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1400 Seiten Strand Krimi Koffer April 2019

1400 Seiten Strand Krimi Koffer April 2019

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1400 Seiten Strand Krimi Koffer April 2019

Länge:
2,116 Seiten
23 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 22, 2019
ISBN:
9781386416395
Format:
Buch

Beschreibung

1400 Seiten Strand Krimi Koffer April 2019

1400 Seiten Thriller Spannung

von Alfred Bekker, Cedric Balmore, A. F. Morland, Pete Hackett, Reiner Frank Hornig, Horst Friedrichs

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1400 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

A.F.Morland: Der Puppenfänger von Chicago

Reiner Frank Hornig: Ein übler Trick

Reiner Frank Hornig: Nachbarschaft mit beschränkter Haftung

Alfred Bekker: Tod in Tanger

Cedric Balmore: Der Mann, der immer wieder schoss

Alfred Bekker: Die programmierten Todesboten

A. F. Morland: Mord vor hundert Augen

Alfred Bekker: Mörderpost

Pete Hackett: Unheilvolle Schönheit

A.F. Morland: Der Puppenfänger von Chicago

Alfred Bekker: Die Angst verfolgt dich bis ans Ende

Alfred Bekker: Killerpfeile

Cedric Balmore: Um eins war Gerry mausetot

Pete Hackett: Im Fadenkreuz des Terrors

Cedric Balmore: Spezialisten für spurenlose Todesfälle

Horst Friedrichs: Grabesstille über Sing Sing

Nach einer feucht-fröhlichen Mädels-Party wird Carol Cantrell, die Ehefrau des bekanntesten Rechtsanwalts und Privatdetektivs Chicagos, auf ihrem Heimweg entführt. Sofort setzt Tony Cantrell Himmel und Hölle in Bewegung, um seine Frau zu finden. Es stellt sich heraus, dass Carol nur eine von vielen hübschen blonden Mädchen und Frauen ist, die alle von einem Taxifahrer gekidnappt wurden. Arglos steigen die Frauen in sein Taxi, werden betäubt, mit Rauschgift gefügig gemacht und irgendwann an den Meistbietenden verschachert. Cantrell und sein Team dürfen keine Zeit verlieren - eine mörderische Jagd nach dem Puppenfänger beginnt ...

Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 22, 2019
ISBN:
9781386416395
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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1400 Seiten Strand Krimi Koffer April 2019 - Alfred Bekker

Publisher

1400 Seiten Strand Krimi Koffer April 2019

1400 Seiten Thriller Spannung

von Alfred Bekker, Cedric Balmore, A. F. Morland, Pete Hackett, Reiner Frank Hornig, Horst Friedrichs

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1400 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

A.F.Morland: Der Puppenfänger von Chicago

Reiner Frank Hornig: Ein übler Trick

Reiner Frank Hornig: Nachbarschaft mit beschränkter Haftung

Alfred Bekker: Tod in Tanger

Cedric Balmore: Der Mann, der immer wieder schoss

Alfred Bekker: Die programmierten Todesboten

A. F. Morland: Mord vor hundert Augen

Alfred Bekker: Mörderpost

Pete Hackett: Unheilvolle Schönheit

A.F. Morland: Der Puppenfänger von Chicago

Alfred Bekker: Die Angst verfolgt dich bis ans Ende

Alfred Bekker: Killerpfeile

Cedric Balmore: Um eins war Gerry mausetot

Pete Hackett: Im Fadenkreuz des Terrors

Cedric Balmore: Spezialisten für spurenlose Todesfälle

Horst Friedrichs: Grabesstille über Sing Sing

Nach einer feucht-fröhlichen Mädels-Party wird Carol Cantrell, die Ehefrau des bekanntesten Rechtsanwalts und Privatdetektivs Chicagos, auf ihrem Heimweg entführt. Sofort setzt Tony Cantrell Himmel und Hölle in Bewegung, um seine Frau zu finden. Es stellt sich heraus, dass Carol nur eine von vielen hübschen blonden Mädchen und Frauen ist, die alle von einem Taxifahrer gekidnappt wurden. Arglos steigen die Frauen in sein Taxi, werden betäubt, mit Rauschgift gefügig gemacht und irgendwann an den Meistbietenden verschachert. Cantrell und sein Team dürfen keine Zeit verlieren - eine mörderische Jagd nach dem Puppenfänger beginnt ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors /COVER MARA LAUE

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Puppenfänger von Chicago

Privatdetektiv Tony Cantrell

von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 121 Taschenbuchseiten.

Nach einer feucht-fröhlichen Mädels-Party wird Carol Cantrell, die Ehefrau des bekanntesten Rechtsanwalts und Privatdetektivs Chicagos, auf ihrem Heimweg entführt. Sofort setzt Tony Cantrell Himmel und Hölle in Bewegung, um seine Frau zu finden. Es stellt sich heraus, dass Carol nur eine von vielen hübschen blonden Mädchen und Frauen ist, die alle von einem Taxifahrer gekidnappt wurden. Arglos steigen die Frauen in sein Taxi, werden betäubt, mit Rauschgift gefügig gemacht und irgendwann an den Meistbietenden verschachert. Cantrell und sein Team dürfen keine Zeit verlieren - eine mörderische Jagd nach dem Puppenfänger beginnt ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Hauptpersonen des Romans:

Timothy Brown - Ein Taxifahrer mit besonderen Aufgaben.

Noah Elliot - Er zahlte seine Hilfsbereitschaft mit dem Leben.

Lou Tozzer - Er erhielt nur eine kleine Rente. Als ihm das große Geld winkte, wurde er zum Verräter.

Moses Fasano - Seine Spezialität: das Kaltmachen von Menschen.

Claudagh McBain - Sie war nur eines von vielen Mädchen, die den Puppenfängern in die Hände fielen.

... und das Cantrell-Team.

1

„Sie können stolz auf Ihren Bruder sein, Miss McBain", sagte die kleine, zierliche Friseuse.

Claudagh McBain glitt unter der Trockenhaube hervor, blickte in den Spiegel und nickte dem Mädchen, das sie bediente, lächelnd zu.

„Das bin ich, Cilly."

„Wann findet die Feier statt?"

„Um acht."

„Was sagt Mr. McBain dazu, dass man ihm den 'Goldenen Bildschirm' verleihen wird?"

„Christopher? Claudagh lachte. „Unbescheiden, wie er nun mal ist, behauptet er, nun würde endlich mal ein Fernsehautor ausgezeichnet, der ausgezeichnet zu werden verdient. Cilly nickte. „Da hat er gar nicht mal so unrecht. Was man heutzutage so alles vorgesetzt bekommt. Eine Zumutung ist das an manchen Abenden. Dagegen sind die Stücke Ihres Bruders geradezu Balsam fürs Fernseherherz. Ich habe alles gesehen, was von ihm gesendet wurde. Vor allem sein letztes Fernsehspiel war absolute Extraklasse."

„Das muss ich ihm unbedingt erzählen. Ihn interessiert die Meinung seines Publikums ungemein, sagte Claudagh. „Und nun machen Sie schnell ein hübsches Mädchen aus mir, damit sich Christopher heute Abend für seine Schwester nicht zu schämen braucht.

„Ich wüsste wirklich nicht, was ich an Ihnen noch verschönern könnte, Miss McBain."

„Vielen Dank, Cilly. Sie können nette Komplimente machen." Fünfzehn Minuten später war Claudagh fertig für den großen Abend ihres berühmten Bruders. Augenbrauen und Wimpern waren dezent gefärbt, sie trug eine rötliche Spülung im zum Napoleonhut geformten Haar, die Fingernägel waren manikürt und lackiert. Ein strahlendes Lächeln kräuselte sich um ihre vollen Lippen, als sie den Frisiersalon verließ.

Sie wollte nach Hause fahren. Es wurde jedoch eine Fahrt in die Hölle ...

2

Der Cabdriver sah aus wie Rock Hudson, als er noch nicht die Knitter von heute im Gesicht gehabt hatte.

Die schwarze Lederjacke, die er trug, war an den Ellenbogen abgeschabt. Eine karierte Sportmütze hockte schief auf seinem Schädel. Er kaute lustlos an seiner Unterlippe. Sein Falkenauge strich den Gehsteig entlang. Es schien, als hielte er nach etwas Besonderem Ausschau.

Ein hübsches rötlich blondes Mädchen trat aus einem vornehmen Frisiersalon. Timothy Brown, so hieß der Fahrer, tupfte leicht aufs Bremspedal, das Taxi rollte langsamer. Ein zufriedenes Grinsen huschte über Browns glattes Gesicht, als gleich zwei Personen zur selben Zeit den Arm hochwarfen und das Taxi an den Bordstein winkten.

Der Cabdriver hielt den Wagen an. Die hübsche Blondine und eine schwammige alte Vettel steuerten das Fahrzeug aus verschiedenen Richtungen an. Am Wagenschlag prallten sie aufeinander. Die dicke Frau fasste hastig nach dem Türgriff, um sich ihr Recht auf das Taxi zu sichern. Um ihren mit roten Flecken übersäten Hals spannte sich eine dicke Glaskugelkette, die sie zu erdrosseln drohte.

„Ich war zuerst da!, keifte sie, und sie zeigte Claudagh McBain wütend die falschen Zähne. „Sie müssen sich ein anderes Taxi suchen!

Brown stieg aus. Er schob die Schirmmütze mit dem Zeigefinger zurück.

„Ich würde Ihnen das Taxi ja gern überlassen, sagte Claudagh nervös, „aber ich habe es furchtbar eilig ...

„Ihr jungen Dinger habt es immer eilig!, kläffte die Schwammige. Ihre gesprenkelten Augen schossen wütende Blitze ab. „Ihr Freund kann warten!

„Verzeihung, Ma’am, wenn ich mich einmische, sagte der Cabdriver verhalten schmunzelnd. „Aber diese junge Lady hatte den Arm zwei Sekunden schneller oben als Sie. Ich habe auf das Zeichen dieser Lady reagiert. Tut mir aufrichtig leid. Es muss nun mal der Reihe nach gehen.

