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Felder, Meere, Fermentoren (Telepolis): Streifzüge durch den Speiseplan von morgen
Felder, Meere, Fermentoren (Telepolis): Streifzüge durch den Speiseplan von morgen
Felder, Meere, Fermentoren (Telepolis): Streifzüge durch den Speiseplan von morgen
eBook291 Seiten2 Stunden

Felder, Meere, Fermentoren (Telepolis): Streifzüge durch den Speiseplan von morgen

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Über dieses E-Book

Vor dem Hintergrund einer wachsenden Zahl von Erdbewohnern ist die Sicherstellung ihrer Ernährung eine der drängendsten Zukunftsfragen der Menschheit. Die vorliegende Sammlung von Telepolis-Artikeln führt an einige Schauplätze dieses Kampfs: in die moderne Landwirtschaft, auf die Fischfanggründe der Weltmeere, sowie in die Biotechnologie der Nahrungsmittelherstellung von morgen.

Während in den ärmsten Gegenden der Welt immer noch gehungert wird, hat sich der Fokus in den reichen Regionen verschoben, weg von der Sicherung einer bloßen Sättigung der Bevölkerung, hin zu einer gesunden und personalisierten Ernährung des Einzelnen, die zum Kult erhoben wird. Die dabei vorgegaukelte endgültige Überwindung des Hungers ist eine Fata Morgana, die durch eine rücksichtslose Ausbeutung der Natur und der Ressourcen anderer gespeist wird. Der einzige Maßstab: die Erwirtschaftung eines Profits, der jedes noch so abseitige Geschäftsmodell legitimiert.

Anschauliche Beispiele dessen liefert zum Beispiel die industrielle Fischerei. Weltweit gelten viele Fischbestände als überfischt. Der moderne Mensch des Anthropozäns reagiert und verlegt seine Beutezüge in immer entlegenere Gegenden und in immer größere Tiefen. Um den unersättlichen Bedarf trotz Ausdünnung der kommerziell genutzten Fischbestände zu decken, wird nach neuen Arten für den Speiseplan gefahndet. Längst wird die Nahrungspyramide auf allen ihrer Stufen nach Verwertbarem abgeklopft, auch in den Weltmeeren. Dabei eventuell aufkommende Zweifel werden mit eigens dafür kreierten Umweltzertifikaten zerstreut.

Doch auch an Land steht die Sicherheit der Versorgung mit Nahrungsmitteln auf tönernen Füßen.

Die ist vor allem in vielen Entwicklungsländern nicht gewährleistet. Eine von reichen Ländern angeschobene Etablierung großer, vor allem exportorientierter Agrarindustrien drängt die Kleinbauern vor Ort zudem aus ihrem Broterwerb. Und auch in den Wohlstandsgesellschaften ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe rückläufig. Hier führt die fortschreitende Intensivierung des Agrarsektors zu hausgemachten Komplikationen, die ihren Ausdruck in einer subventionierten Überproduktion findet, deren Erzeugnisse hernach die Binnenmärkte der Dritten Welt ruinieren. Mehrfachbelastungen durch Pestizid-Cocktails oder das Zusammenspiel einzelner Pestizide mit anderen umweltrelevanten Chemikalien werden zunehmend als Problem für Mensch und Umwelt erkannt. Gefragt sind neue Ansätze in der landwirtschaftlichen Produktion, die ihren komplexen Beziehungen zur Gesellschaft und zur Natur gerecht werden.

Mit modernen wissenschaftlich-technologischen Lösungen werden eine Vielzahl der auf uns zu kommenden Schwierigkeiten bereits adressiert, etwa durch eine effizientere Nutzung der produzierten Tier- und Pflanzenbiomasse, oder die Erschließung neuer Eiweißquellen auf biotechnologischem Wege. Andererseits werden neue Werkzeuge wie die Gentechnik oft voreilig auf den Markt geworfen, selbst dann, wenn das Wissen um ihre eventuellen Nebenwirkungen noch lückenhaft ist.

