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SF-Abenteuer Paket Juli 2019: Mesonengeflüster

SF-Abenteuer Paket Juli 2019: Mesonengeflüster

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SF-Abenteuer Paket Juli 2019: Mesonengeflüster

Länge:
1,356 Seiten
16 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 22, 2021
ISBN:
9781393820956
Format:
Buch

Beschreibung

Sammelband SF-Abenteuer Paket: Mesonengeflüster

von Alfred Bekker, Hendrik M. Bekker, Freder van Holk, Bernd Teuber, Gerd Maximovic

Dieses Buch enthält folgende SF-Abenteuer:

Alfred Bekker: Die ersten Marsianer

Alfred Bekker: Kraator!

Gerd Maximovic: Hinter der Tür

Bernd Teuber: Gefahr für Axarabor

Freder van Holk: Kosmotron

Alfred Bekker: Die verschwundenen Raumschiffe

Alfred Bekker: Die Spur der Götter

Alfred Bekker: Planet der Eissegler

Alfred Bekker: Angriffsziel Erde

Alfred Bekker: Die Raumstation der Aliens

Hendrik M. Bekker: Der neunte Planet

Hendrik M. Bekker: Liebe bis zum Schluss

Hendrik M. Bekker: Als könnte man sie umbringen

Alfred Bekker: Der finale Absturz

Alfred Bekker: Der Dimensionstunnel

Freder van Holk: Roboterintrigen

Seit den frühen 2000er Jahren vermuteten Wissenschaftler aus Kalifornien, es gäbe einen Planeten, der seine Bahn hinter Pluto ziehen müsste. Das war allerdings immer eine umstrittene Theorie gewesen, bis ein Observationsposten der Marskolonie schwaches Infrarotlicht empfangen hatte. Damit war das Objekt bestätigt. Ein Mitarbeiter im Dienste von Perkov-Stellar-System macht sich mit einem Firmenroboter auf, den neuen Planeten nach Bodenschätzen zu untersuchen. Was sie dort allerdings vorfinden, ist unglaublich...

Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 22, 2021
ISBN:
9781393820956
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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SF-Abenteuer Paket Juli 2019 - Alfred Bekker

Sammelband SF-Abenteuer Paket: Mesonengeflüster

von Alfred Bekker, Hendrik M. Bekker, Freder van Holk, Bernd Teuber, Gerd Maximovic

––––––––

Dieses Buch enthält folgende SF-Abenteuer:

Alfred Bekker: Die ersten Marsianer

Alfred Bekker: Kraator!

Gerd Maximovic: Hinter der Tür

Bernd Teuber: Gefahr für Axarabor

Freder van Holk: Kosmotron

Alfred Bekker: Die verschwundenen Raumschiffe

Alfred Bekker: Die Spur der Götter

Alfred Bekker: Planet der Eissegler

Alfred Bekker: Angriffsziel Erde

Alfred Bekker: Die Raumstation der Aliens

Hendrik M. Bekker: Der neunte Planet

Hendrik M. Bekker: Liebe bis zum Schluss

Hendrik M. Bekker: Als könnte man sie umbringen

Alfred Bekker: Der finale Absturz

Alfred Bekker: Der Dimensionstunnel

Freder van Holk: Roboterintrigen

Seit den frühen 2000er Jahren vermuteten Wissenschaftler aus Kalifornien, es gäbe einen Planeten, der seine Bahn hinter Pluto ziehen müsste. Das war allerdings immer eine umstrittene Theorie gewesen, bis ein Observationsposten der Marskolonie schwaches Infrarotlicht empfangen hatte. Damit war das Objekt bestätigt. Ein Mitarbeiter im Dienste von Perkov-Stellar-System macht sich mit einem Firmenroboter auf, den neuen Planeten nach Bodenschätzen zu untersuchen. Was sie dort allerdings vorfinden, ist unglaublich...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER WOLFGANG SIGL

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Alfred Bekker

DIE ERSTEN MARSIANER

––––––––

Wow, das geht ja ab, sagte Paul McCall, als der Gleiter in die höheren Schichten der Marsatmosphäre vorstieß.

In der Gegend um den Lowell-Krater herrschte an diesem Tag klares Wetter. Nur einige Kohlendioxid-Wölkchen standen am Himmel.

In der Ferne sah man die beiden Monde des roten Planeten am Himmel stehen, Phobos und Deimos.

Phobos, der größere der beiden Monde, brauchte zur Umkreisung des Mars nur etwas mehr als sieben Stunden. Wohingegen Deimos mehr als dreißig Stunden brauchte, um den roten Planeten zu umlaufen.

In immer wiederkehrenden Abständen standen die beiden Monde gemeinsam am Himmel. Im Moment war es gerade mal wieder so weit.

Jeff Lackey hatte an der Pilotenkonsole des Gleiters Platz genommen.

Der hypermoderne Atmosphärengleiter sollte in großer Stückzahl produziert und an die irdischen Nationen verkauft werden.

So jedenfalls war der Plan der internationalen Marsverwaltung. Auf diese Weise sollte der Mars Devisen erwirtschaften, um sich andere Gebrauchsgüter kaufen zu können, denn es war illusorisch, dass die wenigen Tausend Menschen von Mars Port sämtliche benötigten Güter selbst herzustellen vermochten.

Paul McCall blickte zurück auf das blasenförmige Gebilde, das sich über dem Lowell-Krater wölbte, gespeist aus unzähligen Projektoren, der große Prallschirm von Mars Port, der nach diversen Verstärkungsmaßnahmen nun hoffentlich stabil blieb.

Immer kleiner wurde dieses Gebilde, das eine Art 'Insel des Lebens' auf einem ansonsten eher lebensfeindlichen Planeten darstellte. Eine künstliche Insel mit irdischer Atmosphäre und einer angenehmen gemäßigten Temperatur von 18 Grad Celsius.

Außerhalb des Lowell-Kraters erreichten die marsianischen Höchsttemperaturen am Äquator gerade Mal minus dreißig Grad, was in etwa den Werten der irdischen Antarktis entsprach. Der Gleiter beschleunigte immer stärker. Der Antrieb verursachte ein dumpfes Summ-Geräusch innerhalb der Kabine. Der gesamte Gleiter vibrierte leicht.

Hast du ein bestimmtes Ziel ins Auge gefasst, Jeff?, fragte Paul McCall.

Jeff Lackey zuckte mit den Achseln.

Einmal um den roten Planeten herum, würde ich sagen. Schließlich testen wir für Langstreckenflüge, erwiderte er.

Paul McCall nickte.

Warum nicht!

Bald war Mars Port hinter dem Horizont verschwunden. Immer höher ließ Jeff Lackey den Gleiter hinaufsteigen, fast bis an die Grenze der Marsatmosphäre.

In der Kabine des Gleiters herrschte zwar Erdatmosphäre mit entsprechenden Sauerstoff- und Druckverhältnissen, aber sicherheitshalber trugen die beiden Männer an Bord des Gefährts die Druckanzüge, mit denen sie notfalls auch außerhalb der Kabine überleben konnten.

Zusätzlich gab es noch das Nano-Pack.

Es befand sich unterhalb des Druckanzugs, direkt am Körper und hatte jetzt die Form einer Münze, die direkt auf der Haut haftete.

Nach einem Absturz war es unter Umständen nicht möglich, die Verschollenen sofort aufzuspüren. Es konnte Wochen dauern. Länger als die zum Druckanzug gehörenden Sauerstoffvorräte reichten. Für diesen Fall gab es das Nano-Pack. Es enthielt extrem komprimierte Nano-Roboter, die im Notfall automatisch eine hauchdünne Schicht auf der Haut bildeten. Eine Art zweiten Anzug, der eine Quasi-Intelligenz besaß. Er bestand aus Abermilliarden Partikeln von atomarer Größe, die zusammen eine Einheit bildeten. Selbstorganisation nach einfachen Prinzipien, so lautete die Gesetzmäßigkeit, nach der sie funktionierten. Im Test hatten Menschen damit ohne Druckanzug für Stunden auf der Marsoberfläche überlebt. Die Nano-Schicht veränderte den Stoffwechsel, bildete eine zweite Haut, die Energie, Sauerstoff und Nährstoffe mit Hilfe des Sonnenlichts, der dünnen Marsatmosphäre und der Bodenminerale gewann. Kehrte der Betroffene in ein Habitat mit erdähnlichen Bedingungen zurück, bildete sich die Nano-Haut automatisch zurück.

Zumindest nach einigen Stunden.

Wie es tatsächlich nach einem Einsatz dieser Haut über Wochen oder Monate war, wusste niemand.

Lackey hatte gleich ein ungutes Gefühl gehabt, als er das Ding, wie er das münzähnliche Nano-Pack zu nennen pflegte, auf die Haut an der Schulter gesetzt hatte.

Etwas Fremdes. Ein Wesen.

Das waren seine spontanen Gedanken gewesen, obwohl ihm sein Verstand und die Gebrauchsanweisung der Herstellerfirma Martian Equipment Products Ltd. das Gegenteil sagten. Die Intelligenz der Nano-Partikel hatte nichts mit der Intelligenz eines lebenden Wesens zu tun. Eher mit Anpassungsfähigkeit eines Virus, der einfach seinem internen Programm folgte.

Eines Tages wird man planetenweite Rallyes mit diesen Gleitern abhalten, meinte Paul McCall und drang damit in Lackeys Gedanken.

Jeff Lackey lachte.

Bis dahin wird man sie wohl vorerst noch für Nützlicheres verwenden müssen, war seine Ansicht.

Ein mehrere tausend Kilometer langes Canyon zog sich unter ihnen wie eine Narbe durch die Marsoberfläche. Auf der Erde gab es nichts Vergleichbares.

Selbst Naturwunder wie das Grand Canyon verblassten gegen diese Felsformationen, von denen man vermuten konnte, dass sie vor undenklich langer Zeit mal durch Wasser, fließendes Wasser geformt worden waren.

