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Codename: Valor

Codename: Valor

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Codename: Valor

Länge:
373 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 28, 2019
ISBN:
9783960893172
Format:
Buch

Beschreibung

Als schwuler Mann im Weißen Haus aufzuwachsen, war nicht gerade leicht für Rafael Castillo. Obwohl er den Codenamen Valor vom Secret Service bekam, fühlt er sich alles andere als tough, während er seine Homosexualität versteckt und versucht, sein letztes Jahr auf dem College möglichst unauffällig hinter sich zu bringen.
Es ist bestimmt nicht Teil von Rafas Plan, diesen neuen Agenten an die Seite gestellt zu bekommen, der ein wandelnder Sex-Traum ist. Zumal Shane Kendrick ihn außerhalb der Arbeit nicht mal mit dem Hintern ansieht.
Shane hat sich den Job beim Secret Service hart erarbeitet. Den langweiligen Sohn des Präsidenten zu beschützen, ist nicht gerade sein Traum-Job, aber eine leichte Aufgabe. Immerhin schenkt kaum jemand Rafa Beachtung. Bald entdeckt Shane, dass ein liebenswerter junger Mann unter der schüchternen Oberfläche steckt, die Rafa zur Schau trägt. Und obwohl er weiß, dass Rafa Gefühle für ihn hat, redet er sich ein, dass zwischen ihnen nichts ist. In Shanes Leben war noch nie Platz für Beziehungen, und er wird das bestimmt nicht für einen seiner Schützlinge ändern.
Shane hat nur eine Mission: für Rafas Sicherheit zu sorgen. Um jeden Preis.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 28, 2019
ISBN:
9783960893172
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Codename

Buchvorschau

Codename - Keira Andrews

Keira Andrews

Codename: Valor

Aus dem Englischen von Nora Bendzko

Impressum

© dead soft verlag, Mettingen 2019

http://www.deadsoft.de

© the author

Titel der Originalausgabe: Valor on Move

Übersetzung: Nora Bendzko

Cover: Irene Repp

http://www.daylinart.webnode.com

Bildrechte:

© iko – shutterstock.com

© Andrea Izzotti – shutterstock.com

© rdrgaraphe – shutterstock.com

1. Auflage

ISBN 978-3-96089-316-5

ISBN 978-3-96089-317-2 (epub)

Inhalt:

Er würde sein Leben geben, um den Sohn des Präsidenten zu beschützen. Doch nie hätte er gedacht, dass er auch sein Herz aufs Spiel setzen müsste.

Als schwuler Mann im Weißen Haus aufzuwachsen, war nicht gerade leicht für Rafael Castillo. Obwohl er den Codenamen Valor vom Secret Service bekam, fühlt er sich alles andere als tough, während er seine Homosexualität versteckt und versucht, sein letztes Jahr auf dem College möglichst unauffällig hinter sich zu bringen.

Die Präsidentschaft seines Vaters ist fast vorbei, er muss sich nur noch an seinen Plan halten. Sobald seine Familie nicht mehr im öffentlichen Interesse steht, will er sich vor seinen konservativen Eltern outen und ihnen gestehen, dass er gerne als Koch arbeiten würde. Es war bestimmt nicht Teil von Rafas Plan, diesen neuen Agenten an die Seite gestellt zu bekommen, der ein wandelnder Sex-Traum ist. Zumal Shane Kendrick ihn außerhalb der Arbeit nicht mal mit dem Hintern ansieht.

Shane hat sich den Job beim Secret Service hart erarbeitet. Den verklemmten, langweiligen Sohn des Präsidenten zu beschützen, ist nicht gerade sein Traum-Job, aber eine leichte Aufgabe. Immerhin schenkt kaum jemand Rafa Beachtung. Bald entdeckt Shane, dass ein liebenswerter junger Mann unter der schüchternen Oberfläche steckt, die Rafa zur Schau trägt. Und obwohl er weiß, dass Rafa Gefühle für ihn hat, redet er sich ein, dass zwischen ihnen nichts sei. In Shanes Leben war noch nie Platz für Beziehungen, und er würde das bestimmt nicht für einen seiner Schützlinge ändern.

Shane hat nur eine Mission: für Rafas Sicherheit zu sorgen. Um jeden Preis.

Doch je mehr Sorgen Rafa ihm bereitet, desto öfter muss Shane sich fragen: Würde er auch sein Herz riskieren, wenn es sein muss?

