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Sam Lockwood kämpft für Recht und Ordnung

Sam Lockwood kämpft für Recht und Ordnung

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Sam Lockwood kämpft für Recht und Ordnung

Länge:
335 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 21, 2019
ISBN:
9781393808817
Format:
Buch

Beschreibung

Nach seinem Abschluss an der West Point Military Academy war der in Mississippi geborene Sam Lockwood ins ferne Arizona-Territorium versetzt worden, wo er bald die feindliche Apacheria kennen- und schätzen lernte. Er wusste, dass die Apachen gefährliche Gegner waren und unerbittlich gegen ihre weißen Feinde ums Überleben ihres Volkes kämpften.

Aber der Bürgerkrieg führte ihn nach Mississippi, wo er alle Schrecken eines wilden Konflikts erlebte und schließlich in Gefangenschaft geriet. Zusammen mit einigen anderen Männern erhielt er die Chance, in der Uniform der Unionstruppen wieder nach Arizona zurückzukehren und dort den Kampf gegen die Apachen fortzusetzen. Es gab jedoch einige Soldaten aus seiner Truppe, die nur an ihren eigenen Vorteil dachten – und der Wunsch nach Freiheit und schneller Beute ließ sie dabei über Leichen gehen …

Sam Lockwood kämpft für Recht und Ordnung ist ein Gesamtband und beinhaltet folgende Romane von Ben Bridges:

Sam Lockwood Band 1 – Trail in die Apacheria

Sam Lockwood Band 2 – Lockwoods Gesetz

Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 21, 2019
ISBN:
9781393808817
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Sam Lockwood kämpft für Recht und Ordnung - Ben Bridges

Sam Lockwood kämpft für Recht und Ordnung

– Sam Lockwood-Gesamtband –

von Ben Bridges

––––––––

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

Englischer Orginaltitel: Lockwood’s Law

© Cover: Tony Masero mit Kathrin Peschel, 2019

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2019 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Klappentext:

Nach seinem Abschluss an der West Point Military Academy war der in Mississippi geborene Sam Lockwood ins ferne Arizona-Territorium versetzt worden, wo er bald die feindliche Apacheria kennen- und schätzen lernte. Er wusste, dass die Apachen gefährliche Gegner waren und unerbittlich gegen ihre weißen Feinde ums Überleben ihres Volkes kämpften.

Aber der Bürgerkrieg führte ihn nach Mississippi, wo er alle Schrecken eines wilden Konflikts erlebte und schließlich in Gefangenschaft geriet. Zusammen mit einigen anderen Männern erhielt er die Chance, in der Uniform der Unionstruppen wieder nach Arizona zurückzukehren und dort den Kampf gegen die Apachen fortzusetzen. Es gab jedoch einige Soldaten aus seiner Truppe, die nur an ihren eigenen Vorteil dachten – und der Wunsch nach Freiheit und schneller Beute ließ sie dabei über Leichen gehen ...

***

Sam Lockwood kämpft für Recht und Ordnung ist ein Gesamtband und beinhaltet folgende Romane:

Sam Lockwood Band 1 – Trail in die Apacheria

Sam Lockwood Band 2 – Lockwoods Gesetz

***

Trail in die Apacheria

Ein Sam Lockwood-Roman – Band 1

––––––––

Kapitel Eins

Die Geier waren zurückgekehrt. Eine Zeit lang beobachtete Sam Lockwood, wie sie mühelos durch die dünnen hohen Wolken über ihm dahinglitten, schwarz wie Kohle im orangefarbenen Sonnenlicht. Dann verdrängte er sie wieder aus seinen Gedanken. Er und seine Männer – ein bulliger, kahlrasierter Sergeant und sechs ausgemergelte Soldaten – verfolgten jetzt seit vier Tagen eine Spur, und die Geier hatten sie den ganzen Weg über begleitet.

Das war mittlerweile nichts Neues mehr.

Die Männer ritten in einer langegezogenen Kette im Abstand von etwa zwanzig Fuß nebeneinander. Jeder saß auf einem Fuchs und hielt einen stets schussbereiten Sharps-Karabiner, Modell 1859 oder einen Merill-Karabiner vor sich. Lockwood ritt etwa zwei Pferdelängen vor den Männern her. An seiner Seite ritt Sergeant Luther Kane.