Du hattest recht, sagte Paul McCall schließlich während er hinunter auf die Marsoberfläche schaute.

Womit?, fragte Jeff Lackey.

Es ist echt toll mit dem Gleiter über die Marsoberfläche zu jagen. Bisher habe ich mich ja nur innerhalb des Prallschirms aufgehalten.

Jeff Lackey hatte den Gleiter inzwischen durch den Canyon gelenkt. Vor ihnen lag nun eine Ebene, die rötlich schimmerte.

Paul McCall bemerkte, dass die Geschwindigkeit des Gleiters sich verringerte.

Was ist los? Probleme?, fragte er an Jeff Lackey gewandt. Jeff Lackey antwortete nicht.

Konzentriert glitten seine Finger über die Tastatur der Steuerung. Schließlich schüttelte er verneinend den Kopf.

Alles okay, wir landen, erklärte er.

Der Gleiter senkte sich sacht auf die Marsoberfläche und landete.

Wieso landen wir, wenn alles in Ordnung ist? Paul McCall schaute zu dem neben ihm sitzenden Jeff Lackey.

Ich dachte, es wäre eine gute Idee, wenn du zurückfliegst. Jeff grinste Paul McCall an.

Ich hatte bisher keine entsprechende Schulung und halte es für keine gute Idee, erwiderte Paul McCall mit zurückhaltender Stimme.

Ach was, das ist total einfach. Du fliegst einfach los. Ich sitze doch neben dir. Was soll da schon passieren?

Jeff Lackey war bereits im Begriff auszusteigen. Paul McCall versuchte ihn am Arm zurückzuhalten.

Ich möchte das nicht, sagte er.

Jeff löste seinen Gurt. Ach komm. Jetzt sind wir soweit gekommen, nun klappt das mit dem Rückweg auch.

Er stieg nun endgültig aus und umrundete den Gleiter.

Rutsch rüber, sagte er an Paul McCall gewandt.

Paul setzte sich an die Steuerungskonsole.

Jeff Lackey nahm neben ihm Platz.

Gestartet wird hier, sagte er und deutete auf einen bestimmten Punkt an der Steuerungskonsole. Dort bestimmst du die Geschwindigkeit. Und hiermit gibst du die Richtung ein. Noch Fragen?

Paul McCall schüttelte den Kopf. Er hatte den Ausführungen von Jeff Lackey genau zugehört.

Also, ich weiß immer noch nicht, ob ich das tun soll.

Du tust es einfach, okay! Jeff Lackey nickte Paul McCall aufmunternd zu.

Paul McCall fuhr mit seinen Fingern über die Konsole.

Der Gleiter startete augenblicklich und setzte sich in Bewegung.

Klappt doch!, meinte Jeff Lackey.

Paul McCall fühlte sich von Sekunde zu Sekunde wohler in der Position des Steuermanns.

Er regelte mit wenigen Berührungen der Konsole die Geschwindigkeit.

Am Horizont war jetzt der Olympus Mons zu sehen.

Siehst du, dort ist der größte Vulkan des Sonnensystems. Jeff Lackey deutete nach vorn. Ein beeindruckender Anblick bot sich dort. 27 Kilometer hoch ragte der Olympus Mons von der Marsoberfläche empor. Die Achttausender der Erde (inklusive Mount Everest) wirkten dagegen wie kleine Hügel, verglichen mit einem Alpenmassiv.

Einer der Gründe, warum Berge auf dem Mars derart hoch wurden, war die geringere Oberflächenschwerkraft, die auf dem Mars herrschte.

Paul McCall nickte, da er den Olympus Mons auch bereits entdeckt hatte. Er hielt mit dem Gleiter direkt auf den Vulkan zu.

Was hältst du davon, wenn du dort wendest und wir zurück fliegen, Paul?

Was ist das für eine Stimme? Sie klingt so fern? Paul antwortete nicht. Entrückt schaute er auf den immer näher kommenden Vulkan.

Was wäre, wenn ich hier und jetzt meinem Dasein ein Ende bereite?, dachte er.

Jeff Lackey schien meilenweit entfernt zu sein. Er hatte ihn schon fast vergessen. McCall nahm gar nicht mehr an, dass Lackey überhaupt noch anwesend war. Die Erinnerung daran, dass er nicht allein in der Kabine des Gleiters saß, war wie ein vages Bild aus einem halbvergessenen Traum. Etwas, dessen Realität schon beinahe verblasst war. Ja, warum nicht, dachte McCall. Alles loslassen, alles beenden, Dunkelheit, Erlösung, Schlaf, Ruhe.

Er atmete tief durch, schloss für einen Moment die Augen. Warum noch lange warten mit diesem Schritt? Die Gedanken rasten nur so durch seinen Kopf. Frieden, dachte er. Ja, Frieden wirst du finden. Und das schon sehr bald. Ein paar Augenblicke noch, Momente. Mehr nicht. Dann beginnt die Ewigkeit.

Er spürte etwas Fremdes.

Den Einfluss eines anderen Geistes.

Eine Aura.

Unwillkürlich griff er sich an die Schulter, wo auch unter seinem Schutzanzug das Nano-Pack angebracht war.

Jeff Lackey bemerkte das sofort.

Paul,..., Paul, was ist mit dir? Ist dir nicht gut? Paul, hörst du mich? Du musst den Kurs jetzt ändern! Jeff Lackeys Stimme war beständig lauter geworden.

Er sah Paul mit geschlossenen Augen neben sich sitzen. Er wirkte merkwürdig entrückt.

Auf seine Fragen gab Paul McCall keine Antwort. Oh Mann, jetzt nur nicht in Panik verfallen, dachte Jeff Lackey.

Währenddessen war der Olympus Mons schon in bedrohliche Nähe gerückt.

Jeff Lackey schob Paul unsanft in die Ecke des Gleiters und quetschte sich selber näher an die Steuerung heran, um besser an die Tasten kommen zu können.

Der Druckanzug schränkte dabei seine Bewegungsfähigkeit etwas ein, so dass wertvolle Sekunden vergingen. Jeff Lackey fuhr mit seinen Fingern über die Tasten der Steuerung.

Er schloss das Helmvisier sowohl bei sich, als auch bei Paul.

Das wird knapp, verflucht knapp, murmelte er vor sich hin. In Paul McCall, der sich bis dahin überhaupt nicht gerührt hatte, kam plötzlich Leben. Mit einem seltsamen Laut, der soviel wie Nein bedeuten sollte, versuchte er Jeff Lackey von seinem Vorhaben, den Gleiter aus der Gefahrenzone zu bringen, abzuhalten. Ein Gerangel entstand. Zuvor war es Jeff Lackey allerdings noch gelungen, die Landesequenz einzugeben. Mensch, Paul, ich bin's doch dein alter Kumpel Jeff. Jeff Lackey versuchte Paul abzuwehren, der beständig anstrebte, an die Tastatur der Steuerung zu gelangen. Paul schien Jeff überhaupt nicht zu hören. Er gebärdete sich wie ein Verrückter.

In diesem Moment setzte der Gleiter zur Landung an, doch die Entfernung war zu knapp gewesen, wie Jeff Lackey bereits vermutet hatte.

Ein Ruck ging durch den Gleiter als er die ersten Felsen am unteren Rand des Olympus Mons streifte.

Paul McCall und Jeff Lackey flogen mit voller Wucht auf die Tastatur der Steuerung. Ein Lämpchen blinkte auf. Das Letzte was Jeff Lackey spürte, war ein ziemlich harter Aufprall.

Dann war da nur noch Schwärze.

*

Mensch, tut das weh, dachte Jeff Lackey, als er erwachte. Langsam öffnete er seine Augen. In seinem Kopf hatte sich ein stechender Schmerz breitgemacht, der aber rasch abebbte. Er fühlte ein Pulsieren an seiner Schulter. Dort, wo sich das Nano-Pack befand.

Schauder erfassten ihn.

Warum wurde das Nano-Pack aktiv? Es bestand eigentlich kein Anlass dazu.

Am liebsten hätte Lackey es sich vom Körper gerissen. Aber das war unmöglich. Der schwere Druckanzug hinderte ihn daran und den jetzt auszuziehen wäre fahrlässig gewesen.

Sein Blick fiel auf die Steuerkonsole des Gleiters. Jetzt fiel ihm auch wieder ein, was passiert war.

Er war mit Paul McCall zusammen zu einem Langstreckenflug aufgebrochen und dann...ja...dann waren sie abgestürzt.

Paul?, fragte Jeff Lackey in das Mikrofon seines Helms hinein. Ein Stöhnen war die Antwort. Jeff blickte sich um. Paul McCall lag in merkwürdig verrenkter Stellung in der anderen Ecke des Gleiters.

Jeff Lackey rutschte zu ihm hinüber. Paul, was ist mit dir? Sag doch etwas! Vorsichtig zog er den leblos wirkenden Paul an sich heran. Jeff bettete ihn auf den Sitz. Nun konnte er durch den Helm Paul McCalls Gesicht sehen. Ein roter dünner Faden Blut rann ihm aus dem Mund. Paul hatte die Augen geöffnet, aber er schien durch Jeff Lackey hindurch zu sehen.

Paul! Ich bin bei dir. Jetzt nur nicht aufgeben. Rettung ist bestimmt schon unterwegs.

Jeff Lackey war sich dessen sicher, denn der Gleiter war so ausgestattet, dass im Falle eines Unglücks ein automatisches Notsignal abgesetzt wurde. Sie brauchten also nur zu warten.

Die Frage ist nur, wie lange hält Paul das durch, dachte Jeff.

Er legte seine Hand auf Pauls Arm.

Paul öffnete den Mund. Es schien, als wollte er etwas sagen, doch nur ein Schwall Blut schoss aus seinem Mund heraus und ergoss sich in den Helm. Dann rührte er sich nicht mehr. Paul? Jeff rüttelte an ihm herum. Er begriff erst mit einer gewissen Verzögerung. Paul McCall war tot.

