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Seewölfe - Piraten der Weltmeere 524: Das Inselkastell

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 524: Das Inselkastell

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Seewölfe - Piraten der Weltmeere 524: Das Inselkastell

Länge:
118 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 11, 2019
ISBN:
9783954399321
Format:
Buch

Beschreibung

Nach Mitternacht. Der Schatten schob sich von Osten über die See an das Kastell heran. Der Wind hatte auf Nordwest gedreht. Der Posten auf dem Wehrturm des Kastells döste. Der Schatten glitt näher und näher, eine Dreimast-Galeone namens "Santa Barbara". Ihre Stückpforten waren geöffnet, die Culverinen ausgerannt. Sie wirkte bedrohlich und wie ein Geisterschiff. Es schien, als segle sie allein. Nur ein einsamer Mann stand auf dem Achterdeck, ein sehr großer Mann. Aber sie war nicht unbemannt, diese Galeone. Als sie die Fleute an der Pier passierte, erwachte sie zum Leben. Da krachten plötzlich die ersten sieben Explosionen. Und von da ab war die Hölle los...
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 11, 2019
ISBN:
9783954399321
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 524 - Davis J.Harbord

8

1.

Pieter Hendrik Beeveren hieß der grobschlächtige Kerl mit den hellen Augen und dem groben Hackklotzgesicht. Mit aufreizender Gelassenheit pustete er den Rauch von der Laufmündung der Pistole, aber sein kalter Blick wich um keinen Deut von den Kerlen. Wagte da vielleicht noch einer, das Maul aufzureißen?

Nein, keiner muckste. Sie standen wie ihre eigenen Denkmäler und starrten zu Boden. Keiner riskierte, seinem Blick zu begegnen.

Beeveren spuckte zur Seite. Die Spucke landete neben dem Kopf des dritten Toten und vor den Stiefeln des vierten Toten. Beide gehörten zu dem Trio, das über den Häuptling hergefallen war. Mit denen hatte er also abgerechnet, aber einer war noch übrig.

Dem schlotterten jetzt schon die Knie.

Beeveren sagte: „Du warst der dritte Hurensohn, Jan Visser, der über seinen Kapitän hergefallen ist. Hast du dafür eine Entschuldigung?"

„Ich – ich hab’ dich in der Dunkelheit nicht erkannt, Kapitän, murmelte Jan Visser, „und war wohl auch blind vor Wut, weil ihr auf uns geschossen habt.

„Du bist ein Hurensohn, Jan Visser. Sag, daß du ein Hurensohn bist."

„Ich bin ein Hurensohn."

„Sehr schön. Und jetzt sage, ich bin ein Hurensohn und habe den Strick verdient, weil ich über meinen Kapitän hergefallen bin."

In Jan Visser regte sich Trotz. „Wir haben gedacht, ihr seid die fremden Teufel, die jetzt unser Lager besetzt haben. Wir konnten ja nicht wissen, daß ihr auf uns schießen würdet!"

„Ich gab dir eben einen Befehl, Jan Visser, sagte Beeveren kalt, „und ich pflege meine Befehle nicht zu wiederholen. Oder willst du jetzt auch noch meutern?

„Ich laß mich nicht hängen!" brüllte Jan Visser, sprang gleichzeitig zurück und riß den Säbel aus der Scheide.

Er hatte ihn kaum heraus, da war Beeveren an ihm dran und stieß den Degen vor.

Jan Visser war der fünfte Tote. Verglichen mit dem Strick, war dieser Tod schnell und fast schmerzlos.

„Wir brechen auf", sagte Beeveren ohne die geringste Gefühlsregung. Er hätte auch sagen können: Was für eine schöne Nacht!

Sie starrten ihn verwirrt an.

Einer sagte: „Wir haben keine Schaluppe mehr, Kapitän."

Beeveren, der seine Pistolen nachlud, drehte den Kopf zu ihm. „Ach ja? Hast du das auch schon gemerkt, Dummkopf?"

