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Rheinsagen: Die schönsten Sagen und Legenden von Mainz über Koblenz nach Köln
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eBook111 Seiten1 Stunde

Rheinsagen: Die schönsten Sagen und Legenden von Mainz über Koblenz nach Köln

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Die schönsten Sagen und Legenden des Rhein. Eine Lese-Reise durch das Mittelrheintal, nach Mainz, Bingen bis nach Köln. Die schönsten Sagen und Legenden von Mainz über Koblenz nach Köln.
SpracheDeutsch
HerausgeberJohn Verlag
Erscheinungsdatum1. Okt. 2015
ISBN9783942057813
Rheinsagen: Die schönsten Sagen und Legenden von Mainz über Koblenz nach Köln
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    Buchvorschau

    Rheinsagen - Christine Giersberg

    Rheinsagen

    Amram von Mainz

    Im Katholischen Mainz ist auch ein Jude zu Berühmtheit gelangt, vielleicht kennen Sie seinen Namen? Es war der Rabbi Amram - Amram von Mainz.

    Im Laufe der Jahrhunderte sprach man von ihm auch als Amram de Mayence oder Amram Mentz, doch ist stets der gleiche Mann gemeint. Wer sich darüber den Kopf zerbrechen mag, kann vielleicht schon erraten, mit welchem Bauwerk in Mainz der Amram in Verbindung steht. Die Geschichte dazu will ich Ihnen nun erzählen.

    Rabbi Amram lebte im 10. Jahrhundert und war schon als junger Mann unter den Juden von Mainz sehr bekannt. Man sprach von der besonderen Gelehrtheit des Rabbis, die für seine geringe Zahl an Jahren überaus außergewöhnlich schien, und so strömten aus dem ganzen umgebenden Gebiet Juden herbei, um seinen Predigten zu lauschen, die nicht nur weise, sondern auch unterhaltsam waren.

    Nach einigen Jahren aber beschloss Amram von Mainz, seine Vaterstadt zu verlassen und seine Weisheit in die Welt zu tragen. Die hiesigen Juden beweinten diesen großen Verlust ausgiebig. Sie sprachen ihm gut zu, dem Ort seiner Ahnen nicht den Rücken zu kehren und versuchten, ihn zum Bleiben zu überreden. „Rabbi Amram, wenige taten gut daran, sich von der Stadt ihrer Väter zu trennen. So wie deine Vorfahren in Mainz lebten und starben, sollst auch Du hier bei uns wirken. Keine Stadt im Reich kommt der unsrigen an Schönheit und Frömmigkeit gleich! „Ihr braven Mainzer Juden, erwiderte Amram. „Recht habt ihr, euren Rabbi zu verehren, nur zurückhalten, das werdet ihr ihn nicht. Was unsre Stadt schön macht, ist mit der goldne Rhein, doch fließt er weiter, in andere Städte. So will ich nach Köln wandern, wo ich das gleiche Wasser beschauen kann wie hier. Die Mainzer Frömmigkeit aber will ich in die Fremde transportieren. In Köln werde ich unsre Lehre vertreten, auf dass die Gläubigkeit der Kölner Juden der eurigen in nichts mehr nachsteht!"

    So geschah es also, dass Rabbi Amram aus Mainz verschwand und auf Jahrzehnte hörte man nichts mehr von ihm. Nach Köln aber war ihm sein Ruf vorausgeeilt. Bald schon scharten sich Massen von Schülern um den neuen Lehrer und wie in Mainz eilten sie von überall herbei, um seine Predigten zu vernehmen. Unzählige Kölner Juden lauschten seiner Weisheit und schickten ihre Kinder und Kindeskinder in seine Schule.

    Eines Tages aber merkte Rabbi Amram, dass seine Zeit gekommen war. Da erinnerte er sich der Ermahnungen der Mainzer Juden, die diese vor seiner Abfahrt ausgesprochen hatten. „So wie deine Vorfahren in Mainz lebten und starben", dieser Satz klang in seinen Ohren, und er fasste den Entschluss, in Mainz begraben werden zu wollen.

    „Meine lieben Kinder, so sprach der alte Mann, und seine ersten Kölner Schüler, die ihn in der fremden Stadt vor vielen Jahre willkommen geheißen hatten, und die nun selbst schon reife Männer waren, lauschten ihm aufmerksam. „Meine Zeit wird bald kommen, doch habe ich einen wichtigen Wunsch. Ein Rabbi soll bei seinem Vater und dessen Vätern begraben liegen. So schickt meine sterblichen Reste zum Judenfriedhof nach Mainz, und das bewerkstelligt ihr folgendermaßen: Legt meinen Leichnam in einen Sarg und setzt diesen auf einem Boot auf dem Rhein aus. Das ist mein letzter Wunsch und ihr sollt ihn erfüllen.