Diese sich seit Jahrzehnten wiederholenden Muster menschlicher Hybris begrenzen den Nutzen, den solche Technologien bei der Gestaltung unserer Zukunft haben könnten. Und sie beschädigen die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft und Forschung, die sich so immer wieder zum Spielball kurzfristiger Profitinteressen degradieren lassen.
SpracheDeutsch
HerausgeberHeise Medien
Erscheinungsdatum8. Feb. 2019
ISBN9783957881762
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    Buchvorschau

    Felder, Meere, Fermentoren (Telepolis) - Bernd Schröder

    lassen.

    Felder: Auf dem Weg zur Landwirtschaft von morgen

    Unsere kleine CRISPR-Farm

    Genome editing soll die Pflanzenzucht schneller und genauer machen

    Seit der erfolgreichen Demonstration der Funktion von Genom-Editoren wie CRISPR in Tabak und Ackerschmalwand 2013 folgten weitere Tests in Nutzpflanzen wie etwa Weizen, Soja, Kartoffeln, Reis oder Tomaten, denen so nützliche Eigenschaften wie Toleranz gegenüber Herbiziden oder Resistenz gegenüber Krankheiten mitgegeben werden sollen.

    Bild: Bernd Schröder

    CRISPR sitzt nicht allein in den Startlöchern. Eine ganze Reihe neuer Technologien schickt sich zum Sprung auf den Acker an. Ihre Produkte könnten in Kürze auf unserem Teller landen. Manche der beteiligten Wissenschaftler erfreuen sich an der Möglichkeit, nun bald jeglichen Organismus mit sequenziertem Erbgut zu editieren und zu optimieren, und zwar schnell, genau und kontrolliert.

    Die Laborscheunen sind voller neuer, vermeintlich verbesserter Wesen, die auf ihren Einsatz in der industriellen Landwirtschaft warten. Doch noch sind viele Fragen ungeklärt, die die neuen Technologien mit sich bringen. Was optimieren, und für wen? Wer entscheidet? Sind die Verfahren sicher, oder drohen unerwartete Nebenwirkungen? Wie sollte ein geeigneter Rechtsrahmen zur Regulierung aussehen? Ist das überhaupt Gentechnik, und ist eine Regulierung vonnöten? Stellen die neuen Werkzeuge Organismen her, die als genetisch verändert gelten müssen? Und was wird der Verbraucher dazu sagen?

    Gerade in Europa hat letzterer durch seine ablehnende Haltung bisher der Verbreitung der Gentechnik in der Landwirtschaft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das gleiche könnte nun auch den neuen Technologien blühen. Ungeachtet des bestehenden Klärungsbedarfs versucht die Agrarindustrie unterdessen, Nägel mit Köpfen zu machen und den neuen Werkzeugen zum Durchbruch zu verhelfen.

    Rückblick: Nuklearer Enthusiasmus und die Steinzeit der Genom-Editierung

    Lewis John Stadlers Experimente zur Bestrahlung von Gerste im Jahre 1928 änderten die Rolle des Pflanzenzüchters dramatisch. Nach 10.000 Jahren und 2500 durch Auswahl und Vermehrung mittlerweile domestizierten Nutzpflanzen war der Mensch nicht mehr nur Beobachter, der spontan auftretende Mutationen feststellt. Er war nun aktiver Gestalter, der Erbgutveränderungen auslöst - die früheste Form von Genome Editing.

    Dafür wurden in der Folge die verschiedensten Mutagenquellen genutzt: alle Arten ionisierender Strahlung (Röntgen-, Gamma-, Beta-, Neutronen- oder UV-Strahlung) oder chemische Mutagene, wie beispielsweise Ethylmethansulfonat. Die Atomeuphorie der 1950er sorgte für eine Popularisierung strahleninduzierter Mutationszüchtungen: interessierte Zeitgenossen konnten mit dem gehandelten atomar angereicherten Saatgut in ihren Gärten den Hauch einer Ahnung davon bekommen, woran in den Atomgärten der Kernforschungszentren der Welt gearbeitet wurde.

