Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Krimi Paket Mörderische Ferien Juli 2019

Krimi Paket Mörderische Ferien Juli 2019

Vorschau lesen

Krimi Paket Mörderische Ferien Juli 2019

Länge:
1,840 Seiten
19 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 17, 2019
ISBN:
9781393994923
Format:
Buch

Beschreibung

Alfred Bekker, Manfred Weinland, Horst Friedrichs

Krimi Paket Mörderische Ferien Juli 2019


 

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Und immer anders, als man zuerst denkt.


 

Dieses Buch enthält folgende Krimis Krimis:


 


 

Horst Friedrichs: Fahr zu Hölle, Reiniger!

Manfred Weinland: Stirb für die Gerechtigkeit

Manfred Weinland: In der Hand der Geisel

Manfred Weinland: Die Ehre stirbt den schnellen Tod

Manfred Weinland: Mörder aus dem Nichts

Alfred Bekker: Der Killer und sein Zeuge

Alfred Bekker: Der Sauerland-Pate

Alfred Bekker: Kahlgeschoren

Alfred Bekker: Die Apartment-Killer

Horst Friedrichs: Blutiger Machtkampf

Horst Friedrichs: Entführung ins Nirgendwo

Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 17, 2019
ISBN:
9781393994923
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


Ähnlich wie Krimi Paket Mörderische Ferien Juli 2019

Mehr lesen von Alfred Bekker

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Verwandte Kategorien

Buchvorschau

Krimi Paket Mörderische Ferien Juli 2019 - Alfred Bekker

Publisher

Alfred Bekker, Manfred Weinland, Horst Friedrichs

Krimi Paket Mörderische Ferien Juli 2019

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Und immer anders, als man zuerst denkt.

Dieses Buch enthält folgende Krimis Krimis:

HORST FRIEDRICHS: FAHR zu Hölle, Reiniger!

Manfred Weinland: Stirb für die Gerechtigkeit

Manfred Weinland: In der Hand der Geisel

Manfred Weinland: Die Ehre stirbt den schnellen Tod

Manfred Weinland: Mörder aus dem Nichts

Alfred Bekker: Der Killer und sein Zeuge

Alfred Bekker: Der Sauerland-Pate

Alfred Bekker: Kahlgeschoren

Alfred Bekker: Die Apartment-Killer

Horst Friedrichs: Blutiger Machtkampf

Horst Friedrichs: Entführung ins Nirgendwo

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred

Zum Blog des Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

Fahr zur Hölle, Reiniger!: N.Y.D. - New York Detectives

Krimi von Horst Friedrichs

Der Umfang dieses Buchs entspricht 122 Taschenbuchseiten.

Bei Arbeiten im Keller des »Westside Stars« Hotels wird ein Betonklotz entdeckt, der da eigentlich nicht hingehört. Nun vermutet man, dass der Gangsterboss Tony Scaloppo, dem das Hotel zu Lebzeiten gehörte, dort sein Vermögen versteckt hat. Als das bekannt wird, setzt Nando Brugione – ebenfalls ein Gangsterboss – alles daran, an diesen „Schatz" heranzukommen, denn er beansprucht ihn für sich. Da die junge Hotelbesitzerin Gillian Clarke mit unangenehmen Schwierigkeiten rechnet, bittet sie den Privatdetektiv Bount Reiniger um Hilfe ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https//twitter.com/BekkerAlfred

Zum Blog des Verlags geht es hier

https//cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

Die Hauptpersonen des Romans:

Gillian Clarke - als die Lobby ihres Hotels von Maschinenpistolen zersägt wird, weiß sie, was die Glocke geschlagen hat.

Nando Brugione - der Boss eines Gangster-Syndikats fühlt sich als der Größte, auch wenn er einen Floh im Ohr hat.

Frank Murtagh - er hält Frauen für die besseren Diplomaten, und damit gewinnt er deren Herzen.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen. Sie wird mit Chloroform betäubt, aber danach übt sie sich in Karate.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

1

Bount Reiniger glaubte , dass sie ihn umrennen wollten. Drei Kerle. Sie stürmten aus der Bar in die große Lobby des Hotels an ihm vorbei, als wäre er Luft. Er wirbelte herum, denn er erkannte die Absicht an dem, was sie unter den eleganten Jacketts hervorholten. Maschinenpistolen, klein und handlich.

Und die Lobby war voll von Menschen. Eine Touristengruppe von jenseits des Atlantik wurde von einem deutsch sprechenden Reiseführer auf die New Yorker Alltagsgefahren hingewiesen. Eine Schulklasse, dem Akzent nach aus dem Mittleren Westen, lärmte um ihren Lehrer herum, der vergeblich versuchte, etwas zu erklären. Ein grauhaariges Ehepaar durchsuchte Taschen und Koffer verzweifelt nach Schlüsseln oder Papieren. Bedienstete eilten zwischen Fahrstühlen und Rezeption hin und her.

Die Eleganten mit den MPis spazierten in das Durcheinander und schwärmten aus ...

Bount Reiniger zog die Automatic.

»Halt, stehenbleiben!«, brüllte er, obwohl es Wahnsinn war, mit der 38er gegen drei Maschinenpistolen angehen zu wollen.

Alles starrte ihn an. Sogar die Schulkinder aus dem Mittleren Westen. Und das ältere Ehepaar unterbrach seine Sucharbeit. Nur die MPi-Schießer taten, als ginge sie die ganze Sache nichts an.

Einer marschierte auf die Rezeption zu und hämmerte die erste Bleigarbe in die Schlüsselfächer hinter dem Tresen. Schreie gellten. Die Bediensteten warfen sich hin.

Auch die beiden anderen Kerle feuerten jetzt. Das Hämmern der Schüsse hallte von den hohen Wänden zurück und verdichtete sich zu einem Donnern. Panik entstand.

Die Schreie vermehrten sich. Menschen hasteten durcheinander. Einige, so das ältere Ehepaar, ließen sich einfach zu Boden sinken. Die meisten aber behinderten sich gegenseitig und steigerten das Durcheinander mit ihren Angstschreien zum Chaos.

Die Schießer jagten ihr Blei in Wandschränke, Vitrinen und Bilder. Sie zerschossen Blumenvasen und stanzten in Polstermöbel faserige Lochmuster. Der Lärm von zu Bruch gehendem Glas, Porzellan und Steingut erreichte fast den Geräuschpegel der Schüsse.

Bount war nicht der Typ, der immer und überall im Mittelpunkt stehen wollte. Es störte ihn jedoch mächtig, dass die Kerle ihn nach wie vor nicht beachteten. Sie fühlten sich als die Herren der Szene. Klar, dass sie genau ausgerechnet hatten, wie viele Minuten sie zur Verfügung hatten, bis jemand die Cops alarmierte.

Bount drang in das Gewühl und das Geschrei vor. Zehn Schritte. Dann hatte er freies Feld zwischen sich und dem Kerl, der sich auf das Zertrümmern von Blumenbehältern spezialisiert hatte.

Es schien ihm geradezu diebische Freude zu bereiten, eine Bodenvase nach der anderen mit kurzen Feuerstößen zu zerhacken. Porzellan und Steingutsplitter flogen, und Leute, die davon getroffen wurden, schrien gellend, obwohl sie nur Schrammen abkriegten.

Bount jagte dem Schießer eine Kugel über den Kopf hinweg. Das trockene Bellen der Automatic hob sich scharf und deutlich vom Hämmern der MPi’s ab. Der Vasenhasser ruckte herum. Seine MPi flog in die neue Visierlinie. Eine Linie, die für Bount Reiniger tödlich sein konnte.

Er feuerte um einen Sekundenbruchteil eher. Die MPi-Garbe des Gangsters wanderte hoch und sägte Putz aus der Decke.

Erst jetzt wurden die anderen aufmerksam. Sie ließen das Trümmerfeld außer Acht, das sie schon fabriziert hatten. Sirenen heulten in fernen Straßenschluchten.

Bount feuerte Warnschüsse ab, hoch genug, um ihnen nur zu erklären, dass er sich nicht verkriechen würde. Noch während er die zweite Kugel hinausjagte, warf er sich hinter einen von Scherben umkränzten Erdhügel, aus dem eine traurig schiefhängende Washingtonia Palme ragte.

Nur ein kurzer Feuerstoß war die Reaktion der Kerle. Die vier oder fünf Kugeln fetzten durch die faserigen Palmenblätter und wurden von einem dick gepolsterten Sessel aufgehalten.

Als Bount hochfederte, rannten die Kerle bereits zum Ausgang. Bount sprintete ihnen nach. Die Sonne erreichte nicht die Tiefe der Straßenschlucht. Im Schatten auf der anderen Seite warfen sich die Gangster in einen tintenblauen Buick Riviera.

Ein Taxi schob sich in Bounts Blickfeld. Dann, als er wieder frei sehen konnte, wedelte der Buick mit seinem dicken Heck in die nächste Einmündung Eighth Avenue, Richtung Uptown.

Es würde den Cops wenig helfen. Wer Manhattan kennt, kann sich in diesem brodelnden Lebensnerv New Yorks besser verstecken als die Nadel im Heuhaufen.

Bount wandte sich ab, und kehrte in die Hotelhalle zurück. Er sicherte die Automatic und verstaute sie in der Schulterhalfter. Das Sirenengeheul näherte sich.

Stille empfing ihn. Alles, was vorher ein Stimmensummen wie in einem riesigen Bienenkorb verursacht hatte, gab jetzt keinen Ton mehr von sich. Bount ging auf den am Boden liegenden Gangster zu. Die Blicke folgten ihm. Das ältere Ehepaar rappelte sich erst jetzt auf.

Bount brauchte nicht zweimal hinzusehen. Seine Kugel hatte den Mann tödlich getroffen. Er hatte keine andere Wahl gehabt. In der Hast des Geschehens war ein anderer Schuss nicht möglich gewesen. Die Maschinenpistole, die jetzt ein Stück von dem Toten entfernt lag, hätte sonst ihn getötet.

