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Die sieben Hüter und die Wächter der magischen Tore: Ein Jugend-Fantasy-Roman

Die sieben Hüter und die Wächter der magischen Tore: Ein Jugend-Fantasy-Roman

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Die sieben Hüter und die Wächter der magischen Tore: Ein Jugend-Fantasy-Roman

Länge:
519 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 29, 2019
ISBN:
9783962299279
Format:
Buch

Beschreibung

Dies ist die Geschichte von Michael und seinen sechs Freunden in einem Internat in England. Von ihren Eltern dort hin geschickt, werden sie mit Ereignissen, voller Magie und Geheimnissen konfrontiert.

Das Internat, erbaut auf den Ruinen eines alten Klosters birgt viele Mysterien und Gefahren. Wer oder was steckt hinter all den Ereignissen in die sie geraten? Schnell müssen die Freunde feststellen, dass sie zwischen die Fronten zweiter Gegner gelangt sind, die sich seit Jahrtausenden erbittert bekämpfen. Ohne es zu ahnen sind sie es, die diesen Kampf entscheiden sollen.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 29, 2019
ISBN:
9783962299279
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Die sieben Hüter und die Wächter der magischen Tore - Olaf Sölter

TORE

KAPITEL 1

Es ist ein schöner trockener Herbsttag im Jahre des Herrn 1513. Heinrich der VIII., König von England, führt Krieg gegen Frankreich und Schottland. Wie in allen Kriegen zuvor, so geht es auch in diesem Krieg um Macht und Landbesitz. Und doch tobt zur gleichen Zeit noch ein anderer Krieg. In ihm geht es weder um Land noch um Macht. Es werden auch keine großen Schlachten geschlagen wie in den Kriegen zuvor. Nein, dieser Kampf findet schon seit Jahrtausenden im Verborgenen statt. Es ist der immerwährende Kampf zwischen Gut und Böse.

Es gibt nur sehr wenige Menschen, die von diesem Kampf im Untergrund wissen. Sechs von ihnen befinden sich an diesem Tag in einem Kloster, nahe Gloucester. Die drei Männer und drei Frauen sind nicht irgendwelche Menschen. Nein, sie sind die Einzigen, die an diesem Herbsttag das Schicksal der Menschheit noch zum Guten wenden können.

Diese sechs so unterschiedlichen Menschen sitzen nun in einem Raum des Klosters. In ihren Gesichtern spiegeln sich Angst und Ratlosigkeit. Keiner von ihnen sagt ein Wort. Sie sehen sich nur stumm an, denn die Gedanken eines jeden sind mit sich selbst beschäftigt.

Auch Peter, der Anführer dieser Gruppe, denkt über sich, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft nach. Gibt es denn für seine Freunde und ihn noch eine Zukunft? Seine Gedanken gehen weiter zurück. Tiefer in die Vergangenheit. Bis zu dem Zeitpunkt, zu dem für seine Freunde und ihn alles begann.

Was wäre passiert, wenn wir damals als Kinder nicht im Wald gespielt hätten, so wie es die Mädchen wollten? Wir hätten weder die Höhle noch die sieben Pentagramme mit ihren Steinen entdeckt. Und alles, was danach geschah, wäre nie passiert.

Keiner von uns wüsste heute etwas von einer magischen Welt oder von ihren Bewohnern, den Magiern, Hexen und anderen seltsamen Wesen.

Sicher, am Anfang war alles aufregend. Es war für uns sieben nichts weiter als ein großes Abenteuer. Doch mit dem Abenteuer kam auch die Verantwortung. Eine Verantwortung, über die wir zu jener Zeit nichts wussten. Wir waren noch Kinder, als wir die Magie der Steine zu nutzen lernten. Wir fühlten uns groß und mächtig mit diesen Steinen. Erst recht nachdem uns Gimplygon, der Zauberzwerg, gezeigt hatte, wie und mit welchen Zaubersprüchen wir diese Steine wirkungsvoll nutzen konnten.

Wir kämpften von nun an im Untergrund gegen das Böse. Wie oft trafen wir seit jenen Tagen auf Hexen, schwarze Magier und Dämonen und wie oft waren wir die Sieger? Keiner von uns war ein geborener Held und doch gaben wir von Anfang an unser Bestes. Selbst unsere drei Mädchen Jenny, Mary und Betty gaben nie auf. Oft standen wir sieben vor der Vernichtung und somit vor unserem Tod. Aber wir fanden immer einen Ausweg.

Tja, vielleicht wäre heute alles in Ordnung, wenn wir vor zwei Jahren beim Kampf gegen die drei Hexen nicht Harold im Stich gelassen hätten. Damals glaubten wir noch, er sei für immer verloren, nachdem unser Befreiungsversuch scheiterte. Als er einen Monat später wieder auftauchte, konnten wir ja nicht ahnen, dass unser Freund die Seiten gewechselt hatte.

Nachdem John und Henry vor einem Monat zu mir kamen und berichteten, Harold habe sich mit den bevorzugten Dienern der drei Hexen getroffen, hätte ich wissen müssen, dass er uns verraten wird. Schon als Kind waren für ihn Geld und Reichtum wichtiger als Freundschaft. Nur wollte ich es nicht wahrhaben. Und als wir ihn dann zur Rede stellten, verschwand er einfach.

Und heute? Wo sich um Mitternacht das Tor zur anderen Welt öffnen wird, fehlt uns sein Stein zum Schließen des Tores.

Peters Gedanken werden wieder klarer und er schaut in die Gesichter seiner Freunde. Sie erwidern seinen Blick und in ihren Augen schimmert so etwas wie Hoffnung. Nie hat er sie enttäuscht und auch jetzt zählen sie auf ihn. Er ist ihr Anführer. So ist es jetzt und so wird es auch in Zukunft sein.

Die Freunde sehen, wie sich Peters Gesichtszüge von einem Augenblick zum anderen verändern. Die ängstlichen und ratlosen Züge in seinem Gesicht verschwinden und machen Härte und Entschlossenheit Platz. So kennen sie ihren Anführer. Als einen zu allem entschlossenen Menschen. Er ist es auch, der die lange Zeit des Schweigens beendet.

„Wie ihr wisst, hat uns Harold verraten, und heute um Mitternacht öffnet sich das magische Tor. Wir haben nicht genügend Zeit, etwas gegen diesen Verrat zu unternehmen. Heute Vormittag belauschte ich ein Gespräch zwischen meinem Vater, dem Bürgermeister und dem Bischof. Dabei habe ich erfahren, dass Harold dem Bischof genügend Beweise vorgelegt hat, um uns alle zu verhaften. Wir sechs sollen wegen Hexerei und schwarzer Magie angeklagt werden. Des Weiteren hat er unsere Freunde, die Mönche hier im Kloster, ebenfalls verraten. Auch sie sollen verhaftet und angeklagt werden. Das heißt, wir müssen damit rechnen, dass die Soldaten des Königs jeden Augenblick hier auftauchen werden. Ich habe vorhin mit Bruder Robin über alles gesprochen. Er gibt uns sofort Bescheid, wenn die Soldaten erscheinen. Das ist erst einmal alles. Nun müssen wir beraten, wie wir weiter vorgehen. Hat einer von euch eine Idee?"