„Ja, aber …"

„Kein aber! schnappte Beeveren. „Wir marschieren. Etwa fünfzehn Meilen südlich stehen Pfahlbauten an der Küste. Und was liegt an den Pfahlbauten vertäut?

„Auslegerboote", sagte der Kerl.

„Richtig, Auslegerboote. Beeverens Augen glitzerten. „Und wohnen in den Pfahlbauhütten nicht auch Weiberchen, Dummkopf?

Da fing die Horde wieder an zu johlen. Kapitän Beeveren hatte immer noch die besten Ideen. Muskatnußbäume der Spanier oder Portugiesen umzulegen oder ihre Gewürzplantagen und Schiffe zu überfallen, war die eine Sache und mit Arbeit verbunden, manchmal auch mit ein paar Beulen oder Blessuren, wenn es sich um die Schiffe handelte. Und „Weiberchen" einfangen, war die andere Sache, die am meisten Lust und Spaß brachte. Da gab’s zwar auch hin und wieder Kratzer bei der Zähmung, aber das erhöhte ja das Vergnügen.

Fünfzehn Meilen, na und? Wenn es um „Weiberchen" ging, würden sie auch einhundertfünfzig Meilen laufen. In einem Stück würden sie die abreißen.

Um die Toten kümmerten sie sich nicht. Gleich ihrem Kapitän hatten sie Herzen aus Stein und die Gemüter von Fleischerhunden. Gewalt war ihr Handwerk. Doch zum ersten Male, seit sie hier an der Küste des Golfes von Davao im Südosten der Philippinen-Insel Mindanao ihr Unwesen trieben, hatte sich die Gewalt gegen sie gewandt, und mit dem Verlust ihrer vier Schaluppen waren sie zum Rückzug gezwungen.

Wer ihr Gegner war, das wußten sie nicht. Spanische Bastarde, hatte Pieter Hendrik Beeveren gemeint und dabei wieder einmal ausgespuckt, wie er es immer tat, wenn er etwas verächtlich fand.

Aber es waren nur zwei Schaluppen gewesen, mit denen sie es zu tun gehabt hatten. Zwei lächerliche Schaluppen, besetzt mit nur je sechs Kerlen, und die hatten die Hölle losgelassen.

Tief in Pieter Hendrik Beeveren fraß die Wut. Oh, er würde es diesen spanischen Bastarden heimzahlen, mit Zins und Zinseszins. Wer einem Pieter Hendrik Beeveren auf die Füße trat, dessen Stunden waren gezählt – wie bei den drei Hurensöhnen, die gewagt hatten, sich an ihm zu vergreifen.

Dennoch, neben der Wut spürte Beeveren etwas, das ihm bisher fremd gewesen war, nämlich Unsicherheit. Noch nie war ein Gegner derart mit ihm umgesprungen. Er war es gewohnt, die Schläge zu verteilen und über einen Gegner zu triumphieren. Keiner war ihm ebenbürtig.

Darum auch hatte ihn die ehrenwerte Handelsgesellschaft der ebenso ehrenwerten Kaufherren Heyndrick Hudde, Reynier Pauw, Pieter Hasselaar und Jan Karel in Amsterdam großzügig ausgerüstet und beauftragt, „im Land der edlen Gewürze" Handelsposten zu errichten, sich einzunisten und sich nicht zu scheuen, den Gewürzhandel der Spanier und Portugiesen auf jede erdenkliche Weise zu schädigen, zum Erliegen zu bringen und selbst an sich zu reißen.

Jawohl, für diesen Auftrag war er der richtige Mann, und die ehrenwerte Handelsgesellschaft hatte ihm mit Billigung der „Sieben Provinzen", die sich im Jahre 1579 von der spanischen Herrschaft losgesagt hatten, volle Handlungsfreiheit gegeben. Er konnte nach eigenem Ermessen vorgehen – auch und gerade mit Gewalt.

