Erfreu Dich an Millionen von E-Books, Hörbüchern, Magazinen und mehr

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Reiseführer Balkan: Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien

Reiseführer Balkan: Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien

Vorschau lesen

Reiseführer Balkan: Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien

Länge:
1.415 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
2. Juli 2019
ISBN:
9783897947672
Format:
Buch

Beschreibung

- Erster deutschsprachiger Reiseführer zum gesamten Westbalkan
- Sieben Länder in einem Band: Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Kosovo, Albanien, Nordmazedonien
- Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten auf 536 Seiten
- Vorschläge für Balkantouren, umfassende reisepraktische Hinweise
- 39 Stadtpläne und Übersichtskarten, große Faltkarte zum Herausnehmen

Die Länder des Westbalkan zeigen sich als überraschend vielfältige Reiseziele, zusammen bieten sie eine schier unüberschaubare Fülle an Sehenswürdigkeiten. Der architektonische Reichtum in den Hauptstädten Zagreb, Sarajevo, Belgrad, Podgorica, Prishtinё, Tirana und Skopje, aber auch in malerischen Kleinstädten geht auf viele Völker zurück, darunter Römer, Venezianer, Osmanen und Österreicher. Zu entdecken gibt es Ausgrabungsstätten, unzählige Barockschlösser, Burgen und Klöster sowie Kirchen und Moscheen. Gleichzeitig weist die Region zwischen Adria, Donau und Balkangebirge sehr unterschiedliche Landschaften auf: traumhafte Strände, tiefe Schluchten sowie wilde, naturbelassene Flüsse, nahezu unberührte Natur in den ausgedehnten Nationalparks, Hochgebirgen und Tiefebenen. Daher ist sie ein ideales Reiseziel für Kulturliebhaber wie für Aktivurlauber. Der Balkan ist mittlerweile auch grenzüberschreitend problemlos zu bereisen, und die touristische Infrastruktur wurde in allen Ländern in den vergangenen Jahren erheblich verbessert.
Dieser Reiseführer stellt erstmals im deutschsprachigen Raum sieben Länder mit ihrer Geschichte und ihren Traditionen, Schönheiten und Besonderheiten vor. Er bietet umfassende reisepraktische Informationen und wendet sich an alle, die den Balkan insgesamt oder auch nur Teile davon individuell oder im Rahmen von Studienreisen kennenlernen möchten.

>>> Weitere Reiseführer, auch zu den einzelnen Ländern der Balkanhalbinsel, finden Sie auf der Website des Trescher Verlags.
Herausgeber:
Freigegeben:
2. Juli 2019
ISBN:
9783897947672
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Reiseführer Balkan

Ähnliche Bücher

Buchvorschau

Reiseführer Balkan - Beate Kirchner

Handbuchs!

Herausragende Sehenswürdigkeiten

Dubrovnik

Täglich machen in Dubrovnik im Süden Kroatiens Kreuzfahrtschiffe halt, und selbst Hollywood hat die Hafenstadt für sich entdeckt: Die perfekt erhaltenen Festungsanlagen dienten als Drehort für die TV-Serie ›Game of Thrones‹. Die mittelalterliche Stadtmauer der einstigen Seemacht ist begehbar, die Aussicht auf die Dächer der Stadt und auf das Meer von dort ist umwerfend. Die historische Altstadt – mit Prachtgebäuden aus Gotik, Renaissance und Barock – zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO. → S. 121

Istrien

Die Halbinsel im Norden Kroatiens bezaubert mit Naturschönheiten wie den Brijuni-Inseln oder dem Naturpark Kap Kamenjak sowie zahlreichen architektonischen Sehenswürdigkeiten und malerischen Städtchen. Auch Feinschmeckern ist Istrien mit seiner italienisch, österreichisch und ungarisch beeinflussten Küche ein Begriff. Spezialitäten sind vor allem Trüffel, Wein und Olivenöl. → S. 78

Sarajevo (Bosnien und Herzegowina)

Das Zentrum Sarajevos zeigt sich als einzigartige Mischung von orientalischer und habsburgischer Architektur. Dazu bietet die Stadt eine faszinierende kulinarische Bandbreite, eine einnehmende Offenheit gegenüber Besuchern und eine sorgfältig gepflegte Erinnerungskultur. → S. 152

Stećci

Sie stehen und liegen mitten in der Landschaft: rätselhafte weiße Grabsteine (Stećci). Die größten Ansammlungen von Stećci gibt es in Bosnien und Herzegowina, weitere in Kroatien, Montenegro und Serbien. Seit 2016 stehen die Grabsteine auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Zwei der schönsten Stećci-Standorte sind der Naturpark Blidinje am gleichnamigen See (nordwestlich von Mostar) und Radimlja westlich von Stolac. → S. 176

Belgrad

Die serbische und einstige jugoslawische Hauptstadt am Zusammenfluss von Donau und Save besitzt Ecken und Kanten, und gerade das macht sie so spannend. Das wilde Nebeneinander von traditioneller Balkanarchitektur, Art déco und allen Spielarten der Moderne weckt die Entdeckerlust. Dazu besitzt Belgrad ein überaus lebendiges Nachtleben, das sich nicht zuletzt in den zahlreichen Restaurant- und Disco-Schiffen an den Flussufern abspielt. → S. 201

Eisernes Tor

Eine der spannendsten Passagen der Donau und Krönung jeder Donaukreuzfahrt zum Schwarzen Meer ist das Durchbruchstal Eisernes Tor im Nordosten Serbiens an der Grenze zu Rumänien. Die schluchtartige Flusspassage ist eingebettet in zwei Reservate, den serbischen Nationalpark Đerdap und den rumänischen Naturpark Eisernes Tor. → S. 246

Bucht von Kotor (Montenegro)

Der Anblick der tief eingeschnittenen Bucht von Kotor an der Adria, eingefasst von steilen, kargen Felswänden des Karstgebirges, ist unvergesslich. Auf einer Strecke von knapp 30 Kilometern schlängelt sich der ›Fjord‹ ins Landesinnere. Die Bucht mit der einzigartigen Landschaft und den Stätten historischen Reichtums gehört zum UNESCO-Weltnatur- und Weltkulturerbe. → S. 269

Altstadt von Kotor

Würdevolle Sakralbauten und Paläste entlang der romantischen, schmalen Gassen und verwinkelten Plätze künden von der früheren Bedeutung Kotors. Umgeben ist das dreieckige Zentrum von einer Stadtmauer aus venezianischer Zeit, von der Festung oberhalb der Stadt eröffnet sich ein traumhafter Blick in die Bucht von Kotor. → S. 276

Rugova-Schlucht (Kosovo)

Steile Felswände, Wasserfälle, Höhlen – der zwölf Kilometer lange Canyon im Dreiländereck Kosovo-Montenegro-Albanien bietet eine abenteuerliche Kulisse für Outdoor-Aktivitäten. Die Rugova-Schlucht empfiehlt sich zum Wandern, Canyoning und Klettern – mit der Via Ferrata Ari entstand dort der erste Klettersteig des Balkans. Auch der Fernwanderweg Peaks of the Balkans führt durch die Rugova-Schlucht. → S. 360

Prizren

Prizren im Süden Kosovos ist mit seinem pittoresken Stadtbild der touristische Anziehungspunkt schlechthin. Den Reiz der Stadt machen die alpine Kulisse und viele bedeutende Bauwerke aus, besonders die Sinan-Pascha-Moschee, der Hammam, das Kloster Sveti Arhanđel und die Kirche Bogorodica Ljeviška (UNESCO-Weltkulturerbe). → S. 340

Butrint

Die Ruinenstadt gehört zu den bedeutendsten Fundstätten im Mittelmeerraum, das Erbe der hellenischen, byzantinischen, venezianischen und osmanischen Kulturen ist hier bewahrt. Herausragend sind die Akropolis, ein Aquädukt und das Amphitheater der Römer, aus byzantinischer Zeit das Baptisterium und das Taufmosaik. Butrint liegt traumhaft an einer Lagune an der Straße von Korfu und gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe. → S. 421

Tirana

Ein Mix aus modern-mediterranem Leben und Tradition macht die Hauptstadt Albaniens aus: Da ist die Ethem-Bey-Moschee mit prächtigen Fresken aus der osmanischen Zeit; der Kulturpalast und das Nationalmuseum mit dem Helden-Mosaik sind monumentale Zeugen des einstigen Diktators Enver Hoxha. Im Block-Viertel hat sich eine lebhafte Ausgehszene etabliert mit Elektro-Musik in angesagten Clubs, Pizza und Bier im Straßenrestaurant – und Gourmetküche. → S. 374

Ohrid

Die Stadt Ohrid im Südwesten Nordmazedoniens liegt traumhaft am gleichnamigen See, einem der tiefsten und ältesten der Welt mit kristallklarem Wasser. Viele Pflanzen- und Tierarten gibt es nur hier. Rund 365 zum Teil prachtvolle Basiliken und Klöster aus byzantinischer und frühchristlicher Zeit in und um Ohrid haben der Stadt den Titel ›Jerusalem des Balkans‹ beschert. Die UNESCO ehrt Ohrid zweimal – als Natur- und Kulturerbe. → S. 465