„Es steht Ihnen nicht zu, sich Ihre Fahrgäste auszusuchen, junger Mann!", schrie die Dicke wütend.

Der Fahrer hob die Schultern und erwiderte gleichmütig: „Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst. Das ist auf der ganzen Welt so, Ma’am."

„Ich werde mich über Sie beschweren!"

„Mir egal."

„Sie ist jung und hübsch. Deshalb darf sie mit Ihnen fahren, nicht wahr?"

„Sie war einfach zuerst mit der Hand oben, Ma'am."

„So etwas ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht vorgekommen!"

„Einmal ist immer das erste Mal, Ma'am."

„Sie sind ein unverschämter Lümmel. Haben Sie denn keine Ehrfurcht vor dem Alter?"

„Nicht, wenn es so keift, Ma'am", erwiderte Timothy Brown grinsend. Er riss den Wagenschlag auf und raunte Claudagh McBain zu, sie solle einsteigen. Ehe die Dicke ihm ihre Handtasche an den Kopf knallen konnte, sauste er um das Wagenheck herum.

Das Taxi fuhr an. Die schwabbelige Vettel blieb faustschüttelnd zurück. Claudagh lachte.

„Die kam ganz schön in Fahrt."

„Die ist auf Hundert"; sagte Brown grinsend.

„Vielen Dank, dass Sie mir den Vortritt eingeräumt haben."

„War für mich eine Selbstverständlichkeit", erwiderte Brown grinsend. Diese Bemerkung hatte allerdings einen Hintergrund, den Claudagh McBain nicht einmal im Detail erahnen konnte. Das Mädchen lehnte sich zurück. Eine dicke, kugelsichere Scheibe trennte sie vom Fahrer. Die Unterhaltung lief über eine Gegensprechanlage. Claudagh dachte sich nichts dabei. Täglich waren die Zeitungen randvoll mit Meldungen über die grauenvollsten Verbrechen. Auch Taxifahrer wurden immer wieder überfallen und ausgeraubt. Manchmal schossen die Räuber sie in den Nacken. Nahm es da wunder, wenn jeder für sich selbst trachtete, sich mit einem Maximum an Sicherheit zu umgeben? Trennscheiben wurden immer häufiger in Taxis eingebaut. Das war zumindest ein kleines Plus für die gefährlich lebenden Cabdriver.

„Wohin soll die Fahrt gehen?", erkundigte sich Brown.

Claudagh nannte ihm die Adresse.

Timothy Brown nickte zwar, aber er lenkte das Fahrzeug in eine ganz andere Richtung.

Claudagh McBain, merkte das nicht sofort. Sie war in Gedanken versunken, dachte an ihren Bruder und an die harten Jahre, in denen seine schriftstellerische Tätigkeit keinen Erfolg gehabt hatte. Es war sehr mühsam für ihn gewesen, einen Verlag zu finden, der seine guten Storys zu kaufen bereit war. Man kaufte lieber weniger gute Romane von Leuten, die bereits einen Namen auf dem weiten Schlachtfeld des Büchermarktes hatten. Christophers erstes Buch lag dann erfreulicherweise mit den Verkaufsziffern bereits über dem Durchschnitt. Das ermunterte seinen Verleger, ein weiteres Werk von seinem neuen, talentierten Autor auf den Markt zu bringen. Mit etwas Werbung kam das Buch in die Bestsellerliste. Das zeigte sowohl dem Verlag als auch dem Autor den richtigen Weg. Sie gingen ihn gemeinsam. Christopher schrieb brandheiße, rasante Storys, sein Verleger rührte vor jeder neuen Veröffentlichung mächtig die Reklametrommel, und so machten sie - der Verleger und der Autor - bald schon wahre Rekordumsätze. Es blieb nicht aus, dass Film und Fernsehen Christopher McBain haben wollten. Seit nunmehr vier Jahren produzierte Claudaghs Bruder mit größter Zuverlässigkeit und Präzision beachtliche Fernsehspiele. Die Verleihung des 'Goldenen Bildschirms', die heute Abend in festlichem Rahmen stattfinden sollte, war für McBain genaugenommen eine zwingende Sache. Sie hatten ihn einfach nicht mehr länger übersehen können.

Claudagh schmunzelte in sich hinein.

Sie gönnte Christopher den Erfolg. Er hatte hart dafür gearbeitet. Er war ein ungemein zäher, ausdauernder Bursche. Cilly, die Friseuse, hatte unbedingt recht. Claudagh konnte mächtig stolz auf ihren Bruder sein.

Das rotblonde Mädchen hob den Kopf.

Konsterniert stellte sie fest, dass das Taxi soeben am Rosehill Cemetery vorbeifuhr. Sie federte vorwärts und klopfte mit den Knöcheln aufgeregt an die Trennscheibe.

„Sagen Sie mal, sind Sie sicher, dass Sie sich in Chicago auskennen?", fragte das Mädchen ärgerlich.

Brown lachte meckernd. „Aber ja bin ich sicher."

„Wohin fahren Sie denn? Das ist doch haargenau die falsche Richtung!"

„Irrtum, Miss. Das ist genau die richtige Richtung."

„Ich muss mich schon sehr über Sie wundern!"

„Wenn Sie meinen, dass Ihnen das gut tut ..."

„Hören Sie, ich muss so schnell wie möglich nach Hause ..."

„Tut mir leid, Miss. Daraus wird jetzt wohl nichts mehr werden", sagte Brown, ohne sich umzudrehen. Er zuckte bedauernd die Achseln.

Claudagh wurde wütend. „Sagen Sie mal, was fällt Ihnen ein? Halten Sie an! Halten Sie auf der Stelle an! Der Fahrer lachte schnarrend. Claudagh erschrak. „Bloß keine Aufregung, Miss. Das schadet dem Teint.

„Ich verlange, dass sie unverzüglich anhalten!", schrie Claudagh gereizt. Sie trommelte nun mit beiden Fäusten gegen die dicke Trennscheibe. Langsam begriff sie, wozu diese Scheibe installiert worden war. Sie begann schrill um Hilfe zu schreien, stürzte sich auf die Kurbel des Seitenfensters, wollte das Glas nach unten drehen, da hüpfte die Kurbel vom Zapfen. Links passierte zwei Sekunden darauf dasselbe. Claudagh litt mit einem Mal schrecklich unter dem Gefühl des Eingeschlossenseins. Sie riss und rüttelte am Türgriff. Sie konnte nicht wissen, dass die in dieses Taxi eingebauten Mätzchen ein kleines Vermögen verschlungen hatten. Jetzt brauchte Timothy Brown vorne lediglich einen Hebel umzulegen, dann waren die Türen nur noch mit einer Panzerfaust aufzukriegen.

Schaudernd hörte das hysterische Mädchen den Cabdriver lachen.

„Kapieren Sie jetzt, warum ich Ihnen den Vortritt eingeräumt habe, Miss? Sie sind jung und hübsch. Das hat die alte Vettel sehr richtig bemerkt. Wir brauchen junge hübsche Mädchen. Mit hässlichen fetten Drachen kann man nirgendwo auf der Welt ein gutes Geschäft machen."

Claudagh McBain schüttelte verstört den Kopf. Tränen glänzten in ihren Augen.

Plötzlich wusste sie, was mit ihr passieren würde.

Sie war nicht das erste Mädchen, das am helllichten Tag spurlos aus Chicago verschwand, und sie würde nicht das letzte Mädchen sein, das diesen schrecklichen Weg einzuschlagen gezwungen war.

Bestürzt schüttelte sie den Kopf. „Nein!, stöhnte sie verstört. „Nein! Das können Sie mir nicht antun! Ich bin die Schwester von Christopher McBain! Ich bin die Schwester eines berühmten Mannes!

„Es zählt nicht, wer Sie sind, Miss. Es zählt lediglich, dass Sie jung und hübsch sind. Alles andere ist Nebensache. Browns Stimme klang jetzt eiskalt. „Sie werden bald vergessen haben, wer Sie sind. Das war bisher bei allen so.

Claudagh verlor vor Angst beinahe den Verstand. Sie gebärdete sich wie verrückt. Timothy Brown tastete ungerührt nach dem zweiten Hebel. Gas strömte aus unzähligen kleinen Düsen in den Fahrgastraum - unsichtbar und nicht zu riechen. Claudagh stand Todesängste aus. Plötzlich vermeinte sie zu ersticken. Mit letzter Kraft bäumte sie sich auf. Verzweifelt versuchte sie, die Luft anzuhalten, doch schon sechzig Sekunden später war sie gezwungen, den nächsten Atemzug zu tun, und dieser, sowie jeder folgende, pumpte mehr und mehr Gas in die flatternde Lunge. Sie hatte den Eindruck, als füllte sich das Taxi mit schwarzem Schaum. Eklig kroch dieses schwarze Etwas an ihrem Körper hoch, quoll ihr in den weit aufgerissenen Mund, in Ohren und Nase. Und als das schwarze Zeug sich auf ihre Augen legte, verlor sie fast schlagartig das Bewusstsein.

3

Er hatte sich eigens für diesen Abend einen Smoking anfertigen lassen. Das Ding saß besser als so manche Zwangsjacke. Christopher McBain trug das Kleidungsstück mit der entsprechenden Würde. Er war ein großer Mann mit langen Armen, feinnervigen Fingern und schlaksigen Beinen. Seine Mutter musste seinen Vater seinerzeit mit einem Geier betrogen haben, deshalb sah er auch vollkommen anders aus als seine hübsche Schwester. An ein solches Aussehen musste man sich langsam gewöhnen. Claudagh hatte zweiundzwanzig Jahre Zeit dazu gehabt. Heute konnte sie die Leute nicht verstehen, die behaupteten, ihr Bruder wäre ein hässlicher Mensch. Chris hatte eine ungemein nette Art, aber das kam erst nach dem dritten Blick zum Vorschein.

Er lief nervös auf dem handgeknüpften Berber auf und ab.

„Sie ist ja bekannt dafür, dass sie in ihrer Unpünktlichkeit recht maßlos sein kann!, knurrte der Schriftsteller ärgerlich vor sich hin. „Aber was sie sich heute leistet, das ist die absolute Spitze. Er schüttelte den Kopf. „Ausgerechnet heute."

