch jetzt, da er die Gefangenen, vor allem den fremden Hünen, misstrauisch im Blick hatte. Er würde eher sterben als zuzulassen, dass Sighild ein Leid zugefügt wurde. Allerdings zum geringsten Teil aus Pflichtbewusstsein.

Die liebliche Stimme seiner Herrin riss ihn aus diesen Gedanken. Sie bat ihn, die Gefangenen zu befragen was sie hierher geführt hatte, und er kam der Aufforderung umgehend nach.

Der blonde Hüne ergriff das Wort und antwortete, mit ebenso erstaunlicher Sachlichkeit, wie er sich gebärdet hatte, seit sie die beiden ergriffen hatten: »Wir sind gekommen, um euch zu warnen. Verräter sind unter euch, von Cäsar beauftragt, sich der Frau und der Töchter Ariovists zu bemächtigen.«

Askan konnte der spöttischen Miene seines Gegenübers entnehmen, dass dieser ihn für umnachtet hielt und daher keine Anstalten machte, seine Worte zu übersetzen. Aber damit hatte er schließlich gerechnet. Wer würde schon ohne Weiteres vermeintlichen Feinden Glauben schenken. Dass er nicht dem verbündeten Sequanerstamm angehörte, verriet sein Dialekt, der eher dem der Haeduer und dem Arduinnas ähnelte. Wenn der junge germanische Wachmann, dessen Keltisch interessanterweise ebenso fehlerfrei war, nur die Wahrheit wüsste. Dieser konnte erst seit wenigen Jahren in seines Vaters Diensten sein, sonst würde er ihn kennen. Aber was würde ihm das nutzen, schließlich hätte der Mann trotzdem keine Erinnerung an ihn. Genausowenig wie seine Schwester. Er war verblüfft, dass schon fast eine Frau aus ihr geworden war, denn in Gedanken hatte er sie immer nur als kleines Mädchen gesehen. Umso schlimmer waren die Dinge, die Feinde mit ihr anstellen konnten, sagte er sich grimmig. Das durfte er nicht zulassen. Der wichtigste Teil seines Vorhabens war geglückt, und zwar unversehrt in die Wohnburg zu gelangen. Was auch immer nun geschehen würde, ob man ihm glaubte oder nicht, zumindest war er näher bei seiner Mutter und seinen Schwestern und würde jede Gelegenheit nutzen, sie zu beschützen. Zunächst war er absolut dagegen gewesen, dass Arduinna ihn auf dieses gefährliche Unterfangen begleitete, anstatt im nahen Wald, in Sicherheit, zu warten. Doch er hatte sich ihrer Überzeugungskraft beugen müssen. Ihr eindringlicher Einwand, dass zwei Kämpfer besser waren als einer, leuchtete ein.

Auf ihrem Weg hierher, fast einen halben Mondlauf lang, hatte er sie abends am Feuer gründlich in der Kampfkunst unterwiesen. Sie wusste sich nun mit oder ohne Waffen zu verteidigen, und ihrem fast ungesunden Eifer war anzumerken, dass sie auch nicht davor zurückschrecken würde, zu töten, wenn es nötig war. Sie hatte ihm erzählt, dass man sie bereits dazu gezwungen hatte, und so widerlich ihre Lage in jenem Augenblick gewesen war, würde sie diesem Scheusal jederzeit wieder die Kehle aufschlitzen. Ihr Blick war wild gewesen bei diesen Worten und er wusste, dass sie dabei auch an den Römer Cäsar dachte, der ihr die Würde genommen hatte. Sie war getrieben von ihrem Hass, das spürte er. Frieden fand sie nur während ihrer körperlichen Vereinigung. Dann war sie anschmiegsam und genoss seine Zärtlichkeit, die seine tiefe Liebe für sie ausdrückte. Doch all das geschah wortlos. In stillem Einvernehmen beschlossen sie beide, dass die Zeit für Liebesschwüre und Zukunftspläne noch nicht gekommen war. Es gab einfach noch zu viele Gefahren und Aufgaben zu meistern. Die Schlachtfelder hatten sie zwar weiträumig umrundet, waren aber immer wieder auf übel zugerichtete Tote sowie auf Verletzte gestoßen, die sich vom Schauplatz des Kampfes weggeschleppt hatten. Askan hatte versucht, sich nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihm das zusetzte, weil er in jedem Kriegsopfer seinen Vater vermutete. In Arduinnas Augen jedoch hatte angesichts des Leids der Römer und Germanen jedesmal eine Genugtuung aufgeblitzt, die er ihr nie zugetraut hätte. War das wirklich dieselbe Frau, die sogar dem Wildbret die letzte Ehre erwies? Das tat sie zwar immer noch, zum Beispiel mit dem Reh, dessen hastig gegerbtes Leder sie jetzt trug, aber sie hatte sich verändert. Seine Liebe zu ihr war jedoch ungebrochen. Immerhin war sie es, die ihn einst mit ihrem wachen Geist, ihrem Mut und ihrem gütigen Wesen verzaubert und zu einem besseren Mann gemacht hatte. Er hoffte, dass sie wieder zu sich selbst finden würde, wenn sie ihre wohlverdiente Rache erhielt und wenn der Krieg vorbei war. Es stand in den Sternen, wer siegen würde und welches Schicksal diesem Land dann blühte. Er konnte nichts tun, um das zu beeinflussen. Das Einzige was er tun konnte, war zu versuchen, ein schlimmes Schicksal von seiner Sippe abzuwenden. Auch wenn diese nicht einmal wusste, wer er war.