    Die Mutagenese mit dem Ziel der künstlichen Vervielfachung von Erbgutveränderungen in einer Pflanze konnte weitestgehend standardisiert werden, doch ein Engpass blieb: Große Mutantenpopulationen mussten gescreent werden - geschätzte 2000 mutierte Pflanzen, um eine Mutation mit einem bestimmten erwünschten Merkmal zu finden. Bis 1990 hatte die zufällige Mutagenese zu 1300 Sorten geführt, mehr als 90% von ihnen entstanden durch Gamma-Beschuss mit Cobalt-60. Der Einzug molekularer Marker in die Identifikation und Auswahl von Mutanten gegen Ende der 1980er Jahre führte zu einer spürbaren Beschleunigung des Prozesses, die in der FAO/IAEA Mutant Variety Database der gemeinsamen Sektion Nukleartechnik in Ernährung und Landwirtschaft der Welternährungsorganisation FAO und der internationalen Atomenergie-Behörde IAEA dokumentiert ist: sie umfasst heute mehr als 3.200 offiziell freigesetzte Mutanten-Sorten von 214 verschiedenen Pflanzenarten in mehr als 60 Ländern der Erde.

    Vor der Anwendung bewusst ausgelöster, ungerichteter Mutationen hatten die Züchter nur Techniken der Selektion und Veredelung im Repertoire, zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch gezielte Kreuzungszüchtungen ergänzt, die auf der von Gregor Mendel begründeten und dann von Hugo de Vries, Carl Correns und Erich Tschermak-Seysenegg wiederentdeckten Genetik fußten.

    Bereits 1906 gab der bekannte US-amerikanische Pflanzenzüchter Luther Burbank zu bedenken:

    » Wir sind mit unserem Wissen über Genetik jüngst so weit fortgeschritten, dass wir das Leben nun in einer nie von der Natur beabsichtigten Weise manipulieren können. Wir müssen bei der Anwendung dieses neu erworbenen Wissens mit äußerster Vorsicht vorgehen. «

    Burbank, selber Entwickler von mehr als 800 neuen Pflanzensorten, von denen 16 patentiert wurden, wird damit auch heute noch gern zitiert - von Vertretern des Fortschritts, als Beispiel für einen Bremser, einen Bilderbuch-Angsthasen mit unbegründeter Technologiefurcht oder von Gentechnik-Gegnern, die sich in ihrer Ablehnung aus berufenem Munde bestätigt sehen und hin und wieder jedoch übersehen, dass jede Zuchtmethode grundsätzlich immer auch eine genetische Veränderung von Organismen zur Folge hat.

    Luther Burbank. Bild Library of Congress, gemeinfrei

    Revolution Genom-Editierung?

    Die klassischen Züchtungsmethoden zu Zeiten Burbanks gingen bereits deutlich weiter als die Natur ohne das Zutun des Menschen. Auf die ab den 1930er Jahren eingeführte Hybridzüchtung und die ab den 1960er Jahren praktizierten Zell- und Gewebekulturtechniken folgten in den 1980er Jahren dann rekombinante DNA-Techniken und genetisches Engineering: Mit dem Einzug transgener oder gentechnisch veränderter Pflanzen in die Pflanzenzucht war die Grüne Gentechnik geboren. Anders als in der bisher bekannten Züchtung wurden einzelne Gene nun zielgerichtet übertragen. Der Gentransfer durchbrach Kreuzungsbarrieren und Artengrenzen.

    Mit den neuen Möglichkeiten der DNA-Sequenzierung kamen seit den 1990er Jahren SMART Breeding-Techniken (Selection with Markers and Advanced Reproductive Technologies) auf, die Präzisionszüchtungen durch eine markergestützte Selektion ermöglichen. Die Kostensenkung bei der Kartierung genetischer Marker hatte Hoffnungen geweckt, neue und bessere Nutzpflanzensorten in wesentlich kürzerer Zeit erzeugen zu können. SMART breeding konnte den anfänglich gehegten Erwartungen jedoch nur bei der Verbesserung monogener Merkmale gerecht werden, also Eigenschaften, die nur von einzelnen Genen bestimmt werden. Einen Ausweg aus diesem Dilemma soll die Genomische Selektion bieten, die als Weiterentwicklung der markerunterstützten Auswahl polygene Merkmale selektieren kann.