Dieser Gay Romance von Keira Andrews ist der erste Teil der Valor-Dilogie. Eine Geschichte über attraktive Männer, unterdrückte Gefühle, leidenschaftliche erste Male, Schmachten wie bei Jane Austen, verbotene Liebe … und natürlich mit einem Happy End.

Kapitel Eins

Wenn ihn einmal jemand fragen sollte, wie es gewesen war, im Weißen Haus aufzuwachsen, würde Rafael Castillo antworten: so berauschend, wie einem Esel die Eier zu lecken.

Und das echt nicht im guten Sinne. (Nicht, dass Rafa irgendein Interesse daran hätte, es einem Esel zu besorgen. Er war nur stark daran interessiert, selbst zum Zug zu kommen, bevor seine Eier so blau wurden, dass sie ihm verschrumpelten und abfielen.)

„Ich geh schlafen, Schatz. Es ist immerhin … Keine Ahnung, scheißfrüh am Morgen halt. Ashleigh gähnte laut. „Bin froh, dass du es von deinem bescheuerten Seminar sicher nach Hause geschafft hast.

Nach Hause. Selbst nach sieben Jahren war es immer noch seltsam, so über das Weiße Haus zu denken.

„Danke. Viel Spaß dabei, wenn du Croissants isst und existenzialistische Gedichte am Ufer der Seine liest. Oder was auch immer die Leute in Paris machen, wenn sie einen Tag freihaben." Träge wickelte Rafa seinen Fuß im Laken ein, während er sein altes Poster von Kelly Slater betrachtete.

Seit sie hier eingezogen waren, hing es an der Wand. Seine Mutter hatte ihm verboten, Reißnägel zu benutzen. Stattdessen hatte sie darauf bestanden, das Poster in geschmackvoll rotem Holz einzurahmen, das sich von der blassen, cremefarbenen Wand abhob.

Ashleigh lachte. „Ich habe dir geschlagene zwei Stunden erzählt, was Leute in Paris machen, und nicht ein einziges Mal Gebäck oder Weltschmerz-Poesie erwähnt. Aber ich gebe es ja zu, es ist alles ziemlich glamourös. Selbst als einfache Praktikantin bin ich immer noch bei der Vogue. Letztens durfte ich sogar ein Negligé aus dem Schrank mit nach Hause nehmen. Dem berühmten Vogue-Schrank, übrigens."

„Oh, là, là. Er senkte seine Stimme. „Trägst du es jetzt?

Ihre Stimme wurde rau. „Na klar. Es ist seidig und schwarz und so gut wie durchsichtig. Sie machte eine Pause. „Und was trägst du, Liebster?

Er lachte. „Das Übliche."

Mit Ash konnte er reden und Spaß haben, ohne über jedes Wort nachdenken zu müssen. Manchmal wünschte er sich, dass es auch mit dem Rest der Welt so einfach wäre. Aber Ashleigh war nun mal die einzige Person, die ihn wirklich kannte. Sein wahres Ich.

„Hmm. Da du in deinem Zimmer bist, wo dich niemand sehen kann, vermute ich, dass du die üblichen Hosen und Kragenhemden gegen Boxershorts und ein Yankees-T-Shirt mit Essensfleck getauscht hast."

„Fast. Es ist mein altes Erstsemester-T-Shirt von der Virginia. Der Fleck stammt von einer Pizza."

Scharf. Hey, sag deinem Dad noch mal Danke dafür, dass er seine Beziehungen hat spielen lassen. Okay?"

„Mach ich. Sobald er von woher auch immer heimkommt." Rafa schielte zu der digitalen Uhr auf seinem Nachttisch. Kurz nach elf – perfektes Timing. Unten sollte es schön ruhig sein.

„Wann hast du eigentlich das letzte Mal mit ihm geredet?"

„Ich dachte, du wolltest schlafen gehen?"

Ashleigh schnaubte, und er konnte förmlich vor sich sehen, wie sie die Augen verdrehte. „Beantworte die Frage."

„Keine Ahnung. Vor einigen Wochen? Er war ziemlich beschäftigt. Du weißt schon – der G7-Gipfel, die Karelischen Friedensverhandlungen, und dem NRA musste er auch auf die Schulter klopfen. Jedenfalls, geh schlafen. Ich freue mich, dass du eine Freundin gefunden hast, die Renaissance-Gemälde genauso mag wie du."

„Ja, ich mich auch. Ich glaube, es wird ein echt guter Sommer. Lieb dich, Sweetie!"

„Ich dich auch, Ash."

Er schaltete sein Handy aus und warf es schmunzelnd neben sich aufs Bett. Ashleigh schätzte Michelangelo wie jeder andere auch, doch allmählich dürften sich die Mitarbeiter, die seine Anrufe überwachten, über ihre Leidenschaft wundern. Obwohl er wusste, dass sich weder der Secret Service noch das Personal vom Weißen Haus für sein Privatleben interessierten und nur die Familie des Präsidenten schützen wollten, hielt Rafa die Maskerade aufrecht.

Er und Ash hatten sich diesen Code ausgedacht, nachdem sie angefangen hatten, zu ‚daten‘. In ihrer Geheimsprache standen Motorräder für heiße Typen. Wenn Rafa zum Beispiel sagte: „Ich hab heute ein großartiges Gerät gesehen – eine Ducati mit rotem Lack", meinte er, dass er einen knackigen Rotschopf gesehen hätte, den er gerne flachlegen würde. Jede Frau, die sich wie Ash für Renaissance-Gemälde interessierte, war eine Lesbe, mit der sie anbandeln wollte.

Am Anfang war es noch witzig gewesen, in Codes zu reden. Inzwischen war es normal für sie. Vor allem war es effektiv – und das war das Wichtigste. Immerhin machten sie das schon seit drei Jahren, ohne geoutet zu sein. Sie spielten ihre Rollen als junge Liebende perfekt, und es war für sie beide nützlich. Bis jetzt hatte Ashleigh noch nicht den Mut für ein Coming-out vor ihren erzkonservativen Eltern gefunden, und Rafa ging es genauso.

Der Großteil der Welt war weit gekommen, was die Rechte von Homosexuellen betraf, doch die Neokonservative in den Staaten wehrte sich heftig dagegen. Ein republikanischer Präsident, der mit seinem schwulen Sohn im Weißen Haus lebte? Es wäre ein Albtraum für seinen Vater und für Rafa sowieso.

Nur sieben Monate. Sieben Monate musste Rafa noch in Washington bis zum Amtsantritt des neuen Präsidenten aushalten. Und dann wäre er frei.

Er wünschte, Ash wäre bei den Young-Leader-Seminaren dabei, zu denen ihn seine Mutter nach den Uni-Prüfungen verdonnert hatte. Ohne seine beste Freundin waren die Vorlesungen einfach nicht das Gleiche.

Während seines Erstsemesters an der Virginia-Universität hatte ihn der Rest der Klasse schon bei der „Einführung zu Amerikanischen Studien" angestarrt und verstohlen getuschelt. Abwechselnd blickten sie zwischen Rafa und den Agenten hin und her, die in Khakis und Polo-Hemden an der Rückwand des Vorlesungssaals strammstanden (und sich nicht annähernd ins Gesamtbild einfügten). Da tauchte Ashleigh neben ihm auf und begann, sich über den Wasserdruck im Studentenwohnheim zu beschweren. Außerdem hatte sie sich erkundigt, ob seine „Rowdys" ihre schnarchende Mitbewohnerin töten und es wie einen Unfall aussehen lassen könnten.

Gähnend streckte Rafa sich auf der Matratze aus. Bevor er hier mit vierzehn eingezogen war, hatte ein Himmelbett im Zimmer gestanden, sogar mit Baldachin. Glücklicherweise war es umgestaltet worden, mit geschmackvollen, erdfarbenen Tönen, einem satten Rotbraun und Grün, und sein Bett hatte keinen Baldachin mehr. Selbst sein Badezimmer hatte man neu gestrichen, in leuchtendem Weiß und Silber. Wenn man von dem Surfer-Poster absah, hätte es ein Hotelzimmer sein können.

Er hatte komplett ausgepackt und alles sorgfältig in seinem Schrank und seiner glänzenden Mahagoni-Kommode verstaut. Das Zimmer seiner Schwester Adriana sah immer aus, als hätte ein Hurrikan es verwüstet, aber Rafa hielt seines immer ordentlich und sauber. Ihre Eltern bestanden darauf, dass sie die Verantwortung für ihre eigenen Räume und Badezimmer übernahmen, und je weniger Grund er ihnen lieferte, ihn zu kritisieren, umso besser.

