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Erneuerbare Energien: Ohne Heiße Luft

Erneuerbare Energien: Ohne Heiße Luft

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Erneuerbare Energien: Ohne Heiße Luft

Länge:
512 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 6, 2018
ISBN:
9781906860899
Format:
Buch

Beschreibung

Wie viel Energie benötigt unser moderner Lebensstil? Können wir diesen aus erneuerbaren Quellen bestreiten? Welche Möglichkeiten zu Energiegewinnung gibt es, und wie groß ist deren Potenzial? Mit einem einfachen Kniff schaffen es die Autoren, dass wir direkt einen Bezug zu allen Themen rund um die erneuerbaren Energien herstellen können.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 6, 2018
ISBN:
9781906860899
Format:
Buch

Über den Autor

Christian Holler ist Professor an der Hochschule München. Aus seiner Zeit in Cambridge kennt er David MacKays „Sustainable Energy – without the hot air“, das ihn zu diesem Buch inspiriert hat.


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Buchvorschau

Erneuerbare Energien - Christian Holler

1 Einleitung

D

as

T

hema

E

nergie

ist in aller Munde. Aber warum eigentlich? Ist Energie nicht einfach ein Thema von vielen, und gibt es nicht Wichtigeres?

Nun, wir sollten uns klarmachen, wie eng das Thema Energie mit unserem Lebensstandard verknüpft ist. Die großen wirtschaftlichen, technischen und medizinischen Fortschritte fallen in eine Zeit, in der Energie im großen Stil für viele Menschen verfügbar geworden ist, also in die Zeit ab ungefähr 1750.

Gut und Böse, die Welt könnte so einfach sein, wenn da nur nicht so viele komplizierte Zahlen dazwischen wären. [b0]

Nehmen Sie doch eine Zeitmaschine und fahren Sie ins Jahr 1500 und zeigen Sie den Menschen dort die Pläne für ein Auto. Würden die Pläne ausreichen, um ein Auto bauen zu können?

Zur Gewinnung von Rohstoffen müssen sehr große Mengen von Gestein und Erde bewegt werden, ohne Maschinen kaum zu schaffen. Die Rohstoffe müssen aus dem Gestein herausgelöst werden, hierzu benötigen wir ebenfalls große Mengen von Energie. Der Transport der Rohstoffe benötigt Energie. Die Herstellung der Bauteile erfolgt unter Einsatz von Energie und bei der Montage benötigen wir ebenfalls Energie. Und um das Auto fahren zu können sowieso – wir benötigen Erdöl.

Nachdem das Prinzip des Autos von den Zeitgenossen aus dem Jahr 1500 verstanden worden ist, welche Frage würden Ihnen diese Leute wohl stellen? Nun, man würde Sie fragen, woher soviel Energie nur kommen soll.Was würden Sie antworten? Damals war Biomasse der Energieträger schlechthin, insbesondere Holz. Aber damals wuchs Holz auch nicht schneller als heute und der Transport an die Stelle, an der die Energie benötigt wurde, war aufwendig und schwierig. Denn Holz hat nicht die Energiedichte, wie Kohle und Öl sie haben.

Ihre Antwort an die Menschen aus dem Jahr 1500 wäre wohl: „Es wird eine Zeit kommen, in der Energie in bisher unvorstellbaren Mengen zur Verfügung stehen wird, in Form von Kohle, Öl und Gas, Stoffe die aufgrund ihrer extremen Energiedichte sehr gut transportiert werden können". Das Auto hätte also trotz exakter Pläne nicht gebaut werden können.

Die „Luftschraube" von Leonardo da Vinci. Prinzipiell funktioniert der Entwurf, aber es stand kein leistungsfähiger Antrieb zur Verfügung, das hat noch 450 Jahre gedauert. [b1]

Bleiben wir im Jahr 1500. Leonardo da Vinci hatte die Idee für einen Hubschrauber, aber er hatte keine Chance, ein solches Fluggerät zu realisieren. Die verfügbaren Materialien waren zu schwer und ein ausreichend starker Antrieb war nicht verfügbar. Dasselbe gilt für fast alle Maschinen und andere Dinge, mit denen wir es heute zu tun haben und die unseren Alltag dominieren: Autos, Flugzeuge, Computer, Smartphones, Hochhäuser, Raketen, Satelliten, etc. Nichts davon könnte ohne Zugriff auf große Mengen Energie realisiert werden.

Was hat sich also um das Jahr 1750 verändert, das bis heute das Leben der Menschen komplett umgekrempelt hat? Auf die Antwort werden wir gleich noch kommen.

Wie würde unser Leben ohne Energie aussehen?

Überlegen wir uns aber zuerst, was mit unserer Zivilisation passieren würde, wenn wir von heute auf morgen die Verfügbarkeit von großen Mengen an Energie wegdenken. Werden Sie sich noch ein Smartphone kaufen können? Werden Sie noch in den Urlaub nach Mallorca fliegen können? Werden Sie für ein paar hunderttausend Euro ein komfortables Haus bauen können? Und haben Sie es im Winter dann noch auf 150 Quadratmetern schön warm? Die Antworten lauten der Reihe nach: Nein. Nein. Nein. Ein paar wenige Menschen vielleicht.

Dubai, früher eine Wüste, heute ein beliebtes Reiseziel, wenn man mal in einer Winterwoche der Kälte entfliehen will – ohne riesigen Energieeinsatz unvorstellbar. Unser Lebensstil ist nur möglich, weil Energie im Überfluss vorhanden und sehr günstig ist. [b0]

Auch wird uns unser großartiges medizinisches und technisches Wissen ohne Energie nicht mehr viel nützen. Machen Sie sich auch klar, dass sich unsere Lebensverhältnisse weit unter dem Stand von 1500 wiederfinden werden. Die zur Verfügung stehende Fläche für Biomasse und Nahrungsmittel hat sich nicht verändert, aber die Weltbevölkerung hat sich inzwischen mehr als verzehnfacht.

In der Geschichte der Menschheit wurde schon öfter über die Verhältnisse gelebt. Ein Beispiel sind die Osterinseln. Die Kultur ging vor Ankunft der Europäer zugrunde. Man geht davon aus, dass der Grund hierfür die vollständige Entwaldung und das Ausrotten fast aller Vogelarten war. Die Ressourcen gingen für einen religiösen Wettkampf mit immer größeren Steinfiguren drauf. [b0]

Es lohnt sich, über alternative Energiequellen nachzudenken

Ok, Sie sehen, das Thema Energie ist enorm wichtig. Aber warum können wir nicht einfach so weitermachen wie bisher? Es hat doch bisher auch geklappt. „Never touch a running system", heißt es so schön. Warum sollen wir über erneuerbare Energien nachdenken? Hierauf gibt es zwei Antworten.

1. Antwort: Fossile Energie ist endlich

Wir beziehen in Deutschland immer noch 80% unseres Primärenergiebedarfs aus fossilen Quellen und nur 13% aus erneuerbaren Quellen (den Rest vor allem aus Atomkraft). Erstaunlich, wenn man sich die Anstrengungen der letzten Dekaden ansieht.

Natürlich kann man sich streiten, wann das Ende der Fahnenstange erreicht sein wird. Lange hat man davon gesprochen, dass das Erdöl in ein paar Jahrzehnten zur Neige geht. Manche haben in den 70ern Jahren das Ende für das Jahr 2000 vorhergesagt, diese Experten haben sich offensichtlich geirrt.

Die Energiebranche spricht heute von ca. 150 Jahren.¹ Experten aus dem kritischeren Lager verweisen allerdings darauf, dass die OPEC (Organisation erdölexportierender Länder) die Fördermengen an die gemeldeten Reserven koppelt. Will ein Land viel fördern, dann muss es große Reserven melden, die es vielleicht so gar nicht gibt. Sie sehen, ein schwieriges Feld. Aber nur wenige glauben, wir könnten eine wachsende Zahl von Konsumenten auch noch in 250 Jahren zufrieden stellen.

Im Buch „Untersuchungen über die Veränderungen, die durch die Ausrottung der Wälder in dem physischen Zustand der Länder entstehen"² aus dem Jahr 1828 setzt sich der Autor M. A. Moreau de Jonnès mit der Ausdehnung und dem Zustand der Wälder in Europa auseinander. Er liefert eine schöne Betrachtung zu Bedeutung und Geschichte des Waldes und er liefert präzise Zahlen über die Waldbestände in seiner Zeit.

Ein kurzer Blick auf England zeigt, dass die Populationsdichte groß ist, und dass fast der gesamte Wald verschwunden ist und somit nicht mehr lange den Brennstoff für die Feuerstellen und die Verhüttung von Eisenerz stellen kann. Auch der Schiffsbau ist am Ende. Eigentlich die perfekte Konstellation für einen Kollaps der Gesellschaft.

