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Brasilien Sagen & Legenden
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eBook112 Seiten1 Stunde

Brasilien Sagen & Legenden

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Über dieses E-Book

Gehen Sie auf eine sagenhafte Reise in die Geschichte Brasiliens. Anhand von vielen geschichtlichen Daten und Fakten erzählt dieses E-Book viele Anekdoten des fünftgrößten Landes der Erde. Wie die Nacht auf die Erde kam, Ein Vogel, der kein Vogel ist, A Mula sem Cabeça, Die Inconfidència Mineira, Der Schrei von Ipiranga, Der Curupira, Anhangüera, An Ehren Reich, Die Sage vom Tijuca-Gebirge, Yàra, die Mutter der Gewässer. Die Wasserfälle von Iguazú, O Boto. Die Augen der Götter. Muiraquita, Carne Vale. Der Saci-Pererê...
SpracheDeutsch
HerausgeberJohn Verlag
Erscheinungsdatum1. Okt. 2015
ISBN9783942057646
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    Buchvorschau

    Brasilien Sagen & Legenden - Patrick Wolfmar

    Brasilien

    Wie die Nacht auf die Erde kam

    Als die Erde jung war, in lange vergangener Zeit vor vielen, vielen Jahren, da gab es auf der Erde keine Dunkelheit. Stets lag die Welt im hellsten Sonnenschein und alle Wesen litten sehr darunter. Denn da stets die Sonne schien, egal zu welcher Tageszeit, waren alle Lebewesen immer müde, nur schlecht fanden sie Schlaf und Ruhe. Selbst die Bäume und die anderen Pflanzen litten, dörrten sie doch aus, verloren alle ihre Blätter und starben schließlich ab.

    Doch gab es auf der Erde eine Macht, die es vermochte Nacht werden zu lassen. Dies war eine große Schlange und sie hatte Zauberkräfte. Am Grunde eines tiefen Flusses lebte sie und wenn sie von dort heraufkam und den Fluss verließ, sank dessen Wasserspiegel um viele Meter, so riesig war die Schlange. Die Menschen aber füchteten die Schlange und verehrten sie. So brachten sie ihr Geschenke, opferten ihr und suchten sie mit mit Tänzen und Gesängen milde zu stimmen. Gar oft kamen sie hierzu an die Ufer des Flusses.

    Und sie baten die Schlange auch um Dunkelheit, damit sie endlich Ruhe fänden. Doch ließ sich die Schlange nicht erweichen. Sie selbst benötigte die Nacht nicht, am Grunde ihres Flusses war es kühl und dunkel. Obendrein gefiel es ihr, die Menschen leiden zu sehen, denn sie achtete sie nicht und fand - da sie selbst schon viel länger auf der Erde lebte - eigentlich brauche die Menschen niemand. Doch Tupa, der Göttervater, dem Missgunst zwischen seinen Geschöpfen verhasst war, erlaubte sich einen Scherz mit ihr. Er schenkte der Schlange die Tochter, die sie sich lange gewünscht hatte, und diese Tochter war - von Menschengestalt. Der Schlange mißviel dies. Doch da sie ihre Tochter liebte, zog sie diese auf.

    Und diese Tochter war sehr schön. So schön, dass der Sohn des Häuptlings der Menschen ihr den Hof machte. So lebte sie bald unter ihresgleichen. Zwar brauchte sie, genau wie ihre Mutter, keine Nacht und keine Dunkleheit um sich auszuruhen; doch sah sie, wie die Menschen litten. Und sie liebte diese Menschen, allen voran ihren schönen Häuptlingssohn. So bat die Tochter der Schlange ihre Mutter, den Menschen die Nacht zu schenken. Und da die Schlange, wie alle wahren Mütter, ihrer Tochter keinen Wunsch abschlagen konnte, erklärte sie sich bereit das Geheimnis der Dunkelheit mit den Menschen zu teilen, auf dass diese endlich Erholung fänden.

    Der Häuptling wählte seine drei zuverlässigsten Männer aus. Diesen sollte die Schlange ihr Geheimnis der Nacht anvertrauen, auf dass sie es zu ihren Schwestern und Brüdern brächten. So begann die Reise zu dem Fluss, in dem die Schlange wohnte.

    Das sahen die Bäume am Ufer, und sie fragten die Männer: „Wohin des Weges?"

    Und als die Männer erzählten, was ihre Mission war, freuten sich die Bäume sehr und begannen zu singen und zu tanzen vor lauter Freude. Auch sie waren die ewige Sonne mehr als leid. Desgleichen die Tiere, unter denen sich auch sogleich herumsprach, was die Stunde geschlagen hatte. Und endlich, nach einer langen Zeit des Paddelns, kamen die Männer an den Fluss, in dem die Schlange ihre Heimstatt hatte. Sie riefen nach ihr und sie kam. Widerwillig übergab die Schlange ihnen eine Kokosnuss, in der war das Geheimnis der Nacht.

    Und wäre es nicht der Wunsch ihrer eigenen Tochter gewesen, niemals hätte sie den Menschen diesen Wunsch erfüllt. Sie fand schlicht, dass die Geschöpfe des Schlafes nicht bedurften. Schlaf in Dunkelheit war für sie etwas Göttliches, und deshalb nicht für Menschen bestimmt.

    Doch mahnte sie die Boten, die Schale der Kokosnuss nicht zu zerbrechen. Das Öffnen der Schale wäre allein von ihrer Tochter zu besorgen. Würde diese Warnung nicht beachtet, kämen ewige Nacht und ewige Dunkelheit über die Erde. Nachdem die Männer ihr dies zugesichert hatten, machten sie sich auf die Heimreise. Mit der Zeit hörten sie seltsame Geräusche aus der Schale dringen. Ein Quaken war da, und ein Zirpen, ein Rufen und ein Schwirren, Krachen, Knirschen und noch vieles mehr. Die Männer kannten diese Geräusche nicht und hatten Angst. Es waren die Geräusche der Nacht. So wie der Dschungel klingt, wenn Dunkelheit herrscht.

    Sehr neugierig wurden sie da. So neugierig, dass sie die Hinweise der Schlange vergaßen und die Nuss aufschlugen, um zu sehen, was darin war. Mit einem Male entwichen alle Geschöpfe der Nacht. Die quakenden Frösche, die rufenden Eulen, die schwirrenden Fledermäuse, die zirpenden Grillen und all die anderen, die mit ihren Geräuschen zum zeitlosen Konzert der Nacht beitragen. Und nicht nur sie entwichen. Mit ihnen kam die Nacht selbst und es ward Dunkelheit. überall. Die Männer erschraken sehr. Und auch im Dorf der Menschen ward es dunkel. Nur die Schlangentochter wusste, was passiert war und sprach gleich zu ihrem Manne:

    „Oh Liebster, deine Männer hörten nicht auf meine Mutter.

    Nun ist die ew´ge Nacht hereingebrochen,

    Doch gab mir Tupa auch bestimmte Kräfte,

    und so will ich suchen, dieses Unglück abzuwenden."

    Mit diesen Worten nahm sie eines ihrer langen Haare und schnitt damit den Himmel entzwei. Ein Teil ward die Helligkeit, der andere die Dunkelheit. Und bald schon sah man die Dämmerung, wie sie fern am Horizont heraufzog. Von diesem Tage an wechselten sich Tag und Nacht, Sonne und Mond, Hell und Dunkel ab und die Menschen, Tiere und Pflanzen fanden endlich Ruhe.

    Ein Vogel, der kein Vogel ist

    Millionen verschied´ner Tiere leben in den Wäldern Amazoniens; geschätzt, denn kein Mensch weiß, wieviel´ es wirklich sind. Nirgends auf dieser Erde ist die Artenvielfalt auch nur annähernd so groß wie hier. Fünfundneunzig verschiedene Ameisen-Arten hat man einst allein auf einem Baum gezählt!

    Geschätzte siebenhundert neue Tier-Arten entdeckt der Mensch hier jedes Jahr. Das sind zwei pro Tag! Jede Woche wird ein neuer Fisch gefunden. Siebzig verschiedene Affenarten gibt es, einhundertzweiundzwanzig Fledermäuse. Dreitausend Bienen füllen die Luft und eintausendachthundert Schmetterlinge. Allein im Amazonas sind mehr Fischarten, als man in allen anderen Flüssen dieser Erde finden kann. Zusammen, wohlgemerkt. Kein Mensch weiß, wieviele der ganzen Arten schon entdeckt wurden. Die Schätzung liegt bei zehn Prozent. Und geht das Zählen in diesem Tempo weiter, so wird es noch über tausend Jahre dauern, bis alle gefunden sind. Weit ist der Mensch davon entfernt, das System Amazonas zu verstehen. Und wie auch, kennt man doch nur den Bruchteil der Bewohner.

    Doch wollen wir die Vögel heute betrachten. Auch diese gibt es hier zahlreich und ohne ihre Farbenpracht und die Musik, die sie uns bringen, wäre der Regenwald ein viel langweiligerer Ort. Was fliegt nicht alles, bunt gefiedert, zwischen all den Bäumen? Was tummelt sich nicht

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