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Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 3 Die Zeit von 1855 bis 1905 - Moritatensänger, Kolporteure und Frauenromane

Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 3 Die Zeit von 1855 bis 1905 - Moritatensänger, Kolporteure und Frauenromane

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Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 3 Die Zeit von 1855 bis 1905 - Moritatensänger, Kolporteure und Frauenromane

Länge:
329 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 14, 2019
ISBN:
9783745208757
Format:
Buch

Beschreibung

von Heinz J. Galle

Der Umfang dieses Buchs entspricht 317 Taschenbuchseiten.

Nachdem der erste Band die Zeit nach 1945 und der zweite Band die Zeit von 1905 bis 1945 zum Gegenstand hatte, gehen wir im vorliegenden dritten Band weiter zurück in die Vergangenheit und befassen uns mit dem Zeitraum von 1855 bis 1905.

Die Frühzeit der heutigen Unterhaltungskultur soll in diesem dritten Band der erstmals 1998/99 erschienenen "Volksbücher und Heftromane" (und 2006 aktualisiert) vorgestellt werden. Wir wollen Sie, geneigter Leser, unterhaltend, aber durchaus fundiert durch ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte bis zum Jahre 1905 geleiten.

Unillustrierte Sonderausgabe.
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 14, 2019
ISBN:
9783745208757
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 3 Die Zeit von 1855 bis 1905 - Moritatensänger, Kolporteure und Frauenromane

Buchvorschau

Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 3 Die Zeit von 1855 bis 1905 - Moritatensänger, Kolporteure und Frauenromane - Heinz J. Galle

Literaturverzeichnis

Populäre Unterhaltungsliteratur - Volksbücher und Heftromane Band 3 Die Zeit von 1855 bis 1905 – Moritatensänger, Kolporteure und Frauenromane

von Heinz J. Galle

Der Umfang dieses Buchs entspricht 317 Taschenbuchseiten.

Nachdem der erste Band die Zeit nach 1945 und der zweite Band die Zeit von 1905 bis 1945 zum Gegenstand hatte, gehen wir im vorliegenden dritten Band weiter zurück in die Vergangenheit und befassen uns mit dem Zeitraum von 1855 bis 1905.

Die Frühzeit der heutigen Unterhaltungskultur soll in diesem dritten Band der erstmals 1998/99 erschienenen „Volksbücher und Heftromane" (und 2006 aktualisiert) vorgestellt werden. Wir wollen Sie, geneigter Leser, unterhaltend, aber durchaus fundiert durch ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte bis zum Jahre 1905 geleiten.

Unillustrierte Sonderausgabe.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / Titelbild: Archiv Heinz Galle, Layout Steve Mayer, 2019

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Vorwort

„Will man sich heute mal erbauen,

ganz weltentrückt von Zeit und Ort,

Darf man in keine Zeitung schauen –

Man stößt sofort – auf Raub und Mord.

Auch Bücher gibt’s, die’s Volk vergiften,

Kraß, unverständlich, lebensblind –

Doch ich gesteh: es gib auch neue Schriften,

Die sehr gemein-verständlich sind.

Die neuen Herr’n – les ich nicht gern.

Dann fällt mir ein: Es wird viel besser sein:

Man holt die Alten wieder raus,

setzt in ’nen Winkel sich im Haus,

Liest Wilhelm Raabe und Fritz Reuter –

Und unter Tränen wird man heiter,

Die Gegenwart entschwindet weit –

Man denkt der guten alten Zeit,

Denn unsere Jugend, die Vergangenheit

Ist stets die gute, alte Zeit."

(Auszug aus Otto Reutters Vortrag Man holt das Alte wieder raus, in: Neueste Original Vorträge. Mühlhausen i. Th.: G. Danner, o. J. [1925], S. 48f.)

Otto Reutter (1870–1931) war einer der erfolgreichsten Coupletsänger der Kaiserzeit und füllte schon vor dem Ersten Weltkrieg die Säle Berlins. In dem hier zitierten Vers aus seinem Vortrag „Man holt das Alte wieder raus bezieht er sich auf die sogenannte „gute alte Zeit und schwärmt von ihr.