Heute wissen wir, dass dieser Kollaps nicht stattgefunden hat, stattdessen haben sich die Menschen in England die Kohle als neue Energiequelle erschlossen. Man kann zum Schluss kommen, dass die industrielle Revolution in England kein Zufall war, sondern aus der Not heraus gestartet wurde. Der Wald als Energiequelle war erschöpft und alle Alternativen mussten in Betracht gezogen werden. Und eine der Alternativen hat eingeschlagen wie eine Bombe, das Zeitalter der Kohle begann.

Im Anhang finden Sie noch einige Gedanken dazu.³

Gut, dann können wir ja Öl durch Erdgas substituieren. Aber auch Erdgas reicht kaum für die nächsten 250 Jahre.¹ Naja, aber Kohle reicht länger. Stimmt, aber auch die Kohle ist in ein paar hundert Jahren aus.

Na, dann fördern wir eben Methan aus dem Meer! Ok, können wir machen, aber auch diese Energieform wird zu Ende gehen. Wir nutzen Energie also nicht nachhaltig, sondern plündern die Reserven der Erde mit unglaublicher Geschwindigkeit. Das, was die Menschheit innerhalb von 500 Jahren verbrennt, hat viele 100 Millionen Jahre gebraucht, um sich anzusammeln. Und was passiert, nachdem die gesamte fossile Energie der Erde aufgebraucht wurde? Das haben wir weiter oben ja schon besprochen – keine schönen Aussichten.

Aber könnten wir dann vielleicht einfach wieder von vorne anfangen? Könnte es nach dem Ende der fossilen Energie eine zweite industrielle Revolution geben? Die Antwort lautet eindeutig: nein! Wenn wir es bis zum Ende der Lagerstätten nicht geschafft haben, Energie aus anderen, nachhaltigen Quellen zu erzeugen, ist unsere Zivilisation, wie wir sie kennen, am Ende. Zumindest für 100 Millionen Jahre, bis sich die Lagerstätten wieder aufgefüllt haben. Eine industrielle Revolution benötigt vor allem Energie im Überfluss, es wird also erst mal keine zweite Chance geben.

2. Antwort: Unser Energieverbrauch beeinflusst unsere Erde

Durch die Verbrennung fossiler Energie werden Treibhausgase freigesetzt, wodurch sich das Weltklima voraussichtlich erheblich verändern wird. In diesem Buch soll es nicht um das Thema Klimawandel gehen, und wie Treibhausgase und Erderwärmung zusammenhängen. Aber schauen wir uns zumindest mal die unwidersprochenen Fakten in Form der CO2-Konzentration in der Atmosphäre an, und wir sehen eine ganz klare Entwicklung, wiederum ab ca. 1750.

CO2 Konzentration in der Atmosphäre im Verlauf der letzten 2000 Jahre in der Einheit ppm, also „parts per million" oder Millionstel. Offensichtlich hat sich ab ca. 1750 etwas verändert.

Gibt es vielleicht etwas, was so kurz vor dem Jahr 1800 anders war als davor? Nun, im Jahr 1769 wurde die Dampfmaschine durch James Watt so verbessert, dass ihr Wirkungsgrad von zuvor 0,5% auf danach 3,0% anstieg. Dampfmaschinen wurden mit Kohle betrieben. Die Förderung von Kohle wiederum konnte entscheidend gesteigert werden durch den Einsatz von Dampfmaschinen. Denn die Bewetterung (die Versorgung mit Frischluft unter Tage) und die Wasserhaltung (das Abpumpen von Grubenwasser) von Kohlegruben erfolgte mit Maschinen, die durch eine Dampfmaschine angetrieben wurden.

Die Erfindung der Dampfmaschine hat die industrielle Revolution ermöglicht. Der Zugriff auf große Mengen Energie war ermöglicht und die Limitierung auf menschliche und tierische Arbeit war überwunden. [b0]

Ein Kreislauf kam in Gang, ein wirklich neues Zeitalter begann. Es war das Zeitalter, in dem Energie plötzlich massenweise verfügbar war, und in diesem Zeitalter leben wir heute noch. Die Zeit um 1769 markiert also den Beginn der industriellen Revolution.

Es bleibt natürlich Ihnen überlassen, zu entscheiden, ob der Anstieg der Temperatur mit dem Anstieg der CO2-Konzentration zusammenhängt und zivilisatorische Gründe hat oder rein natürlichen Ursprungs ist, wie es immer noch von einigen behauptet wird.

Der gesamte CO2-Ausstoß beträgt übrigens zur Zeit grob 35–40 Milliarden Tonnen pro Jahr. Aber nicht alle Menschen leben gleichermaßen auf großem Fuß. Bei einer Weltbevölkerung von 7,5 Milliarden Menschen macht das rein rechnerisch fünf Tonnen CO2 pro Person und Jahr. Aber in Deutschland produzieren wir im Schnitt 9,5 Tonnen pro Person und Jahr, in den USA 16,5 Tonnen und in Somalia 0,1 Tonnen pro Person und Jahr.

Die Menschheit lebt auf sehr unterschiedlich großem Fuß in puncto Energiebedarf. Die Chinesen liegen übrigens pro Person nicht sehr weit über dem Weltdurchschnitt und schätzungsweise ein Drittel des chinesischen Energiebedarfs wird für Exportprodukte aufgewendet. [b0]

Und in China? Schätzen Sie mal die Zahl für China bevor Sie weiterlesen. Und? Es sind aktuell ca. 7,5 Tonnen pro Person und Jahr. Da es so viele Chinesen gibt, führt das Land absolut gesehen die Rangliste deutlich an, pro Kopf sind die Chinesen zwar über dem Durchschnitt, aber noch deutlich unter unserem Wert.

Das folgende Bild vergleicht den pro Kopf CO2-Ausstoß in Abhängigkeit vom Bruttosozialprodukt verschiedener Länder im Jahr 2014.

Fällt Ihnen hier etwas auf? Je höher der Lebensstandard, umso höher der CO2-Ausstoß. Auf diesen Punkt werden wir im nächsten Kapitel eingehen, wenn es um unseren Energieverbrauch geht, der natürlich eng mit dem CO2-Ausstoß verknüpft ist. Bei den Zahlen kann einem schon mal schwindlig werden. Aber mit diesem Buch wollen wir Ihnen helfen, diese Zahlen richtig einzuordnen und ins Verhältnis zu setzen, also keine Panik.

Interessant ist dabei auch eine andere Darstellung des CO2-Ausstoßes, wie im nächsten Bild. Hier wird der CO2-Ausstoß pro Person mit der Einwohnerzahl multipliziert, die Flächen der Kästchen stellen also den gesamten CO2-Ausstoß einer Region dar, die Höhe den Ausstoß pro Person.

Der CO2-Ausstoß der Kontinente im Vergleich: Die Höhe der Kästchen gibt den Ausstoß pro Person an, die Fläche den des ganzen Kontinents.⁵ Bei diesem Bild wird also die Bevölkerungszahl berücksichtigt.

Mehr wollen wir zu den Themen CO2 und endliche Ressourcen gar nicht sagen. Wir denken, die Argumente reichen, um uns alle zum Nachdenken darüber zu bewegen, wie wir fossile Brennstoffe eindämmen können. Bleibt aber noch die Frage: wie?

Wir könnten uns zum Beispiel wünschen, dass nur wenige Menschen (natürlich auch wir selbst) das Privileg eines aufwendigen Lebensstils erhalten und das den anderen nicht zugestehen. Oder wir könnten hoffen, dass die Bevölkerungszahl wieder auf den Stand von 1500 zurückfällt, damals gab es eine halbe Milliarde Menschen.

Beides ist natürlich Unsinn. Aber irgend eine realistische, allgemein verträgliche Möglichkeit muss es doch geben oder nicht?

Täglich prasseln auf uns Informationen und Ideen ein. Wie soll man da den Überblick behalten und sich ein eigenes Bild machen? Beim Thema Energie geht es aber um sehr viel und es macht Sinn, dass nicht nur wenige Experten sich damit befassen und der Rest im Regen stehen bleibt. [b0]

Sind Sie jetzt motiviert für das Thema Energie?

Ja? Sehr gut! Darüber wollen wir also in diesem Buch reden – über das Thema Energie, speziell nachhaltige Energie. Täglich prasseln neue Zahlen und Ideen auf uns ein, aber wie sollen wir diese realistisch bewerten?

Mit diesem Buch wollen wir Ihnen einen fundierten Überblick und ein Gefühl für die zugrunde liegenden Fakten vermitteln – mit Hilfe logischer Zahlen und ganz einfacher Physik – um Fragen beantworten zu können wie z. B.:

Wie viel Energie könnte man in Deutschland mit Windkraftanlagen, mit Biomasse, mit Photovoltaik, mit Wasserkraft und all den anderen erneuerbaren Optionen überhaupt erzeugen?

