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Kalevala – das finnische Nationalepos: Kalevala

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Kalevala – das finnische Nationalepos: Kalevala

Länge:
183 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 1, 2015
ISBN:
9783942057653
Format:
Buch

Beschreibung

Das im Jahre 1835 von Elias Lönnrot aufgezeichnete Nationalepos Kalevala gehört zu den wichtigsten Werken der finnischen Literatur. Der Text des Kalevalas besteht aus 22.795 Versen in fünfzig Gesängen, auch Runen genannt. Das im Originaltext verwendete Versmaß besteht aus insgesamt acht Silben, dem trochäischen Tetrameter. Der Hauptstrang des Epos handelt von einem Zwist zwischen dem Volk von Kaleva und der Herrscherin des Nordlandes.
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 1, 2015
ISBN:
9783942057653
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Buch

Über den Autor


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Kalevala – das finnische Nationalepos - Christine Giersberg

Epos

Erster Väinämöinen-Zyklus

1. Gesang

Nachdenklich ließ der Sänger seinen Blick über die weite, von einem blauen Himmel überspannte Landschaft schweifen. Das Herz schwoll ihm in der Brust, so sehr liebte er seine Heimat, dieses wilde, ungezähmte Land. Und er erinnerte sich an die alten Sagen und Mythen, an die Lieder über das Sampo und die Zauberin Louhi oder den alten Väinämöinen. An all die Gestalten aus fernen Zeiten, von denen seine Mutter ihm sang, während am Spinnrad der Wollfaden durch ihre flinken Finger glitt. Und er dachte an seinen Vater, wenn er einen neuen Schaft für sein Beil schnitzte und ihm dabei von Ilmarinen, dem Schmied, vom Nordland und von Kalevala erzählte.

Er dachte daran, wie er als Hirtenknabe durch die Heide schweifte und ihm die blumenbedeckten Wiesen und die goldenen Hügel ihre Geheimisse offenbarten. Selbst die klirrende Kälte, der prasselnde Regen, die aus weiter Ferne kommenden Winde sangen ihm ihre Lieder. Das Zwitschern der Vögel wurde ihm zu Worten, die Wellen des Meeres und die rauschenden Baumwipfel erzählten ihre Geschichten.

„Lange hortete ich die, wie zu einem Bündel verknoteten Erinnerungen sagte sich der Sänger. „Soll ich es wagen, den Knoten zu lösen? Ja, mein Lied soll erklingen, vom Morgen bis zum Abend. Und so begann der Sänger zu erzählen:

Einsam schwebte Ilmatar, die Tochter der Lüfte durch den unendlichen Raum. Lange wurde ihr die Zeit und so ließ sie sich langsam in die Wellen des unendlichen Meeres niedersinken. Da erhob sich von Osten ein tosender Sturm, das Meer begann zu schäumen und wütende Wellen umtosten die Jungfrau. Als der Sturm sich gelegt und die Wellen sie sanft wiegten, fühlte sie, dass sie ein Kind des Sturmes unter ihrem Herzen trug. Doch dieses Kind wollte nicht geboren werden. Es vergingen Tage, Monate, Jahre und sie litt starke Schmerzen. Siebenhundert Jahre schwamm Ilmatar durch das Meer, ohne dass sie ihr Kind gebären konnte.

Sie begann herzzerreißend zu weinen: „Wehe mir! Kam ich aus den Lüften, um nun als Wassermutter im kalten Meer mein Dasein zu fristen? Ach, wäre ich doch in den Lüften geblieben!"

Und sie hob ihr Gesicht zum Himmel: „Ukko, Gott des Donners, der du den Himmel trägst. Erlöse mich von meinen Schmerzen."

Einen Augenblick später flog eine Ente mit glänzendem Gefieder über sie hinweg. Sie flog in alle Himmelsrichtungen um einen Platz zu finden, wo sie ihr Nest bauen könnte. Da hob Ilmatar ihre Schultern und Knie aus den Wogen. Und die Ente hielt das Knie für einen sanften, grasbewachsenen Hügel inmitten des Meeres, schwebte herab und lies sich darauf nieder. Zutraulich baute sie ein Nest, legte sechs goldene Eier und eines aus Eisen und begann sie auszubrüten. Am dritten Tage bemerkte Ilmatar, dass ihre Haut immer wärmer und wärmer wurde. Ja, sie glaubte gar, das Knie würde ihr brennen und die Glut ihre Adern schmelzen. Sie schüttelte ihre Glieder, so dass die Eier in die Fluten stürzten und zerbrachen. Doch die Stücke sanken nicht in den Schlamm auf dem Meeresgrund. Nein, sie verwandelten sich wundersam:

Aus der unteren Hälfte des Eies entstand die Wölbung der Erde, aus der oberen der weitgespannte Himmelsbogen, das Gelbe des Eies wandelte sich zur strahlenden Sonne, das Weiße zum Mond. Alles Helle in dem Ei wurde zu glänzenden Sternen, das Dunkle aber zu Wolken. Die Zeit zog dahin, und noch immer ließ sich Ilmatar unter dem Leuchten der Sonne, im Glanz des Mondes, durch das Meer treiben.

Nach neun Jahren begann die Jungfrau die Welt zu formen: dort, wohin sie ihre Hand bewegte, entstanden Landspitzen, was sie mit den Füßen berührte, wurde zu fischreichen Gruben. Wo sie tief ins Wasser tauchte, senkte sich der Meeresgrund. Wohin sie ihre Hüften drehte entstanden flache Ufer, und Lachsschluchten erschuf sie mit den Füßen. Und wenn ihr Haupt sich dem Land näherte, erschienen breite Buchten.

Auf dem Rücken langsam durch die Fluten gleitend, ließ Ilmatar steile Klippen aus dem Meere hochwachsen oder, in seinen Tiefen verborgen, gefährlich Riffe entstehen. Bald umgaben Ilmatar hohe zerklüftete Felsen und bunte Felder und Wiesen. Doch noch weitere dreißig Jahre ruhte ihr Sohn in ihrem Leib, dessen Namen Väinämöinen sein sollte. Der aber dachte verdrossen: „Soll ich ewig in diesem dunklen Raume leben, den nie ein Sonnenstrahl erreicht? Ich möchte wie ein Menschenkind unter dem Himmel auf der Erde wandern und den Mond, die Sonne und die Sterne sehen."

Und so drängte er sich durch den Körper seiner Mutter und stürzte in die Fluten des Meeres. Dort blieb er noch sieben, ja gar acht Jahre lang. Eines Tages aber gelangte er zu einer Landzunge. Er kroch auf den baumlosen Strand und blickte staunend auf den glänzenden Mond, die strahlende Sonne und die blinkenden Sterne. Und so war Ilmatars Sohn, der große Väinämöinen, endgültig geboren.

2. Gesang

Väinämöinen streifte viele Jahre durch das kahle einsame Eiland, wo der einzige Laut, der an sein Ohr drang, das Rauschen der Wellen war. Eines Tages aber wollte er erkunden, wer das Land bestellte. Der fleißige Sampsa Pellerwoinen war´s! Der streute den Samen über das Land, über die Sümpfe und die Haine, streute den Samen der Tannen auf die Berge, den der Fichten auf die Hügel und des Heidekrauts über die noch nackte Heide.

Die zarten Birkenschößlinge setzte er in die Täler und die der Erlen in die lockeren Böden des Landes. Der Faulbaum bekam seinen Platz in der feuchten Erde und dort, wo der Boden weich war, pflanzte Sampsa die Weidenbäume. An heiligen Orten sollten die Sperberbäume wachsen und nahe den Seen und Flüssen die Wasserweiden. Der schlechte Boden genügte dem Wachholder. Die breiten Ströme aber säumten Eichenbäume.

Schon bald zierten zartgrüne Spitzen die Fichten, die Föhren dehnten sich in die Breite und die Birken reckten sich der Sonne entgegen. Dunkle Beeren zierten den Wachholder und gelb leuchteten die Früchte des Faulbeerbaumes. Und Väinämöinen erfreute sich an all dem Blühen und Sprießen. Nur die Eiche wollte keine Wurzeln schlagen. Da erblickte Väinämöinen an der Spitze des Eilandes fünf Wasserbräute, die auf der taufeuchten Wiese das nasse Gras mähten und es in Schwaden zusammenrechten.

Und plötzlich erhob sich aus dem schäumenden Meere ein gewaltiger Riese. Der zerrieb das gemähte Gras bis es sich entzündete und die Flammen hoch aufloderten. Als das Feuer erloschen und nur noch staubgraue Asche übrig geblieben war, gab der Riese vorsichtig eine Eichel hinein. Und bald darauf lugte ein zarter, grüner Spross hervor, drängte ans Licht, breitete seine Äste aus und wollte nicht mehr aufhören zu wachsen. Schon berührte seine Krone den Himmel und hinderte die Wolken daran, ihres Weges zu ziehen, verdrängte das Strahlen der Sonne und das Leuchten des Mond. Wie sollten die Menschen leben, wenn sie nie mehr die Sonne sehen könnten, wenn der Mond nie mehr ihre dunklen Nächte erhellen würde? dachte Väinämöinen traurig.

Wer aber konnte diese mächtige Eiche fällen? Er wandte sich an seine Mutter Ilmatar. „Mutter, die du mich geboren hast. Verleihe mir die Kraft des Wassers, um diese Eiche zu stürzen, dass das Licht der Sonne uns wieder scheine und der Mond uns wieder leuchte. Siehe, da stieg aus den Wogen des Meeres ein Mann empor, nur so groß wie der Daumen eines Mannes oder die Spanne eines Weibes. Kupfern leuchtete seine Mütze, seine Stiefel und seine Handschuhe. Ebenso sein Gürtel und sein Beil, dessen Schneide nicht größer als ein Nagel war. Väinämöinen betrachtete den kleinen Mann erstaunt und dachte: „Er hat wohl das Aussehen eines Mannes, tritt wie ein Held auf, doch er ist nicht größer als ein Daumen. Er sprach den Kleinen an: „Du scheinst zwar ein Mann, aber ein jämmerlicher Held zu sein."

Der jedoch antwortete ihm: „Ich bin sehr wohl einer von dem Heldenvolke aus dem Wasser. Ich kam, um den Eichenbaum zu fällen: „Hahaha, lachte Väinämoinen. „Niemals hast du solche Kräfte." Kaum hatte er die Worte gesprochen, verwandelte sich das Männlein vor seinen Augen in einen Riesen, dessen Haupt bis zu den Wolken reichte, sein Bart hing ihm bis zu den Knien, die Haare bis zu den Fersen. Behände schärfte er mit sieben Schleifsteinen die Schneide seines Beiles. Während der Wind seine weiten Hosen flattern ließ, ging er mit nur drei Schritten schwankend über den lockeren Sandboden und die braune Erde, hin zu der mächtigen Eiche.

Schon schlug der Riese sein scharfes Beil in den Stamm, das zweite und das dritte Mal. Die Klinge sprühte Funken und Feuer züngelte aus dem Holz. Mit dem dritten Hiebe fiel der gewaltige Baum zur Erde.

Seine Wipfel warf er nach Westen, den Stamm nach Osten. Die Blätter schleuderte er nach Süden, die Äste nach Norden. Wohl dem, der einen Zweig genommen hatte, denn der gewährte ihm ewiges Wohlergehen. Wer einen Wipfel nahm, erhielt ewige Zauberkraft, und wer sich etwas von dem Laube abgeschnitten hatte, dem wurde ewige Wonne zuteil. Was an Spänen aber zum Meere hin geflogen war, trugen die Wellen gleich kleinen Booten zum Nordland hin.

Dort kniete auf einer Landzunge eine Jungfrau und wusch ihre Kleider. Als sie die Späne auf den Wellen tanzen sah, beugte sie sich vor, sammelte sie sorgsam ein und trug sie in einen Beutel nach Hause. Im Lande Väinämöinens aber entfaltete die Erde ihre ganze Pracht, nachdem die gewaltige Eiche gefällt war und die Sonne wieder ihre volle Kraft entfalten konnte, die Wolken ihre Freiheit erhalten und das Mondlicht die Nächte erhellte. In den Bäumen sangen die Vögel, würzige Kräuter sprossen aus der Erde, auf den Wiesen blühten die Blumen in farbiger Pracht und die vielfältigsten Pflanzen bedeckten bald das ganze Land. Nur die Gerstensaat wollte nicht aufgehen.

Über dieses Rätsel grübelnd, wanderte Väinämöinen zum Ufer des Meeres, wo er, im lockeren Sande zu seinem Erstaunen sieben Gerstenkörner fand. Sorgsam barg er die Körner in einem Marderfell um sie auszusäen. Als er beginnen wollte, sah er, wie über ihm in einem Baum eine kleine Meise aufgeregt hin- und herflatterte und ihn ermahnte: „Die Gerste wird niemals gedeihen, wenn du die Waldung nicht rodest, den Boden vorbereitest und mit Feuer urbar machst."

Väinämöinen befolgte den Rat des kleinen Vogels und begann eine Lichtung in den Wald zu schlagen. Er fällte die Bäume, nur eine schlanke Birke ließ er stehen. Da kam vom Himmel ein stolzer Adler herangeflogen. Der König der Lüfte ließ sich auf der Birke nieder und wandte sich an Väinämöinen: „Warum fällt diese Birke nicht deinem Beil zum Opfer? „Damit ihr Vögel einen Ruheplatz findet, antwortete der.

„Ich danke dir für deine Sorge um uns Vögel, entgegnete der Adler und er begann so heftig mit den Flügeln zu schlagen, bis Funken aus den Federn stoben und über das gerodete Land Flammen loderten und es versengten, bis nur noch Asche übrig war. Darauf holte Väinämöinen die sieben Samenkörner hervor und während er sie über den nun so vorbereiteten Boden säte, sprach er: „Erdenmutter, bringe die Körner zum Wachsen. Gib ihnen Kraft, dass die Halme sich aufrichten, tausend Ähren sich hundertfach verbreiten! Und du, Ukko dort oben, du Wolkenlenker, lass Regen aus dem Himmel fallen. Und Ukko, der Donnergott, schickte Wolken von Osten, Westen und Süden und sandte Regen auf die Erde. Nach einigen Tagen schon sah Väinämöinen, wie sich um die einsame Birke herum die Ähren im Winde bogen. Da ließ sich ein Kuckuck auf der Birke nieder. Neugierig fragte er: „Warum blieb der Baum stehen?"

„Damit du hier zum Wachstum des Waldes, zum Gedeihen dieses Landes und für das Wachsen des Ährenfeldes singen kannst." erwiderte Väinämöinen.

3. Gesang

So lebte Väinämöinen zufrieden auf den Fluren Wäinölas und Kalevalas. Und er begann zu singen. Er sang weise von den alten Geschichten, vom Ursprung aller Dinge. Weithin verbreitete sich die Kunde von den Liedern des großen Väinämöinen, vom Süden bis hinauf ins ferne Nordland.

Dort lebte Joukahainen, ein kecker Jüngling. Als er von Väinämöinens Sangeskunst hörte, packte ihn der Neid, denn er hielt sich selbst für den besten Sänger weit und breit. Darum teilte er seinen Eltern mit, dass er beabsichtige, nach Väinöla zu gehen, um mit Väinämöinen in einen Sangeswettstreit zu treten. „Oh, nein. Du kannst nicht gegen den großen Väinämöinen antreten! Man wird dich dort gefangen nehmen", jammerten seine Eltern.

„Vater und Mutter, antwortete ihnen Joukahainen, „Ich weiß wohl, dass euer Wissen größer ist als meines. Doch ich achte mein eigenes Wissen am Höchsten. Ich werde Väinämöinen zum Wettstreit auffordern und meine eigenen Lieder so singen, dass selbst der beste Sänger dagegen wie der schlechteste erscheinen wird.

Stolz aufgerichtet fuhr der Jüngling fort sich selbst zu rühmen: „Er wird sich fühlen, als ob seine Füße in steinernen Stiefeln stecken würden, seine Hüfte von Hosen aus Holz umschlossen und ein Bogen aus Stein auf seinen Schultern lasten würde." Er spannte das feurigste Pferd vor einen goldenen Schlitten,

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