Aufgeregt schaute McBain auf die Pendeluhr, die zwischen dem Schrank und der Kommode an der Wand hing. Es kribbelte ihn im ganzen Körper. Klar, da kam ein Abend auf ihn zu, der in nichts jenen Abenden glich, die er bisher verlebt hatte. Man würde viele Reden schwingen, man würde ihn über den grünen Klee loben, würde ihm - bildlich gesprochen - auf die Schulter klopfen, würde „Bravo" sagen, Filmkameras würden surren, eine Menge Honoratioren würden sich um ein Gespräch mit ihm reißen. Das war schon was. Er blieb einen Augenblick nachdenklich stehen, hob den Kopf, wirkte ein wenig stolz. Ja, jetzt konnte er von sich behaupten, dass er es geschafft hatte. Die Öffentlichkeit kannte ihn, sie liebte ihn und das, was er schrieb. Er konnte sich die Angebote aussuchen, brauchte dem Erfolg nicht mehr ruhelos nachzujagen, denn von nun an würde der Erfolg bei ihm bleiben wie ein zweiter Schatten.

Er wollte Claudagh an dieser Freude teilhaben lassen, deshalb hatte er die Absicht, sie heute Abend mitzunehmen. Außerdem fühlte er sich sicherer, wenn sie an seiner Seite war. Sie war schön, und sie war intelligent. Solche Vorzüge kamen überall gut an.

Als die Pendeluhr mit lästigen Tönen siebenmal schlug, stampfte McBain ärgerlich mit dem Fuß auf.

„Also nein, Claudagh, das kannst du mir wirklich nicht antun! Nicht heute! An einem so großen Tag!"

Mit zusammengezogenen Brauen lief er zum Telefon. Er wählte die Nummer des Frisiersalons und verlangte Cilly, denn Claudagh ließ niemals eine andere Friseuse an ihr Haar ran. Cilly war über die Maßen erstaunt, dass Claudagh noch nicht zu Hause eingetroffen war.

„Vor einer Stunde schon hat sie sich in ein Taxi gesetzt, Mr. McBain", sagte das Mädchen.

„Ich verstehe das nicht", seufzte der Schriftsteller.

„Ich auch nicht, Mr. McBain. Man fährt doch bloß zwanzig Minuten von hier bis zu Ihnen."

„Na eben. Sie kann doch unmöglich dreimal so lang für die Strecke brauchen."

„Ich will ja nicht unken, aber vielleicht ist etwas mit dem Taxi passiert. Manche rasen ja wie die Verrückten durch unsere Stadt ..."

„Wenn es einen Unfall gegeben hätte, hätte mich doch die Polizei längst davon in Kenntnis gesetzt."

„Ist auch wieder wahr, Mr. McBain."

„Hat Claudagh gesagt, sie würde sofort nach Hause fahren?"

„Aber ja, Mr. McBain. Und sie hatte es sogar mächtig eilig."

Der Schriftsteller ächzte. „Dann bleibt mir nichts weiter übrig, als zu warten."

„Sie wird bestimmt jeden Moment zu Hause eintreffen, Mr. McBain."

„Vielen Dank, Cilly."

„Alles Gute, für heute Abend, Mr. McBain."

„Danke", sagte der Schriftsteller und legte den Hörer auf die Gabel. Nervös und umständlich zündete er sich eine Lucky Strike an. Während er wieder auf und ab lief, zog er den Rauch wie eine Lokomotive hinter sich her. Mit einem scheelen Blick liebäugelte er mit einem kleinen Whisky. Aber er bezähmte seine Gelüste. Was machte denn das für einen Eindruck, wenn er in der Orchestra Hall, in der die Feier stattfinden sollte, mit einer Whiskyfahne aufkreuzte.

Da sein Mund aber von Minute zu Minute trockener wurde, kippte er zwei Orangenjuices. Sie halfen ihm über den Durst hinweg, nicht aber über die immer noch anschwellende Nervosität.

Als es halb acht schlug, drückte er die Zigarette, an der er gerade paffte, hastig aus.

„Nun kann ich aber wirklich nicht mehr länger auf dich warten, Claudagh!, sagte er verstimmt. „Du kannst unmöglich von mir verlangen, dass auch ich zu spät komme!

Übelgelaunt verließ er sein Haus. Ein Taxi brachte ihn zur Orchestra Hall, 220 S. Michigan Avenue. Der Trubel begann. Gute Freunde scharten sich um den Schriftsteller. Er wurde in den Sog der Ereignisse hineingerissen, es stürmte so vieles auf ihn ein, dass er für eine ganze Stunde nicht an Claudagh dachte. Als ihn der Präsident des Vereins für niveauvolle TV-Produktionen auf die Bühne holte, zitterten ihm die Knie. Ein orkanhafter Applaus brandete auf und bewies ihm, wie beliebt und geschätzt er war. Was der Präsident sagte, hörte er kaum. Gerührt nahm er den kleinen goldenen Bildschirm in Empfang. Eine Menge Reporter waren da, die dieses freudige Ereignis fotografisch festhielten. Jemand drängelte McBain vor die Mikrophone. Bewegt stammelte er einige Dankesworte. Erneut brandete frenetischer Beifall auf. Dann nahmen sie ihm seine Auszeichnung wieder weg, damit er die vielen Hände schütteln konnte, die ihn beglückwünschten. Es war ein riesiger Rausch. Lächelnde Gesichter zogen an ihm vorbei, er kannte viele von ihnen, aber nicht alle. Jeder hatte ein freundliches Wort für ihn. Manche meinten es sogar ehrlich. Er dankte, dankte und dankte. Dann kam der gemütliche Teil. Im Foyer der Orchestra Hall war ein prachtvoll dekoriertes kaltes Büfett aufgebaut. Es gab alles zu trinken, was flüssig war. Sekt, Champagner, Whisky, Wodka, Soda. Nach dem zweiten Bourbon kam McBain wieder halbwegs zu sich. Ein schmuddeliger Regisseur versuchte, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Er erfand eine Ausrede, entschuldigte sich, stemmte sich durch die Reihen der schnatternden Leute.

Da schlug ihm jemand kräftig auf die Schulter und lachte meckernd. McBain zuckte unwillkürlich zusammen.

Er drehte sich um. „Ah, Noah!"

„Da staunst du, was? Noah Elliot grinste übermütig. „Nun frag mich schon, wie ich es geschafft habe, als Branchenfremder in diesen illustren Kreis einzudringen, ich, ein ganz und gar simpler Privatdetektiv mit einem Büro, an dessen Wänden die Tapeten allmählich vergilben.

„Du hast den Notausgang benützt", sagte McBain mit einem schiefen Lächeln.

Elliot hob die Brauen. „Falsch getippt, Mr. Goldschirm. Ich hab mich vor ein paar Tagen mit der bezaubernden Suzie Drake zwecks flüchtiger Liebe zusammengetan. Elliot lachte. „Du kennst doch Suzie. Als Schauspielerin eine verkannte Größe. Du solltest ihr mal eine Rolle auf den sündigen Leib schreiben. Also die Puppe hatte mit einem Freund Schwierigkeiten, wandte sich deshalb an mich, ich brachte die Geschichte ins Lot, bekam von ihr nicht bloß mein Honorar, sondern auch einen warmen Kuss aufs feuchte Schnäuzchen. Daraufhin bin ich an ihr kleben geblieben. Mal sehen, wie lange es so geht. Sie hat darauf bestanden, dass ich mit ihr hierherkomme. Ich hab ihr den kleinen Gefallen getan, um dich auf dem vorläufigen Gipfel deiner Karriere zu bewundern. Sie hätten keinen würdigeren Mann finden können, dem sie in diesem Jahr den goldenen Schirm an hängen konnten, Chris. Du weißt, was ich von dir halte. Meiner Meinung nach hast du die Auszeichnung schon vor zwei Jahren verdient, als du die Serie mit Jupp Masters zum Hit hochgeschrieben hast.

Elliot, ein hochgewachsener Mann von dreißig Jahren, blond, mit einer sportlichen Figur und sehnigen Fäusten, schaute sich um.

„Ich kann Claudagh nirgendwo sehen", sagte er erstaunt.

„Ich auch nicht!, knurrte McBain. Noah Elliot hatte eine gute Antenne für Kummer. „Ist irgendetwas nicht in Ordnung, Chris?

Der Schriftsteller hob die Schultern. „Ich weiß nicht, Noah. Ich mache mir Sorgen um Claudagh. Sie wollte mich hierher begleiten. Sie hat sich auf diesen Abend wahnsinnig gefreut. Sie fuhr zum Friseur, kam aber nicht mehr nach Hause. Ich weiß nicht, wo sie steckt. Ich habe Angst, dass ihr irgendetwas zugestoßen ist."

Der Detektiv schüttelte lächelnd den Kopf. „Unsinn, Chris. Claudagh ist ein cleveres Mädchen. Sie kann recht gut auf sich aufpassen. Ihr passiert bestimmt nichts."

„Und wo steckt sie? Freiwillig hätte sie sich diesen Abend gewiss nicht entgehen lassen!", sagte McBain ernst.

Sie gingen zusammen telefonieren. McBain rief zu Hause an und er wählte die Nummer von einigen guten Freundinnen seiner Schwester.

Zu Hause hob niemand ab. Und die Freundinnen sagten alle dasselbe: Nein, Claudagh hätte nicht einmal für eine Minute ihren Kopf bei ihnen hereingesteckt.

Mit ratloser Miene blickte McBain den Privatdetektiv an. „Wo ist sie, Noah? Sag mir, wo meine Schwester steckt!"

Elliot legte seine Hand auf den Arm des Schriftstellers. Er nickte dem Freund aufmunternd zu.

„Vergiss deine Sorgen, Chris. Die sind bestimmt unbegründet."

„Das ... das ist nicht Claudaghs Art. Sie verschwindet nicht einfach von der Bildfläche, Noah."

„Ich mache dir einen Vorschlag, Chris: Sollte sich Claudagh bis morgen immer noch nicht zu Hause eingefunden haben, werde ich sie für dich suchen, okay?"

„Mein Gott, Noah, sie wird doch keinem Verbrechen zum Opfer gef..."

„Nun mach dich doch nicht verrückt, Chris!, sagte der Detektiv eindringlich. „Vielleicht ist ihr ein alter Bekannter über den Weg gelaufen.

„McBain schüttelte heftig den Kopf. „Sie wäre trotzdem nach Hause gekommen. Ich kenne meine Schwester. Sie wäre nach Hause gekommen, Noah. Zumindest aber hätte sie mich angerufen."

„Vielleicht hat sie’s versucht und ist nicht durchgekommen."

McBain schüttelte abermals den Kopf. „Nein, Noah. Nein. Ich habe das Gefühl, dass meiner Schwester etwas Schlimmes zugestoßen ist. Um ihretwillen hoffe ich, dass ich mich irre. Aber ich hab’s im Gefühl ..."

4

Claudagh ließ sich auch am nächsten Tag nicht sehen.

Daraufhin wurde der Privatdetektiv Noah Elliot aktiv. Mit der Nase auf dem Boden begann er in den finstersten Gegenden nach der Schwester seines Freundes zu suchen.

Stunden gingen herum. Kein Erfolg. Ein neuer Tag brach an.

Und Timothy Brown machte sich wieder auf die Suche nach einem geeigneten Opfer.

Es war jener Tag, an dem Carol Cantrell, die attraktive Frau des erfolgreichen Rechtsanwalts und Privatdetektivs Tony Cantrell, zum Kränzchen ihrer Freundin Maggie Mortimer gefahren war, denn Maggie war stadtbekannt als Klatschbase und gleichermaßen auch als einfallsreichste Erfinderin stets neuer Cocktails.

Vier Stunden gingen wie im Flug herum. Carol war die erste, die ans Heimgehen dachte.

Maggie schmunzelte in der Diele. „Donnerwetter, dein Mann hält dich aber knapp mit Freizeit, Carol."

Die junge blonde Frau schüttelte kichernd den Kopf. „Oh, wenn es nach Tony ginge, könnte ich noch die ganze Nacht hier bei dir bleiben."

„So wenig kümmert er sich um dich?"

Carol lachte. „Da sieht man’s wieder mal. Wie er’s macht, macht er's nicht richtig, was?" Die Frau des Anwalts küsste Maggie Mortimer auf beide Wangen. Maggie war fünfunddreißig, hatte wilde Jahre hinter sich, war mittlerweile ruhiger geworden, machte die Emanzipation der Frau zu ihrer Religion und ließ einen Mann nur dann an sich ran, wenn er das Lustobjekt war. Maggie war brünett, hatte kleine Fettpolster an den Hüften und einen gewaltigen Busen, der vom BH kaum gebändigt wurde.

„Vielen Dank für die Einladung, Maggie", sagte Carol.

„War doch selbstverständlich. Ich wäre dir böse gewesen, wenn du nicht gekommen wärst. Und ich weiß noch nicht, ob ich dir nicht böse sein soll, weil du schon wieder gehst."

„Die nächste Fete lassen wir in naher Zukunft bei mir steigen, okay? Maggie blinzelte schelmisch. „Das sagst du doch hoffentlich nicht bloß, um dich jetzt freizukaufen!

„Ich meine es ehrlich."

„Wann sollen wir kommen?"

„Bald."

„Werden dein Mann und diese beiden schrecklichen Detektive - wie heißen sie doch gleich – da sein?"

„O’Reilly und Philby heißen die beiden. Carol lachte. „Keine Sorge, Maggie. Niemand wird da sein. Das Haus wird nur uns Frauen gehören.

„Das ist eine Rede. Da komme ich selbstverständlich mit dem größten Vergnügen."

„Ich ruf dich noch an."

„Tu das. Aber vergiss es nicht."

„Bestimmt nicht. Deine Cocktails waren wieder mal einsame Klasse."

Maggie Mortimer schmunzelte. „Man weiß eben, was man der Frau eines so berühmten Mannes vorzusetzen hat, nicht wahr? Holt er dich nicht ab?"

„Er sagte, ich soll ihn anrufen, aber ich mag nicht. Ein paar Schritte zu Fuß werden mir nach den starken Drinks bestimmt nicht schaden. Und anschließend nehme ich mir ein Taxi."

Jetzt küsste Maggie Carol auf beide Wangen. „Komm gut nach Hause, Liebes."

„Wir telefonieren morgen miteinander, okay?"

„Ja. Fein."

Carol verließ die große Wohnung der Freundin. Maggie kehrte zu ihren anderen weiblichen Gästen zurück. Einige von ihnen waren schon mehr blau, als es ihre Männer im letzten Halbjahr gewesen waren.

„Heute zahlen wir’s ihnen mal wieder tüchtig heim!", rief eine Rothaarige mit langer Nase und krummen Beinen. Sie stellte sich auf den Tisch, riss sich die Kleider vom Leib und trank den x-ten Cocktail mit dem Durst eines Sahara-Durchkreuzers. Maggie lachte zwar mit den anderen, aber sie war mit der Schau, die Lisa lieferte, nicht einverstanden. Sie dachte, Carol scheint gespürt zu haben, dass Lisa bald aus dem Rahmen fallen würde, und ging, bevor es ungemütlich wurde.

Die Abendluft tat Carol ungemein gut. Sie schlenderte die Straße entlang, ein wenig beschwipst, aber nicht betrunken. Sie fühlte sich herrlich, fand lange Zeit Gefallen am Gehen, blieb vor zahlreichen Auslagen stehen, studierte die Angebote. Bei einem Automatenmann kaufte sie Soft-Eis, Himbeer/Vanille. Nachdem sie die Tüte gegessen hatte, hielt sie Ausschau nach einem Taxi.

Es kam eines in langsamer Fahrt die Straße entlanggefahren. Carol glitt zwischen zwei geparkten Straßenschiffen hindurch, und stoppte das Fahrzeug.

Der Cabdriver sah aus wie Rock Hudson in jungen Jahren. Er trug eine karierte Schirmmütze auf dem Kopf. Sie saß keck schräg. Sein Lächeln hieß Carol willkommen.

„Hallo, Miss!", sagte der Mann freundlich und tippte sich grüßend an die Stirn. Soeben wurde die Straßenbeleuchtung eingeschaltet.

Carol setzte sich in den Fond des Wagens.

„Wohin?", erkundigte sich Timothy Brown. Er schaltete die Fahrzeugbeleuchtung ein.

„Nach Western Springs, sagte Carol. „Clinton Street 123.

„Schon geschehen", sagte Brown.

Carol warf die Tür zu. Brown legte den Hebel um, der den Wagenschlag verriegelte. Dann ließ er das Taxi sanft anrollen. Während er mit einem Auge auf den Verkehr achtete, musterte er mit dem anderen Auge das hübsche Mädchen. Donnerwetter, dachte er begeistert. Diesmal ist dir ein ganz großer Fang gelungen. Die Puppe ist absolute Spitze. Eine makellose Schönheit. Was Besseres hast du noch nicht geliefert.

Carol kramte ahnungslos in ihrer Handtasche herum. Mit Make-up Spiegel, Lippenstift, Augenbrauenstift und ein wenig Rouge brachte sie ihr Aussehen zum Strahlen. Hinterher schob sie sich ein Pfefferminzkügelchen in den Mund, damit ihre drei Männer zu Hause nicht allzu viel von Maggies schneidigen Cocktails rochen.

Es vergingen zehn Minuten.

Da wich Timothy Brown plötzlich merkbar vom Kurs ab. Carol machte den Cabdriver sofort darauf aufmerksam. Der Mann reagierte jedoch nicht darauf. Da wurde die Frau des Anwalts zur Wildkatze. Sie begann den Wagen zu zerlegen, riss den Türgriff und die Fensterkurbel ab, gebärdete sich so wütend, wie es Brown noch nicht erlebt hatte. Lachend genoss er dieses Schauspiel eine Weile. Verdammt, die hat ein Feuer!, dachte er begeistert. Ich hab’s ja gleich gewusst. Die Puppe ist das Beste, was ich jemals beschafft habe.

Und dann kam das Gas ...

5

Brown steuerte den Jachthafen an. Der Michigansee war eine dunkel lackierte Eisenplatte. Glattgewalzt bis an den Horizont. Auf dem Lack tanzte das Mondlicht. Langsam ließ der Cabdriver seinen Wagen ausrollen. Er drehte sich um, blickte durch die Trennscheibe. Carol lag seitlich an die Tür gelehnt, der Kopf war nach vorn gesunken. Sie hatte die Augen geschlossen, schien zu schlafen. Brown knipste die Innenbeleuchtung an. Das milchige Licht ergoss sich weich über die entspannten Züge der blonden Frau. Sie trug ein einfaches rotes Kleid, dezent ausgeschnitten, mit Faltenrock. Das sie eine Bombenfigur besaß, konnte Brown mühelos feststellen. Er seufzte und schluckte, als ihm einfiel, was er für einen Drachen zu Hause hatte. Wenn es möglich gewesen wäre, hätte er wahnsinnig gern die Puppe da gegen seine Alte eingetauscht. Aber das blieb wohl für alle Zeiten bloß ein schöner Traum.

Brown drehte sich um. Er hatte die Scheinwerfer abgeschaltet. Nun tupfte er auf die Lichthupe. Das Fernlicht schoss in die Weite des Sees hinaus.

Er morste irgendein vereinbartes Zeichen. Dann schaltete er die Absaugautomatik ein. Das Gas wurde aus dem Fahrgastraum gesogen. Brown drehte das Seitenfenster herunter und steckte sich eine Zigarette an. Da sich auf dem See keine Reaktion zeigte, morste er das Signal noch einmal. Dann schaltete er das Radio ein. Auf WBBM96.3 kam ein Vortrag über Hawaii. Auf WDHF95.5 spielten sie Tanzmusik. Er lehnte sich zurück und schloss die Augen, um sich bei der Musik zu entspannen.

Die Kippe schnippte er aus dem Fenster.