Wofür verbrauchen wir in Deutschland eigentlich wie viel Energie? Wie viel Energie benötigen wir für Mobilität, Heizung, für Beleuchtung und für Konsumgüter?

Kann man zehnmal so viel Energie nachhaltig erzeugen wie wir verbrauchen? Oder ist es umgekehrt und wir können nur ein Zehntel der benötigten Energie auf diese Art erzeugen?

Benötigen wir Experten oder können wir das auch selbst verstehen und mitentscheiden?

Wir brauchen ein gutes Verständnis dafür, wie viel Energie man mit den verschiedenen Ansätzen wie Windkraft, Photovoltaik und Biomasse erzeugen kann, um dann abschätzen zu können, mit welchen Technologien es sich überhaupt lohnt, ins Rennen zu gehen. [b0]

Sie werden sehen – das können wir verstehen, es ist gar nicht so schwer!

Fakten im „postfaktischen Zeitalter"

Aber darf man die Antworten auf diese Fragen überhaupt „Fakten" nennen oder ist nicht die Auswahl der Fakten an sich schon eine Meinungsäußerung? In diesem Buch geht es vor allem um die unumstößlichen Fakten und Zahlen, die die Grundlage jeder zielführenden Diskussion bilden. Es gibt nämlich physikalische Grundwahrheiten, die nicht verändert werden können, auch nicht durch technische Entwicklungen.

Mit einfacher Mathematik und einfacher Physik kann man die Grundwahrheiten der erneuerbaren Energien eigentlich leicht verstehen. Ist oder Das ist keine Frage der Darstellung, des guten Willens oder der politischen Einstellung, auch wenn es einem manchmal so vorkommt.

Es gibt physikalische Fakten, die man selbst mit modernster Technologie niemals wird überwinden können. Deshalb macht es Sinn, diese Fakten zu kennen:

a

Also „Energie ist gleich Masse mal Erdbeschleunigung mal Höhe" und

„Energie ist gleich einhalb mal Masse mal Geschwindigkeit zum Quadrat".

Und über diese Grundwahrheiten wollen wir sprechen. Drei Beispiele:

Wie viel Energie können wir aus unseren Flüssen mit Hilfe von Wasserkraft gewinnen? Können wir einfach immer mehr Turbinen ins Wasser setzen und dadurch immer mehr Energie erzeugen?

Nein, natürlich nicht! Hier gibt es eine theoretische Obergrenze: Regen fällt auf einen Berg und hat damit Lageenergie im Vergleich zu Wasser auf Meereshöhe. Diese potenzielle Energie des Wassers ist das Maximum, das wir auf seinem Weg vom Berg zum Meer extrahieren können. Mehr geht nicht! Wir werden abschätzen, wie viel das ist.

Ein Windrad erzeugt Energie. Aber wie geht das eigentlich? Nun, im Grunde „erzeugt" ein Windrad keine Energie, sondern ein Windrad extrahiert Energie aus dem Wind und wandelt sie in elektrische Energie um. Und wie macht das Windrad das? Es strömt eine gewisse Menge Luft mit einer gewissen Geschwindigkeit durch die Rotorkreisfläche. Die Luft wird abgebremst und diese Energie extrahieren wir. Das wollen wir näher betrachten und daraus ableiten, wie viel Energie man aus Windkraft in Deutschland erhalten kann.

Einer unserer Studenten fragte mal, ob man nicht kleine Windräder auf Autos bauen könnte, um den Fahrtwind zu nutzen und in Energie umzuwandeln. Eigentlich ein naheliegender Gedanke. Aber wir werden verstehen, warum das nicht geht. Das Windrad bremst die Luft ab und damit bremst die Luft auch das Auto ab. Weil Wirkungsgrade immer unter 100% liegen, muss der Motor mehr zusätzliche Energie aufbringen, als wir durch das Windrad zurückbekommen würden, egal wie gut die Technik ist – ein großes Verlustgeschäft!

Das alles wird Ihnen einen wertvollen Überblick geben, der bei jeder Diskussion zum Thema Energie unglaublich hilfreich sein wird. Und hoffentlich sind wir am Ende auch in der Lage, Neuigkeiten aus Absurdistan, die uns täglich in den Medien erreichen, richtig einzuordnen und bei den Techniken zur Energieproduktion die Spreu vom Weizen zu trennen.

