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in fließenden übergängen | in vasi comunicanti: Frühe Gedichte in Italienisch, Deutsch und Südtiroler Mundart | Poesie giovanili in tedesco, italiano e dialetto sudtirolese
in fließenden übergängen | in vasi comunicanti: Frühe Gedichte in Italienisch, Deutsch und Südtiroler Mundart | Poesie giovanili in tedesco, italiano e dialetto sudtirolese
in fließenden übergängen | in vasi comunicanti: Frühe Gedichte in Italienisch, Deutsch und Südtiroler Mundart | Poesie giovanili in tedesco, italiano e dialetto sudtirolese
eBook328 Seiten1 Stunde

in fließenden übergängen | in vasi comunicanti: Frühe Gedichte in Italienisch, Deutsch und Südtiroler Mundart | Poesie giovanili in tedesco, italiano e dialetto sudtirolese

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Über dieses E-Book

EINE NEU- UND WIEDERENTDECKUNG: MEHRSPRACHIGE GEDICHTE VON GERHARD KOFLER.

EINE SORGFÄLTIG EDIERTE AUSWAHL VON GEHARD KOFLERS FRÜHWERK
EXPERIMENTIERFREUDIG und KRITISCH zeigt sich der SÜDTIROLER LYRIKER Gerhard Kofler in seinen frühen Gedichten, die er auf DEUTSCH, ITALIENISCH UND SÜDTIROLER MUNDART verfasste. Neben Norbert C. Kaser gehörte Kofler einer lyrischen Aufbruchsgeneration an, die gegen Kulturkonservatismus und für die Entwicklung einer modernen, allen Sprachen offenen Literatur schrieb. Dabei ist die MEHRSPRACHIGKEIT seiner Gedichte nicht nur eine biografische Mitgift, sondern auch Stilmittel und Standpunkt im Diskurs um die Begriffe von HEIMAT und IDENTITÄT. Zum 70. Geburtstag des 2005 verstorbenen Schriftstellers erscheint nun in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv eine sorgfältig edierte Auswahl seines FRÜHEN DICHTERISCHEN SCHAFFENS. Neben vollständigen Zyklen aus lange vergriffenen Gedichtbänden finden sich in diesem Band auch UNVERÖFFENTLICHTE ÜBERSETZUNGEN früher Gedichte Koflers aus seinem Nachlass.

"In der modernen Zeit der vielen nichts sagenden Worte sind Koflers Gedichte eine kleine Kostbarkeit."
Die Furche, Anna Lesnik
SpracheDeutsch
HerausgeberHaymon Verlag
Erscheinungsdatum21. Jan. 2019
ISBN9783709938768
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    Buchvorschau

    in fließenden übergängen | in vasi comunicanti - Gerhard Kofler

    Verlag

    TRILOGIA DELLE STRAVAGANZE

    TRILOGIE DER EXTRAVAGANZEN

    STRAVAGANZE ALTOATESINE

    SÜDTIROLER EXTRAVAGANZEN

    Für H.

    Diese Texte in Hochdeutsch, im Dialekt und in Italienisch entstanden in Wien, haben jedoch alle mit Südtirol zu tun: Ich gehe dort damit herum, schweife ab, trenne mich von meiner Kindheit, komme immer wieder zurück und erschreibe mir einige lebensnotwendige Extravaganzen.

    Den Titel dieser Sammlung verdanke ich

    Pablo Neruda, dessen „Estravagario" auf deutsch

    sowohl mit „Extravaganzenbrevier" als auch

    mit „Extratouren" übersetzt wurde.

    Gerhard Kofler

    L’ISARCO*

    d’improvviso così vicino

    l’Isarco

    nessun ricordo

    finora scorreva

    in direzione

    del mio viaggio

    acque chiare

    come se finalmente

    nulla

    potesse più intorbidire

    la mia infanzia morta

    DER EISACK

    plötzlich so nah

    der Eisack.

    keine erinnerung

    floß bisher so

    in meine fahrtrichtung.

    klare wasser,

    als könnte endlich

    nichts mehr

    meine tote kindheit

    trüben.

    MORTI IN FAMIGLIA

    ma questi morti in famiglia, lo si sa,

    a volte diventano più vivi di noi, che

    di loro raccontiamo

    con più attenzione.

    fra questi morti che, lo si sa,

    sanno presentarsi in una stanza

    e che dopo i pranzi ci aiutano

    a dirigere, vi trovo anche uno

    con la testa ancor bionda –

    vuol essere fotografato

    con la bicicletta dal di dietro

    perché così meglio si potesse vedere

    la prima cartella.

    uno che da bambino a scuola

    a poco a poco

    ha imparato a morire

    come gli altri

    e che è riuscito a

    cambiare vita un po’

    appena dopo.

    TOTE IN DER FAMILIE

    aber diese toten in der familie, man weiß es,

    werden manchmal lebendiger als wir,

    die mit mehr aufmerksamkeit

    von ihnen erzählen.

    unter diesen toten, die, man weiß es,

    sich in einem zimmer zeigen können

    und nach dem essen uns helfen

    zu verdauen, finde ich auch einen,

    dessen kopf noch blond ist,

    der mit dem fahrrad von hinten

    fotografiert werden will,

    damit man die erste schultasche

    so besser sehen könne.

    einen, der als kind in der schule

    allmählich

    gelernt hat, zu sterben

    wie die anderen

    und dem erst nachher gelang,

    das leben ein wenig zu ändern.

    HERRISCHE WEIBER

    nocher hom mer oft getramt

    von de herrischn weiber

    iber de der tatte gsogt hot

    daß se beim orsch

    a aso riachn

    wia se suscht riachn

    noch parfäm.

    und do hom mer getramt

    daß mer ihnen

    untern kittl innigekrochn sein

    und ihnen die feign und in orsch

    ogschleckt hom, a set a zuig

    hom mer getramt

    domols.

    und es isch ins dabei

    so ondersch gwordn

    daß mer ins gedenkt hom

    des muaß wegen

    dem 6. gebot sein,

    dem unkeischn,

    weil ins so ondersch

    dabei gwordn isch,

    hom mer ins des gedenkt,

    weil suscht hätt mer

    gor net gwißt worum.

    jo, und do hom mer

    no oft net gwißt

    worum.

    Ein Stück Schulweg ging ich mit Bauernkindern gemeinsam. Von ihnen lernte ich das Wort „die Herrischn. Das waren und sind immer noch die besseren Bürger aus der Stadt. Besonders die geschminkten Frauen der „Herrischn riefen bei den Bauernkindern zugleich Ablehnung und Faszination hervor. Dies hier ist ein Rollengedicht, das sexuelle Vorstellungen aus der Kindheit meiner bäuerlichen Weggefährten in der unmittelbaren Wir-Form rekonstruiert.

    FOGLIO DI CALENDARIO COLL’ACQUA SANTA*

    ancora un giorno più vicino all’eternità

    tiene in una mano il foglietto del calendario

    come un monito di penitenza

    e nell’altra lo spazzolino dell’acqua santa

    per le pulizie interiori

    (è la suora davanti a me)

    come ho potuto

    infettarmi di scarlattina

    (sarà stato proprio a Bolzano)

    che ora a Bressanone nella ex-casa della GIL

    in rossa architettura mussoliniana

    sto sdraiato tutto solo

    40 giorni nel deserto

    (così a lungo ti mettono in caserma

    nel 1959 se hai la scarlattina)

    ancora un giorno più vicino all’eternità

    dice ogni giorno la suora e ha ragione

    ma sbaglia a farlo

    KALENDERBLATT MIT WEIHWASSER

    „wiederum einen tag näher der ewigkeit"

    sie hält das kalenderblatt

    wie einen bußzettel in der einen

    den weihwasserbesen

    zum inneren reinemachen

    in der anderen hand

    (die geistliche schwester vor mir)

    wie habe ich mich denn

    mit scharlach angesteckt

    (wahrscheinlich war’s doch in Bozen)

    daß ich hier im Brixner ex-GIL-gebäude

    in klotziger Mussolini-architektur

    als einziger daliege

    40 tage in der wüste

    (so lange kasernieren sie einen

    wegen scharlach noch im jahr 1959)

    „wiederum einen tag näher der ewigkeit"

    sagt sie jeden tag und hat recht

    und tut falsch daran.

    DER ERSCHTE NORRATE

    obn in Presels in der summerfrisch

    isch er gsessn mit a hetschebetschschtaudn

    hot se ins maul gschteckt und dron gekuit

    der erschte norrate in meinem lebn

    hot nimmer gonz dazuaghert zum hof

    ober er isch a nimmer davun wegkemmen

    weil in Pergine hobnse den a net dergholtn.

    und a des nägschte johr

    wor er no olleweil do

    ober nocher isch er gschtorbn,

    gottseisgedonkt, hobn se gsogt

    und fir mi seins auf oamol

    gonz bluatig gwesn,

    die hetschebetschn, de a nimmer

    dazuaghert hobn zum hof

    ober gsegn hot mer se holt

    do no olleweil.

    SVERNARE*

    ancora infantili ieri i pensieri nei cieli azzurri

    oggi dai rami nudi mi spaventa

    il chiasso degli uccelli pronti al volo

    e non è una metafora e solamente

    qualcosa di simile, se metto alcune

    bottiglie di vino nella valigia

    per svernare al nord contro corrente

    ÜBERWINTERN

    kindlich noch gestern in blauen himmeln denkend

    erschreckt mich heute aus den kahlen ästen

    das lärmen der vögel vor ihrem abflug.

    und es ist keine metapher und nur

    etwas ähnliches, wenn ich ein paar

    flaschen wein in den koffer lege

    zum überwintern gegen den strom im norden.

    IL COLLEZIONISTA*

    all’inizio c’erano gli animali, le piante, le notizie

    d’enciclopedia

    cheGquaderni

    come se così volessi creare un ordine

    che non trovavo altrove.

    poi venne il tifo del calcio e il raccoglier resultati

    e poco dopo già gli eventi attorno ai Beatles

    (anche le ragazze pin-up le ritagliavo

    togliendole dal contesto disturbante)

    ed ora il legger libri

    e lo scriver versi mi appaiono

    anche questi solo varianti del tentativo

    che allora incominciò nei colori dei quaderni incollati.

    DER SAMMLER

    zuerst waren es tiere, pflanzen, enzyklopädisches

    das ich ausschnitt und in hefte klebte

    als wollt’ ich dadurch eine ordnung schaffen

    die ich sonst nirgends fand.

    dann kam das fußballfieber und das resultatesammeln

    und bald darauf schon alles drum und dran der Beatles

    (auch pin-up-girls schnitt ich heraus

    aus ablenkendem kontext.)

    und jetzt scheinen mir

    das bücherlesen und das verseschreiben

    auch nur varianten des versuchs

    der einst in bunt geklebten heften anfing.

    ANNAMARIA SIEFF

    era lei, l’insegnante

    d’italiano al liceo,

    ad aprirmi la

    grande poesia del Saba.

    oggi ci penso ogni volta

    che rinnovo le mie forze

    nei versi del triestino semita.

    e mi ricordo come allora

    al primo contatto

    quasi volevo rifiutare

    la Felicità del Saba

    perché comincia con:

    "La giovinezza cupida di pesi

    porge spontanea al carico le spalle.

    Non regge."

    e perché prosegue:

    "Vagabondaggio, evasione, poesia,

    cari prodigi sul tardi!"

    ma ormai

    anch’io

    ci sono arrivato.

    ANNAMARIA SIEFF

    sie war es, die italienisch-

    professorin am gymnasium,

    die mir eröffnete

    die große poesie des Saba.

    heute denke ich jedes mal daran

    wenn ich die kräfte erneuere

    in den versen des semiten aus Triest.

    und ich erinnere mich, wie ich damals

    bei der ersten begegnung

    fast Sabas „Felicità"

    ablehnen wollte

    weil sie beginnt mit:

    „Die Jugend begierig nach Gewichten

    bietet spontan der

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