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Der Pflanzer: Erzählung
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eBook31 Seiten23 Minuten

Der Pflanzer: Erzählung

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Über dieses E-Book

Es war im Sommer 1840; die Sonne stieg aus den dunklen Schatten der Niederungen empor, die das östliche Ufer des Mississippi bilden. Der Spottvogel schaukelte sich in den Tulpenbäumen der Gärten und Scharen von munter flatternden Seidenschwänzen berauschten sich an den lockenden Beeren des Chinabaumes. Mächtige schneeweiße Reiher segelten mit langsamem Flügelschlag dicht über die Oberfläche des Stromes hin oder standen in ernster Beschauung auf einem im Wasser liegenden Baumstamm, das Erscheinen eines kleinen Fisches abzuwarten. Die Natur feierte ihren Sabbat – nicht so der Mensch ...
SpracheDeutsch
HerausgeberBookRix
Erscheinungsdatum25. Apr. 2019
ISBN9783730929582
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    Buchvorschau

    Der Pflanzer - Friedrich Gerstäcker

    Friedrich Gerstäcker

    Der Pflanzer

    Erzählung

    BookRix GmbH & Co. KG

    81371 München

    Der Pflanzer

    Es war im Sommer 1840; die Sonne stieg aus den dunklen Schatten der Niederungen empor, die das östliche Ufer des Mississippi bilden. Der Spottvogel schaukelte sich in den Tulpenbäumen der Gärten, und Scharen von munter flatternden Seidenschwänzen berauschten sich an den lockenden Beeren des Chinabaumes. Mächtige schneeweiße Reiher segelten mit langsamem Flügelschlag dicht über die Oberfläche des Stromes hin oder standen in ernster Beschauung auf einem im Wasser liegenden Baumstamm, das Erscheinen eines kleinen Fisches abzuwarten. Die Natur feierte ihren Sabbat – nicht so der Mensch.

    Auf der Straße, die am Mississippi hin zwischen dem hochaufgeworfenen Schutzdamm und den Pflanzungen liegt, wanderte, aus den Atchafalaya-Ansiedlungen herunterkommend, ein Zug Negersklaven – Männer, Frauen und Kinder – in doppelter Reihe und von einem mit Stieren bespannten Wagen gefolgt, der das Gepäck der Schwarzen führte. Zwar waren diese nicht gefesselt, nicht einmal mit Stricken aneinander gebunden; aber zu jeder Seite des Zuges ritten zwei mit geladenen Doppelflinten bewaffnete Aufseher, und auch der Führer der Karawane trug nicht allein Büchse und Messer, sondern auch noch zwei gewaltige Sattelpistolen im Gürtel.

    Die Neger schienen diese ernste Umgebung aber wenig zu beachten; lachend und singend schritten sie nebeneinander her und vertrieben sich die Zeit mit Erzählungen und Possen.

    War es Gleichgültigkeit gegen das Gewohnte, das ihnen bevorstand, war es der leichte, dieser Rasse überhaupt eigene Sinn, der sie nur mehr den frohen, arbeitsfreien Augenblick erfassen ließ; was kümmerte sie die Zukunft – sie waren Sklaven. Kein Plan, den sie selber fassen, kein Ziel, dem sie selber zustreben konnten, nützte ihnen etwas; aber der Moment war der ihre, und der durfte nicht ungenützt, ungenossen vorübergehen – er kehrte ihnen nie wieder, und morgen vielleicht schon krümmten sie sich aufs Neue unter der Peitsche des herzlosen Wächters.

    Je höher indessen die Sonne stieg, desto lebhafter wurde es auch auf der Fahrstraße, und häufig sahen sich die Neger

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