Peter schaut seine Freunde der Reihe nach an. Er sieht in ihren Gesichtern die Bestürzung, die seine Worte verursacht haben. Sie wissen nun, genauso wie er, dass sie nie wieder nach Hause zurückkehren können. Er weiß, dass es jetzt nicht leicht sein wird, weiterzumachen. Plötzlich meldet sich Mary zu Wort.

„Peter, wäre es nicht besser, wenn ich jetzt meinen weißen Stein einsetze? Wie ihr ja wisst, kann ich mit ihm die Zeit anhalten. Das würde uns etwas mehr Spielraum verschaffen und wir könnten in aller Ruhe darüber nachdenken, wie wir weiter vorgehen."

Mary schaut ihre Freunde fragend an. Diese stimmen ihr zu, ihren Stein einzusetzen. Mary holt ihr goldenes Pentagramm unter ihrem Kleid hervor und legt es in die rechte Hand. Der weiße Stein wirkt matt in der Mitte des Schmuckstückes. Mary schließt ihre Augen und spricht die Zauberformel, während alle anderen auf ihre Hand starren. Sofort verändert sich etwas. Das Pentagramm fängt an zu leuchten und der Stein löst sich aus seiner Mitte. Er schwebt nur wenige Zentimeter über dem golden leuchtenden Schmuckstück. Aber statt weiterhin matt zu wirken, fängt nun auch der Stein an, in einem weißen Licht zu strahlen. Einen Augenblick später erfüllt das weiße Licht den ganzen Raum. Dann, von einem Moment zum anderen, ist das Licht wieder verschwunden und das Pentagramm mit dem Stein in seiner Mitte liegt wieder so in Marys Hand wie vor der Zauberformel. Mary sieht erneut zu Peter und ein kurzes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Peter erwidert ihren Blick und nickt ihr zu. Seine Gedanken sind aber schon wieder beim nächsten Problem. Er wendet sich an Jenny, die ihn erwartungsvoll ansieht.

„Jenny, auch wenn wir jetzt ein wenig Zeit gewonnen haben, fliehen können wir nur mit deinem violetten Stein. Bitte sei bereit, falls wir schnell verschwinden müssen. Das Wichtigste von allem aber ist, dass wir heute um Mitternacht das Tor zur anderen Welt schließen. Was danach mit uns passiert, ist zweitrangig. Ebenso die Suche und Bestrafung von Harold. Ich habe keine Ahnung, ob unsere sechs Steine zum Schließen des Tores überhaupt genügen. Diese Frage kann uns nur Gimplygon beantworten. Am besten wird es sein, wenn wir uns auf den Weg zu ihm machen. Er wird sicher wissen, was zu tun ist. Ich hoffe nur, dass unser Freund, der Zauberzwerg, Lösungen für all unsere Probleme hat. Vorausgesetzt es sind nicht schon Soldaten auf dem Weg zu seinem Versteck im Wald. Hoffen wir also das Beste, meine Freunde."

Nachdem Peter geendet hat, stößt er einen tiefen Seufzer aus. Er weiß selbst, wie gering die Chancen stehen, dass sie den heutigen und eventuell den morgigen Tag unbeschadet überstehen. Seine Augen wandern von einem Freund zum anderen, bis sein Blick auf Jenny fällt. Dort verweilt er. Peter sieht in ihre strahlend blauen Augen. Sie erinnern ihn an einen klaren wolkenlosen Himmel. Er ist schon seit vielen Jahren in sie verliebt und ebenso Jenny in ihn. In diesem Moment spüren sie beide unbewusst, dass ihre Liebe keine Zukunft hat.

In den darauf folgenden dreißig Minuten versuchen die sechs Freunde, zumindest eine Lösung für ihre Helfer, die Mönche, zu finden. Die Vorschläge gehen von einer undurchdringlichen magischen Mauer über das Wegzaubern der Mönche an einen anderen Ort, bis hin zum Unsichtbarmachen. Aber egal, was ihnen einfällt: Entweder ist Magie im Spiel oder die Pläne sind in der kurzen Zeit nicht durchzuführen. Am Ende ist ihnen klar: Keiner der Mönche wird dieses Kloster jemals verlassen.

Plötzlich geschehen zwei Dinge fast gleichzeitig. Zuerst erstrahlt der Raum in einem grellen weißen Licht. Das bedeutet für unsere sechs Freunde, die Zeit außerhalb des Zimmers läuft jetzt wieder normal weiter. Und einen Augenblick später wird die Tür aufgerissen und Bruder Robin stürmt aufgeregt in den Raum. Alle sechs Freunde springen erschreckt von ihren Stühlen auf und sehen zu Bruder Robin.

Bruder Robin ist so sehr aufgeregt und aus der Puste, dass seine Sätze zu Anfang zusammenhanglos und undeutlich sind. Peter geht zu ihm hin und beruhigt den Mönch erst einmal. Nachdem sich der Mönch ein wenig erholt hat, erzählt er ihnen, die Soldaten des Königs seien am Haupttor und wollen ins Kloster eingelassen werden. Peter schaut kurz zu Jenny und nickt ihr zu. Jenny weiß sofort Bescheid und holt das Pentagramm hervor. Der Junge aber dreht sich wieder zu Bruder Robin um und reicht ihm zum Dank die Hand.

„Danke für alles, was ihr Mönche für uns in den letzten Jahren getan habt. Wir stehen tief in eurer Schuld. Können wir noch irgendetwas für euch tun, bevor wir verschwinden?"

Der Mönch verneint und reicht Peter ebenfalls die Hand zum Dank und Abschied. Dann dreht er sich um, verlässt den Raum und rennt in Richtung des Haupttores. Da sie nun wieder allein sind, gibt Peter Jenny ein kurzes Zeichen. Das Mädchen versteht sofort. Sie sagt ihren Freunden, sie sollen einen Kreis um sie bilden. Peter und die anderen fassen sich an den Händen und stellen sich um ihre Freundin herum, sodass Jenny in der Mitte steht. Jennys Pentagramm mit dem violetten Stein liegt in ihrer offenen rechten Hand. Sie schließt die Augen und spricht die Zauberformel. Es geschieht alles genau so wie vorher beim weißen Stein. Mit zwei kleinen Ausnahmen. Zum einen erstrahlt alles in einem violetten Licht und zum anderen lösen sich die sechs Menschen in Luft auf. Der Raum ist jetzt leer und nichts deutet darauf hin, dass sich noch vor wenigen Augenblicken Menschen darin befunden haben.

Zehn Meilen vom Kloster entfernt, tief im Wald verborgen, steht eine uralte Eiche. Die Menschen in dieser Gegend erzählen sich viele mystische Geschichten über diesen Baum. Einige dieser Geschichten stimmen und andere wiederum sind nur Aberglaube. Aber wahr oder unwahr, es spielt keine Rolle. Wichtig ist nur, dass die Menschen Angst vor diesem Ort haben. Diese Angst ist nicht unbegründet. Ja, sie ist sogar gewollt. Denn es gibt tatsächlich etwas, das die Menschen nicht wissen sollen. Mit Ausnahme einiger weniger. Tief unter der Eiche befindet sich eine Behausung. Sie ist sehr groß, aber nicht sehr hoch. Ein erwachsener Mensch kann gerade so aufrecht stehen, ohne sich an der Decke den Kopf zu stoßen. Es gibt keine Fenster in diesem Raum. Nur eine kleine Abzugsöffnung über der Feuerstelle. Aber dafür befindet sich eine alte Holztür am Ende der Behausung. Überraschenderweise führt dieses Tor nicht nach draußen, sondern in einen Gang, welcher noch tiefer in die Erde reicht. Der Raum ist ansonsten spartanisch eingerichtet. Ein paar Regale mit Behältern darauf, ein Bett, ein Tisch und einige Stühle. Das ungewöhnlichste Möbelstück ist aber ein Pult inmitten der Behausung. Auf ihm liegt ein großes aufgeschlagenes Buch. Bei diesem Buch handelt es sich um eines von sieben Zauberbüchern. Hinter diesem Pult steht ein ungewöhnliches Wesen. Es ist nur etwa ein Meter zwanzig groß und trägt einen viel zu großen grünen Mantel. Dieser reicht ihm ebenso wie die Ärmel bis zum Boden. Der Gürtel, der diesen Mantel wohl zusammenhalten soll, ist ebenfalls viel zu lang. Die Enden baumeln bis zu den Schuhen. Wobei es eigentlich keine Schuhe, sondern eher viel zu große Pantoffeln sind. Die Haare des Wesens sind lang und weiß. Sie reichen gleichermaßen bis zum Boden. Seine Ohren sind spitz und behaart und sieht man in das Gesicht des Wesens, fällt einem sofort die große Hakennase auf. Die Augen wirken klein, dunkel und liegen tief in den Augenhöhlen.

Es hat einen kleinen Mund und einen weißen Spitzbart. Seine Hände sind knochig und die Finger sehr feingliedrig. Im Großen und Ganzen sieht es sehr hässlich aus. Dieses Wesen, welches hinter dem Pult steht und in dem Buch blättert, ist ein Zwerg namens Gimplygon. Dieser murmelt ununterbrochen vor sich hin und sieht ab und zu auf. Man hat den Eindruck, als warte er auf jemanden oder etwas.

Plötzlich entsteht, wie aus dem Nichts, ein violettes Leuchten. Wenige Augenblicke später stehen sechs Menschen mitten im Raum. Der Zwerg blickt kurz auf und in seinem Gesicht spiegelt sich Wut, nachdem er die sechs jungen Leute erblickt. Mit erzürnter Stimme ruft er ihnen zu: „Wo bleibt ihr denn? Wir haben nur noch sehr wenig Zeit, bis sich das Tor öffnet. Kann man sich denn nie auf euch Menschen verlassen? Gimplygon ist zornig auf seine sechs Schüler und bevor diese etwas erwidern können, fährt er weiter fort. „Ihr braucht mir nichts zu sagen. Ich weiß, was alles passiert ist. Vergesst nicht, dass ich ein Magier des achten Grades bin! Auf dem Tisch stehen sechs Becher, gefüllt mit einem speziellen Zaubertrank. Er wird die Kraft eurer Steine verstärken. Ich hoffe, es wird ausreichen, um den fehlenden Stein zu ersetzen. Also trinkt den Zaubertrank, damit wir zum Tor können.

Peter und seine Freunde gehen zum Tisch, auf dem die Becher mit dem Zaubertrank stehen. Sie sehen irritiert zu Gimplygon. Dieser aber kümmert sich nicht weiter um sie. Er ist zu sehr damit beschäftigt, sich einige Dinge in die Taschen seines Mantels zu stecken. Danach holt er das Zauberbuch, klappt es zusammen und nimmt es an sich. Nun schaut er wieder zu seinen Schülern und sagt ihnen, dass sie endlich den Zaubertrank trinken sollen. Die sechs, immer noch irritiert, tun nun, was ihnen Gimplygon befohlen hat, und trinken widerwillig den Trank. An ihren Gesichtern kann man erkennen, wie scheußlich den sechs der Zaubertrank schmeckt. Der Zwerg sieht in die Gesichter der Menschen und treibt sie weiter zur Eile an.

„So, nachdem das erledigt ist, kommt in die Mitte des Raumes. Gimplygon schaut zu Jenny und befiehlt ihr, das Pentagramm mit dem violetten Stein hervorzuholen. „Transportiere uns jetzt zum Tor. Du weißt ja, wo es sich befindet! Natürlich weiß Jenny, wo sich das magische Tor befindet. Sie denkt kurz an die Ruinen der alten Burg, die zwölf Meilen von hier entfernt ist, sowie an das Gewölbe, welches tief unter der Burg liegt. Sie legt das Pentagramm in ihre offene Hand und spricht die Zauberformel. Wieder leuchtet der Raum violett auf und Jenny, ihre Freunde und Gimplygon sind von einer Sekunde zur anderen verschwunden.

Als die sechs Freunde und der Zwerg wieder klar sehen können, befinden sie sich in der Mitte eines großen Gewölbes. Links und rechts stecken jeweils brennende Fackeln an der Wand und hinter ihnen ragt ein mächtiges Eichentor auf. Ungefähr fünfzig Schritte vor den sieben Ankömmlingen steht ein riesiger Rundbogen mit einem Eisentor. Die Ränder des Rundbogens strahlen in einem eigentümlichen Licht, so als ob sich eine starke Lichtquelle direkt hinter dem Tor befindet. Was die sieben aber erschreckt, sind die drei Personen, die vor dem Stahltor stehen. Noch ehe der Zwerg oder die sechs Freunde reagieren können, verschwinden die drei Menschen mit einem grellen Lichtblitz.