Skopje

Römische Festung neben osmanischer Altstadt, Brutalismus neben Neobarock des Städtebauprojekts ›Skopje 2014‹, das das Gesicht der Stadt neu geprägt hat: Die nordmazedonische Hauptstadt fasziniert mit architektonischer Vielfalt als Spiegel ihrer turbulenten Geschichte. → S. 442

UNESCO-Welterbestätten

In den einzelnen Ländern sind die folgenden Stätten zum Welterbe erklärt worden: Kroatien: Historischer Komplex in Split mit dem Palast Diokletians (→ S. 111

); historische Stadt Dubrovnik (→ S. 121

); Nationalpark Plitvicer Seen (→ S. 95

); bischöflicher Komplex um die Euphrasius-Basilika und historisches Zentrum von Poreč (→ S. 78

); historische Stadt Trogir (→ S. 107

); Kathedrale des Heiligen Jakob in Šibenik (→ S. 102

); Ebene von Stari Grad

Bosnien und Herzegowina: Alte Brücke und Altstadt von Mostar (→ S. 182

); Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke in Višegrad (→ S. 168

)

Serbien: Stari Ras und Sopoćani (→ S. 261

); Kloster Studenica (→ S. 260

); Galerius-Palast in Gamzigrad (Romuliana, → S. 254

)

Montenegro: Natürliche und kulturhistorische Region Kotors (→ S. 269

); Nationalpark Durmitor (→ S. 292

)

Kosovo: Mittelalterliche Denkmäler in Kosovo

Albanien: Butrint (→ S. 421

); historische Zentren von Berat und Gjirokastër (→ S. 389

, 403

)

Nordmazedonien: Natur- und Kulturerbe der Ohrid-Region (→ S. 465

)

Zum länderübergreifenden Welterbe zählen die alten Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten (Albanien, Kroatien), das Venezianische Verteidigungssystem des 16. bis 17. Jahrhunderts (Stato da Terra – westlicher Stato da Mar; Kroatien, Montenegro) sowie die Friedhöfe mit Stećci – mittelalterliche Grabsteine (Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Serbien).

Das Wichtigste in Kürze

Die im Buch angegebenen Websites sind, soweit nicht anders vermerkt, in der jeweiligen Landessprache und auf Englisch verfügbar. Bei Hotels und Restaurants, die keine eigene Seite haben, aber bei Facebook vertreten sind, steht hinter der Adresse/Telefonnummer das Kürzel ›fb‹.

Autofahren

Albanien: Lichtpflicht (auch tagsüber), Promillegrenze 0,1, Grüne Versicherungskarte erforderlich.

Bosnien und Herzegowina: Promillegrenze 0,3, Winterreifenpflicht 15.11.–15.4., Grüne Versicherungskarte erforderlich (mit Länderkürzel ›BIH‹).

Kosovo: Promillegrenze 0,5, Grüne Versicherungskarte wird nicht anerkannt, es muss eine extra Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden (ca. 30 Euro/2 Wochen).

Kroatien: Lichtpflicht (auch tagsüber), Promillegrenze 0,5, Grüne Versicherungskarte wird empfohlen.

Nordmazedonien: Promillegrenze 0,5, Grüne Versicherungskarte Pflicht (oder Abschluss einer Versicherung an der Grenze).

Montenegro: Promillegrenze 0,5, Grüne Versicherungskarte Pflicht (oder Abschluss einer Versicherung an der Grenze).

Serbien: Lichtpflicht (auch tagsüber), Promillegrenze 0,3.

Die Autobahnen außerhalb Deutschlands sind nahezu alle mautpflichtig.

Einreise

Für alle Länder gilt: Reisende aus Schengenstaaten (Deutschland, Österreich, Schweiz) können mit Reisepass oder Personalausweis einreisen, Kinder benötigen einen eigenen Ausweis mit Lichtbild. Touristische Aufenthalte sind in der Regel bis 90 Tage visafrei.

Eine polizeiliche Meldepflicht (z.B. bei Privatunterkünften, 24 Std. nach Ankunft) gilt in Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien. In Bosnien und Herzegowina muss man sich bereits nach zwölf Stunden melden, wenn ein Aufenthalt von mehr als drei Tagen geplant ist.

Albanien: Die Reisedokumente müssen bei der Einreise noch mindestens drei Monate gültig sein.

Bosnien und Herzegowina: Dokumente müssen bei der Ausreise noch drei Monate gültig sein. Bei der Einreise müssen Ausländer nachweisen, dass sie pro Aufenthaltstag über mindestens 150 KM (ca. 75 Euro) verfügen (bar oder Kreditkarte).

Kosovo: Dokumente müssen bei der Ausreise noch mindestens drei Monate gültig sein; alte Personalausweise werden nicht anerkannt (nur biometrische). Achtung: Die Ausreise nach Serbien von Kosovo ist nur möglich, wenn auch die Einreise nach Kosovo von Serbien aus erfolgt ist. Bei Einreise nach Kosovo aus einem Drittland ist die Weiterfahrt nach Serbien nicht möglich.

Kroatien: Dokumente müssen für die Dauer des Aufenthalts gültig sein.

Nordmazedonien: Dokumente sollten bei der Einreise noch sechs Monate lang gültig sein.

Montenegro: Dokumente sollten bei der Einreise noch drei Monate lang gültig sein. Der Personalausweis berechtigt nur zu einem Aufenthalt bis zu 30 Tage oder zur Durchreise.

Serbien: Dokumente müssen gültig sein. Auf die 90 Tage Visumfreiheit in Serbien werden auch Aufenthalte in Kosovo angerechnet.

Gesundheit

Empfohlen werden für alle Länder die Standardimpfungen, es besteht keine Impfpflicht. Für einige Länder oder bei längerem Aufenthalt kann die Impfung gegen Hepatitis A und/oder FSME sinnvoll sein. Aktuelle Informationen z. B. beim Auswärtigen Amt, www.auswaertiges-amt.de

oder beim Centrum für Reisemedizin, www.crm.de

.

Eine Auslandsreiseversicherung mit Rücktransportmöglichkeit wird empfohlen. Individuell benötigte Medikamente sollten mitgebracht werden.

Individuell oder organisiert?

Der Balkan ist problemlos auf eigene Faust zu bereisen. Seit vielen Jahren gibt es aber auch eine Reihe von Reiseveranstaltern, die länderübergreifende Rundreisen mit verschiedenen Schwerpunkten und unterschiedlicher Dauer anbieten, teilweise auch mit Abstechern nach Griechenland oder Bulgarien (→ S. 498

).

Sicherheit

Insgesamt gelten alle Länder des Westbalkan als sichere Reiseländer, in denen die üblichen Vorsichtsmaßnahmen gelten: Kopien der Reisedokumente anfertigen, Originale an einem sicheren Ort verwahren, im Gedränge seine Sachen vor Taschendieben schützen, keine Wertsachen sichtbar im Auto lassen, Demonstrationen und Menschenansammlungen meiden.

In Bosnien und Herzegowina sowie in Kosovo kann es noch vereinzelte Minenfelder geben, weshalb die befestigten Straßen und ständig befahrene Wege nicht verlassen werden sollten. Aktuelle Informationen zu den einzelnen Ländern unter www.auswaertiges-amt.de

. Wer ganz sichergehen möchte, trägt sich in die Liste von Deutschen im Ausland ein (https://elefand.diplo.de

).

Adressen der Botschaften → ab S. 500

.

Telefonnummern

Euronotruf: 112 (Kroatien, Bosnien und Herzegowina)

Serbien: Notruf: 094, Polizei: 092

Montenegro: Notarzt: 124, Polizei: 122, Feuerwehr: 123

Kosovo: Feuerwehr: 93, Polizei: 92, Notarzt und Rettungsdienst: 94

Albanien: Notarzt: 127, Verkehrspolizei: 126, Polizei: 129

Nordmazedonien: Feuerwehr: 193, Polizei: 192

Zentrale deutsche Notrufnummer zum Sperren von EC-/Kredit-/Handykarten: +49/116116

ADAC-Pannenhilfe: +49/89/222222

Unterkünfte

Kroatien: Die meisten Hotels bieten mittleren Standard, DZ 70–150 Euro; häufig Pauschal- oder All-inclusive-Angebote. Frühzeitige Buchung für die Hochsaison ist ratsam. Privatunterkünfte sind günstiger. Campingplätze fast an der ganzen Küste und auch im Inland zu finden, wildes Zelten ist streng verboten.

Bosnien und Herzegowina: Breitgefächertes Angebot an neuen und frisch renovierten Hotels, vergleichsweise günstige Preise. An touristischen Orten gibt es meist Campingplätze (Sommersaison), wildes Campen verboten.

Serbien: Das Angebot ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen; in Städten westliches Preisniveau. In ländlichen Gebieten findet man sogenannte Etno-Kućas, Unterkünfte in traditionellen Häusern. Auch das Angebot an Campingplätzen wurde vergrößert. Wildes Campen ist verboten.

Montenegro: An der Küste gibt es ein breites Angebot an Unterkünften, durchgängig mit westeuropäischem Standard und Preisniveau. Eine Reservierung in der Hochsaison ist ratsam. Die wenigen Campingplätze befinden sich ebenfalls hauptsächlich an der Küste. Wildes Campen ist verboten.

Kosovo: Hotels und Motels gibt es in allen Preisklassen, Privatunterkünfte nur in wenigen abgelegenen Regionen. Camping spielt in Kosovo keine Rolle, es gibt auch keine empfehlenswerten Plätze.

Albanien: In den meisten Orten ist das Angebot an Hotels überschaubar; ein Doppelzimmer kostet 30 bis 70 Euro, in Tirana teils mehr. Hostels und Privatzimmer sind sehr günstig. Wildes Campen ist möglich, gegebenenfalls sollte man beim Grundstücksbesitzer fragen.

Nordmazedonien: Besonders groß ist das Angebot an Unterkünften in Ohrid und Skopje; DZ oft um 70 Euro. In touristisch frequentierten Gegenden gibt es Privatunterkünfte, im Land viele günstige Campingmöglichkeiten, meistens sehr einfach. Wildes Campen ist durchaus üblich, wenn auch nicht unbedingt erwünscht.

Unterwegs mit Bahn und Bus

Bedingt nicht zuletzt durch die topographischen Gegebenheiten, wird der öffentliche Fernverkehr, abgesehen von einigen wichtigen Bahnstrecken, meist mittels Bussen abgewickelt. Die Preise liegen – teils erheblich – unter denen in Deutschland. Ein Abenteuer für sich ist die Fahrt auf der Bahnstrecke Belgrad–Bar.

Verständigung

Kroatien: Deutsch ist in touristischen Gegenden weit verbreitet, jüngere Leute sprechen oft gut Englisch.

Bosnien und Herzegowina: Fast überall außer in abgelegenen Gegenden, wird Englisch gesprochen und oft auch Deutsch.

Serbien: Die Verständigung ist teilweise in Englisch möglich. Einige Serben können Deutsch, manchmal kommt man auch mit Russisch zurecht.

Montenegro: An der Küste wird oft Englisch, Italienisch und auch Deutsch gesprochen, im Hinterland deutlich seltener. In den südlichen Gegenden wird auch Albanisch gesprochen.

Kosovo: In größeren Orten sprechen die jüngeren Leute Englisch, Deutsch ist ähnlich verbreitet.

Albanien: Viele Albaner sprechen gut Italienisch, Griechisch, aber nur gelegentlich Deutsch. Die Jüngeren haben Englisch meistens in der Schule gelernt.

Nordmazedonien: Die jüngere Generation spricht oft gut Englisch, speziell im urbanen Raum. Regional gilt Albanisch als zweite Landessprache.

Die kyrillische Schrift wird in Serbien, Nordmazedonien und einigen Teilgebieten mit überwiegend serbischer Bevölkerung verwendet, in Montenegro sind sowohl das kyrillische als auch das lateinische Alphabet in Gebrauch.

Vorwahlen

Kroatien: +385 (00385)

Bosnien und Herzegowina: +387

Serbien: +381

Montenegro: +382

Kosovo: + 383

Albanien: +355

Nordmazedonien: +389

Währungen

Kroatien: Kuna, 1 Euro = 7,4 Kuna

Bosnien und Herzegowina: Konvertible Mark (KM), 1 Euro = 1,96 KM

Serbien: Dinar, 1 Euro = 118 Dinar

Montenegro: Euro

Kosovo: Euro

Albanien: Lek, 1 Euro = 123 Lek

Nordmazedonien: Denar, 1 Euro = 61 Denar Stand: Mai 2019

Ausführliche Informationen in den Westbalkan- und den Länder-Reisetipps → ab S. 496

Abkürzungen und Bezeichnungen

bb bez broja (›ohne Nummer‹, wenn keine Hausnummer vorhanden ist; Kroatien, Montenegro)

Bul./Blv. Bulevar/Bulevardi (Serbien, Albanien)

Rr. Rruga (Straße; Albanien, Kosovo)

Trg Platz (Serbien, Montenegro, Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina)

Sheshi Platz (Albanien, Kosovo)

ul. ulica (Straße; Serbien, Montenegro, Nordmazedonien, Bosnien und Herzegowina. In Nordmazedonien und Kroatien wird die Bezeichnung ›ulica‹ als Bestandteil des Straßennamens meist weggelassen.

Entfernungstabelle

Touren durch den Westbalkan

Montenegro

»Durch die Schluchten des Balkans

Mit dem Auto auf der Fernstraße Podgorica–Belgrad bis nach Kolašin in den Bergen Montenegros ist ein Abenteuer! Die Straße folgt in weiten Teilen den Gleisen der Eisenbahnstrecke nach Kolašin und verläuft parallel zum Fluss Morača und seinen Schluchten. An einigen Stellen stehen die Berge so dicht beieinander, dass nur ein kleines Stück des Himmels sichtbar bleibt. Unbedingt sollte man einen Stopp beim Kloster Morača einlegen.

Autorouten durch den ganzen Balkan → S. 27

»Hauptstadt-Hopping

Durch den hohen Anteil an Gebirgen ist der Westbalkan nicht prädestiniert für Zugreisen. Eine Rundreise mit allen sieben Hauptstädten wird also am besten mit dem Auto oder per Bus gemeistert. Eine Strecken-Empfehlung: Zagreb via Novi Sad nach Belgrad mit dem Zug (ca. 6 Std.); Belgrad–Prishtinë mit dem Bus (Adio Tours, ca. 6 Std); Prishtinë–Skopje mit dem Zug (ca. 3 Std.); Skopje–Tirana mit dem Bus (Fertours; ca. 7 Std.); Tirana–Podgorica per Bus (Drita Travel, Old Town Travel; ca. 3,5–4 Std.); Podgorica–Sarajevo mit dem Bus (Glunexm, Transprom; ca. 6–7 Std.); Sarajevo–Zagreb mit dem Bus (Eurolines; ca. 5 Std.).

www.busticket4.me

www.busliniensuche.de

www.balkanviator.com

Macedonian Railways: https://mzt.mk

Serbian Railways: www.srbvoz.rs

Segelboote an der kroatischen Küste

Kroatien/Montenegro

»Zur Bucht von Kotor

Im Segelboot von Dubrovnik an den Klippen des Berges Spas entlang zur Bucht von Kotor. Fjordartig schmiegt sich die Weltnaturerbestätte zwischen die hoch aufragenden Bergflanken an der Adriaküste Montenegros. Segeltörns mit Reiseveranstalter oder für Erfahrene mit gemietetem Segelboot. → S. 269

Albanien

Ȇber den Koman-Stausee

Die Fahrt auf der Autofähre von Shkodër nach Fierzë führt durch fast menschenleere Täler, durch die gefluteten Schluchten der Nordalbanischen Alpen – links steile Felsenwände, rechts der Drin-Fluss. Fierzë ist der Startpunkt für Wanderungen in Nordalbanien oder für die Weiterfahrt mit dem Auto (oder Minibus) nach Kosovo.

www.komanilake-explore.com

»Radrouten

Der südliche Teil des 10 000 Kilometer langen europäischen Fernradweges Iron Curtain Trail (identisch mit Euro-Velo Route EV 13) folgt dem Verlauf des einstigen Eisernen Vorhangs zwischen Ex-Jugoslawien (Kroatien, Serbien, Nordmazedonien) und dem Ex-Warschauer-Pakt (Ungarn, Rumänien, Bulgarien). → S. 34

Neben dem Iron Curtain Trail durchmessen drei weitere EuroVelo-Routen den westlichen Balkan: Die Fluss-Route EV 6 Nantes–Constanța (via Kroatien und Serbien), teilweise identisch mit dem Donau-Radweg; die Mittelmeer-Route EV 8 Cadíz–Athen (via Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Albanien) und die Osteuropa-Route EV 11 vom Nordkap bis Athen (via Serbien und Nordmazedonien).

www.ironcurtaintrail.eu

www.eurovelo.com

Der Koman-Stausee in Albanien

Kroatien

»Auf Winnetous Spuren

Viele deutschsprachige Touristen, die in den 1970er und 1980er Jahren Urlaub in Jugoslawien machten, hielten vor allem entlang der kroatischen Küste Ausschau nach den Landschaften, die sie aus den Karl-May-Filmen der 1960er Jahre kannten. Diese Faszination scheint ungebrochen. Stefan Kubales großartige Website listet viele der Drehorte auf und vergleicht Filmbilder mit aktuellen Aufnahmen. Zur Winnetou-Rundreise gehört auch ein Besuch des Winnetou-Museums in Starigrad (Kroatien). Zudem steht Winnetou auf dem Programm einiger Reiseveranstalter (→ S. 98

, 498

). www.karl-may-filme.de/drehort/index.html

Serbien/Montenegro

»Belgrad–Bar

Im Jahr 1976, nach 24-jähriger Bauzeit, wurde diese Bahnstrecke von Belgrad durchs Dinarische Gebirge zum Mittelmeerhafen Bar in Montenegro in Betrieb genommen. Zwischen den beiden Orten liegen knapp 480 Kilometer Schienen und fast 500 Brücken und Tunnels. Dabei steigt die Bahn bis auf 1000 Höhenmeter. Täglich gibt es zwei preislich sehr günstige Verbindungen vom Bahnhof Belgrad-Topčider, eine tagsüber, eine über Nacht, mit jeweils 11 Stunden Fahrzeit.

Serbian Railways: www.srbvoz.rs

»Albanische Riviera

Die Passage von Orikum nach Dhërmi via Nationalstraße SH 8 steigt auf den Llogara-Pass. Hinauf geht es in steilen Kehren auf Straßen, die immer wieder von Ziegenherden gekreuzt werden, und durch sagenhaftes Bergwaldgebiet. Vom höchsten Punkt auf 1000 Metern ist das Meer nur drei Kilometer entfernt. Bei gutem Wetter überblickt man das Ionische Meer mit dem türkisfarbenen Wasser und den vorgelagerten Inseln bis zur griechischen Insel Korfu.

Balkan-Wandertipps

Das milde Klima und der hohe Anteil an Gebirge machen den Westbalkan zu einem Wanderreiseziel. Die mancherorts noch sehr rudimentäre Infrastruktur wird kompensiert durch den vergleichsweise geringen menschliche Eingriff in die Natur und noch zurückhaltenden Tourismus. Besonders spannend in dieser politisch so zerzausten Region sind länderübergreifende Projekte wie der Fernwanderweg Via Dinarica, der High Scardus Trail, der Dreiländerrundweg Peaks of the Balkan und das Wanderwegenetz Balkan Hiking Adventure.

»Balkan Hiking Adventure

37 ausgeschilderte Wanderwege von der Šar Planina (Malet e Sharrit) entlang der mazedonisch-kosovarischen Grenze im Norden bis zum Baba-Gebirge zwischen Prespasee und Bitola im Süden. Das Projekt zur nachhaltigen Tourismusentwicklung in strukturschwachen Gegenden kommt auch den Wanderern zugute, die hier eine überdurchschnittliche Infrastruktur vorfinden und mit den Einheimischen in Kontakt kommen, die wiederum von den Wanderern profitieren.

www.balkanhikingadventure.com

»Peaks of the Balkans

Der Dreiländerrundweg über 185 Kilometer und 11 500 Höhenmeter lässt sich in zehn knackigen Tagesetappen meistern. Von Theth (→ S. 430

) im gleichnamigen albanischen Nationalpark über Valbona geht es entlang der Grenze Albanien-Montenegro und Kosovo-Montenegro nach Norden bis zum Dorf Reka e Allagës im kosovarischen Nationalpark Bjeshkëte Nemunavon dort nach Südwesten nach Montenegro über Plav durch den Nationalpark Prokletije zurück zum Ausgangspunkt. Das Wegenetz ermöglicht zudem diverse Abstecher und Varianten, darunter zum höchsten Gipfel der Nordalbanischen Alpen, die Jezerca (2694 m). www.peaksofthebalkans.com

Wandergruppe im Dreiländereck Albanien, Kosovo und Montenegro

»Via Dinarica

Ein balkanübergreifendes Highlight ist auch der 1260 Kilometer lange Fernwanderweg Via Dinarica von Postojna (Slowenien), bekannt für das Höhlensystem Adelsberger Grotte, durch die kroatischen Nationalparks Risnjak, Nördlicher Velebit und Paklenica, via Nationalpark Sutjeska in Bosnien und Herzegowina zum Rakitnica-Canyon und durch den Nationalpark Durmitor in Montenegro zum albanischen Valbona im Nationalpark Valbonatal. Alternativrouten sind der (fahrradtaugliche) Green Trail im Hinterland nördlich des White Trail und der küstennahe Blue Trail (einschließlich einiger Inseln und Halbinseln). Auch einige Reise veranstalter haben Abschnitte der Via Dinarica im Programm, zum Beispiel Wikinger Reisen (www.wikinger.de

) als zehntägige geführte Trekkingreise (Albanien, Montenegro und Kosovo). Diverse regionale Anbieter haben die Via Dinarica meist als einzelne Länderetappen im Programm, etwa Real Croatia (www.realcroatia.com

) eine fünftägige Tour durch die Nationalparks Paklenica und Krka und Outdoor Albania (www.outdooralbania.com

) mit einer siebentägigen Tour auf dem Abschnitt Albanien-Kosovo.

www.via-dinarica.org

www.viadinarica.com

»High Scardus Trail

Ein weiterer grenzüberschreitender Fernwanderweg ist der 2018 eröffnete, knapp 500 Kilometer lange High Scardus Trail im Dreiländereck Albanien/Kosovo/Nordmazedonien.

www.highscardus.com

www.balkanhikingadventure.com

www.peaksofthebalkans.com

Regionale Tour-Anbieter → S. 499

Literaturtipps → S. 516

Rundreisen mit dem Auto

»Südliche Balkanroute

Diese Route führt durch die südlichen Balkanländer Montenegro, Albanien, Nordmazedonien und Kosovo. Nach Tivat gelangt man zum Beispiel mit einem Charterflug. Die Streckenlänge beträgt insgesamt etwa 1200 km, die Reise lässt sich gut mit einem Badeaufenthalt in der Bucht von Kotor oder bei Ulcinj kombinieren. Auch am Ohrid-See in Nordmazedonien gibt es Strände; der Skutari-See in Albanien eignet sich weniger zum Baden, da viel Müll an den Stränden liegt. Auf dieser Balkanroute lernt man die ganze Vielfalt des südlichen Balkans kennen: pittoreske Ortsbilder, grandiose Landschaften, Geschichte und Moderne.

Montenegro

Tivat (→ S. 281

) – Bucht von Kotor (→ S. 269

): 11,5 km

Bucht von Kotor Budva (→ S. 304

): 21 km

Budva Sveti Stefan (→ S. 308

): 8,5 km

Sveti Stefan – albanische Grenze bei Ulcinj (→ S. 312

): 57 km

Albanien

Ulcinj albanische Seite des Skutari-Sees (z. B. Zogaj, → S. 428

): 47,5 km

Zogaj Shkodër (→ S. 423

): 13 km

Shkodër Durrës (→ S. 384

): 107 km

Durrës Tirana (→ S. 374

): 38 km

Nordmazedonien

Tirana Ohrid (→ S. 465

): 132 km

Ohrid Bitola (→ S. 478

): 70 km

Bitola Skopje (→ S. 442

): 168 km

Kosovo

Skopje Prishtinë (→ S. 329

): 92 km

Prishtinë Prizren (→ S. 340

): 83 km

Montenegro

Prizren Tivat (→ S. 281

): 306 km

»Küstenroute

Diese Route führt zunächst an der istrischen Küste entlang durch Kroatien, Montenegro und Albanien, zurück geht es durch das Inland: Nordmazedonien, Serbien und Kroatien. Badestopps bieten sich auf dieser Strecke bis Sarandë nahezu überall an, auf der Rückfahrt kann man sich noch im nordmazedonischen Ohridsee erfrischen. Auf der Rückreise kann man die Bekanntschaft mit gleich drei Hauptstädten machen. Anreise ab München z.B. über Slowenien nach Rovinj (585 km).

Kroatien

Rovinj (→ S. 80

) – Pula (→ S. 82

): 35 km

Pula Rijeka (→ S. 86

): 107 km

Rijeka Zadar (→ S. 99

): 237 km

Zadar Split (→ S. 110

): 157 km

Split Dubrovnik (→ S. 121

): 230 km

Montenegro

Dubrovnik Bucht von Kotor (→ S. 269

): 91 km

Albanien

Bucht von Kotor Shkodër (→ S. 423

): 127 km

Shkodër Durrës (→ S. 384

): 107 km

Durrës Sarandë (→ S. 418

): 233 km

Sarandë Korçë (→ S. 397

): 206 km

Nordmazedonien

Korçë Ohrid (→ S. 465

): 76 km

OhridSkopje (→ S. 442

): 172 km

Serbien

Skopje Niš (→ S. 255

): 208 km

Niš Belgrad (→ S. 201

): 237 km

Kroatien

Belgrad Zagreb (→ S. 70

): 395 km

»Zentrale Balkanroute

Von der kroatischen Hauptstadt Zagreb führt diese Route über Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Albanien, Montenegro und Serbien wieder zurück. Auf diesen insgesamt etwa 2200 Kilometern werden alle sieben in diesem Reiseführer vorgestellten Länder besucht, der Schwerpunkt liegt auf den Hauptstädten. Achtung: Kosovo wird von Serbien nicht offiziell als Staat anerkannt: Die Ausreise nach Serbien von Kosovo ist nur möglich, wenn auch die Einreise nach Kosovo von Serbien aus erfolgt ist. Bei Einreise nach Kosovo aus einem Drittland ist die Weiterfahrt nach Serbien nicht möglich.

Kroatien, Bosnien und Herzegowina

Zagreb (→ S. 70

) – Sarajevo (→ S. 152

): 400 km

Kosovo

Sarajevo Prištinë (→ S. 329

): 393 km

Nordmazedonien

PrištinëSkopje (→ S. 442

): 93 km

Skopje Ohrid (→ S. 465

): 172 km

Albanien

Ohrid Tirana (→ S. 374

): 132 km,

Tirana Skhodra-See (Shkodër, → S. 423

): 102 km

Montenegro

Skhodra-See Podgorica (→ S. 296

): 58 km

Serbien

Podgorica Belgrad (→ S. 201

): 455 km

Kroatien

Belgrad Zagreb (→ S. 70

): 395 km

Im alten Handwerkerviertel in Mostar

LÄNDER UND LEUTE

Ich regiere ein Land mit zwei Alphabeten, drei Sprachen, vier Religionen und fünf Nationalitäten, die in sechs Republikenleben, von sieben Nachbarn umgeben sind und mit acht Minderheiten auskommen müssen.

Josip Broz Tito

In Mostar, Bosnien und Herzegowina

Geographie

Das Balkangebirge (serb.: Stara Planina), das der südosteuropäischen Halbinsel ihren Namen gibt, erstreckt sich etwa 600 Kilometer in Ost-West-Richtung vom Schwarzen Meer quer durch Bulgarien südlich und parallel zur Donau bis zu den Donauebenen östlich von Belgrad. In einer Kurve nach Norden bildet das Gebirge eine natürliche Grenze zwischen Bulgarien und Serbien. Höchster Gipfel des Gebirges ist der Botev (2376 Meter) in Bulgarien.

Auch wenn das Balkangebirge selbst im Westbalkan eher als Ausläufer in Erscheinung tritt, so erinnert er doch daran, was die Landschaft dieser Region ausmacht: Berge. Allerdings wirken diese Gebirgszüge weniger wie eine trennende Grenze zwischen Ländern oder Kulturen als vielmehr wie eine begleitende Unebenheit, ein landschaftliches Provisorium, zur Unterstreichung des kulturellen Images des Balkan als Korridor zwischen Europa und Asien.

Landschaftsstruktur

Gebirge beherrschen weit über die Hälfte der Fläche des Westbalkans, vor allem im Zentrum und zur Küste hin, während sich nach Norden die Ebenen von Donau und Save ausbreiten. So verwundert es kaum, dass 33 der 41 Nationalparks in Gebirgsregionen liegen oder Gebirge mit einbeziehen. Geographisch bedeutender als das Balkangebirge ist das Dinarische Gebirge für den Westbalkan. Entlang der Adriaküste zieht es sich etwa 650 Kilometer lang von Slowenien durch Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro bis Albanien mit dem höchsten Gipfel des Gebirges, dem Maja e Jezercës (2694 Meter) in den Nordalbanischen Alpen. Vor allem in Kroatien formt das Karstgebirge die berühmte Winnetou-Landschaft, wie sie sich Millionen von Fernsehzuschauern eingeprägt hat, als Kulisse diverser Karl-May-Verfilmungen der 1960er Jahre mit Pierre Brice als edlem Apachenhäuptling und Lex Barker als sein Blutsbruder Old Shatterhand.

Wanderer am Korab an der albanisch-nordmazedonischen Grenze

In Süd-Nord-Richtung verlaufen das Korabgebirge, auf einer Länge von 40 Kilometern zwischen Albanien und Nordmazedonien, und die Šar Planina, über 80 Kilometer zwischen Kosovo und Nordmazedonien. Höchste Gipfel dieser Gebirge sind der Korab (2764 Meter) und der Titov Vrv (2747 Meter), beide in Nordmazedonien. Der Korab ist zugleich der höchste Gipfel des Westbalkans.

Auffällig in der Landschaftsstruktur sind neben den Gebirgen vor allem die Ebenen entlang der wichtigsten Flüsse Donau und Save im Norden der Region, also in Serbien und Kroatien. Als Teil der Pannonischen Tiefebene markieren sie den Übergang zum flachen Süden Ungarns. Zwei Seen im Westbalkan gehören zu den größten Europas: der Skutarisee (etwa 370 Quadratkilometer) zwischen Montenegro und Albanien und der Ohridsee (etwa 350 Quadratkilometer) zwischen Nordmazedonien und Albanien. Der Ohridsee, fast 700 Meter über dem Meer gelegen, ist einer der ältesten Seen der Welt (zwei bis fünf Millionen Jahre alt, einige Quellen schätzen ihn sogar auf vier bis zehn Millionen Jahre), ein sogenannter Ursee. Durch seine große Tiefe (290 Meter) wird das Wasser nur sehr langsam ausgetauscht und wirkt damit als biologisches Archiv.

Klima

Das parallel zur Adriaküste verlaufende Dinarische Gebirge verhindert einen größeren Einfluss des Mittelmeerklimas auf den Westbalkan. Abgesehen von einem relativ schmalen Küstenstreifen von Kroatien über Montenegro bis Albanien bedeutet das für den Großteil des Westbalkans kontinentales Klima mit heißen, trockenen Sommern und kalten, schneereichen Wintern. Dieses Klima spürt man häufig schon in einer Entfernung von nur 20 Kilometern zur Küste.

Grünes Band Europa

Die politische Trennung in Ost- und Westeuropa zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Fall der Mauer 1989 hatte auch eine unbeabsichtigte positive Seite: Entlang des Eisernen Vorhangs, der Grenze zwischen Ost und West, entstand oder blieb auf beiden Seiten ein zwischen 50 und 200 Meter breiter Streifen Natur, unbehelligt von Ansiedlungen und Industrie. Den Donaunebenfluss Drau zwischen Kroatien und Ungarn bewahrte der Eiserne Vorhang beispielsweise vor einer Begradigung.

Nach dem Ende des Kalten Krieges bemühten sich diverse Initiativen darum, diesen schmalen Streifen Biotop zu erhalten, als verbindenden Grünstreifen, wo einst Stacheldraht die Menschen trennte. Ausgangspunkt war das Grüne Band Deutschland entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Diese 2002 formulierte Idee wurde später auf ganze Europa ausgedehnt. Schirmherr des Grünen Bandes ist der ehemalige Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow.

Am Prespasee in Mazedonien

Anders als Albanien blieb Jugoslawien während des Kalten Krieges blockfrei, war also trotz der offiziell sozialistischen Ausrichtung kein Mitglied des Warschauer Pakts und hatte daher entsprechende Grenzen zu den östlichen wie zu den westlichen Nachbarn. Folglich teilt sich das Grüne Band Europa (www.europeangreenbelt.org

) am Dreiländereck Österreich-Ungarn-Slowenien: Ein Teil folgt der Grenze zwischen Österreich und Italien mit Slowenien bis zur Adriaküste. Der andere Teil zieht sich entlang der einstigen Grenzen zwischen Ex-Jugoslawien (Slowenien, Kroatien, Serbien Nordmazedonien) und den ehemaligen Ostblockstaaten (Ungarn, Rumänien, Bulgarien), um sich im Dreiländereck Nordmazedonien-Bulgarien-Griechenland erneut zu teilen. Ein Abschnitt folgt der alten Grenze zwischen Albanien und Jugoslawien, der andere folgt der alten Grenze zwischen Griechenland und der Türkei mit Albanien, Nordmazedonien und Bulgarien.

Insgesamt misst das Grüne Band 12 500 Kilometer und verbindet 24 Länder. Entlang des Grünen Bandes liegen mehrere Nationalparks, in der Region Westbalkan unter anderem der Nationalpark Prespa mit Feuchtgebieten rund um die Prespaseen (Albanien, in Nordmazedonien schließt sich der Galičica-Nationalpark an, in Griechenland der Nationalpark Prespes), der gebirgige und waldreiche Pelister (Nordmazedonien), wo die seltene mazedonische Kiefer wächst, und Đerdap (Serbien) am Donaudurchbruch Eisernes Tor.

Der Balkanabschnitt des Grünen Bandes steht für eine große Vielfalt an Pflanzen und Tieren, viele davon endemische, seltene und gefährdete Arten wie Balkanluchs und Kaiseradler. Das verbindende Element des Grünen Bandes beschränkt sich nicht auf Naturschutz. Hier kann man auch wandern und Rad fahren, beispielsweise auf dem Fernradweg Euro Velo 13 (www.eurovelo.com

), auch genannt Iron Curtain Trail (www.ironcurtaintrail.eu

).

Storchendörfer und Blaues Herz

Als Korridor zwischen Mittel-/Nordeuropa und Nordafrika liegt der Balkan auf einer wichtigen Zugvogelroute. Eine europaweite Kooperation, die sich daraus ergeben hat, ist die Initiative Europäische Storchendörfer (www.storkvillages.net

). Dabei vernetzen sich Dörfer oder Gemeinden mit Storchenkolonien, die darüber hinaus den Lebensraum für Störche erhalten, etwa durch den Schutz von Feuchtwiesen. Storchendörfer im Westbalkan sind unter anderem Čigoč in Kroatien, Češinovo-Obleševo in Nordmazedonien und Taraš in Serbien. Die Storchendörfer wiederum erhalten durch ihre Arbeit Aufmerksamkeit und mehr Besucher.

›Rettet das Blaue Herz Europas‹ ist eine Initiative zum Schutz der Flüsse der Balkanhalbinsel (→ S. 38

). Große Gefahr droht von den über 2500 Wasserkraftwerken, die dort gebaut werden sollen. Die Flüsse und die angrenzenden Landschaften sind wertvolle Biotope, die dadurch unwiederbringlich zerstört würden. Grundsätzlich ist Wasserkraft zwar eine nachhaltige Energiequelle: Das gilt aber nur dann, wenn beim Bau die Belange der Natur berücksichtigt werden.

Tourismus

Der klassische Mittelmeertourismus der 1960er bis 1980er Jahre, für den Jugoslawien bekannt und beliebt war, ist quasi zum Monopol Kroatiens geworden. Ein Großteil der östlichen Adriaküste (knapp 1900 Kilometer ohne Inseln) gehört zu Kroatien, ein Land mit langer touristischer Tradition, die zur Habsburger Zeit ihren Anfang nahm. Auch innerhalb Jugoslawiens war Kroatien für den Tourismus zuständig. Die Küstenabschnitte Montenegros (etwa 300 Kilometer) und Albaniens (360 Kilometer) fallen beim Urlauberaufkommen deutlich ab. Das liegt teils an der vergleichsweise gering entwickelten touristischen Infrastruktur. Zudem sind die Küsten Albaniens und Montenegros weiter entfernt und für die Urlauber aus Westeuropa nicht so schnell erreichbar.

Reitergruppe in Albanien

Genau darin bestehen die Chancen und Gefahren für eine nachhaltige Entwicklung. Man könnte sich für eine langsamere, sanfte Entwicklung entscheiden, die langfristig gedacht ist, oder, was leider wahrscheinlicher ist, den Weg des schnellen Geldes gehen. In Montenegro ist der Flughafen Tivat in der Bucht von Kotor bereits den Passagierzahlen nach der größte des Landes, vor dem der Hauptstadt Podgorica, und die Bauruinen, die überall sichtbar sind, zeugen von Spekulationsobjekten. Über der zum Teil noch unbebauten Küste Albaniens wird bereits zwischen TUI und albanischen Politikern über Bauvorhaben und Infrastruktur verhandelt.

Einen anderen Weg geht die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Sie unterstützt Länder wie Albanien beim Aufbau nachhaltiger, kleinformatiger Tourismusstrukturen, etwa durch den Ausbau von Fernwanderwegen und Wanderwegnetzen in Kooperation mit kleinen Orten entlang der Routen. So profitieren die Menschen in diesen strukturschwachen Gegenden mit ihren Betrieben von den Wandertouristen und haben dadurch auch ein Interesse, die Wege zu pflegen und die Natur zu schützen. Einige dieser Projekte sind länderübergreifend und helfen damit auch beim Abbau von Nationalismus, hin zu internationaler Zusammenarbeit. Ein GIZ-Projekt ist das Donaukompetenzzentrum (www.danubecc.org

) in Belgrad. Ziel des Projekts ist die Zusammenarbeit sämtlicher Anrainer zum Schutz der Donau, aber auch die Entwicklung eines nachhaltigen und grenzüberschreitenden Tourismus in den Ländern an der mittleren und unteren Donau, darunter Kroatien, Serbien, Bulgarien und Rumänien.

Die landschaftliche Struktur des Westbalkans mit seinem hohen Gebirgsanteil, zahlreichen Schluchten und Flüssen ist prädestiniert für Aktivtourismus wie Wandern, Trekking, Bergsteigen, Klettern, Radfahren, Mountainbiking, Rafting, Canyoning, Kajak- und Kanufahren und Reiten. Dazu kommen natürlich die Wassersportmöglichkeiten an der Küste: Segeln, Tauchen und Windsurfen. Das Fehlen von Massentourismuszielen in vielen dieser Ländern erhöht die Bereitschaft, ein Nischenpublikum anzusprechen: Entlang der Donau und Donauzuflüsse im Norden Serbiens sind zahlreiche Spots für Bird-Watching (zum Beispiel in der Fruška Gora) und Nordmazedonien versucht sich im Bear-Watching (im Mavrovo- und Pelister-Nationalpark).

Touristisches Potential haben die Fernwanderwege wie die Via Dinarica

Ein Kreuzfahrtschiff im Eisernen Tor

Kreuzfahrttourismus

Typische Ziele für Kreuzfahrer sind die Häfen der dalmatinischen Küste: Dubrovnik, Split, Zadar. Der Ansturm der Kreuzfahrttouristen auf Dubrovniks kleine Altstadt führte dazu, dass Dubrovnik kurz davor war, seinen Status als Welterbestadt zu verlieren. Deshalb hat die Stadt ab 2019 die Zahl der Schiffe (zwei) und Besucher (5000) pro Tag begrenzt.

Mit Sarandë am Ionischen Meer hat jetzt auch Albanien einen Kreuzfahrthafen. Sicher ein Erlebnis, wenn eine ganze Stadt voll Kreuzfahrer über Ort mit nicht einmal 20 000 Einwohnern herfällt.

Etwas weniger brachial ist der Flusskreuzfahrttourismus, zumal die Flussschiffe deutlich weniger Passagiere befördern als die Hochseeschiffe. Seit die Donau nach dem Jugoslawienkrieg wieder durchgängig befahrbar ist, stehen die serbischen Städte Belgrad und Novi Sad sowie das legendäre Donaudurchbruchtal Eisernes Tor wieder auf dem Programm.

Die kulturelle Heterogenität des Westbalkans auf einer Fläche, die kleiner ist als Italien, sorgt für eine große architektonische Vielfalt. So finden sich unter den Kulturschätzen und Welterbestätten römische Ruinen, serbisch-orthodoxe Klöster, osmanische Brücken, Moscheen, katholische Kirchen, venezianische Verteidigungsanlagen und Stećci. Diese mittelalterlichen Grabsteine sind fast überall anzutreffen, wie eine Erinnerung an die Menschen, mehr auf die Gemeinsamkeiten zu achten als auf die Unterschiede.

Umweltaktivisten kämpfen für das ›Blaue Herz Europas‹

In keiner anderen Region auf dem europäischen Kontinent gibt so viele unberührte Fließgewässer: kristallklare Bäche, Wildflüsse mit tiefen Schluchten, spektakuläre Wasserfälle und unterirdische Karstflüsse. 30 Prozent der Balkanflüsse sind in natürlichem Zustand, weitere 50 Prozent sind nur gering verändert, was bedeutet, dass etwa 80 Prozent von 35 000 Kilometern Fließgewässer in einem sehr guten bis akzeptablen Zustand. So wird der Balkan auch als ›blaues Herz Europas‹ bezeichnet. Doch diese einzigartige Natur ist nunmehr in Gefahr.

Überall auf dem Balkan, besonders in Bosnien und Albanien, werden zurzeit Wasserkraftwerke gebaut. Es locken staatliche Subventionen und Fördergelder, zum Beispiel von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. So wurden etwa in Montenegro in den letzten Jahren in Naturschutzgebieten und Nationalparks 60 Kleinwasserkraftwerke geplant. Dagegen wehren sich jetzt Umweltschützer.

Einer der herausragenden Persönlichkeiten der aktiven Umweltschützer ist Rok Rozman. Der ehemalige slowenische Olympia-Ruderer, Extrem-Kajakfahrer und Biologe widmet heute sein Leben der Erhaltung bedrohter Flüsse. Er veranstaltete die Balkan Rivers Tour über 23 Flüsse in 6 Ländern des Balkans bis nach Tirana in Albanien, um den albanischen Premierminister Edi Rama aufzufordern, die Vjosa, den letzten großen Wildfluss Europas, zum Nationalpark zu ernennen. Die Vjosa entspringt im Nordwesten Griechenlands und mündet in Albanien in die Adria.

Auch die Una fließt noch weitgehend unreguliert

Auch das EU-Parlament hat die albanische Regierung wegen ihrer derzeitigen Wasserkraftpolitik kritisiert. Im Mittelpunkt der Kritik stehen Wasserkraftprojekte wie das an der Vjosa. Rozmans Balkan Rivers Tour (https://balkanriverdefence.org

) ist Teil der internationalen Kampagne ›Save the Blue Heart of Europe‹, die Aufmerksamkeit auf dieses dato wenig bekannte Umweltproblem lenken soll.

Die Umweltaktivisten plädieren durchaus dafür, dass zur Deckung des Energiebedarfs der Balkanhalbinsel alternative Energiequellen (darunter auch Flüsse) genutzt werden. Keineswegs soll die Wasserkraftnutzung in der Region blockiert werden. Aber die Planung zum Ausbau der Wasserkraft muss Aspekte des Naturschutzes berücksichtigen – und das ist bis jetzt nicht der Fall. Informationen unter www.balkanrivers.net/de/kampagne

Geschichte

Mit dem Ansehen des Balkans steht es nicht zum Besten. Srebrenica, Sarajevo, Amselfeld – viele verbinden mit dieser Region ein ethno-nationales Minenfeld, sprechen von einem ›politischen Pulverfass‹, das in regelmäßigen Abständen explodiert. Auch durch die ›Balkanisierung‹, also die Aufteilung in immer neue ›Staaten‹, sei die Halbinsel nicht zu befrieden, heißt es oft.

In der Tat fanden über die Jahrhunderte heftige kriegerische Auseinandersetzungen statt, aber viele entzündeten sich in der Folge der geographischen Lage als Verbindung von Okzident und Orient oder als Konfliktzone konkurrierender externer Machtinteressen. So war der Balkan über Jahrhunderte Schlachtfeld im Machtkampf zwischen dem Osmanischen Reich und den Habsburgern. Im 19. Jahrhundert waren es die russischen Zaren, die ihre Interessen durch Allianzen auf dem Balkan vertraten.

Zugleich war der Balkan seit Jahrtausenden kulturelle Drehscheibe, viele Einflüsse und Technologien kamen aus Asien nach Europa, Thraker schufen hier, wie die Griechen, einzigartige Goldschätze. Der orthodoxe Glaube der Byzantiner nahm auf dem Balkan ein neues Gesicht an, genauso wie später der Islam, der mit den Osmanen kam. Die unterschiedlichen Imperien haben ihre kulturellen und religiösen Spuren hinterlassen. Daher ist es nicht erstaunlich, dass die Staaten auf dem Balkan weder ethnische noch religiöse Einheiten bilden, sondern Vielvölkerstaaten sind mit Bewohnern unterschiedlicher religiöser Zugehörigkeit. Je nach Vorgeschichte ist das Miteinander angespannt. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens unter Tito folgte der Krieg in den 1990ern, in den alle Balkanstaaten mit Ausnahme Albaniens involviert waren.

Heute ist das, was alle eint, die Perspektive, Mitglied der Europäischen Union zu werden. Doch der Weg ist steinig, die Verhandlungen gehen schleppend voran. Einzig Kroatien ist seit 2013 EU-Mitglied, die anderen Staaten des Westbalkan befinden sich in unterschiedlichen Verhandlungsstadien. Durch die ›Balkanroute‹, auf der Flüchtlinge hauptsächlich aus dem Nahen Osten versuchten, nach Westeuropa zu gelangen, rückte die Halbinsel 2015 erneut in die Schlagzeilen. Und inzwischen gibt es Investoren aus China und Russland, die geostrategisches Interesse auf dem Balkan haben.

Ein thrakischer Schatz im Nationalmuseum in Belgrad

Jungsteinzeitliche Siedlungen

Die für ganz Europa bedeuteten Funde der Jungsteinzeit (etwa 11 500–10 000 vor Christus) befinden sich in Lepenski (www.lepenski-vir.rs

) am Eisernen Tor an der Donau in Serbien (→ S. 247

). Dort, wo die Siedlung Lepenski Vir entstand, schützten Berge vor Temperaturschwankungen und Wind. Der Boden war kalkhaltig und wärmespeichernd, die Siedlungsbedingungen waren also optimal. Die Menschen lebten hier rund 2000 Jahre und wurden während dieser Zeit von Jägern und Sammlern zu einer organisierten Gesellschaft. Die Siedler hatten Brennöfen mit der Möglichkeit der Temperaturregelung, sollen bereits Pflüge und sogar eine eigene Schrift und Zählweise gekannt haben, lange vor den Sumerern.

Antike

Ab dem späten Bronzezeitalter (2. Jahrtausend vor Christus) wanderten nomadische indoeuropäische Reitervölker aus dem nördlichen Schwarzmeergebiet nach Süden. Nachkommen dieser frühen Migranten waren die alten indoeuropäischen Völker: Griechen, Thraker, Makedonier, Illyrer, Daker. Sie vermischten sich zu beiden Seiten des Bosporus mit den Einheimischen. Zwar besaßen sie keine eigene Schrift, standen aber in engem Kontakt zu den Griechen und deren Kultur. Daher ist das meiste, was von ihnen überliefert wurde, das, was die Griechen schriftlich niedergelegt haben. So galten die Thraker als rohe, kriegerische Gesellen.

Die Römer

Seit dem 3. vorchristlichen Jahrhundert begann sich das Römische Reich über das italienische Festland hinaus auszudehnen. Zu Beginn des 2. Jahrhunderts, als es seine größte Ausdehnung erreichte, beherrschte es das ganze Mittelmeer und umfasste auch den kompletten Balkan. Der Grad der Romanisierung in den einzelnen Provinzen war unterschiedlich. Im Jahr 395 teilte sich Imperium Romanum in das West- und das Oströmische Reich.

Alexander der Große

Philipp II. von Makedonien eroberte 351 vor Christus den Westteil Thrakiens und machte es zum Bestandteil seines Reiches. Im Jahr 341 folgte auch der Osten als makedonische Provinz. Sein Sohn Alexander, der als Alexander der Große (356–323 vor Christus) in die Geschichte einging, dehnte die Grenzen des Reiches aus und schuf in elf Jahren ein Weltreich, indem er Kleinasien, Ägypten, Persien und andere Länder eroberte. Er schuf eine Verbindung des griechischen und des orientalischen Kulturguts, die ›hellenistische Epoche‹, prägend für die folgenden 300 Jahre. Die archäologischen Ausgrabungsstätten in Butrint im Süden Albaniens sind ein einzigartiges Archiv der Mittelmeergeschichte, mit Funden aus den Hochzeiten unter den Griechen vom 8. bis ins 3. Jahrhundert und unter den Römern vom 2. bis Ende des 1. Jahrhunderts vor Christus (→ S. 421

).

›Alexander befragt das Orakel des Apollo‹, Öl auf Leinwand (1789) von Louis-Jean-François Lagrenée

Die Slawen

Im 6. Jahrhundert – die Römer hatten inzwischen kaum noch Einfluss auf dem Balkan – rückten Slawen, unter anderem Serben, Kroaten, Slowenen, Bulgaren und Makedonier, über die Donau vor und unternahmen Plünderungszüge in Illyrien, Thrakien und Makedonien. Heftige Fehden mit den Nachbarvölkern führten unter anderem dazu, dass sich die slawischen Stämme nicht einigen konnten. So bildete sich nur in Kroatien im 10. Jahrhundert ein unabhängiges Königreich heraus, das seinen Machtbereich auch auf Slowenien ausdehnte.

Christianisierung des Balkans

Bereits mit der Romanisierung hatte die Christianisierung des Balkans begonnen. Es entstanden Gemeinden, viele Städte wurden zu Bischofssitzen ernannt. Doch den dauerhaften Ausbau einer Kirchenorganisation außerhalb des kroatischen Küstenstreifens brachte erst die Slawenmission durch die Gelehrten und Priester Kyrill und Method, genannt die Slawenapostel. In Ohrid entstand im 9. Jahrhundert die älteste Universität Europas (→ S. 465

). Gegründet wurde sie von Kliment von Ohrid, einem Schüler Kyrills. Die Klöster Ohrids hatten eine zentrale Bedeutung für die frühe Verbreitung der Schriften Glagolica und später Kyrillica. Unter Byzanz wurde Ohrid zum wichtigsten episkopalen Zentrum Nordmazedoniens.

Serbisch-orthodoxe Kirche

Mit der Spaltung zwischen orthodoxer und römisch-katholischer Kirche (1054), auch Großes Schisma genannt, durchschnitt eine kirchlich-kulturelle Grenze den Balkan, mitten im Altserbischen Reich. Die Küstenregionen hatten sich in großen Teilen dem lateinischen Einfluss geöffnet, Stefan Nemanja (1113–1200), Begründer der wohl bedeutendsten serbischen Dynastie, der Nemanjić-Dynastie, wurde sowohl von lateinischen als auch von griechischen Priestern getauft. Sein Sohn Sava I. wurde von dem griechischen Patriarchen Nikai zum Erzbischof geweiht und mit dem Aufbau einer eigenen serbischen Kirchenorganisation beauftragt.

Serbisches Reich im Mittelalter

Durch gewiefte politische Winkelzüge zwischen Byzanz und Rom sicherten sich die Serben die kirchliche und staatliche Selbständigkeit. Fürst Stefan Uroš IV. Dušan (reg. 1331–1355) hatte sich 1346 zum ›Zaren der Serben und Griechen‹ krönen lassen. Das Zentrum des Reiches lag im heutigen Kosovo, das gesamte Reich umfasste das heutige Nordmazedonien, Teile Bulgariens, Kosovo und Metohija, Albanien und Griechenland bis zum Golf von Korinth. Nach Dušans Tod war das Reich in mehrere miteinander verfeindete Fürstentümer zerfallen, dennoch stellten sich die Serben den osmanischen Türken entgegen, die aus Kleinasien an Byzanz Richtung Europa marschierten und 1361 Adrianopel (Edirne), die spätere Hauptstadt, eroberten hatten.

Schlacht auf dem Amselfeld

In der etwa 500-jährigen Geschichte der Osmanen auf dem Balkan war die Schlacht auf dem Amselfeld 1389 nur ein Intermezzo, doch für die Serben ist sie bis heute ein identitätsstiftendes Ereignis; das Denkmal auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) erinnert daran (→ S. 338

). Damals versuchte Sultan Murad I., die serbischen Fürstentümer dem Osmanischen Reich zu unterwerfen. ›Von der übrigen Christenheit im Stich gelassen‹, laut der serbischen Legende, habe man sich für Europa ›geopfert‹ und – davon sind viele noch heute überzeugt – habe daher auch einen Anspruch auf die Vorherrschaft auf dem Balkan und Anspruch auf Kosovo als ›heilige Erde‹.

Allgemein wird die Schlacht heute als Sieg der Osmanen betrachtet, aus militärischer Sicht kann sie aber auch als unentschieden gewertet werden. Als Murad I. gefallen war – der einzige Herrscher der Osmanen, der je sein Leben im Kampf verlor –, ritten Boten los, um der Welt den serbischen Sieg zu verkünden. Serbien, so schien es, hatte Europa gerettet. Da war aber in Wahrheit Serbien längst verloren, und Europa musste sich der Osmanen bald vor den Toren Wiens erwehren (1529).

›Die Schlacht auf dem Amselfeld‹, Gemälde (1870) von Adam Stefanović

500 Jahre Osmanenherrschaft

Obwohl das Byzantinische Reich nicht an der Schlacht beteiligt war, schied es durch die Schwächung der serbischen Verbündeten endgültig als Machtfaktor in Südosteuropa aus. Davon profitierten die Türken. 1385, lange vor dem Fall von Konstantinopel 1453, rückten sie bereits an der albanischen Adriaküste vor und nahmen Venedig erste Stützpunkte ab, 1388 eroberten sie Bosnien.

Die Rolle Österreichs

Durch die drohende Türkengefahr veränderte sich Österreichs Rolle als Verteidiger des christlichen Europa gegen den Islam. Eineinhalb Jahrhunderte lang hielten sich Habsburg und der Sultan in Kriegen die Waage. 1683 erschienen die Türken nochmals vor Wien, Höhepunkt der Machtentfaltung und zugleich Wende. Von da an drängte Österreich die Osmanen zurück. 1699 trat die Türkei ganz Ungarn an Österreich ab. 1739 regelte der Friede von Belgrad die Angelegenheiten auf dem Balkan. Die neue Grenze zwischen Österreich und der Türkei verlief entlang von Karpaten, Donau und Save.

Österreich errichtete als Schutzzone einen 100 Kilometer breiten Korridor, auf dem Bauern aus orthodoxen Ländern angesiedelt wurden. Ihnen wurde Steuerfreiheit garantiert, dafür mussten sie jederzeit zu militärischen Einsätzen zur Verfügung stehen. Vor allem Serben kamen, die vor der türkischen Herrschaft flüchteten. Die Militärgrenze führte zu einer weiteren Vermischung der Völker auf dem Balkan. Ivo Andrićs Buch ›Brücke über die Drina‹, für das er 1961 den Literaturnobelpreis erhielt, ist das prominenteste Schriftstück über diese Zeit.

Venedig an der dalmatinischen Küste

Das maritime Imperium Venedigs reichte über die dalmatinische Küste, die Bucht von Kotor (→ S. 269

) und die albanische Küste sowie über Stützpunkte auf der griechischen Halbinsel bis nach Kreta. Die türkische Armada, die Anfang Juni 1470 in der nördlichen Ägäis aufzog, forderte die damalige Großmacht Nummer eins des Mittelmeers heraus. Die Venezianer trugen aber dazu bei, das Osmanische Reich auf dem Balkan in die Defensive zu treiben. Im Frieden von Passarowitz (dem heutigen Požarevac in Serbien), den Österreich und Venedig im Juli 1718 mit den Osmanen abschlossen, musste Venedig auf den Peloponnes verzichten und durfte nur wenige Festungen auf dem griechischen und albanischen Festland behalten sowie einige Inseln, darunter die heute griechische Insel Korfu.

Der venezianische Markuslöwe ist noch in vielen dalmatinischen Städten anzutreffen

Albanien im Kampf gegen die Osmanen

Nach erbitterter Gegenwehr wurde Albanien 1468 von den Osmanen eingenommen und blieb 500 Jahre unter ihrer Herrschaft. Doch die Türken konnten nie die uneingeschränkte Herrschaft gewinnen. Symbolfigur des Widerstands war der albanische Adlige Gjergj Kastrioti, bekannter als Skanderbeg (1405–1468), der als Geisel am Hof des osmanischen Sultans zum Islam übergetreten war. 1443 wechselte er aber die Seiten und kehrte zum Christentum zurück. Als Anführer der Liga von Lezhë kämpfte er ein Vierteljahrhundert lang gegen die Osmanen (→ S. 372

).

In der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewannen einheimische Prinzen an Einfluss, zum Beispiel Ali Pascha, der von 1790 bis 1822 das Herzogtum Janina regierte, das das Gebiet von Vlorë und Berat umfasste. Ende des 19. Jahrhunderts kam, wie überall in Europa, auch in Albanien die Idee auf, einen Nationalstaat zu gründen. Skanderbeg wurde zum nationalen Mythos.

Eugen von Savoyen (1663–1736), der wichtigste Heerführer Österreichs in den Kriegen gegen die Osmanen

Die Rolle Russlands

Russland betrat als selbsternannte Schutzmacht der Slawen den Balkan, doch das wahre Ziel war der freie Zugang zum Mittelmeer, es ging um die Kontrolle der Meerengen, wie der Krimkrieg (1853–1856) zeigte. Das Osmanische Reich wurde im Kampf gegen Russland von England und Frankreich unterstützt. Beide Mächte landeten mit ihren Soldaten auf der Halbinsel Krim. 1856 musste Russland aufgeben, der Krieg veränderte aber auch das Verhältnis der europäischen Großmächte zueinander. Eine Folge war der Konflikt zwischen Russland und Österreich – beide Länder wollten ihren Machtbereich auf dem Balkan erweitern: ein Konflikt, der Anfang des 20. Jahrhunderts in den Ersten Weltkrieg münden sollte.

Balkankrise und Berliner Kongress

1875 widersetzten sich die Völker Bosnien, Herzegowina, Montenegro, Serbien und Bulgarien der osmanischen Herrschaft. Unterstützung bekamen sie von Russland, offiziell aufgrund ihrer christlichen und slawischen Kultur. Der Versuch, alle slawischen Volksstämme zu einen, wurde ›Panslawismus‹ genannt. Um den Konflikt beizulegen, rief der deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck die Großmächte 1878 zum Berliner Kongress. Er vermittelte Frieden, wollte sein Bündnissystem mit Russland und Österreich aufrechterhalten. Mit dem Vertrag erhielten Rumänien, Serbien und Montenegro die Unabhängigkeit. Die Russen empfanden diese Regelung als Niederlage, der Zugang zum Mittelmeer bleib ihnen schließlich weiterhin verwehrt.

Teilnehmer des Berliner Kongresses, Gemälde (1881) von Anton von Werner (Ausschnitt)

Die Balkankriege 1912/13

1912 hatten Serbien, Bulgarien, Montenegro und Griechenland auf Initiative Russlands den ›Balkanbund‹ geschlossen, damit reagierten die Länder auf die diplomatischen Niederlagen nach der Annexion Bosniens 1908 durch Österreich-Ungarn. Ziel war die Aufteilung des europäischen Teils des Osmanischen Reiches unter den Bündnispartnern. Das Osmanische Reich wurde bis in die heutigen Grenzen der Türkei zurückgedrängt. Serbien eroberte Kosovo und das heutige Albanien bis zur Adria. Doch die ›Balkankriege‹ 1912/13 waren nur oberflächlich der Versuch der vereinten Balkanvölker, die jahrhundertelange Fremdherrschaft abzuschütteln – tatsächlich ging es um den Besitz des gesamten Makedoniens. Weil sich die Sieger nicht einigen konnten, folgte dem Ersten der Zweite Balkankrieg mit der Teilung Mazedoniens unter Griechenland, Serbien, Bulgarien und Albanien.

Spannungen Russland–Österreich

Im Gegensatz zu Russland konnte Österreich Einfluss auf dem Balkan gewinnen. Der Vertrag von Konstantinopel (1913) beendete die kriegerischen Handlungen, aber nun weitete sich der Krieg auf europäischem Boden aus. Österreich und Russland standen sich in unterschiedlichen Bündnissystemen gegenüber. Im Juli 1914 führten diese Spannungen zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der zündende Funke war das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin in der bosnischen Stadt Sarajevo am 28. Juni 1914.

Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen

Der Zusammenbruch des Deutschen Reiches riss 1918 die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn mit. Die nichtdeutschen Völkerschaften riefen ihre Unabhängigkeit aus. Am 1. Dezember 1918 wurde feierlich das ›Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen‹ proklamiert, dem sich auch das bislang unabhängige Montenegro anschloss.

Doch nicht alle waren begeistert. Die Bauernpartei in Kroatien weigerte sich, im Staat mitzuarbeiten, boykottierte Parlamentssitzungen und ließ sich erst 1924 zu einem Kompromiss überreden, der dem

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. , um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Reiseführer Balkan denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen