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Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 1: Der Boom nach 1945

Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 1: Der Boom nach 1945

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Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 1: Der Boom nach 1945

Länge:
284 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 16, 2019
ISBN:
9783745208535
Format:
Buch

Beschreibung

von Heinz J. Galle

Der Umfang dieses Buchs entspricht 259 Taschenbuchseiten.

Der erste Versuch, einen Überblick über das in diesem Buch behandelte Thema zu geben, startete 1988 im Ullstein-Verlag. Die Geschichte der deutschen Trivialliteratur.

Zehn Jahre später kam im EDFC eine erweiterte Fassung heraus - in einem Band.

Dies wird nun geändert - aus einem Buch wurden drei Einzelbände, die jeweils bestimmte Zeitabschnitte detaillierter behandeln. Da alle Texte neu geschrieben wurden, der Sektor der Heftromane chronologisch aufgearbeitet, beginnen wir mit der Zeit nach 1945 und beleuchten hierbei auch die Produktionen der DDR sowie Publikationen der uns umgebenden deutschsprachigen Länder.

Unillustrierte Sonderausgabe.
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 16, 2019
ISBN:
9783745208535
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 1 - Heinz J. Galle

Literaturverzeichnis

Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 1: Der Boom nach 1945

von Heinz J. Galle

Der Umfang dieses Buchs entspricht 259 Taschenbuchseiten.

Der erste Versuch, einen Überblick über das in diesem Buch behandelte Thema zu geben, startete 1988 im Ullstein-Verlag. Die Geschichte der deutschen Trivialliteratur.

Zehn Jahre später kam im EDFC eine erweiterte Fassung heraus – in einem Band.

Dies wird nun geändert – aus einem Buch wurden drei Einzelbände, die jeweils bestimmte Zeitabschnitte detaillierter behandeln. Da alle Texte neu geschrieben wurden, der Sektor der Heftromane chronologisch aufgearbeitet, beginnen wir mit der Zeit nach 1945 und beleuchten hierbei auch die Produktionen der DDR sowie Publikationen der uns umgebenden deutschsprachigen Länder.

Unillustrierte Sonderausgabe.

COPYRIGHT

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Archiv Heinz Galle, Layout Steve Mayer, 2019

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Editorische Notiz

Der erste Versuch, einen Überblick über das in diesem Buch behandelte Thema zu geben, startete 1988 im Ullstein-Verlag, Berlin, mit Groschenheften. Die Geschichte der deutschen Trivialliteratur. Da verlagsseitig in die Kapitelabfolge eingegriffen wurde, war dies keine absolut zufriedenstellende Arbeit gewesen, aber es war ein Anfang!

Zehn Jahre später kam im EDFC, Passau, das umfangreiche Werk „Volksbücher und Heftromane" heraus. Dies war ein großer Fortschritt; erstmals konnte der weitgespannte Rahmen dieser populären Lesestoffe sichtbar gemacht werden. Aber aufgrund der Zusammenstellung von diversen Einzelbeiträgen aus vielen Zeitschriften konnte eine gewisse Überschneidung einzelner Spezialthemen nicht vermieden werden.

Dies wird nun geändert: Aus dem einen Buch werden drei Einzelbände entstehen, die jeweils bestimmte Zeitabschnitte behandeln. Nun endlich kann, da alle Texte neugeschrieben werden, der Sektor der Heftromane chronologisch aufgearbeitet werden. Wir beginnen mit der Zeit nach 1945 und beleuchten hierbei auch die Produktionen der DDR sowie Publikationen der uns umgebenden deutschsprachigen Länder.

Die Abbildungen auf dem Cover stammen aus dem Archiv Heinz J. Galle. Die Abbildungen werden als Bildzitate verwendet.

Vorwort

Die breite Palette visueller und akustischer Unterhaltungsvarianten, die der heutigen Jugend geboten wird, hat die Lust am Lesen ins Abseits gedrängt. Die sogenannten „Pisa-Studien" zeigen in erschreckendem Maße die Leseschwäche heutiger Schülergenerationen auf. Damit einhergehend haben natürlich auch populäre Lesestoffe, wie sie die Heftromane darstellen, an Einfluss und Faszination verloren.

Während früher die Auslagen am Kiosk von den bunten Heftumschlägen beherrscht wurden, muss man heute nach derartigen Druckerzeugnissen schon dezidiert Ausschau halten.

Von der großen Anzahl einstiger Verlagsunternehmen dieses Genres sind nach diversen Fusionen eigentlich nur noch zwei Verlage (Bastei und Pabel/Moewig) verblieben.

Heftserien wie JERRY COTTON, PERRY RHODAN, JOHN SINCLAIR oder LASSITER haben zwar noch eine treue Lesergemeinde, aber dahinter klafft schon eine erhebliche Lücke, und sie wird immer breiter! Nach den Boom-Phasen vor 1933 und nach 1949 befindet sich das Genre des Heftromans inzwischen im steilen Sinkflug.

Während meiner Teilnahme am Symposium des Bastei-Verlages „Die schwere Kunst der leichten Unterhaltung" (28. April 2004 im Bonner Haus der Geschichte) konnte ich erneut registrieren, dass junge Autoren der Mainstream-Literatur mit Unverständnis auf das Engagement für den Heftroman reagieren. Das ist, ausgehend von der völlig neuen Sachlage im Sektor der Unterhaltungsmedien, verständlich. Ein junger Leser unserer Epoche kann die Faszination nicht nachvollziehen, die diese Fluchtliteratur auf die Generationen ausübte, die nach 1945 in das Lesealter hineingewachsen waren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren es diese populären Lesestoffe, die den Jugendlichen das Fenster zur weiten Welt öffneten. Es war für sie, besonders in den ersten Nachkriegsjahren, die einzige Möglichkeit, dem Alltag aus Ruinen zu entfliehen.

Der Schwerpunkt dieser Ausführungen wird auf die vergangenen Jahrzehnte gelegt; heutige Serien werden nur angerissen und müssen einer späteren Betrachtung überlassen werden. Wir haben es ja auch hier mit einem völlig neuen Phänomen zu tun: Dass Serienhelden wie JERRY COTTON oder PERRY RHODAN über mehrere Jahrzehnte am Kiosk erhältlich sind – und das bis heute – hat es vorher noch nie gegeben!

Die literaturwissenschaftliche Erkundung der im deutschsprachigen Raum veröffentlichten populären Lesestoffe hat an deutschen Universitäten zögernd und in den Verlagen noch immer nicht begonnen. Im Gegensatz dazu ist in England und Amerika eine Vielzahl einschlägiger Sekundärliteratur veröffentlicht worden. Allein in meinem Besitz befinden sich zwanzig zum Teil opulent ausgestattete Werke, in denen die Historie der „Dime Novels, „Penny Dreadfuls oder „Pulps" beleuchtet wird!

Wir hoffen, dass wir mit dieser erweiterten, aktualisierten Neuauflage (2005) des erstmals 1998/99 erschienenen Sachbuches Volksbücher und Heftromane sowohl für Literaturwissenschaftler als auch für Sammler von Interesse sein können.

Leverkusen, im Juni 2005

Heinz J. Galle

1. Kometen am Himmel – Österreichs Frühstart nach 1945

Österreich war aufgrund des Vorsprungs in der wirtschaftlichen Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg in den ersten Jahren führend auf dem Gebiet der deutschsprachigen Romanheftproduktion. In Deutschland gab es mehr Probleme bei der Papierbeschaffung; dazu kam, dass die Besatzungsmächte nicht so großzügig mit der Erteilung von Genehmigungen waren, wie das in Österreich der Fall war. Schriftstellerisch begabte Amateure versuchten in eigener Regie ihr Glück als Autoren und Verleger. Aus den Angaben von Manfred Pilz, dem Autor des Katalogs der österreichischen Romanhefte 1876 bis heute (Wien: Pollischansky, 1999), geht hervor, dass die Majorität der produzierten Serien in Wien und Graz verlegt wurde.

Diese beiden Städte waren die Hochburgen der österreichischen Heftproduktion; ungefähr 25 Verleger brachten dort zwischen 1946 und 1966 über 300 Heftreihen heraus.

Bereits im ersten Nachkriegsjahr wurden in Österreich 16 Heftreihen gestartet, jedoch nur neun dieser Serien brachten es auf mehr als vier Ausgaben; der Rest gab das Rennen nach ein bis drei Nummern auf. Zwischen 1946 und 1949 erschienen in Österreich ca. 134 dieser Kleinschriften; davon waren 46 % relativ erfolgreich, die restlichen Serienhelden mussten nach maximal drei Ausgaben die Segel streichen. Ob dies auf die damals herrschenden Probleme mit der Papierbeschaffung zurückzuführen ist oder die finanziellen Mittel der Kleinverleger nicht ausreichten, lässt sich heute nicht mehr eruieren.

Aus dem vorliegenden Zahlenmaterial über diese ersten Jahre ist jedenfalls ersichtlich, dass mit der Stabilisierung der österreichischen Wirtschaft die Anzahl der produzierten Heftserien steil anstieg. Dazu kam, dass nach dem Krieg in den vier Besatzungszonen Deutschlands kaum Papier für derartige Projekte existierte, während die Situation dafür in Österreich günstiger war. Natürlich war auch in der Alpenrepublik Papier knapp; man war aber erfinderisch und druckte zum Beispiel in einigen Fällen, wie bei dem HAWAI-ABENTEUER-MAGAZIN, das Titelbild auf die Rückseite von altem Kartenmaterial.

Ausgehend von den erwähnten 16 Reihen des ersten Nachkriegsjahres erhöhte sich die Zahl der Neuerscheinungen ständig; zwischen 1947 und 1949 kamen jedes Jahr ca. 40 neue Heftserien in den Handel.

Die ersten Nachkriegsjahre boten wie die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg einen idealen Nährboden für Trivialliteratur jeglicher Art. Viele Serien tauchten wie Kometen auf, verschwanden aber meist ebenso schnell.

Eine Auswertung der vorliegenden Daten ergab, dass sich ab 1946 ca. 132 Verleger in Österreich zeitweilig mit der Herausgabe populärer Lesestoffe befassten. Sie brachten es zusammen auf ca. 455 Serien; davon abziehen muss man eigentlich die ungefähr 180 Romanreihen, die schon kurz nach dem Start ihr Erscheinen wieder einstellten. Aber auch die Zahl von 132 Verlegern ist mit Vorsicht zu betrachten, denn viele dieser Pioniere waren nur mit einer oder zwei Ausgaben an den Trafiken (= österreichische Bezeichnung für Tabakläden) präsent. Dazu kommen noch die ständigen Fusionen im Verlagsgeschäft, so dass einzelne Serien nacheinander bei verschiedenen Unternehmen produziert wurden.

Drei Themenkreise beherrschten den Markt der Romanhefte, ziemlich gleichstark ist ihr Prozentanteil. Erfasst wurden für diese Statistik allerdings nur jene Serien, die zehn und mehr Ausgaben erreichten. Spitzenreiter mit ca. 34 % waren die Detektiv-Abenteuer und monographischen Kriminal-Reihen, gefolgt von den Wildwest-Erzählungen mit 32 %. Das Abenteuer-Genre brachte es auf 27 %, völlig ab fiel dagegen der Liebesroman-Sektor mit knapp 5 %; utopisch-phantastische Periodika spielten in diesem Zusammenhang noch keine Rolle.

Doch diese Blütezeit hatte auch ihre Schattenseiten. Im Jahre 1950 war in Österreich das Gesetz zum Schutze der Jugend gegen sittliche Gefährdung erlassen worden. Von diesem Zeitpunkt an kämpften die Behörden gegen die Verleger. Und sofort waren auch sie wieder da, die Herausgeber sogenannter „guter Jugendliteratur". Jugendorganisationen der Parteien betätigten sich in den ersten Jahren als Herausgeber derartiger Serien. Die Freie Österreichische Jugend gab 1946 die Reihe DAS NEUE ABENTEUER heraus, die Sozialistische Jugend Österreichs produzierte im Vorwärts-Verlag die Serie ALASKA KID. Beide Organisationen bekämpften sich später mittels Denunziationen bei den Behörden und ließen Verbot auf Verbot über die Heftserien der anderen Seite niedergehen.

Es gab weiter einschlägige Publikationen wie FRISCHE SAAT oder WUNDERLAND. Zur „guten Lektüre" gehörte auch die Reihe DAS GROSSE ABENTEUER des österreichischen Buchclubs der Jugend. Die Serie mit dem einfallslosen Titel enthielt Novellen bekannter Dichter, Märchen und Sagen.

Zwischen den „Verteidigern der abendländischen Kultur" und den Verlegern von Heftromanen kam es zu ständigen Auseinandersetzungen. Der Falken-Verlag berichtete zum Beispiel, dass er innerhalb kurzer Zeit mit neun Verboten belegt worden sei – Antragssteller war jedes Mal der österreichische Buchclub der Jugend.

Typisch für die österreichische Szene, wie eigentlich generell in diesem Metier, war, dass die Autoren sich hinter werbeträchtigen, amerikanisch klingenden Pseudonymen versteckten.

Zu den besonders rührigen Unternehmen gehörte der Wrba-Verlag, deren Inhaber Walter und Lisa Wrba waren. Sie gaben zeitweilig etwa zehn Heftreihen heraus. Auch hier ist zu vermuten, dass sich hinter dem im Impressum aufgeführtem Satz „für den Inhalt verantwortlich W. Wrba der eigentliche Autor versteckte. Die berüchtigtste Heftserie jener Zeit war wohl JOHN KILL DER SKLAVENJÄGER. Die Reihe kam etwa 1948 in Wien heraus und bestätigte alle Vorurteile, die Österreichs Jugendschützer schon immer gegen Schundhefte erhoben haben. Die Titel verrieten sofort, woher der Wind wehte: Niggerfracht für Omega, Kannibalenjagd oder Negeraufstand. Da sich in den Heften kein Impressum befindet, ist anzunehmen, dass die Serie ohne Genehmigung auf den Markt gebracht wurde. Im Mittelpunkt stand John Kill, ein Verbrecher und Menschenhändler, der ständig auf der Jagd nach „schwarzem Elfenbein war. Die Handlung strotzte nur so von Untaten, es wurde ausgiebig geplündert, gemordet oder vergewaltigt. Johns ergebener Begleiter ist Lubbu, ein Malaie. Einst sollte er zu Tode gefoltert werden; man schnitt ihm Ohren und Nase ab, skalpierte ihn, aber er überlebte.

Spricht man von der österreichischen Heftproduktion jener Jahre, dann kann man an einem Mann nicht vorbei – Rolf Mauerhardt (1919–2000). Er ragte aus der Masse der Verleger und Autoren jener Zeit hervor. Im Jahre 1946 startete der Verlag Edition Scala, Wien, einen Wettbewerb; gesucht wurde ein Schriftsteller, der Geschichten im Stil der alten TOM-SHARK-Hefte schreiben konnte. Rolf Mauerhardt gewann diesen Wettbewerb und begann, die Serie GERRY THOOK DER MEISTERDETEKTIV zu schreiben. Die Hefte waren in Aufmachung und Format eine Kopie der TOM-SHARK-Vorkriegsreihe. Für das gleiche Unternehmen verfasste er auch noch eine an ROLF TORRING angelehnte Abenteuerserie, die HENRY GORDON IN INDIEN (ab Bd. 13 HENRY GORDON IN AFRIKA) getauft wurde.

Dann machte sich der Autor selbstständig, gründete einen Verlag und wurde im Verlauf von 20 Jahren der produktivste und fleißigste Autor/Verleger Österreichs. Eine der ersten Reihen aus seinem Verlag und seiner Feder war LORD GRESSY DER GENTLEMANDIEB. Hierbei stützte sich Mauerhardt auf das alte Vorbild LORD LISTER DER GROSSE UNBEKANNTE, eine Serie, die vor dem Zweiten Weltkrieg erschienen war.

Auch Rolf Mauerhardt musste einen „Partisanenkampf" gegen die Behörden führen. Ab 1951 begann es Verbote zu hageln, 1952 waren in Österreich fast 100 Heftreihen mit einem zeitweiligen Verbot belegt. Was konnte man als Verleger dagegen tun? Nun, der Mauerhardt-Verlag brachte zum Beispiel die Serie KANSAS KID heraus, die verboten wurde. Daraufhin erschienen die Abenteuer des Helden unter dem neuen Serientitel KIDD WILD WEST ROMAN. Als diese Reihe ebenfalls verboten wurde, machte der Verlag KANSAS STORY daraus. Im Laufe der Monate wurde aus KANSAS KIDD schließlich die KANSAS COLLECTION. Spitzenreiter dieses Wettlaufs waren seine Prärieromane, die es auf sage und schreibe 24 verschiedene Serientitel brachten.

Die drei Caballeros

Drei Spanier fielen in jenen Jahren mit sehr gut durchdachten Manuskripten auf:

Der erste war Pedro Victor Debrigode Dugi (1914–1982). Er machte unter seinem Pseudonym Arnaldo Visconti Furore; mit den zwei Heftserien EL PIRATA NEGRO und EL TROVADOR war er in den fünfziger Jahren in Österreich vertreten.

EL PIRATA NEGRO startete 1946 in Spanien und erreichte dort 89 Ausgaben. Die Abenteuer des Schwarzen Piraten sollen laut Verlagswerbung damals mit insgesamt acht Millionen Exemplaren in sechs Staaten präsent gewesen sein. Im Innsbrucker Golf-Verlag kam die Serie zwischen 1950 und 1952 heraus. Der Verlagsinhaber Dr. Summereder hatte Verbindung mit dem Universitas-Verlag in Barcelona bekommen und von dort die Lizenz für die Herausgabe der Manuskripte erhalten. Pro Manuskript musste er 850,00 DM zahlen. Die Auflage im Golf-Verlag lag bei 20 000 Exemplaren, und sie wurde komplett ausverkauft, was auf ein großes Interesse der Leser hindeutet. Der Missionsverlag St. Gabriel in Mödling gab in jenen Jahren die Jugendschriftenreihen FRISCHE SAAT sowie WUNDERLAND heraus. Dieser Verlag zeigte Dr. Summereder mehrmals wegen der „Verbreitung von Schund und Schmutz" an. Der Golf-Verlag gewann zwar die Prozesse, aber der Vertrieb der Heftserie EL PIRATA NEGRO wurde dadurch so behindert, dass der Verlag schließlich die Serie mit der Nr. 20 einstellte.

Der Hamburger Verleger Nowack ging ziemlich rigoros mit den Arbeiten Viscontis um. Damit die Manuskripte die üblichen 80 Seiten dieser sogenannten „Kleinbuchreihe" erreichten, ließ er von seinem Mitarbeiter Karl-Heinz Berndt, jenem K. H. Berndt, der später unter seinem Pseudonym Berndt Guben bekannt werden sollte, die Texte um 10 – 15 Seiten verlängern!

Die zweite Visconti-Reihe, EL TROVADOR, war in Spanien 1949 unter dem Titel EL GALANTE AVENTURERO gelaufen und hatte es dort auf 20 Ausgaben gebracht. Im Grazer Arrow-Verlag wurden die im 16. Jahrhundert spielenden „Mantel und Degen"-Geschichten trotz der einprägsamen Titelbilder sowie der ganzseitigen Innen-Illustrationen bereits mit der Bandnr. 5 eingestellt.

Von dem zweiten spanischen Schriftsteller, José Mallorqui Figuerola (1913–1972), waren in Österreich gleich vier Heftserien auf dem Markt. Besonders erfolgreich war Mallorqui mit seiner EL-COYOTE-Reihe; die spanische Originalausgabe soll es auf über 170 Titel gebracht haben. Bei der im Farbteil abgebildeten Nummer handelt es sich allerdings nicht um die Originalausgabe, sondern um eine spätere Auflage.

In Linz erreichte EL COYOTE zwischen 1949 und 1953 jedoch nur 39 Titel. Dazu kommen allerdings noch jene Manuskripte (Nrn. 40 – 49), die in Nachfolgeserien wie PINGUIN, CONDOR und COLIBRI verwendet wurden, sowie die Sondernummern und eine 112 Seiten starke Spezialnummer, die mit 40 Portraits sämtlicher Hauptfiguren sowie diversen ganzseitigen Innenillustrationen aufwartete. Besonders hervorzuheben sind die Titelbilder der EL-COYOTE-Bände von F. Batet, die eine wahre Augenweide darstellen. Ob die in den dreißiger Nummern angekündigten zwei Ganzleinenbände mit Goldaufdruck erschienen sind, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Auch in diesem Fall hatte der Verlag stolz die allgemeinen Verkaufszahlen verkündet, wonach die Reihe in über 30 Millionen Exemplaren in 16 Staaten vertrieben wurde.

Im Friedrich-Petersen-Verlag, Hamburg, liefen die Abenteuer des maskierten Helden unter dem Serientitel COYOTE. Zwischen 1956 und 1958 wurden dort alle 74 Geschichten des Untergrundkämpfers herausgebracht. Ein Vergleich der beiden zuerst parallel laufenden Reihen zeigt, dass die Nummerierung nicht übereinstimmt: so war in Österreich „Das Geheimnis der Maise-Syer" als Bd. 26, in Deutschland als Bd. 28 erschienen; auch die Farbgebung der verwendeten Originaltitelbilder wich in Nuancen voneinander ab. Im Zusammenhang mit dieser deutschen Ausgabe muss noch erwähnt werden, dass zu Beginn der fünfziger Jahre auch noch sieben COYOTE-Leihbücher herausgegeben wurden. Es handelte sich quasi um Neuauflagen der Heftserie, denn jeweils zwei Titel wurden zusammengefasst und mit zum Teil neuen Titeln sowie Covern ausgestattet.

Mallorqui war daneben auch noch mit sieben Titeln in der bei Schwicker in Linz veröffentlichten Wildwest-Serie CABALLEROS vertreten. Im gleichen Verlag erschien die österreichische Ausgabe seiner Heftreihe DUKE. Sie war in Spanien zwischen 1942 und 1946 in zehn Titeln publiziert worden, bei Schwicker brachte sie es immerhin auf acht Ausgaben.

Und schließlich muss auch noch seine Pinguin-Kleinbuch-Reihe JIBARO erwähnt werden. Hier hatte der Verfasser einen unter Indianern aufgewachsenen jungen Mann als Helden aufgebaut, der den Mord an seinem Vater rächen wollte, ein bekannter Topos im Genre des Heftromans. Die Handlung spielt in der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Warum der Schwicker-Verlag die Serie schon nach fünf Ausgaben wieder einstellte, ist nicht bekannt. Danach recycelte man die bereits vorliegenden vier JIBARO-Manuskripte in der Reihe MÄNNER AUS DEM WESTEN, so dass also insgesamt neun Abenteuer des Helden in Österreich vertrieben wurden. Dazu müsste man eigentlich sogar noch jene elf Leihbücher zählen, die 1953 und 1954 in Deutschland von zwei einschlägigen Verlagen herausgegeben wurden.

Das Trio vervollständigte Guillermo López Hipkiss (1902–1957), ein Spanier, der allerdings längere Zeit in England gelebt hatte. Das Team ROTE SCHLANGE/DER KAPUZENMANN alias Milton Drake startete in der Reihe EL ENCAPUCHADO im Oktober 1946 seine Laufbahn; bis 1950 wurden dort 62 Geschichten veröffentlicht. In Österreich waren die Helden drei Jahre lang in 44 Abenteuern präsent. Dazu kommen noch jene verbliebenen Manuskripte, die in den Nachfolgeserien PINGUIN, CONDOR und COLIBRI verwendet wurden. Auch in diesem Fall existiert eine deutsche Ausgabe, die von 1950–1954 in 47 Ausgaben in Frankfurt und Hamburg aufgelegt wurde. Dazu zählen muss man auch noch die vier Leihbücher des Hamburger Petersen-Verlages.

YUMA, das zweite österreichische Periodikum des G. L. Hipkiss, wurde

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