„Wir sind zu spät, Gimplygon! Das Tor öffnet sich!, ruft Peter aufgeregt. Die sechs Freunde und der Zwerg laufen so schnell sie können zum Rundbogen. Kurz vor dem Bogen bleiben sie stehen und starren gebannt auf das helle Licht an den Rändern des Tores. „Waren das nicht gerade Harold und seine beiden Freunde?, fragt Mary und sieht dabei Peter an. Der Junge nickt ihr zu und dreht sich um. Er sieht gerade noch, wie Gimplygon keuchend und außer Atem ankommt.

„Geht beiseite und schaut auf den Boden, befiehlt der Zwerg schroff. Die sechs Freunde treten zurück und blicken erstaunt hinunter zu ihren Füßen, wo sie ein im Boden eingemeißeltes großes Pentagramm entdecken. „Bildet einen Kreis um das Pentagramm. Nehmt eure Schmuckstücke und legt sie zu euren Füßen hin ab. Dann seht euch an und sprecht die Zauberformel, die ich euch zum Schließen des Tores beigebracht habe! Gimplygons Stimme überschlägt sich fast, als er die sechs dazu auffordert, denn das Tor kann sich jeden Moment komplett öffnen.

Peter sieht zu Gimplygon und fragt ihn mit brüchiger Stimme: „Reichen denn unsere Steine aus, um das Tor zu schließen? „Ihr wisst doch, nur die magischen Steine können das Tor verschließen. Ich habe diesen Zauber mit dem Trank, den ich euch gab, verstärkt. Also sprecht jetzt die Zauberformel, ansonsten ist es zu spät.

Die sechs Freunde tun, was ihnen ihr magischer Lehrmeister aufgetragen hat. Als sie so weit sind, sprechen sie zusammen die einstudierte Zauberformel. Gimplygon schaut nun gebannt, was geschieht. Der Boden fängt an zu vibrieren und die sechs Pentagramme beginnen zu glühen. Die sechs Freunde stehen immer noch still an ihrem Platz und beobachten die Szene, die sich vor ihren Augen abspielt. Die sechs Steine lösen sich aus den Schmuckstücken und schweben langsam in die Höhe. Vor ihren Gesichtern verweilen sie und strahlen in ihrer jeweiligen Farbe. Alle sechs starren wie hypnotisiert auf die Steine. Auf einmal bilden sich an ihren Füßen Wirbel in den Farben der Steine. Wenige Augenblicke später sind die sechs Freunde komplett darin gefangen. Sie starren sich angsterfüllt an, als die Strudel anfangen, ihre Körper aufzulösen. Peter und seine Freunde schreien vor lauter Angst. Aber ihre Schreie dringen nicht nach draußen. Wenige Sekunden später sind sie spurlos verschwunden. Nur die sechs Wirbel und die schwebenden Steine sind noch vorhanden, ebenso Gimplygon, der den Vorgang weiterhin fasziniert beobachtet. Einen Moment später fangen die Steine an zu leuchten. Erst ein bisschen, dann immer stärker. Als das Glühen so intensiv ist, dass Gimplygon vor Helligkeit kaum noch etwas sehen kann, werden die Wirbel regelrecht in die Steine gesogen. Nachdem kein Sog mehr vorhanden ist, lässt ihre Leuchtkraft nach, bis sie wieder ihre normale matt schimmernde Farbe haben. Nun streben sie zur Mitte des großen Pentagramms, wo sie einen sich langsam rotierenden Kreis bilden. Plötzlich schießt aus jedem Edelstein ein Lichtstrahl zur Decke. Ein lautes Heulen erfüllt das Gewölbe und das auf den Boden gemeißelte Pentagramm glüht in allen Farben des Regenbogens. Dann gibt es einen grellen Blitz und alles ist vorbei. Das Tor ist verschlossen. Es ist still im Gewölbe. Gimplygon senkt traurig seinen Kopf und murmelt leise vor sich hin: „Es tut mir leid, meine Freunde. Es gab keinen anderen Weg."

In Gimplygons Augen liegen Tränen der Trauer, als er auf die sechs Pentagramme mit ihren Steinen schaut. Sie liegen wieder so an ihrem Platz, wie sie die Freunde dort platziert haben. Der Zwerg will gerade zu ihnen gehen und sie an sich nehmen, als etwas geschieht, womit er nicht rechnet. Die Steine fangen erneut an zu leuchten. Gimplygon ist irritiert und geht einen Schritt zurück. Dann bestaunt er das, was nun geschieht und womit er niemals gerechnet hat. Plötzlich lösen sich von allen sechs Steinen kleine glitzernde Leuchtkugeln, nicht größer als eine Erbse. Sie schweben in die Höhe von einem Meter empor, wo sie einen Moment verweilen. Es hat den Anschein, als ob sich die sechs Erscheinungen erst einmal orientieren müssten. Nach kurzer Zeit des Verweilens streben sie mit immer größer werdender Geschwindigkeit der Decke entgegen, worin sie dann auch eindringen und spurlos verschwinden. Gimplygon sieht ihnen fasziniert nach, bis sie vollends verschwunden sind. Er ist ratlos, denn er versteht nicht, was er gerade gesehen hat. Als alles vorbei ist, befindet sich nur noch ein überraschter und trauriger Zwerg in dem Gewölbe. Er kann sich nicht erklären, was er gerade miterlebt hat. Gimplygon begibt sich zu den sechs Schmuckstücken und nimmt sie an sich. Gerade will er sich bereit machen, den Raum zu verlassen, als er innehält und lauscht. Seine Sinne sind hellwach und er spürt, dass gleich etwas Unvorhergesehenes geschehen wird.

Plötzlich entsteht direkt vor ihm eine große neblige Erscheinung und eine tiefe Stimme spricht zu ihm. „Das war gute Arbeit, mein treuer Freund. Das Tor ist für weitere fünfhundert Jahre verschlossen. Bring jetzt die Steine in das Versteck im Kloster und versperre den Raum mit einem magischen Zauber. Das verzauberte Geschmeide darf nicht gefunden werden, bis die Zeit dafür reif ist. Dann begib dich in dein Heim und vernichte dieses. Das Buch der magischen Künste bringe aber in den Raum der tausend Spiegel. Danach begib dich zum Raum der Träume, wo du schlafen wirst, bis ich dich wiedererwecke. Es darf niemand von deiner Existenz erfahren. „Jawohl, Meister, aber erlaubt mir die Frage, warum wir unseren Freunden nicht sagten, was mit ihnen passieren wird. Auch könnt ihr mir eine Antwort darauf geben, wieso die Steine zum Schluss solch eine Reaktion zeigten. Habt ihr dafür eine Erklärung, Meister? „Es gab keine andere Möglichkeit. Es war besser, dass unsere Freunde nichts davon wussten. Sie hätten sich sonst vielleicht geweigert und so alles gefährdet. Die Reaktion der Steine, nachdem das magische Tor geschlossen war, kann auch ich nicht erklären, mein Freund. Bevor du dich auf den Weg machst, Gimplygon, möchte ich dir noch etwas zeigen. Schau zur Wand. Dort siehst du deine neuen Schüler in fünfhundert Jahren."

