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Luther: Der Mann, der Gott neu entdeckte

Luther: Der Mann, der Gott neu entdeckte

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Luther: Der Mann, der Gott neu entdeckte

Länge:
844 Seiten
11 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 2, 2019
ISBN:
9783775174527
Format:
Buch

Beschreibung

Eine mitreißende Geschichte voller Leidenschaft! Brillant recherchiert und fesselnd erzählt von Bestsellerautor Eric Metaxas!
Wittenberg 1517. Die 95 Thesen eines jungen Mönchs lösen einen Flächenbrand aus, der ganz Europa mitreist. Sie werden die Welt, wie sie bisher ist, aus den Fugen heben und ihm einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern: als Reformator Matin Luther.
Lassen Sie sich den Mann nahe kommen, der mit seiner deutschen Bibelübersetzung die Tür zu Gott neu aufstieß. Mit einem starken Glauben mitten in Widerstand und innerem Kampf. Mit einer Leidenschaft für Gottes Wort, dessen Kraft er entfesselte. Mit einer feurigen Vision für eine Zukunft, in der alle Gläubigen persönlich mit Gott in Beziehung treten können.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 2, 2019
ISBN:
9783775174527
Format:
Buch

Über den Autor

Eric Metaxas is the #1 New York Times bestselling author of Bonhoeffer, Martin Luther, If You Can Keep It, Miracles, Seven Women, Seven Men, andAmazing Grace. His books have been translated into more than twenty-five languages. His writing has appeared in the Wall Street Journal, the New York Times, and the New Yorker, and Metaxas has appeared as a cultural commentator on CNN, Fox News, and MSNBC. He is the host of The Eric Metaxas Radio Show, a daily nationally syndicated show aired in 120 U.S. cities and on TBN. Metaxas is also the founder of Socrates in the City, the acclaimed series of conversations on “life, God, and other small topics,” featuring Malcolm Gladwell, Ambassador Caroline Kennedy, Baroness Caroline Cox, and Dick Cavett, among many others. He is a senior fellow and lecturer at large at the King’s College in Manhattan, where he lives with his wife and daughter.


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Buchvorschau

Luther - Eric Metaxas

Inhaltsverzeichnis ]

Geleitwort

Noch eine Lutherbiografie? Gibt es davon nicht schon genug? Tatsächlich sind bereits viele Bücher erschienen, die Leben und Werk des großen Reformators würdigen, vermehrt natürlich anlässlich des 500. Jahrestag seines wirklichen oder vermeintlichen Thesenanschlags am 31. Oktober 1517. Ist damit nicht alles Wissenswerte vermittelt, alles Aufschlussreiche gesagt?

Es lässt sich nun nicht bestreiten, dass jede Sicht auf den wohl berühmtesten aller Deutschen seinen je eigenen Blickwinkel einnimmt, der von einem bestimmten Interesse geleitet ist. Ist Luther für die einen der maßgebliche Theologe, der das Evangelium neu entdeckte und die Kirche auf ihre Grundlagen zurückführte, so sehen andere, freilich heute seltener, ihn als unbeugsamen Spalter oder gar Häretiker, der die Einheit der Kirche zerbrach. Für die einen, historisch fragenden, ist er ein »Rebell«, der in einer »Zeit des Umbruchs« (H. Schilling) lebte, die er natürlich auch selbst mit gestaltete, prägte und vorantrieb. Für andere, die den Akzent auf die Theologie legen, ist Luther ein Neu- oder auch nur Wiederentdecker der von Gott geschenkten Freiheit (J. Köhler), der sich »[…] nicht einfach als das Produkt der gesellschaftlichen Bedingungen, aus denen er herkam, deuten« lasse. Damit tritt Martin Brecht (in Bd. 1, S. 18), der Verfasser der wohl detailliertesten, dreibändigen Lutherbiografie, einem psychoanalytischen Interpretationsansatz (Erik H. Erikson) entgegen, der Luthers Widerstand und reformistischen Durchbruch aus einer Auflehnungshaltung gegen die väterliche Autorität auffasst. Luther kann so für die Theologie als Überwinder sowohl der mittelalterlichen Scholastik wie der Mystik fruchtbar gemacht werden, als Brückenbauer und Wegbahner traditioneller christlicher Wahrheiten in eine neue Zeit. Neuere Ansätze, wie die von unserem Autor neben Brecht herangezogenen Biografien, wissen sich gleichfalls einem historisch anthropologischen Ansatz verpflichtet. Sie akzentuieren seine mentale Verortung in der Welt des ausgehenden Mittelalters (Heiko A. Oberman) und verdeutlichen in einer postmodernen Fragestellung sein Gefühlsleben, das nach der Einheit von Körper und Geist sucht – die sexuellen Bedürfnisse eingeschlossen (Lyndal Roper). Nicht selten werden theologische und politisch-historische Deutungen gegenübergestellt.

War Luther nun »Heiliger oder Rebell« (M. Meisner) oder von beidem etwas? Was macht seine Größe aus? Oder war er eher ein überschätzter Querdenker? In jedem Fall war er ein Medienstar, ein »Brand«, ein Markenzeichen, dessen Popularität bzw. Wirkung, wie der britische Historiker Andrew Pettegree (Die Marke Luther) uns aufklärt, sich auch von der Ökonomie, der neuen, innovativen Buchdrucktechnologie her erklären ließe. Ob als »Lehrer«, wie ihn die lutherische Orthodoxie gerne sah, ob als »Seelsorger«, wie der Pietismus ihn interpretierte, ob, wie aus der Sicht der rationalistischen Aufklärung, ein Pionier des Vernunftgedankens oder auch, nach der Auslegung der DDR-Wissenschaft, ein »Mann des Volkes«¹ – Luther gilt als Vordenker von Ideen bzw. Impulsen, die sich bis in die Gegenwart hinein verfolgen ließen, als Pionier einer neuen Zeit. Seine Wirkungsgeschichte ließe sich in vielen Bereichen verfolgen, der Politik, Sprache, Bildung, Philosophie, Schulwesen, Musik, Literatur, Nationsbildung, individueller Freiheit u. v. m.

Was nun die Akzentsetzung Metaxas' im vorliegenden Band betrifft, so entdeckt er – vor dem Hintergrund der bisherigen Lutherforschung – in seiner Betrachtung den Luther, der den Durchbruch zu etwas grundlegend Neuem geschafft hat: den modernen Menschen mit neuen »Ideen des Pluralismus, der Religionsfreiheit und der Selbstverwaltung«. Freilich wird auch Metaxas dieses von ihm so euphorisch in seiner Einleitung gemalte Bild im Laufe seiner Untersuchung ergänzen. Stützt er sich doch auch selbst auf Literatur, wie speziell auf die des bereits erwähnten Heiko A. Oberman, die das mittelalterliche Weltbild des Reformators, sein Verhaftetsein in der alten Welt betont. Doch es geht dem Autor darum, den Luther zu zeigen, der für den heutigen Menschen beachtenswert ist. Er richtet den Fokus auf die Durchbruchserfahrung eines Menschen, der mit Gott, seinen Mitmenschen und nicht zuletzt mit sich selbst ringt, wie kaum ein zweiter über seinen eigenen Horizont hinausgreift und dadurch Neuland entdeckt. Ob Luther tatsächlich die Ideale vorgedacht hat, auf die, wie Metaxas meint, sich die US-amerikanische Unabhängigkeitserklärung beziehen konnte, kann differenziert betrachtet werden. Vielleicht hat er aber doch, wie der Theologe Fr. W. Graf formuliert, autoritätskritische Haltungen provoziert.²

Metaxas erschließt mit einem im besten Sinne staunenden Lutherbild die Genialität des Reformators neu. So ergänzt er die differenzierende, deutsche theologische Wissenschaft. Er geht nicht von außen an Luther heran und beleuchtet ihn kritisch, wie es ein eher distanzierter Wissenschaftler tun würde. Er schildert nicht nur als außenstehender Erzähler, sondern er schlüpft, wenigstens zum Teil, in die erzählte Perspektive hinein und gibt Kommentare ab – hier und da bewusst provokant zugespitzt –, aber eher aus der Sicht der handelnden Akteure. Natürlich verschwimmen so die Grenzen der Erzählperspektiven manchmal etwas, aber es ist ein gelungenes Stilmittel, um die Gedanken, Gefühle und Motive der Personen zu verdeutlichen und quasi Einblicke in ihre Welt zu vermitteln, den Leser sozusagen wie in einen gut gedrehten Film in die Zeit selbst hineinzuversetzen. So bereichert der Autor die Lutherforschung um eine gelungene neue Deutung. Diese Nähe zu der Person des Reformators macht Metaxas' Buch zu einer lesenswerten, spannenden Lektüre.

Dies ist umso mehr der Fall, da der Übersetzer, Dr. Friedemann Lux, es verstanden hat, die englische Sprache in ein überaus flüssiges Deutsch zu fassen, überdies die im Original nicht immer vollständigen Quellen zu eruieren und mit mir gemeinsam die ein oder andere sachliche Unstimmigkeit zu klären, ohne den vom Autor intendierten Sinn zu beeinträchtigen. Ihm, sowie den Lektoren Annalena Pabst und Marcus Beier, darf ich an dieser Stelle für ihre kompetente Arbeit und die gute Kooperation danken.