Daß er jetzt der Gegengewalt weichen mußte, war für ihn eine neue Erfahrung, eine Erfahrung, die ihn verunsicherte, obwohl er sich einredete, nur einen „taktischen" Rückzug anzutreten, aus dem heraus er wieder zum Angriff vorprellen würde.

Es ging ihm nicht in den Kopf, wie es nur zwölf Kerlen hatte gelingen können, ihn zu überrumpeln, mit ihm Katze und Maus zu spielen und ihn schließlich zum Abbruch seines Lagers zu zwingen.

Dabei hatten diese Bastarde bisher keinen einzigen Kratzer abbekommen – und als er gemeint hatte, die eine ihrer beiden Schaluppen zerschossen zu haben, da stellte sich heraus, daß es ihr eigenes Schiff gewesen war – ihr letztes. Und er selbst, Pieter Hendrik Beeveren, hatte dazu den Feuerbefehl gegeben!

Er war weit davon entfernt, Selbstkritik zu üben. Was er tat, war immer richtig. Die Idioten hätten ja vorher rufen können, daß sie es seien, nicht wahr?

Er schob die lästigen Gedanken beiseite und befahl seinen Kerlen, ihre Waffen und für sich selbst etwas Proviant mitzunehmen. Sein Zeug mußte natürlich einer der Kerle zusätzlich mitschleppen. Was denn sonst?

Im Gänsemarsch, Beeveren an der Spitze, setzten sie sich in Bewegung – mit ihrem Kapitän noch vierunddreißig Kerle, die meisten von ihnen lädiert und angeschlagen, teils vom Gegner, teils durch sich selbst, als sie aufeinander losgedroschen hatten.

Die fünf Toten blieben dort liegen, wo sie zusammengebrochen waren.

Erst jetzt fiel Beeveren ein, daß die „spanischen Bastarde" Marten de Groot gefangen hatten, seinen Späher, den er losgeschickt hatte, um das Lager nach Norden abzusichern.

Scheiße! dachte Beeveren. Marten war sein bester Mann. Aber der würde sich eher die Zunge abbeißen, als den Hunden zu verraten, wo sie ihr Kastell errichtet hatten.

Und dann fiel Beeveren der Wachposten ein, der das Lager nach Süden hatte absichern sollen – Brouwer, dieses Tränentier. Wo steckte der Kerl? Hatten sie ihn auch gefangen? In diesem Moment wurde Beeveren klar, daß Brouwer versagt haben mußte. Er hätte die Schaluppe sehen müssen, die von Süden heraufgesegelt war und vor ein paar Stunden das Lager beschossen hatte – mit Erfolg. Denn dabei war jene Schaluppe zum Teufel gegangen, der sie gerade den neuen Mast verpaßten.

Beeveren stoppte und drehte sich zu den Kerlen um.

„Was ist mit Brouwer? knurrte er. „Hat den jemand zufällig gesehen, vielleicht nach dem letzten Überfall der Olivenfresser?

Sie schüttelten die Köpfe.

„Der sollte doch südlich unseres Lagers Ausguck gehen", sagte einer.

„Das weiß ich selbst! blaffte Beeveren, wölbte die Hände vor den Mund und brüllte: „Brouuuwer! Und noch einmal.

Sie lauschten.

Und da hörten sie von irgendwoher undeutliche Laute, eine Art Grunzen, aber ein tierischer Laut war das nicht. Das klang eher nach einem Menschen, dem der Mund verschlossen war.

Geknebelt, dachte Beeveren grimmig und wandte sich in die Richtung, aus der die Laute zu ihnen drangen. Die Kerle trotteten hinter ihm her. Und so fanden sie Brouwer, geknebelt unter einer umgestürzten Kokospalme, an die er kunstvoll gefesselt war. Am Hinterkopf hatte er eine wüste Beule.

Natürlich wußte er von nichts.

„Sie haben mich von hinten überfallen", sagte er

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