Diese Frühzeit der heutigen Unterhaltungskultur soll in diesem dritten Band der erstmals 1998/99 erschienenen Volksbücher und Heftromane vorgestellt werden. Wir wollen Sie, geneigter Leser, unterhaltend, aber durchaus fundiert durch ein halbes Jahrhundert Zeitgeschichte geleiten. Die Vorgehensweise und die Themenbereiche werden in der Einführung (Kapitel 1) näher vorgestellt.

Dabei sei angemerkt, dass sich dies Buch nicht ausschließlich an Germanisten und angehende Literaturwissenschaftler richtet, sondern vielmehr in erster Linie an interessierte Leserinnen und Leser dieses Genres. Es ist allerdings auch möglich, dass manche Germanisten hier noch etwas Neues erfahren, obwohl Autor und Verleger sich durchaus im Klaren sind, dass ein derartiges, in seinem Umfang begrenztes Werk, auch bei aller ernsthaften Bemühung um eine möglichst vollständige Berücksichtigung aller zweckdienlichen Gesichtspunkte Lücken aufweisen wird. Einer kleinen Gruppe von Sammlern dieses Genres ist es überhaupt zu verdanken, dass wir heute wenigstens noch in Umrissen die gesamte Bandbreite der Unterhaltungsliteratur aus der Vergangenheit erahnen können.

Für fast jeden der hier behandelten literarischen Bereiche existiert Spezialliteratur. Hierzu wird auf die im Literaturverzeichnis aufgeführte jeweils in Frage kommende weitergehende Sekundärliteratur hingewiesen.

Leverkusen, im Juni 2006

Heinz J. Galle

1. Einführung

Wie verschiedene Ausstellungen in den letzten Jahren gezeigt haben, interessiert man sich besonders stark für den Alltag der Menschen vergangener Zeiten. Die Menschen von heute suchen Geschichte „zum Anfassen" und kommen daher in Scharen, wenn ihnen derartiger Anschauungsunterricht angeboten wird. Nicht so sehr die elitäre Kunst ist es, die ihr Interesse erregt, sondern es sind Verbrauchs- und Gebrauchsartikel ihrer Großeltern, ob es sich nun um Ballkarten, Poesiealben, Bilderbögen oder Oblatenbilder handelt. Das alte Konzept der Museen, fast nur teure und seltene Spitzenobjekte zu zeigen, scheint überholt. Das Tafelsilber des Fürsten von Thurn und Taxis hat für die jeweilige Kulturgeschichte nur eine begrenzte Aussagefähigkeit.

Was die populären Lesestoffe anbetrifft, so werden die Verantwortlichen zukünftiger Museen den engagierten Laien einmal dankbar sein, dass sie sich als Kulturhüter betätigten. Bisher ist allerdings hauptsächlich nur das Hamburger Museum in Altona als Hort der Volksliteratur bekannt geworden.

Noch im 17. Jahrhundert galt Lesen zum Zwecke reiner Unterhaltung als unseriöser Zeitvertreib. Bis weit ins 18. Jahrhundert existierten nur sehr wenige Vielleser; die Bürger besaßen in der Regel nur ein Buch, (meistens war es die Bibel), man bezog seine Informationen aus Kalendern und frommen Broschüren. Aufkommende emanzipatorische Bestrebungen beseitigten dann nach und nach die Dominanz religiöser Schriften.

Der gemeine Mann bezog seine Unterhaltungsliteratur von Hausierern und Marktschreiern, die ihre Produkte von regionalen Druckern bekamen. Diese regionalen Unternehmen interessierten sich nicht für die sogenannte Hochliteratur, sie produzierten gängige Ware: Gebetbücher, Ratgeber, Wetterprognosen, astrologische Broschüren, Sammlungen von Schwänken und Liederbücher für jeden Anlass. Mit anwachsender Lesefähigkeit stieg auch die Buchproduktion: Im 18. Jahrhundert wurden ca. 175 000 Titel aufgelegt; das war mehr als doppelt so viel wie ein Jahrhundert zuvor.

Überproportional stieg die schöngeistige Literatur: Romane, Schauspiele, Erzählungen und Gedichte. Die Belletristik nahm parallel zum Rückgang der theologischen Publikationen von 5 % um 1750 auf gut 20 % um 1800 zu.

Diese Veränderung der Lesegewohnheiten kann auf die zunehmende Säkularisierung sowie den Rückgang des Analphabetentums zurückgeführt werden. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts waren noch gut 75 % der Bevölkerung des Lesens unkundig.