    Pflanzenzüchtung ist auch heute eine Kombination aus traditionellen und molekularbiologischen Methoden. Wo genau eine Mutation im Genom einer Pflanze künstlich erzeugt wurde, war bisher nur schwer planbar - auch in transgenen Pflanzen ließ sich das nur ungenügend genau steuern. Moderne Genombearbeitungs-Technologien versprechen nun ein punktgenaues, Zeit sparendes Arbeiten. Sie sollen es Agrarwissenschaftlern darüber hinaus erlauben, die Leistungsfähigkeit einer Nutzpflanze zu steigern, ohne Gene von anderen Spezies oder Bakterien einfügen zu müssen.

    Mit verschiedenen Genom-Editoren werden die neuen revolutionären Entwicklungen bereits kommerzialisiert oder warten auf ihren Einsatz. Zu medialer Bekanntheit hat es vor allem die Gen-Schere CRISPR/Cas9 gebracht, doch die Palette neuer Werkzeuge ist deutlich artenreicher.

    Was die neuen Werkzeuge bisher leisten, ist in den Augen von Wissenschaftlern nur die Spitze des Eisbergs ihrer Möglichkeiten. Von ihnen wird nichts weniger erwartet, als dass sie die Landwirtschaft umkrempeln werden.

    Noch stecken die neuen Technologien in den Kinderschuhen. Engpässe für ihren schnellen Einzug in den Ackerbau sind zum Beispiel die akkurate Zustellung der CRISPR-Maschinerie in die richtigen Pflanzenzellen und die anschließende Ausbildung lebensfähiger Kulturpflanzen auch bei Arten, die den herkömmlichen Gewebekultur-Ansätzen widerspenstig gegenüberstehen. Methoden der Klonierung unter in-vitro-Bedingungen werden vorerst Mittel der Wahl bleiben, aber sie sind langwierig, arbeitsintensiv und neigen dazu, zufällige somatische (nicht in den Keimzellen, sondern nur in den Geweben anzutreffende) Mutationen zu erzeugen, die den erhofften Effizienzgewinn schmälern.

    Längerfristig gesehen erhoffen sich ihre Sympathisanten, dass die moderne Genombearbeitung grundlegende Verbesserungen in der Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft und in der Qualität der produzierten Lebensmittel herbeiführen kann und letztlich mit der synthetischen Biologie verschmelzen wird. Die hat die Schaffung neuer zellulärer Systeme, Prozesse und Organismen zum Ziel.

    Doch nicht alle Zeitgenossen können der Betriebsamkeit etwas abgewinnen, die beim Versuch des schnellen Austragens der neuen Methoden auf die Äcker an den Tag gelegt wird. Kritiker haben angesichts der von den Verfechtern moderner Genom-Editoren gemachten Versprechungen gar ein Déjà-vu-Erlebnis: Anstatt wenigstens zu versuchen herauszufinden, warum die erste Generation gentechnischer Werkzeuge nicht die in sie gesteckten Erwartungen erfüllt haben, um so aus den dabei gemachten Fehlern lernen zu können, werden die neuen Methoden mit ähnlichen Verheißungen beworben - die, wenn möglich, noch großartiger sind als zuvor.

    Genom-Editoren und das Agrargeschäft: Beispiele von Monsanto, DuPont und Dow

    Seit 2016 hat Monsanto verschiedene Genome-Editing-Plattformen lizenziert sowie Wissenschaftler angeheuert, die das Potential der Technologien ausloten sollen, um die Gene von Mais, Sojabohnen, Baumwolle und Gemüsesorten zu optimieren. Bei Monsanto bedient man sich dabei verschiedener Ansätze. Das Unternehmen erforscht die Genombearbeitung in einem stufenweisen Ansatz, über Einzel-Gen-Abschaltung und Einzel-Gen-Bearbeitung hin zur komplexeren Editierung verschiedener Gene gleichzeitig.