Wolfgang E. Heinrichs

April 2019

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Vorwort

Man kann eine Zeit danach beurteilen, welche Helden sie verehrt. Luther gilt bei uns als große historische Persönlichkeit. Aber zum Vorbild taugt er den meisten Deutschen doch nicht. Zum fünfhundertsten Jahrestag seines Thesenanschlags wurde ihm artig gehuldigt, aber meistens mit akademischer Zurückhaltung. Vielen Lobrednern spürte man das Unwohlsein darüber ab, eines Mannes zu gedenken, der Sprüche geklopft hatte wie: »Falsche Prediger sind ärger als Jungfrauenschänder.«

Das unterscheidet Luther von modernen Kirchenprominenten und Politik-Influencern: dass er Popularität nicht mit Wirksamkeit verwechselte und immer mit einem Bein auf dem Scheiterhaufen stand.

Genau das macht ihn aber auch ein halbes Jahrtausend später noch modern. Auch deshalb, weil sich seine und unsere Zeit so ähnlich sind. Damals wie heute weisen wirtschaftliche, technische, soziale Umbrüche in eine ungewisse Zukunft. Es braucht Menschen wie Martin Luther, die dafür sorgen, dass zumindest der innere Kompass richtig eingestellt ist. Nicht von ungefähr liegt der Beginn der Reformation auf halber Strecke zwischen zwei revolutionären Entdeckungen. 1492 landete Kolumbus in Amerika, und 1543 erschien im Todesjahr von Kopernikus dessen Studie darüber, dass die Erde sich um die Sonne drehte. Die neue Sicht auf die Welt und auf den Kosmos ging, dafür sorgte Luther, einher mit einer neuen Sicht auf Gott. Heute sind es die Globalisierung und Digitalisierung, die unser Wirklichkeitsverständnis mehr denn je seit dem frühen 16. Jahrhundert umkrempeln. Und es gibt Anlass zur Hoffnung, dass sich wie in der frühen Neuzeit auch geistliche Aufbrüche ereignen werden.

Zum Glück ist das Reformationsjubiläum noch lange nicht vorbei und das Luther-Gedenken weiter aktuell. Die 95 Thesen waren schließlich nur der Anfang einer immer größer werdenden Bewegung. 1519 legte Luther mit der öffentliche Aussage »Konzile können sich irren« nach. 1520 sagte er dem klerikalen Apparat den Kampf an, mit drei der einflussreichsten Schriften der Weltgeschichte: An den christlichen Adel deutscher Nationen, Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, Von der Freiheit eines Kirchenmenschen. 1521 behauptete er sich auf dem Reichstag in Worms. 1522 übersetzte er das Neue Testament. 1523 verteilte er an die Gläubigen in Wittenberg beim Abendmahl erstmals Brot und Wein. 1525 heiratete er Katharina von Bora und demonstrierte damit, dass die Reformation alle Bereiche des Lebens umfasste.

Anders als sein hochgebildeter, aber zaghafter Zeitgenosse Erasmus von Rotterdam ging Luther aufs Ganze, machte Ernst, wählte das Risiko. Seine Haltung bewies sich am Widerstand. Auch gegen die Versuchung, sich selbst zum Titanen zu stilisieren. Sein literarisches Testament ist der Satz »Wir sind Bettler, das ist wahr«, den er kurz vor seinem Tod zu Papier brachte. Bei ihm paarten sich geniale Begabungen als Liederdichter, Schriftsteller und Prediger mit tiefer Demut. Das macht ihn, mehr noch als den stolzen Leonardo da Vinci, zum echten Renaissance-Menschen.

Vor allem zeichnete ihn eine Begabung aus, die Jesus selbst als Charakteristikum eines Jüngers definiert hat: die Freundschaftsfähigkeit. Luther war nicht nur ein Mann großer Worte, sondern auch enger Freundschaften: mit seinem Mentor Johann von Staupitz, seinen Mitstreitern Philipp Melanchthon, Justus Jonas, Nikolaus Amsdorf, Johannes Bugenhagen, Lucas Cranach und seiner eigenen Frau Katharina, die er zärtlich »Herr Käthe« nannte. Luther gibt uns deshalb nicht nur die vertikale Richtung vor, die zum Frieden und zur Gemeinschaft mit Gott, sondern auch die horizontale, die zu vertrauensvollen und glückhaften Beziehungen.

Luther ist der Mann für unsere Zeit.

Und Eric Metaxas ist der Mann, seine Geschichte zu erzählen. So detailreich, spannungsgeladen und tiefschürfend wie mit seinem Blockbuster-Bestseller Bonhoeffer, der Lebensgeschichte eines wahren Luther-Erben. Was Eric Metaxas neben seinem Erzähltalent und seinem historischen Spürsinn qualifiziert, ist seine eigene Biografie. Mütterlicherseits kommt seine Familie aus dem Herzland der Reformation, dem Altenburger Land. Hier wirkte einer der engsten Vertrauten von Luther, Georg Spalatin. Bei Metaxas sind es gerade die Beziehungen Luthers, die großen Raum einnehmen. Der Reformator, der uns in diesem Buch begegnet, ist ein Mann, der liebt und verachtet, der kämpft und schwitzt, vulkanisch in seinem Temperament, feinsinnig in seiner theologischen Argumentation. Metaxas zeigt Luther von neuen Seiten und taucht sein Leben in neues Licht. Wer weiß schon, dass fast zwölfhundert Jahre vor Luthers Auftritt beim Wormser Reichstag sein Namensgeber Sankt Martin, der spätere Bischof von Tours, ebenfalls in Worms seinen Militärdienst quittierte und sich vom Soldaten des römischen Kaisers zum Soldaten Christi wandelte? Und wer hat schon etwas von der »Falschen Anna« gehört, einer bizarren Hochstaplerin, die Luthers Weg nach Rom kreuzte?

Dieses Buch über den Mann, der Gott neu entdeckte, nimmt auch uns mit auf eine Entdeckungsreise. Ich wünsche allen Lesern, dass diese Expedition nicht mit Luthers Tod 1546 endet, sondern in die Gegenwart führt. Schließlich sind Menschen, die für die Wahrheit einstehen, auch im 21. Jahrhundert herausgefordert. Nicht wie Luther vom Ablasshändler Tetzel, von Papst Leo X. und Kaiser Karl V., sondern von einem gestaltlosen Widersacher, der sich hinter Formulierungen wie »Mehrheitsmeinung« oder »Mainstream« verschanzt.

Luther hat vorgemacht, wie man sich dagegen behaupten kann.

Das macht ihn zum echten Helden.

Markus Spieker

Mai 2019

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[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

Zeittafel

1483 Luther wird am 10. November in Eisleben geboren und am folgenden Tag getauft. Er ist das älteste von vermutlich acht Kindern seiner Eltern Johannes »Hans« Ludher und Margarethe Ludher (geb. Lindemann).

1484 Als er etwa 6 Monate alt ist, ziehen Luthers Eltern nach Mansfeld um, wo sie für den Rest ihres Lebens wohnen und alle ihre Kinder aufziehen werden.

1490 Martin geht in Eisenach zur Schule.

1496–97 Er besucht ein Jahr lang die Schule in Magdeburg.

1501 Geht an die Universität Erfurt.

1505 Beginnt sein Studium der Jurisprudenz in Erfurt.

1505 Gelobt am 2. Juli während eines Unwetters bei dem Ort Stotternheim, ein Mönch zu werden. Tritt kurz darauf in das Augustinerkloster in Erfurt ein.

1506 Luther lernt Johannes von Staupitz kennen.

1507 Wird ordiniert und zelebriert vor seinen Eltern und anderen Zeugen seine erste Messe.

1508 Im Herbst schickt Staupitz Luther für ein Jahr nach Wittenberg.

1509 In Wittenberg erlangt Luther seinen ersten theologischen Grad, den Baccalaureus biblicus.

1510–11 Pilgerreise (zu Fuß) nach Rom.

1511 Staupitz schickt Luther in das Kloster in Wittenberg, der Stadt, die für den Rest seines Lebens der Mittelpunkt seines Wirkens sein wird.

1512 Unter einem Birnbaum überredet Staupitz Luther dazu, zu promovieren. Luther wird Doktor der Theologie.

1513–17 Luther hält Vorlesungen über die Psalmen, den Römer-, Galater- und Hebräerbrief und legt damit das exegetische Fundament für alles Folgende.

1517 Luther veröffentlicht seine 95 Thesen (der Überlieferung nach am 31. Oktober) und schickt sie als Brief an Erzbischof Albrecht in Magdeburg.

1518 Heidelberger Disputation (April). Melanchthon kommt nach Wittenberg.

1518 Im Oktober reist Luther zum Reichstag in Augsburg und erscheint vor dem päpstlichen Legaten Kardinal Cajetan.

1519 Leipziger Disputation mit Johannes Eck (Juli).

1520 Luther verfasst seine drei einflussreichen Schriften An den christlichen Adel deutscher Nation, Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche und Von der Freiheit eines Christenmenschen.

1520 Papst Leo X. schreibt die Bulle Exsurge Domine und gibt Luther 60 Tage, um in Rom zu erscheinen und sich den Häresievorwürfen zu stellen.

1521 Nach den 60 Tagen wird Luther von Leo X. exkommuniziert. Luther verbrennt die Bannbulle und andere päpstliche Schriften.

1521 Luther erscheint vor dem Reichstag in Worms (April).

1521 Nachdem Luther vom Kaiser als Häretiker für vogelfrei erklärt worden ist, lässt Friedrich der Weise ihn (im Mai) »entführen« und auf die Wartburg bringen, wo er zehn Monate lang inkognito bleibt.

1521 Im Dezember reist Luther heimlich auf einen kurzen Besuch nach Wittenberg. Cranach malt ein Porträt von ihm als »Junker Georg«.

1522 Auf der Wartburg übersetzt Luther in elf Wochen das gesamte Neue Testament ins Deutsche. Im März kehrt er nach Wittenberg zurück. Dort hält er seine acht Invokavit-Predigten, korrigiert übereifrige Entwicklungen, die Karlstadt und Zwilling in seiner Abwesenheit begonnen hatten, und übernimmt wieder die Führung der Reformation in Wittenberg.

1523 Luthers deutsches Neues Testament erscheint (Februar).

1525 Bauernkrieg. Tod Thomas Müntzers.

1525 Luther heiratet Katharina von Bora (Juni). Karlstadts Familie kommt nach Wittenberg. Luther schreibt sein Vom unfreien Willen.

1526 Luthers erster Sohn, Johannes »Hans« Luther, wird geboren.

1527 Tochter Elisabeth wird geboren (Dezember).

1528 Elisabeth stirbt (August).

1529 Mai: Eine zweite Tochter wird geboren, Magdalena (Lenchen). Oktober: Marburger Religionsgespräch.

1530 Reichstag in Augsburg. Luther weilt während des Reichstags in der Feste Coburg.

1531 Geburt von Martin junior (November).

1533 Geburt von Paul (Januar).

1542 Luthers jetzt 13-jährige Tochter Lenchen erkrankt schwer. Sie stirbt am 20. September in den Armen ihres Vaters.

1546 Luther reist mit seinen drei Söhnen nach Eisleben, wo er am 14. oder 15. Februar seine letzte Predigt hält. Stirbt am 18. Februar und wird in Wittenberg begraben.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

i Einleitung

Pastor, Rebell, Prophet, Mönch

Im Jahre 1934 verwirklichte ein afroamerikanischer Pastor aus Georgia ( USA ) seinen großen Traum und fuhr mit dem Schiff über den Atlantik, durch die Straße von Gibraltar und durch das ganze Mittelmeer bis zum Heiligen Land. Nach dieser Pilgerreise besuchte er Berlin, um an einer internationalen Konferenz baptistischer Pastoren teilzunehmen. Dieser Pastor hieß Michael King. Und was er dort in Deutschland über den Reformator Martin Luther erfuhr, machte einen solchen Eindruck auf ihn, dass er etwas höchst Ungewöhnliches tat: Er beschloss, das Andenken dieses großen Mannes dadurch zu ehren, dass er seinen eigenen Namen – Michael King – zu Martin Luther King änderte. Sein fünf Jahre alter Sohn hieß ebenfalls Michael und bis an sein Lebensende nannten seine nächsten Verwandten ihn weiter Mike. Aber nicht lange nachdem sein Vater seinen eigenen Namen geändert hatte, beschloss er, auch den Namen seines Jungen zu ändern. Somit wurde aus Michael King Junior dann Martin Luther King Junior.

Diese Namensänderung von Vater und Sohn ist nur ein Beispiel dafür, wie weit der Einfluss Martin Luthers bis heute reicht. Luthers Schriften und Taten haben die Landschaft der modernen Welt derart geprägt, dass sich viele Dinge, die für uns heute selbstverständlich sind, geradewegs bis auf ihn, das schrullige Genie von Wittenberg, zurückverfolgen lassen.

So war zum Beispiel die so durch und durch »moderne« Idee, dass ein Individuum persönliche Verantwortung zuallererst vor sich selbst und vor Gott hat und nicht so sehr vor irgendeiner Institution, z. B. Kirche oder Staat, vor Luther ähnlich undenkbar wie Farbe in einer schwarz-weißen Welt. Auch der ähnlich moderne Begriff des »Volkes«, einschließlich des daraus hervortretenden demokratischen Impulses, wurde durch Luther aus der Taufe gehoben oder zumindest mit einer Stimme versehen. Auch die noch neueren Ideen des Pluralismus, der Religionsfreiheit und der Selbstverwaltung haben das Haus der Geschichte durch die Tür betreten, die Luther zu der Zukunft hin öffnete, in der wir heute leben. Obwohl seine eigentlichen Ideen noch weit von heutigen Vorstellungen entfernt waren, hat er doch die entscheidenden Anstöße gegeben und hat mit seinem Denken den Weg für unsere heutigen Werte gebahnt.

Es sind vor allem zwei Schlüsselereignisse, die alles andere ins Rollen brachten, und für die Luther bekannt geworden ist. Das erste war das Anschlagen seiner 95 Thesen an die große Holztür der Schlosskirche zu Wittenberg, in denen er die damals grassierende Praxis des Ablasshandels geißelte. Das zweite war sein standhafter Mut auf dem Reichstag zu Worms im Jahre 1521. Dort, vor Karl V., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, und den versammelten deutschen Fürsten und Edlen sowie – vielleicht noch wichtiger – vor dem Vertreter des Papstes, Thomas Cajetan, bekannte Luther sich unerschrocken zu seiner Sache und tat den Ausspruch, der ihn mit einem Mal aus der Welt des Mittelalters in die der Moderne katapultierte. Mit seiner Erklärung, dass er Gottes Gericht mehr fürchtete als das Gericht all der Mächtigen in jenem Saal, elektrisierte er die Welt. Wie konnte jemand – und dann noch ein bloßer Mönch – es wagen, einen Unterschied zwischen den Mächtigen und Gott zu machen? Waren sie nicht seit jeher die Stimme Gottes und des Staates gewesen? Doch Luther trotzte ihnen, demütig und mutig zugleich. Es war eine Wasserscheide in der Weltgeschichte, und diejenigen von uns, die in der westlichen Kultur wohnen, leben seit Luther auf der anderen Seite.

Die Folgen krempelten die Landschaft der abendländischen Kultur so radikal um, dass sie schier nicht mehr wiederzuerkennen war. Luther wurde, ohne es selbst zu ahnen, zum Herold einer neuen Welt, in welcher die altgewohnten Grenzen des Zulässigen für immer aufgebrochen waren. Plötzlich hatte der Einzelne nicht nur die Freiheit und die Möglichkeit, selbstständig zu denken, sondern trug auch die Last der entsprechenden Verantwortung vor Gott.

Im Grunde ist das Allererstaunlichste an Luthers Geschichte aber, dass sie überhaupt passierte. Martin Luther war weder dazu geboren, noch drängte er sich danach, mit päpstlichen Windmühlenflügeln zu kämpfen. Bis ungefähr 1520 war er ein treuer Streiter für die Kirche wie kaum ein anderer. Er wollte Rom so gerne helfen, dem Schicksal zu entgehen, das es dann schließlich ereilte. Es ist eine extreme Ironie der Geschichte – so extrem, dass man versucht ist, an Ödipus zu denken –, dass er der Mann wurde, der gerade das herbeiführte, was er hatte verhindern wollen. Wie seine Geschichte zeigt, war es ein tragikomisches Zusammentreffen von Faktoren und Kräften, was jenen Orkan über den europäischen Kontinent fegen ließ, der das hervorbrachte, was wir heute die Reformation und die Zukunft nennen. Man fragt sich, was alles nicht gekommen wäre, hätte Papst Leo X. ein Gespür für das Historische des Augenblicks gehabt und die Forderungen dieses deutschen Mönches ernster genommen. Es war die schier unerklärliche Starrsinnigkeit Roms, die Luther zu immer kühneren öffentlichen Äußerungen und Positionen trieb, bis kein Kompromiss mehr möglich war und er sich auf einem Weg befand, den man – und die Diskussion darüber wird wohl nie zu Ende sein – je nachdem entweder als häretisch und als Katastrophe für die Kirche oder als die ruhmreiche Rückkehr zur rechten Lehre betrachten kann. Aber egal, wie man ihn beurteilt – Martin Luther war eine der zentralen Figuren, die eine unwiderrufliche Spaltung der Welt, wie wir sie heute kennen, forcierte.

Dichtung und Wahrheit

Luthers Ruhm wuchs zu seinen Lebzeiten in einem solchen Tempo, dass der Schwung selbst durch seinen Tod nicht weniger wurde. Man kann sagen, dass das Magma seiner Berühmtheit gerann zu einem heiligen Vulkangestein – so sehr, dass vieles von dem, was die Welt über ihn zu »wissen« glaubt, so nie stattgefunden hat, wie einige der bekanntesten »Fakten« über sein Leben zeigen. Erstens – so heißt es – wurde er in eine arme Familie hineingeboren, als Sohn eines einfachen Bergarbeiters, der unter bescheidensten, beengten Verhältnissen aufwuchs. Zweitens waren die Erziehungsmethoden seines ungehobelten Vaters so brutal, dass sie seine Seele verrenkten, bis er Gott, den himmlischen Vater, als einen ähnlichen Sadisten betrachtete, den man mit immer neuen frommen Demutsübungen zu besänftigen hatte – so man ihm nicht besser ganz aus dem Weg ging. Drittens war es buchstäblich ein Blitz vom Himmel, der den übernervösen 21-Jährigen vor lauter Angst ein Mönchsgelübde hervorstoßen ließ, das ihm noch nie zuvor in den Sinn gekommen war, aber an das er sich für den Rest seines Lebens gebunden fühlte und ihn schnurstracks ins Kloster führte. Viertens hat ihn, als er Rom besuchte, die ganze Gottlosigkeit dieser Stadt derart schockiert, dass er sich schwor, die weichlich-dekadente italienische Kirche zu zerstören und nach seinem eigenen kompromisslos-rechtschaffenen deutschen Bild umzugestalten. Fünftens – so heißt es – begann er dieses lebenslange Projekt, indem er seine Vorwürfe gegen Rom trotzig an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, um dem vor Angst zitternden Papst zu zeigen, dass sein dekadentes Treiben gewogen und für zu leicht befunden worden war. Sechstens: Nach seinem großen Auftritt auf dem Reichstag in Worms, als er sagte: »Hier stehe ich! Ich kann nicht anders!«, floh er auf die Wartburg, wo er sich mit dem Teufel persönlich anlegte und dabei mindestens einmal vor lauter Zorn ein Tintenfass gegen den »altbösen Feind« schleuderte, der es wagte, in seinem Zimmer zu erscheinen. Als Beweis für diese Begegnung, prangte lange Zeit ein Tintenfleck an der Wand, das angeblich von dem Tintenfass stammte. Leider ist dieser »Beweis« heute nicht mehr zu sehen. Und siebtens: Die Nonne, die Luther heiratete, wurde in einem großen Fass, in dem man Heringe transportiert hatte, aus ihrem Kloster herausgeschmuggelt. Genauer gesagt, haben sich alle zwölf Nonnen, die das Kloster verlassen wollten, in Heringsfässern versteckt und so, als Fracht eines Wagens getarnt, die Freiheit erreicht.

All diese Dinge sind unzählige Male erzählt worden und werden vielleicht in diesem Augenblick erneut erzählt, auf Führungen an Lutherstätten in Deutschland, auf Deutsch und in anderen Sprachen. Sie stehen auch in ansonsten exzellenten Büchern über Luther und finden sich im Internet in Artikeln und Blogs. Doch keine einzige dieser sieben Begebenheiten ist wahr. Sie sind samt und sonders romantische Hinzufügungen zu den eigentlichen Tatsachen, die sich im Laufe der Jahre immer mehr verfestigten, bis sie quasi in Stein gemeißelt waren. Und nun sind sie nahezu unverrückbare Teile eines Lutherbildes, das inzwischen ein halbes Jahrtausend überdauert hat. Die frommen Legenden des George-Washington-Biografen, Parson Weems, die den ersten US-Präsidenten Kirschbäume fällen und Silberdollars über den Potomac River werfen ließen, hielten sich etwa 150 Jahre lang; diese falschen Details über Luther haben sich mehr als drei Mal so lang gehalten und ihre kulturellen Wurzeln sind entsprechend tiefer. Es ist meine Hoffnung, dass das, was ich in diesem Buch schreibe, einen bescheidenen Beitrag zu ihrer Entwurzelung liefern wird.

Der verrückte Luther

Bei Luther ist nicht nur der Einfluss, den er auf den Lauf der Geschichte nahm, außergewöhnlich. Nicht minder außergewöhnlich sind sein Charakter und sein Verhalten, die ja zu jenen epochalen Ereignissen führten. Diese Eigenschaften waren Luther nicht angeboren, sondern zeigten sich völlig unerwartet und erst nach und nach in den Jahren ab 1517. Wie lässt sich diese Veränderung von Luthers Persönlichkeit nach der Veröffentlichung seiner Thesen erklären? Wie kann die Geschichte den verbissen-superfrommen Mönch, der Luther in seinen jungen Jahren war, unter einen Hut bringen mit dem kühnen, mutigen, manchmal regelrecht lauten Reformator der späteren Jahre, der sich für keinen Witz und keine Beleidigung zu schade war? Wie wurde aus einem überernsten Geistlichen ein Mann, dessen grober Humor noch heute nicht immer etwas für die Zartbesaiteten ist? Die Verwandlung Luthers geschah nicht so schnell wie bei Paulus auf der Straße nach Damaskus, aber sie ist offensichtlich und ein sehr wichtiges Element seiner Geschichte. Was immer da geschehen war, der Mann war wie neugeboren und ein solcher unermüdlicher Trommler für dieses Neue und diese Freiheit und Freude, dass nicht wenige ihn für verrückt oder gar besessen hielten.

Die kurze Antwort auf diese Frage – und der Grund dafür, warum Luthers Geschichte so einzigartig ist – lautet: Luther war davon überzeugt, nach einer ungeheuer anstrengenden, ja quälenden Suche endlich durch die Gnade Gottes das gefunden zu haben, wonach sich seit dem Garten Eden jedes Menschenherz sehnte. Er hatte den inneren Schlüssel gefunden, der der ganzen Welt die Höhen des Himmels aufschloss. Das große Grundproblem der Menschen war ja gewesen, wie man den unendlichen Abgrund zwischen ihnen – den unvollkommenen Sündern – und einem vollkommenen, heiligen Gott überbrücken konnte; den Abgrund zwischen Himmel und Erde, zwischen Leben und Tod. Und Luthers Entdeckung bestand darin, dass dieses Problem vor 1.500 Jahren von dem lange zuvor verheißenen Messias der Juden gelöst worden war. Es war eigentlich nicht so sehr eine Entdeckung, sondern vielmehr eine Wiederentdeckung, und sie war im Grunde ganz einfach: Jeder konnte durch einen schlichten Akt des Glaubens Gottes Diagnose und einzige Lösung dieses Problems annehmen. Ab diesem Moment war das Problem für immer gelöst. Nachdem es jahrhundertelang durch die Wüste gewandert war, konnte Gottes Volk diesem neuen Mose in das verheißene Land folgen.

Und Luther entdeckte noch mehr: dass es völlig absurd war, etwas anderes zu tun, als sich diese Erkenntnis in kindlichem Vertrauen zu eigen zu machen; denn es war schlicht nicht möglich, das, was Gott da getan hatte, durch irgendwelche eigenen Leistungen zu ergänzen. Wer sich auf einen solchen Holzweg begab, versperrte sich selbst die Tür zu Gottes Gnade. Und so steckte Luther wie ein Wilder – aber einer, der begriffen hatte, dass er eine ungeheure Erkenntnis offenbart bekommen und einen kostbaren Schatz gehoben hatte – jede Sekunde und alle Energie seines restlichen Lebens in die Verbreitung dieser weltverändernden Entdeckung. Er tat dies mit großer Furchtlosigkeit – nicht, weil er von Natur aus mutig gewesen wäre, sondern weil seine Entdeckung ihm auch gezeigt hatte, dass selbst der Tod total und endgültig besiegt war, ja dass dies sogar im Mittelpunkt seiner Botschaft stand.

Alles in allem kann man sagen, dass die Geschichte Martin Luthers so spannend ist wie kaum eine andere in der Geschichte der Menschheit. Daher sollte es uns nicht wundern, dass ihre Dramatik bis in unsere Gegenwart hineinreicht. Wie kam es, dass Martin Luther diese beste aller frohen Botschaften wiederentdeckte, und wie verbreitete er sie für den Rest seines Lebens in der großen weiten Welt? Das ist die Geschichte, die Sie jetzt lesen werden.

[ Zum Inhaltsverzeichnis ]

i Kapitel 1

Jenseits der Legenden

Man weiß nicht so recht, wie man die Geschichte von Martin Luther anfangen soll. Es ist die außergewöhnliche Geschichte eines außergewöhnlichen Menschen. Aber gleich zu Beginn stolpert man über zwei Rätsel, die beide gleichermaßen einen glatten Anfang unmöglich machen. Das eine ist kalendarischer Art, und das zweite ist so merkwürdig, dass man sich unwillkürlich fragt, ob das ein bloßer Zufall sein kann.

Das erste, das kalendarische Problem ist, dass wir heute zwar viel mehr über Martin Luther wissen als über jede andere Person aus seiner Zeit und Berge an Dokumenten über ihn besitzen, aber dass wir bei einer der simpelsten Tatsachen über sein Leben passen müssen: bei seinem Geburtsjahr. Klar ist, dass er am 10. November geboren wurde, ja sogar – wenn wir seiner Mutter glauben können – um welche Uhrzeit: um kurz nach Mitternacht. Aber in welchem Jahr?

Luther selbst meinte, dass er wahrscheinlich 1484 geboren sei. Seine Mutter war sich unsicher. Kirchenbücher, in denen man nachsehen könnte, gab es noch nicht. Schließlich setzte sich Philipp Melanchthon durch, der das Geburtsjahr auf 1483 festlegte. Da seine Indizien die meisten Lutherforscher überzeugen konnten, soll dieses Datum auch für dieses Buch gelten.

Das zweite Rätsel ist von einer ganz anderen Art. Wir wissen, dass am 11. November, also einen Tag nach seiner Geburt, das Neugeborene, warm eingepackt, die hundert Meter von seinem Zuhause in die majestätische Peter-und-Pauls-Kirche getragen wurde, um dort durch die Taufe dem Rachen des ewigen Feuers entrissen zu werden. Da der 11. November der Martinstag war – der Gedenktag des heiligen Martin von Tours –, gab man dem Kind den Namen des Heiligen, was damals gängige Praxis war. Aber was Luthers Eltern noch nicht ahnen konnten: Im Leben dieses Heiligen gab es ein Detail, das in dem Leben dieses frisch getauften Kindes eines Tages auf eine geradezu unheimliche und scheinbar prophetische Art eine Parallele finden würde.

St. Martin lebte im 4. Jahrhundert nach Christus. Er wurde im heutigen Ungarn geboren, wuchs im heutigen Pavia in Italien auf und verbrachte den Großteil seines Erwachsenenlebens in Frankreich; alle drei Regionen gehörten damals zum Römischen Reich. Er wurde, gegen den Willen seines Vaters, schon in jungen Jahren Christ und ging in die römische Armee. Eines Tages – er war gerade in Borbetomagus, dem späteren Worms, stationiert – wurde der künftige Heilige in eine Schlacht abkommandiert. Doch Martin, der zutiefst davon überzeugt war, dass Blutvergießen nicht mit seinem christlichen Glauben vereinbar war, erklärte: »Ich bin ein Soldat Christi. Ich kann nicht kämpfen.«¹ Man steckte den Befehlsverweigerer als Feigling in den Karzer, worauf er sich anbot, freiwillig unbewaffnet an die Front zu gehen, denn er hatte keine Angst davor zu sterben, sondern lediglich davor, jemand anderen zu töten. Die Schlacht fand schließlich gar nicht statt und Martin wurde aus dem Militär entlassen, um kurz darauf Mönch zu werden. Nun, aus dem römischen Borbetomagus, wo dieser erste Martin unter Einsatz seines Lebens als Christ dem Römischen Reich trotzte und seinen Weg zum Heiligen begann, war elf Jahrhunderte später das deutsche Worms geworden, und jetzt trat dort der zweite Martin, wieder aus christlicher Glaubensüberzeugung heraus, dem »Heiligen Römischen Reich« entgegen. So knüpfte sich bereits am zweiten Tag seines Lebens ein Band, das den kleinen Martin Luther sowohl mit der fernen geschichtlichen Vergangenheit als auch mit seiner eigenen historischen Zukunft verknüpfte.

Die Welt, in die Luther hineingeboren wurde, hatte sich seit vielen Jahrhunderten nicht wesentlich verändert; einige Wandlungsprozesse hatten zwar bereits begonnen, aber steckten allenfalls noch in den Kinderschuhen. Es war eine Welt, die durch die unendlichen Weiten des Ozeans von dem Riesenkontinent getrennt war, den wir heute als Amerika kennen. Christoph Kolumbus schipperte als Händler die Küste von Westafrika entlang und hatte keinen Schimmer, dass er binnen eines Jahrzehnts mit drei Karavellen den Sprung über den Atlantik wagen würde. Die Druckerpresse war erst vor etwa vierzig Jahren von Johannes Gutenberg erfunden worden, und obwohl das Schisma von 1054 schon lange die Ost- von der Westkirche trennte, konnte sich niemand auch nur im Traum vorstellen, dass das Riesenuniversum der heiligen katholischen Kirche mit dem Papst an der Spitze eines Tages so stark unter Beschuss käme, der es für immer zerreißen würde.

Martin Luther wurde im letzten Jahr des Pontifikats von Sixtus IV. geboren, einem von sechs Renaissance-Päpsten, die so unfähig und skandalös agierten, dass man fast den Eindruck haben konnte, dass dieses Sextett seine gesammelte Dekadenz und Korruption in einen Pappdrachen steckte, diesen gut sichtbar an einen Baum hing und darauf einen Augustinermönch aufforderte, ihn mit einer Schleuder zu zerfetzen.² Bis auf den Namen, den seine Eltern ihm gegeben hatten, gab es in Martin Luthers Kindheit und noch in seinen jungen Erwachsenenjahren rein garnichts, was irgendjemanden hätte ahnen lassen können, was für einen erstaunlichen Gang sein Leben nehmen würde.

Bevor wir das Binsenkästchen, in dem der kleine Martin liegt, aus dem Schilf holen³ und mit der Geschichte fortfahren, sollten wir noch erwähnen, dass Martin Luther ursprünglich nicht »Luther« hieß, sondern »Ludher« oder »Luder«. Er hat seinen Namen später geändert – wann und warum wissen wir nicht genau; vermutlich tat er es aber, weil es zu dieser Zeit zum guten Ton gehörte, Namen ins Lateinische oder Griechische zu ändern. Seine Eltern übernahmen den neuen Namen »Luther« schließlich auch für sich – wahrscheinlich wegen der wachsenden Berühmtheit ihres Sohnes, vielleicht aber auch, weil das Wort »Luder« gewisse unattraktive Assoziationen hatte, die sie gerne dem Reich der historischen Fußnoten überließen.⁴

Eine der größten Herausforderungen beim Erzählen der Geschichte von Martin Luther besteht darin, ihn freizuschaufeln von all den Legenden, Mythen und Storys, die sich in den letzten fünf Jahrhunderten um ihn angesammelt haben. Der erste Mythos, an dem Luther selbst bisweilen strickte, ist die arme Herkunft Martin Luthers – dass sein Vater ein einfacher Bergarbeiter war und seine Mutter aus noch bescheideneren Verhältnissen kam und wahrscheinlich eine dubiose Badestubenmagd gewesen war. Erst neuere archäologische Entdeckungen haben uns in die Lage versetzt, die hartnäckige Mär von Luthers bescheidener Herkunft zu den Akten zu legen.

Tatsache ist, dass sein Vater – sein Name war Johannes, sein Rufname Hans – ein intelligenter und tatkräftiger Mann war. Er arbeitete in der Tat im Bergbau, aber er war mitnichten ein einfacher Tagelöhner, sondern ein ehrgeiziger und erfolgreicher Unternehmer. Er besaß mehrere Schmelzhütten und zog mit seiner jungen Frau nach Eisleben, um die reichen Kupferadern auszubeuten, die unter den Wäldern der Region verliefen. Seine Frau Margarethe kam aus der gutbürgerlichen, geachteten und nicht unvermögenden Familie Lindemann im Raum Eisenach; ein Verwandter von ihr wurde 1497 Bürgermeister von Eisenach. Zwei von Martins Vettern (die Söhne des ältesten Bruders seiner Mutter) wurden Männer von Rang und Namen. Der eine wurde ein Doktor der Jurisprudenz und kurfürstlicher Rat in Sachsen, der andere studierte in Leipzig, Frankfurt und Bologna und wurde der Leibarzt des Kurfürsten Friedrich des Weisen. Zuweilen hat er auch Luther selbst behandelt. In seinen letzten Lebensjahren lehrte er Medizin an der Universität von Wittenberg, der Stadt, in der Luther wohnte. Die bescheidene Herkunft der Eltern Luthers, insbesondere seiner Mutter, ist ein typisches Beispiel für die manchmal irreführenden »Heiligenbiografien« über Luther, die nach seinem Tod entstanden.

Wir können wohl davon ausgehen, dass die wohlbetuchte Familie Lindemann Hans Ludher das Geld lieh, das er als Startkapitel in der risikoreichen Kupferhüttenbranche benötigte. Er wusste, dass es nicht leicht werden würde, das Vertrauen, das seine großzügigen Schwiegereltern da in ihn setzten, nicht zu enttäuschen, und es war tatsächlich nicht leicht. Er arbeitete sehr hart und erwartete zweifellos, dass sein Sohn Martin sich in seine Zukunftspläne einfügen würde. Der Junge war mehr als hell, und Hans hatte vor, ihm die bestmögliche Schulbildung angedeihen zu lassen, damit er als Jurist Karriere machen konnte.

Wir können auch davon ausgehen, dass die Luthers weder frommer noch weniger fromm waren als andere Menschen ihrer Zeit und ihrer sozialen Schicht – mit anderen Worten: Sie nahmen Gott und die Kirche sehr ernst. Fast mit Sicherheit gab es in ihrem Haus einen Heiligenschrein für St. Anna, die zwar nicht nach der Bibel, aber nach der kirchlichen Tradition die Mutter Marias war und die als Schutzheilige der Bergleute galt – Letzteres deswegen, weil aus ihrem Leib zwei »Edelsteine« von unermesslichem Wert gekommen waren: erst Maria und dann indirekt, aus Marias Leib, Jesus. Was für eine bessere Schutzheilige konnte es geben für die Menschen, die selbst in der Erde nach Schätzen suchten?

Was die Archäologen sagen

Als wahrer Glücksfall für die Luther-Forschung erwiesen sich neuere archäologische Ausgrabungen in Mansfeld, wo Luther vom Säuglingsalter (sechs Monate) bis zu seiner Einschulung in Magdeburg wohnte. Unter anderem ergab eine 2003 begonnene Ausgrabung, dass das kleine, schlichte Haus in Mansfeld, das jahrhundertelang als das Elternhaus des kleinen Martin galt, nur ein Drittel des tatsächlichen Wohnhauses der Familie ausmachte, was Luthers eigene spätere Aussage, er sei der Sohn von »Bauern« und »armen Bergleuten« gewesen, als typisch lutherische Mischung aus Bescheidenheit und Übertreibung entlarvt. Anders als die Legenden aus fünf Jahrhunderten es wollen, wuchs er vielmehr in einem bemerkenswert gut ausgestatteten Haus auf. Wie gut, zeigt eine weitere Ausgrabung aus dem Jahr 2008, bei der »ein bis dato unbekannter ausgemauerter Kellerraum«⁶ aus Luthers Kindheitstagen freigelegt wurde, der solch eine Fülle und Vielfalt von häuslichem Abfall enthielt, dass man ihn als eine Goldgrube an Informationen über den damaligen Alltag der Familie betrachten muss. Dass Martin und die Seinen die hier aufgefundenen Gegenstände vor fünfhundert Jahren in den Händen gehalten und benutzt haben, kommt einer Offenbarung gleich und bestätigt, dass dies nicht die bescheidene Wohnstätte armer Leute vom unteren Ende der Gesellschaft war, sondern das Haus einer ehrbaren, etablierten Familie, die zu den führenden der Stadt gehörte.

Die Auswertung der gut 7.000 in dem Keller ausgegrabenen Tierknochen ergab, dass der Fleischkonsum der Familie Luther zu 60 Prozent aus Schweinefleisch bestand, und zwar überwiegend von »jungen, gerade erwachsenen Tieren«⁷, deren Fleisch teurer war als das älterer, weniger aromatisch schmeckender Tiere. 30 Prozent der Knochen stammten von Schafen und Ziegen und die übrigen 10 Prozent von Rindern. Weiter fand man 2.000 Knochen von Hausgeflügel, vor allem von Gänsen, deren Fleisch ebenfalls relativ teuer war. Dazu kamen »oftmals junge Hühner, gelegentlich Enten und Tauben«. Einige der Gänseknochen waren durch eingebohrte Löcher zu Vogelpfeifen umfunktioniert worden, mit denen man kleine Singvögel anlockte, die damals in Deutschland ebenfalls auf dem Speiseplan standen. Dann schließlich die Fischgräten: Sie ergaben, dass im Hause Luther an Süßwasserfischen »Karpfen, Brassen, Plötze, Rapfen, Hecht, Zander, Flussbarsch und Aal« verzehrt wurden. An Salzwasserfischen gab es »Hering, Dorsch und Scholle«, die in Salz eingelegt oder getrocknet nach Mansfeld kamen.

Doch noch bezeichnender waren die in dem Keller gefundenen Küchenutensilien, darunter mehrere Grapen – irdene Dreibeintöpfe, die man direkt in das Herdfeuer stellte. Es gab auch Fragmente der sehr viel selteneren metallenen Variante dieser Töpfe. Diese waren damals so wertvoll, dass sie oft in Testamenten eigens erwähnt wurden. Man fand auch Scherben von sogenannten Igelgefäßen, die nur bei festlichen Anlässen zum Einsatz kamen; dazu kamen »Stangengläser, Noppengläser und Rippenbecher«⁸. Auch die Messergriffe und vieles andere bezeugen, dass es sich hier um einen Haushalt mit dem Wohlstand der oberen Mittelschicht handelt.

Die Archäologen fanden auch viele der Spielzeuge, mit denen Martin und seine drei Brüder gespielt haben dürften. Unter anderem fanden sie sieben Murmeln von unregelmäßiger Form, was darauf schließen lässt, dass sie wahrscheinlich selbst gefertigt und im Herd von Mutter Luther gebrannt waren. Ein »Fingerknochen eines Rindes« wies unten ein gebohrtes Loch auf, das wahrscheinlich mit flüssigem Blei gefüllt worden war, um so einen standfesten Kegel zu erhalten. Mehrere solcher Kegel wurden in eine Reihe gestellt und als Kegelspielen verwendet.³ Es gab auch einen »Pfeifvogel« (also eine Vogelpfeife), »den man mit Wasser füllte, um so trillernde Laute zu erzeugen«. Doch der vielleicht spektakulärste Fund ist »die Miniaturausführung einer Armbrustnuss, also dem entscheidenden Teil des Abzuges einer mittelalterlichen Armbrustwaffe«.⁹ Sie stammte offenbar von einer Spielzeugarmbrust, die Martin und seinen Brüdern gehörte. Daher müssen wir heute die vielen Lutherbilder in unserem kollektiven kulturellen Gedächtnis durch das Bild des kleinen Martin ergänzen, der mit seiner Spielzeugarmbrust hinter seinen Brüdern herrennt. Kaum denkbar, dass der »Sohn armer Eltern« ein so ausgefallenes und teures Spielzeug besessen hat.

Besonders mysteriös an diesem großen Abfallfund ist die große Zahl wertvoller Gegenstände, die mit den weniger wertvollen vermischt sind. Es ist natürlich normal, dass man Knochen und Gräten wegwirft. Aber warum, um alles in der Welt, sollte man Messingschnallen und -knöpfe, eine bestickte Geldbörse an einem Ledergürtel, ja sogar Silbermünzen entsorgen? Eine mögliche Erklärung hat mit der Pestepidemie zu tun, die 1505, als Luther gerade gegen den Willen seines Vaters Mönch geworden war, Mansfeld wieder einmal heimsuchte. Man nimmt heute an, dass zwei von Martins Brüdern dieser Pest zum Opfer fielen.¹⁰ Damals rieten die Ärzte dazu, alle Kleider und das Bettzeug von Pesttoten zu verbrennen, und es ist gut möglich, dass beim Ausräumen der Zimmer der Verstorbenen verschiedene wertvollere Gegenstände aus Versehen mit weggeworfen wurden, was diesen ansonsten sehr merkwürdigen Fund erklären würde.

Luthers Verhältnis zu seinem Vater

Eine andere Legende, die sich wie eine Klette an die Geschichte Luthers geheftet hat, ist die, dass sein Vater in seiner Erziehung ein solcher Tyrann war, dass sein Sohn schließlich gegen alles, was Vater hieß, aufbegehrte – einschließlich des himmlischen Vaters. Nun kann kein Zweifel bestehen, dass Hans Luther seinem Jungen die Ohren langzog, wenn die Situation dies erforderte, aber die körperliche Züchtigung von Kindern war damals, wie zu praktisch allen Zeiten und in allen Kulturen in der Geschichte der Welt, absolut üblich, und sie als etwas Besonderes und Hochbedeutsames zu betrachten, verrät einen Mangel an historischen Kenntnissen. Hätte sie allgemein die Auswirkungen, die so oft behauptet werden, die Welt wäre voll von lauter Luthers. Natürlich lässt sich hierüber nur spekulieren, weil nur wenig detaillierte Ausführungen dazu vorliegen. Aber nach allem, was wir wissen, entsprach Luthers Erziehung dem, was damals üblich war, und von abnormen Verhältnissen könnte man höchstens dann reden, wenn Vater Luther seinen Sohn ohne Schläge erzogen hätte. Einmal schlug er ihn so heftig, dass der kleine Martin seinen Vater (ob nun aus Angst oder Wut) eine ganze Zeit lang mied. Aber auch dies war damals nichts Außergewöhnliches, und Herr Luther war nicht der Einzige, der manchmal streng war. Der ältere Luther erinnerte sich, dass seine Mutter ihn einmal schlug, bis das Blut kam. Sein »Verbrechen«: Er hatte eine Nuss stibitzt.

Doch die beharrliche Mär von Luthers überstrengem Vater entstammt fast gänzlich der erstmals 1958 erschienenen Lutherbiografie Der junge Mann Luther von dem Psychoanalytiker Erik H. Erikson, der behauptete, dass es Luthers Verschmelzung eines strengen Richtergottes mit seinem eigenen Vater war, die unweigerlich und ungewollt zu der ödipalen Krise führte, die die Einheit des abendländischen Christentums für immer zerriss. Eriksons These hat in der Lutherforschung jahrzehntelang für Verwirrung gesorgt, aber es gibt keinen Grund, diese verquere Freud'sche Theorie als mehr zu betrachten als eine historische Kuriosität im Stile der Erziehungsratgeberbücher des Bestsellerautors Benjamin Spock aus den 1950er- und 1960er-Jahren. Dass das Buch 1958 von Margaret Mead und Reinhold Niebuhr hoch gelobt wurde, vervollständigt dieses peinliche Klischee aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Tatsache ist, dass wir viel mehr Material über Luthers emotionales und geistiges Leben zur Verfügung haben als über irgendeinen seiner Zeitgenossen, wie z. B. Vasco da Gama oder Heinrich VIII. Daher findet jeder, der mit »neuen Erkenntnissen« über Luther das nächste pseudowissenschaftliche Denkmal errichten will, einen reich gedeckten Tisch vor, an dem er sich bedienen kann.

Eriksons Theorie muss nicht nur viele Fakten schier vergewaltigen, damit sie in seine Schablone passen; sie muss auch, was vielleicht noch merkwürdiger ist, viele Fakten über Luthers Beziehung zu seinem Vater ignorieren, die Eriksons Generation durchaus nicht unbekannt waren. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn zeigte im Laufe der Jahre so viele Facetten, dass Eriksons Buch den Eindruck selektiver Rosinenpickerei im Dienste einer modischen Freud’schen Story erweckt. Es gibt reichlich Belege dafür, dass Luther seinen Vater liebte und dass sein Vater ihn liebte. Als Luthers Schulfreund Hans Reinicke ihm mitgeteilt hatte, dass sein (Luthers) Vater gestorben war, schrieb Luther in einem Brief Melanchthon:

Dieser Tod hat mich wahrlich in Trauer versetzt, nicht allein der Natur, sondern auch der überaus herzlichen Liebe gedenkend. Denn mein Schöpfer hat mir durch ihn alles gegeben, was ich bin und habe, so daß ich kaum jemals den Tod so verachtet habe.¹¹

Schulzeit

Die uns vorliegenden Erinnerungen an Luthers Kindheit stammen fast gänzlich von dem viel älteren Luther. Von seiner Heirat 1525 bis zu seinem Tod 1546 wohnten Luther und seine Frau Käthe in dem ehemaligen Augustinerkloster, dem sogenannten Schwarzen Kloster, wo sie etliche Studenten in Pension nahmen und oft Gäste hatten. Irgendwann erlaubte Luther es einigen dieser Studenten und Gäste – vor allem den Ersteren –, sich Aufzeichnungen davon zu machen, was er bei Tisch sagte. Diese Aufzeichnungen, die schließlich etliche Bände füllten, sind als Luthers Tischreden bekannt geworden. Oft gibt es darin verschiedene Versionen ein und derselben Anekdote oder Aussage, je nachdem, wer sie niederschrieb, was im Einzelfall verwirrend sein kann. Sie sind keine nüchternen Darstellungen der Fakten, sondern Kommentare eines zuweilen aufbrausenden älteren Mannes, der sich an Dinge erinnert, die Jahrzehnte zurückliegen. Sie sind also mit Vorsicht zu genießen. Dennoch können wir mit Fug und Recht sagen, dass Luthers Erinnerungen an seine Schulzeit nicht von der angenehmen Sorte waren. Er berichtet zum Beispiel, dass er als junger Schüler eines Morgens fünfzehn Schläge erhielt, weil er ein bestimmtes lateinisches Verb nicht konjugieren konnte. Er erläutert, dass die Klasse dieses Verb noch überhaupt nicht gelernt hatte, sodass der Fehler bei dem Lehrer lag. Schon 1524 beklagte Luther sich in einer Schrift, dass er auf dieser Schule »rein nichts gelernt hatte, trotz all der Schläge, all dem Zittern, all der Angst und all dem Elend«.¹² Der allgemeine Eindruck ist der, dass die Kindheit für so einen extrem sensiblen und intelligenten Jungen wie den jungen Martin Luther eine endlose Tortur gewesen sein muss, deren Ende er kaum erwarten konnte.

Die Verkehrssprache der Gebildeten war zu Luthers Zeit das Lateinische, dessen Beherrschung von allen Schülern und Studenten erwartet wurde. Luthers Vater Hans sprach bezeichnenderweise kein Latein, was darauf schließen lässt, dass seine Schulbildung um einiges unter der seines Sohnes lag. An der ersten Schule, die der junge Luther besuchte, begann und endete jeder Tag mit einem lateinischen Kirchenlied. Jeden Morgen ernannte der Lehrer einen der Schüler zum »Wolf«; die Aufgabe des »Wolfes« bestand darin, dem Lehrer Schüler zu melden, die Deutsch sprachen oder sich anderer Missetaten schuldig machten. Der schlimmste Bösewicht des Tages musste den ganzen folgenden Tag als »Esel« einen hölzernen Eselskopf an einem Riemen um den Hals tragen, was ihn zum Gespött der Mitschüler machte. Luthers übrige Erinnerungen sind nicht viel besser, aber es könnte sein, dass er zumindest ein bisschen übertrieb, denn das Leitbild der Schule betonte den Bildungsauftrag, den sie gegenüber ihren Schülern hatte; es lautete: »Einen Schüler zu missachten ist nicht weniger schändlich, als einer Jungfrau ihre Unschuld zu nehmen.«

Der ältere Luther hat die allgemeine Atmosphäre der Angst vor den Lehrern, die an der Schule herrschte, als etwas beschrieben, was ihn für den Rest seines Lebens prägte, sodass er es kaum annehmen konnte, wenn jemand ihm Gutes wollte. Die irrationale, von Unwissen genährte Angst vor einem guten Gott, die von den Kirchen und Theologen seiner Zeit gepredigt wurde, hing für Luther unter anderem damit zusammen. Diese Angst erinnerte ihn an eine Begebenheit aus seiner Kindheit. Es war damals üblich, dass die Kinder durch die Stadt liefen und um Würste bettelten. Das betraf nicht nur, wie es in einigen der älteren Lutherbiografien heißt, arme Kinder, sondern alle Kinder – wieder ein Fall, wo man zwischen Dichtung und Wahrheit über Luther trennen muss. Eines Tages rannte ein freundlicher Mann mit etlichen Würsten in der Hand hinter Luther und seinen Freunden her. Er wollte den Kindern die Würste schenken, doch Luther und seine Kameraden rannten voller Angst davon, nichts anderes denkend, als dass dieser leibhaftige »Hanswurst« ihnen etwas Böses antun wollte. Luther hat diese Szene als Illustration dafür benutzt, dass wir so oft, wenn Gott uns seine Liebeshand entgegenstreckt, voll von der Vorstellung von ihm als dem überstrengen Richter und Züchtiger sind, dass wir verängstigt zurückweichen und uns damit selbst eben dessen berauben, wonach wir uns so sehnen.

Magdeburg – Luther ist 13

Im Herbst 1496, vielleicht auch erst im Frühjahr 1497 schickten Martins Eltern ihn auf eine Schule im 70 Kilometer südlich gelegenen Magdeburg. Er war jetzt 13 Jahre alt, und mit ihm ging Hans Reinicke, mit dem er für den Rest seines Lebens befreundet bleiben sollte und der der Sohn eines sehr erfolgreichen Berufskollegen seines Vaters war. Hans Luthers Zukunftspläne für seinen Sohn dürften ehrgeizig gewesen sein, und es muss ihm gutgetan haben, seinen Sohn auf Schulen schicken zu können, an denen er Latein lernen konnte und mit den Söhnen hoher Persönlichkeiten zusammenkam. Hans Luther scheint sein Leben lang darum gekämpft zu haben, auf der gesellschaftlichen Treppe höherzusteigen oder doch wenigstens auf der Stufe zu bleiben, die das Leben ihm geschenkt hatte. Einen hochbegabten Sohn zu haben, der durch entsprechende Bildung die Geschicke der Familie befördern konnte, gehörte eindeutig zu seiner Strategie, und wo konnte er diese besser verwirklichen als in der Schule im fernen Magdeburg, wo Martin in den »richtigen« Kreisen verkehren und Reinickes Sohn an seiner Seite haben würde? Es war eine Gelegenheit, die Hans Luther sich nicht entgehen lassen durfte. Nicht zuletzt wohnte in Magdeburg auch Dr. Paul Moßhauer, ein erzbischöflicher Offizial, der ursprünglich aus Mansfeld kam und Verwandte in der dortigen Schmelzerei- und Grubenindustrie hatte, was Luthers und Reinickes Verbindung zu der Schule erklärt.

Martins Schulzeit in Magdeburg war eine wichtige Weichenstellung in seinem Leben, die ihn letztlich zu der Lebenswende im Jahre 1505 führen sollte – zum Gang ins Kloster. In Magdeburg wohnte er bei den sogenannten »Nullbrüdern«. Die Nullbrüder oder, wie sie auch genannt wurden, die »Brüder vom gemeinsamen Leben« waren vom niederländischen Humanismus geprägt. Sie beeinflussten in Bildung und Frömmigkeit den Nordosten Deutschlands. Sie waren kein offizieller Mönchsorden, wohnten aber in einer klosterähnlichen Gemeinschaft zusammen und boten Schülern Kost und Logis. Sie lebten recht bescheiden, waren aber nicht, wie so viele andere, Bettelmönche, sondern verdienten sich ihren Lebensunterhalt als Kopisten – da es noch nicht überall Druckerpressen gab, mussten viele Bücher noch von Hand abgeschrieben werden. Bei ihnen dürfte Luther erstmals mit einem ernsthafteren Christenleben in Berührung gekommen sein, und hier dürfte eine eventuell vorhandene Neigung, Gott ernster zu nehmen, als die meisten Schüler dies taten, ihre erste Nahrung bekommen haben. Hätte Martins Vater geahnt, dass das Leben seines Sohnes sich in diese Richtung entwickeln könnte, hätte er ihn sicher nicht zu den Nullbrüdern geschickt. Aber es scheint keinen Grund gegeben zu haben, in Martin etwas anderes zu sehen als einen gehorsamen Sohn, der den Wunsch seines Vaters, der es doch nur gut meinte, erfüllen und ein guter Schüler sein würde, der eines Tages als Rechtsgelehrter der Stolz der Familie wäre.

Einen tiefen Eindruck auf Luther hinterließ in Magdeburg Prinz Wilhelm von Anhalt, dessen abgemagerte Gestalt zum Straßenbild der Stadt gehörte. Wilhelm kam aus einer tiefreligiösen Familie; seine beiden Brüder wurden Priester, seine Schwester Nonne. Doch Wilhelm übertraf sie alle, als er als Franziskanermönch ein Leben der Armut wählte und auf alle seine Prinzenrechte verzichtete. Wie der Gründer des Franziskanerordens entsagte er allen weltlichen Titeln und Gütern, um auf die demütigste Weise, die es gab – als Bettler – Christus nachzufolgen.

Der Bettelmönch Wilhelm muss ein Anblick in den Straßen Magdeburgs gewesen sein, den man nicht so leicht vergaß. In franziskanischer Manier trug er einen Sack auf dem Rücken. Im Kloster war er für seine Bereitschaft, jegliche Arbeiten zu übernehmen, bekannt, und sein endloses Wachen und Fasten, in Kombination mit der damals gängigen Selbstgeißelung, ließ ihn schließlich zu einem wandelnden Skelett werden. Er starb 1504, erst Mitte vierzig. Luther soll später gesagt haben, dass er durch das Fasten und das Wachen eher aussah wie ein Totenschädel und praktisch nur aus Haut und Knochen bestand, was in ihm Scham über sein eigenes Leben ausgelöst habe.

Dass Wilhelm dem Prunk dieser Welt, ja seinen Privilegien als Prinz so völlig entsagt hatte, wird seine Wirkung auf diesen hochsensiblen Jungen nicht verfehlt haben. Das in sich gekehrte, grüblerische Gemüt des jungen Luthers würde schon bald die weltlichen Pläne, die sein ehrgeiziger Vater für ihn so zielstrebig verfolgte, zunichtemachen.

Eisenach – Luther ist 14

Nur ein Jahr nachdem er nach Magdeburg gekommen war, schickten Luthers Eltern ihn auf eine andere Schule, im 120 Kilometer südwestlich von Mansfeld gelegenen Eisenach. Luther schlug hier in den folgenden vier Jahren Wurzeln. Dort gefiel es ihm offenbar so gut, dass ihm später der Ausspruch »Eisenach, meine liebe Stadt« zugeschrieben wird. In Eisenach wohnten zahlreiche Verwandte, sowohl von väterlicher als auch von mütterlicher Seite. Eine der populäreren Legenden, die sich um Luthers Gestalt rankten, war die des armen Jungen, der mutterseelenallein in dieser fremden Stadt war und sich sein Essen zusammenbetteln musste, indem er auf den Straßen sang, worauf eine Witwe, die von seiner schönen Stimme fasziniert war, sich seiner erbarmte und ihn bei sich aufnahm. Eine rührende, aber falsche Geschichte. Tatsache ist, dass es in Luthers Kindheit an bestimmten Feiertagen üblich war, dass die Kinder von Haus zu Haus gingen und sangen und zur Belohnung Brotstücke bekamen, so ähnlich wie heute in vielen Städten am Epiphaniastag die Sternsinger von Haus zu Haus gehen oder in Amerika die Halloween-Kinder mit ihrem »Süßes oder Saures?« an der Tür klingeln. Man nannte diese Kinder Partekenhengste (»Parteke« = ein Stück Almosenbrot).

In Eisenach gab es damals nicht weniger als drei Klöster: die Dominikaner, die Kartäuser und die Franziskaner. Dazu gab es drei Pfarrkirchen: St. Nikolaus, St. Georg und die Stiftskirche St. Marien. Die große Marienkirche hatte zwanzig Altäre und unzählige Reliquien zu bieten. Der Knüller unter Letzteren war ein Knochenstück, das angeblich von Maria selbst stammte; der Pilger, der es betrachtete, glaubte, ein heiliges Stück der Arme vor sich zu sehen, in denen der kleine Jesus gelegen hatte.¹³ Luther hat die Stadt später ein »Pfaffennest und Stapelplatz der Geistlichen« genannt.¹⁴

In Eisenach ging Luther auf die Pfarrschule von St. Georg. Zu einem seiner Lehrer, Wigand Güldenapf, entwickelte sich eine freundschaftliche Beziehung, die für den Rest seines Lebens anhielt. Er verkehrte auch mit seinem Großonkel Konrad Hutter, dem ehemaligen Küster der St.-Nikolaus-Kirche.

Über verschiedene Beziehungen wurde Luther in dieser Zeit mit der Familie Schalbe bekannt, bei der er mehrere Jahre wohnte. Heinrich Schalbe war 1495 und erneut 1499 Bürgermeister von Eisenach. Einmal mehr war Luther nicht einfach der Bergarbeitersohn, sondern bereits mit 14 Jahren ein junger Mann mit Beziehungen und besten Zukunftsaussichten. Die Schalbes waren nicht nur reich und angesehen, sondern auch sehr fromm und große Gönner des Franziskanerklosters. Es war Heinrich Schalbes Frau, die den jungen Luther mit dem Gedanken bekannt machte, dass der Ehestand etwas außerordentlich Gutes sein konnte. Sie zitierte manchmal einen Spruch, an den Luther sich noch nach Jahrzehnten erinnerte: »Es ist kein Lieber Ding auf Erden denn Frauenliebe, wem sie kann zu Theil werden.«¹⁵

In seinen fast vier Jahren in Eisenach kam Luther auch unter den Einfluss von Pater Johannes Braun, dem Vikar am Marienstift. Braun hatte Beziehungen zur St.-Georgs-Schule; wahrscheinlich hat Luther ihn auf einer der zahlreichen Einladungen von Schülern in sein Haus kennengelernt. Aus dem späteren Briefwechsel zwischen Luther und Braun geht klar hervor, dass dieser fromme Mann einen großen geistlichen Einfluss auf Martin ausübte. Pater Braun sah in ihm eine wache, sensible Seele, mit der Gott, falls sie denn auf seine Stimme hören würde, Großes vorhatte.

Bei der Familie Schalbe lernte Luther nicht nur ungleich intensiver als zu Hause in Mansfeld, dass Gott ganz im Zentrum des Lebens zu stehen hatte, sondern auch, dass die Kirche ihre Schattenseiten haben konnte und dass die Kirche, wie Gott sie wollte, und die Institution Kirche, wie sie real existierte, zwei verschiedene Paar Stiefel sein konnten. Es war Heinrich Schalbe, der Luther als Erster von dem alten Franziskanermönch Johannes Hilten erzählte, der damals im Kloster in Eisenach wegen seiner heftigen Kritik an der Kirche in Arrest saß.

So, wie man St. Martins Befehlsverweigerung in Worms im 4. Jahrhundert als Vorausdeutung auf Luthers Kampf tausend Jahre später deuten kann, kann man auch Hiltens apokalyptische Mahnungen als prophetisch sehen. Hilten sagte in seinen apokalyptischen Schriften voraus, dass im Jahre 1516 ein Mann aufstehen würde, um die Kirche zu reformieren; er würde Erfolg haben und die jahrhundertelange Herrschaft der Mönche beenden. Wir wissen nicht, ob der Schüler Luther Hiltens Schriften kannte, aber später hat er sich mit diesem von Hilten prophezeiten Reformator identifiziert, was ihm zusätzliche Kraft in seinem Kampf gegeben und den unerschütterlichen Glaubensmut, der seine schärfste Waffe in diesem Kampf war, gestärkt haben wird. Hilten sagte auch voraus, dass binnen hundert Jahren der Islam das Christentum besiegt haben würde. Wenn aber Hilten – sofern dies denn stimmte – Luthers Aufstieg und Erfolg korrekt vorhergesehen hatte, dann musste der spätere Luther davon ausgehen, dass auch die übrigen von Hiltens Prophezeiungen stimmten. Das aber bedeutete, dass die letzten Tage der Welt gekommen waren und der Antichrist auf die Erde losgelassen war, der am Ende solch eine Verwüstung anrichten würden, dass, wenn es möglich wäre, selbst die Auserwählten verführt würden (vgl. Matthäus 24,24).

Hilten starb mit 75 Jahren im Jahre 1500 in seiner Klostergefangenschaft. Wahrscheinlich verhungerte er – ob freiwillig oder nicht, wissen wir nicht. Sein Beispiel zeigt uns einmal mehr, dass der einsame Kämpfer Gottes, der Stellung gegen die Missstände der Kirche bezog, so ungewöhnlich nicht war. Wir müssen uns hüten vor einer allzu vereinfachten Version der Kirchengeschichte, in der es vor dem großen Martin Luther nie kritische Stimmen gab. Schon mehr als einer hatte versucht, die Kirche zu ihren wahren und einzigen Wurzeln zurückzuführen, und war gescheitert. Dass es im kirchlichen Gebälk an allen Ecken und Enden knackte und dass viele der Mönche und Priester gierig, heuchlerisch und widerlich waren, war nichts Neues. Und egal, was dagegen unternommen wurde oder auch nicht, die Laien sahen es und machten ihren Gedanken Luft – mal im stillen Kämmerlein, mal weniger still. Und die ganze Zeit fehlte der zündende Funke – der Mann, der den Kampf aufnehmen und gewinnen würde.

Schon Jahrhunderte zuvor hatte sie begonnen, diese Krankheit der Kirche, die ihre Macht über die Seelen der Menschen mit der Zeit lockerte. Zu Luthers Zeiten waren die Missstände weithin bekannt. Und nicht nur die Missstände waren seit Jahrhunderten ein Thema; hier und da war auch ein Ruf nach Reformen laut geworden. Das erste größere und berühmt gewordene Beispiel finden wir im 13. Jahrhundert, als der Sohn aus bestem Hause, der als Franziskus von Assisi bekannt werden würde, Gottes Stimme hörte, die ihm befahl: »Mein Haus liegt in Trümmern! Stelle es wieder her!«¹⁶ In der Zeit zwischen Franziskus und Luther hat es etliche Persönlichkeiten in der Kirche gegeben, die Reformen anstoßen wollten. Manche von ihnen wurden nicht gelobt, wie Franziskus, sondern als Häretiker gebrandmarkt und schließlich exkommuniziert und grausam hingerichtet.

Der um 1328 in England geborene John Wycliffe war in mehr als einer Hinsicht ein bemerkenswerter Vorläufer von Luther und dessen Reformation. So setzte er sich energisch für eine Übersetzung der Bibel in die Muttersprache der Menschen in seinem Land ein, sodass jeder Mensch Gottes Wort selbst lesen

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