*

Die Luft in der Gleiterkabine war schnell durch die entstandenen Risse in der Außenhülle entwichen.

Sämtliche Kommunikationssysteme waren ausgefallen. Es gab nicht einmal mehr die Möglicheit zu einem Notsignal. Lackey wusste, dass eine Suche nach ihm Wochen oder gar Monate dauern konnte.

Eie Frage ließ in nicht los.

Was war es, das Paul so beeinflusst hat?

Er ahnte die Antwort.

Sie gefiel ihm nicht.

*

Nach einer Marswoche waren die letzten Sauerstoffpatronen verbraucht. Eine Aufbereitung war angesichts der Zerstörungen im Gleiter nicht möglich.

Lackey versuchte, einen kleinen Sender zu bauen, aber die Chance, dass man ihn dadurch fand, war mehr als gering.

Das Nano-Pack wurde aktiv. Die neue Haut legte sich innerhalb von Sekundenbruchteile über seinen Körper, nachdem der Sauerstoffgehalt seiner Atemluft einen gewissen Wert unterschritten hatte.

Lackey wusste, dass er den Druckanzug abstreifen musste.

Es widerstrebte ihm, nahezu nackt in die eisige Marsatmosphäre zu treten.

Aber Lackey war klar, dass ihm keine andere Wahl blieb.

Er legte den Anzug ab.

Eigenartigerweise war ihm nicht kalt.

Sein gesamter Körper war von einer schwarzen Haut bedeckt, deren optische Struktur einem unglaublich dichten Schwarm wimmelnder Fliegen glich. Die Oberfläche war ständig in Bewegung. Aus den Füßen bildeten sich hauchdünne Fortsätze. Wurzen gleich drangen sie in den Boden. Lackey atmete nicht, aber er spürte, dass es ihm plötzlich besser ging.

Die Fortsätze zogen sich zurück.

Das kalte Sonnenlicht des Mars -—in Lackeys Empfindung fühlte es sich warm auf der Nano-Haut an.

Er hörte hinter sich ein Geräusch.

Schritte auf dem trockenen Marsboden.

Er drehte sich um.

Paul!, durchzuckte es ihn.

Auch er trug seine Nano-Haut.

Wie ist das möglich? Hat die Nano-Haut ihn regeneriert? Lackey hielt das für unwahrscheinlich. Nein, erkannte er. Die Haut hat seinen Körper nur als Trägersubstanz benutzt!

Sie gingen aufeinander zu. Es geschah wie automatisch. Lackey hatte das Gefühl, dass etwas Fremdes seine Bewegungen steuerte. Ihre Hände berührten sich. Die Nano-Haut zerfloss. Die Hände verschmolzen scheinbar für einige Augenblicke, bevor sie sich wieder trennten. Eine Flut von Bildern und Eindrücken überflutete Lackeys Bewusstsein. Im nächsten Augenblick wusste er, dass seine Vermutung richtig gewesen war.

*

Wochen vergingen.

Monate.

Ein Sandsturm fegte über das Gebiet hinweg. Es machte ihnen nichts aus. Sie suchten in nahen Felsmassiven Schutz. Immer mehr passten sie sich an das Leben in der Marswüste an.

Irgendwann werden sie vielleicht kommen, um uns zu retten, dachte das Wesen, das einst Jeff Lackey gewesen war. Aber es wird keine Rückkehr geben.

Alfred Bekker

KRAATOR!

Nur die Schnellen überleben.

Ein Gesetz der Evolution.

Und ich  war verdammt schnell. Ich warf mich zu Boden,kam hart auf, spürte einen leichten Schmerz an der Schulter. Ich rollte mich herum, während der Laserstrahl aus der Waffe meines Gegners dicht an mir vorbeizischte. Dort wo er aufkam, brannte er ein faustgroßes Loch in den Stein. Es zischte. Ein eigenartiger Geruch stieg mir in die Nase. Aber es war nicht der Geruch von verbranntem Menschenfleisch, denn den kannte ich. Oft genug hatte ich ihn in der Nase gehabt. Aber solange es nicht das eigene Fleisch ist, das brutzelt, ist auch das halb so wild.

(Alles eine Frage der Perspektive und des Standpunktes.)

Glück gehabt, dachte ich. Man konnte es auch anders herum sehen. Mein Gegner hatte schlecht gezielt.

Mach's besser!, meldete sich eine Stimme aus dem OFF meines Bewußtseins.Mach's verdammt nochmal besser!

Ich riß meinen Strahler hoch, feuerte und traf meinen Gegner mitten in die Brust—sofern man das so bezeichnen mochte. Es handelte sich bei meinem Gegner nämlich um einen vierarmigen, etwa zwei Meter fünfzig großen Kraator, dessen Haut so hitzebeständig war, daß ich meinen Strahler auf die höchste Energiesstufe hatte einstellen müssen, um bei ihm überhaupt eine Wirkung zu erzielen. Ich brannte ihm ein Loch in das dunkelgrüne, tunikaartige Gewand, das er trug. Darunter kam die schuppig wirkende Haut (oder sollte man Panzer dazu sagen?) zum Vorschein. Die Energie meines Schusses schleuderte den Kraator gegen die grauweiße Wand einer nahen Ruine. Ein dumpfes Geräusch entstand dabei Er rutschte zu Boden. In drei seiner vier prankenartigen Hände trug er Waffen. Einen Strahler, einen Nadler und eine Big-Bang-Gun genannte Pistole. Sie war in der Lage Explosionsgeschosse abzufeuern, die ihr Ziel selbständig verfolgten.

Die Kraator standen im Ruf, die besten Soldaten der Galaxis zu sein. Sie waren aus genetischen Experimenten auf dem Planeten Satra hervorgegangene Klone. Der zynische Geist, der das Patent ihres Gen-Musters besaß, mußte sich inzwischen daran dumm und dreckig verdient haben.

Ich verzog das Gesicht.

Wer hätte das gedacht, du kannst es sogar mit einem Kraator aufnehmen! ging es mir durch den Kopf.

Mein Gegner bewegte sich noch - trotz des daumendicken Lochs, daß ich ihm in seine Panzerhaut gebrannt hatte. Zwei seiner Waffenarme hingen schlapp herunter, schienen ihm nicht mehr zu gehorchen. Der Strahler war ihm entfallen. Eine weitere Pranke drückte er gegen die Stelle, an der ich ihn getroffen hatte. Sein schuppiges Gesicht war kaum mehr als eine Maske. Die Augen am Kopf wirkten starr. Es gab ein weiteres, geschlossenes Augenpaar am Hals, das zu einer zweiten Gehirnsektion im oberen Brustbereich gehörte. Diese zweite Gehirnsektion konnte im Fall eines Kopftreffers die Aufgaben des Haupthirns übernehmen.

Perfekte Söldner.

Biologische Tötungsmaschinen.

Killer.

Eiskalte Killer, die keine Skrupel, kein Gewissen, kein Zögern, keinen Ungehorsam und keine Furcht kannten.

(Und was bist du?, fragte die Stimme aus dem OFF meiner Gedanken. Vielleicht etwas besseres? Lächerlich...)

Wahrscheinlich hatte mein Treffer das Zweithirn meines Gegners zerstört oder zumindest stark in Mitleidenschaft gezogen.

Ich beschloß, auf Nummer sicher zu gehen, hob den Strahler und brannte meinem Gegner auch noch ein Loch in den Kopf. Genau zwischen die Augen.

Delete High Memory, so hätte das vielleicht ein antiker Meister der Programmierkunst in gleichermaßen schlichte wie wie ergreifende Prosa gebracht. Oder auch: Central Processor Union Error. Ich habe ein Faible für ausgestorbene irdische Sprachen und dieses ganze uralte Zeug, daß man in antiken, schon halbentmagnetisierten Datenspeichern so finden kann.

Der Kraator zuckte noch einmal.

Seine letzte Bewegung.

Ein gekillter Killer.

Unglücklicherweise löste er mit seiner letzten Bewegung, diesem unglückseligen Zucken, einen Schuß der Big-Bang-Gun aus.

Das Geschoß war ziemlich langsam. Viel langsamer als es ein Projektil des Nadlers gewesen wäre, ganz zu schweigen vom Laserblitz des Strahlers. Aber gemessen an der Reaktionsfähigkeit eines Menschen war auch die Geschwindigkeit des Big-Bang-Geschosses immer noch rasend schnell. Alles war eben relativ. Ich fragte mich, welcher große antike altirdische Denker diesen Satz geprägt hatte. Die weitverbreitete These, dass es ein gewisser Albert Einstein, ein Geigenvirtuose des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen war, konnte ich nicht ganz folgen. Ich tippte eher auf einen Komiker wie Woody Allen. Zu dumm, dass die Zeugnisse des zwanzigsten Jahrhundert so verdammt schlecht archiviert woren sind, dass man heute kaum noch gesicherte Erkenntnisse über diese Epoche hat. Aus. Vergessen. Die Keilschrift war eben haltbarer als die archaischen elektronischen Speichermedien jener Zeit.

Ich warf mich zur Seite.

Eine Reflexreaktion, die man mir eintrainiert hatte.

Eine Art posthypnotisches Programm, daß ich mir über den drahtlosen CyberSensor in meinem Nacken direkt ins Gehirn geladen hatte. Es war nicht das erste Mal,daß mir diese Konditionierung das Leben rettete. Man war einfach den Bruchteil einer Sekunde schneller.

Ich kam ziemlich hart mit der Schulter auf, das Projektil jagte an mir vorbei auf eine der unzähligen Ruinen zu, die diese trostlose Trümmerlandschaft prägten. Die Trümmer irgendeiner dieser alten Riesenstädte, die es in der Vergangenheit gegeben hatte. Old L.A., Old N.Y., Old London oder dergleichen mehr. Ich hatte es vergessen, welchen Namen DIESER Trümmerhaufen trug. Spielte auch keine Rolle. Das einzige, was in diesem Moment zählte war, daß ein paar Kraator mich töten wollten und ich es geschafft hatte, den ersten von ihnen zu erledigen.

Das Projektil bremste vor der Ruinenmauer ab.

Er verfügte über einen autonomen Antrieb und eine elektronische Gegnererfassung. Einfach ausgedrückt: Es jagte alles, was sich bewegte. Naja, etwas komplizierter war es schon. Jedenfalls war das Ding in der Lage mich zu erkennen und zu verfolgen wie ein Insekt.

Es beschleunigte, surrte mit einem unangenehmen Brummton in meine Richtung.

Mir blieb kaum mehr als ein Augenaufschlag.

Ich griff an meinen Gürtel und aktivierte den Magnet-Schocker.

Gerade noch rechtzeitig.

Das mikroelektronische Innenleben des Projektils wurde erheblich verwirrt. Genau dafür waren diese Magnet-Schocker auch gemacht, obwohl man jedem nur abraten kann, sich auf sie zu verlassen. Das Big-Bang-Projektil surrte an mir vorbei und ich betete.

Wenn es jetzt in die nächte Ruine hineinkrachte, nützte mir das überhaupt nichts. Die Explosion wäre gewaltig genug gewesen, um mich trotzdem in Stücke zu reißen. Ich hätte schon Kraator sein müssen, um eine Detonation jener Größenordnung aus dieser geringen Distanz überleben zu können. Und selbst ein Kraator hätte wahrscheinlich auf das Funktionieren seiner zweiten Hirnsektion vertrauen müssen.

Der Unterschied war nur, daß  Kraator psychisch so konditioniert waren, daß ihnen der Tod nichts ausmachte.

Mir allerdings schon.

Ich war schließlich erst hundert Jahre alt, also in den besten Jahren.

Das Ding raste auf die Ruinenwand zu.

Eigentlich war der Magnet-Schocker so programmiert, daß er Geschosse wie das Big-Bang-Projektil auf eine ausreichende Distanz brachte.

Eigentlich...

Wie gesagt, man darf sich nicht darauf verlassen. Manchmal klappte das nicht. Ich zählte die Sekunden. Dann zog das Big-Bang-Projektil im letzten Moment nach oben, in einer schrägen Linie direkt in den aschgrauen Himmel hinein.

Einige Augenblicke lang geschah gar nichts. Dann hörte ich die Detonation. In den Wänden der umliegenden Ruinen entstanden Risse. Hier und da bröckelten Steine aus dem Mauerwerk. Betonbrocken lösten sich, brachen herunter. Ich taumelte durch diese Erdbebenlandschaft, atmete auf und deaktivierte den Magnet-Schocker.

Dann überprüfte ich die Justierung meines Strahlers. Wenn ich Pech hatte, machte sich die Wirkung des Schockers auch dort bemerkbar. Se etwas kam immer wieder vor, auch wenn die Herstellerhinweise vorgaben, das mit angeblich über 99prozentiger Sicherheit ausschließen zu können.

Ich entfernte mich vom Ort der Detonation. Schließlich wollte ich keine giftigen Rückstände mitbekommen. Dann überquerte ich eine breite Straße, die sich wie eine Schneise durch die Ruinenlandschaft zog. Irgendwo in der Ferne waren Trommeln zu hören.

Ich grinste unwillkürlich.

Ja, die Trommeln...

Die hatten eigentlich auch noch gefehlt zur typischen akkustischen Kulisse eines OutlawSector oder kurz OS.

Mitunter war auch der Begriff OS-Zone üblich.

Bewaffnete Gangs in martialisch wirkender Kleidung, die sich um eine Feuerstelle herum gruppierten, im Hintergrund der dumpfte Klang der Trommeln. Manchmal hatte ich den Eindruck, daß sich bei den Angehörigen dieser Gangs die Muster altirdischer Stammesgesellschaften wieder durchgesetzt hatten.

Aber das war ein Zusammenhang, der wohl nur denen auffiel, die sich etwas intensiver mit der Vergangenheit dieses Planeten namens Erde befaßt hatten. Auf mich traf das zu. Es war eine Art Hobby.

Ich befand mich in der Mitte der Straße und fragte mich einen Sekundenbruchteil lang, ob ich vielleicht in die falsche Richtung ging - den trommelnden OS-Bewohnern direkt in die Arme. Und die gingen nicht unbedingt zimperlich mit denjenigen um, die sich in ihre Gebiete verirrten. Ins OutlawLand. In die OS-Zone. Andererseits waren sie sicherlich angenehmere Gegner als die beiden Kraator, die hier noch irgendwo in den Trümmern herumstrichen und auf der Jagd nach mir waren.

(Kraator in der OS-Zone?, ging es mir durch den Kopf.

Wer hatte davion je gehört?

Egal!

Sie wren hinter mir her und das warim Moment das einzige, was zählte.

Wer im falschen Moment grübelt, beißt ins Gras.

Ins Gras beißen - auch so eine altirdische Metapher. die aus irgend einem Grund überlebt hatte. Der Historische Hintegrund bildetete vermutlich das Drogenproblem des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Gegner dieser Theorie behaupten, dass Gras nicht gebissen, sondern gerauht wurde.

Nun denn...)

Ich hatte die andere Seite schon fast erreicht, wollte mich in einem verfallenen Hochhaus in Deckung begeben, da nahm ich an einem der glaslosen Fenster im Erdgeschoß dieses monströsen Betonskeletts eine Bewegung wahr.

Ein kurzer Moment der Erstarrung folgte.

Eine Art Lähmphase, gemeinhin auch Schrecksekunde genannt, die meine Konditionierung zwar reduzieren aber nicht völlig aus der Welt schaffen konnte. Ich war ein Mensch. Was immer das im fünfundreißigsten Jahrhundert auch sein mochte. Ein Mensch mit allen Nachteilen seiner Gattung. (Und die Kraator? dachte ich in irgendeinem hinteren Winkel meines Bewußtseins. Du teilst mehr als 99 Prozent deiner Gene mit ihnen...)

Verdammt, irgendwie habe ich keine Lust mehr auf den Mist! sagte ich laut.

ETWAS kam aus dem Fenster herausgesprungen. Die Gestalt eines Kraator. Er rollte sich auf dem Boden ab, riß seine Waffen empor und feuerte dann gleichzeitig mit Strahler, Nadler und Big-Bang-Gun auf mich.

Ich verzichtete darauf, den Schocker zu aktivieren oder meinen Strahler abzufeuern.

Warum auch?

Ich stand einfach da und ließ mich erschießen, denn ich wußte, daß es dann am schnellsten vorbei war.

Zuerst traf mich der punktgenaue Laserstrahl. Zischend brannte er mir ein Loch in die Herzgegend, den Aufprall des Nadelgeschosses bekam ich überhaupt nicht mehr mit. Daß der Kraator danebengeschossen hatte, konnte ich allerdings kaum annehmen. Und dann folgte das Big-Bang-Projektil.

Die Explosion war verdammt grell.

Ich schloß die Augen, aber das nützte nichts. Eine sinnlose Reflexreaktion, denn die Daten dieses interaktiven Spiels wurden über den drahtlose CyberSensor in meinem Nacken direkt auf meine Sinnesnerven übertragen. Nichteinmal eine Netzhautentfernung hätte mir diesen grellen Blitz ersparen können.

Mein Cyber-Ich wurde in dieser furchtbaren Detonation förmlich zerrissen. Ich konnte die Hitze spüren, den Druck. Es war sehr realistisch.

Ich konnte das beurteilen, schließlich hatte ich auch in der corporalen Realität (der Begriff 'corporal' war irgendwann im 22. Jahrhundert als Gegenbegriff zur sogenannten 'virtuellen' Realität entstanden) schon in ähnlichen Situationen gesteckt. Ich hatte sogar bereits gegen coroporale - körperlich existierende - Kraator gekämpft und überlebt.

Ihre virtuellen Counterparts waren vielleicht sogar noch etwas cleverer als ihre corporalen Vorbilder.

>Das Programm endete mit Ihrem virtuellen Tod, Benutzer Ash Brown>, klärte mich eine Cyberstimme auf. Es war keine echte Stimme, nichts was jemand außer mir hätte hören können. Genau genommen handelte es sich lediglich um eine Impulsfolge mit der meine Hörnerven stimuliert wurden, wodurch ich in der Illusion lebte, diese Stimme zu hören. (Illusion? dachte ich. Du denkst immer mehr in den Denkmustern deiner Vorfahren, mit deren Geschichte du dich so gerne beschäftigst. Sonst würdest du dieses Wort nicht benutzen. Du würdest statt dessen corporale und virtuelle Realität als gleichwertige Ebenen in gegenseitiger Abhängigkeit betrachten. Der Begriff Illusion beinhaltet eine Wertung... Eines Tages wirst du auf das Denk- Niveau der OS-Bewohner hinabsinken, die jegliche Cyber- Technik für Teufelszeug halten!)

>Möglicherweise sollten Sie bei einer nochmaligen Verwendung des Programms CYBER SHOOTER darauf achten, ein niedrigeres Anspruchs- und Reaktionslevel auszuwählen>, riet mir die Cyberstimme. >Benutzer Ash Brown, wollen Sie jetzt die Optionen für eine zukünftige Benutzung des CYBER SHOOTER definieren?>

Ich möchte das Programm deaktivieren, sagte ich laut. Ein entsprechender Gedankenimpuls hätte genügt, aber irgendwie fühlte ich mich etwas müde und es fiel mir leichter, mich zu konzentrieren, wenn ich laut sprach.

>Deaktivierungssequenz wird eingeleitet, Benutzer Ash Brown. Möchten Sie, daß eine persönliche Version des Programms CYBER SHOOTER mit allen persönlichen Features für Sie in den Zentralspeichern des CosmoNet gespeichert und ständig über den Code ihres persönlichen CyberSensor abrufbar sein wird?>

>Nein. Löschen>, erwiderte ich in Gedanken und wiederholte es gleich darauf noch einmal laut: Löschen.