Gleich darauf vernahm er Motorengeräusch. Er holte tief Luft. Jetzt kamen seine Freunde. Er kannte das Brummen. Schnell stieg er aus. Sein Blick flog nach links und rechts. Im nahe gelegenen Seerestaurant herrschte Hochstimmung. Es wurde gelacht, gesungen und getanzt. Und irgendwo dahinter, da, wo es dunkel war, da wurde sicher auch geb... Na ja. Was sollen die jungen Leute sonst tun, dachte Timothy Brown grinsend.

Aus der Dunkelheit schälte sich ein schnittiger Kahn. Sein Bug war so scharf, dass man daran ein Blatt Papier in zwei Teile schneiden konnte.

Ein Mann im schwarzen Rollkragenpulli stand vor den Aufbauten. Es sah so aus, als hinge sein Kopf in der Dunkelheit. Von seinem Körper war nichts zu erkennen.

Das Motorboot verlangsamte die Fahrt. Gleich darauf hörte die Maschine zu arbeiten auf. Plätschernd und glucksend glitt das Boot heran. Timothy Brown grüßte die beiden Männer, die sich an Bord befanden. Der mit dem Rollkragen - er hatte inzwischen Gestalt angenommen - warf Brown ein Seil zu. Der Cabdriver band es fest.

„Na?", sagte der zweite Mann. Er hieß Clips Philmore, aber sie nannten ihn Boom Boom, weil er so furchtbar gerne mit der Kanone um sich ballerte.

„Diesmal habe ich euch was ganz Prachtvolles zu bieten, Herrschaften!", sagte Brown mit großen Augen.

Der mit dem Rollkragen stieß Boom Boom an und sagte grinsend: „Erzählt er uns das nicht jedes Mal, Boom Boom?"

„Ist eben so seine Art, maßlos zu übertreiben", gab dieser zurück. Die Kanone, die ihm seinen Spitznamen eingebracht hatte, steckte in seinem Gürtel. Gut sichtbar. Er hielt nichts davon, sie zu verstecken.

„Also lass die Ziege mal sehen!", verlangte der Pulli.

„Hier lang", sagte Brown grinsend. Er machte eine einladende Handbewegung und begleitete die Kerle die paar Schritte bis zu seinem Wagen.

Boom Boom machte die Tür auf. „Heiliger Bimbam ..."

„Wenn schon: Heiliger Boom Boom!"kicherte hinter ihm Brown.

Philmore nahm den Kopf aus dem Wagen. Mit freudig schimmernden Augen drehte er sich zu Pulli um.

„Diesmal hat Timothy die Wahrheit gesagt, Yul. Er hat 'ne Königin erwischt. Ich schwör’s dir, das ist ’ne richtige Aristokratin, ’ne Superfrau ist das. Die gewinnt jede Schönheitskonkurrenz. Für die kriegen wir dreimal so viel wie für die anderen. Wusste gar nicht, dass so was Schönes in Chicago herumrennt. Gratuliere, Timothy. Das war dein bester Fang. Eine Steigerung ist da nicht mehr möglich."

Brown lachte zufrieden. „Wollt ihr zwei sie mir nicht endlich vom Hals schaffen?"

„Mann, ich werde es genießen, sie anzufassen!", kicherte Boom Boom.

Die Männer hoben Carol Cantrell vorsichtig aus dem Fahrzeug. Brown schaute sich inzwischen prüfend um. Beobachter konnten jetzt keine gebraucht werden.

„Aufpassen!, sagte Boom Boom gepresst. „Vorsichtig. Die müssen wir wie ein rohes Ei behandeln. Die darf uns nicht kaputtgehen, das würde uns der Boss niemals verzeihen.

„Quatsch keine Opern!, knurrte Pulli. „Sieh lieber zu, dass du nicht vor lauter Vorsicht in den See fällst

Die Männer tänzelten mit ihrer hübschen Last auf das Boot zu. Zuerst ging Pulli an Bord. Boom Boom klemmte sich die Zunge zwischen die Zähne. Er machte einen großen Schritt und war dann ebenfalls an Bord. Schnaufend sagte er: „Federleicht ist sie."

„Klar, sagte Brown an Land grinsend. „Nur die Hässlichen sind schwer.

„Wir bringen sie gleich unter Deck"zischelte Pulli.

„Okay. Aber lass sie nicht fallen."

„Bin ich denn ein Trottel, dass du mir das sagen musst?", ärgerte sich Pulli.

„Verdammt noch mal, muss man bei dir denn jedes Wort auf die Waagschale legen?", gab Boom Boom ärgerlich über Carol hinweg zurück. Die Kerle verschwanden mit ihrer kostbaren Last unter Deck. Als sie wiederkamen, atmete Timothy Brown erleichtert auf.

„Alles okay?", fragte er.

Pulli nickte. „Sie ist gut versorgt."

„Tja, dann - ab mit ihr. Und vergesst nicht zu erwähnen, dass die Puppe von Timothy Brown geliefert wurde."

„Wir werden dich lobend herausstreichen", versprach Boom Boom.

Brown machte die Leine los. Boom Boom ließ die Maschine an. Das Motorboot setzte zurück, fuhr einen kleinen Bogen und verschwand in der schwarzen Tasche des nächtlichen Mantels.

Der Cabdriver setzte sich in seinen Wagen. Immer noch spielte das Radio Tanzmusik. Er war bester Laune, denn er hatte mal wieder ganz großen Erfolg gehabt. Grinsend rieb er sich die Hände. Du liebe Güte, was hatte er nicht alles tendiert, bevor ihn die Miezenfänger unter Vertrag genommen hatten. Und aus nichts war etwas Rechtes geworden. Er war immer nur auf dem nackten Boden der finanziellen Pleite herumgekrebst, hatte jedem Cent meilenweit nachjagen müssen. Damit war es nun vorbei. Es regnete herrliche echte Dollars. Er konnte sich mehr als früher leisten und wäre wohl ein glücklicher Mann gewesen, wenn er anhanglos gewesen wäre.

Seufzend fuhr er nach Hause.

Er wohnte auf dem Jackson Boulevard, gleich beim Chicago River. Vor einem Monat erst war er hier eingezogen. Davor hatte er mit seiner Frau in einer Ein-Zimmer-Wohnung gehaust. Sie waren einander unentwegt auf die Zehen getreten, waren einander auf diesem engen Raum verdammt auf die Nerven gegangen, es hatte fast täglich Streit gegeben. Heute war es ein wenig besser. Acht Zimmer boten eine Ausweichmöglichkeit.

Brown fuhr mit dem Lift nach oben. Auf dem Korridor war die Beleuchtung ausgefallen.

Er kratzte mit dem Schlüssel um das Schloss herum. Da ging die Tür auf. Eine umwerfende Whiskyfahne schwebte ihm entgegen, wickelte sich um seinen Hals, versuchte ihn zu erwürgen. Nelly war wieder mal entsetzlich blau.

Alles an ihr war schief: das dümmliche Grinsen, die Frisur, der Büstenhalter, das Kleid, die ganze Figur. Sie lehnte am Türrahmen, um nicht umzukippen. In letzter Zeit trank sie verflucht viel. Sie hatte zu viel Zeit, zu wenig zu tun, zu viel Geld zur Verfügung.

Er zwängte sich an ihr vorbei. Sie drehte sich um. Der Alkohol hatte ihr Gesicht aufgeschwemmt. Brown fuhr sich über die Augen, als könne er seine Frau dadurch zum Verschwinden bringen. Schön wäre das gewesen. Verdammt schön. Aber Nelly Brown blieb. Leider. Ärgerlich versetzte sie der Tür einen Stoß. Es gab einen Knall, als die Tür ins Schloss fiel. Nun stemmte Nelly die Fäuste in die rundlichen Seiten.

„Herrje!, stöhnte Brown. „Jetzt geht das schon wieder los!

„Gibt man seiner Frau keinen Begrüßungskuss, wenn man nach Hause kommt?", fragte Nelly zornig. Sie tastete nach ihrem schwarzen Haar. Es war fettig und zerzaust.

Brown grinste. „Ich traue mich nicht an dich ran, Baby. Man wird heute wieder mal allein von deinem Atem besoffen."

„Du unverschämter Hurenbock! Das wagst du mir ins Gesicht zu sagen?"

„Du hast mir nichts anderes hergehalten. Nun komm, Baby. Sei friedlich!"

„Wo warst du so lange?", fragte Nelly mit dem Blick einer gefährlichen Furie.

„Ich habe gearbeitet!"

„Auf welchem Mädchen?"

„Zum Teufel, irgendwo muss doch das Geld herkommen, das du mit beiden Händen zum Fenster hinauswirfst!"

„Du hältst mir also vor, ich kann nicht wirtschaften, he?"

„Kannst du nicht. Kannst du wirklich nicht. Du kaufst ja bloß Schnaps für mein Geld!"

„Hoho, ich trinke dem Herrn zu viel. Das wird ja immer schöner. Ich trinke, wann es mir passt und so viel ich will, verstanden? Ich habe nämlich allen Grund, zu trinken."

„So? Welchen denn?"

„Hab ich sonst noch was - außer dem Schnaps, he? Hab ich denn einen Mann? Ich frage dich, Timothy Brown! Habe ich einen Mann?"

Er wusste, worauf sie anspielte, und wandte sich von ihr ab. Dieses Thema war ihm zuwider.

„Soll ich dich daran erinnern, wann du zum letzten Mal mit mir geschlafen hast, Timothy? Das war Weihnachten. Aber schon vor zwei Jahren. Ich bin eine Frau mit Gefühlen ..."

„Ach, wirklich?, schrie Brown höhnisch. „Davon habe ich aber bisher noch nichts gemerkt.

„Ich bin kein Möbelstück, das man kauft und in irgendeine Ecke stellt. Ich habe ein Verlangen nach Sex. Genau wie jede andere Frau. Aber darum kümmert sich in dieser Achtzimmerwohnung ja keiner. Deshalb trinke ich. Und ich werde damit so lange nicht aufhören ..."

„Tut mir leid, Nelly. Der Ofen ist längst aus."