In der großen, endlos scheinenden Weite der Wüste bewegte sich fast nichts. Nur die Pferdehufe wirbelten den alkalischen Staub vom trockenen Boden auf.

Lockwood richtete sich auf und versuchte, auf dem höchst unbequemen McClellan-Sattel eine bessere Sitzposition zu finden. Der Morgen war lang und hart gewesen, und die Mittagssonne schien jetzt so gnadenlos auf die Männer herab, dass man glaubte, alles beginne zu kochen.

Lockwood und seine Männer schienen in der Sonne zu zerfließen.

Sie hatten sechs Stunden gebraucht, um dieses eine Stück schmutzigen, gelblich-braunen flachen Landes zu durchqueren, auf dem grau-grüne Kreosotbüsche und Mesquitebäume wuchsen, zudem Eisenholzbäume, Opuntien, Yucca und Agaven. Sie standen in Gruppen hintereinander gestaffelt, und deshalb wirkten sie aus der Ferne eher, als ob Wellen aus einem fernen eisigen Meer herüberschwappten. Im Südwesten, gegenüber einer kleinen Gruppe von leuchtend gelben Paloverdebäumen, erhoben sich eingekerbte braune Felsen mit einem dicken runden Gipfel in den gnadenlosen gelbweißen Himmel. Die Felsen waren der einzige echte Orientierungspunkt, den sie in den letzten beiden Tagen gesehen hatten.

Lockwood atmete langsam durch die Nase aus und sagte sich, dass man für einen Landstrich wie diesen nur das Wort „gottverlassen" anwenden konnte, für diese tausend Quadratmeilen der Apacheria, die sich vom Gila River bis hinunter zur mexikanischen Grenze erstreckten.

Und dennoch, hier fühlte er sich auf eine merkwürdige Weise zu Hause. Zu Hause und in Frieden. Das war schon irgendwie seltsam, denn Lockwood stammte ursprünglich aus Mississippi, wo sein Vater immer noch eine Baumwollplantage betrieb, und er konnte die Ursprünge seiner Familie bis in die Anfänge der Kolonialisierung Virginias verfolgen.

Bevor er die Militärakademie von West Point 1856 absolviert hatte, hatte er noch nie solche ausgedehnten Weiten wie hier im Westen gesehen. Aber in den fünf Jahren, in denen er hier draußen stationiert war und in denen er vom Second Lieutenant zum First Lieutenant und dann zum Captain befördert worden war, hatte er eine große Zuneigung zu diesem Land entwickelt, diesem Land der Einsamkeit und Gefahr, der Schönheit und der großen Chancen.

Er blickte über seine Schulter zurück und sagte: „Es wird immer heißer, Luther. Wir warten die große Mittagshitze unter den Bäumen dort ab und reiten später weiter."

Mit einem heftigen Kopfnicken hob sich Luther Kane in seinem Sattel und bellte: „Ihr habt gehört, was der Captain gesagt hat."

Zehn Minuten später erreichten sie den spärlichen Schatten.

Lockwood kümmerte sich zunächst um sein Pferd, nahm dann seine Feldflasche aus Blech, entfernte sich ein paar Schritte von den Männern und hockte sich hin. Er zog den Stopfen aus seiner Flasche, nahm einen Schluck von dem lauwarmen Wasser, umspülte damit einen Moment lang seine schmutzigen Zähne und schluckte es dann hinunter. Die ganze Zeit über ließ er seine Augen über die mit Büschen bewachsene Ebene und die zerklüfteten Felsgipfel weit dahinter schweifen.

Wissenshungrig wie er war, hatte er sich darum bemüht, sich die Namen jener Gipfel zu merken. Und das, obwohl er ihnen nie näher gekommen war als heute. Wahrscheinlich würde er sie auch nie besteigen können. Aber da waren die Namen ... Sierrita, Rincon, Apache Peak, Little Girl Mountains und andere, noch viel kompliziertere, die nur von wenigen Weißen ausgesprochen werden konnten.

Er schob den dunkelgrauen Hardee-Hut nach hinten. Lockwood war ein großer Mann mit flachem Bauch, etwa dreißig Jahre alt, leicht schielend und gelehrt wirkend, aber auch sonnengebräunt und mit athletischem Körperbau. Die hellblonden Haare trug er kurz, sein Kinn hatte seit vier Tagen kein Rasiermesser mehr erlebt.

Eigentlich sah er nicht aus wie ein Captain der US-Army. Die unbequeme und oft nicht zweckmäßige Uniformjacke hatte er abgelegt und trug stattdessen ein braunes, verstaubtes und verschwitztes Hemd, auf dessen Schulterpartie er etwas ungeschickt seine Rangabzeichen aufgenäht hatte. Außerdem trug er eine blaue Uniformhose, die er in seine schwarzen kniehohen Stiefel gesteckt hatte. Um seine schmale Hüfte trug er einen Infanteriegürtel, in dem in einem langen Holster ein Navy-Revolver Kaliber .36 steckte. An der rechten Hüfte hing ein Bajonett, achtzehn Inches lang.

Er und seine kleine Patrouille hatten gerade routinemäßig das Gebiet durchkämmt, als sie aus Fort Whipple darüber informiert wurden, dass zweihundert Meilen weiter nördlich ein Trupp von etwa zwanzig Mimbreno-Apachen ihr Stammesgebiet im benachbarten New Mexico verlassen hatte und sich nach Westen aufgemacht hatte. Die Indianer hatten eine Reihe kleiner Ranches am Rande der Apacheria überfallen, und Lockwood hatte den Auftrag erhalten, diesen Trupp aufzustöbern.

Luther Kane, der Mann mit den gewaltigen Fäusten und dem Quadratschädel, war etwa vierzig Jahre alt und hatte sehr traurig wirkende himmelblaue Augen. Er hatte etwas über die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen gemurmelt, als Lockwood seinen Soldaten den Befehl von Major Butler vorlas. Vielleicht hatte er auch recht. Immerhin durchritten sie ein riesiges Gebiet. Und es konnte geschehen, dass ein Apache neben einem stand und man ihn überhaupt nicht bemerkte. Aber wenn die Chancen auch nur eins zu tausend standen, die Spuren der halbwilden Indianerpferde auszumachen, dann mussten sie den Versuch unternehmen.

Lockwood und seine Patrouille hatten sich zum Schauplatz des jüngsten Massakers aufgemacht, einer kleinen, erst unlängst eröffneten Pferderanch. Der Besitzer hatte immer noch in einem Wagen gelebt und baute gerade erst sein Haus aus Grassoden. Aber als sie dort ankamen, war kein Haus aus Grassoden mehr erkennbar. Keine Soden, kein Wagen, nur ein paar Brandflecke auf dem Wüstenboden und ein paar zerbrochene Pfeile, einige verkohlte Pfosten ... und die Leichen.

Fünf Tote.

Zwei Männer, eine Frau, zwei kleine Mädchen.

Lockwood hatte die Apacheria lieben gelernt, und er hatte auch versucht, die Verhaltensweisen der Apachen, nach denen der ganze Landstrich benannt war, kennen zu lernen und sie zu verstehen. Als Soldat hatte er mit ihnen kaum Auseinandersetzungen gehabt, aber er ahnte, dass es Schwierigkeiten geben würde. Vor ein paar Monaten hatte Lieutenant George Bascom eine Einheit des Siebten Infanterieregiments zum Apache Pass geführt und dort dem Chiricahua-Häuptling Cochise fälschlicherweise vorgeworfen, einen Jungen namens Felix Tellez entführt zu haben.

Cochise hatte die Anklage natürlich bestritten, aber Bascom hatte versucht, ihn festzunehmen. Cochise konnte fliehen. Daraufhin nahm der Lieutenant einige seiner Männer gefangen. Das machte die Situation noch viel schlimmer. Als Vergeltung nahm Cochise einen Angestellten der Overland-Kutschenlinie als Geisel und versuchte, ihn gegen seine Männer auszutauschen. Dann jedoch eskalierte die Auseinandersetzung und die Gefangenen auf beiden Seiten wurden nach einem Kampf getötet.

Ja, da würde noch so mancher Ärger mit den Apachen heraufziehen, da war er sich sicher. Im Osten sprach man von einem drohenden Bürgerkrieg. Im Süden war man es leid, immer nur die Rolle der armen Verwandten des reichen Nordens zu spielen. Die Leute dort unten sahen es überhaupt nicht ein, dass sie ihr Recht auf Sklavenbesitz nur deshalb aufgeben sollten, weil ein paar Nordstaatler es ihnen vorschreiben wollten. Als Reaktion darauf hatten vor gerade einmal zwei Monaten Alabama, Florida, South Carolina, sein Heimatstaat Mississippi und mehrere andere ihre eigenen Regierungen gewählt. Die Amtseinführung von Jefferson Davis als Präsident des Südens kam einer Kriegserklärung gleich.

Als er zu Luther hinübersah, fragte er sich, ob dieses ganze Gerede von Sezession, von der Loslösung des Südens aus der Union, den Sergeanten überhaupt berührte. Luther stammte aus Tennessee, er hatte vermutlich eine Meinung zu all diesen Fragen, aber er diskutierte nie über Politik.

Dann kehrten seine Gedanken zurück zu den schrecklichen Bildern von Tod und Vernichtung, die er auf der Pferderanch gesehen hatte, und er kniff seine Lippen zusammen. Die beiden Männer waren einen langsamen Tod gestorben, einen stundenlangen Tod, und er war grausam gewesen. Die beiden Frauen und mindestens eines der Mädchen waren mehrfach vergewaltigt worden, bevor ihnen die Kehlen durchgeschnitten worden waren. Alle Leichen waren verstümmelt worden.

Dass es Kriege gab, verstand Lockwood und musste es akzeptieren. Aber was sich der Ranch ereignet hatte, war zu viel. Diese Brutalität hatte alle Grenzen überschritten.

Jetzt wollte er unbedingt die Reiter dieser halbwilden Pferde, die man Broncos nannte, einholen. Er wusste, dass der Rest seiner Männer so empfand wie er.

Es würde ihnen gelingen. Für Lockwood bestand keinerlei Zweifel daran, weil die Apachen ein halbes Dutzend Pferde bei dem letzten Überfall gestohlen hatten, sie jetzt nach Südwesten trieben und dabei Spuren hinterließen, denen selbst ein Blinder noch folgen konnte.

Außerdem bestimmten in dieser knochentrockenen Wüste der Apacheria die seltenen Wasserlöcher den Weg, den sie nehmen mussten, um nach Hause zu gelangen, ... und die Lage dieser Wasserlöcher war etwas, das Lockwood sich sehr genau eingeprägt hatte.

Die Apachen hatten einen Vorsprung von wenigen Tagen. Aber Lockwood konnte mit jeder Minute, die vorüberging, diesen Vorsprung verringern.

*

Am m Vormittag des folgenden Tages holten sie bereits die Apachen ein.

Zuerst sahen sie den Staub, einen dünnen senfgelb-farbenen Schleier, der eine halbe Meile vor ihnen in der Luft hing, und sofort hob Lockwood die Hand, damit die Patrouille hinter ihm stehen blieb.

Ohne weiter zu fragen schloss Luther Kane zu ihm auf, nahm ein kurzes ausziehbares Fernrohr hervor und reichte es ihm. Als Lockwood es vor sein Auge hielt, wischte sich der Sergeant über die zerfurchte schweißglänzende Stirn unterhalb der Uniformmütze mit dem ledernen Schirm. Er beobachtete den Captain voller Erwartung.

Einen Augenblick später spannten sich Lockwoods Kiefermuskeln an.

„Da sind sie", murmelte er.

Er schob das Fernrohr wieder zusammen und gab es dem Sergeanten zurück. Dann wandte er sich an seine sechs Männer mit ihren wettergegerbten Gesichtern und den buschigen Backenbärten. „Da sind wohl fünfzehn bis zwanzig von ihnen vor uns, soweit ich das sagen kann, erklärte er ihnen. „Ungefähr die Hälfte von ihnen hat sich um die gestohlenen Pferde gruppiert, der Rest reitet vorne.

„Wir schießen sie ab, Cap’n, schlug Luther vor. „Ich vermute, wir können einige von ihnen erledigen, bevor sie auch nur ahnen, dass wir hier sind.

Lockwood hatte sich das auch schon überlegt. Diese Taktik war zwar nicht in West Point gelehrt worden, aber wenn man mit so gefährlichen Gegnern wie mit denen vor ihnen zu tun hatte, gab man ihnen die Chance, die sie ihren Opfern gelassen hatten – nämlich gar keine.

Er zog seinen Navy-Revolver Kaliber .36 hervor, spannte den Hahn und sagte dann leise: „Auf geht’s!"

Der Apache, der hinter den gestohlenen Pferden her ritt, war der Erste, der sie bemerkte. Trotz des Trommelns der Hufe in dieser schnell weiterziehenden Gruppe glaubte er, so etwas wie einen Schlachtruf hinter sich zu hören. Deshalb drehte er sich in seinem Sattel aus Hirschleder um, damit er einen Blick auf den Weg in der Staubglocke werfen konnte.

Er riss seine fast schwarzen Augen auf, als er acht blaugekleidete Soldaten auf sich zustürmen sah. Jeder von ihnen stieß Schreie aus, als ob er von Sinnen wäre.

„Pinda-lik-oyi!, warnte er die anderen und deutet mit seinem kurzen Finger auf die heran nahenden Reiter. „Pinda-lik-oyi!

Das Geschoss aus dem Navy-Revolver Kaliber .36 traf ihn im Gesicht, und er kippte von seinem sich aufbäumenden Pony. Blut spritzte in einem großen dunkelroten Bogen hervor.

Einen Augenblick später waren Lockwood, Kane und die anderen neben den Apachen und plötzlich waren die mit Kakteen bestandenen Bodensenken voller verschreckter Pferde, die in alle Richtungen davonliefen. Und da waren überraschte Indianer, die versuchten, ihre lebhaften Ponys unter Kontrolle zu halten und ihre Waffen in Anschlag zu bringen. Über allem lag das heisere Bellen der Revolverschüsse.

Es gelang den Soldaten, wie Luther vorhergesagt hatte, einige der Indianer von den Ponys zu schießen.

Bei Kampfübungen hatte Lockwood seinen Männern gegenüber immer klargemacht, dass es im Kampf keinen Platz für Wut geben dürfe. Wenn ein Mann eine Auseinandersetzung überleben wollte, dann musste er sich zu jeder Zeit besonnen und ruhig verhalten.

Darum gingen er und seine Männer überlegt und, soweit es ihnen möglich war, auch ohne Wutgefühle vor. Jeder suchte sich sein Ziel aus, betätigte den Hahn nur, wenn auch die Aussicht bestand, treffen zu können. Und auf diese wohlüberlegte Weise konnte die Patrouille sieben Apachen erschießen und zwei weitere verwunden, und das alles in den ersten dreißig Sekunden des Angriffs.

Aber dann hatten sie das Überraschungsmoment nicht mehr auf ihrer Seite, und die Apachen, die den ersten Angriff überlebt hatten, schlugen jetzt zurück. Einer riss sein geschecktes Pony herum und griff Luther direkt an. Sein langes, schwarzes, geöltes Haar flog um sein flaches, breites Gesicht, das sich jetzt in einem wilden Kriegsschrei verzerrte. In seiner rechten Hand hielt er einen gestohlenen Remington-Perkussionsrevolver Kaliber .44.

Luther riss scharf an seinen Zügeln, lenkte sein Pferd seitlich an dem Apachen vorbei, hob seinen Revolver und schoss dem Mann durch die Schulter. Der Krieger fiel seitlich von seinem Pony, schlug auf dem Boden auf, rollte sich weg, und während er versuchte, sich wieder aufzurichten, schoss Luther ein zweites Mal. Jetzt sackte er zusammen, seine Beine zuckten noch einmal heftig, und seine Lippen versuchten, sein Todeslied zu singen.

Dreißig Fuß weiter schrie der junge Private Lacey auf, als ein Apache, der in den ersten Momenten des Kampfes sein Pony verloren hatte, plötzlich aus dem aufgewirbelten Staub auftauchte und ihn mit der langen Spitze seines Speeres durchbohrte. Private Stevens sah, wie es geschah, schrie etwas Unverständliches und traf den Indianer im Kopf.

Private Taylors Pferd sackte unter ihm zusammen. Ein Pfeil mit Widerhaken an der Spitze steckte in der rechten Schulter des Tieres. Er befreite seine Füße aus den Steigbügeln und warf sich zur Seite, als ein Apache mit narbigem Gesicht vorbeistürmte und eine Keule in einem großen Bogen schwang. Der Apache zügelte sein Pony, riss es herum und versuchte noch einen Angriff, aber dann traf ihn die Kugel des Soldaten in der Kehle und er wurde nach hinten aus dem Sattel geschleudert.

Damit war der Kampf so gut wie vorbei. Für die Apachen war es keine Schande, aus einer Auseinandersetzung zu fliehen, wenn es keine Aussicht auf Sieg gab. In solch einem Augenblick war die Flucht nur vernünftig. Deshalb wendete der Erste der Überlebenden sein Pferd, dann folgten noch ein paar, ein vierter, ein sechster, sieben insgesamt. Die gestohlenen Pferde, die Toten und die Sterbenden überließen sie den Siegern.

Lockwood schrie: „Hinterher, Luther!"

Er hatte sich bereits an die Fersen des letzten der fliehenden Indianer geheftet. Das war ein untersetzter und muskulöser Krieger mit mächtiger Brust und breiten Schultern, so wie es typisch für die Menschen seines Volkes war. Jetzt trieb er sein graues Pony durch das Mesquitegestrüpp, aber Lockwoods Pferd war größer, stärker und besser ernährt. Der Abstand zwischen beiden schrumpfte schnell. Einen Augenblick später hatte Lockwood den Apachen eingeholt, riss sein Pferd zur Seite und versuchte, einen Zusammenprall der Tiere zu erzielen.

Als die Pferde zusammenstießen, stürzte das Indianerpony. Der Apache sprang ab, stolperte und fiel. Aber im nächsten Augenblick war er wieder auf den Beinen und versuchte so schnell wie er konnte, einen Pfeil auf die Sehne seines Bogens zu legen.

Lockwood hielt ein paar Schritte von ihm entfernt an, richtete die .36 auf ihn und befahl: „Fallen lassen!"

Selbst wenn der Apache kein oder nur wenig Englisch sprach, war die Bedeutung des Befehls klar. Um sicherzugehen, wiederholte Lockwood seine Anweisung auf Spanisch. Einen Augenblick lang blieb der Gesichtsausdruck des Apachen starr und er blickte ihn nur mit dunklen hasserfüllten Augen an. Dann riss er unvermittelt den Bogen hoch, und Lockwood blieb nichts anderes übrig, als ihn niederzustrecken.

Unglücklicherweise war er einen Augenblick zu langsam, um zu verhindern, dass der Apache seinen Pfeil abschoss.

Als der Krieger in einer Drehbewegung zu Boden ging, unterdrückte Lockwood einen Schmerzensschrei, weil der Pfeil in seinen rechten Arm kurz oberhalb des Ellenbogengelenks einschlug. Der Schmerz war ungeheuerlich. Aber als Luther und der Rest der Männer einen Moment später herbei ritten und der Sergeant sich zu ihm niederbeugte, um ihm zu helfen, deutete Lockwood mit einer Armbewegung an, sie sollten den anderen fliehenden Apachen nachsetzen. Er könne warten.

Luther überlegte einen Augenblick lang, dann trat er seinem Pferd in die Flanken. Bald schon waren die Apachen und ihre Verfolger im glänzenden Dunst verschwunden. Die mit Büschen bestandene Ebene, in der vor wenigen Minuten so viele Menschen umgekommen waren, war jetzt überraschenderweise gespenstig still.

Erst jetzt ließ Lockwood seinen Revolver los, und der landete auf der Erde neben den Hufen seines Pferdes. Er selbst schob sich aus seinem Sattel und fiel auf dem glühend heißen Sand auf die Knie. Blut lief in einem dicken roten Strahl seinen Arm hinunter und färbte seinen Ärmel rot. Es tropfte von seinen Fingerspitzen auf den Boden.

Kurz danach ließ der Schock der Verwundung ein wenig nach. Die Welt schien nicht mehr umkippen zu wollen. Ein kurz anhaltendes Schwindelgefühl ließ ihn gleichzeitig frieren und schwitzen. Er atmete einmal tief durch, hob seinen Revolver mit der linken Hand auf, richtete sich auf und griff nach den herabhängenden Zügeln.

Mit zusammengepresstem Mund blickte er auf den Pfeil, der aus seinem Arm herausragte. Er wusste, dass er ihn nicht herausziehen durfte. Wenn das nicht richtig gemacht wurde, würde die Spitze des Pfeils ein noch viel größeres Loch in seinen Arm reißen. Jetzt sollte er besser versuchen, den Blutfluss zu stillen und provisorisch einen Verband anzulegen. Später würde Luther dann den Pfeil mit Hilfe einer erhitzten Drahtschlinge entfernen.

Er hatte gerade den Verband angelegt, als es ihm vorkam, als ob jemand um Hilfe riefe. Fast erwartete er, dass Luther und die anderen bereits zurückkämen und dass sie ihre brutale Arbeit erledigt hätten. Er blinzelte nach Südosten, aber außer einigen der gestohlenen Pferde war auf der Ebene nichts zu sehen. Die Pferde hatten sich zu einer nervös umherlaufenden Herde etwa eine Viertelmeile zusammengefunden. Irgendwie hatten ihn wohl seine Sinne getrogen, er musste sich das alles nur eingebildet haben. Vermutlich hatte der Blutverlust ihn verwirrt.

Dann hörte er es wieder.

„Ist da jemand?"

Er drehte sich rasch um – zu rasch – und musste sich an seinem Pferd festhalten, um nicht umzufallen. Aber es ging jetzt um etwas anderes. Diese Stimme, sie gehörte Private Lacey.

Er lief so schnell wie er konnte zum Schauplatz des Kampfes. Sein Pferd trottete hinter ihm. Der Ort war übersät mit Körpern. Die meisten davon waren tote Apachen, aber es lagen auch einige tote Pferde dort. Fliegen schwirrten umher, der ganze Ort roch nach Blut und Pulverdampf.

Private Lacey lag etwa fünfzig Yards entfernt auf dem Rücken und presste seine Hände auf eine große Wunde in seinem Bauch, damit seine Gedärme nicht wie aufgeblähte rosafarbene Schlangen hervortraten.

Er starrte mit seinen blauen Augen in den Himmel und rief immer wieder: „Hört mich jemand?"

Lockwood schlurfte zu ihm und antwortete: „Ich komme, Soldat."

Er stand einen Augenblick später neben ihm und beugte sich zu ihm hinab. Jetzt konnte er den Blutgeruch am intensivsten wahrnehmen.

Während er den Sterbenden ansah, fiel ihm auf, wie bleich dessen Gesicht geworden war, wie sehr seine Wangen eingefallen waren und auch, dass seine Lippen blutverschmiert waren. Er fühlte die Tränen in seinen Augen aufsteigen. Aber keine einzige Träne würde ändern können, was mit Lacey geschehen war, mit diesem freundlichen Jungen mit der leisen Stimme, der aus Ainsworth, Nebraska kam. Und niemand wusste, was er in seinem Leben noch hätte erleben können. Er legte eine Hand sanft auf die Schulter des Soldaten.

„Ich bin es, Tim."

„Ich habe schon gedacht, ihr wärt alle davongeritten und hättet mich alleine gelassen", stieß er hervor.

„Nein."

„Darüber bin ich froh, Captain. Ich möchte nicht ... alleine ... sterben."

Der Rekrut blickte immer noch in die Weiten des Himmels über ihm. Lockwood hoffte, dass er schon so weit aus dieser Welt getreten war, dass ihm die Geier, die dort direkt über ihm kreisten, nicht mehr auffielen. „Wir kriegen sie doch, Cap’n?, fragte er. „Diese Apachen?

„Ja, die kriegen wir."

Diese Bestätigung schien Lacey nicht zu beruhigen. Er schluckte mit Mühen, dann sagte er: „Das ergibt alles keinen Sinn, oder?"

Lockwood schüttelte den Kopf. „Nein, nicht viel."

„Ich meine ... dieser Rancher. Seine Familie. Die .... Apachen. Ich. Ich meine .... Wir sind alle Amerikaner. Das sind wir doch!"

„Ich denke schon."

„Warum bringen wir uns dann alle gegenseitig um?"

Lockwood wusste darauf keine Antwort, und Lacey lebte auch nicht mehr lange genug, um sie zu hören. Plötzlich entwich die Luft in einem leisen Rasseln durch seine Kehle, und das Zucken in seinen ausgetretenen Gedärmen hörte einfach auf.

Lockwood neigte den Kopf und sein Gesicht versteinerte für einen Augenblick. Dann betete er mit krächzender Stimme: „Der Herr ist mein Hirte. Ich leide nicht Not. Auf grünender Weide lässt er mich lagern. Er führt an die Wasser der Ruhe ..."

Dann hörte er aus der Ferne Gewehrschüsse, die das Ende des gewalttätigen Apachentrupps signalisierten.

Wieder eine Gruppe von Amerikanern, die einander töteten.

*

Nach gut drei Wochen führten Lockwood und seine Patrouille endlich wieder ihre staubbedeckten Pferde durch das Tor von Fort Whipple, dem Hauptquartier der Army im Arizona-Territorium.

Während ihres

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