Nachdem er aufgestanden war und sich Jeans und Sneakers übergestreift hatte, warf Rafa kurz einen Blick in den Spiegel. Er ärgerte sich über seine blöden Sommersprossen, die schon jetzt mehr hervortraten, obwohl der Sommer gerade erst begonnen hatte. Sein dichtes, dunkelbraunes Haar wellte sich leicht, er hatte es nach seiner allabendlichen Dusche nicht gescheitelt und mit der extra starken Pomade, die er immer benutzte, geglättet.

Er strich die dünnen Locken aus seiner Stirn und machte sich eine gedankliche Notiz, Henry – den Chef des Personals – zu bitten, einen Friseur kommen zu lassen. Seine Haare wellten sich schon über den Ohren. Und das Letzte, was Rafa brauchte, war, wieder als Chia Pet bezeichnet zu werden.

Seine Wangen wurden immer noch rot, wenn er an dieses Internet-Meme dachte. Jemand hatte mit Photoshop ein fusseliges Keramik-Tier, aus dem Chia-Büsche wuchsen, mit seinem Gesicht zusammengeschnitten.

Er hatte gerade erst nach dem Amtsantritt seines Vaters sein neues Halbjahr an der Highschool in Washington begonnen. Mit vierzehn hieß das: schlaksig, pickelig und Mund voll Spangenmetall. Plötzlich sagten seine neuen Klassenkameraden Dinge wie: „Ch-Ch-Ch-Chia!", wenn er in den Raum kam. Er verstand den Witz nicht einmal, bis er ihn googelte. Die Leute an seiner Schule waren immer nett zu ihm gewesen, aber dieses Meme ließ sie völlig abheben. Obwohl Rafa am nächsten Tag sein Haar um mehrere Zentimeter gekürzt hatte, war der Spitzname geblieben.

Er öffnete die Tür einen Spaltbreit und linste aus seinem Zimmer – offiziell als Raum 303 bekannt. Eigentlich gab es keinen Grund für Heimlichkeit. Die zweite und dritte Etage im Weißen Haus waren die einzigen Orte auf der Welt, an denen er Ruhe vor dem Secret Service hatte. Aber es war die Gewohnheit.

Das Zimmer seines ältesten Bruders, Christian, lag am Ende des Hauptflurs. Aber Chris war siebenundzwanzig und hatte nie wirklich im Weißen Haus gelebt. Jetzt war er in New York, und Rafa war alleine hier oben, wie immer. Zu seiner Linken lagen das Musikzimmer und der Trainingsraum.

Als er auf die Treppe zusteuerte, kam er an dem Zederzimmer vorbei – eine Nische, die ganz mit Zedernholz vertäfelt und früher als Lager für Winterausrüstung benutzt worden war – und dem Wäsche-Raum, der genau das war, wonach er klang. Der Spieleraum befand sich am anderen Ende des Flurs, und einige weitere Schlafzimmer waren auf dem Rest der Etage verteilt.

Hinter dem Wäscheraum kam sein liebster Ort auf der ganzen Welt – die Diet Kitchen. Laut Lexikon waren solche Küchen in Krankenhäusern eingerichtet worden, um den Patienten spezielle Mahlzeiten zuzubereiten. Franklin D. Roosevelt hatte die Diet Kitchen angeblich bauen lassen, weil er das Essen seiner Haushälterin hasste und sein eigenes kochen wollte.

Rafa ging den schmalen Korridor hinunter. Die kleine, rechteckige Küche befand sich genau über der nördlichen Kolonnade, und der Mond schien durch die Fenster in dem schrägen Dach. Zusammen mit dem Ofen, dem Kühlschrank und der Spüle nahmen der Tresen und die Geschirrschränke den Raum fast gänzlich ein.

Es war eine Standard-Küche, und er hatte keine besonderen oder schicken Geräte. Aber es war seine Küche. Zumindest jetzt. Den Großteil des Jahres steckte er im Studentenwohnheim fest, und er sehnte sich danach, wieder Butter in der Pfanne brutzeln zu hören und frische, erdige Gewürze zu riechen. Er würde erst morgen die Pasta kneten und glatt ausrollen, um Ravioli zu machen, aber mit der Füllung könnte er schon heute Nacht beginnen.

Rafa ging zum Hauptflur zurück und schlich auf Zehenspitzen in die unterste Etage, über die Treppe neben dem Aufzug, den seine Familie benutzte. Sie führte fast direkt in die Küche. Doch einer seiner Agenten tauchte auf und glättete seinen Anzug.

„Wohin des Weges?", fragte Brent. Er war groß und ein bisschen füllig, sein dunkles Haar begann zu ergrauen.

„Ich hole mir nur einen Snack. Wird nicht lange dauern."

Brent nickte. „Danke für die Info, Rafa."

Rafa setzte seinen Weg in die dämmrige Küche fort. Sie war zum Glück leer, und er atmete aus. Wären es Adriana oder ihr Bruder Matthew gewesen, wäre Brent wahrscheinlich mitgekommen, um sicherzugehen, dass keiner von beiden sich rausschlich. Sie hätten es nicht einmal über das Tor hinausschaffen können, aber schon draußen zu sein, ohne die Agenten zu informieren, war ein No-Go. Doch Rafa hatte ohnehin nie versucht, seinen Agenten zu entwischen. Sie machten nur ihren Job, und es gab keinen Grund, ihnen das Leben schwer zu machen.

Durch die tiefstehenden Lampen unter den Wandschränken fielen Schatten über die Tresen und die breite Kücheninsel. Rafa konnte gut genug sehen, um die Oberlichter aus zu lassen. Als er die Tür zum begehbaren Kühlschrank öffnete, begann sein Puls zu rasen. Sofort breitete sich eine Gänsehaut auf seinen nackten Armen aus, und das Licht über seinem Kopf ging automatisch an. Schnell überblickte er die Fächer und durchsuchte die Behälter nach dem, was er brauchte. Er war sicher, dass Magda Prosciutto dahaben würde, und hoffte, auch mit dem Ziegenkäse Glück zu haben. Es machte ihr nie etwas aus, wenn er sich ein paar Zutaten auslieh.

Okay, streng genommen war es stehlen, nicht ausleihen.

Seine Eltern bezahlten alles an Essen, was nur für die Familie und nicht für offizielle Anlässe oder Partys verbraucht wurde. Und Rafa wusste, dass die Zutaten, die er sich unter den Nagel riss, auf ihre Rechnung gingen.

Einmal hatte Chris seine Freunde vom College für eine Party dagehabt, als ihre Eltern nicht in der Stadt waren. Eines der wenigen Male, als er einen Anflug von Rebellion gezeigt hatte. Er hatte sich Unmengen Snacks aus der Küche bestellt, und ihre Eltern hatten ihn jeden einzelnen Penny zurückzahlen lassen.

Rafa würde den Prosciutto und Käse gerne selbst kaufen, aber das würde sicher Fragen aufwerfen. Er konnte nicht einfach bei ShopRite hereinschneien. Seine Agenten würden Bescheid wissen, und er wollte nicht, dass sie lügen mussten, wenn seine Mutter nachfragte. Außerdem wäre es ziemlich dumm, sie überhaupt darum zu bitten, für ihn zu lügen. Da war es einfacher, mit seiner aktuellen Situation zurechtzukommen.

Er nahm sich einen Kanten Ziegenkäse und ging in die Tiefkühlkammer. Zitternd ließ er die Tür offen, während er die Regale nach Prosciutto absuchte. „Komm schon, komm schon …"

Er ging das Wenige, was an Fleisch gelagert wurde, durch, in der Hoffnung, dass Magda etwas Notfall-Schinken dahatte. Die meisten Zutaten waren frisch, und es sah aus, als hätte er wenig Glück.

Das Brummen des Kühlerventilators wurde von klackenden Absätzen unterbrochen, bevor er hörte: „Liebling, solltest du nicht im Bett sein?"

Er sprang erschrocken auf und blinzelte in die leere Dunkelheit der Küche, während er den Ziegenkäse in eines der Regale fallen ließ. Der hohe Umriss seiner Mutter zeigte sich im Eingang des Kühlschranks, und Rafa zwang sich zu einem Lächeln.

„Ich hole mir nur einen Snack."

Er griff nach der nächstbesten Schachtel mit Eiscreme. Hatte sie Brent bestochen, ihn zu bespitzeln? Nicht, dass das die First Lady Camila Castillo nötig hätte – sie musste nur fragen. Die meisten Leute hatten zu viel Angst, ihr nicht sofort zu gehorchen.

„Gute Idee. Deine Rippen können etwas mehr Fett vertragen." Sie sagte es mit einem Lächeln, aber Rafa stieg die Schamesröte heiß ins Gesicht. Im College war er fast über 1,80 gewachsen. Obwohl er in den letzten Jahren Einiges an Muskeln zugelegt hatte, fühlte es sich immer noch an, als hätte er knubbelige Knie und Ellbogen. Er zog die Schultern an und schloss die Tür zur Tiefkühlkammer.

