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Der Klabautermann: Eine Seefahrtserzählung

Der Klabautermann: Eine Seefahrtserzählung

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Der Klabautermann: Eine Seefahrtserzählung

Länge:
48 Seiten
42 Minuten
Herausgeber:
Freigegeben:
25. Apr. 2019
ISBN:
9783730926192
Format:
Buch

Beschreibung

Ich werde meinen alten Freund wohl erst bei dir einführen müssen, lieber Leser aus dem "inneren Land", denn oben im Norden, an Weser und Elbe und Schelde, kennen sie ihn wohl, den wackeren Klabautermann, den Freund der Seeleute – oder fast mehr noch ihrer Schiffe – und den treuen Begleiter auf ihren weiten, gefahrvollen Reisen ...
Herausgeber:
Freigegeben:
25. Apr. 2019
ISBN:
9783730926192
Format:
Buch

Über den Autor

Friedrich Gerstäcker (geb. 1816 in Hamburg, gest. 1872 in Braunschweig) war ein deutscher Schriftsteller, der vor allem durch seine Reiseerzählungen aus Nord- und Südamerika, Australien und der Inselwelt des indischen Ozeans bekannt war. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Die Regulatoren von Arkansas“ (1846) und „Die Flußpiraten des Mississippi“ (1847). Daneben veröffentlichte er eine Vielzahl von spannenden Abenteuerromanen und -erzählungen, aber auch Dorfgeschichten aus der deutschen Heimat. In seinen Erzählungen verstand er es die Landschaften und kulturelle Verhältnisse anschaulich darzustellen, so dass noch heute ein überwiegend jugendliches Publikum seine bekannten Romane liest. Seine Erzählungen und Romane regten im Nachgang zahlreiche Nachahmer an, zu denen auch Karl May zählte. Er profitierte sehr stark von den Schilderungen Gerstäckers, da er weniger in der Welt herumgekommen war und aus eigenen Erlebnissen zu berichten hatte. Insgesamt hinterließ Friedrich Gerstäcker ein monumentales 44-bändiges Gesamtwerk. (Amazon)


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Der Klabautermann - Friedrich Gerstäcker

Friedrich Gerstäcker

Der Klabautermann

Eine Seefahrtserzählung

BookRix GmbH & Co. KG

80331 München

Der Klabautermann

Ich werde meinen alten Freund wohl erst bei dir einführen müssen, lieber Leser aus dem »inneren Land«, denn oben im Norden, an Weser und Elbe und Schelde, kennen sie ihn wohl, den wackeren Klabautermann, den Freund der Seeleute – oder fast mehr noch ihrer Schiffe – und den treuen Begleiter auf ihren weiten, gefahrvollen Reisen. Aber aufs feste Land kommt er nicht; er hält es nicht aus auf dem trockenen, unbeweglichen Boden. Und zwingt ihn die Not vielleicht einmal, auf einer Insel, an der sein eigenes Schiff gescheitert ist, zu hausen, bis er ein anderes findet, auf dem er wieder Passage nehmen kann, so ist ihm das nichts weniger als angenehm, und er kann sich dann mit den Bewohnern dort nicht im geringsten vertragen. Ich weiß ein solches Beispiel, und es wäre beinahe der Tod des armen Klabautermannes gewesen, wenn Klabautermänner eigentlich überhaupt sterben könnten.

Der Klabautermann also hat in seinen Gewohnheiten einige Ähnlichkeit mit der Katze, da er sich, wie schon bemerkt, selten oder nie an besondere Menschen anschließt, sondern irgendein Fahrzeug auswählt und auf diesem bleibt, solange es gesund und in gutem Zustand ist. Wird es aber leck oder alt oder steht ihm sonst ein Unheil bevor – was der Klabautermann vermöge seiner geistigen Fähigkeiten leicht voraussehen kann – dann verlässt er das Schiff und sucht sich ein anderes, und es ist für die Schiffer dann auch immer ein sicheres Zeichen für eine unglückliche nächste Reise, wenn ihr alter Hausfreund auszieht und sie allein darin zurücklässt.

Der Klabautermann sagt es dann auch gewöhnlich den Ratten, die er besonders unter seinem Schutz hat, weil sie ihm manche lange Nacht im unteren Raum Gesellschaft leisten – und die gehen dann auch meistens mit ihm. Fragt einmal einen der alten Matrosen, ob er sich auf einem Fahrzeug einschiffen möchte, das der Klabautermann und die Ratten verlassen haben – nicht für zwanzig Taler im Monat! Er würde ebenso leicht daran denken, in einem Waschtrog in See zu gehen.

Seiner gewöhnlichen Natur nach ist er unsichtbar, er kann sich aber nichtsdestoweniger – wenn ihm das je nützlich oder angenehm erscheinen sollte – wann er will, auf dem Schiff zeigen. Er tut das auch gar nicht selten; meistens aber doch nur bei wichtigen Gelegenheiten. Seine Tracht ist natürlich echt seemännisch: blaue Tuchjacke und weiße, weite Zwillichhosen, große Seestiefel, die bis unter die Knie reichen, ein wollenes Hemd – blau oder rot, wie es gerade seinem Geschmack zusagt und eine rote wollene Zipfelmütze. (Die rote wollene Zipfelmütze ist freilich etwas altmodisch; er hat sie aber noch aus der guten alten Zeit beibehalten und trennt sich von ihr nur bei höchst feierlichen Gelegenheiten.)

Der Klabautermann ist übrigens nicht so groß wie die übrigen Menschen, sondern eher von kleiner, aber äußerst untersetzter, kräftiger Statur; er wird selten über dreieinhalb Fuß hoch, ist aber für seine Größe ungemein breitschultrig und von derbem Gliederbau, mit einem manchmal allerdings etwas sehr dicken Kopf – was in seiner Familie liegen soll – aber doch nie unproportioniert. Er lebt auch keineswegs bloß von der Luft allein, wie das Elfen und Sylphiden und andere Mondscheindinger vielleicht tun mögen – fällt ihm nicht ein! Nein, er verlangt sogar, wenn er auch nicht gerade in der Kajüte permanent wohnt – denn er haust überall im Schiff, wo es ihm gerade einfällt – dass doch sein Platz in der Kajüte gedeckt ist, und gnade Gott dem Koch, wenn das einmal vergessen sein sollte. Er nimmt dann

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