Hat Ihnen das Programm CYBER SHOOTER nicht gefallen, Benutzer Ash Brown? Wenn Sie Kritik oder Anregungen haben, so geben Sie diese bitte in den CosmoNet-Zugang ihres Mentalspeichers ein.

Ich habe nichts auszusetzen.

Diese Abfragerei während der Deaktivierungssequenz von Spielprogrammen war ziemlich nervig. Und man mußte außerdem noch höllisch aufpassen, daß die Hersteller oder Vertreiber einem nicht an den Systemeinstellungen des CyberSensor herummanipulierten. Bei unseriösen Anbietern konnte es schonmal vorkommen, daß man dann völlig unerwartet (und natürlich in den ungünstigsten Momenten) Werbeeinblendungen auf die Netzhaut projiziert bekam.

Ich hatte meine Tricks, um die Abfrage-Prozedur abzukürzen. Über den CosmoNet-Zugang meines Mentalspeichers gab ich eine entsprechende codierte Sequenz ein. Es handelte sich um eine Art Datenvirus, der über das Hyperfunknetz von Iwe (der Föderation der Inneren Welten) den Zentralrechner des Vertreibers aufspürte und dafür sorgte, daß alle meine Daten aus dessen System verschwanden, so als hätte es den BENUTZER Ash Brown nie gegeben.

Auf diese Weise brauchte ich für den Gebrauch eines Spielprogramms wie dem CYBER SHOOTER noch nicht einmal zu bezahlen.

Ich befand mich in meiner Wohnung in Barcana, einer aus dem Meer hervorragenden ultramodernen Turmstadt. Eine bevorzugte Wohngegend, so konnte man selbst ein kleines Appartment in Barcana nennen. Ich hatte eine große Suite mit angrenzenden Büroräumen. Ich hasse nichts mehr als Enge. Man muß sich in den eigenen vier Wänden bewegen können. Man sollte diese Wände sogar verschwinden lassen können, wenn einem danach ist.

Mir war danach.

In der Sichtanzeige in meinem linken Auge verblaßte gerade das Logo der Herstellerfirma des CYBER SHOOTER. Über meinen CyberSensor stellte ich Verbindung zum Wohnungsrechner her. Die Wand, die sich etwa fünf Meter von mir entfernt befand, schien sich aufzulösen, wurde transparent und einen Augenblick später hatte ich eine fantastische Aussicht auf das Meer, daß irgendein antiker Namensgeber das MITTELMEER genannt hatte, weil es gewissermaßen den Mittelpunkt der damals bekannten Welt dargestellt hatte.

Die Küste lag im Nebel.

Von Barcana aus - zumindest, wenn man nicht gerade in den untersten, deutlich preiswerteren Stockwerken wohnte - konnte man bei besserem Wetter bis zu den Ruinen von Alt-Barcelona hinübersehen. In antiker Zeit war Alt-B, wie man den Steinhaufen auch nannte, angeblich eine blühende Stadt gewesen. Ich halte das für ein Gerücht. Genauso wie die Behauptung, daß es bis ins dreiundzwanzigste Jahrhundert dort einen Schiffshafen gegeben hat. Aber ich bin ja auch nicht mehr als ein Amateurhistoriker.

Jetzt gehörten die Ruinen von Alt-B jedenfalls zu einem OS -—einem OutlawSector. Wenn man die akkustischen Sensoren, die auch das Meeresrauschen ins Innere der Wohnung übertragen konnten, auf das höchste Level einstellte und außerdem genügend Filter aktivierte, dann konnte man sogar die Trommeln der OS-Leute hören...

Für sie gab es kein CosmoNet, keine Cyberspiele, keine galaxisweite Vernetzung mit allem und jedem -—zumindest im Bereich von Iwe. Was die Rand-Föderation, die Äußeren Kolonien oder die Autonomen Welten anging, war das zum Teil ja etwas schwieriger. Aber das CosmoNet breitete sich immer weiter aus. Es wuchs wie ein Spinnennetz aus Hyperfunklinien und Transmitterstraßen. Jedes Raumschiff, daß weiter in unbekannte Gebiete vordrang, gehörte dazu, war über dieses Netz mit den zivilisatorischen Zentren der Menschheit verbunden.

Ich sehe, du bist endlich fertig mit deinem Baller-Spiel, hörte ich eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich langsam um und sah die grazile Gestalt einer jungen Frau. Sie trug das Haar offen. Es reichte ihr bis weit über die Schultern. Ein beinahe knielanges Gewand aus einem fließenden Stoff schmiegte sich an ihren Körper. Sie lief barfuß, lächelte.

Ich erwiderte ihr Lächeln.

Ich verstehe nicht, was dir das gibt, meinte sie.

Man bleibt im Training.

Ach, Quatsch!

Nein, es ist wirklich so.

Sie näherte sich lautlos, berührte mich leicht am Unterarm. Ihre wohlgerundeten Brüste hoben und senkten sich, während sie atmete und drückten sich dabei gegen den Stoff ihres Gewandes.

Sie war die Frau, mit der ich seit fast zwei Jahren zusammenlebte.

Anra Kuzzan, 32 Jahre alt, was bedeutete, daß sie nicht einmal ein Drittel meines Alters hatte. Durch meine Beschäftigung mit der grauen Vorzeit des zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhunderts wußte ich, daß es einmal eine Zeit gegeben hatte, in der so etwas von Bedeutung gewesen war. Das allgemeine Gen-Tuning hatte den Tod, das Alter und den Verfall zwar nicht abgeschafft, aber es war gelungen, diese Dinge erheblich weiter hinauszuschieben, als daß unseren kurzlebigen Vorfahren vergönnt gewesen ist.

Ich strich über Anras seidiges Haar.

Wie hieß das Programm, daß du dir auf die Netzhaut gedröhnt hast? fragte sie.

Nicht auf die Netzhaut. Auf die Sehnerven.

Ist doch egal, oder?

Netzhautübertragungen haben nicht die nötige Qualität, die taugen nur für Kontrollanzeigen und Info-Programme.

Sie stubste mich leicht. Du willst mich ärgern, was?

Necken.

Wie auch immer. Sie sah mich an, wirkte nachdenklich. Ein Gesichtsausdruck, den ich nur zu gut bei ihr kannte. Manchmal denke ich, daß du eines Tages genauso spurlos verschwindest wie eine dieser CosmoNet-Applikationen und mir die Cyber-Stimme in die Hörnerven flüstert: 'Benutzerin Anra Kuzzan, die Anwendung Ash Brown mußte aufgrund eines fehlerhaften Zugriffs geschlossen werden...' und du dich einfach in Luft auflöst.

Ich bin aus Fleisch und Blut. Beziehungsweise aus DNA und Wasser.

Es sollte ein Witz sein.

Sie lachte nicht.

Du bist hier vor zwei Jahren so plötzlich aufgetaucht, Ash. Wie aus dem Nichts. Und wenn ich ehrlich bin, dann weiß ich immer noch kaum etwas über dich - außer, daß du eine Sammlung halborganischer Fingerkuppen besitzt, um Finger- Print-Scanner zu betrügen, wenn du in einer anderen Identität unterwegs bist.

Ich hob die Augenbrauen.

Willst du mich jetzt über meine Vergangenheit ausfragen?

Ihre Hand glitt die Struktruren meiner Kombination entlang.

Nein, ich weiß, daß das keinen Zweck hat. Du bist ein Phantom.

Hängt mit meinem Job zusammen.

Das ist nur die eine Hälfte der Wahrheit...

Ich legte den Arm um sie. Unsere Lippen berührten sich flüchtig.

Ein mildes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Ein Ablenkungsamanöver, stellte sie fest.

Das bildest du dir ein.

Nein, ich glaube nicht. Ich kann nämlich deine Gedanken lesen, Ash Brown - oder wie immer du wirklich heißen magst.

Was du nicht sagst...

Ja - und zwar ganz ohne telepathische Psi-Begabung wie bei den pflanzlichen Intelligenzen von Gataran!

Ich habe den Namen schonmal gehört...

Bestimmt von mir. Sie schlang ihre Arme um meinen Hals. Ist eine Iwe-Welt. Wir schicken von unserem Reisebüro aus regelmäßig Psychotouristen dorthin, damit sie auf Gataran an Encounter-Gruppen teilnehmen können. Manche Unternehmen schicken ihre kompletten Belegschaften kostenlos zu diesen Psychohygiene-Kursen.

Die Begegnung mit sich selbst - auf dem Umweg über eine telepathisch begabte Pflanzenintelligenz.

Sie strich mir über die Stirn, fuhr mit ihren Fingern die Schläfe, dann das Kinn entlang und landete schließlich auf meiner Schulter.

Ein Lächeln umspielte ihre vollen Lippen. Ein Lächeln, so einzigartig wie sonst kaum etwas im Universum. Meine persönliche Sonne, um die im Augenblick das ansonsten etwas instabile System meines privaten Glücks kreiste.

Manche Leute brauchen diese Art Umwege, um sich selbst zu erkennen, Ash.

Manche Leute können halt nicht genug davon bekommen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, Anra.

Manche Leute sagen so etwas nur, weil sie in Wahrheit eine Heidenangst davor haben, sich einem anderen Menschen wirklich zu öffnen.

Ein kurzes Signal zeigte mir an, daß Anra offenbar durch einen Impuls ihres CyberSensor das Antigravfeld aktiviert hatte. Es füllte etwa sechs Quadratmeter dieses Raums aus und flimmerte in verschiedenen Farben. Eine rein optische Markierung, die Unfälle durch ein versehentliches Hineintreten verhindern sollte. Sie zog mich mit sich. Komm, sagte sie. Ich muß für zwei Tage weg und werde furchtbar Sehnsucht nach dir haben.

Wohin geht's denn?

Tywyn. Ich treffe mich da mit einem unserer Lizenznehmer, mit dem es Ärger gibt...

Kann man so etwas nicht durch eine virtuelle Reise regeln?

Ich möchte verhindern, daß meinem Cyber-Ich irgendwelcher Mist vorgegaukelt wird.

Verstehe...

Wir sanken auf das Antigravfeld, schwebten dann im nächsten Augenblick engumschlungen in dem farbigen Geflimmer. Vielleicht war das eine der stärksten Gemeinsamkeiten zwischen uns: Wir teilten die in den Augen mancher Leute schon altmodisch erscheinende Vorliebe für corporalen Sex. 

GERD MAXIMOVIC

HINTER DER TÜR

3 neue Erzählungen

Copyright

Impressum

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und

BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Cover by pixabay, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin

Munsonius.

Bewußt in alter deutscher Rechtschreibung

*www.AlfredBekker.de *

*postmaster@alfredbekker.de *

Klappe

Was machen Sie, wenn ein Alien in Ihrem Keller landet und Ihren Haushalt total durcheinander bringt und Sie am Ende nicht einmal mehr die Uhrzeit  richtig ablesen können? Ja, genau, Sie rufen Ihre Freundin an. Sie weiß nämlich Rat!

Was machen Sie, wenn Aliens durch Gedankeneinfluß mörderisch auf Ihre Weltraumstation zugreifen und alles durcheinander bringen und Ihre Leute dort nur noch irre Fehler begehen? Genau, Sie rufen Ihre Frau auf der Erde an. Sie weiß nämlich Bescheid und wird Ihnen helfen, wobei die Entfernung überhaupt keine Rolle spielt!

Was machen Sie, wenn in ferner Zukunft eine gigantische Armada überlegener Aliens die Erde und ihre Territorien angreift? Man erinnere sich, wie die Engländer 1588 die Spanische Armada und die Japaner lange davor die Mongolen gleich zweimal zurückgeschlagen haben. Durch Frauen? Nein, diesmal nicht, sondern vor allem durch Beten. Indem sie Gott anflehten, daß er ihnen genau die vernichtenden Stürme schicken möge, die dann in allen drei Fällen dem Raubzug ein Ende bereiteten. Aber hilft Beten auch in den fernen, energie-durchtosten Zwischenzonen?

Lesen Sie diese drei großartigen Erzählungen selber, lassen Sie sich überraschen! Nehmen Sie drei höchst unterhaltsamen, äußerst spannende Erzählungen des deutschen Meisters der erzählenden Kurzform zur Kenntnis!

Hinter der Tür

Das Telefon klingelte.

Er nahm den Hörer ab. Ja?

Ich bin's.

Suzy?

Ja.

Wo bist Du?

Am Bahnhof.

Er grinste etwas, weil er das schon wußte. Er hatte ihr Signal vor einer Sekunde empfangen.

Kommst du rüber? fragte er.

Ja, würde ich gerne tun.

Aber?

Ich traue mich nicht.

Die Leute dort?

Ja.

Belästigen sie Dich?

Nein.

Aber?

Sie bedrohen mich. Gefühlsmäßig.

Du meine Güte, dachte er. Das hat man davon, wenn man manchmal über besondere Fähigkeiten verfügt. Aber, bitteschön, die Verbindung mit einem lieblichen Mädchen wie ihr bringt oft große Vorteile mit sich. Und er brauchte sie jetzt dringend. Sehr dringend.

Ich hol' Dich ab, sagte er. Ich bin bald dort. Wo genau wartest Du, Suzy?

Am Eingang, erwiderte sie, dort, wo die Taxis stehn.

Wie geht's Dir? fügte sie plötzlich hinzu.

Negativ, erwiderte er.

Negativ? Warum? Oh ja, sie erinnerte sich plötzlich, der neue Einfluß dort? Verursacht er wieder Ärger?

Ja, antwortete er knapp, und es hing ihm wie ein Kloß im Hals.

Körperlich?

Ja, es hat einen Spiegel zerstört.

Du meine Güte! Und geistig?

Ja.

Wieder dieses störende Geräusch in Deinem Kopf?

Genau in diesem Augenblick verspürte er das anschellende Geräusch in seinem Kopf, als wäre dort ein Dampfhammer in Betrieb, aber es legte sich rasch wieder, Suzys positiver Einfluß tat ihm anscheinend wirklich gut.

Wir kümmern uns darum, sagte sie auf einmal mit einem so entschiedenen Ton in ihrer lieblichen Stimme, daß dieser selbst ihn, Hans Hargarden, erschauern ließ.

Okay, murmelte er, ich bin gleich da.

Sehr schön, bis dann.

Er liebte sie so sehr, und er brauchte sie. Und sie war fast sofort gekommen, als er sie diesmal anrief. Ja, der Ärger, den sie erlebten, war von zweierlei Art. Es handelte sich nicht nur um die in der Wohnung angerichteten Verwüstungen, wie die von links unten nach ganz rechts oben verlaufenden Risse im Spiegel. Sondern es ging auch um eine Warnung, die er gegen sein Wissen und gegen seinen Willen erhalten hatte. Ausgesprochen verzweifelt schaute er nach der Uhr in seinem Wagen. Fünf vor Zwölf.

Es brauchte seine Zeit, aber endlich kam er am Bahnhof an. Zu seinem Glück war eine Lücke für seinen Wagen frei, und er parkte ein, doch für einen Augenblick bereitete es ihm Mühe auszusteigen. Er schauderte und torkelte, und unter den mißtrauischen Blicken anderer Leute ringsum fiel er fast auf den Boden, und dann kam ausgerechnet Suzy und half ihm auf. Er nahm sich zusammen, und einen kurzen Augenblick lang starrte er auf den Eingangsbereich des Bahnhofs, über dem eine besonders große Uhr weit oben hängt. Er erschauerte wieder, aber unzweifelhaft stand dort für ihn: FÜNF VOR ZWÖLF.

Sie wischte sein schweißnasses Gesicht ab. Wie kann es sein - der Gedanke kam von selbst -, daß Aliens bei uns eindringen? Reisen sie mit einem Schiff, landen sie auf dem Bahnhofsplatz und schwenken sie Blumen in ihren Händen, um zu verkünden: da sind wir nun! Freut uns, Euch zu sehen!

Oder trägt es sich ganz anders zu, so daß du gar nicht weißt, daß sie angekommen sind, und vielleicht ist es auch ihnen nicht klar, daß sie hier sind, und zwar irgendwo an einem fremden Ort, weil ihr Fahrzeug versagte oder weil mit der Steuerung etwas nicht stimmte, oder - zum Teufel - möglicherweise wurden sie ganz zufällig an einen höchst unwichtigen Ort gesaugt, so daß dies und der erste Kontakt in ganz anderer Weise verlief, als es sich irgend jemand hätte vorstellen können. Gefährlich, doch ganz unauffällig.

Wie spät ist es? fragte Suzy mit den lieblichen grünen Augen und dem braunen Haar.

Was?

Betroffen kauerte er hinter dem Steuer, wie ihn die Ideen hinsichtlich der Aliens überkamen, und er dachte: warum wir, warum hier?

Wie spät ist es? Und sie wies auf die Uhr.

Verdammte Uhr, fluchte er.

Nun? Sie runzelte die Stirne.

FÜNF VOR ZWÖLF, las er ab und startete den Motor, der stotterte und wieder aus ging, er benötigte drei Versuche, ihn erneut sauber zum Laufen zu bringen.

Sie warf einen Blick auf die Uhr an ihrem Handgelenk.

Es ist zwanzig Uhr, sagte sie vorwurfsvoll. Das ist Dir doch klar, Hans?

Natürlich, erwiderte er, nun mit gefestigert Stimme.

Er räusperte sich.

Er hatte ihr am Telefon von der irren Uhr erzählt. Zuerst war es für ihn nur eine Uhr, die verrückt spielte. Alle anderen Leute lasen die richtige Zeit ab, ihm als einzigem zeigten diese Uhr und jene verdammte Uhr auf den Domtürmen und alle anderen Uhr an: FÜNF VOR ZWÖLF! Und nun sickerten diese merkwürdigen Ideen von den Aliens in sein Gehirn ein! Woher kamen diese Vorstellungen, und wie sollte er dieses Problem lösen? Suzy war ein gutes Mädchen, er spürte sie in sich, sie war seine Stärke, sie würde ihn nie verlassen, und sie lauschte aufmerksam der verrücktesten Geschichte in ihrem Leben, nämlich die der letzten paar Tage.

Wir sind da, sagte sie, als sie auf den Wall hinauf abbogen.

Sie kannte dieses Haus recht gut, aber jetzt, auf einmal, erblickten sie Feuerwehrautos mit blauen Blinklichtern und Polizeiwagen und eine anschwellende Menschenmenge vor dem Grundstück. Und unter dem Dach loderte Feuer, genau dort, wo er wohnte. Flammen schlugen aus dem Dachstuhl heraus, und ein Polizist, der die Szene absperrte, kam zu ihrem Wagen herüber und fragte:

Sie wohnen hier?

Da oben! Hans wies unmittelbar auf den Brand.

Dort ist Feuer ausgebrochen, stellte der Beamte gelassen fest.

Wann?

Der Beamte nannte die Zeit. Genau ein paar Minuten, nachdem Hans das Haus verlassen hatte.

Da können sie nicht hinein, erkärte der Beamte, während die Feuerwehrleute eine bis zum Dach reichende Leiter aufstellten.

Es sind Sachen im Keller, sage Hans. Die möchte ich bergen. Können wir dort hinein?

Chef, der Polizist telefonierte hinüber, hier ist ein Anwohner. Er möchte in den Keller, um Sachen in Sicherheit zu bringen.

Der Chef, nicht weit entfernt, schaute herüber zu dem Beamten und dem Wagen, und vielleicht beurteilte er die Lage richtig, oder er folgte bloß einem unbestimmten Gefühl.

Aber nur in den Keller, erklärte er mit unterdrückter Stimme. Und sagen Sie ihnen, daß sie schnell machen müssen. klar?

Nur in den Keller, und beeilen Sie sich, bitte, sagte der Beamte. Haben Sie das verstanden?

Unmißverständlich, laut und klar.

Vor ihnen, gleich da drüben, lag der Korridor, wo Mieter billige Teppiche ausgebreitet hatten, um das öde Treppenhaus etwas gemütlicher zu gestalten, dann die zum Keller führende Türe. Mit Widerwillen war Hans in der letzten Zeit an dieser Türe vorbeigegangen; dabei hatte er überlegt, ob er sie öffnen sollte, um nachzuschauen, was sich hinter ihr verbarg. Aber er konnte es nicht. Er konnte es nicht, weil ein unheimliches Gefühl und eine Sperre in ihm auftraten, die ihm einen Eintritt dort verwehrten. Aber jetzt, mit Suzy an seiner Seite, sollte es gelingen.

Er berührte den Türgriff, der Schlüssel ließ sich nicht so ohne weiteres in dem Schloß umdrehen - lag das am noch weit oben tobenden Feuer und der mit ihm verbundenen Hitze? Nein, Hans' Finger zitterten, aber endlich gelang es ihm doch, die Türe zu öffnen.

Noch immer ruhten seine Finger auf dem Griff, da packte  Suzy ihn an der Schulter.

Was ist das da drüben? wollte sie wissen.

Oh ja, man durfte nur Blumen auf die Stufen stellen, aber er hatte diesen zerbrochenen Spiegel dort abgesetzt, von dem jetzt Scherben den Fußboden bedeckten.

Das ist der Spiegel, er ist zerbrochen, würgte er hervor.

Ich weiß, erwiderte sie kühl. Warum ist er zerbrochen?

Von selber, so, wie es aussieht.

Oh nein, er ist nicht von selber zerbrochen, dachten beide. Unmöglich. Ohne daß ihn jemand berührte? Hatte man jemals einen Spiegel erblickt, der in dieser Art zersplitterte, indem Risse von links unten nach rechts oben auf dem Glas verliefen?

Du wolltest ihn da unten abstellen? fragte sie sanft.

Ja, aber es gelang mir nicht, die Türe aufzuschließen.

Tja, ich würde auch nicht gut in ihm aussehen, versuchte Suzy es mit einem Scherz, obwohl auch sie von einem seltsamen, von jenseits der Türe her rührenden Gefühl ergriffen wurde.

Scherben bringen Glück, stellte er mühsam fest.

Hoffentlich.

Er war es nicht gewesen. Wer hatte das Glas zerbrochen? Etwas, das sich hinter der Tür befand? Nun hatten sie beinahe ausgesprochen, was sie beide dachten, und es erschreckte sie.

Gewiß, da befand sich irgend etwas Einflußreiches hinter der Türe, dort drin im Keller, und zwar seit einigen Tagen, übrigens zufällig genau seit dem Zeitpunkt, da alle seine Uhren und alle anderen Uhren anstelle der richtigen Zeit FÜNF VOR ZWÖLF anzeigten.

Und es gab noch mehr zu bedenken, überlegte er, noch immer den Türgriff umklammernd.

Die Anspannung wuchs, versetzte er.

Du meinst das Geräusch?

Ja, sowas wie Schwingungen in meinem Kopf. Er leckte sich die Lippen. Immer, wenn ich daran dachte.

Das Geräusch stammt aus dieser Quelle? fragte sie, und sie wußte, es war kein Lärm von draußen, etwa aus der Nachbarschaft oder von der Straße.

Kein störendes Geräusch von draußen, bestätigte er. Es klingelte bloß in meinem Kopfe.

Sie wußte, er hatte nie zuvor die Erfahrung einer solchen, scheinbar innerlich entspringenden Störungsquelle gemacht.

Diese Störungen begannen, als Dich das Gefühl überkam, daß seltsame Dinge hier im Hause geschähen? vergewisserte sie sich.

Ja, stammelte er.

Suzy, das gute Mädchen, sie verstand ihn sehr wohl.

Wie steht's mit Dir? erkundigte er sich plötzlich. Ist in Deinem Kopf alles in Ordnung?

Es klingelt ein wenig, räumte sie ein.

Ach ja, der Angriff gilt auch Dir.

Schlagen wir zurück? wollte sie wissen.

Er nickte ganz entschieden und tastete nach seinem Kopf.

Du machst Dir große Sorgen? fragte sie.

Das Störgeräusch ist lauter als zuvor.

Du meine Güte! Wir sollten dem ein Ende setzen!

Nach wie vor standen sie vor der Türe in einem brennenden Hause, ach ja, in dessen Keller einige Kisten verwahrt wurden. Angeblich wollten sie einige von diesen mit sich nehmen. Seltsamerweise sprachen sie so lange, als ob sie einen Zutritt dort hinunter gar nicht wünschten, als ob da ein Einfluß herrsche, der sie daran hinderte, die Tür zu öffnen.

Warum sprachen sie also so lange? Sie blickten einander an, als wäre diese Frage gleichzeitig in ihnen beiden entstanden. Hinter der Tür war etwas, das sie daran hinderte, dieselbe zu öffnen. Doch im übrigen, zwei sind allemal stärker als bloß einer. Warum hatte sie ihn angerufen?

In Ordnung, er schüttelte die Verwirrung und die scheinbar aus dem Nichts kommenden Ideen ab und stieß die Tür mit einem Ruck auf.

Im Keller vor ihnen war es dunkel, aber etwas leuchtete dort auch in sanftem grünem Scheine. Er schaltete das Licht ein. Ja, vor ihnen lagen die Stufen, und das Licht, soeben angeschaltet, wurde trübe und flackerte, als ob seine Spannung von etwas unten abgezogen würde. Hans umklammerte zuerst das Geländer, dann tappte er, wie ein Trunkenbold schwankend, langsam hinunter, und da wurde das Klingeln in seinem Kopfe lauter, und er stolperte ein oder zwei Mal. Schlechter Einfluß drang in seinen Verstand ein, ihn überkam fast das Heulen. Aber zum Glück war Suzy hinter ihm, jetzt stärker als je zuvor; mit der Hand packte sie ihn an der Schulter: Sei ein Mann!

Er war ein Mann. Die Glühbirnen leuchteten fast so hell wie zuvor, aber er erinnerte sich plötzlich, in seiner Wohnung waren zwei oder drei von ihnen in den letzten paar Tagen explodiert. Und das Bild am Schirm des Fernsehgerätes verbblaßte. Probleme mit dem Strom gab es im ganzen Haus, und manchmal prickelte es sogar in seinen Händen.

Spürst Du es? fragte sie, ihren weiblichen Instinkten folgend, und faßte ihn hart an.

Ja, erwiderte er, ich muß mich gleich übergeben.

Nein, nicht, befahl sie ihm.

Er übergab sich nicht. Aber ein abstoßendes Gefühl drang auf ihn ein, von unten kam nämlich ein Gestank, und erneut spielte der Strom verrückt, die Lampen gingen aus und wieder an, und sie flackerten wie wahnsinnig. Das erschwerte die Feststellung, was sich unmittelbar unter ihren Füßen, im Keller, hinter dem grünlichen Leuchten, befand.

Treten wir den Rückzug an? fragte er, während das Geräusch in seinem Kopf wieder anschwoll.

Nein, befahl sie mit fast männlichem Bariton. Um vorzubeugen, müssen wir sehen, was sich dort verbirgt.

Und dann erkannten sie, daß der leuchtende Schein ganz hinten aus dem Keller kam. Dort stand eine Kiste, in ihr hatte man Äpfel und andere Früchte untergebracht, doch nun fiel dieser grüne Glanz, der die Herzen der beiden Eindringlinge heftig pochen ließ, aus der Kiste heraus.

Hans drückte sich ein Taschentuch vor Mund und Nase, aber der Gestank ließ nicht nach, und das faulige grüne Licht wirkte, als käme es von einem Geiste. Zögernd bewegten sie sich voran. Ein Rückgrat wie das eines Krokodils hob sich aus der Kiste heraus, und ein rasselndes Geräusch ertönte, als atme jemand die irdische Atmosphäre nur mühsam ein.

Was ist los? fragte sie den torkelnden Mann vor sich und faßte ihn einmal mehr hart an.

Der Raum wirbelte schweigend um ihn herum. Er richtete sich auf und erblickte ein in seltsamen Gruppen angeordnetes Sternenzelt. Diese Art von Himmel kannte er nicht. Und eine Scheibe. Unheimliche Fische oder eine andere intelligente Lebensart bewegten sich in dem Schiff, sie berührten den Boden nicht.

Alles dreht sich um mich herum, wir stürzen ab, keuchte er, und er tastete um sich und faßte die Kiste an, und das grüne Licht ging an, und das grüne Licht erlosch, und das Dröhnen entfaltete sich nicht nur in seinem Kopf, sondern Suzy verspürte es jetzt fast ebenso stark wie er.

Die Kiste verrutschte vor ihnen unter einem heftigen Schlag, und der Alligator oder die Auster oder das schuppenbedeckte Ding gab beim Versuch, der Gefahr und der Kiste zu entkommen, ein rasselndes Geräusch von sich. Und plötzlich stieg es ganz ohne Energie, oder nur mit der von seinem Gehirn ausgehende Energie, zur Decke auf, und von dieser ging nun das grüne Leuchten aus. Dann flackerten von ihm grüne Warnlichter auf, und es stürzte auf eine Stelle neben der Kiste herab. Nein, die Flucht gelang ihm wirklich nicht, etwas wie grünes Blut tropfte herab, und wieder stieg es auf, und geschwächt knallte es heftig und dumpf in die Kiste zurück, und selbst das nervzerfetzende Kreischen in den Köpfen der beiden Eindringlinge erstarb.

Dann ging die normale schwache Beleuchtung an der Decke völlig aus, und die beiden umhüllte nur noch der schwächer werdende grüne Schein, und aus ihm schaute sie ein grimmiges purpurnes Auge fast flehend an.

Trümmer fielen auf sie herab. Alte Fahrräder, Vasen und Geschirr befanden sich darunter, und weiteres Gerümpel, von dem niemand zu sagen gewußt hätte, wer all dies hier abgelegt hatte. Ein Stapel zwanzig oder dreißig Jahre alter Zeitungen, wie aus den Titelseiten hervorging, und selbst etwas wie ein schwerer Holzknüppel rutschten herab. Und dann stand Hans, bereit zum Zuschlagen, da und beugte sich, eben diesen Knüppel in der Hand, über die Kiste und das rasende, wenn auch geschwächte Licht, aber erneut hielt ihn eine auf seiner Schulter ruhende Hand auf.

Nein, das kannst Du nicht tun! rief Suzy aus.

Nein? Warum nicht? Elendes Ding, es befindet sich nicht nur im Keller, sondern auch in unseren Köpfen. Und hast Du seine Bewegung gesehen? Es schwebte ohne Mühe zur Decke auf und nieder, und wer weiß schon, wo es das nächste Mal landen wird!

Dann, noch immer den Knüppel in der Hand, hielt er ein und wandte sich ab von der Kiste und dem in ihr verlöschenden grünen Schein. Beim Anblick dieses Ungeheuers, das von den Sternen kam, hatte er ihr Haus und das in ihm wütende Feuer ganz vergessen. Aber jetzt knisterte es glühend heiß selbst von der Decke über ihnen (wo vor Sekunden noch das Ungeheuer hing), und sie vernahmen, wie Stützpfeiler oder dergleichen krachend in sich zusammen stürzten.

Wir müssen raus da! drang Suzy auf ihren Freund ein und griff von hinten nach seinem freien Arm.

Und er, als wäre er zwischendurch wie unter fremdem Einfluß umnachtet geworden, kam wieder zu sich.

Ja, krächzte er, bloß raus hier!

Vor ihnen lagen die Stufen, welche sie rasch empor klommen, Rauch breitete sich schon im Treppenhaus aus, und endlich schlossen sie die Tür mit einem Seufzer der Erleichterung hinter sich. Keuchend lehnten sie an der Wand, als ein Feuerwehrmann zu ihnen herunter kam.

Alles in Ordnung? fragte er.

Mißtrauisch musterte er sie, als stünden zwei Gespenster vor ihm.

Alles in Ordnung, gab Hargarden zurück, und sie begaben sich gemessenen Schrittes nach draußen auf die Straße, wo sich bereits eine beträchtliche Menge neugieriger Leute versammelt hatte.

Sind Sie der Brandstifter, der das Feuer da gelegt hat? fragte einer Hans in unverschämtem Ton.

Hans würdigte den Frechdachs keiner Antwort. Er wie Suzy litten noch unter dem Schock. So entfernten sie sich von dem nun in hellen Flammen stehenden Haus, aber ein Beamter der Feuerwehr erkannte Hans und hielt sie auf.

Nun? fragte dieser.

Sie wissen, wie das Feuer ausgebrochen ist? forschte der Beamte.

Nein, wissen wir nicht, erwiderte Hans, Suzy fest an sich drückend.

Einer unserer Männer da oben stellte fest, die Sicherung ist verschwunden, rief der Beamte aus.

Die Sicherung? Verschwunden? Hans runzelte die Stirne.

Die Sicherung war, wie Hargarden wußte, im Korridor untergebracht. Nur ganz selten sprang sie in diesem alten Haus heraus, und nur dann, wenn er zu viele elektrische Geräte auf einmal laufen ließ.

Ja, die Sicherung, wir haben sie nicht gefunden, bestätigte der Beamte, der seine Arme herausfordernd über der Brust verschränkte.

Ich habe die Sicherung seit Jahren nicht mehr angerührt, keuchte Hans, was ganz der Wahrheit entsprach.

So, und wo ist sie jetzt? wollte der Beamte verärgert wissen.

Die Sicherung? Hargarden schüttelte den Kopf. Als ich das Haus verließ, war sie noch drin. Die Lampen und alles waren in Ordnung.

Aber dann verflüchtigte sich der Verdacht des Beamten bezüglich der Sicherung in dem merkwürdigen Haus, er brauchte ja nur in die ehrlichen Augen des vom Feuer geplagten Mannes zu blicken. So einer log nicht, also war die Sicherung von selber heraus gesprungen. Aber wie, bitteschön? Und wer hatte sie entfernt?

Es ist halt ein altes Haus, murmelte er vor sich hin.

Ja, mein Herr, das ist es. Eins der alten Bremer Häuser. Haben Sie denn keine Spur von der Sicherung unter dem Dachstuhl gefunden? wollte Hans dann, auf das Haus deutend, wissen.

Nein, wir konnten nur kurze Zeit dort verweilen, um nach ihr zu suchen. Vielleicht ist sie im Gerümpel verschwunden. Ich bitte um Verzeihung, sagte der Beamte schließlich, aber denken Sie bitte daran, daß Sie sich morgen, er warf einen Blick auf seine Uhr und runzelte die Stirne, nein, ich meine heute, gegen neun Uhr, bei der Polizei melden müssen.

Allerdings, sagte Hans.

Als sie wieder alleine und etliche Schritte im Grünzeug des Parks gegangen waren, preßte Hans Suzy an sich, und zwar ganz eng, er drückte sie an seine Brust, und er roch dabei ihren Körper und ihre Haare und das Parüm, das er so sehr liebte.

Die Sicherung, sagte er bedächtig, das war ich nicht.

Ich weiß.

Das Ding da drin hat sie heraus gerissen.

Vermutlich. Genau so, wie es den Spiegel zerstörte und die Spannung aus den elektrischen Birnen wegnahm. Wie lange war es da drin? wollte sie plötzlich wissen.

In diesem Haus? fragte er zurück, weil ihm nämlich die ganze Erde in den Sinn kam.

Sie nickte. In unserem Haus.

Seit vierzehn Tagen hatte ich Scherereien, überlegte er.

Welcher Art? fragte sie, bei aller Lieblichkeit ganz entschieden, obwohl er ihr schon einiges darüber erzählt hatte (sie wollte in dieser Hinsicht noch mehr erfahren).

Schwierigkeiten, mich zu bewegen, und die Probleme mit dem Strom nahmen zu, bemerkte er. Diese Tür da unten, man konnte sich kaum an ihr vorbei bewegen.

So erging es mir auch, sann sie ergeben. Als ich das letzte Mal hier war, berührte mich vor dieser Tür etwas im Inneren.

Beide sannen für einen Augenblick darüber.

Woher ist es gekommen? fragte sie sanft, während sie  seinen Arm wieder berührte.

Keine Ahnung. In meinen Träumen kommt es von den  Sternen. Ich habe sogar eine Scheibe gesehen.

Und wie ist es in den Keller unseres Hauses gekommen? Sie wies abermals auf das noch in Flammen stehende Gebäude.

Wie ist es zur Erde gelangt? wollte er unterdrückt wissen. Zufällig, vermutlich. Dann ist ein Mißgeschick da draußen, weit entfernt, geschehen, es verlor die Kontrolle über die Scheibe oder über sich selber und landete hier, an einer unauffälligen Stelle, von der es selbst niemals geträumt hätte.

Wo ist die Scheibe?

Keine Ahnung. Aber vielleicht brach sie in der Umlaufbahn um die Erde auseinander. Es fliegen schon so viele Trümmer um unseren Planeten, da wird leicht einmal einer übersehen, und  so schnell kann man sie auch gar nicht unterscheiden.

Aber warum der Keller und die Kiste, Hans? Glaubst Du nicht auch, das ist ein verrückter Ort für die erste Kontaktaufnahme mit fremden Wesen?

Du weißt nicht, Suzy, sann er, wie ihre Raumschiffe im Inneren beschaffen sind. Vielleicht würden sie lachen, wenn sie das Innenleben unserer Raketen erblickten.

Beide überlegten wieder.

Wie springst Du aus einer Scheibe ab, wie wunderbar sie auch wäre, um in diesem Keller da drüben zu landen? fragte sie verwundert.

Wie konnte es aus eigener Kraft scheinbar ohne Anstrengung an die Decke schweben? wollte er im Gegenzuge wissen. Wie zersplitterst Du einen entfernten Spiegel, und wie jagst Du eine Sicherung aus ihrer Fassung heraus?

Er runzelte abermals die Stirne.

Keine Ahnung, flüsterte sie. Jedenfalls ist es auf Grund seiner besonderen Fähigkeiten sehr gefährlich.

Würde ich so sehen. Woher kommt diese Empfindung: Fünf vor Zwölf?

Melden wir unsere Überlegungen der Polizei?

Besser nicht.

Sie würden uns als durchgeknalltes Paar betrachten?

Ganz bestimmt.

Unbekannte Kräfte. Droht jetzt unmittelbare Gefahr aus dem Weltraum? sann sie.

Es verfügt über unheimliche Kräfte, aber eine unmittelbare Gefahr würde ich nicht erwägen. Immerhin haben sie Bruch gemacht.

Sie überschlugen auch diese Überlegung.

Aber uns droht Gefahr, begann Suzy wieder, weil man dort draußen im Raum imstande ist, unsere Gedanken zu lesen?

Schon möglich.

Und sie üben auch Einfluß auf unseren Verstand aus?

Nicht ausgeschlossen.

So, wie es jetzt ja auch schon auf der Erde geschieht?

Beide lachten bei dieser Bemerkung, das war also ein gutes Zeichen, doch plötzlich hörten sie damit wieder auf. So spaßig war das Ganze nun wirklich nicht.

Wie kam das zustande? Und wie war ihr Einfluß auf uns möglich? Sind wir etwa auf die eine oder andere Weise mit ihnen verbunden?

Er seufzte erleichtert und wiederholte: Es war bloß einer. Und er zerschellte.

Oder eine Sie, gab sie zu bedenken.

Oder eine Sie, räumte er reuevoll ein.

Hoffentlich wissen die anderen nicht von unserer Erde.

Beten wir, daß es so ist.

Geht's Dir gut? wollte sie abschließend wissen.

Ja, als ob ich aus einem Alptraum erwacht sei.

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