Gimplygon dreht seinen Kopf zur Seite und sieht ein riesiges Bild. Die sechs Menschen, die darauf zu sehen sind, erscheinen absolut real. So echt, als ob sie direkt neben ihm stehen. Gimplygon geht langsam zur Wand und schaut fasziniert auf das Bild. Jetzt erkennt der Zwerg, dass es sich um Kinder handelt. Drei Mädchen und drei Jungen. Allerdings tragen sie ungewöhnliche Kleidung. Der erste Junge hat kurze blonde Haare und misst ungefähr ein Meter siebzig. Er hat blaue Augen, ist gepflegt und ein hübscher und sehr schlanker Junge. Er trägt ein blaues Beinkleid, wie alle anderen übrigens auch. Außerdem hat er ein seltsames blaues Obergewand an, welches mit einigen Zahlen und Buchstaben auf der Brust bestickt ist, die Gimplygon völlig unbekannt sind. Auch die Schuhe, die alle sechs tragen, sind dem Zwerg nicht geläufig. Sie sind bunt und haben seltsame Streifen.

Der zweite Junge ist nur ungefähr ein Meter sechzig groß. Er hat rotes krauses Haar und braune Augen. In seinem Gesicht befindet sich eine Sehhilfe, wie sie Gimplygon erst kürzlich schon einmal gesehen hat. Unzählige Sommersprossen bedecken sein Gesicht und in seinem Mund scheint er eine Art von Metallklammer zu tragen. Sein Obergewand ist grün und das Bild eines Bären schmückt seine Brust. An seinem linken Arm befindet sich eine Art Armband aus Metall. Der dritte Junge hat ungefähr die Größe des Ersten. Die Figur wirkt aber breiter und kräftiger. Dieser Junge hat braune Augen und sehr kurz geschnittene braune Haare. Schaut man in sein Gesicht, so kann man erkennen, dass dieser Junge eine entschlossene Kämpfernatur ist. Er trägt zwei Armbänder. Eines links und eines rechts. Das linke ist ebenso aus Metall wie beim Jungen mit den roten Haaren. Das Armband am rechten Arm besteht aus Leder, in das spitze Metallstifte eingelassen sind. Sein Oberteil ist rot und auf seiner Brust prangt die Fratze eines Dämons. Die drei Mädchen sind alle gleich groß und haben die gleiche zierliche Figur. Das erste Mädchen hat schönes langes blondes Haar und blaue Augen. In ihrem Gesicht tummeln sich ein paar Sommersprossen und sie trägt Ohrringe an ihren Ohrläppchen. Auch sie ist sehr hübsch. Sie trägt ebenso ein Armband am linken Arm wie zwei der Jungen. Ihr Obergewand ist schneeweiß und um ihren Hals hängt eine goldene Kette mit einem Davidstern daran. Die Haare des zweiten Mädchens sind lang und braun, ebenso braun wie ihre Augen. An ihren Ohren befinden sich ebenfalls Ohrringe und ihren Hals schmückt eine Kette mit einem silbernen Kreuz. Sie hat ein einfarbiges gelbes Obergewand an. Das dritte Mädchen hat langes schwarzes Haar und ihre Augen sind grün. Die Augen haben lange Schlitze und ihre Haut sieht gelblich aus. Ebenso wie das erste Mädchen kleidet sie ein weißes Obergewand. Dann befindet sich dort noch der Schatten einer siebten Person, die er nicht erkennen kann. Doch er weiß, wer es sein soll. Gimplygon erwacht wie aus einem Traum und dreht sich wieder um. Verblüfft muss er feststellen, dass sich auch die geheimnisvolle Erscheinung in Luft aufgelöst hat. Auch das Bild an der Wand verblasst langsam und ist einen Moment später ebenso wie sein Meister verschwunden. Der Zwerg hält inne und denkt kurz über das Geschehene nach. Er schaut wieder zum Tor, murmelt eine Zauberformel vor sich hin und löst sich in Luft auf. Das Gewölbe ist wieder leer.

KAPITEL 2

Gloucester 499 Jahre später. Wir schreiben das Jahr 2012. Dort, wo sich einmal die Abtei befunden hat, steht heute ein Internat für wohlhabende Kinder aus aller Welt. Außer ein paar alten Gebäuden erinnert hier kaum noch etwas daran, dass es einmal ein Kloster gab. Auch kennt kaum noch jemand die wahre Geschichte, welche vor knapp fünfhundert Jahren zu dessen Zerstörung führte. Dafür aber ranken sich viele Geschichten und Legenden um diesen Ort. Die einen sprechen von einem sagenhaften Schatz, bestehend aus sechs wertvollen Steinen, die jedem, der sie findet, Reichtum und Macht verleihen. Dieser Schatz soll von sechs Rittern bewacht werden, die jeden töten, der versucht, den Schatz zu heben. Auch gibt es die Legende von einem Zwerg, welcher der Magie mächtig war und irgendwo in den Katakomben des ehemaligen Klosters seine letzte Ruhestätte hat. Es gibt viele solcher Mythen und Legenden in England. Und wie bei allen Mythen und Legenden steckt immer ein Funken Wahrheit dahinter.

Es ist ein schöner Sommertag in Gloucester. Die Sommerferien haben gerade begonnen und die Schüler des Internats befinden sich in den Ferien. Das Internat ist verwaist und nur wenige Menschen halten sich an diesem Tag hier auf. Im Büro des Direktors warten seine beiden Stellvertreter Mister Getsy und Miss Taylor sowie die Lehrer Miss Kingsley und Mister Miller. Es geht an diesem Tag um die sechsunddreißig neuen Schüler fürs kommende Schuljahr. Das strenge und sehr teure Internat hat sich auf die Erziehung und Ausbildung schwieriger Fälle spezialisiert und sich so weltweit einen hervorragenden Ruf erworben.

Die Tür geht auf und Direktor Graham betritt sein Büro. Sein äußeres Erscheinungsbild ist schlicht, einfach und korrekt, so wie es sich für den Direktor eines Internats gehört. Das krasse Gegenteil zu seinem Erscheinungsbild ist sein markantes Aussehen. Er hat eine Glatze und ein schmales Gesicht. Seine grauen Augen sind gut hinter der altmodischen Hornbrille zu erkennen. Der Vollbart verleiht seinem Gesicht eine unnachgiebige Härte. Das Markanteste aber ist seine linke Hand, an der zwei Finger fehlen. Direktor Graham begrüßt seine Kollegen und setzt sich hinter seinen Schreibtisch. Seine vier Kollegen erwidern den Gruß und warten geduldig darauf, dass ihr Direktor mit der Sitzung beginnt. Dieser blättert aber zuerst in einigen Ordnern herum, die sich vor ihm auf seinem Schreibtisch befinden. Nachdem er damit fertig ist, schaut er auf und sieht in die Gesichter seiner Kollegen. „Ich bedanke mich für Ihr Erscheinen. Wie Sie wissen, werden wir heute die Unterlagen der Neuzugänge für das nächste Schuljahr durchgehen. Wir werden wie in jedem neuen Schuljahr sechsunddreißig neue Schüler bekommen und es werden wie üblich achtzehn Jungen und achtzehn Mädchen sein. Wie immer waren es weit mehr als einhundert Anfragen aus der ganzen Welt. Obwohl alle Neuzugänge wohlhabende Eltern haben und es ihnen an nichts fehlt, so sind diese dreizehn- und vierzehnjährigen Jungen und Mädchen oftmals schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Unsere Aufgabe wird es sein, aus ihnen anständige Mitglieder unserer Gesellschaft zu machen. Sie, Miss Kingsley, und Sie, Mister Miller, übernehmen jeweils eine Klasse mit je achtzehn Schülern." Direktor Graham sieht dabei zu seinen beiden Lehrkräften, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mister Miller ist ein großer, schlanker und sportlicher Mann. Das schwarze, bis zu den Schultern reichende Haar sowie die blauen Augen und ein gebräuntes Gesicht ohne jeden Makel machen ihn zu einem gut aussehenden Mann. Dazu kommt die modische, aber dezente Kleidung sowie sein charmantes Auftreten. Das alles macht ihn bei Schülern und den meisten Lehrern gleichermaßen beliebt. Er könnte genauso gut ein Dressman für ein Modemagazin sein. Miss Kingsley ist das Gegenteil von ihm. Sie ist Mitte vierzig und sehr korpulent. Dazu kommt ihre Größe von nur ein Meter sechzig, was sie nicht gerade anziehend für die Männerwelt macht. Dazu kommt, dass sie immer ein einfarbiges Kostüm trägt. Mittlerweile glauben alle in dem Internat, sie habe bei sich im Kleiderschrank nur einfarbige Kostüme in allen nur erdenklichen Farben. Dazu trägt sie immer das gleiche Paar Stöckelschuhe. Ihre Haare sind blond und gelockt, was irgendwie nicht zu ihren grünen Augen passt. Auch ihr immerwährendes Lächeln wirkt unecht. Dieses und einiges mehr gehen dem Direktor in diesem Moment durch den Kopf.

„Sir, werden Sie die Schüler nach bestimmten Kriterien einteilen? Wie aus Trance erwacht Direktor Graham aus seinen Überlegungen, als er die Stimme seines jungen Lehrers vernimmt. Irritiert sieht er zu ihm hin und antwortet: „Ja, Mister Miller. Die Schüler werden nach ihren letzten schulischen Noten und Fähigkeiten eingeteilt. Auch die kriminelle Vergangenheit wird eine Rolle spielen. Eines können Sie mir glauben: Obwohl diese sechsunddreißig neuen Schüler sehr jung sind, haben sie schon einiges auf dem Kerbholz. Die schwierigsten Kinder werden in Ihre Klasse kommen, Mister Miller. Der Direktor will gerade fortfahren, als jemand an die Tür klopft. Es ist Miss McGregor, seine Sekretärin. „Entschuldigen Sie die Störung, Herr Direktor. Ich weiß, Sie wollen nicht gestört werden, aber Mister Brown möchte Sie dringend sprechen. Soll ich das Gespräch zu Ihnen hier ins Büro legen? Direktor Graham überlegt kurz und antwortet seiner Sekretärin. „Nein, Miss McGregor. Ich nehme das Gespräch von Ihrer Leitung aus an. Bitte bringen Sie in der Zwischenzeit Tee und etwas Gebäck für uns. Direktor Graham steht auf und verlässt zusammen mit seiner Sekretärin sein Büro.

Zur gleichen Zeit in einem Büro in London. Hinter einem großen Mahagonischreibtisch sitzt ein sehr alter Mann im Halbdunkel und telefoniert. „Direktor Graham, ich habe die Unterlagen von Ihnen erhalten. Sind Sie sicher, dass es sich um die richtigen Kinder handelt? Die Antwort, die er bekommt, scheint den Mann hinter dem Schreibtisch sehr zu befriedigen, denn ein kurzes Lächeln huscht über sein Gesicht. „Gut, sobald sie eintreffen, geben Sie mir sofort Bescheid. Verfahren Sie dann so weiter, wie ich es Ihnen befohlen habe. Der Unbekannte, den alle nur als Mister Brown kennen, legt den Hörer wieder auf und lehnt sich bequem in seinen Sessel zurück. Dabei nimmt er eine große Zigarre aus einem kleinen Holzkästchen und steckt sie sich an. Er nimmt einen tiefen Zug und sieht sich zufrieden in seinem Büro um. In seinem Gesicht zeichnet sich wieder ein Lächeln ab, welches immer mehr zu einer Grimasse wird. Er ist zufrieden. Alles läuft so, wie er es geplant hat.

Mister Brown ist ein großer hagerer Mann. Sein Gesicht sieht alt aus und ist von vielen Falten durchzogen. Seine Haare sind dünn und grau. Dabei reichen sie ihm bis hin zu den Schultern. Eine markante Hakennase mit einer großen Warze ziert sein Gesicht. Die grauen Augen und der kleine lächelnde Mund sowie ein hervorstehendes Kinn erzeugen im Halbdunkel den Eindruck einer dämonischen Fratze. Er ist alt, sehr alt sogar. Nachdem er einige Minuten hat verstreichen lassen, beugt er sich nach vorn und greift zum Hörer des Telefons. „Miss Hopper, die sieben Herren können jetzt hereinkommen. Wenige Augenblicke später öffnet sich die Bürotür und sieben Männer betreten den Raum. „Schließt die Tür und kommt näher. Er sieht sich die Männer der Reihe nach genauer an. Alle tragen denselben schwarzen Anzug, sind gleich groß, haben die gleiche Figur, die gleichen schwarzen Haare und jeder von ihnen trägt die gleiche dunkle Sonnenbrille. Man kann sagen, dass es sich um sieben identische Personen handelt.