Sirenengeheul stach in die West 46th Street und endete vor dem Hoteleingang. Vier Cops stürmten mit gezogenen Dienstrevolvern herein. Zwei Streifenwagenbesatzungen. Sie stießen die Waffen in die Gürtelhalfter, als sie sahen, dass schon alles vorbei war.

Bount zeigte ihnen seine Lizenzkarte und erklärte, was sich abgespielt hatte. Die Bar, rechts vom Eingang, und das Restaurant auf der linken Seite hatten jeweils einen eigenen Eingang von der Straße her.

Wer zu den Öffnungszeiten der beiden Lokale das Hotel betreten wollte, konnte dies nicht nur durch den Haupteingang, sondern auch durch das Restaurant oder die Bar tun. Möglich, dass die Gangster einen Whisky gekippt hatten, bevor sie ihrer Zerstörungswut freien Lauf ließen.

Ein Warnzeichen, völlig klar.

Bount Reiniger erklärte den uniformierten Beamten, dass er mit Miss Gillian Clarke verabredet sei, und er sagte ihnen, dass er das Hotel nicht verlassen werde, bevor die Tatortermittlungen abgeschlossen seien. Während er zur Rezeption ging, trafen weitere Streifenwagen ein. Es ging jetzt Schlag auf Schlag.

Innerhalb von weniger als einer Minute bevölkerten zwei Dutzend Cops die Lobby und fingen an, Personalien aufzunehmen und erste Protokolle aufzusetzen. Bis zum Abend würde der Erkennungsdienst garantiert noch an Ort und Stelle zu tun haben.

Das Stimmengewirr setzte wieder ein, wenn auch zögernd. Hauptsächlich die Cops waren es, die die Gespräche in Gang brachten.

Die Mahagoni-Einrichtung hinter dem Tresen bot ein Bild des Jammers. Weißfaserige Holzsplitter bestimmten das Bild. Es war, als hätte eine große eiserne Kralle alles zerhackt. Die Angestellten hatten sich wieder aus der Deckung hinter dem Tresen hervorgewagt. Ihre Gesichter waren bleich. Keiner von ihnen war alt genug, um die Zeiten miterlebt zu haben, in denen Bandenkriege in New York noch an der Tagesordnung gewesen waren. Damals waren Ereignisse wie diese gewissermaßen als Kriegserklärung gewertet worden.

Aber wen interessierte das heute noch, da die alltägliche Kriminalität der City Police wesentlich mehr Kopfzerbrechen bereitete? Terror in den Subways, Handtaschendiebstähle auf offener Straße, Vergewaltigungen in den Parks, Raubüberfälle auf Tankstellen, Supermärkte und Imbissbuden. Das war es, womit ein durchschnittlicher New Yorker Cop den größten Teil seiner Dienstzeit verbrachte.

Bount Reiniger hatte die Zeit der bekannten alten Gangster selbst nicht miterlebt. Aber er kannte jene, die sich als ihre Nachfolger fühlten. Sie arbeiteten mit eleganteren Mitteln als die Alten, die manchmal ihre großen Vorbilder genannt wurden.

Unglaublich, dass sie jetzt in die Mottenkiste griffen.

Bount schob seine Lizenzkarte über den Tresen und wandte sich an einen jungen Clerk, der den Schreck so weit überwunden zu haben schien, dass er aufnahmefähig schien.

»Ich habe eine Verabredung mit Miss Clarke«, sagte er und brauchte nicht zu erklären, wen er meinte.

Auch den Cops hatte er das nicht erklären müssen. Gillian wurde innerhalb und außerhalb ihrer Branche bewundert. Sie hatte aus dem Hotel »Westside Stars« ein Unternehmen geschaffen, das nach zeitgemäßen Marketingmethoden arbeitete. Der verstaubte Laden aus der Gründerzeit um die Jahrhundertwende existierte nicht mehr. Gillian hatte innerhalb von drei Jahren bewiesen, was sich aus einem Geschäft machen ließ, wenn man mutig war und eingefahrene Gleise verließ.

Der Clerk deutete auf einen Punkt hinter Bount. Bount Reiniger drehte sich um. Er erkannte die Inhaberin des Hotels sofort. Er hatte ihr Bild in Zusammenhang mit der Illustriertenreportage über die erfolgreichste Unternehmerin des Jahres gesehen. Sie sprach mit einem Cop, musste also schon vorher in der Lobby gewesen sein. Es entsprach ihrer Art, den Kontakt mit den Gästen ihres Hauses zu suchen. Sie war nicht die graue Eminenz, die unnahbar in einem holzgetäfelten Büro residierte.

Toby Rogers und die Beamten seiner Abteilung erschienen auf der Bildfläche. Die Spurensicherer gingen ans Werk, während sich der Captain nur kurz umsah und zwangsläufig Bount Reiniger als Blickfang fand. Er wuchtete seinen Körperumfang auf den Privatdetektiv zu.

»Keine Erklärung«, sagte Rogers und winkte ab. »Ich habe schon über Funk erfahren, dass du dich mal wieder hervortun musstest.«

»Ich hatte nicht den Eindruck«, entgegnete Bount. »Wenn mich die Kerle ernst genommen hätten, wäre es vielleicht nicht so schlimm geworden.« Er wurde ernst. »Toby, ich musste einen von ihnen erschießen. Aber wir können von Glück reden, dass sonst niemand schwerer verletzt wurde.«

Der Captain nickte.

»Ich will mit der Inhaberin sprechen.«

»Das hatte ich auch vor«, sagte Bount.

Rogers schickte einen Blick zur Decke und seufzte: »Mit anderen Worten, du willst mir wieder auf die Nerven gehen, während ich eine offizielle Vernehmung führe.«

»Miss Clarke hat mich eingeladen«, entgegnete Bount lächelnd. »Ich weiß zwar noch nicht, was für ein Auftrag es ist, den sie mir erteilen will. Aber ich weiß jetzt, dass ich ihn annehme.«

»Kann ich mir denken«, knurrte Toby, als sein Freund ihn zu der Inhaberin des Hotels führte. »Dein Beschützerinstinkt ist wachgekitzelt, stimmt’s?«

Bount überlegte, ob Toby Rogers mit seiner Bemerkung recht hatte, als Gillian Clarke mit ihnen in den Fahrstuhl stieg.

Gillian war so schön wie auf dem Foto in der Illustrierten. Es war keins von diesen vorteilhaft schmeichelnd aufgenommenen Fotos gewesen. Ihr schmales, fein geschnittenes Gesicht wurde von schwarzem Haar eingerahmt, das sie in einer dezenten Dauerwelle trug. Mit ihrer blütenweißen Pikeebluse und einer Bundfaltenhose in feinem schwarzweißem Karodessin unterstrich sie ihren geradezu modellhaften Körperbau. Ihre schmale Taille wurde von einem handtellerbreiten schwarzen Gürtel unterstrichen. Nur die kleine Ledermappe, die sie in der Hand hielt, und ein Namensschild auf ihrer Bluse wiesen darauf hin, dass sie nicht zu den Hotelgästen gehörte. Zurückhaltende Eleganz war Gillians positives äußeres Merkmal, die Offenheit ihres Gesichtsausdrucks bestätigte das.

Sie blickte Bount Reiniger an, und er gelangte zu der Überzeugung, dass er sich selbst bei Windstärke zehn in die tobende See stürzen würde, falls sie über Bord gegangen sein sollte.

»Ich glaube«, sagte sie leise, während der Fahrstuhl abwärts sank, »dass ich Sie nicht mehr überzeugen muss, Mister Reiniger. Ich meine, davon, wie wichtig mein Auftrag ist.«

Er lächelte sanft und schüttelte den Kopf.

»Erst einmal«, erklärte Toby Rogers mit rostiger Stimme, »möchte ich Sie bitten, Miss Clarke, mir alles zu schildern, was Ihrer Meinung nach mit dem Vorfall in der Lobby zu tun haben könnte.«

Ihre Miene spiegelte Erstaunen, als sie ihn ansah.

»Aber deshalb bin ich mit Ihnen unterwegs in den Keller, Captain. Ich sagte doch, dass ich am besten an Ort und Stelle alles erklären kann.«

Toby zog die Schultern hoch.

»Entschuldigung, Miss. Ich muss wohl etwas abgelenkt gewesen sein.«

Bount grinste. Wenn sie unter sich gewesen wären, hätte er seinem beleibten Freund empfohlen, noch heute mit der Abmagerungskur anzufangen, statt neidisch zu werden, wenn andere Männer die Blicke von hübschen Ladys auf sich lenkten.

Der Fahrstuhl hielt weich ruckend an.

»Wir befinden uns hier im Kellergeschoss unter dem Basement«, erklärte Gillian, während sie ausstiegen. »Sie sehen, ich habe Renovierungsarbeiten vorbereiten lassen. Und das ist auch der Kern der Sache.« Ihre Stimme senkte sich zu einem gepressten Flüsterton. »Ich hätte nie geglaubt, dass sie gleich mit Maschinenpistolen in meinem Haus auftauchen. Mein Gott, wie leicht hätte ein Blutbad daraus werden können!« Ihr Blick richtete sich auf Bount. »Ich glaube, Mister Reiniger, ich bin mir noch gar nicht richtig klar darüber, was passiert ist. Ich hätte mich bei Ihnen bedanken müssen. Schließlich haben Sie das Schlimmste verhindert.«

Toby Rogers schickte einen Blick nach oben, legte die Hände auf den Rücken und schlenderte voraus. Bount wartete, bis Gillian die Lichtschalter betätigt hatte, die das gesamte Kellergewölbe in gleißende Helligkeit tauchten. Die Notbeleuchtung hatte nur den vorderen Teil der Gerüste erhellt. Es roch nach frischem Mörtel und nach dem Staub alter Steine, die herausgeschlagen worden waren. Eine ungewöhnliche Geruchsmischung.

»Sie irren sich«, sagte Bount. »Es wäre auf keinen Fall mehr passiert. Diese Männer hatten nur den Auftrag, Schaden anzurichten. Niemand sollte verletzt werden. So weit geht man nicht, wenn man erst am Anfang steht.«

Toby Rogers' Stimme klang hohl von den Gerüsten her.

»Sie hörten Lektion eins zum Thema Methoden des organisierten Verbrechens.«

»Captain!«, rief Gillian. »Wenn ich noch eine Frage habe, werde ich sie ganz bestimmt Ihnen stellen. Andererseits werde ich Mister Reiniger bitten, für mich zu arbeiten. Ich halte ihn also durchaus für einen kompetenten Gesprächspartner.«

»Sonst hätte ich ihn längst weggeschickt«, sagte Rogers brummig. Er musste an diesem Tag mit dem linken Bein zuerst aufgestanden sein.

Gillian Clarke führte die beiden Männer durch ein Labyrinth von Kellerräumen, das insgesamt so groß war wie die Tiefgarage im Basement. Überall war die Betondecke mit zusätzlichen Stahlpfeilern abgestützt. Die alten Betonpfeiler, die in die Fundamente ragten, sollten größtenteils erneuert werden. Diese ältesten Bestandteile des Kellers waren überwiegend noch aus Brownstones gemauert worden. Den heutigen statischen Erfordernissen wurde das nicht mehr gerecht.

»Hier unten soll eine zweite Tiefgarage entstehen«, erklärte Gillian Clarke, während sie Bount Reiniger und Toby Rogers in den entlegensten Teil des Gewölbes führte.

Ein Mauerdurchbruch war noch nicht vollendet worden. In dem Raum hinter dem gut mannsgroßen Loch hing nur eine einsame Handlampe. Ein Betonklotz reichte vom Fußboden bis zur Decke und nahm etwa ein Viertel der Gesamtgröße des Raums ein.

Die rassige Frau und ihre Begleiter blieben stehen.

»Können Sie sich vorstellen, was das ist?«, fragte Gillian und wies auf den Betonklotz.

»Ein Teil vom Fundament«, sagte Toby Rogers. »Obwohl die Stützpfeiler anders aussahen. Und sie wurden aus Backsteinen gemauert.«

Gillian nickte und blickte Bount Reiniger fragend an.

»Es scheint keine Tür gegeben zu haben«, murmelte Bount mit einem Blick auf den gezackten Rand des Mauerdurchbruchs.

»Genau das ist es«, sagte Gillian. »Die Bauhandwerker haben diesen Durchbruch nur entdeckt, weil sie morsche Steine entfernten. Plötzlich stellten sie fest, dass der Keller weiter reichte als ursprünglich angenommen. Und der Betonklotz«, sie wandte sich dem fülligen Captain zu, »ist kein Teil des Fundaments. Ich habe mit dem Architekten gesprochen. Nach den statischen Berechnungen ist dieser Sockel absolut überflüssig.«

Toby Rogers zog die Brauen zusammen.

»Ich bin sicher, Sie werden uns gleich eine interessante Geschichte erzählen, Miss Clarke.«

»Das hängt davon ab, was für Sie interessant ist und was nicht«, entgegnete Gillian schlagfertig. Sie holte Luft und zeigte noch einmal mit ausgestrecktem Arm in den Nebenraum. »In diesen Betonklotz soll Tony Scaloppo sein schwarzes Geld eingegossen haben. Sein Erbe. Geld, an dem Blut klebt.«

Bount Reiniger und Toby Rogers starrten sich an.

»Woher wollen Sie das wissen?«, stieß der Captain hervor. »Außerdem - so etwas dürfte doch wohl in den Bereich der Märchen gehören. Scaloppo! Ausgerechnet Scaloppo!«

»Ihm hat dieses Hotel einmal gehört«, entgegnete Gillian auftrumpfend. »Und das Gerücht von seinem einbetonierten Schatz ist älter als ich. Die Bauarbeiter haben jedenfalls sofort Bescheid gewusst, als sie den zugemauerten Keller fanden.«

»Wer weiß außer Ihnen von diesem Fund«, fragte Bount.

»Der Architekt, die Bauarbeiter«, erwiderte Gillian und zog die Schultern hoch. »Natürlich habe ich sie zu Stillschweigen verpflichtet. Aber das ist wohl keine Garantie. Hier unten haben etwa dreißig Mann gearbeitet, und der Architekt sah jeden Tag nach dem Rechten.«

»Das neue Gerücht dürfte sich also wie ein Lauffeuer verbreitet haben«, folgerte Toby Rogers. »Scaloppos Bargeldmillionen im Keller des Hotels Westside Stars! Wenn die Presse das erfährt, strickt sie daraus die Geschichte des Jahres.« Er wies mit einer Kopfbewegung auf den Betonklotz. »Wann ist das entdeckt worden?«

»Gestern Nachmittag«, erwiderte Gillian. »Ich habe dann noch am Abend Mister Reiniger angerufen, nachdem ich von dem Scaloppo-Gerücht erfahren hatte.«

»Diese Aussage kann ich bestätigen«, erklärte Bount Reiniger feierlich und sandte Tony Rogers einen schmaläugigen Blick zu. Dann sah er wieder die Inhaberin des Hotels an.

»Ich werde unsere Experten auf die Sache ansetzen, Miss Clarke. So einen Betonklotz müsste man röntgen können, denke ich.«

»Ist das wahr?«, rief Gillian. »Dann könnten Sie die Probleme ja im Handumdrehen aus der Welt schaffen, Captain.«

Zum ersten Male lächelte Toby geschmeichelt.

»Ich will nicht zu viel versprechen«, sagte er abschwächend. »Aber das Mögliche wird getan, darauf gebe ich Ihnen mein Wort.« Er klemmte sich eine Havanna zwischen die Zähne und zündete sie an, »Haben Sie eine Ahnung, wer hinter Scaloppos Schatz her ist?«

»Bis vor einer Stunde habe ich noch nicht einmal an eine solche Möglichkeit gedacht«, erwiderte Gillian. »Gut, ich hatte Mister Reiniger angerufen, weil ich Schwierigkeiten erwartete. Schließlich ist es kein Lotteriegewinn, den ich verheimlichen muss. Scaloppos Schatz - das klingt nach Blutgeld, nicht wahr? Ich habe befürchtet, mit Dingen konfrontiert zu werden, von denen ich nicht die leiseste Ahnung habe.«

»In dem Punkt haben Sie sich nicht getäuscht«, erklärte Bount Reiniger. »Ich schlage vor, wir begeben uns wieder nach oben. Toby, wenn du meine Klientin im Moment nicht mehr brauchst, würde ich mich gern unter vier Augen mit ihr unterhalten.« Er sah Gillian dabei an, und sie bestätigte ihm mit einem Nicken, dass sie einverstanden sei.

Toby Rogers brummte etwas, das sich anhörte wie »Ich kann euch nicht daran hindern«. Gillian erklärte ihm, dass sie sich mit Bount Reiniger in ihrem Büro aufhalten werde.

Das Office der Hotelchefin befand sich im Erdgeschoss, im Bereich hinter der Rezeption. Ein mahagonigetäfelter Raum, mit dunkelgrünem Teppichboden ausgelegt, von gediegener Eleganz. Keine überladene Prunkeinrichtung. Dunkles Holz und Messing überwogen.

Bount blieb in der Mitte des Büros stehen und versenkte die Hände in die Taschen. Gillian war für einen Atemzug sehr nahe, als sie an ihm vorbeiging und ein Barfach öffnete. Der Duft ihres Parfüms war dezent, doch wie mit einem anhaltenden Nachklang ausgestattet. Bount stimmte zu, als sie ihm einen Drink anbot. Sie hantierte mit Eiswürfeln und Flaschenverschlüssen. Mit zwei Gläsern wandte sie sich um. Eine fingerbreite Whisky umspülte kantige, glasige Kälte.

»Captain Rogers scheint keine besondere Freude an seinem Beruf zu haben«, sagte sie mit hochgezogenen Brauen.

»Der Schein trügt«, entgegnete Bount und nahm sein Glas entgegen. »Toby und ich sind seit Jahren befreundet. Manchmal stellt er sich meinen Job als Traumjob vor, weil er als Cop zu sehr an Dienstvorschriften gebunden ist — aber nur manchmal, wenn ihm eine Laus über die Leber gekrochen ist.«

Gillian lachte. Sie prosteten sich zu.

»Es ist nicht gut, über Menschen ein vorschnelles Urteil zu fällen. Das habe ich nun schon sooft erfahren, aber ich kann mich noch immer nicht ganz danach richten.«

»Betrachten Sie das nicht als Fehler«, entgegnete Bount lächelnd. »Und da Sie die Konsequenzen letzten Endes selbst tragen müssen, wird es auch kaum jemanden besonders stören.«

»Sie verstehen es, die Sache auf den Punkt zu bringen«, sagte Gillian. »Wenn ich es auch nicht gern zugeben möchte  Sie haben recht.« Sie bedankte sich mit einem Nicken für die Pall Mall, die er ihr anbot, und sie ließ sich von ihm Feuer geben. »Zur eigentlichen Sache: Haben Sie sich ein bisschen informiert? Aber nein ...« Sie schlug sich die Hand vor den Mund. »Ich bin unhöflich. Wir sollten als Erstes die Honorarfrage besprechen.«

Bount schüttelte den Kopf.

»Überflüssig. Sie haben mein Angebot. Wir rechnen später nach den Sätzen ab, die ich genannt habe. Einverstanden?«

»Gern. Ich will Sie nicht beleidigen, aber ich dachte, Privatdetektive müssten immer einen Vorschuss erhalten.«

»Schon wieder ein vorschnelles Urteil, das Sie zu den Akten legen sollten.« Er zündete seine eigene Zigarette an. »Nun aber doch zur Sache.« Er schilderte, was er in seinem Archiv über Tony Scaloppo gefunden hatte.

In den dreißiger Jahren war Scaloppo die Nummer eins unter den New Yorker Syndikatsbossen gewesen. Bauernschläue und eiskalte Brutalität hatten ihn an die Spitze gebracht. Das ging aus den vielen Berichten hervor, die während der Gerichtsverfahren über ihn geschrieben worden waren.