    Das CRISPR-assoziierte Protein Cas9 ist eine von guide-RNA gesteuerte Endonuklease, die die doppelsträngige DNA mit Sequenzen komplementär zu einem Segment aus Nukleotiden in der guide-RNA schneidet, an der von der RNA gewählten Stelle. Cas9 hat sich zum vielseitigen molekularen Werkzeug für die Genombearbeitung und die Kontrolle der Genexpression entwickelt. Bild: Bernd Schröder, nach Daten der Protein Data Base

    Monsanto gab im Januar 2017 eine weltweite Lizenzvereinbarung mit dem Broad Institute of MIT and Harvard für den Einsatz des neuartigen Genom-Editors CRISPR/Cpf1 in der Landwirtschaft bekannt. CRISPR/Cpf1 soll einen weiteren Fortschritt im Genome Editing darstellen und im Vergleich zum CRISPR/Cas9-System ein minimalistischeres und präziseres Werkzeug für die gezielte DNA-Optimierung sein. Wissenschaftler versprechen sich aufgrund der geringeren Größe des CRISPR/Cpf1-Systems eine größere Flexibilität bei der Nutzung an verschiedenen Kulturen. Und sie denken bereits darüber nach, damit mehrere Gene im Erbgut gleichzeitig verändern zu können.

    Kristallstruktur von Cpf1 im Komplex mit guide-RNA und Ziel-DNA. Bild: Bernd Schröder, nach Daten der Protein Data Base

    Monsanto hat vom Broad Institute außerdem eine separate Lizenz für die Nutzung des CRISPR/Cas9-Systems in der Landwirtschaft erworben, um ein führendes Portfolio an Werkzeugen in diesem Bereich zu entwickeln. Das geistige Eigentum rund um CRISPR/Cpf1 ist vom Stand der Debatte um das CRISPR/Cas-Patent unberührt.

    Einen anderen Ansatz stellt die Lizenzierung der Exzact-Technologie dar, dem Produkt einer Zusammenarbeit von Dow AgroSciences und Sangamo BioSciences. Ihr liegt der Einsatz von künstlichen Zinkfingernukleasen (ZFNs) in der Pflanzenzucht zugrunde. Diese Enzyme können spezifisch jede gewünschte DNA-Sequenz anpeilen und Teile von Pflanzen-DNA schnell und genau hinzufügen, löschen oder abändern. ZFNs enthalten eine DNA-Bindedomäne und eine Nukleasedomäne. Die DNA-Binde- bzw. Zinkfingerdomäne kann so entworfen werden, dass neue DNA-Sequenzen mit hoher Sequenz-Spezifität erkannt und gebunden werden. So können ZFNs hergestellt werden, die an ein beliebiges Gen binden. Die Nukleasedomäne wird verwendet, um einen doppelsträngigen Bruch in der DNA von lebenden Pflanzenzellen auszulösen, der den natürlichen DNA-Reparaturmechanismus der Zelle aktiviert. So lässt sich ein Genom an einer definierten Stelle schneiden und bei Bedarf fremde DNA zielgerichtet einbauen. Wissenschaftler von Dow AgroSciences haben das unter anderem mit dem Einbringen eines Herbizidtoleranz-Gens in das Genom von Mais demonstriert.

    Zif268 Protein-DNA-Komplex, ein Modell für das Verständnis von Zinkfinger-DNA-Wechselwirkungen. Im Bild: die Bindung eines Zinkfingerproteins (beige) an eine doppelsträngige DNA (gelb). Die dargestellte Zinkfingernuklease besteht aus drei Zinkfingermotiven. Bild: Bernd Schröder, nach Daten der Protein Data Base

    Sangamo BioSciences hat den Unternehmensnamen unterdessen in Sangamo Therapeutics geändert. Das börsennotierte Unternehmen will sich in einer Neuausrichtung der klinischen Entwicklung von Genom-Therapien am Menschen widmen.

    2016 hatte Monsanto bereits die Zusammenarbeit mit weiteren Biotech-Start-ups bekanntgegeben. Wie etwa TargetGene Biotechnologies aus Israel, deren Genom-Editor T∙GEE Monsanto lizensiert hat. Oder mit der in Deutschland ansässigen Nomad Bioscience GmbH, deren Technologie eine effizientere Entwicklung editierter Merkmale versprechen und die sich im Verbund mit einer großen Vielfalt von Genom-Editoren einsetzen lassen soll.

    Bei DuPont arbeiten Wissenschaftler unterdessen an CRISPR-Weizen und CRISPR-Mais, denen eine Dürreresistenz eingearbeitet wurde. Die Entwicklung erfolgt in Zusammenarbeit mit Caribou Biosciences, einem von Jennifer Doudna mitbegründeten Biotech-Unternehmen. Die Biochemikerin und Molekularbiologin ist eine der Mütter von CRISPR.

    Im Mai 2017 kündigten beide Unternehmen mit SITE-Seq außerdem eine biochemische Methode an, die außerhalb des eigentlichen Zielgebiets liegende CRISPR/Cas9-Trennstellen im Genom eines jedweden Organismus aufspüren kann, mit einer vorher nicht erreichten Genauigkeit. Von der Methode versprechen sich die Beteiligten Auswirkungen auf die Kommerzialisierung von mittels CRISPR/Cas9 erzeugten Produkten, da dieses robuste Analyse-Werkzeug die effiziente Arbeit der Gen-Schere unterstützen und Bedenken hinsichtlich unbeabsichtigter Eingriffe von CRISPR/Cas9 zerstreuen soll.

    Gentechnik 2.0: Alte Probleme, neue Werkzeuge

    Genom-Editoren sollen die Pflanzenzucht schneller und genauer machen - und die Akzeptanz der Kundschaft erhöhen

    Rapsfeld. Bild: Bernd Schröder

    Cibus: Weltweit akzeptable, nicht-transgene Merkmale für alle wichtigen Nutzpflanzen

    Große Unternehmen der Agrarindustrie erkunden gegenwärtig die Möglichkeiten neuer Genombearbeitungs-Technologien in der Pflanzenzucht, und auch Biotech-Start-ups wollen ihren Teil vom Kuchen. Wie beispielsweise Cibus. SU Canola, eine gegen Sulfonylurea-Herbizide tolerante Rapssorte, war 2016 auf Feldern North Dakotas und Montanas ausgebracht worden. Das Potential ist immens: In Nordamerika werden auf rund neun Millionen Hektar Raps angebaut, Tendenz steigend.

    Künftig soll außerdem nicht-transgener Cibus-Flachs auf die Äcker kommen, der gegenüber Glyphosat tolerant ist. Die Entwicklung wurde teilweise vom Flax Council of Canada gesponsort, weil man sich dort eine effektive Unkrautbekämpfung erhofft. Eine ebenfalls in der Entwicklung befindliche Reissorte soll gegen zwei verschiedene Herbizide tolerant gemacht werden.

    RTDS von Cibus bedient sich zelleigener DNA-Reparaturmechanismen. Bild: Cibus

    Das bei Cibus entwickelte RTDS (Rapid Trait Development System) basiert auf Oligonukleotid-gesteuerter Mutagenese (ODM - oligonucleotide-directed mutagenesis). Bei ODM werden kurze, im Labor synthetisierte DNA-Moleküle - Oligonukleotide - in die Zelle eingeschleust, um an einer bestimmten Stelle im Erbgut gezielt Mutationen auszulösen. Sie tragen die komplementäre Sequenz einer bestimmten Stelle des Genoms der Zielpflanze, an der sie andocken können. Die Sequenz enthält außerdem einen bewusst eingebauten Fehler, der von der Pflanze in das eigene Gen übernommen wird. Die so erzwungene Mutation kann ein Austausch von einzelnen oder wenigen Nukleotidpaaren sein, eine Löschung oder auch ein Einschub von kurzen Fragmenten zelleigener DNA.

    Die eingeschleusten Oligonukleotide stellen keine neuen Kombinationen genetischen Materials dar, ihre Sequenz hängt von der Zielsequenz ab. Sie vermitteln die Veränderung des Erbguts, werden aber nicht selbst in das Genom der

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