Er zeigt mit seiner Hand auf einen Stapel Unterlagen, welche sich auf seinem Schreibtisch befinden. „Hier in den Umschlägen befinden sich Adressen von Jugendlichen, die ihr beobachten werdet. Geld, Papiere und genaue Anweisungen findet ihr in den Umschlägen. Ihr habt drei Wochen Zeit. Nehmt euch jeder einen Umschlag und geht." Die sieben Männer tun, was man ihnen aufgetragen hat, und nehmen sich jeder einen dieser Umschläge. Danach verlassen sie, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen, das Büro. Zurück bleibt ein diabolisch grinsender Mann.

Am gleichen Tag in einer kleinen Kirche nahe Gloucester. Auf einer der Kirchenbänke sitzt ein einzelner Mann und betet. Plötzlich geht die Kirchenpforte auf und der hiesige Pfarrer betritt seine Kirche. Der unbekannte Mann hebt kurz den Kopf und schaut zur Pforte. Der Pfarrer nickt ihm kurz zu und geht zum Altar, wo er ein Gebet spricht. Danach dreht er sich um und geht zum Beichtstuhl, wo er wenige Augenblicke später hinter dem Vorhang verschwindet. Der Mann erhebt sich jetzt ebenfalls und folgt dem Pfarrer zum Beichtstuhl. „Herr, ich habe gesündigt, spricht der Mann und der Pfarrer antwortet: „Ich vergebe dir deine Sünden, mein Sohn. „Fünfhundert Jahre sind eine lange Zeit, sagt der unbekannte Mann und wieder antwortet ihm der Pfarrer: „Aber nicht so lange wie die Ewigkeit.

Das kleine Holzfenster im Beichtstuhl öffnet sich und die beiden Männer sehen sich in die Augen. „Es ist lange her, Pfarrer Burley! „Ja, Ihr habt recht, Bruder Thomas. Es ist sehr lange her, antwortet ihm der Pfarrer und fährt fort: „In einem Jahr wird sich das Tor öffnen, aber die Kinder kommen erst in diesem Jahr in das Internat. Die Zeit ist viel zu kurz, um das Schicksal noch einmal zu unseren Gunsten zu entscheiden. Bei diesen Worten klingt Pfarrer Burleys Stimme resigniert. Sein Gegenüber ist aber alles andere als niedergeschlagen. „Noch ist nichts verloren, mein Freund. Wir haben genügend zuverlässige Helfer im Internat und all unsere Verbündeten sind informiert. Trotz der kurzen Zeitspanne bin ich sehr optimistisch, was die Zukunft betrifft. Unsere Gegner werden Mister Brown und die drei Hexen von Cromwell sein. Sie haben sicherlich auch schon ihre Spione im Internat in Position gebracht. Morgen werden wir erfahren, um welche der Kinder es sich handelt. Solange sie die Steine nicht haben, sind sie stark gefährdet. Wir müssen also sehr gut aufpassen.

„Gut, Bruder Thomas. Gebt mir Bescheid, sobald Ihr die Namen der Kinder habt. Und denkt daran, es müssen sieben Kinder sein und nicht sechs. Geht jetzt und viel Glück." Bruder Thomas reicht seinem Freund zum Abschied die Hand und verlässt den Beichtstuhl. Zurück bleibt ein sehr nachdenklicher Pfarrer. Er weiß, dass jetzt Dinge ins Rollen kommen, die nicht mehr zu stoppen sind. Dinge, bei denen es um nicht mehr und nicht weniger als den Fortbestand der Menschheit geht. Auch betet er für die sieben Kinder, die in wenigen Wochen in diese Ereignisse hineingezogen werden. Sie werden viel Mut, Entschlossenheit und Glück brauchen.

In der Zwischenzeit sind drei Wochen vergangen. Im Internat beginnen die Vorbereitungen für das neue Schuljahr. In einer Woche kommen die Schüler aus den Sommerferien zurück. Bis dahin müssen die Reparaturen beendet sein. Der Hauptverantwortliche für diese Aufgabe ist wie schon seit zwei Jahren Mister Swanse, der Hausmeister. Er ist mit einem Meter fünfundneunzig sehr groß gewachsen. Durch seine sehr schlanke Figur erweckt er den Eindruck eines sehr dürren Mannes. Seine Hände und Finger sind ebenso lang und dürr. Ein blauer Overall und ein kleines Schildchen mit der Aufschrift „Hausmeister" machen für jeden Außenstehenden erkennbar, welche Funktion er im Internat innehat. Kurze braune Harre und ein nichtssagendes blasses Allerweltsgesicht machen ihn zu einer unauffälligen Person. Einzig und allein die Füße fallen sofort auf. Seine Schuhe haben die Größe fünfzig. Es gibt Menschen, die zu so großen Schuhen einfach nur Kindersärge sagen. Es ist Mittagszeit und Mister Swanse nimmt wie jeden Tag seine Mahlzeit in seiner Hausmeisterwohnung ein.

Gerade ist er dabei, sich eine Kelle mit Suppe auf den Teller zu tun, als es an der Haustür klingelt. Fluchend geht er zur Tür und öffnet sie. Überrascht erblickt er Mister Miller. Er bittet ihn einzutreten und Platz zu nehmen. Nachdem Mister Swanse die Tür hinter dem Lehrer geschlossen hat, begrüßen sich beide sehr herzlich, so als ob sie schon lange miteinander befreundet sind. „Wie geht es Ihnen, Sir? Wir haben uns seit zwei Wochen nicht mehr gesehen. „Mir geht es gut, John. Was macht Ihr Hausmeisterposten?, will Mister Miller wissen. „Ich habe die Kameras und Mikrofone dort platziert, wo Sie es mir gesagt haben, Sir. Wissen wir denn schon, wer von den neuen Schülern entführt werden soll und wer dieser ominöse Unbekannte ist? „Nein, John. Weder unsere Informanten noch die MI-6-Zentrale weiß, welches Kind entführt werden soll. Selbst das Abhören der Telefone hat nicht viel gebracht. Wir können die Telefonate nicht einmal zurückverfolgen. Unsere Techniker sind völlig ratlos. Warten wir ab, was in den nächsten Wochen passieren wird.

Zur gleichen Zeit auf einem Landsitz nahe London. In der Bibliothek warten sieben identisch aussehende Männer mit Sonnenbrillen schweigend auf ihren Boss. In diesem Moment betritt Mister Brown die Bibliothek und setzt sich schweigend in einen bequemen Sessel. Dann schaut er die sieben Männer der Reihe nach an. „Haben Sie die Fotos und Informationen vorbereitet? Einer der sieben Männer antwortet seinem Chef mit einem kurzen „Jawohl, Sir. „Gut, dann fangen Sie an." Der Mann stellt sich neben seinen Herrn und nimmt die Brille ab. Plötzlich leuchten seine Augen glühend rot auf und strahlen eine weiße Leinwand an, die sich einige Meter von Mister Brown entfernt befindet. Die Augen des Mannes fangen an, Bilder auf die Leinwand zu projizieren. Dazu gibt er zu jedem Bild Erklärungen ab. „Der Name des ersten Jungen ist Sergej Petrov. Wohnhaft in Moskau. Sein Vater ist einer der reichsten Männer Russlands. Der Junge ist das einzige Kind der Familie. Hochintelligent und sportlich. Als Hobbys betreibt er Boxen und Eishockey. Wurde in der Schule mehrfach verwarnt, weil er Mitschüler erpresst und verprügelt hat. Sein Vater hat durch seine Beziehungen dem Sohn immer wieder geholfen. Besondere Merkmale sind zwei Narben. Eine befindet sich auf dem rechten Handrücken. Die zweite über der rechten Augenbraue. Beide Narben zog er sich beim Eishockey zu. Der Name des zweiten Jungen ist Peter Evans. Wohnhaft in Birmingham. Er ist ebenfalls dreizehn Jahre alt. Sein Vater besitzt eine der renommiertesten Anwaltskanzleien in England. Er ist der jüngste von drei Söhnen. Seine beiden älteren Brüder besuchen ein Eliteinternat in der Schweiz. Der Jüngste ist ebenso intelligent wie seine Geschwister. Er ist ein absolutes Computergenie. Der Junge hat sich erfolgreich in andere Systeme gehackt. Er wurde erwischt, als er versuchte, sich bei Scotland Yard einzuklinken. Sein Vater konnte ihm noch einmal helfen. Deshalb muss er auf dieses Internat. Besondere Merkmale: roter Lockenkopf, Brille und eine Zahnspange.

Der dritte Junge ist ebenfalls dreizehn Jahre alt, heißt Michael Becker und kommt aus Hamburg. Seine Mutter starb vor einem Jahr bei einem Autounfall. Sein Vater besitzt eine der führenden Maschinenbaufirmen der Welt. Der Junge hat sich seit dem Tod seiner Mutter zum Negativen verändert. Er ist sehr sportlich und mag Sportarten, die mit Waffen zu tun haben. Er ist im deutschen Jugend-Nationalkader bei den Bogenschützen, Fechtern und Sportschützen und gilt als großes Talent in diesen Sportarten. Er hat aber vor vier Monaten seinem Mathematiklehrer einen Pfeil in den Hintern geschossen.

Er sagte, es sei ein Versehen gewesen. Bekam aber trotzdem eine Verwarnung. Außerdem fanden wir heraus, dass er ein Wettbüro in der Schule aufgezogen hat. Sehr professionell für einen dreizehnjährigen Jungen. Er sieht für sein Alter sehr gut aus und gilt als Mädchenschwarm. Er selbst interessiert sich noch nicht für Mädchen. Der Junge ist sehr intelligent und zeigt schon in jungen Jahren Führungsqualitäten. Besondere Merkmale? Keine körperlichen. Aber er trägt immer ein silbernes Medaillon mit dem Bildnis seiner Mutter um den Hals. Der Name des vierten Jungen ist Mustafa el Bashir. Er ist der dreizehnjährige Sohn eines sehr mächtigen arabischen Scheichs, der nahe Verbindung zum saudischen Königshaus hat. Der Junge ist sehr klug, aber faul. Ein streng gläubiger Moslem, nicht sehr sportlich, aber sehr schlank. Sein einziges Hobby ist die Falknerei. Er besitzt zwei Falken, die er mit nach England nehmen darf. Auch werden ihn mehrere Bodyguards begleiten, die aber nicht im Internat wohnen werden. Der Junge hat einen schlechten Charakter. Er ließ einige Hausangestellte ohne das Wissen seines Vaters auspeitschen. Als sein Vater dies erfahren hat, entschied er, dass sein Sohn in dieses Internat geschickt wird. Besonderes Merkmal des Jungen ist ein großes Muttermal rechts am Hals in der Form eines Kleeblattes und ein fehlender Finger an der linken Hand.

Das erste Mädchen heißt Samantha Taylor. Auch sie ist dreizehn Jahre alt, Jüdin und kommt aus Los Angeles. Ihre Eltern sind beide bekannte Schauspieler. Sie ist vor eineinhalb Monaten von der Schule geflogen, weil sie ihren Klassenlehrer beschuldigt hat, er habe sie unsittlich angefasst. Zum Schluss kam heraus, dass sie ihn nur angezeigt hat, weil er ihr eine Zwei statt einer Eins gegeben hat. Sie ist eine Person, die es liebt, im Mittelpunkt zu stehen. Etwas anderes akzeptiert sie nicht. Das Mädchen ist intelligent, aber nicht sehr sportlich. Ihr Hobby besteht darin, zu shoppen. Sie gibt sehr viel Geld für Schuhe und Kleider aus. Besondere Merkmale sind ungewöhnlich große Ohrringe und ein Piercing mit einem Brillanten in der Nase. Außerdem trägt sie an beiden Armen immer mehrere Armbänder.

Monique Lavernier heißt das zweite Mädchen. Ebenfalls dreizehn Jahre alt. Ihr Vater hat eine große Reederei und sie ist das einzige Kind aus seiner ersten Ehe. Er ist mittlerweile das vierte Mal geschieden und vergöttert sein einziges Kind. Das Mädchen aber akzeptiert keine seiner Frauen. Sie hat durch viele Intrigen die vorherigen Ehefrauen vergrault. Irgendwann fing sie an zu stehen und brachte es innerhalb kurzer Zeit zu gewissen Fähigkeiten. Obwohl noch so jung, spricht sie schon fünf Sprachen fließend. Sie ist hochintelligent und auch sehr sportlich. Eine gute Schwimmerin und Tennisspielerin. Leider hat sie keine besonderen Merkmale, ist aber sehr hübsch. Das dritte Mädchen heißt Mai Ling und kommt aus Hongkong. Auch sie ist dreizehn Jahre alt und das einzige Kind. Ihre Mutter starb, als sie zehn Jahre alt war. Der Vater hat bis heute noch nicht wieder geheiratet. Er leitet einen Elektronikkonzern und ist mit seiner Arbeit verheiratet. Er liebt seine Tochter abgöttisch. Das Mädchen ist hochintelligent und sehr sportlich. Sie beherrscht Karate und Judo. Sie hat sehr gute Computerkenntnisse und hat sich in den Schulcomputer gehackt. Dann hat sie Prüfungsfragen heruntergeladen und diese an andere Mitschüler verkauft, bis sie erwischt wurde. Außerdem prügelt sie sich gern mit Jungen, wobei diese oft den Kürzeren ziehen. Sie hat drei besondere Merkmale: eine kleine

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