„Dann werde ich mich eben langsam zu Tode saufen!, kreischte Nelly. Sie schlug die Hände vors Gesicht und begann wie eine Sirene zu heulen. „Wen stört das schon, wenn ich vor die Hunde gehe?

„Warum lässt du dich nicht scheiden?"

Nelly riss die Hände vom Gesicht. Ihre glasigen Augen funkelten Brown zornig an.

„Ich? Ich lasse mich nicht scheiden. Niemals! Das würde dir so passen. Ich weiche nicht von deiner Seite. Jetzt, wo du Schweinekerl endlich Geld machst, lasse ich mich von dir nicht abservieren. Ich weiß zwar nicht, woher der plötzliche Geldstrom kommt, aber er tut mir gut. Und ich nütze ihn aus, solange ich kann."

Brown nahm sich hastig einen Drink. Seine Hände zitterten, als er das Glas randvoll mit Whisky füllte. Ein Ende! Irgendwann mal musste damit ein Ende sein. Diese ewige Keiferei machte ihn fertig.

Nelly stimmte ein schrilles Gelächter an. „Ja, so ist es vernünftig, Timothy Brown. Betrink dich mit mir. Wie heißt es doch so schön: geteiltes Leid ist halbes Leid. Komm, du alter Ehekrüppel. Hol auf, was ich dir schon vorausgesoffen habe ..."

Mit einem Mal kotzte ihn das alles so furchtbar an, dass er es nicht mehr länger in seiner Wohnung aushielt. Er hatte Angst, dass er über Nelly herfallen und sie möglicherweise erschlagen könnte. Angewidert versetzte er ihr einen Stoß. Sie taumelte krächzend zur Seite, fluchte, wollte sich auf einen Stuhl stützen, fiel mitsamt dem Stuhl um. Als sie ihn zu beschimpfen anfing, war er bereits nicht mehr in der Wohnung. Er stürmte mit zornrotem Gesicht aus dem Haus.

Zwei Straßen weiter begegnete er Lonnie, dem Blinden. Der Bursche sah wie ein Falke. Die Blindenschau zog er nun schon das fünfte Jahr ab, und er fuhr nicht schlecht dabei.

„Na, Timothy. Wieder mal Ärger mit Nelly gehabt?", fragte der kleine vertrocknete Bursche grinsend.

„Irgendwann drehe ich ihr noch mal den Hals um, das weiß ich!", knirschte Brown. Dann betrat er die Bar, die er - seit er hier in der Nähe wohnte - zu seinem neuen Stammlokal erkoren hatte. Ein doppelter Bourbon beruhigte ihn einigermaßen. Sally kam an seinen Tisch. Sie hatte eine Haut wie Samt. Am ganzen Körper. Das hatte er schon mal nachgeprüft. Vor zwei Wochen war er zum ersten Mal bei ihr zu Hause gewesen. Bis weit über das Frühstück hinaus. Sie sah aus wie eine Madonna. Kein Vergleich zu Nelly, dem Drachen. Ihr langes braunes Haar umrahmte ein ausdrucksstarkes Gesicht. Busen hatte sie so gut wie keinen, und auch sonst wirkte sie eher schmal. Aber gerade diesen Kontrast zu Nelly wollte Brown haben. An Sally war nichts, das ihn an seine Frau erinnerte, und das begrüßte er mit aufrichtiger Begeisterung.

Sie fragte ihn, ob sie etwas für ihn tun könne. Er sagte: „Ja. Nimm mich heute wieder mit zu dir nach Hause."

Sie nickte, lächelte, rieb ihr Knie unter dem Tisch an dem seinen und flüsterte ihm ins Ohr: „Mit dem größten Vergnügen, Timothy."

Er trank einen weiteren Bourbon. Dann ging er telefonieren. Es war stickig warm in der Telefonzelle. Trotzdem schloss Brown die Tür. Die Nummer, die er wählte, hatte er im Kopf. Während er sich das Freizeichen anhörte, blickte er auf seine Armbanduhr. Es war halb elf. Noch nicht zu spät.

Am anderen Ende hob jemand ab und sagte: „Ja?"

„Brown hier. Gib mir den Boss."

„Was gibt's? Kalamitäten?"

„Privaten Kummer."

„Einen Moment. Ich frag mal, ob der Boss für dich Zeit hat."

Brown nagte an seiner Unterlippe. Mit dem Handrücken wischte er sich den Schweiß von der Stirn. Endlich meldete sich der Boss.

„Neal sagte, Sie hätten privaten Kummer, Timothy ?"

„Ja, Boss."

„Was ist es?"

Brown räusperte sich. „Sie sagten doch, wir alle könnten uns jederzeit an Sie wenden, wenn wir irgendwelche Probleme hätten."

„Dazu stehe ich, Timothy. Was haben Sie auf dem Herzen?"

„Ich kann mit meiner Alten nicht mehr zusammenleben, Boss! Sie säuft wie ein Gully bei Gewitter! Und sie bricht einen Streit nach dem anderen vom Zaun. Das schafft mich mit der Zeit. Das zermürbt einen Mann, verstehen Sie?"

„Warum schnüren Sie nicht einfach Ihren Ranzen und ziehen aus?"

Brown lachte bitter. „Denken Sie, daran habe ich noch nicht gedacht?"

„Was hält Sie davon ab, es zu tun?"

„Soll ich Ihnen verraten, was Nelly tun würde, wenn ich mich empfehle?"

„Die würde ’nen Privatschnüffler engagieren, damit er mich wieder aufstöbert. Das ist aber für uns nicht drin - Sie verstehen, was ich meine."

„Ja. Ja, Timothy. Sie sind sehr umsichtig."

„Ich ... ich wollte Sie nun fragen, ob Sie Nelly vielleicht übernehmen könnten. Ich meine, wir kassieren doch so viele Girls. Da könnte Nelly doch einfach mitlaufen."

„Unmöglich!", sagte der Boss ernst.

„Wieso unmöglich, Boss?"

„Wir können nur junge, hübsche Mädchen brauchen, das wissen Sie. Ich werde mir die Sache durch den Kopf gehen lassen. Sie tun inzwischen nichts ohne vorherige Rückfrage. Lassen Sie sich von Nelly nicht herausfordern, versuchen Sie mit ihr tunlichst auszukommen ..."

„Das sagt sich auf Distanz verdammt leicht, Boss."

„Kopf hoch. Timothy. Ich bin sicher, wir werden bezüglich Nelly eine Lösung finden."

Brown seufzte schwer. „Hoffentlich bald. Sonst lande ich demnächst noch in der Klapsmühle."

6

Maggie Mortimer war mit ihrer Morgentoilette noch nicht fertig, als Tony Cantrell bei ihr klingelte. Sie schlüpfte hastig in ihren weinroten Morgenrock und huschte in die Diele, um den Anwalt einzulassen.

Im Livingroom herrschte schon wieder Ordnung. Maggie war erst zu Bett gegangen, nachdem die Kränzchenspuren restlos beseitigt gewesen waren. Sie bot dem Anwalt Platz an.

„Ich kann es mir einfach nicht erklären, Tony, presste Maggie nervös hervor. Auf ihren Wangen glänzte noch die Nachtcreme. Sie trug ein orangefarbenes Haarband, das die Frisur hochdrückte und ihr hübsches Gesicht freihielt. „Ich sagte es Ihnen bereits am Telefon: Carol war die Erste, die ging. Und sie hatte nicht allzu viel getrunken.

„Sie war beschwipst, nicht wahr?", sagte Cantrell. Seine Stimme war nicht klar wie immer, sondern heiser.

„Sie hatte einen ganz kleinen sitzen. Aber das war kaum zu merken, antwortete Maggie. „Sie sagte, sie wolle ein Stück zu Fuß gehen und sich dann ein Taxi nehmen.

Cantrell knetete nervös seine Finger. „Sie hätte mich anrufen sollen. Ich hätte sie abgeholt."

„Das wollte sie nicht."

Cantrell nickte mit verkniffenem Mund. „Ja. Wenn Carol sich etwas in den Kopf setzt ..."

„Ich mache mir große Vorwürfe, Tony."

„Unsinn, Maggie. Carol hat sich über Ihre Einladung sehr gefreut. Sie haben sich nichts vorzuwerfen."

„Vielleicht hätte ich sie nach Hause fahren sollen."

„Sie hatten doch bestimmt selbst was getrunken."

„Das schon ..."

„Sehen Sie. Es wäre unvernünftig von Ihnen gewesen, sich in diesem Zustand ans Steuer eines Wagens zu setzen. Deshalb hat ja auch Carol ihren Volkswagen zu Hause gelassen."

Maggie holte ihre Zigaretten. Sie rauchte nervös. „Was kann ihr zugestoßen sein, Tony?"

Der Anwalt hob stumm die Schultern.

„Eine - Entführung?, meinte Maggie zaghaft. „Ehrlich gesagt, daran dachte ich zuerst, als Sie mich gestern Abend anriefen und mir sagten, Carol wäre immer noch nicht zu Hause angekommen. Immerhin sind Sie ein wohlhabender Mann. Und Sie haben zudem eine Menge Feinde. Wer so viele Verbrecher zur Strecke gebracht hat wie Sie, den kann man in der Unterwelt nicht ganz ausstehen. Bis heute morgen glaubte ich noch, dass Carol gekidnappt wurde. Aber jetzt kann ich es mir nicht mehr vorstellen.

„Weshalb nicht?", fragte Cantrell.

„Hätten sich die Kidnapper nicht schon längst mit Ihnen in Verbindung gesetzt? Wozu werden Menschen entführt? Man entführt sie, um ihre Angehörigen zu erpressen. Man verlangt mehr oder weniger hohe Lösegeldsummen. In Italien zum Beispiel ist das ein ganz neuer Industriezweig geworden. Da stehen solche Entführungen auf der Tagesordnung. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kidnapper sich mit ihrem Anruf so lange Zeit lassen, Tony. Deshalb glaube ich nicht mehr an eine Entführung. Diese Kerle hätten ihre Forderungen längst bei Ihnen deponiert: Wie viel Lösegeld, kein Einschalten der Polizei und so weiter. Wie das eben in solchen Fällen üblich ist. Eine Entführung gleicht im Grunde genommen ja der anderen."