    Nach einigen Tagen war es dann auch aus mit unserm Rabbi Amram. Unter Tränen verabschiedeten sich seine Schülern von ihrem wichtigsten Lehrmeister und obwohl es sie mit Schmerz erfüllte, folgten sie seinem letzten Wunsch, und schickten den wehrlosen Leichnam auf den tosenden Fluss. Zu dieser Gelegenheit waren Hunderte Kölner Juden erschienen, denn jeder hatte Amram im Leben gekannt und wollte ihm eine letzte Ehre erweisen, und wer ihn nicht leibhaftig gesehen hatte, dem erzählten die übrigen Geschichten von ihm. So stand denn eine große Masse schweigend am Ufer, als das Boot zu Wasser gelassen wurde. Als es bis zur Flussmitte getrieben war, geschah etwas unerwartetes. Ein Raunen ging durch die Menge, als das Boot nicht flussabwärts trieb, sondern sich gegen den Strom wandte. Zur Verwunderung aller fuhr das Boot, ohne Ruder und Steuermann Richtung Mainz, wie es der Wunsch des sterbenden Rabbi gewesen war.

    Die Kunde verbreitete sich in Windeseile, dass den Juden ein Wunder geschehen war, und drang auch bis nach Mainz, wo aber niemand daran glauben wollte. Schließlich aber sah man das kleine Boot auf dem Rhein, dass just vor den Toren der Stadt Mainz wie von Zauberhand ans Ufer trieb. Nun vernahmen auch die Juden von Mainz, wer dort in dem Boot gelegen hatte, und zogen zum Rhein, um ihrem Rabbi die Ehre zu erweisen und ihn zu Grabe zu tragen.

    Der Erzbischof von Mainz aber weigerte sich, das Wunder anzuerkennen. Den Trauerzug der Juden, die Rabbi Amram auf den Schultern trugen, stoppte er, und ließ verkünden, den Juden sei niemals ein Wunder geschehen. „Eine Holzkiste, die das Wasser anschwemmt, hat jedes Kind bereits gesehen, den Juden beschert der Herr keine Wunder!" so sprach er.

    Der Sarg des Rabbi Amram aber wurde daraufhin so schwer, dass niemand mehr vermochte, ihn aufzuheben, auch nicht die Knechte die der Bischof kommen hieß, nicht die Trauergemeinde um Amram von Mainz. Kein Jude, kein Christ, konnte den Leichnam mehr bewegen. Schweren Herzens also musste der Erzbischof zugeben, dass nun der Herr wohl ein Wunder getan habe. Um den Sarg des Rabbi Amram herum aber wurde eine Kirche errichtet. Sicher werdet ihr erraten, um welche eurer Kirchen es sich handelt, es ist die Kirche St. Emmeran und vielleicht ist Amram darin immer noch zu finden.

    Der Mäuseturm von Bingen

    Fromme Christen – so meint man, haben ein besonders gutes Herz. Doch Macht verdirbt mitunter den Charakter – und dieses Schicksal hatte auch Bischof Hatto ereilt, von dem in dieser Geschichte berichtet werden soll.

    Man schrieb das Jahr 974 nach Christus, da mussten die Bürger von Mainz eine gar schreckliche Zeit durchleben. Das Wetter hatte es schlecht mit den Bauern gemeint. Erst brannte die Sonne unerbittlich vom Himmel, als Regen von Nöten gewesen wäre, um die sorgsam auf den Feldern ausgebrachten Sämereien zum Keimen zu bringen, und als sich dann endlich die wenigen Getreidehalme im Winde wiegten, die trotz aller Widrigkeit die Kruste der Erde durchbrochen hatten, da brachen die Schleusen des Himmels auf und ein nicht enden wollender Wasserguss, als wäre die Sintflut übers Land gekommen, durchtränkte die Erde wochenlang, bis der Großteil der bereits so kärglichen Ernte unbrauchbar geworden war und schon auf den Feldern verfaulte. Trotz allem machten sich die fleißigen Bauern, die zu verzagen drohten, daran, die wenigen Überbleibsel einzufahren, die noch zu retten waren. Doch es war und blieb eine klägliche Ausbeute.

    Umso härter traf es die Bevölkerung daher, dass Bischof Hatto, in dessen Brust ein kaltes und hartes Herz schlug, verfügte, dass alle erbrachten Erträge ohne Umschweife in die Kornspeicher seines Palastes gebracht werden sollten, damit er als

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