Bekümmert suchte er den rätselnden Blick der jungen Burgherrin und fragte sich, warum sie diese Rolle ausführte und nicht ihre Mutter. War diese wohlauf? Doch es stand ihm nicht zu, sie danach zu fragen.

Stattdessen sah er ihr fest in die Augen und richtete das Wort direkt an sie, so als könnte sie ihn verstehen: »Ich weiß, du wirst mir nicht glauben, was deine Mannen nicht wagen, dir zu übersetzen, aber es ist wahr.«

Sighild runzelte die Brauen. Sie war ungehalten, weil Raik ihr die Worte des Mannes nicht weitergegeben hatte. Was immer dieser auch zu sagen hatte, es schien wichtig zu sein, wie an seinem eindringlichen Blick zu erkennen war. Raik hielt sie wohl wirklich immer noch für ein Kind, das nicht alles zu wissen brauchte. Mit zurückgehaltenem Groll blitzte sie den jungen Wachmann an und forderte ihn auf: »Ich befahl dir, mir seine Worte zu übersetzen.«

Unwillig, zu ihrem Unmut, schnaubte Raik und entgegnete: »Herrin, es widerstrebt mir, Euch mit der Dreistigkeit dieses Fremden zu behelligen. Er redet wirr.«

»Dennoch wünsche ich zu erfahren, was er sagte«, verlangte sie, nun voller Ingrimm. Warum nahm er sie nicht ernst? Ausgerechnet der Mann, dem sie insgeheim verfallen war.

Raik seufzte tief und antwortete widerwillig: »Er will uns weismachen, dass uns Gefahr durch Verräter droht. Vielleicht will er dadurch ja von seinen eigenen geplanten Schandtaten ablenken.«

Mit grimmiger Miene musterte er den Fremden, der seinen Blick ungerührt erwiderte. Er konnte ihn beim besten Willen nicht einschätzen. Warum war er mit einer derart seltsam gewandeten Frau gekommen? Waren sie auf Täuschung aus? Waren in Wahrheit sie diejenigen, die Übles vorhatten? Wie konnten sie glauben, dass sie damit Erfolg haben würden, angesichts der zahlreichen Wachleute? Es blieb ihm wohl nichts anderes übrig, als den Fremden noch gründlicher zu befragen. Der auffordernde, zornig lodernde Blick Hildikos verriet, dass sie am Rande ihrer Geduld war. Wenn sie wütend war, gewann sie noch an Schönheit. Wie ihre himmelsfarbenen Augen blitzten, wie ihre Lippen bebten und wie ihre Brust schwoll …

Um sich davon abzulenken setzte er ein betont eisiges Gesicht auf, ehe er von dem Fremden wissen wollte: »Warum sollte ich dir Glauben schenken? Und wenn es so wäre wie du sagst, warum warnst ausgerechnet du uns, als Angehöriger eines feindlichen Volkes? Was versprichst du dir davon? Eine Belohnung vielleicht? Für etwas, das du nicht beweisen kannst? Oder führst du in Wahrheit Übles im Schilde, gemeinsam mit deiner rothaarigen Dirne?«

Augenblicklich fuhr der Mann ihn zornbebend an: »Sie ist keine Dirne, wage es nicht, sie so zu bezeichnen.«

Die innige Verbindung zwischen den beiden war alles, wovon Raik wissen musste, um mehr aus dem Hünen herauszubekommen.