Kein Gericht hatte ihn indessen jemals verurteilt. Immer hatte er es verstanden, die Kette seiner Befehle so zu gestalten, dass sie niemals bis zu ihm zurückverfolgt werden konnten. Seine Mordbefehle hatten sich stets gegen die Konkurrenz in der Unterwelt gerichtet Aus den blutigen New Yorker Bandenkriegen der damaligen Zeit war Scaloppo stets als überlegen grinsender Sieger hervorgegangen. Er war ein rundgesichtiger Mann mit gescheiteltem schwarzem Haar gewesen, das wie Lack auf seinem Kopf klebte. Auf Zeitungsfotos war er immer mit diesem Grinsen erschienen, und eine dicke Zigarre hatte zwischen seinen Wulstlippen gesteckt.

Er war gestorben, wie ein Mann seines Schlages hatte sterben müssen: Im Kugelhagel eines gegnerischen Rollkommandos hatte er sein Leben ausgehaucht, als er vor dem Hotel »Westside Stars« aus seinem Wagen ausgestiegen war. Das Hotel hatte ihm gehört.

»Harriet Clarke, geborene Scaloppo, war meine Tante«, erklärte Gillian, nachdem Bounts Wissensstand erschöpft war.

»Tonys Tochter?«, fragte Bount Reiniger.

»So ist es. Eine ziemlich einfache Familiengeschichte. Tony Scaloppo hatte ein ordentliches Testament aufgesetzt, und er war auch rechtmäßiger Eigentümer dieses Hotels. Seine einzige Tochter erbte es. Sie war mit einem verarmten Großgrundbesitzer aus England verheiratet. Ihm verdankte sie ihren Namen und das Privileg, sich als Frau auf ein Geschäft stürzen zu dürfen, das zu ihrer Zeit wohl kaum einer anderen Frau möglich war. Ihrem englischen Ehegatten war das gerade recht. Er konnte sich darauf beschränken, ihr beim Lunch oder beim Five o’clock tea weise Ratschläge zu geben. Im Übrigen hatte er endlich den beruhigenden finanziellen Hintergrund, um sich dem Golfspiel, Tennis und Segeln widmen zu können. Die Eheleute sollen sehr zufrieden gewesen sein. Jeder hatte für sich das, was er immer hatte haben wollen. Gemeinsamkeiten hatten sie kaum.« Gillian lächelte und stellte ihr Glas, an dem sie nur genippt hatte, auf den Schreibtisch.

»Sie heißen auch Clarke«, sagte Bount. »Aber es klingt so, als ob Sie von Ihrer Familie nicht sehr begeistert seien.«

»Es sind eher gemischte Gefühle, Mister Reiniger. Meine Eltern sind früh gestorben, bei einem Verkehrsunfall. Mein Vater und Harriets Ehemann waren Brüder. Tante Harriet hat mich nach dem Tod meiner Eltern aufgenommen. Später hat sie mich in Internate gesteckt. Es war eine gute Sache. Ich habe davon profitiert, und ich bin nicht unzufrieden. Ihr Mann starb, und ich habe Tante Harriet oft besucht. Später habe ich Volkswirtschaft studiert und bin danach als Abteilungsleiterin in eine Handelsagentur eingestiegen.«

»Vor drei Jahren starb Harriet Clarke«, vervollständigte Bount den Bericht mit dem, was er wusste. »Alleinerbin waren Sie, Miss Clarke.«

Sie nickte. »Bitte sagen Sie Gillian zu mir.«

»Unter der Bedingung, dass ich für Sie ab sofort Bount bin.«

»Einverstanden.« Sie lächelte und reichte ihm die Hand. Eine feinnervige, doch energische Hand. Gillian war als geschäftsführende Inhaberin des Hotels »Westside Stars« außerordentlich erfolgreich gewesen. Sie hatte dem Hotel, das nur einen Katzensprung vom Broadway entfernt war, wieder einen wohlklingenden Namen verschafft.

Harriet Clarke hatte sich in all den Jahren zuvor zwar nach Kräften bemüht, aber ihr hatten letztlich die Fachkenntnisse gefehlt. Für Tony Scaloppo war das Hotel nur ein Aushängeschild gewesen, eine Geldwäscherei, um seine illegal verdienten Dollars in legales Geld zu verwandeln. Im Anschluss war es seiner Tochter nicht gelungen, das Haus einem größeren Kundenkreis zu eröffnen.

Heute beherbergte das »Westside Stars« Geschäftsleute aus den wichtigsten amerikanischen Handels- und Industriezentren ebenso wie Touristengruppen aus Europa, die sich von der Broadwaynähe des Hotels beeindrucken ließen.

Bount Reiniger und Gillian Clarke gingen in die Lobby zurück. Spurensicherer und Protokollanten waren noch immer bei der Arbeit. Den toten Gangster hatte man abtransportiert. Die Lage seines Körpers war mit Kreidestrichen markiert worden. Durch den offen stehenden Eingang des Restaurants war Toby Rogers zu sehen. Er saß allein an einem Tisch und werkte mit Messer und Gabel.

Bount Reiniger und die Hotelinhaberin bahnten sich ihren Weg durch das Menschengewühl aus Uniformierten und Zivilgekleideten.

Captain Rogers verzehrte die Reste eines mächtigen Steaks und schaufelte die Beilagen in sich hinein - Champigons, Pommes frites und frischen Salat.

»Alle Achtung«, sagte Toby kauend und nickte Gillian zu. »Die Küche kann sich sehen lassen.«

»Ich bin zwar nicht dafür verantwortlich, weil es ein Eigenbetrieb ist«, entgegnete Gillian. »Aber ich achte schon darauf, wem ich das Restaurant verpachte.

»Sehen Sie«, erklärte Toby, »also haben Sie doch maßgeblichen Anteil an der Qualität dieser Genüsse.« Er deutete mit dem Messer auf seinen fast leeren Teller. »Übrigens würde ich mich gern noch einmal mit Ihnen unterhalten, wenn mein Freund Bount so nett ist, Sie freizugeben.«

»Ich denke, er wird nichts dagegen einzuwenden haben«, entgegnete Gillian mit einem lächelnden Seitenblick.

Bount schüttelte den Kopf und grinste zustimmend. Toby musste mit knurrendem Magen zum Einsatz gerufen worden sein. Das war der Grund gewesen. Jetzt hatte sich seine Laune wesentlich gebessert.

Bount leistete der hübschen Hotelinhaberin und seinem Freund noch eine Zigarettenlänge Gesellschaft. Dabei erfuhr er, dass der getötete Gangster identifiziert worden war. Red Canford. Ein kleines Licht in der Unterwelt. Ein Handlanger, der auch die schlechtesten Jobs übernahm, weil er keine besonderen Qualitäten aufweisen konnte,

Toby Rogers war überzeugt, mit Hilfe von V-Leuten herauskriegen zu können, für welches Syndikat Canford in die Hotelhalle spaziert war und gemeinsam mit den beiden anderen Kerlen die halbe Einrichtung zu Bruch geschossen hatte.

Bount verabschiedete sich. Sein Auftrag lautete, Gillian Clarke vor weiteren Schwierigkeiten zu bewahren. Er wollte seine eigenen Wege gehen, um das zu erreichen.

2

Aus 300 Fuß Höhe sahen die Straßenschluchten Manhattans erst richtig aus wie Schluchten. Strahlender Sonnenschein lag über dem Gebäudemeer aus Beton und Glas. Die Ketten der Autos, die wie lackglänzende Tausendfüßler durch die Schluchten krochen, wirkten klein und unbedeutend und leicht überwindlich. Es war der Eindruck von Überlegenheit, der Nando Brugione stets dann befiel, wenn er in einem Hubschrauber oder in einem Flugzeug saß und die Welt von oben betrachtete.

Die beiden Männer, die ihm gegenüber hockten, mochten anders denken - wenn sie überhaupt noch denken konnten.

Brugione musterte sie nachdenklich, rieb sich das Kinn mit Daumen und Zeigefinger und versuchte, sich in ihre Lage zu versetzen. Vermutlich nahmen sie außer dem Triebwerkslärm des Hubschraubers nichts Besonderes wahr. Die Todesangst musste ihre Sinne lähmen. Waren sie geistig gelähmt - wie Ratten, von der Katze unentrinnbar in die Enge getrieben?

Möglich.

Brugione bemerkte, dass sie ihn fortwährend anstarrten. Über den breiten weißen Klebestreifen, mit denen Yamamoto ihnen den Mund zugepappt hatte, standen ihre Augen kreisrund und hervorquellend. Die Fesseln erlaubten ihnen kaum, auch nur den kleinen Finger zu bewegen. Die Angst brüllte in ihnen wie ein Tier. Oder waren sie nur erstaunt, ihn zu sehen?

Ihn, den großen Brugione, den ihresgleichen sonst nie zu Gesicht kriegte. Er wusste um sein Erscheinungsbild. Es war das Bild eines erfolgreichen Geschäftsmanns aus den höchsten Regionen des Business. Sein eleganter Nadelstreifenanzug war maßgeschneidert, und er hatte die Figur, die dazu passte - schlank, fünfeinhalb Fuß groß, breit in den Schultern und schmal in den Hüften. Mit den schwarzen Haaren, dem Oberlippenbart und dem markant geschnittenen Gesicht machte sein Erscheinungsbild insbesondere auch auf weibliche Augen starken Eindruck. Er hatte deshalb nie geheiratet. Die Abenteuer, die er erlebte, konnte er als Geknechteter mit Trauring niemals erleben.

Der Hubschrauber hielt Kurs auf Manhattan Downtown, und die mächtigen Türme des World Trade Center wischten bald darauf unter der Maschine weg. Das Wasser der Upper Bay glitzerte im Sonnenschein. Ein Fährschiff legte vom Battery Park Terminal ab und zog eine silbern schimmernde Kielwasserbahn in Richtung Staten Island.

Der Pilot legte die Maschine in einen Bogen nach Südosten und hielt auf die Verrazzano Narrows Bridge zu. Die Umrisse von Staten Island schoben sich breit und wuchtig ins Blickfeld.

Der Hubschrauber näherte sich dem filigranen Gitter und Netzwerk der Brücke, die Brooklyn und Staten Island verbindet. Ein Überseefrachter pflügte von der Lower Bay herein. Die hochbeinige Brücke konnte seinen Aufbauten nicht gefährlich werden.

Über die Schultern des Piloten und des Co-Piloten hinweg konnten Brugione und Yamamoto schon die endlose Weite des Atlantik sehen. Doch im Vordergrund ihres Blickfelds waren unauslöschlich die panikgeweiteten Augen über den weißen Klebestreifen.

Der Pilot änderte erneut den Kurs, ließ die Verrazzano Bridge zurück und flog an der östlichen Küste Staten Islands entlang. Die Hügellandschaft dieses ländlich provinziell anmutenden New Yorker Stadtteils war durchbrochen von weißen Bungalows und Villen. Minuten später änderte sich das Bild jedoch.

Die Mondlandschaft der größten New Yorker Müllhalde wurde sichtbar. Möwenschwärme stiegen auf und senkten sich wieder auf die Tonnenladungen faulender Nahrung hinunter.

Terry Yamamoto öffnete die Leder-Schatulle, die er neben sich auf dem Sitz liegen hatte. Er erledigte jeden Handgriff bewusst langsam, damit die beiden Männer es genau mitkriegten. Auf Samt gebettet lag blau schwarz glänzend ein Colt-Revolver mit sieben Inch langem Lauf. Ein Nachbau des ersten Patronen-Colts als Cavalry Modell, angefertigt von der Firma Colt in Hartford, Connecticut, im Jahr 1973. Auf einem kleinen Messingschild im Deckelinneren stand schlicht »Colt's Patent Centennial 1873 - 1973«.

Als »Peacemaker« war die Zivilversion dieses Revolvers in die Waffengeschichte eingegangen. Yamamoto, der Waffennarr, sammelte kostbare Einzelstücke. Den 45er Colt mit dem langen Lauf hielt er für unübertroffen, was Zielgenauigkeit und Zuverlässigkeit betrafen. Einziger Nachteil war, dass man die große Waffe schlecht mit sich herumtragen konnte.

Brugione beobachtete ihn aus den Augenwinkeln, wie er die Ladeklappe öffnete und sich überzeugte, dass fünf Trommelkammern geladen waren. Nach bewährter Manier der alten Westmänner hatte Yamamoto eine Kammer leer gelassen, in der der Hahn bei Ruherast lag. So funktionierte der einfache Sicherungsmechanismus bei Single Action-Revolvern. Damals, im Westen, hatten sie auf diese Weise verhindert, dass sie sich aus Versehen ins Bein oder in den Fuß schossen.

Terry Yamamoto war schlank und nur mittelgroß. Er hatte jettschwarzes Haar und mandelförmige Augen. Insgesamt wirkte er wie ein zierlicher Asiate. Dennoch war er US-Bürger. Vor allem an der Ostküste hielten ihn viele für einen japanischen Geschäftsmann, der aus Handelsgründen im Finanzzentrum New York zu tun hatte. Doch Yamamoto war Hawaiianer von Geburt an. Sein Vater war aus Japan auf die Pazifikinsel Oahu eingewandert, seine Mutter von den Philippinen.

Für Brugione hatte Yamamoto vor allem einen entscheidenden Vorteil: Er pflegte keinerlei freundschaftliche Beziehungen zu anderen Menschen. Von daher war er unverwundbar. Terry Yamamoto liebte seine Waffen, und er zeichnete sich durch besondere Grausamkeit aus.

Nando Brugione wandte sich an die beiden Gefesselten. Da die Hubschrauberkabine gut schallisoliert war, brauchte er seine Stimme nicht sonderlich anzustrengen.

»Es ist gleich so weit, Freunde«, sagte er. »Dass wir nicht länger zusammenarbeiten können, müsst ihr einsehen. Was ihr euch in der Hotelhalle geleistet habt, war wirklich selten dumm. Ihr hättet Canford zumindest wegschaffen müssen — tot oder lebendig. Euch von einem einzelnen Kerl daran hindern zu lassen, war das Unglaublichste, was ihr euch leisten konntet.«

Sie gaben gurgelnde Laute von sich.

Brugione und Yamamoto sahen sich lachend an. Man brauchte den Bastarden nicht einmal die Knebel abzunehmen, um zu wissen, was sie faseln würden. Alle möglichen faulen Ausreden würden sie vorbringen. Dabei gab es keine einzige, die gezogen hätte. Nicht für Terry Yamamoto, den Killer und Leibwächter. Nicht für Nando Brugione, den Mann an der Spitze des Syndikats. Versager waren eine Gefahr. Und für das Syndikat konnte eine solche Gefahr tödlich werden.

Möglich, dass die Cops über Red Canford, den größten Versager der drei, eine Spur aufnehmen konnten. Vielleicht schafften sie es, Hinweise auf die Organisation zu finden, für die Canford und seine Komplizen gearbeitet hatten.

Rogers war ein tüchtiger Bursche, vor dem man Respekt haben musste. Es hatte keinen Sinn, ihn zu unterschätzen. Allein deshalb mussten die vorhandenen Spuren beseitigt werden.

Die Spuren, die am gefährlichsten werden konnten, hockten gefesselt und geknebelt hier im Hubschrauber.

Der Pilot gab das Zeichen, indem er die rechte Hand mit hochgerecktem Daumen emporstieß. Der Copilot stieg nach hinten, um Yamamoto zu unterstützen. Er öffnete die Kabinenluke auf der Seite des Hawaiianers. Schneidender Wind pfiff herein, doch nicht unerträglich. Die Temperaturen waren hoch genug, um es als Erfrischung zu empfinden.

Brugione verschwendete keinen Gedanken mehr an die Ängste der Todgeweihten. Er dachte an einen kühlen Drink, den er in wenigen Minuten am Rand seines Swimmingpools zu sich nehmen würde.

Die Maschine befand sich im Sinkflug.

Yamamoto sah die riesigen Schuten direkt unter sich. Ein Schlepper zog drei von den Lastkähnen, die mit stinkendem Müll vollgepackt waren. Yamamoto meinte, den Gestank selbst in hundert Fuß Höhe in der Hubschrauberkabine wahrnehmen zu können. Weitere Müllschleppzüge befanden sich in weiter Ferne, am südlichen Horizont, wo sich etwa die Anlegestelle der gigantischen Abfallhalde befinden musste.

Ein Hubschrauber war in New York City nichts Besonderes. City Police und Stadtverwaltung unternahmen des Öfteren Kontrollen von Mülltransporten. Dann ging es vor allem darum, ob gegen irgendwelche Umweltgesetze verstoßen wurde.

Der Copilot packte den ersten der beiden Gefesselten und stieß ihn in die Tiefe.

Ohne eine Sekunde zu verschwenden, warf er auch den zweiten Mann hinunter.

Der Copilot trat zurück.

Yamamoto schob sich bis ans äußere Ende der Sitzbank. Der Flugwind stach ihm ins Gesicht. Er kniff die Augen zusammen und brachte den schweren Colt in Beidhandanschlag. Die Gefesselten lagen im fauligen Unrat und versuchten verzweifelt, sich durch wurmartiges Winden in die stinkende Masse einzugraben. Sie schafften es nicht.

Yamamoto feuerte insgesamt vier Kugel ab - zwei für jeden. Er wäre schon mit je einem Geschoss ziemlich sicher gewesen. Aber er wollte hundertprozentig sicher sein. Keine Schlampigkeit. Nicht in diesem Fall.

Die Schüsse waren im Lärm von Triebwerk und Rotorblättern untergegangen. Yamamoto schloss die Kabinentür, und sofort ging der Pilot wieder auf Höhe, um gleich darauf abzudrehen.

Brugione überzeugte sich mit einem kurzen Blick, dass die Schlepperbesatzung spurte. Drei Männer. Er hatte jedem tausend Bucks dafür zahlen lassen, dass die Leichen ungesehen verschwanden. Sie hatten keinen Mord begangen. Sie beseitigten Abfall. Mehr nicht. Sie brauchten nicht einmal ein schlechtes Gewissen zu haben. Das stand für Nando Brugione fest.

Und bislang hatte es noch nie jemanden gegeben, der ihn von seinen Überzeugungen abbringen konnte. Dabei sollte es bleiben.

3

Ryan, der Inhaber von Ryan’s Chevrolet Service an der Ninth Avenue, Ecke West 48th Street, war ein geschäftstüchtiger Bursche. In der kleinen Cafeteria, die er für seine Kunden zum Warten eingerichtet hatte, lagen farbenfrohe Lackglanzprospekte auf den Tischen. Man war gezwungen, sich die Bilder der neuesten Chevy Modelle anzusehen, allein schon deshalb, weil man die Prospekte beiseite schieben musste, wenn man seine Kaffeetasse abstellen wollte.

An Bount Reinigers Assistentin hätte Ryan keine Freude gehabt. Sie breitete ihre Modezeitschrift über den Prospekten aus und stellte ihre Kaffeetasse auf das funkelnde Abbild eines Chevrolet Camaro. Dazu angelte sich die bildhübsche Blondine einen Aschenbecher vom Nebentisch und verdeckte auch noch den grafisch voll durchgestylten Firmenschriftzug. Eine Hand mit Zündflamme erschien, als June die Zigarette hob und nach dem eigenen Feuerzeug greifen wollte. Erstaunt wandte sie den Kopf. Der Lautlose, dem die Flammenhand gehörte, hatte sich von rechts genähert.

Ein Bild von einem Mann. Der Typ des normannischen Kleiderschranks. Groß, breitschultrig, mit braungebranntem Gesicht und silbergrauem Haar. Vom Alter her schwer einzuschätzen. Auf jeden Fall gab es da diesen prickelnden Reiz, den auch June nicht einfach ignorieren konnte. Es war dieser Reiz zwischen der Vaterfigur einerseits und dem erfahrenen, reifen Mann andererseits.

Die Gentlemanmanieren wirkten an ihm nicht lächerlich, sondern im höchstem Maße gekonnt. So gekonnt wie die Zusammenstellung seines hellgrauen Sommeranzugs mit dem dunkelblauen Shirt und den weißen Tennisschuhen.

June hielt ihre Zigarette in die Flamme, inhalierte und lehnte sich zurück, um dem Gentleman ein Lächeln zu gönnen.

»Vielen Dank!«

Er nickte und erwiderte ihr Lächeln, Während er das Feuerzeug erlöschen ließ, kehrte er um und zog sich an einen Tisch rechts hinter June zurück. Sie war überrascht, und sie musste sich anstrengen, um es nicht zu zeigen. Scheinbar konzentriert wandte sie sich ihrer Modezeitschrift zu, rauchte die Zigarette mit Genuss und nippte am Kaffee.

Zwischendurch warf sie forschende Blicke durch die Wand aus schallschluckendem Doppelglas, die die Cafeteria von der Werkstatt trennte. Ihr schneeweißer Camaro wurde dort irgendwo noch bearbeitet.

Bount hatte ihr den vorgezogenen Feierabend zähneknirschend genehmigt, weil sie ihm glaubhaft erklärt hatte, dass sie ohne ihren Wagen morgen zwangsläufig zu spät zum Dienst erscheinen würde. In Ryan’s Werkstatt ging es auch auf den Feierabend zu. Es konnte sich in der Tat nur noch um zehn Minuten handeln.

June spürte die Blicke des normannischen Kleiderschranks. Er beobachtete sie ungeniert, da war sie sicher. Wenn sie sich jetzt umdrehte, würde sie ihm direkt in die Augen sehen. Aber die Genugtuung wollte sie ihm nicht geben. Er hatte sie durch sein Verhalten verblüfft. Der offenkundige Annäherungsversuch mit dem Feuerzeug und dann der unerwartete Rückzug. Vielleicht war das seine besondere Taktik, mit der er sich noch interessanter darstellen wollte. Bei ihr, so beschloss sie, würde er damit jedenfalls nicht landen.

Ryan persönlich betrat die Cafeteria. Er brachte den Geruch von Benzin und Getriebeöl mit. Und er steuerte geradewegs auf June March zu. Seine bedauernde Miene sagte alles.

»Und dafür nehme ich mir extra rechtzeitig frei!«, rief June entnervt.

Ryan blieb vor ihrem Tisch stehen, ein untersetzter Mann mit rostrotem Haar. Verlegen zog er die Schultern hoch. »Woher wissen Sie, was ich sagen will, Miss March?«

»Ich kann es an Ihrer Nasenspitze ablesen«, erwiderte sie verärgert. »Warum rufen Sie mich nicht vorher im Office an, wenn Sie doch wissen, dass es nicht rechtzeitig klappt?«

»Wir wussten es eben nicht«, entgegnete Ryan. »Erst vor zwei Minuten haben wir festgestellt, dass an Ihrem Wagen die Wasserpumpe defekt ist.«

»Dann reparieren Sie das verdammte Ding!«

»Wir könnten eine neue Pumpe einsetzen. Das wäre bis Feierabend gerade noch zu schaffen. Aber das Dumme ist, dass wir ausgerechnet die passende Pumpe für den Camaro nicht auf Lager haben.«

June verdrehte gequält die Augen.

»Haben Sie wenigstens einen Ersatzwagen für mich?«

Ryan knetete seine Finger und trat von einem Bein auf das andere.

»Auch da muss ich leider passen, Miss March. Zur Zeit ist alles unterwegs, was wir im Stall haben.«

»Verzeihung, wenn ich mich einmische«, sagte eine angenehm dunkel klingende Stimme rechts neben June.

Sie wandte den Kopf und sah den normannischen Kleiderschrank an. Natürlich würde er ihr jetzt anbieten, sie nach Hause zu fahren.

»Ja, Mister Murtagh?« Ryans Stimme klang respektvoll.

»Ich hoffe doch, dass wenigstens mein Wagen rechtzeitig fertig wird.«

»Keine Sorge, Mister Murtagh, es klappt.«

June glaubte, einen Schritt vor das Schienbein erhalten zu haben. Murtagh zog sich aus ihrem Blickfeld zurück.

»Na gut«, sagte sie, an Ryan gewandt. »Dann muss ich mir wohl ein Taxi nehmen.«

»Selbstverständlich auf meine Kosten«, entgegnete der Werkstattinhaber zerknirscht. »Kommen Sie morgen Mittag, Miss March. Ihr Camaro ist dann garantiert fertig.«

Sie nickte geistesabwesend und stand auf, um ihre Sachen zusammenzuräumen. Im Office war eine Menge Arbeit liegengeblieben. Honorarabrechnungen, Buchführung, und Bount musste sich seinen abendlichen Kaffee selbst zubereiten. Sie hätte die Zeit wirklich besser nutzen können, als hier herumzusitzen und vergeblich warten.

Leichtfüßig näherte sich der Gentleman mit dem silbergrauen Haar.

»Ich will mich nicht aufdrängen, Madam. Aber ich fahre Sie gern mit meinem Wagen — wohin Sie wollen.«

»Nach Alaska bestimmt nicht«, erwiderte June mit einem Anflug von Spott.

»Ich nehme nicht an, dass Ihre Feierabendbeschäftigung in Fahrten nach Alaska besteht. Ganz abgesehen davon, dass ein Feierabend dafür kaum ausreichen dürfte.«

»Ich bewundere Ihren Scharfsinn, Mister Murtagh. Allerdings lasse ich mich nicht gern von Fremden kutschieren.«

»Sie kennen mich bereits seit einer Viertelstunde«, entgegnete er mit entwaffnendem Lächeln.

»Manche kennen sich Jahre und sind sich doch fremd.«

»Ihrem Faible für Wortgefechte gebe ich gern nach. Allerdings in einer gemütlicheren Umgebung.«

Aha, dachte June, nun schlägt er doch den erwarteten Kurs ein. Laut sagte sie: »Nun bin ich aber gespannt, was Sie in dem Zusammenhang vorzubringen haben.«

»Nichts«, erwiderte Murtagh. »Ich bin ein fantasieloser Mensch. Wenn Sie mir nicht eine Anregung geben, wird mir nichts einfallen, fürchte ich.«

»Ich lasse Ihren Wagen vorfahren«, warf Ryan dazwischen und entfernte sich in Richtung Werkstatt.

»Andere an Ihrer Stelle würden mich zum Essen einladen«, sagte June herausfordernd. Murtagh war ein ungemein interessant wirkender Typ. Und sie hatte die Freiheit, ihrer Neugier nachzugeben.

Murtagh zog die Brauen hoch und nickte bedächtig.

»Sehen Sie, das ist es. Wir leben in einer Zeit, in der sich die Rollen immer mehr vertauschen. Fast wie von selbst. Früher war das Ritual festgeschrieben. Als Mann wusste man genau, was von einem erwartet wurde und wie weit man gehen durfte. Heute muss man vorsichtig sein, weil man nicht weiß, ob man an die Falsche gerät. Ich bin schon als chauvinistischer Hund beschimpft worden, nur weil ich einer jungen Lady in den Mantel helfen wollte.«

»Ich bin nicht so voreilig«, entgegnete June lächelnd. »Ob ich Sie beschimpfen muss, wird sich noch herausstellen.«

»Frauen sind doch die besseren Diplomaten«, sagte er. »Ich heiße übrigens Frank. Frank Murtagh.«

»June March«, entgegnete sie und reichte ihm die Hand.

»Was für ein seltener Vorname!«

»Sind Sie New Yorker?«

»Aber ja.«

»Dann müssten Sie doch wissen, dass es in dieser Stadt nichts gibt, was es nicht gibt.«

Er senkte in gespielter Beschämtheit den Kopf.

»Ich fürchte, meine Niederlage zeichnet sich ab. In unseren bevorstehenden Wortgefechten werde ich bestimmt der Unterlegene sein.«

»Keine Angst«, sagte June. »Ich lasse Sie ein paarmal gewinnen.«

Sein Wagen war ein nachtblauer Chevrolet Caprice Classic. Eine schwere Limousine, deren Eleganz durch die Weißwandreifen betont wurde. Murtagh öffnete June galant die Tür auf der Beifahrerseite und schloss sie wieder, nachdem sie eingestiegen war. Sie trug einen khakifarbenen Hosenanzug im Abenteurerlook und dazu flache Segeltuchschuhe in der gleichen Farbschattierung. Der leichte Pulli in kräftigem Kaffeebraun bildete einen wirkungsvollen Kontrast.

»Was halten Sie davon, wenn wir unsere Wortgefechte in italienischer Umgebung fortsetzen?«, erkundigte sich Murtagh, nachdem er den Wagen mit sanft schnurrendem Motor in Gang gesetzt hatte.

»Eine sehr passende Idee«, erwiderte June. »Wortreichtum ist den Italienern nun ja wirklich nichts Fremdes.«

Lachend fuhr er auf die Avenue hinaus und bog in Richtung Downtown ab. An der Ecke West 42nd Street schaffte er es, den schweren Wagen in eine Parklücke zu rangieren, die nach Junes Eindruck kaum mehr Platz ließ als Stoßstangentuchfühlung.

Sie brauchten nur ein kurzes Stück zu Fuß zu gehen. Frank Murtaghs Ziel war ein Restaurant der Spitzenklasse. »Al Gambero«, von außen unscheinbar hinter der üblichen New Yorker Brownstone Fassade.

Drinnen fühlte sich June jedoch auf Anhieb ans Mittelmeer versetzt. Weiß überwog in der Einrichtung. Keine Trennwände, und doch entstand durch geschickt platzierte Zimmerpflanzen der Eindruck von Nischen. In einem großen Aquarium bewegten sich Fische, deren Schicksal vom Appetit der Gäste entschieden wurde. Aus verborgenen Lautsprechern perlte leise Mandolinenmusik. Etwas Sizilianisches.

»Ich denke an Mafiafilme«, gestand June, nachdem sie sich in dem noch halb leeren Lokal für einen Fensterplatz entschieden hatten. Frank Murtagh beugte sich über den Tisch.

»In der Tat!«, wisperte er. »Es wird erzählt, dass die Inhaber dieses Ladens bei der Ehrenwerten Gesellschaft mitmischen.«

June lachte. Es wurde ein Abend voller Heiterkeit. Sie erfuhr, dass Frank früher Geschäftsführer einer Konservenfabrik gewesen war und jetzt von den Erträgen des Geldes lebte, das er im Laufe der Jahre zusammengekratzt hatte, wie er sich augenzwinkernd ausdrückte.

June revanchierte sich mit einer Schilderung ihrer Lebensumstände. Frank gab zu, dass er zum ersten Mal in seinem Leben die Assistentin eines Privatdetektivs kennengelernt habe.

June empfahl ihm einen Blick ins New Yorker Branchentelefonbuch, wo er sehr schnell feststellen würde, dass es ein paar tausend private Ermittler in der Achtmillionenstadt gab; wahrscheinlich also mindestens ebenso viele Assistentinnen. Frank Murtagh gab sich geschlagen, wie er es vorhergesehen hatte.

Sie genossen einen rubinrot funkelnden Vino Nobile aus der Toskana. June fühlte sich beschwingt, und sie dachte schon lange nicht mehr an ihren Camaro, den sie am Morgen zur Inspektion gebracht hatte. Und sie dachte auch nicht mehr an die Arbeit, die im Office liegengeblieben war.

Irgendwann an diesem anregenden Abend stellte sie fest, dass die Inhaber des noblen Restaurants die Räume für Ladys wie einen Marmorpalast eingerichtet hatten. Vergoldete Wasserhähne funkelten unter wandhohen Spiegeln und über granitfarbenen Keramikbecken.

June kontrollierte ihr sparsames Make-up, stopfte die Utensilien in die Handtasche und wandte sich zum Gehen.

Jemand hatte sich verirrt.

Aber die Reaktion war kein erschrockenes Bedauern.

Der Mann grinste. Lautlos war er durch den Vorraum geschlichen, denn er stand plötzlich wie aus dem Marmorboden gewachsen vor June. Ungeniert musterte er sie von Kopf bis Fuß, als wolle er sie mit Blicken ausziehen. Sie verharrte und wusste, dass sie eine hauchdünne Chance hatte.

»Sie scheinen sich nicht verlaufen zu haben«, sagte sie, um Zeit zu gewinnen.

Er lachte. Alles in allem war er eine elegante Erscheinung. Dunkelblauer, fein gestreifter Anzug, hellblaues Hemd, rehbraune Schuhe, die nach exquisitem italienischem Design aussahen.

»Humor haben Sie, Miss March, dass muss man Ihnen lassen.« Er strich über seinen buschigen Schnauzbart. Erst jetzt waren seine hauchdünnen Handschuhe aus hellgrauem Stoff zu erkennen.

June erschrak. Vor sich selbst musste sie zugeben, dass sie Angst hatte. So, wie jeder normale Mensch in dieser Situation Angst haben musste. Der Mann kannte ihren Namen. Er hatte es auf sie abgesehen, und ein Komplize stand wahrscheinlich draußen vor der Tür, um zu verhindern, dass weitere Ladys aufkreuzten. June war nicht das kalte und gelassene Karategirl in einem Fernsehkrimi. Aber sie wusste sich zur Wehr zu setzen, denn sie war Bount Reinigers Assistentin.

»Verschwinden Sie!«, sagte sie. »Oder ich werde schreien.«

»Schreien Sie!« Der Elegante grinste. »Der Laden hat dicke Wände. Niemand wird Sie hören.« Noch während er sprach, schnellte er auf sie zu. In der Rechten hielt er plötzlich einen Wattebausch, den er aus dem Nichts hervorgezaubert zu haben schien. Reaktionsschnell wich June aus.

Sein Vorstoß ging ins Leere. Er musste sich an einem Waschbecken festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

June wirbelte herum. Er war nicht schnell genug in seinem Vorhaben, sich abzustoßen und erneut auf Bount Reinigers Assistentin loszugehen. Nur der Ansatz der Beilegung gelang ihm. June schmetterte ihm eine Handkante auf den rechten Unterarm und wich im selben Moment nach links weg.

Der Mann knurrte vor Schmerzen, verlor aber den Wattebausch nicht aus der Hand. Erneut stieß er ins Leere, als er zupacken wollte. Er stolperte  zurück in die Richtung, aus der er gestartet war. June setzte nach, ließ die Handtasche fallen und feuerte einen wahren Wirbel von Handkanten auf ihren Gegner ab. Sein Stolpern verstärkte sich, und er war im Begriff, den glatten Marmor aufzusuchen.

In diesem Moment tauchte der zweite Mann auf, dem das Warten zu lang geworden sein musste. Ein stämmiger Kerl, gedrungen wirkend und mit der Tänzelenergie eines Profiboxers. Er schaltete sofort, als er seinen torkelnden Kumpel sah, packte ihn und stieß ihn zurück in Junes Richtung.

Armrudernd wedelte der Elegante auf June March zu. Sie stand noch unter dem Einfluss des Schwungs, mit dem sie ihn in fast die Waagrechte geschickt hätte. Unmöglich für sie, sich noch aus der Bahn des Mannes mit dem Wattebausch zu werfen. Ein rudernder Arm traf sie. Gemeinsam mit dem Kerl stürzte sie zu Boden. Im selben Moment, bevor sie auch nur ansetzen konnte, sich aufzurappeln, hatte der Stämmige seinem Komplizen den Wattebausch entrissen. Mit einem Satz war er bei ihr und presste ihr das weiche Ding auf Mund und Nase.

Verzweifelt wand sie sich unter dem beißenden Chloroformgeruch. Sie griff nach dem Arm des Kerls, versuchte, ihn wegzureißen. Aber er hatte Bärenkräfte. Ihre Bewegungen erlahmten rasch. Sie spürte es und bot alle Willenskraft auf, um sich dagegen zu wehren. Das Gas, das aus der Watte in ihre Atemwege vordrang, lähmte sie mehr und mehr. Das letzte Bild, das sie vor ihrem geistigen Auge sah, war das eines normannischen Kleiderschranks mit silbergrauen Schläfen. Sie sah ihn buchstäblich vor sich, am Tisch im Restaurant, wie er an seinem Weinglas nippte und dieses feinsinnige Lächeln aufgesetzt hatte.

4

Getzen trug seine Kamera an einem von diesen breiten Riemen, die in vielen verschiedenen Farben mit dem Namen des Kameraherstellers bedruckt waren. Getzen lümmelte sich mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem Stuhl und fühlte sich überhaupt als der Mittelpunkt des Abends.

»Wir brauchen einen Presslufthammer«, sagte er, Kaugummi kauend, und stampfte seine Zigarette in den Aschenbecher.

Seine Kollegen, ein knappes Dutzend Reporter, teilweise auch mit Kameras ausgerüstet, blickten ihn an. Dabei sahen sie beinahe ehrfurchtsvoll aus. Getzen schien die ganz große Nummer in der Branche zu sein. Jedenfalls gab er sich so, und seine Kollegen schienen nicht einmal daran zu denken, ihn mit Nichtbeachtung zu strafen.

Das mit dem Presslufthammer musste nach Bount Reinigers Empfinden ein besonders großartiger Einfall sein. Er rechnete fest damit, dass Getzens Kollegen auch noch Beifall klatschen würden. Erstaunlicherweise blieben sie jedoch ruhig, aber wohl nur, weil sie gespannt auf seine weiteren Erläuterungen waren.

»Mit dem Ratterding gehen wir an den Betonklotz ran«, erläuterte Herb Getzen, seines Zeichens Chefreporter des »Morning Echo«, das sich durch bluttriefende Reportagen auszeichnete. »Natürlich muss es nicht wirklich rattern. Aber die Lady muss den Apparat in den Händen halten und so tun als ob.«

Bount wechselte einen Blick mit Gillian. In ihrer Miene las er, was auch er empfand. Sie, als Inhaberin des Hotels »Westside Stars«, fühlte sich in ihren eigenen vier Wänden wie das fünfte Rad am Wagen. Sie hatte Bounts Vorschlag zugestimmt, eine Art Pressekonferenz zu veranstalten.

Pausenlos hatte in den frühen Abendstunden das Telefon geklingelt, und ein Journalist nach dem anderen hatte um einen Termin gebeten. Alle waren mit dem gemeinsamen Gespräch im kleinen Konferenzraum des Hotels einverstanden gewesen - einschließlich Herb Getzen.

Bount hatte Gillian erklärt, dass es besser wäre, die Sensationsgeier mit Informationen zu versorgen. Sagte man ihnen nichts, besorgten sie sich ihre Fakten hinten herum, und dann stimmte meist die Hälfte nicht. Und aus Gillians Fall ließ sich natürlich eine besonders heiße Story häkeln.

»Hotelinhaberin hämmert Blutgeld aus Beton!«

Oder so ähnlich.

»Wir nehmen das Bild aus verschiedenen Blickwinkeln auf«, fuhr Getzen mit seinen Regieanweisungen fort. »Ihr könnt natürlich tun, was ihr wollt. Aber ich würde mich freuen, wenn ihr’s nicht alle so aufnehmt wie ich.«

Sie nickten eifrig. Getzen servierte ihnen das fertige Bildmotiv. Sie brauchten dafür nicht ihren eigenen Grips anzustrengen.

»Mir ist vor allem eins wichtig«, sagte er breit und beförderte den Kaugummi von einem Mundwinkel in den anderen, »dass nämlich dem Leser klar wird, wie er sich an Miss Clarkes Stelle fühlen würde. Er würde ganz versessen darauf sein, Tony Scaloppos Schatz zu bergen. Und da nimmt man schon mal selbst den Presslufthammer in die Hand.« Er wandte sich Gillian zu. Zum ersten Mal seit geraumer Zeit beachtete er sie überhaupt. »Sie haben doch hoffentlich so ein Ding auf der Baustelle liegen?«

Gillian schnappte nach Luft. Bount half ihr.

»Schlagen Sie sich das aus dem Kopf, Herb!«, sagte er ruhig. »Miss Clarke denkt überhaupt nicht daran, sich in einer solchen Pose fotografieren zu lassen.«

Getzen verzog geringschätzig die Mundwinkel und wechselte die übereinandergeschlagenen Beine um.

»Ich könnte mir vorstellen, dass die Lady ihre eigenen Entscheidungen trifft. Wenn wir das Bild nicht kriegen, ist die Story wertlos. Also, Miss ...«

»Mister Getzen!«, schnitt sie ihm das Wort ab. »Ich fühle mich weiß Gott nicht so, wie Sie es sich von Ihren Lesern vorstellen. Ich wäre froh, wenn es den Sealoppo-Schatz nicht gäbe.«

Kugelschreiber flogen über Notizblöcke. Für den Moment stand Getzen nicht mehr im Mittelpunkt. Gillians Erklärung war wichtiger als das Bildmotiv. Aber Getzen riss die Aufmerksamkeit wieder an sich. Unvermittelt hob er seine Kamera. Das Objektiv drehte sich schnurrend und blieb stehen. Autofokus. Der Motorwinder löste mehrmals hintereinander aus, und der Elektronenblitz zuckte im gleichen Tempo. Getzen ließ die Kamera wieder sinken.

Triumphierend blickte er in die Runde. Er hatte Gillians empörten Gesichtsausdruck als einziger eingefangen. Notizen brauchte er nicht anzufertigen. Die Artikel, die er schrieb, entsprangen zu neunzig Prozent seiner Fantasie. Für die wenigen notwendigen Fakten reichte sein Gedächtnis aus.

»Sehen Sie«, sagte er spöttisch. »So kann man es auch hinkriegen. Erhalte ich das Bild mit dem Presslufthammer nicht, zeige ich den Leuten, wie wütend Sie sind, wenn man Ihnen auf den Kopf zusagt, wie Sie hinter dem Scaloppo-Schatz her sind.«

Gillian atmete tief durch und schüttelte fassungslos den Kopf. Dann warf sie Bount einen hilfesuchenden Blick zu. Bount Reiniger stand auf.

»In Ordnung, Leute, das wäre’s für’s Erste an Informationen. Ich denke, wir begeben uns jetzt in den Keller. Miss Clarke wird Ihnen an Ort und Stelle weitere Einzelheiten mitteilen und auf Wunsch auch Fragen beantworten.« Er sah Getzen kühl an. »Für sie, Herb, gilt das nicht. Gillian und ich denken, dass die Art Ihrer Berichterstattung sowieso keine Tatsachen braucht.«

Getzen starrte ihn an.

»Was soll das heißen?«

»Dass Sie nicht mit in den Keller gehen«, antwortete Bount.

»Sind Sie verrückt?« Das Gesicht des Chefreporters verzerrte sich. »Mann, Reiniger, mit welchem Recht entscheiden Sie eigentlich über Miss Clarkes Angelegenheiten?«

»Mister Reiniger arbeitet für mich«, sagte Gillian eisig. »Und seine Entscheidungen haben mein Einverständnis. Richten Sie sich also bitte danach!«

Getzen erbleichte.

»Das heißt, Sie wollen mich aussperren? Rausschmeißen?«

Bount lächelte kühl.

»In Ihrem Jargon würde man es wohl so ausdrücken.«

Der Chefreporter sprang auf.

»Wir leben in einem freien Land!«, schrie er und stampfte seine soundsovielte Zigarette in den Aschenbecher.

»Eben drum«, entgegnete Bount Reiniger gelassen. »Niemand kann Gillian daran hindern, ihr Hausrecht auszuüben.«

»Aber hier geht es um ein höher geordnetes Interesse!«, erboste sich Getzen. »Das Interesse der Allgemeinheit!«

Bount Reiniger schüttelte den Kopf.

»Damit können Sie vielleicht Körperschaften des öffentlichen Rechts beeindrucken. Aber der Schutz des privaten Bereichs rangiert immer noch über Ihrem öffentlichen Interesse, Mister Getzen. Hören wir also auf mit dem Palaver. Sie verlassen bitte das Hotel. Ihre Kollegen begleiten uns in den Keller, wenn sie wollen.«

Gillian ging voraus, und die Journalisten folgten ihr bereitwillig. Niemand achtete mehr auf Herb Getzen, den abgemeldeten Mittelpunkt des Geschehens. Er stand mit offenem Mund da und beobachtete das Geschehen aus großen Augen. Bount forderte ihn mit einem Handzeichen auf, sich in Bewegung zu setzen. Getzen gehorchte. Doch an seinem plötzlich veränderten Gesichtsausdruck sah Bount, dass dieses Gehorchen nur ein Täuschungsmanöver war. Er ging voraus, in die Lobby. Gillian näherte sich mit der Gruppe der Journalisten bereits den Fahrstühlen. Bount hörte die eiligen Schritte hinter sich. Wie erwartet. Er blieb stehen und drehte sich um. Der Chefreporter stürmte auf ihn zu, verbissene Entschlossenheit im geröteten Gesicht.

Bount wies mit ausgestrecktem Arm zu den Ausgängen.

»Ihr Weg, Herb! Ich denke, ich brauche mich nicht zu wiederholen. Miss Clarke wünscht Ihre Anwesenheit nicht länger.«

»Reden Sie keinen Blödsinn!«, knurrte Getzen, war im selben Moment zur Stelle, riss den Arm hoch und wollte Bount mit einem Stoß gegen die Schulter aus dem Weg schaffen.

Für Getzen war es, als versuche er, eine Mauer umzustoßen. Im nächsten Atemzug durchzog Schmerz seinen Arm bis zum Schultergelenk hinauf. Bount Reinigers Faust, die ihn oberhalb des Handrückens gepackt hielt, war wie eine Stahlschelle, die sich immer mehr zusammenzog. Der Schmerz entstellte Getzens Gesicht mit gekrümmten Linien. Bount lockerte seinen Griff nicht. Getzen begann, in die Knie zu gehen. Er ächzte.

»Mann, das ist Körperverletzung!«, quetschte er hervor. »Ich werde ...«

»... jetzt in Richtung Ausgang marschieren«, vervollständigte Bount den Satz mit energischem Nachdruck. »Im Übrigen handele ich in Notwehr, mein Freund. Sie haben sich dem klaren Hausverbot widersetzt und mich angegriffen. Sollten Sie in Ihrem Blatt etwas anderes behaupten, werde ich Sie an den Ohren vor den Richter schleifen und eine Richtigstellung in gleich großer Aufmachung auf der Titelseite verlangen. Die Freiheit in diesem Land darf nicht dazu führen, dass Unwahrheiten auf Kosten wehrloser Menschen verbreitet werden.«

Der anhaltende Schmerz vom Handgelenk bis zur Schulter gab den Ausschlag. Getzen begriff, dass er Einsicht zeigen musste. Ihm blieb nichts anderes übrig. Er hatte seine Grenze erkannt. Sie bestand in Bount Reinigers Überlegenheit.

»Schon gut, schon gut, ich gehe«, wimmerte er, bereits halb in den Knien.

Bount ließ ihn los. Sofort warf Getzen sich herum und hastete mit schnellen Schritten davon. Bount blickte ihm nach, bis er durch den Ausgang verschwunden war. Dann fuhr er mit dem Aufzug in den Keller, wo Gillian mit den Journalisten vor dem Mauerdurchbruch stand. Elektronenblitze zuckten. Gillian erklärte, wie der Betonblock gefunden worden war. Dann sah sie Bount. Sie bat die Reporter, einen Moment zu warten, und trat aus dem Halbkreis heraus auf ihn zu.

»Bount«, sagte sie leise, »soll ich diesen Brief von der Grundstücksgesellschaft lieber verschweigen?«

Bount Reiniger überlegte nur kurz. Dann schüttelte er den Kopf.

»Nein, ich glaube, es ist gut, wenn alle Beteiligten von vornherein wissen, was gespielt wird. Und die Leute von der Gesellschaft sollen nicht glauben, dass du dich einschüchtern lässt.«

Gillian nickte und ging auf ihren ursprünglichen Platz zurück.

»Ein weiterer Gesichtspunkt hat sich erst heute Nachmittag ergeben. Per Bote traf ein Brief von der Firma Manhattan Housing, Real Estate Brokers, ein. Die meisten von ihnen wissen wahrscheinlich, dass es sich um eine alteingesessene New Yorker Grundstücksgesellschaft handelt.« Blitze zuckten nicht mehr. Alle Reporter schrieben eifrig mit. »Manhattan Housing«, fuhr Gillian fort, »hat damals das Hotel gebaut und an Tony Scaloppo verpachtet. Angeblich soll Scaloppo aber die Pacht immer schuldig geblieben sein und die Grundstücksgesellschaft auf seine Weise davon überzeugt haben, einen Kaufvertrag zu unterschreiben. Natürlich soll er auch den Kaufpreis nie gezahlt haben, trotzdem aber alleiniger Eigentümer des Hotels geworden sein.«

»Gibt es den Kaufvertrag noch?«, rief einer der Journalisten.

»Ja«, erwiderte Gillian. »Er liegt bei dem Anwaltsbüro, das für mich arbeitet.«

»Was verlangt Manhattan Housing von Ihnen?«, wollte ein anderer wissen.

»Alles«, sagte Gillian. »Die Herausgabe des Hotels und des Scaloppo Schatzes, falls es ihn gibt. Das Hotel, so sagt Manhattan Housing, gehöre mir rechtmäßig gar nicht, weil Scaloppo den Kaufpreis nie bezahlt habe.«

»Aber wie konnte die Firma dann einen Kaufvertrag unterschreiben?«, tönte die nächste Frage.

Nach einem Blickwechsel mit Gillian mischte sich Bount ein.

»Tony Scaloppo«, sagte er gedehnt, »hatte ein spezielles Talent dafür, andere zu überreden.«

Die Reporter lachten. Sie wussten, dass Scaloppos Überredungskünste mit Maschinenpistolen unterstrichen worden waren.

5

Bount lenkte seinen silbergrauen Mercedes 450 SEL in die Tiefgarage und gab die Schlüssel dem Nachtportier ab. Er nahm den Fahrstuhl. Das Office und Apartment-Hochhaus

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Krimi Paket Mörderische Ferien Juli 2019 denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen