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Mord im Richmond-Park
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eBook121 Seiten1 Stunde

Mord im Richmond-Park

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Über dieses E-Book

Während großer Feierlichkeiten geschieht ein scheußlicher Mord im Braunschweiger Richmond-Park des 18. Jahrhunderts. Schnell zeigt sich für Leutnant Friedrich Oberbeck, der in diesem Fall ermittelt, dass hier der allgegenwärtige Aberglauben eine entscheidende Rolle spielt. Seine Aufgabe scheint unlösbar, denn den Höflingen im Residenzschloss gefällt seine Art der Ermittlung überhaupt nicht, glaubt man doch längst, den Täter entlarvt zu haben. Doch Oberbeck weiß es besser, und es wird Zeit den Mörder zu fassen, bevor ein weiteres Mal zuschlägt …

SpracheDeutsch
HerausgeberBEKKERpublishing
Erscheinungsdatum4. Apr. 2019
ISBN9781386254607
Mord im Richmond-Park
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    Mord im Richmond-Park - Tomos Forrest

    Klappentext:

    Während großer Feierlichkeiten geschieht ein scheußlicher Mord im Braunschweiger Richmond-Park des 18. Jahrhunderts. Schnell zeigt sich für Leutnant Friedrich Oberbeck, der in diesem Fall ermittelt, dass hier der allgegenwärtige Aberglauben eine entscheidende Rolle spielt. Seine Aufgabe scheint unlösbar, denn den Höflingen im Residenzschloss gefällt seine Art der Ermittlung überhaupt nicht, glaubt man doch längst, den Täter entlarvt zu haben. Doch Oberbeck weiß es besser, und es wird Zeit den Mörder zu fassen, bevor ein weiteres Mal zuschlägt ...

    ***

    1.

    „Zigeuner! Zigeuner sind da!"

    Der jubelnde Ruf flog von Mund zu Mund, wurde fröhlich aufgenommen und weitergegeben, erreichte Hinterhöfe und obere Stockwerke. Fenster wurden aufgerissen und neugierig schauten die Menschen auf den bunten Zug, der sich an den Dragonerställen vorbei auf den Leonhardplatz zu bewegte.

    „Nehmt die Wäsche von der Leine und schließt die Mädels weg!", brummte ein alter Mann, der das Treiben vor seinem Haus mit äußerst finsterem Gesicht verfolgte.

    „Onkel Lukas, die Zigeuner haben aber schöne Wagen!" Das Mädchen war hinter ihm auf die Straße getreten und sah mit großen, strahlenden Augen zu ihm auf.

    „Ach was, Herumtreiber und Diebe sind sie alle miteinander. Wirst schon sehen, dass bald die Stadtwache erscheint und sie vertreiben wird."

    „Aber Onkel Lukas, da sind auch Tiere dabei, schau nur, das große, starke Pferd, und der da vorn geht mit dem roten Hut, der hatte ein Äffchen auf der Schulter sitzen, ich habe es genau gesehen!"

    „Meinetwegen, aber jetzt zurück ins Haus mit dir, du hast hier nichts zu suchen – oder bist du schon fertig mit deinen Aufgaben?" Der Alte war in einen abgetragenen, dunkelblauen Rock geknöpft, der seine Herkunft als ehemaliger Uniformrock nicht leugnen konnte, auch wenn die Aufschläge längst abgetrennt waren. Die umgeschlagenen Ärmel und die Anordnung der Knöpfe hatte sein Träger jedoch nicht verändert. Seine ganze, stocksteife Haltung und sein durchgedrückter Rücken verrieten zudem den altgedienten Soldaten.

    „Och, Onkel Lukas, ich möchte mir so gern die Wagen ansehen!", bettelte das Mädchen und sah ihrem Onkel mit flehendem Blick in das finstere Gesicht. Sie war bei dem Ruf sofort aus dem Haus gelaufen, nur mit ihrem Kittel bekleidet und barfuß, wie sie in der Küche geholfen hatte.

    „Nichts da, mit dem Pack haben wir nichts zu schaffen. Du gehst sofort ins Haus zurück und hilfst deiner Mutter in der Küche!"

    Der Mann schob das Kind rigoros durch die geöffnete Tür zurück, warf noch einen finsteren Blick auf die Gruppe, schüttelte missbilligend den Kopf und folgte seiner Nichte nach.

    Auf der Straße waren inzwischen aus der gesamten Nachbarschaft Neugierige zusammengelaufen. Mägde und Zimmermädchen, Diener und Knechte hatten bei dem Lockruf alles stehen und liegen gelassen und standen nun Spalier, die Augen weit aufgerissen und bei jedem Kunststück der Gaukler in gedehnte „Aaahs! und „Ooohs! ausbrechend.

    Es waren drei gedeckte, bunt bemalte Wagen mit struppigen Pferden davor, die müde einen Huf vor den anderen setzten. Man sah den Tieren an, dass sie einen weiten Weg hinter sich hatten und dringend einer Rast bedurften. Ein gutes Dutzend bunt gekleideter Menschen umschwärmte sie, ständig durcheinanderlaufend, lachend, Kunststücke zeigend. Die Männer waren dunkelhaarig, einige von ihnen mit brauner Gesichtsfarbe, in den Ohren goldene Ringe, um die Hüften bunte Tücher gewunden. Alle gingen barfuß, auch die Frauen, die mit Schellen und kleinen Trommeln Musik machten, sich mit wehenden Röcken drehten und den Zuschauern Kusshände zuwarfen.

    Vor dem zweiten Wagen ging ein mächtiger Herkules, den freien Oberkörper schmückte ein prächtiges, gestreiftes Fell. Hinter ihm sprang ein schlanker Junge in den tollsten Kapriolen, schlug mehrere Purzelbäume hintereinander und schließlich sogar ein Rad.

    Der dritte Wagen war vergittert, und die Zuschauer raunten sich bald zu, dass er die Bestien transportieren würde. So sehr sie sich aber auch anstrengten, konnten sie keinen Blick in das Wageninnere werfen, denn hinter den Gittern hingen dunkle Tücher und versperrten die Sicht. Der Wagenlenker war ein dunkelhäutiger, finsterer Bursche, der darauf achtete, dass niemand seinem Wagen zu nahe kam.

    Am prächtigsten wirkte aber der Führer der Gruppe in seinem orientalisch anmutenden Kostüm, einer kurzen, blauen Jacke nach Art der Janitscharen, einer weiten, blauen Pluderhose, auf dem Kopf einen roten Fez mit dicker, schwarzer Quaste. Der Affe war ihm jetzt von der Schulter gesprungen und lief neben ihm her, soweit es die lange, dünne Kette ermöglichte. Er machte es dem Jungen nach und schlug zur Begeisterung der zahlreichen Kinder einen Purzelbaum nach dem anderen.

    „Heute Nachmittag zeigen wir unsere Kunst!", rief mit lauter, kräftiger Stimme der Fezträger und verbeugte sich nach allen Seiten. Der Wagenzug verharrte einen Moment vor dem freien Platz, und der Anführer nutzte die Gelegenheit, die Gaffer einzuladen.

    „Das habt ihr noch nie gesehen – der starke Herkules bricht eiserne Ketten! Er verbiegt eine Eisenstange, die zwei Männer tragen müssen, und er verschluckt ganze Schwerter! Seht den unglaublichen Salvatore, der Feuer speien kann, kommt zu Alfonso, der den Bären tanzen lässt, und staunt über die Schönheit von Scheherazade, die euch die Tänze aus Tausendundeiner Nacht zeigen wird! Heute Nachmittag auf diesem Platz!"

    Die Frauen schlugen einen wirbelnden Takt mit den Trommeln und Schellen, der Junge erstaunte die Masse mit einer Serie atemberaubender Flickflacks. Gleich darauf stand er dicht vor den verblüfften Zuschauern, hatte sich die verblichene Mütze vom Kopf gerissen und machte eine gewaltige Verbeugung.

    „Meine Damen und Herren – staunt über Enrico, den Gummimenschen – meine Knochen sind verbiegbar wie aus Gummi – das habt ihr noch nie gesehen!" Zum Beweis verdrehte der Junge lachend sein Handgelenk auf geradezu unnatürliche Weise, um im nächsten Augenblick seine Mütze einem Mann unter die Nase zu halten.

    „Na, was ist, Alterchen? Hast du für den armen Enrico ein paar Pfennige oder gar Groschen? Na, was ist? Zier dich doch nicht so!"

    Der junge Akrobat hatte einen dicken, rotgesichtigen Bauern angesprochen, der erstaunt stehen geblieben war, als der letzte Salto des Jungen unmittelbar vor seinen Füßen endete.

    Er wollte sich abwenden, um der Aufforderung zu entgehen, aber damit kam er an den Falschen.

    „Oho – nicht so schnell, Herr Baron! Enrico hat Hunger und arbeitet dafür hart – da werdet Ihr doch wohl nicht so hartherzig sein, und ihm einen kleinen Lohn verweigern?"

    „Also – das ist – unglaublich, einen ehrbaren Bürger derart anzubetteln ..., stieß der Bauer verärgert aus, und zupfte mit beiden Händen seine Rockaufschläge glatt. „Ich habe nichts zu verschenken, verschwinde, Bursche!

    „Halt, nicht so schnell, Herr Baron, Euch fällt ja das Geld schon aus der Tasche! Bei diesen Worten machte Enrico eine rasche Handbewegung und hielt plötzlich ein Goldstück in der Hand. „Donnerwetter, das ist nobel – ein echtes Goldstück!, rief er aus und tanzte wie ein Wirbelwind zwischen den Menschen hindurch, die sich durch diesen Zwischenfall schon um die beiden gesammelt hatten. „Gold! Wahrhaftig Gold – ja, diese Bauern haben es wirklich dicke!"

    Der Bauer wusste nicht recht, wie ihm geschah. Kaum erblickte er das Goldstück in der Hand des Jungen, fuhr seine Hand erschrocken in die Tasche. „Verdammter Dieb! Gib mir das sofort zurück!"

    Damit wollte er sich auf den Jungen stürzen, aber Enrico tauchte mit einer raschen Bewegung unter seinem ausgestreckten Arm hindurch. Dabei schrie er kläglich:

    „Hilfe! Jetzt will er mich um meinen Lohn bringen! Helft mir, ihr Leute!"

    Im folgenden Tumult lachte und schrie alles durcheinander. Der Bauer war zu schwerfällig und dick, um den flinken Jungen fangen zu können. Zwar setzte er ihm ein Stück nach, aber Enrico schlug Haken wie ein

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