Cantrell nickte. „Da haben Sie allerdings recht."

Maggie Mortimer nahm einen tiefen Zug von ihrer Zigarette. Sie blies den Rauch auf ihre vom Morgenrock verhüllten Knie.

„Also glauben Sie auch nicht, dass Carol gekidnappt wurde, Tony? Cantrell schlug die Beine übereinander. „Carol wurde entführt, Maggie.

„Aber ..."

„Es gibt zwei Arten von Kidnapping, Maggie, fiel Cantrell dem Mädchen ins Wort. „Die eine Art haben Sie vorhin erwähnt. Die hat aber einen verflixt heiklen, geradezu wunden Punkt für die Verbrecher: Die schwache Stelle an dem Coup ist die Geldübergabe. Da wurden die meisten Ganoven kassiert. Nun gibt es aber noch eine andere Entführungsart. In diesem Fall wollen die Kidnapper kein Geld haben.

Maggies Augen weiteten sich verwirrt. „Kein Geld? Aber ... aber wozu machen sie denn das dann ?"

„Diese Leute kommen auf eine andere Weise zu ihrem Geld."

„Wie denn?, fragte Maggie aufgeregt. „Wie, Tony?

„Indem sie die entführten Mädchen verkaufen."

Maggie fuhr sich mit der Hand an die Lippen. „Mein Gott, Tony!, rief sie bestürzt aus. „Und Sie vermuten ...

„Seit geraumer Zeit verschwinden junge hübsche Mädchen aus unserer Stadt!, sagte Cantrell hart. „Immer ungefähr derselbe Typ. Blond, gut gewachsen, attraktiv. In keinem einzigen Fall wurde von den Angehörigen Lösegeld verlangt. Keines der verschwundenen Mädchen tauchte jemals wieder auf. Die Bande, die sich auf diesen Mädchenhandel spezialisiert hat, wird von der Unterwelt als die 'Puppenfänger' bezeichnet ...

Maggie Mortimer drückte die Zigarette im Ascher aus. Nervös wischte sie sich über die Augen.

„Und Sie meinen, dass Carol diesen ... diesen Puppenfängern in die Hände gefallen ist?"

„Anders kann ich mir das Verschwinden meiner Frau nicht erklären", antwortete der Anwalt grimmig.

„Was werden Sie jetzt unternehmen, Tony?", fragte Maggie besorgt.

„Carol suchen. Was sonst?"

„Wissen Sie, wo Sie sie suchen müssen?"

„Noch nicht."

„Werden Sie sich an die Polizei wenden?"

Cantrell schüttelte den Kopf und erhob sich. „Das hat meines Erachtens keinen Zweck. Die Polizei sucht ja bereits nach den anderen verschwundenen Mädchen. Meine Freunde und ich werden deshalb eigene Wege gehen."

„Hoffentlich führen sie zum Erfolg. Carol tut mir schrecklich leid. Ich hoffe, man behandelt sie gut."

„Ich fürchte, das wird man nicht tun", knirschte Cantrell.

„An wen werden diese entführten Mädchen verkauft, Tony?, fragte Maggie und erhob sich nun ebenfalls. „Wer kauft sich eine Frau? Irgendein Scheich?

„Das ist heutzutage kein Geschäft mehr, erwiderte Tony Cantrell kopfschüttelnd. „So ein Scheich macht eine Europareise und kann so viel Mädchen mitnehmen, wie er zu Hause verkraften kann.

„Welchen Weg soll Carol denn gehen, Tony?"

Cantrell nahm kurz die Brille ab und rieb sich die Augen. Heiser sagte er: „Junge hübsche Frauen sind in jedem Bordell gern gesehen."

„Nein!, schrie Maggie Mortimer erschrocken auf. „Das ... das darf mit Carol nicht geschehen. Sie darf nicht in irgendeinem Freudenhaus vor die Hunde gehen, Tony. Sie müssen mir versprechen, alles zu unternehmen, um das zu verhindern.

Cantrell schaute Maggie fest in die Augen. Sein Blick war kalt und hart.

„Ich liebe meine Frau, Maggie. Und ich werde nichts unversucht lassen, um ihr diesen Weg zu ersparen!" Beinahe klang das wie ein Schwur.

Maggie brachte den Anwalt zur Tür. „Warum fliehen diese Mädchen nicht bei der erstbesten Gelegenheit, Tony?"

Der Anwalt atmete tief ein. „Weil die Verbrecher sie alle fest in der Hand haben."

„Womit denn?", fragte Maggie Mortimer naiv.

„In erster Linie, sagte Cantrell, und Maggie sah ihm an, wie sehr er darunter litt, „in erster Linie mit Rauschgift. Sie spritzen sie süchtig, ehe sie sie an die Bordelle weiterverkaufen. Von diesem Moment an können sie von diesen bedauernswerten Mädchen alles verlangen. Nichts kann sie dann noch davon abhalten, die dreckigsten Dinge für ein paar Gramm Heroin zu tun.

7

Der blonde Hüne war zwei Meter groß und zwei Zentner schwer. Ein Ex-Boxchampion von unbändiger Kraft, fünfunddreißig Jahre alt, Igelfrisur, enormer Fleischvertilger - deshalb nannten ihn seine Freunde amüsiert Butch. Die Feinde taten dies auch - aber ehrfürchtig. In seinem Pass stand Jack O’Reilly. Und er liebte so schnelle Eisen, wie es die frisierte Münch TTS war, auf der er bei Schönwetter gern durch Chicago flitzte. Jetzt bockte er sie auf. Dann überquerte er die Straße.

Dass Carol verschwunden war, schmeckte ihm genauso wenig sie seinem Chef. Butch war zwar nicht mit der hübschen Frau verheiratet, aber er lebte immerhin schon seit einigen Jährchen mit ihr unter ein und demselben Dach. Das verbindet und verwurzelt.

Seit zwei Stunden sprang er nun schon von Rattenloch zu Rattenloch. Diejenigen, die noch nicht wussten, dass die Puppenfänger einen eklatanten Schnitzer gemacht hatten, als sie Carol kassierten, erfuhren es von Jack. Außerdem deponierte O’Reilly überall, dass er jeden eigenhändig entmannen würde, der seine dreckigen Finger in dieser unsauberen Sache drin hatte. Mit O’Reillys kräftiger Stimme war das schon eine Drohung, die man auf Anhieb ernst nahm.

Über dem blonden Kopf des Zweizentnermannes blinkte die rote Leuchtreklame des „Paradiso".

Butch trat ein. In einer Räucherkammer war die Luft erträglicher. An den Tischen saß Laufkundschaft. Die Stammgäste hockten im Hinterzimmer, das wusste O’Reilly, deshalb ließ er die Kaffeetrinker ungeschoren und steuerte mit schwerem Schritt die Tür zum Hinterzimmer an.

„Wohin, Kleiner?", fragte der Wirt, der Butch bloß bis an die Brustwarzen reichte - mit Hut.

Jack O’Reilly verzog das Gesicht zu einem breiten Grinsen. Er wies auf die Tür und sagte: „Da hinein, Großer."

Der Wirt schüttelte den Kopf. „Geht nicht."

„Wieso nicht?"

„Geschlossene Gesellschaft."

„Die warten alle nur noch auf mich, dann kann der Zauber losgehen."

„Ich darf Sie da nicht reinlassen, Kleiner."

Butch kniff die Augen ärgerlich zusammen. „Versuch ja nicht, mich aufzuhalten, Großer, sonst hol ich mal ganz kräftig Luft und hab dich als Schnurrbart unter meiner Nase hängen."

Der Wirt versuchte es trotzdem. Butch holte nicht Luft, sondern aus - und zwar mit der Rechten. Mit ihr hatte er immer schon einen durchschlagenden Erfolg gehabt. So auch diesmal. Er gab es dem Wirt dosiert. Der Kleine sauste zurück und fand sich hinter dem Tresen wieder.

Butch trat da ein, wo er nicht ein treten durfte.

Sieben Mann waren hier unter sich. Sie tranken, spielten, palaverten. Das endete alles mit einem Schlag, als sie sahen, dass einer eingetreten war, der nicht zu ihnen gehörte.

Butch war bekannt in dieser Gegend wie der berühmte Hund. Deshalb fand sich auch gleich ein tapferes Großmaul, das lautstark verkündete: „Schnüffler sind hier nicht erwünscht, Jacko! Irgendwann mal hatte einer keine Lust gehabt, Butch mit seinem vollen Namen anzureden, deshalb war von Jack O’Reilly bloß „Jack O - also Jacko übrig geblieben.

Butch grinste herausfordernd in die Runde. „Was denn, was denn! Wo bleibt denn eure sprichwörtliche Gastfreundschaft? Ich bin eigens euretwegen von Western Springs hierhergeritten. Es stimmt mich traurig, nun von euch so unfreundlich begrüßt zu werden. Und wenn ich traurig bin, dann muss ich immer irgendjemandem die Fresse polieren! Wer von euch stellt sich freiwillig dafür zur Verfügung, he?"

Alle sieben standen auf.

„Sieben Mann hoch!, kommentierte „Jacko die Front.

Sie kamen wie eine Wand auf ihn zu. Stumm. Drohend. Mit finsteren Mienen.

„Raus, Jacko!", sagte der Typ mit dem Großmaul.

„Ich hab ein paar Fragen an euch", sagte Butch ungerührt. Er hatte schon gegen zwölf Mann allein gefightet - und verloren. Was waren dagegen diese lächerlichen sieben?

„Nicht heute, Jacko. Ein andermal vielleicht."

„Kein andermal!, gab Butch zurück. „Heute!

„Zwing uns nicht, dich hinauszuwerfen."

„Dazu braucht ihr halben Portionen doch einen Waggon voll Hilfsarbeiter!"