Der Abschmelzungsvorgang des Analphabetentums geht auf die eingeführte allgemeine Schulpflicht zurück. Der Schulunterricht war in den Ländern jedoch noch unterschiedlich geregelt; der Schulzwang wurde beispielsweise in Preußen 1732 und in Bayern 1802 eingeführt. Lehrziel war dabei, wenigstens die deutsche Schrift lesen und schreiben zu können und den Katechismus „mit Verstand" beten zu können.

Zur Vervollkommnung der Lesefähigkeit trug aber auch die fortschreitende Industrialisierung bei; durch die Verkürzung der Arbeitszeit stieg die Freizeit der arbeitenden Bevölkerung. Das Bedürfnis nach emotionaler Unterhaltung war dadurch ständig gewachsen.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert entwickelte sich parallel zur romantischen Belletristik die sogenannte Trivialliteratur. Diese Form der Unterhaltungsliteratur stellt einen unverzichtbaren Bestandteil der deutschen Literatur dar, denn sie befriedigte durchaus legitime Bedürfnisse ihrer Rezipienten. In Deutschland hat die Literaturkritik einen Kanon der Hochliteratur aufgestellt, der vor allem zurückschreckt, was den Anschein von Unterhaltung hat. Daher gelten z. B. Heftromane in Deutschland immer noch als verabscheuungswürdig. Es geht den Romanheften in dieser Beziehung wie der BILD-ZEITUNG; viele lesen sie, aber keiner will es öffentlich eingestehen. Aus diesem Grund halten auch Verleger von Heftromanen wenig von Leserumfragen.

Eine der erfolgreichen Autorinnen des Bastei-Verlages äußerte sich einmal zu diesem Thema wie folgt:

„Die Heuchelei vieler im Umgang mit der Massenliteratur verstehe ich nicht. Man muss sich doch nur einmal anschauen, mit welcher Begeisterung die Leute in Filme wie Pretty Woman rennen. Das ist doch nichts anderes als ein Heftroman im Kino." (Ligensa, Elfie: Die Frau, die Träume leben lässt, in: PRESSE UND BUCH IM BAHNHOF. Landshut: Presse und Buch News, 1976, S. 20)

Triviale Kleinschriften spiegeln mindestens ebenso intensiv wie die Werke der Hochliteratur die Wunschvorstellungen von Zielgruppen wider. Die eigentlich vom Volk wirklich gelesene Literatur fiel infolge ihrer sogenannten Trivialität dem Vergessen anheim. Daher kann die Entwicklungsgeschichte der Unterhaltungsliteratur in Deutschland im Prinzip immer noch als eine Art Terra incognita bezeichnet werden.

Das vorliegende Werk soll zeigen, wie seit Mitte des 19. Jahrhunderts auf das Unterhaltungsbedürfnis der Menschen eingegangen wurde. Die Intention dieses Werkes ist es, zu zeigen, dass derartige Druckerzeugnisse zu allen Zeiten produziert und gekauft wurden. Zu Beginn des hier untersuchten Zeitabschnitts (1855–1905) dominierten Ritter-, Räuber- und Schauerromane die literarische Szene. Die Lust auf Sensationen war allerdings bereits im Mittelalter mit krassen Darstellungen von Mordtaten auf Einblattdrucken bedient worden.

In den Kapiteln 2 und 3 werden dem Leser die Anfänge der Unterhaltungsindustrie vorgestellt. Wir streifen kurz den Sektor der Flugschriften und Einblattdrucke, gehen dann auf den Steindruck sowie Volksbücher, Bilderbögen und Moritatenhefte ein. Es folgt die mit dem Aufkommen der Eisenbahn entstandene spezielle Reiseliteratur, das „Theaterfieber mit seinen unzähligen Textbüchern kommt in Kapitel 5 zu seinem Recht, die Taschenbuchvorläufer in Form der sogenannten „Collectionen werden in Kapitel 6 vorgestellt, in Kapitel 7 wird ein Blick auf die Witzblätter und erotischen Publikationen geworfen.

Darauf folgt eine intensivere Untersuchung des Genres der Volks- und Jugendbibliotheken, die zwischen 1850 und 1905 den Markt beherrschten. Die Blütezeit der Lieferungsromane (auch Kolportageromane genannt) in der Zeit von 1850–1930 wird ausgiebig gewürdigt.

Auf vielfachen Wunsch wird in diesem Buch auch der Bereich der sogenannten „Frauenromane" behandelt, der in den vorangegangenen zwei Bänden wohl zu kurz gekommen ist. Das Werk schließt mit Schlussbemerkungen, in denen auf die Schwierigkeiten bei der Recherche auf dem hier behandelten Gebiet eingegangen wird, einer autobiographischen Skizze und Berichtigungen zu den Bänden 1 und 2.

Wurde schon in den zwei vorangegangenen Bänden der Volksbücher und Heftromane festgestellt, dass jeweilige Belege zu bestimmten Serien sehr selten geworden sind, so trifft das in diesem Falle natürlich noch stärker zu. Zwischen den ersten hier vorgestellten populären Lesestoffen und heute liegen immerhin 150 Jahre! Belege aus der Mitte des 19. Jahrhunderts haben sich, in Sammlerhänden (von Museen soll hier nicht gesprochen werden) nur äußerst selten erhalten.

Bis um 1800 wurde Papier ausschließlich aus Hadern (Lumpen) hergestellt. Friedrich Gottlob Keller entdeckte 1843 zufällig, dass sich ein geeigneter Papierbrei auch aus feingeschliffenen Holzabfällen erzeugen lässt. Wie man jedoch bald registrieren musste, neigt Papier aus Holzschliff schnell zur Vergilbung. Daher kam man auf die Idee, diesen Holzbrei chemisch zu behandeln (Sulfitkochung), um die Fasern besser aufzuschließen. Diese Zugabe von Aluminiumsulfat hatte verheerende Folgen. Aluminiumsulfat wirkt wie Schwefelsäure und andere säurebildende Substanzen, die mit der industriellen Herstellung ins Papier gelangten, als „Zeitbombe; die damit geleimten Papiere sind dem Verfall ausgesetzt, denn die Säure verursacht dessen Zerfall. Heute kämpft man in den staatlichen Bibliotheken und Museen verzweifelt gegen dieses „Endzeitvirus. Aus diesem Grund bekommt der Interessent auch keine dieser alten Zeitschriften mehr per Fernleihe, denn die Exemplare kämen nur noch in einzelnen Bruchstücken an. Die Kolportageromane sind davon ganz besonders betroffen: Deren Hersteller verwendeten stark holzhaltiges Papier, viele dieser Romane befinden sich daher bereits im Zustand der Auflösung.

Neben dem natürlichen Verschleiß dezimierten Altpapiersammlungen während der zwei Weltkriege sowie die Auswirkungen des Bombenkriegs die Lagerbestände der Antiquare und Verleger und ließen unzählige Bücher, Broschüren und Zeitschriften in neuem Papier oder in Flammen aufgehen. Freuen wir uns daher über jedes Buch oder sonstige Druckerzeugnis, das diese Katastrophen unbeschädigt überstanden hat.

TEIL 1 | VON MORITATENSÄNGERN ZU KOLPORTEUREN (1855–1905)

2. Bänkelsänger, Moritatenhefte und Anderes

Flugschriften und Einblattdrucke

Die gesellschaftlichen Veränderungen, die das 16. Jahrhundert durch Reformation und Bauernkrieg erfuhr, sind ohne die Unterstützung durch Produkte der Buchdruckerkunst nicht denkbar. Ohne die Flugschriften wären die Rufe nach Freiheit ungehört verhallt.

Die Reformation wäre ohne diese Flugschriften gar nicht möglich gewesen. Flugschriften erwiesen sich als „Schmiermittel" der Reformation. Die schnelle Verbreitung über die Stadtgrenzen hinaus konnte von der Gegenseite nicht aufgehalten werden. Für Luthers Leidenschaft waren die Flugschriften ideal. Ob Predigt, Schmähbrief oder Sendbrief, alle diese Äußerungen fanden ihren Niederschlag in den Flugschriften. Es waren Traktate mit scharfer Polemik, Karikaturen und satirischen Darstellungen der Gegner, oft in Kombination von Bild und Vers. Zwischen Katholiken und Protestanten fand ein reger Austausch derartig diffamierender Flugschriften statt.

Die Zahl der politischen und religiösen Pamphlete im ersten Drittel des 16. Jahrhundert wird auf über 10 000 Titel geschätzt, bei einer durchschnittlichen Auflage von ca. 1000 Exemplaren. Es waren Kleinschriften in handlichem Quart- oder Oktavformat, diese billigen kleinen Schriften, oft nur vier, höchstens 48 bis 64 Seiten stark, wurden in vielfachen Auflagen und Ausgaben in Windeseile verbreitet.

Während der Reformation wurde Nürnberg zur historisch bedeutsamen Stadt, dort wurden fast alle diese bebilderten Flugschriften hergestellt; auch Hans Sachs und Dürer beteiligten sich an der Erzeugung derartiger Drucke.

Die Sensationslust gedieh prächtig im Klima der ausgebrochenen Religionskriege. Flugschriften über Kriegsgräuel, über das Hexenwesen oder über teuflische Erscheinungen wurden bei den wandernden Bilderverkäufern gern gekauft. Je unsicherer die Lebensumstände im Verlaufe des 16. und beginnenden 17. Jahrhunderts wurden, umso stärker stieg die Nachfrage nach derartigen Sensationsberichten. Das mit Kupferstichen verzierte Flugblatt wurde im Dreißigjährigen Krieg zum Massenkommunikationsmittel.

Steindrucke

Die von Alois Senefelder (1771–1834) Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte Möglichkeit, feinporige Kalksteine aus Solnhofen zur Reproduktion einzusetzen, stellte eine Revolutionierung des Bilddrucks dar. Dieses neuartige Flachdruckverfahren mittels Steindruck (Lithographie) erreichte seine Vollendung gegen Ende des 19. Jahrhunderts im farbigen Steindruck (Chromolithographie).

Die Zeichnungen wurden mit fetthaltiger Kreide oder Tusche auf geschliffenen Solnhofer Schiefer aufgetragen und danach durch eine Lösung von Gummiarabikum geätzt, sodass nur die beschriebenen oder bemalten Partien Druckfarbe annahmen. Für jeden Farbton wurde eine eigene Druckplatte angefertigt, so dass z. B. für manche Abbildungen zehn lithographische Steine eingesetzt wurden. Erschwerend kam dann noch hinzu, dass die Druckbögen sorgfältig fixiert werden mussten, um eine einwandfreie Deckung aller Farben zu erreichen. Durch diese aufwändige Verfahrensweise wurde die Chromolithographie sehr kostenintensiv; aber von jener Druckqualität kann man heute nur noch träumen, was hier am Beispiel einer Bilderreihe der Firma Liebig aus dem Jahr 1908 demonstriert werden soll. Die bei den Gebrüdern Klingenberg in Detmold gedruckte insgesamt sechsteilige Serie KÖNIGINNEN weist eine Farbenpracht auf, die unerreicht ist.

Die Chromolithographie wurde von Druckereien und Verlagen als eine Möglichkeit angesehen, neue Käuferschichten zu erschließen. Es erschienen umfangreiche Lieferungswerke, in denen der farbige Steindruck Triumphe feierte. Bei Josef Trentsensky in Wien kamen beispielsweise um 1825 die BILDER FÜR DIE JUGEND in fünf Lieferungsheften (Folioformat, 45 cm hoch) heraus. Die darin abgebildeten 60 lithographierte Tafeln präsentierten Volkstrachten nach Entwürfen des berühmten Moritz von Schwind (1804–1871). Die Lithographische Anstalt des Fr. Eugen Köhler in Gera brachte ungefähr zur gleichen Zeit das Sammelwerk TRACHTEN DER VÖLKER von Albert Kretschmer in 104 Bögen auf den Markt. Das Schaubedürfnis der Menschen im Biedermeier wurde mit derartigen Werken befriedigt, gleichzeitig damit aber auch ein hehres Bildungsziel verfolgt. In den Kapiteln 8 (Jugend- und Volksbibliotheken) und 9 (Kolportageromane) wird auf den Einsatz von Chromolithographien zur Absatzförderung noch einmal eingegangen werden.

Volksbücher

Volksbücher, die zur Unterhaltung und moralischen Belehrung dienten und vornehmlich in der Stadt ihr Publikum fanden, entstanden als Prosa-Bearbeitungen mittelalterlicher Epen, aus Übersetzungen italienischer und französischer Vorbilder; es wurden aber auch antike Quellen sowie Reste mittelalterlichen Schrifttums integriert. Volksbücher entstanden vor allem im Süden Deutschlands. Sie waren zunächst Unterhaltungsliteratur der Oberschicht gewesen, wurden dann mit Ausweitung der Buchproduktion zum Lesestoff breiter Volksschichten. Volksbücher wurden auf billigem, löschblattartigem Papier gedruckt und für ein paar Kreuzer auf den Jahrmärkten verkauft. Ganze Generationen empfingen durch sie entscheidende Leseeindrücke.

Die Bezeichnung „Volksbücher hatte sich nach der Veröffentlichung von Joseph Görres’ „Die teutschen Volksbücher (1807) als Bezeichnung für Nachdrucke von deutschsprachigen Prosaerzählungen des 15. und 16. Jahrhunderts eingebürgert. Das Buch enthielt Nacherzählungen von über 40 Volksbüchern. Goethe erzählt in „Dichtung und Wahrheit (1811–1822), dass er als Knabe durch die Lektüre der Volksbücher die Sagen und Legenden seines Volkes kennengelernt habe. Neben Goethe bekannten übrigens auch Johann Heinrich Stilling (1740–1817), Christoph von Schmid (1768–1854), Justinius Kerner (1786–1862), Ludwig Richter (1803–1864), Carl Schurz (1829–1906) sowie Heinrich Hansjacob (1837–1916) in ihren Lebenserinnerungen, dass diese Volksbücher-Sammlung zu ihrer Lieblingslektüre gezählt habe. Diese populären Lesestoffe erhielten uns einen unschätzbaren Wert an Kulturgut; ohne sie wären viele alte Sagen und Geschichten für immer verloren gegangen. Als beispielsweise um 1400 ein Mönch in Deutschland die Legende von der Heiligen Genoveva niederschrieb, hat er sich bestimmt nicht träumen lassen, dass noch 500 Jahre später dieses Melodrama der wegen Ehebruch Verstoßenen gedruckt werden würde. In den billigen Heften fanden Kinder und Erwachsene Erbauung und Unterhaltung, hier fanden sie humorvolle und lehrreiche, aber auch spannende und traurige Geschichten. Die Themen reichten von Schnurren wie „Till Eulenspiegel, „Die sieben Schwaben, „Rübezahl oder den Schildbürgern zu doppelbödigen Legenden, wie sie „Reinecke Fuchs oder die „Historia Von Doc. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwartzkuenstler, (Frankfurt a. M.: Johann Spieß, 1587) darstellen.

Sehr beliebt waren elegische Liebesgeschichten wie jene von „Tristan und Isolde, „Der Schwanenritter, „Der arme Heinrich, „Griseldis oder „Die schöne Melusine. Nicht weniger begehrt waren abenteuerliche Topoi, wie sie in der Erzählung vom „Schloss in der Höhle Xa Xa, vom „Zauberer Virgilius sowie den Geschichten des Fortunatus anzutreffen sind. Der früheste bekannte Druck jener Mär vom Fortunatus, seinem Glücksseckel und Wunschhütlein wurde von Johann Otmar 1509 in Augsburg in den Handel gebracht. Im Laufe der Jahrhunderte waren die Volksbücher dann in Vergessenheit geraten. Erst die Romantiker des Biedermeiers Ludwig Tieck (1773–1853), Joseph Görres (1776–1848), Karl Simrock (1802–1876), Gustav Schwab (1792–1850) sowie Oswald Marbach (1810–1890) entrissen sie dem Vergessen. Sie bearbeiteten die alten Erzählungen und gaben sie erneut heraus. Besonders bekannt wurden die Ausgaben von Karl Simrock und Oswald Marbach. Simrock gab zwischen 1838 und 1850 bei Brönner in Berlin und Frankfurt eine 57 Titel umfassende Ausgabe der Volksbücher heraus. Die wohl bekannteste Ausgabe veröffentlichte Marbach ab 1838 bei Otto Wigand in Leipzig; sie brachte es auf 53 Nummern in 44 Lieferungen und wurde bis zur Jahrhundertwende immer wieder aufgelegt. Die Marbach’schen Volksbücher wiesen einen Umfang von 40 – 250 Seiten auf. Jedes Heft war mit einem Titelholzschnitt versehen; 33 dieser Hefte waren mit Holzschnitten von keinem Geringeren als Ludwig Richter ausgestattet. Ebenfalls 1838 gab H. A. Kiehl bei Bagel in Wesel die RHEINISCHEN VOLKSBÜCHER („Sagen und Erzählungen aus dem Munde des Volkes und deutscher Dichter) heraus.

In der Huber’schen Verlagsbuchhandlung, Rosenheim, erschienen 1862 die ROSENHEIMER VOLKSBÜCHER. Hier treten neben dem bekannten Käthchen von Heilbronn auch mehr oder weniger unbekannte Gestalten auf wie „Der weiße Sklave, „Der Pfeifer von Schliers oder „Der schwarze Bettler".

In Österreich wurden zu jener Zeit die WIENER VOLKSBÜCHER im Verlag von J. Neidl, Rudolfsheim, gedruckt. An Volksbüchern herrschte also kein Mangel.

Diese populären Lesestoffe sind fast überall in Europa nachzuweisen; in den Beständen großer Bibliotheken Wiens, Paris’ oder Londons findet man dutzendweise Beispiele aus dem 15. Jahrhundert und hundertfach Exemplare aus dem 16. Jahrhundert. In Italien wurden diese Hefte „Libretti populari genannt, in England „chapbooks, in Frankreich „bibliothèque bleue".

Die englischen „chapbooks" erschienen erstmalig im Jahre 1750 auf dem Markt. Ein Buchhändler namens Newberry hatte als Erster erkannt, dass Kinder zwar zu den eifrigsten Lesern gehören, aber meistens nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, um sich die gewünschte Lektüre kaufen zu können. Newberry begann, bekannte Erzählungen zu volkstümlichen Preisen herauszugeben und verdiente damit ein Vermögen.

Besonders umfangreich präsentiert sich die Produktionspalette der französischen Volksbücher. Es waren vor allen zwei Verleger in Troyes, die im 17. Jahrhundert die neue, populäre Unterhaltungsliteratur herausgaben. Den Namen bezog die „bibliothèque bleue vom blauen Umschlag dieser Hefte, bzw. vom bläulich-schimmernden Papier. Es waren Hefte im Sedez-Format, mit einem Umfang von 8 – 128 Seiten. Die Produktion begann im 17. Jahrhundert und erreichte im folgenden Jahrhundert die höchste Blüte. Mit über 100 Titeln bot die „bibliothèque bleue für jeden Geschmack etwas. Diese französischen Volksbücher wurden durch reisende Händler (Kolporteure) bis in das letzte Dorf getragen. Man stößt in diesen Sammlungen auf viele Protagonisten, die auch aus den deutschen Volksbüchern bekannt sind, von der tränenreichen Genoveva mit ihrer Hirschkuh über die arme Griseldis bis zum Schalk Till Eulenspiegel war alles vertreten. In den italienischen „Libretti populari" dominierten allerdings die typischen Räubergeschichten.

Generell ist festzustellen, dass in den Volksbüchern Bildungsgut vergangener Jahrhunderte dem Niveau neu entstandener Leserschichten angepasst wurde. Die Broschüren und Hefte dienten in erster Linie der Unterhaltung; die gesellschaftliche Entwicklung Europas entzog dieser literarischen Unterhaltungsform im Laufe der Zeit die Basis, und die Volksbücher verschwanden vom Markt.

Moritatenhefte

Zu den populären Lesestoffen vergangener Jahrhunderte gehören auch die Moritatenhefte. Sie wurden von sogenannten Bänkelsängern auf den Jahrmärkten angeboten, von Bauern und Handwerkern erworben und daheim gelesen, die dazugehörigen Lieder von der Jugend begeistert gesungen. Die Bezeichnung „Bänkelsänger bezieht sich auf die hölzerne Plattform, eine Art Bank, auf die der Vortragende stieg, um besser gesehen und gehört zu werden. Unter dem Begriff „Moritat (von „Mordtat") versteht man das nach einer bekannten Melodie gesungene und mit einer Drehorgel begleitete Lied des Bänkelsängers, der eine sensationelle Geschichte zum Vortrag bringt.

Bänkel- oder Moritatensänger spielten für die Verbreitung der Trivialliteratur jahrhundertelang eine nicht

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