Lassen Sie sich nichts vorgaukeln :-) Manchen Unsinn kann man auch ohne Mithilfe von Experten sofort als Unsinn entlarven und ebenso manche sinnvolle Idee. Nach der Lektüre dieses Buches sollte es viel einfacher sein, sich ein eigenes Urteil zuzutrauen. [b1]

Wenn Sie etwas Amüsantes lesen wollen, dann überspringen Sie auf keinen Fall das Kapitel „Geschichten aus Absurdistan". Da können Sie zum Beispiel lesen, wie hilfreich der Mond für die Energieproduktion ist, oder mit welcher Einheit man ganz kleine Energiemengen riesengroß machen kann, und wer alles auf solche Tricks reinfällt.

Also kommen Sie mit uns und wir erklären Ihnen die Grundlagen der erneuerbaren Energien so, dass Sie in jeder Diskussion auf einem sicheren Fundament stehen und selbst entscheiden können, welche Techniken und Projekte wirklich Sinn machen, und welche Augenwischerei sind. Sie werden sehen, das ist kein Hexenwerk, sondern ganz einfach. Kommen Sie mit, es lohnt sich!

Interessierte finden im Quellenverzeichnis zu vielen Themen weitere Informationen und Links. Folgen Sie den kleinen Zahlen im Text. Das Quellenverzeichnis finden Sie in elektronischer Form auch auf unserer Homepage www.ohne-heisse-Luft.de. Da können Sie ganz bequem die Quellen anklicken.

Und für Zahlenexperten gibt es ein extra Kapitel im Anhang mit tiefergehenden, höchst interessanten Rechnungen und Herleitungen. Weitere Kapitel dieser Art finden Sie ebenfalls auf unserer Homepage. Schauen Sie doch vorbei!

2 Energieverbrauch in Deutschland

2.1 Das Problem mit den großen Zahlen

S

chlägt man beim

BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) Zahlen zum deutschen Energieverbrauch nach, findet man für das Jahr 2016 folgende Werte:

Primärenergieverbrauch: 13,45EJ

Endenergieverbrauch: 9,15EJ

Abgesehen von der Bedeutung der zwei Begriffe Primär- und Endenergieverbrauch, auf die wir später noch eingehen werden, ist es schwer, sich diese Zahlen in irgendeiner Weise vorzustellen.

Wenn Sie diese Tafel Schokolade aus einem Meter Höhe fallen lassen, schlägt sie mit einer Energie von einem Joule auf dem Boden auf. Die Tafel selbst enthält übrigens 567 kcal und somit 2 372 000 Joule! [b2]

Eine Minute nachdem man sie gehört hat, hat man sie wieder vergessen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die 13, aber waren es MJ oder GJ oder vielleicht EJ?

Die Einheit EJ steht für Exajoule oder 10¹⁸ Joule, eine Eins mit 18 Nullen: 1 000 000 000 000 000 000 Joule. Ein einzelnes Joule, also 1J (eine der vielen Einheiten für Energie) ist eine kleine Energiemenge und recht einfach zu veranschaulichen: Eine Tafel Schokolade, die Sie aus einem Meter Höhe fallen lassen, hat beim Auftreffen auf den Boden eine Energie von einem Joule aufgenommen und zerbricht, wobei die Energie dann letztlich in Wärme umgewandelt wird.

Für eine Zahl mit 19 Ziffern, wie den jährlichen Energieverbrauch von Deutschland, fehlt uns aber jedes Gefühl.

Die Zahlenwerte sollen immer möglichst übersichtlich bleiben, deshalb werden Vorsätze wie „Kilo" verwendet, z.B. Kilogramm, also 1000 Gramm. Hier eine Übersicht:

Und falls Sie schon lange nicht mehr mit Zehnerpotenzen gearbeitet haben, hier eine kleine Auffrischung:

Mit einer kWh kann man:

eine Ladung Wäsche waschen

mit einem Elektroauto 5km weit fahren

ein Essen kochen

1 Stunde Brot toasten

knapp 3 Minuten duschen

4 Tage lang eine 10 Watt LED Lampe brennen lassen.

Eine bessere Einheit

Wir möchten uns in diesem Buch vor allem ein Gefühl für die entscheidenden Zahlen erarbeiten, um das Thema erneuerbare Energien besser zu verstehen. Das ist mit den obigen Zahlen nicht möglich.

Wie wäre es, wenn wir nicht über Deutschland als Gesamtheit sprechen, sondern die Zahlen unter allen Menschen in Deutschland fair aufteilen? Wir wollen also die obige Zahl durch 80 Millionen teilen. Das ergibt dann

Pro Person und Jahr:

also 168 Gigajoule. Ein Gigajoule

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