„Mal sehen!", knurrte Großmaul. Dann schlug er zu. Die anderen folgten seinem Beispiel. Butch kassierte mehrere Treffer am Eisenschädel. Die Schläge waren gut, aber nicht umwerfend. Was O’Reilly daraufhin zurückgab, wirkte sich auf drei Kerle geradezu katastrophal aus. Sie kugelten über den Boden und knallten gegen die Wand. Zwei der vier übrig gebliebenen Gegner demoralisierte Butch mit gewaltigen Ohrfeigen. Der Rest nahm die Beine in die Hand und fegte zur Hintertür hinaus. Plötzlich packte sie alle das große Fernweh. Sechsen von sieben gelang der Sturm in die Freiheit. Den siebten erwischte Butch mit seiner kräftigen Pranke beim Genick. Der Kerl quiekte erschrocken wie ein Schwein.

Butch grinste ihn an. „Was mache ich jetzt mit dir, Freundchen? Ob ich dich am ausgestreckten Arm verhungern lasse?"

„Ich ... ich war ja vorhin gar nicht so richtig dabei, Jacko!, beteuerte der dünne Kerl. „Ich hab dich nicht angefasst.

„Name?"

„Mongo Doyle."

„Nennen sie dich nicht Mongo den Zitterer?"

„Ja, Jacko. Ja. Ich hab’s mit den Nerven. Ich bitte dich, lass mich los. Ich krieg ja kaum Luft."

„Was für eine Schuhgröße hast du?"

„Neununddreißig", antwortete Mongo der Zitterer.

„Ich latsch dir einmal auf die Füße, dann hast du vierundvierzig, Mongo."

„Ich beschwöre dich, Jacko ..." Butch gab dem schmalen Burschen einen Stoß. Mongo taumelte auf einen Stuhl zu.

„Setz dich!", schnarrte O’Reilly. Blitzschnell saß Mongo. Furchtsam sah er den blonden Hünen naher kommen.

„Nur nicht schlagen, Jacko, ja? Nur nicht schlagen!"

Butch grinste. „Aber nein, Mongo. Wir beide werden noch mal die besten Freunde. Vorausgesetzt, du erzählst mir ein bisschen was!"

Mongo der Zitterer riss die Augen auf. Mit einem treuherzigen Hundeblick legte er die Hände auf seine kleine Brust.

„Was soll ich dir denn erzählen, Jacko? Ich hab doch von nichts ’ne Ahnung."

„Blöd auf die Welt gekommen und nichts dazugelernt, wie?"

„Ja, Jacko. Leider."

„Gehirn also amputiert. Wie steht's mit den Ohren?"

„Die sind in Ordnung."

„Dann hast du vielleicht schon mal was von den Puppenfängern gehört?"

Mongo der Zitterer wurde bleich. Er brauchte nicht mehr ja zu sagen. Die Farbe seines Gesichts bestätigte Butch, dass er richtig lag. Mongo bettelte mit den Augen, O’Reilly möge ihn entlassen. Männer wie Mongo wollten nirgendwo anecken. Sie waren weich wie Butter, und wenn sie gegen ein Hindernis stießen, gab das gleich irreparable Dellen.

„In letzter Zeit sind eine Menge hübscher Mädchen aus unserer Stadt verschwunden, sagte Butch. „Wenn das so weitergeht, gibt es in Chicago nur noch Hexen. Das schmeckt mir nicht, Mongo. Aber es kommt noch schlimmer: Diese Schweinekerle haben sich an der Frau meines Chefs vergriffen. Du kannst dir ungefähr vorstellen, was das heißt. Totaler Krieg! heißt das. Einsatz an allen Fronten. Wir wollen Carol wiederhaben. Und zwar unbeschädigt.

Mongo machte seinem Namen alle Ehre  er zitterte. „Ich weiß darüber kaum was, Jacko."

„Sag mir, was du weißt. Und sag mir, was du dir dazu denkst."

„Die Puppenfänger sind eine Menge Leute."

„Kannst du mir Namen nennen?"

„Nein, Jacko."

„Wie gehen sie vor? Wie schnappen sie sich die hübschen Girls?"

„Weiß nicht, Jacko. Das hängen die doch nicht an die große Glocke."

„Wohin bringen sie die Mädchen?", fragte Butch.

„Man sagt, sie bringen die Mädchen zum Jachthafen."

„Und weiter?"

„Keine Ahnung. Dort verschwinden die Girls endgültig."

Butch fletschte die Zähne. „Vielleicht besitzen die Puppenfänger einen Spray. Ein Druck aufs Knöpfchen - und die Mädchen werden unsichtbar."

Mongo der Zitterer hob die schmalen Schultern. „Ich würde dir gern mehr sagen, Jacko. Aber das ist wirklich alles, was ich weiß. Und - ehrlich gesagt - ich bin froh, dass ich nicht mehr weiß. Du weißt doch, was alles passieren kann, wenn einer zu viel weiß."

Butch nickte bitter. „Ja, Mongo. Solche Vielwisser hab ich in der Gosse liegen gesehen. Mit ’ner Kugel im Kopf."

Mongo nickte ebenfalls. „Siehst du. Das sind genau die Methoden der Puppenfänger."

8

Stecktuch, Halstuch und Schnupftuch waren aus reiner Seide. Man hätte Morton Philby keinen treffenderen Spitznamen als Silk geben können.

Auch er war für Cantrell unterwegs. Silk war ein drahtiger Mann mit dem sensiblen Gesicht eines Künstlers. Er gefiel sich in eleganter Kleidung und hatte das Auftreten eines Schwiegersohnes von Rockefeller.

Nachdem er ungefähr dreizehn Nieten gezogen hatte, überdachte Silk das Problem in aller Ruhe und in einem Drugstore, wo er heißen Tee mit Zitrone schlürfte. Es war eine feststehende Tatsache, dass alle entführten Mädchen einem ganz bestimmten Typ zuzuordnen waren. Und plötzlich kam vor Silks geistigem Auge das Bild eines Mädchens hoch, das diesem Typ haargenau entsprach.

Dazu bimmelte ein Name in seinem Gehirn: Mia Johnson. Animiergirl in einer Bar namens „Frog". Philby machte sich sofort auf den Weg dorthin. Er setzte sich in den schwarzen Buick Electra 225 und zischte mit viel Gefühl ab. Die Fahrt endete nahe der Congress Plaza. In einer Kurzparkzone fand Silk ein freies Plätzchen für den schwarzen Wagen.

Der nahe Chicago Harbor verströmte seinen unverwechselbaren Duft über die Plaza. Silk marschierte um die scharfe Marmorblockecke eines zweiundzwanzigstöckigen Gebäudes. Vier Schritte weiter hingen die ersten grünen Schaukästen an der Wand. Mädchen mit Flitter vorn und hinten lächelten von großen Fotos einladend herunter. Zauberkünstler und Jongleure waren mit Elektronenblitz und Tausendstel Belichtungszeiten fotografisch festgehalten. Unter einem grünen Baldachin stand ein grün gekleideter Mann mit breitem Mund und hervorquellenden Augen: Mr. Frog persönlich, so schien es.

Silk nickte dem Mann freundlich zu, als dieser die Eingangstür mit seiner weiß behandschuhten Rechten für ihn öffnete, und ließ ein dankbares „Quak!" verlauten.

Daraufhin quollen die Augen des Türstehers noch weiter hervor. Drinnen im Lokal gab es die bekannte grüne Beleuchtung, grüne Tapeten an den Wänden, einen grünen Tresen, eine grüne Tanzfläche und einen Barmixer mit giftgrünen Zügen.

Silk setzte sich auf einen der grünen Hocker. Der Mixer fragte ihn, was er haben wolle.

Silk antwortete: „Irgendetwas Grünes."

„Einen Pfefferminzbrandy?"

„Okay. Silk bekam den Drink. Von rechts kam ein Mädchen angeschoben, das mit seinen roten Haaren nicht so ganz in dieses grüne Etablissement hineinpasste. Ihr Kleid war aus schwarzer Spitze. Darunter trug sie meterweise aufregende Haut. Ihr Blick war Labsal für einsame Herzen. Sie glitt mit einer schlangen haften Bewegung auf den Hocker neben Silk, räkelte sich träge und fragte: „Na, so allein?

Philby wies schmunzelnd auf seinen Drink und sagte: „Ich habe bereits Gesellschaft."

„Mit dem kann man doch kein vernünftiges Gespräch führen."

„Das nicht. Aber dafür gibt’s von seiner Seite auch niemals eine Widerrede. Und wenn er mich ärgert, trinke ich ihn aus."

„Darf ich einen Grünen mitschlucken?"

„Meinetwegen. Aber hinterher musst du mir einen kleinen Gefallen erweisen, Baby."

Das Girl kniff schelmisch ein Auge zu, ließ die rosige Zunge raffiniert über die Lippen kreisen und hauchte: „Jeden, mein Lieber. Du brauchst mir nur zu sagen, was es sein soll. Silk schüttelte grinsend den Kopf. „So wie ich es haben will, machst du’s ja doch nicht, Baby.

„Wer sagt denn das? Wie möchtest du’s denn haben?"

„Umsonst!, lachte Silk. Das Mädchen lachte nicht mit. Der Drink kam. Silk sagte: „Spaß beiseite, Baby. Wie ist dein Name?

„Flora. Aber meine Freunde nennen mich Flo."

„Hör zu, Flo, du bist zwar ein ganz reizendes Persönchen, aber ich habe was gegen Rothaarige. Tut mir wirklich leid, aber dagegen komm ich nicht an. Vielleicht kommt das daher, dass ich bei ’ner Zangengeburt das Licht der Welt erblickte. Der Doc hat damals verdammt fest zugezwickt. Ich weiß es heute noch: Er hatte rote Haare. Ich wäre dir dankbar, wenn du mir Mia schicken würdest"

Flo hob beleidigt eine Braue. „Mia?, sagte sie spröde. „Die ist für ein paar Minuten weggegangen.

„Ich kann warten."

„Na schön. Ich schicke sie dir, sobald sie aufkreuzt."

„Das ist wirklich sehr nett von dir, Flo."

Das Girl rutschte vom Hocker. Den grünen Drink nahm sie mit. Zehn Minuten später erschien Mia. Sie hatte eine entfernte Ähnlichkeit mit Carol Cantrell. Bei Carol

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