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Ruhrgebiet Sagen und Legenden: Sagen und Legenden aus dem Pott

Ruhrgebiet Sagen und Legenden: Sagen und Legenden aus dem Pott

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Ruhrgebiet Sagen und Legenden: Sagen und Legenden aus dem Pott

Länge:
122 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Okt. 2015
ISBN:
9783942057677
Format:
Buch

Beschreibung

Der Pott hat einiges zu erzählen. Hören Sie folgende Sagen und Legenden: Der Bäcker zu Dortmund, Der arme und der reiche Bauer, Äbtissin Mathilde und die Teufelssäule, Der Schinderhannes in Duisburg, Der Werwolf, Die beiden Hünen vom Tippelsberg und Mechtenberg, Das Hexenänneken, Der Teufel besucht eine Zeche, Der Kuhhirte aus Bochum, Der Pestbalg zu Bottrop, Das hungernde Mädchen zu Unna, Die Waghalsbrücke, Der mutige Bierbrauer aus Speldorf, Der grausame Schlossherr von Burg Broich, König Goldemar auf Burg Hardenstein, Die verhexte Liebschaft, Der tolle Jost von Strünkede, Das Gnadenbild von Neviges, Der Pestvogel, Die Sage von Räuberhauptmann Cop...
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Okt. 2015
ISBN:
9783942057677
Format:
Buch

Über den Autor


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Ruhrgebiet Sagen und Legenden - Christine Giersberg

Ruhrgebiet

Der Bäcker zu Dortmund

Einst lebte zu Dortmund ein reicher Bäcker, der jeden Sonntag brav zur Kirche ging, wo er mit dem frömmsten und andächtigsten Gesicht dem Gottesdienst lauschte. Und wenn der Pastor predigte, dass man seinen Nächsten wie sich selbst lieben soll, dann nickte er eifrig mit dem Kopfe. Dabei aber war er wohl einer der geizigsten, hartherzigsten Bürger von ganz Dortmund, der durch Wucherei und übermäßigen Kornankauf einen riesigen Reichtum angehäuft hatte.

Seine Gulden hatte er in großen Säcken in seinem Keller versteckt, doch noch nie hatte er auch nur einem Armen etwas anderes als höchstens ein verschimmeltes Stück Brot zukommen lassen. Selbst seiner Schwester, der Witwe eines armen Leinenwebers, hatte er, als sie ihn nach dem Tod ihres Mannes für sich und ihre fünf Kinder um Hilfe bat, mit rohen Worten die Türe gewiesen.

Nachdem einst der schwarze Tod, die Pest, Dortmund heimgesucht und unzählige Opfer gefordert hatte, entstand danach eine schlimme Hungersnot im ganzen Lande und vielen, die die Pest verschont hatte, denen drohte nun der Hungertod. Der Bäcker aber, der wohlgenährt die Epidemie gut überstanden hatte, rieb sich die Hände ob dieses Zustandes. So buk er immer kleinere Brote, oft aus minderwertigem, verunreinigtem Mehl, die er sich aber immer teurer und teurer bezahlen ließ.

In seiner Kornkammer staute sich das Getreide, doch er dachte nicht daran etwas davon zu verkaufen, denn er hoffte auf den Winter und darauf, dass dann die Preise um noch ein Vielfaches steigen würden. Eines Mittags, nach einem ausgiebigen Mahl mit einem köstlichen Pfefferpotthast, einem Rindfleischeintopf, legte er sich in seiner Schlafkammer aufs Ohr, um von seiner morgendlichen Arbeit auszuruhen. Sein großer Hund, den er zum Schutze immer bei sich hatte, lag unter seinem Bett.

Da klopfte es zaghaft an die Türe. Er richtete sich etwas auf und rief mürrisch: „Herein, den er schätzte es ganz und gar nicht, während seines Mittagsschläfchens gestört zu werden. Die Türe öffnete sich langsam und eine abgemagerte, in Lumpen gehüllte weibliche Gestalt trat zögernd über die Schwelle. Der Bäcker schwang seine Beine über die Bettkante und herrschte das arme Weib wütend an: Was soll das, was erdreistest du dir, Weib, mich hier in meinem Hause zu stören? Mach, dass du verschwindest, oder ich hetze meinen Hund auf dich!"

Das Tier war mittlerweile unter der Bettlade hervor gekrochen und knurrte die Fremde bedrohlich an. Mit zitternder Stimme antworte die Frau: „Oh, nein, tu das nicht! Erkennst du mich denn nicht mehr, Bruder? Ich bin´s, deine Schwester." Der Bäcker kniff die Augen zusammen und da erkannte er endlich wieder die ehemals so vertrauten Züge in dem abgezehrten Gesicht des Weibes.

„Was willst du?"

„Nicht viel erbitte ich mir von dir, antwortete seine Schwester mit brüchiger Stimme. „Ich habe alle meine Kinder verloren, eines nach dem anderen hat mir die Pest genommen. Und nun, lieber Bruder, sei barmherzig und gewähre mir ein Plätzchen in deinem Hause und laß mich nicht Hungers sterben

„So, so, entgegnete ihr der Bruder und dann lächelte er böse. „Gut, dann will ich mal nicht so sein und dir Unterschlupf gewähren, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es dir auch gefällt. Und etwas zu essen sollst du auch bekommen.

Er wuchtete seinen schweren Körper aus dem Bett und führte seine Schwester auf den Hof. Dort zeigte er auf eine große Hundehütte: „Da, in der Hütte kannst du dich ausruhen und hier hast du etwas zu essen." Er zog ein Stück Brot aus der Tasche und gab es ihr.

Dankbar griff die arme Frau danach und wollte gierig hinein beißen. Doch sie stöhnte schmerzhaft auf, da sie glaubte, die wenigen, ihr noch verbliebenen Zähne würden abbrechen. Denn das Brot war steinhart und es hätte schon das starke Gebiss eines Hundes gebraucht, um es kauen zu können. Enttäuscht warf sie es weg, doch zu schwach um sich gegen ihren herzlosen Bruder zu wehren, sank sie kraftlos zu Boden. Der aber wandte ihr den Rücken zu und schlenderte laut lachend wieder in sein gemütliches Haus hinein. Eine alte Magd, die das ganze beobachtet hatte, kam über den Hof geeilt und unter beruhigenden Worten flößte sie der armen Frau einige Schlucke eines kräftigen Bieres ein. Dann zog sie aus ihrer Taschenschürze mehrere Scheiben weiches, weißes Weizenbrot und reichte es der fast verhungerten Frau.

Dann aber ging sie so schnell es ihre alten Beine vermochten, wieder zurück ins Haus, denn wenn sie der Bäckermeister bei ihrem Tun entdeckt hätte, hätte er keine Hemmungen gehabt, sie aus dem Hause zu werfen. Und das hätte für sie, in ihrem hohen Alter und in diesen schlimmen Zeiten, den sicheren Tod bedeutet. Die Schwester des Bäckermeisters aber kroch, nun etwas gestärkt in die Hundehütte, wo sie sich auf dem Stroh zusammen kauerte und unter Tränen Gott um Hilfe anflehte: „Herr, mein Gott, ich bitte dich, erhöre du mich wenigstens. Erlöse mich von diesem elenden Leben und laß mich heimkehren zu meinem Mann und meinen geliebten Kindern."

Und Gott erhörte sie noch in derselben Nacht. Als man sie am nächsten Morgen tot in der Hundehütte liegend fand, hatte sie ein Lächeln auf den Lippen, das ihre abgezehrten Züge wieder jung und weich erscheinen ließ. Wenige Tage später aber brach in Dortmund ein gefährlicher Aufstand aus. Das Volk begehrte auf, sie wollten es nicht mehr hinnehmen, dass einige reiche und begüterte Einwohner der Stadt ihre Reichtümer und Schätze horteten, oder gar in Saus und Braus lebten, während die einfachen Menschen wie die Fliegen auf den Straßen und in ihren erbärmlichen Behausungen vor Hunger starben. Sie stürmten deren Häuser, und verwüsteten und plünderten, was sie unter die Finger bekamen.

Auch das Haus des Bäckers wurde von dem Pöbel nicht verschont. Doch der ließ bereits bei den ersten Anzeichen des Aufruhrs sämtliche Türen und Fenster verriegeln und mit Brettern vernageln. Denn er wusste, dass die hungernde Meute ihn erschlagen würde, sobald sie seiner habhaft würden. Er packte in aller Eile einen kleinen Sack mit Broten und einen Krug Wasser und flüchtete in den Keller seines Hauses, in dem er seine Geldsäcke versteckt hatte. Dort hoffte er einige Zeit gut versorgt ausharren zu können, bis sich der ganze Aufruhr gelegt hätte.

Kaum hatte er die schwere Eisentüre hinter sich verriegelt, hörte er, wie trotz aller Vorsorge, die er veranlasst hatte, um sein Eigentum zu schützen, der rasende Pöbel über ihm sein Haus stürmte und laut johlend alles kurz und klein schlug. Auf seinen Geldsäcken sitzend verharrte er so mehrere Stunden zitternd vor Angst, dass er womöglich noch entdeckt werden würde.

Irgendwann, mittlerweile musste schon der nächste Tag angebrochen sein, bekam er Hunger und sein Magen knurrte laut und vernehmlich. Er griff in den Brotsack, den er mitgebracht hatte und holte sich einen kleinen weißen Laib heraus.

Voller Appetit wollte er hinein beißen, doch, oh weh, das Brot war so hart wie Stein und – der Bäcker warf das Brot angeekelt zu Boden – die ganze Kruste war mit blutroten Tropfen überzogen. Ebenso der nächste und nächste Laib, den er aus dem Sack zog: Ein Laib wie der andere war verwandelt und ungenießbar geworden.

Der Bäcker warf nun den ganzen Sack zu Boden und griff nach dem Krug mit Wasser, denn sein Mund war trocken und er hatte das Gefühl, als ob ihm die Zunge am Gaumen kleben würde. Doch als er den Krug an die Lippen setzen wollte, schlug ihm ein ekliger eisenhaltiger Geruch entgegen. Blut! Das erfrischende Wasser, das er so nötig gehabt hätte, war zu Blut geworden.

Er schlug die Hände vors

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