Er schmunzelte süffisant und entgegnete: »Nun, wenn sie keine Dirne ist, wäre dir sicher daran gelegen, dass wir sie nicht als eine solche behandeln.«

Er gab vor, das finster dreinblickende, wahrlich nicht unansehnliche Weib begehrlich zu mustern und raunte dann ihrem Gefährten zu: »Wenn dir ihre Unversehrtheit am Herzen liegt, sagst du besser die Wahrheit, Gallier.«

Askan schnaubte wütend und wand sich im festen Griff des anderen Wachmanns, der seinen Arm gepackt hatte, als er ausfällig geworden war. Er wollte sich nicht einmal vorstellen, in was für eine Gefahr er Arduinna gebracht hatte, indem er sie hierher mitnahm.

»Das wagst du nicht, sie auch nur anzufassen«, grollte er. »Ich sage die Wahrheit.«

Mit einem Mal war Tumult von draußen zu vernehmen. Man hörte Schwerter klirren, furchtbare Schreie und das Geräusch von splitterndem Holz. Alarmiert wandten sich die beiden Wachleute um. Diese Unaufmerksamkeit nahmen Askan und Arduinna zum Anlass, die beiden Männer anzugreifen um sie zu entwaffnen. Diese machten es ihnen jedoch nicht leicht und ließen sich die Schwerter nicht so einfach entwinden. Erbittert kämpften sie, während der Kampfeslärm von draußen verriet, dass dort ebenso vehement gefochten wurde.

Atemlos keuchte Askan: »Es ist, wie ich es euch sagte. Die Verräter haben schon angegriffen. Wir wollen euch nur beistehen. Überlasst uns Waffen und wir kämpfen für euch. Verlieren wir keine wertvolle Zeit.«

Der junge Dunkelhaarige, gegen den er kämpfte, schnaubte erbost und stieß hervor: »Ergib dich und du wirst sehen wie wir mit Verrätern verfahren. Mir scheint, die Verräter seid ihr und dientet als Ablenkung.«

»Nein«, grollte Askan und es gelang ihm, seinen Gegner mit einem kraftvollen Tritt zu Boden zu schicken. Er warf sich auf ihn und entwand ihm das Schwert, ehe er es gegen ihn erheben konnte. Aus den Augenwinkeln sah er, dass Arduinna sich einer Rachegöttin gleich mit wildem Blick rücklings an den Hals des anderen Wachmannes gehängt hatte und ihm die Luft abschnürte. Er röchelte bereits, doch es gelang ihm trotz seiner verzweifelten Bemühungen nicht, sich von dem festen Griff ihrer Arme um seinen Hals zu befreien. Sein Schwert lag schon auf der Erde. Sicher war er ein geübter Krieger, ebenso wie sein eigener Gegner, doch nichts kam an gegen die Macht der schieren Entschlossenheit. Und mit eben dieser wandte er sich an den sich wehrenden jungen Wachmann, den er fest zu Boden drückte, und zischte ihm zu: »Wir wollen euch nicht unschädlich machen, denn jetzt kommt es auf jeden Mann an. Ich werde dich nun loslassen, und dann werden wir mit euch gemeinsam die Frauen in Sicherheit bringen.«

Sein Blick fiel auf seine Schwester, die mit angstvollem Blick weit zurückgewichen war. Er hatte so sehr gehofft, ihr den Anblick eines Kampfes ersparen zu können. Anders als Arduinna war sie behütet aufgewachsen und mit derlei Gefahren sicher noch nie in Berührung gekommen. Er wusste, wieviel Wert sein Vater immer darauf gelegt hatte. Nicht einmal seine Mutter wusste mehr als unbedingt nötig über die Unternehmungen ihres Mannes. Es galt jetzt, sie und seine jüngste Schwester zu finden, ehe es zu spät war.

Ungeduldig funkelte er den jungen Dunkelhaarigen an und beschloss dann, auf dessen Verständigkeit zu hoffen. Er gab ihn frei, indem er sich aufrichtete, wahrte jedoch sicherheitshalber mithilfe des erbeuteten Kurzschwertes genügend Abstand und forderte ihn auf: »Lasst uns gemeinsam gehen, die Frauen brauchen unseren Schutz.«

Ein ungläubiges Starren war die Antwort des Mannes.

Inzwischen hatte auch Arduinna den anderen überwältigt. Röchelnd war er auf die Knie gefallen, woraufhin sie sich in einer fließenden Bewegung sein Schwert gegriffen hatte.

Nun hielt sie ihn in Schach und sah zu, wie ihm von dem jungen Dunkelhaarigen übersetzt wurde, was Askan forderte.

Auch sie war ungeduldig, aber nicht nur aus den Gründen, die Askan umtrieben. Inzwischen war ihr ganzes Sein nur noch von Rache erfüllt und sie konnte es kaum erwarten, sie an den verräterischen Germanen auszulassen. In ihren Augen waren zwar auch diese beiden hier ihre Todfeinde, doch sie brauchten sie als Kampfgefährten, so widersinnig es schien. Daher kam es nun auf Askans Überzeugungskraft an. Ein warmes Gefühl erfüllte sie, als sie seinen entschlossenen Blick sah. Ausgerechnet er, der Sohn des verhassten Ariovist, war es der ihr zeigte, dass man für etwas Gutes kämpfen konnte, für den Schutz anderer. Einzig die Liebe zu ihm ließ sie nicht vollends im Hass auf ihre Feinde versinken. Trotzdem war sie hochkonzentriert und ließ ihre Gegner nicht aus den Augen, ehe sie sicher sein konnte, dass sie auf ihrer Seite waren.

Ein kurzer Wortwechsel in der germanischen Sprache schien die Entscheidung zu bringen, denn daraufhin nickte der Jüngere von ihnen Askan mit ernster Miene zu und wandte sich dann an das Mädchen, welches mit angstvollem Blick an der Wand kauerte. Ihr früheres Ich hätte sich ihrer angenommen, um sie zu trösten und sie zumindest mit Gesten dessen zu versichern, dass ihr keine Gefahr von Seiten Askans drohte, aber sie war jetzt eine andere. Ihre Hilfsbereitschaft hatte sie durch eine Hölle der Entwürdigung geschickt in Form des Schlaflagers eines unersättlichen römischen Prokonsuls. Immer noch fürchtete sie, dass die Tage mit Cäsar Folgen haben könnten, die nicht absehbar waren und vielleicht sogar Askans Liebe zu ihr zerstören würden. Hätte sie nur geahnt, dass Askan nach ihr suchte, hätte sie sich dem Römer nie ausgeliefert. Unter anderem war sie auch deswegen derart getrieben, ihren inneren Aufruhr mit irgend etwas wett zu machen. Es verlangte sie nach Blut, während sie ihren eigenen Blutfluss und damit die Gewissheit sehnlichst erwartete.

Sighilds Herz raste und ihre Glieder zitterten. Diesmal nicht, weil Raik sich ihr näherte und sich mit beruhigenden Worten sogar vor sie kniete, sondern aus purer Angst. Diese beiden Fremden derart kampfeswütig zu erleben und ihren Angebeteten im Staub liegen zu sehen war mehr, als sie ertragen konnte. Wie sehr hatte sie sich in diesem Moment gewünscht, ebenso kampferprobt zu sein wie die wilde Gallierin, um ihm beistehen zu können. Sie begriff noch gar nicht recht, was nun vor sich ging. Sie hörte Raiks Worte kaum, die er an sie richtete, so sehr rauschte das Blut in ihren Ohren vor Furcht, die sie um ihn ausgestanden hatte. Noch nie hatte sie dergleichen empfunden. Doch als sie plötzlich seine Hand spürte, die sich sacht auf ihre Wange legte, stockte ihr der Atem und holte sie ins Hier und Jetzt zurück. Bei allen Göttern, er berührte sie! Ihre Augen weiteten sich und sie blickte völlig fassungslos in die nussfarbenen Tiefen seiner Iriden. Zum erstem Mal gestattete sie sich dies, obwohl draußen vor der Tür heilloser Aufruhr herrschte. Auf einmal gab es nur ihn und sie.

»Herrin, Ihr müsst jetzt stark sein und einen kühlen Kopf bewahren«, forderte er von ihr. Seine Worte klangen sanft und doch gebieterisch, was ihr Herz noch schneller schlagen ließ. Dass er seine Hand viel zu schnell wieder zurückzog, enttäuschte sie, aber was er ihr anschließend erzählte, drängte alles andere in den Hintergrund. Unfassbar, dass diese Fremden tatsächlich gekommen zu sein schienen, um ihnen zu helfen.

Sie erinnerte sich ihres Standes, erhob sich und wies Raik an, es ihr gleich zu tun. Sie wollte nicht, dass er vor ihr kniete wie ein Bediensteter. Auch wenn er es war.

Hoheitlich ließ sie verlauten: »Nun denn, lasst uns den Geheimtunnel in die Frauengemächer nehmen.«

Innerlich war sie voll tiefer Sorge um ihre Mutter und Schwester. So waren die Auswirkungen des Krieges also doch bei ihnen angekommen, begriff sie, und ein eisiger Schauer lief ihr über den Rücken, während sie zusah, wie Raik und Wisgard sich an der gut verborgenen Verriegelung in der Wand zu schaffen machten. Würden sie rechtzeitig kommen, um die Frauen zu retten?

Kapitel 2 : Verrat

Wenig später eilten sie durch den dunklen Gang, der als Fluchtweg in das Burggemäuer eingebaut worden war und in die oberen Bereiche führte. Es roch muffig, doch der männliche Duft Raiks, der mit einer Fackel vor Sighild herging, machte das wieder wett. Wie konnte sie nur in dieser Lage an nichts anderes denken als an seine Berührung zuvor und die Lebensgefahr, in der sie ihn glaubte? Inzwischen wusste sie, dass der Fremde ihm nie hatte etwas Ernstliches antun wollen, sogar hatten sie die erbeuteten Waffen wieder zurückgegeben. Trotzdem war ihr wohler, dass Wisgard zwischen ihr und den beiden Galliern lief.

Schließlich gelangten sie zu der Pforte, welche die Kammer der Frauen verschloss. Die Geräusche, die von dort zu ihnen drangen, gellende Schmerzensschreie aus weiblichen Kehlen, ließen ihr das Blut in den Adern gefrieren. Sie waren zu spät. Fast wollte sie Raik bitten, die Tür nicht zu öffnen, denn sie wollte das Grauen nicht sehen. Doch vielleicht bestand noch Hoffnung. Immerhin hatten die Fremden versichert, dass die Verräter die Frauen, auch sie selbst, lebend zu den Römern bringen sollten. In welchem Zustand, schien offenbar keine Rolle zu spielen, erkannte sie, als Raik die Tür mit einem Stoß auffliegen ließ und sich mit den anderen augenblicklich auf die Männer stürzte, die ihrer Mutter Oda und ihrer Schwester, ihrer süßen, lieblichen Schwester Sanna, Gewalt antaten.

Ein erstickter Laut entwich ihr, der dem ihrer Mutter glich, als sie ihr direkt in die Augen sah. Deren Blick verriet unsägliche Pein. Ihr Leib, ebenso nackt wie der ihrer Schwester, die halb ohnmächtig schien, war besudelt mit dem Samen und Blut des Mannes, den Raik von ihr gezogen und mit seinem Schwert durchbohrt hatte. Doch obwohl sie jetzt frei war, rührte sie sich nicht, sondern starrte mit ihren blauen Augen ins Leere. Sighild wurde es hundeelend bei diesem Anblick. Sie wollte zu ihrer Mutter eilen, aber vor ihr spielte sich ein brutaler Kampf zwischen fünf weiteren Verrätern, ihren beiden Wachleuten und den fremden Galliern ab. Diese hatten schnell Waffen an sich gebracht und einmal mehr sah Sighild ungläubig zu, wie die Rothaarige kämpfte. Diesmal, da es um Leben und Tod ging, sogar noch viel zügelloser und wilder. Ich stehe tief in ihrer Schuld, ging der Fürstentochter durch den Kopf, als sie sah, wie die Fremde mit einem kraftvollen Schwertstreich dem Mann den Garaus machte, der zuvor ihre Schwester geschändet hatte. Dass

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