Er ging zu einer der vielen Besteckschubladen, um sich einen Löffel zu holen. Dabei spürte er den Blick seiner Mutter auf sich. Als er aufsah, bemerkte er, dass sie mit der Perlenkette an ihrem Hals spielte. Selbst in dem gedimmten Licht glänzte sie.

Seine Mutter trug einen perfekt glatten Bleistiftrock mit weißer Bluse, ihr schwarzes Haar war elegant hochgesteckt. Manchmal glaubte er, dass sie in einer hermetisch verschlossenen Röhre schlief, die nur erschaffen worden war, damit ihr Haar nicht zerzauste.

„Immer noch am Arbeiten, Mom? Solltest du nicht auch im Bett sein?"

Camila Castillo hatte viele Regeln. Eine davon war, sich immer angemessen für ihre aktuelle Aufgabe anzuziehen. Wenn sie arbeitete, war sie tadellos gekleidet, ganz gleich, wie spät oder früh es war.

„Touché. Aber ja, vor meiner nächsten Reise habe ich noch ein paar wichtige Arbeiten zu erledigen."

„Warum lässt du nicht dein Personal ran? Wird das nicht dafür bezahlt?"

Sie lächelte, ihre geschminkten Lippen glänzten. „Manchmal muss man eine Sache selbst tun, wenn sie gut werden soll."

Da er in letzter Zeit selbst Einiges falsch gemacht hatte, wechselte Rafa das Thema und fragte: „Wie geht es Tante Gabby?"

„Gut. Sie besucht gerade ihre Cousins."

Seine Mutter hatte die Angewohnheit, über ihre Verwandten zu reden, als wären sie nur die Familie ihrer Schwester und ihres Bruders – und nicht ihre eigene.

„In Mexico City? Wie lange ist sie dort?" Rafa drehte den Löffel in seiner Hand.

Seine Großeltern waren gestorben, bevor er alt genug gewesen war, um sie wirklich kennenzulernen, er hatte Tante Gabriella seit Weihnachten nicht mehr gesehen. Zugegeben, er sah sie eh nicht oft. Sie war nie mit seinem Vater zurechtgekommen, und Rafa glaubte, seine Mutter hatte das Gefühl, ihre Familie sei einfach zu … ausländisch.

„Vielleicht könnte ich –"

„Liebling, du weißt, wie gefährlich es dort sein kann. Das ist keine gute Idee."

„Aber ich war noch nie drüben. Es kann nicht so gefährlich sein. Ich meine, du hast dort gelebt, als du klein warst."

Der volle Name seiner Mutter war Camila Castillo de Saucedo. Aber nachdem sein Vater seine Anwaltskanzlei aufgegeben hatte und vollzeitig in die Politik gegangen war, um für das Gouverneursamt in New Jersey zu kandidieren, hatte sie nicht länger an der Tradition ihres mexikanischen Namens festgehalten. Von Beginn an hießen Rafa und seine Geschwister genauso wie sein Vater: Castillo. Seine Eltern hatten hart gearbeitet und die weißesten, harmlosesten Hispanos aus ihnen gemacht, die man sich vorstellen konnte, um sich den Republikanern verkaufen zu können. Gleichzeitig warben sie um die Stimmen der Latinos – mit großem Erfolg. Rafa war sich immer noch nicht sicher, wie sie es geschafft hatten, aber nun waren sie hier.

„Außerdem hätte ich doch meine Agenten, Mom."

Sie neigte den Kopf und sah ihn frustriert an. „Wir haben bereits darüber besprochen. Meine Eltern haben ihre Heimat hinter sich gelassen, um uns hier in Amerika ein neues Leben zu ermöglichen." Kurz hatte er Angst, dass sie in eine ihrer American-Dream-Reden abdriften könnte. „Warum sollte ich jemals zurück? Oder wollen, dass meine Kinder zurückgehen? Hier ist dein Zuhause. Das beste Land auf der Welt."

Rafa nickte, bevor sie richtig loslegen konnte. „Okay, schon verstanden. Du hast recht. Wie immer." Er lächelte.

„Natürlich habe ich recht. Sie lachte leise und war dann für einen Moment still. „Weißt du, ich wollte dir eigentlich sagen, dass ich heute ein Gespräch mit deinen Agenten hatte.

Rafas Herz setzte einen Schlag lang aus, obwohl er gar nichts falsch gemacht hatte. „Okay?" Er grub seinen Löffel in den Karton und stopfte seinen Mund mit Minze-Schokoladen-Eis voll, um nicht sprechen zu müssen.

Sie verzog das Gesicht. „Bitte, Rafael, eine Schüssel. Lass uns zivilisiert sein, ja?"

Mit Mund voll Eiscreme murmelte er „Sorry und nahm eine Schüssel aus einem der Schränke. „Willst du auch was?

„Nein, danke, Schatz. Sie tätschelte ihre schmale Taille. „Wie gesagt, wird es ab morgen einige Veränderungen mit deinen Agenten geben.

Rafa verharrte mit dem Löffel über dem Karton. „Was für Veränderungen?"

„Fünf von deinen Agenten werden neu zugeteilt, und du wirst nur noch zwei Agenten auf einmal bei dir haben."

„Wer genau wird neu zugeteilt?"

Seine Agenten, die 24 Stunden die Woche arbeiteten, hatten drei abwechselnde Schichten. Zwei Hauptagenten blieben in seiner Nähe, wenn er sich außerhalb des Weißen Hauses befand, und zumindest ein oder zwei weitere Agenten waren in Bereitschaft, je nachdem, wohin er ging und welche Gefahrenstufe vorlag.

„Das weiß ich nicht genau. Sie winkte es wie nebensächlich ab. Ihre lackierten Nägel spiegelten das Licht. „Es spielt auch keine Rolle, oder?

Er schaufelte ein paar Brocken Eiscreme in die Schüssel. „Für mich tut es das. Ich kann mich von ihnen verabschieden, oder? Ich will mich von ihnen verabschieden."

Sie seufzte. „Liebling, du weißt, dass deine Agenten jedes Jahr genau deswegen gewechselt werden. Wir dürfen uns nicht zu sehr an sie binden. Sonst können die Agenten nicht effektiv arbeiten. Wir alle werden ausgetauscht."

Still stand Rafa seiner Mutter gegenüber, die ihn von der anderen Seite der Kücheninsel aus ansah. Er stopfte sich wieder den Mund voll, bevor er verächtlich schnauben konnte. Der Secret Service änderte jedes Jahr seine Teams, damit die Agenten sich nicht zu sehr an sie banden, aber niemand machte sich Illusionen, dass es Camila genauso ging. Sie erinnerte sich nur an deren Namen, wenn sie ihnen irgendwelche niederen Tätigkeiten auftrug, die eigentlich nicht ihrem Aufgabengebiet entsprachen.

Er konnte sich gut vorstellen, dass ihre Agenten froh waren, neu zugeteilt zu werden. Aber Rafas Agenten schienen ihn immer gemocht zu haben. Nicht, dass sie es gezeigt hätten, wenn dem nicht so wäre.

„Aber wir haben Juni, und die Wahlen sind im November. Im Januar werden wir weg sein. Warum jetzt noch die Teams ändern? Wir sind so gut wie durch."

„Die besten Agenten werden für die Familien der Kandidaten gebraucht, besonders, weil bald die Wahlen sind. Livingston hat sechs Kinder, ganz von seinen Enkeln abgesehen. Offensichtlich müssen sie ihre Sicherheitsvorkehrungen hochschrauben. Wir alle wissen, dass er gewinnen wird, ob wir es wollen oder nicht."

Camila Castillo schien nicht davon angetan zu sein. Rafa schob sich einen weiteren Löffel in den Mund, damit er nicht lächelte. Seine Mutter würde vor Schock ihre Perlenkette zerreißen, wenn sie wüsste, dass er ohne Bedenken den Demokraten Stephen Livingston anstelle des Republikaners Tom Margulies wählen würde, den sein Vater als sein Nachfolger bestimmt hatte. Das Land war reif für einen Regierungswechsel, auch wenn sich nicht wirklich etwas ändern würde mit einem Kongress und einem Senat, die dermaßen parteiisch waren. Rafa, der sein halbes Leben im Zentrum der amerikanischen Regierung verbracht hatte, fand es ziemlich deprimierend, wie wenig sich immer tat.

„Trotzdem will ich mich von meinen Agenten verabschieden. Ihn schmerzte der Gedanke, dass Joanna oder Stuart gehen könnten. „Ich gebe aber zu, dass es Sinn macht.

Seine Mutter seufzte, ihre Stimme war ungewöhnlich traurig. „Ja, vermutlich. Wir werden bald weg vom Fenster sein."

Wenn es möglich wäre, würde Rafas Mutter das Weiße Haus nur über ihre Leiche aufgeben. Mit Sicherheit würde der Geist von Abraham Lincoln ihre Gesellschaft bekommen. Rafa stellte sich bereits vor, wie seine Mutter durch die leeren Flure schwebte und die chinesischen Vasen der zukünftigen First Lady bekrittelte.

„Mom, wir hatten zwei Amtsperioden. Nicht gerade schäbig. Wäre es nicht schön, nun zum normalen Leben zurückzukehren? Es war mehr als seltsam, sich vorzustellen, wie seine Eltern wieder nach New Jersey zogen. „Du musst es doch vermissen? Ein bisschen zumindest?, fragte er hoffnungsvoll. Er mochte nicht den Gedanken, dass sie unglücklich sein könnte.

Sie lächelte. „Ein bisschen."

Er lehnte sich über die Kücheninsel, den Löffel mit Eiscreme in der Hand. „Komm schon. Ein Löffel wird nicht schaden."

„Vermutlich nicht. Sie ging auf ihn zu und nahm den Löffel elegant entgegen. Nachdem sie geschluckt hatte, starrte sie auf das gebogene Metall. „Es wird alles nur so … unbedeutend sein. Ich … Sie stockte.

Rafa hielt den Atem an und flüsterte fast unhörbar: „Was?" Er konnte sich nicht erinnern, wann seine Mutter das letzte Mal nicht vollkommen sicher und auf den Punkt gewesen war.

„Es ist ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass die wichtigsten Tage deines Lebens vorbei sind. Sie hielt ihren Blick auf den Löffel gesenkt. „Dass du nie wieder etwas tun wirst, das sich ansatzweise damit vergleichen lässt.

„Mom …" Rafa wollte nach ihr greifen, aber als er sich bewegte, schnellte ihr Blick hoch. Sie lächelte, ihre Maske wieder aufgesetzt.

„Entschuldige diesen dummen Anfall. Hast du mit Ashleigh geredet? Wie gefällt ihr Paris?" Sie gab ihm den Löffel zurück.

Er nahm ihn und spielte mit der schmelzenden Eiscreme in seiner Schüssel herum. „Gut. Sie liebt die Stadt."

„Wird es nicht ein einsamer Sommer ohne sie?"

„Schon in Ordnung. Wir reden ja miteinander."

„Sorg nur dafür, dass ihr in Verbindung bleibt, Rafa. Das ist eine entscheidende Phase in eurer Beziehung. Immerhin bist du in deinem letzten Semester auf der Universität. Du musst deine Zukunft planen. Wir müssen bald darüber reden, wo du deine Karriere im neuen Jahr beginnen willst. Dein Vater und ich haben schon ein paar Ideen. Warum erzählst du mir nicht mehr über das, was du bei deinem Seminar gelernt hast? Wir haben noch nicht richtig darüber geredet."

„Ich hab dir doch gesagt, dass es gut war."

Sie hob eine filigran gezeichnete Augenbraue. „Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?"

Was er sagen wollte, war: Eigentlich habe ich jede Minute gehasst. Ich will kein Young Leader sein oder Kontakte knüpfen und lächeln und so tun, als würde ich mich für verdammte Politik oder die Republikanische Partei interessieren. Aber es gab Studienpunkte dafür, als habe ich mir den Arsch aufgerissen, um meinen Abschluss früher zu schaffen.

Er zuckte mit den Schultern. „Es war ganz interessant. Hat mir geholfen, über die Zukunft nachzudenken." Insofern, dass es seinen Entschluss gefestigt hatte, weit, weit weg von Politik und der Geschäftswelt zu bleiben.

„Hast du ein paar gute Kontakte knüpfen können? Du weißt, dass du nicht nur das Vitamin B deines Vaters nutzen kannst. Du musst dir selbst einen Namen machen. So, wie Christian es getan hat."

„Äh, ja." Rafa kaute auf dem süßen Minzebrei herum, sein Magen zog sich zusammen. Er wusste, er musste seinen Eltern so bald wie möglich die Wahrheit sagen. Aber noch hatte er ein bisschen Zeit.

„Und eine reizende junge Dame wie Ashleigh wird nicht ewig darauf warten, eine Familie zu gründen. Betrachte sie nicht als selbstverständlich, Schatz."

„Werde ich nicht. Versprochen."

Er und Ash hatten bereits ihre Trennung für die Zeit

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