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Der Wiedergeborene Pharao: Rätsel der Amarna Zeit

Der Wiedergeborene Pharao: Rätsel der Amarna Zeit

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Der Wiedergeborene Pharao: Rätsel der Amarna Zeit

Länge:
543 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 3, 2019
ISBN:
9783749475940
Format:
Buch

Beschreibung

Der Wiedergeborene Pharao (Untertitel: Rätsel der Amara Zeit)
Es geht um eine große Liebe im Alten Ägypten, das Aufdecken vieler Geheimnisse - und den Kind-König Tut Ankh Amun
Der Roman basiert auf historischen Tatsachen, Schauplätze der Handlung sind das Tal der Könige, Luxor, Kopenhagen, Venedig, und Wien.
Alle Namen der Protagonisten sind fei erfunden.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 3, 2019
ISBN:
9783749475940
Format:
Buch

Über den Autor

Brigitte Gottlieb wagt am Ende der Berufslaufbahn einen Neubeginn: ein Medium prophezeit ein Geschenk, die große Liebe, von tiefster Bedeutung für ihr Leben. Sie folgt der Stimme ihres Herzens und findet ihren Seelenpartner in Ägypten. Sie nimmt die Herausforderung an mit ihm gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Unerwartet löst sie viele Rätsel ihres Lebens vor 4000 Jahren am Hof des Pharao Echnaton und Königin Nofretete in der Amarna Zeit. Nach dem tragischen Ableben ihrer Schwester beschäftigt sie sich mit Wiedergeburt. Sie begreift den Zusammenhang von Ursache und Wirkung, das Gesetz des Karmas: "Opfer sollten Tätern verzeihen um Frieden zu finden".


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Buchvorschau

Der Wiedergeborene Pharao - Brigitte Gottlieb

Klappentext:

Während einer aufregenden Reise verliebt Diana sich unsterblich in einen charismatischen Ägypter. Die Beiden planen eine gemeinsame Zukunft.

Durch Tareks Ähnlichkeit mit dem legendären Kind-König Tutankhamun vermutet sie seine Reinkarnation. Nach der romantischen Hochzeit belasten unvorhersehbare Geschehnisse die Pläne der Liebenden. Diana sucht Erholung in der Natur, ihre Mutter unterstützt sie mit Weisheit und unerschütterlichem Humor. Trotz kultureller Gegensätze kämpft Diana für ihre Beziehung. Nach und nach enträtselt sie Geheimnisse im Tal der Könige und entdeckt erstaunliche Parallelen zu ihrer Familie der Gegenwart. Schlussendlich kommt ein tausendjähriges Rätsel ans Licht.

Die Autorin:

Brigitte Gottlieb lebt und arbeitet in Wien und findet logische Antworten auf Fragen nach dem Sinn des Lebens, um den Unfalltod ihrer Schwester zu verarbeiten. Sie erkennt, dass die Seele durch Wiedergeburt viele Chancen bekommt, das Bewusstsein in verschiedenen Existenzen und Epochen, zu erhöhen, Fehler auszugleichen, Talente und Begabungen zu entwickeln.

Enes Tages wagt sie einen Neubeginn ihres Lebens in Ägypten. Durch die Erfahrungen mit der fremden Kultur nützt sie ihr Talent zum Schreiben.

Schauplätze des Romans sind u.a. Luxor, das Rote Meer, Wien, Venedig und Kopenhagen.

Namen der handelnden Personen und einige Orte sind frei erfunden.

Inhaltsverzeichnis

Das Haus am Roten Meer

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Das Hotel am Rand der Wüste

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Nachwort

Das Haus am Roten Meer

1

Vor vielen Jahren verunglückte Dianas jüngere Schwester tödlich und diese Tragödie brachte sie dazu, sich mit dem Sinn des Lebens auseinander zu setzen. Logische Antworten auf ihre Fragen fand sie durch Seminare, Bücher und Freunde und lernte, dass das Bewusstsein der Menschen in vielen, verschiedenen Leben langsam heranreift. Durch Wiedergeburt ist die Gerechtigkeit der Allmacht zu begreifen, die allen Seelen die Chance gibt, sich zu entwickeln. Dabei spielt Karma, das Gesetz von „Ursache und Wirkung" eine große Rolle, denn es bedeutet, dass alles Leid, dass man anderen zufügt, im nächsten Leben ausgeglichen wird. Opfer sollten Täter verzeihen, um letztendlich Frieden zu finden, andernfalls nähme das Leid kein Ende und wiederholte sich endlos durch Jahrhunderte – sogar Jahrtausende…

Durch ihre Erkenntnisse konnte Diana den großen Verlust verarbeiten und ihre traumatisierten Eltern unterstützen. Sie ließ sich nach dreizehn Jahren Ehe scheiden, zog ihre beiden Kinder alleine groß und lebte jahrelang als Single. Als Sohn und Tochter erwachsen waren, reiste sie am Jahresbeginn nach Ägypten, um ein neues Leben anzufangen.

In Luxor begegnete sie einem charismatischen Mann und verliebte sich Hals über Kopf in ihn.

Seit jeher wird erzählt, dass Liebende einander im Licht der Venus begegnen, die am nächtlichen Himmel über dem Tal der Könige hell erstrahlt. Die Wienerin und der Ägypter fühlten sich magisch zueinander hingezogen.

Diana vermutete, dass er eine Reinkarnation des rätselhaften Pharao Tutankhamun sein könnte, denn Tareks Gesichtszüge glichen auffallend der goldenen Maske, im Ägyptischen Nationalmuseum.

Überglücklich schmiedeten die Beiden eifrig eine ganze Woche lang Pläne für die Zukunft und Diana beschloss, ihre Wohnung in Wien aufzugeben und mit dem Erlös ein Haus am Roten Meer zu bauen. Ihre künftige Pension würde in Ägypten ausreichen, diesen Traum zu verwirklichen.

Ende Juni, einige Wochen nach Dianas Urlaub in Luxor, reiste Tarek nach Wien, lernte ihre Mutter Dora kennen und war von ihr begeistert. Auch sie mochte ihn von der ersten Sekunde an und stimmte damit überein, dass ein Leben im sonnigen Süden reizvoll wäre. Das besondere Einverständnis zwischen Tarek und Dora war unübersehbar. Die Zukunft erstrahlte in märchenhaftem, rosigem Licht und so planten Diana und Tarek ihre Hochzeit in Ägypten.

Bald danach startete sie gemeinsam mit Dora die Reise an das Rote Meer, wo auch ein Ausflug nach Luxor geplant war, um zwei kleine Söhne Tareks kennenzulernen. Die lange, schweißtreibende Fahrt durch die Wüste wurde sehr anstrengend und deshalb war es das Beste, in seinem Haus zu übernachten. Erstaunlicherweise begrüßte sie dort seine Exfrau, die sich sehr devot benahm und mit Essen und Trinken bewirtete. Sie schien mit Tareks und Dianas Hochzeit einverstanden zu sein. Noch seltsamer fand Diana ihren nächtlichen Besuch im Schlafzimmer, wo sie später mit Dora schlief. Zu benommen und müde von der langen Reise, fanden Mutter und Tochter, vorerst - nichts Schlimmes dabei.

Am nächsten Morgen berichteten sie Tarek davon – der in einem anderen Zimmer geschlafen hatte und er reagierte ärgerlich: „Niemand hat ihr befohlen, hier im Haus anwesend zu sein! Sie hat Euch etwas vorgespielt – ich will nichts mehr von ihr wissen, ich habe sehr viel gelitten, durch sie und ihre ganze Familie!"

„Dann vergessen wir sie einfach und schauen jetzt nach vorne! sagte Diana, auch Dora vermied jede weitere Diskussion um Tarek zu beruhigen. Er hatte ein klimatisiertes Taxi organisiert, mit seinem Trauzeugen als Chauffeur und Dora frohlockte mit „Arabisch-Kenntnissen: „Ham-du-li-lah! So wird die Rückreise angenehm sein!. Damit löste sie allgemeines Gelächter aus und die Situation entspannte sich.

Dann fuhren sie zu einem Juweliergeschäft in Luxor, wo Tarek goldene Ringe aussuchte: „Möchtest du welche mit ziselierte Löwen?"

Diana war begeistert: „Gerne! Die Pharaonen hatten ja diese schönen, mächtigen Tiere gezähmt – das habe ich gelesen! Ihr Herz hämmerte laut, als sie die Ringe wegen der Größe probierte: „Hast du auch solches Herzklopfen?

„Ja! Mir geht es genauso! Wir werden sie ab morgen immer tragen!" bestätigte Tarek ernsthaft.

Dora strahlte und war in ihrem Element: „Ich lade euch darauf ein – ich freue mich, dass ihr beide so glücklich seid!"

Wieder zurückgekehrt in ihrem Hotel am Roten Meer, fand am nächsten Tag - im Beisein eines Imam (einem ägyptischen Rechtsanwalt im langen, schwarzen Talar) - eine feierliche Zeremonie statt, mit Dora als Dianas Trauzeugin. Am späten Abend feierten sie in einem festlich geschmückten Strandcafé, gemeinsam mit vielen Gästen, ihre Hochzeit bis in die Morgenstunden. Doch bald hieß es für die Frischvermählten Abschied nehmen, denn Diana musste zu ihrer Arbeit nach Wien - Tarek blieb in Ägypten, da er im Tourismus tätig war. Dianas Mutter weinte am Flughafen in Hurghada, wie nie zuvor und konnte es selbst nicht fassen, dass ihre Tränen unaufhörlich flossen. Diana ging mit ihr durch die Sicherheitskontrollen, denn ab hier durften sie von ihren Männern nicht begleitet werden. Tarek und Hassan sein Trauzeuge, standen im gleißenden Sonnenlicht vor dem Flughafengebäude und winkten traurig, solange sie Mutter und Tochter sehen konnten.

„Was hast du?, fragte Diana besorgt, als sie im Flugzeug Platz nahmen, „wir sehen Tarek ja schon bald wieder!

„Ich weiß es nicht, lächelte Dora unter Tränen, „aber ich glaube, Ägypten ist meine Heimat, während zu Hause nur meine Puppen sind!. (Sie war sehr stolz auf ihre Puppensammlung).

„Ja, das ist möglich! Dieses Gefühl stammt wahrscheinlich aus deinem früheren Leben", sagte Diana verständnisvoll. Sie dachte dabei an die unfassbare Tatsache, dass ihre Mutter, ohne sich dessen bewusst zu sein, die berühmte Königin Nofretete in der Amarna Zeit gewesen war.

In einem Seminar hatte Diana unter anderem gelernt, mit dem Pendel behutsam und achtungsvoll umzugehen und Antworten auf ihre Fragen zu bekommen, was sowohl die Gegenwart, als auch die lange zurück liegende Vergangenheit betraf.

Nach der ersten Begegnung mit Tarek am Jahresbeginn, im Tal der Könige hatte sie mit klopfendem Herzen in ihrem Hotelzimmer gependelt, ob das Bild auf einer Ansichtskarte König Tutankhamun und seine Königin zeigte. Tatsächlich lag sie mit ihrer Vermutung richtig: Tarek war offenbar die Wiedergeburt des Pharaos und sie seine damalige Königin. Später in Wien, entdeckte sie die Reinkarnation der Nofretete als ihre Mutter in der Gegenwart. Die Frage nach ihrem Vater ergab, dass er die Reinkarnation des Pharao Echnaton gewesen war. Noch ahnte Diana nicht, dass sie der Spur ihres früheren Schicksals folgte.

Jetzt war nur eines wichtig – mit ihrem Liebsten ein neues Leben beginnen und die alte Vergangenheit ruhen lassen. Alles, was sie aus der Geschichte der Amarna Zeit wusste, war das tragische Ende des jungen Königs. Sein Grab mit den kostbaren Schätzen war gefunden worden und zusammen mit ihrer Mutter hatte sie vor ein paar Monaten auf einer Gruppenreise die goldene Maske, fantastische Grabbeigaben und Relikte dieser reichen Dynastie im Ägyptischen Nationalmuseum bestaunt.

Nie zuvor hatte Dora von den vielen Leben der Seele und schon gar nichts von ihrem früheren Dasein als Königin in Ägypten gehört und konnte, oder wollte offensichtlich nichts mit Dianas Erklärung anfangen, als sie im Flugzeug Platz nahm. Sie lächelte nur ungläubig und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

Zwei Tage nach der Ankunft in Wien, musste Dora ins Krankenhaus, denn ein dringender Operationstermin war bereits mit dem Arzt vereinbart worden. Ein kleiner Glücksbringer, ein lustiges Püppchen mit großen Kulleraugen, schwarzem Spitz Hut und Zauberstab, ein Geschenk von Tarek, musste mitkommen. Den idealen Zeitpunkt hatte Diana schon vor der Reise nach Ägypten mit Rücksicht auf den abnehmenden Mond abgestimmt, auch unterstützten die frisch aufgetankten Energien ihre Mutter, den schweren Eingriff sehr gut zu überstehen.

Sie war der Liebling aller Schwestern und Ärzte, brachte Licht, Lachen und Optimismus ins Krankenzimmer. Diana besuchte sie, wenn es ihr möglich war, täglich und nach vier Wochen konnte Dora wieder einigermaßen gesund nach Hause gehen.

Nun freuten sich Mutter und Tochter auf Tarek, der Anfang August in Wien eintraf. Berufliche Pläne für eine gemeinsame Zukunft lagen noch im Ungewissen, aber nach einem Besuch bei guten Freunden, reifte die Idee heran, eine Agentur in Ägypten und ein Reisebüro in Kopenhagen zu gründen. Tarek pflegte enge Kontakte mit beiden Ländern, denn er arbeitete seit langer Zeit im Tourismus und sprach perfekt Dänisch, da er viele Jahre in Dänemark gelebt hatte. Spontan entschieden Diana und Tarek ein paar Tage nach Kopenhagen zu fahren, um diesbezügliche Erkundungen einzuholen. Dora ermunterte dazu: Das ist wichtig für euch! So könnt ihr auch einmal alleine sein! Außerdem ist es eure Hochzeitsreise. Für mich wäre das zu anstrengend. Ich komme sehr gut zurecht!

Es klang überzeugend und das verliebte Ehepaar begab sich vergnügt mit Dianas Auto auf die weite Reise.

Das erste Ziel ihrer Fahrt war München, wo Beate lebte. Sie frohlockte, dass sie Diana wieder sehen und nebenbei Tarek kennenlernen würde. Seit ihrer Au-Pair-Mädchenzeit in England und Frankreich waren die Freundinnen trotz der relativ großen Entfernung von Wien in Verbindung geblieben. Immer wieder konnten sie es einrichten, sich gegenseitig zu besuchen. Beate erwartete sie fröhlich, mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee, als sie am frühen Nachmittag bei ihr eintrafen. Mit Gesprächen über Gott und die Welt wurde es rasch dunkel und es wurde Zeit, schlafen zu gehen. Die Freundin hatte ein kuscheliges, breites Bett für eine gemütliche Übernachtung vorbereitet.

Diana und Tarek erwachten am nächsten Morgen ausgeruht und nach dem Frühstück, welches Beate liebevoll vorbereitet hatte, brachen sie in Richtung Dänemark auf. Sie dankten ihrer Gastgeberin, versprachen am Rückweg wieder vorbeizuschauen und winkten zurück, bis sie nicht mehr zu sehen war. Einige Male wechselten die Beiden den Platz hinter dem Steuer des Wagens und bei idealen Reisebedingungen - Sonnenschein und blauem Himmel - erreichten sie Kopenhagen am frühen Abend.

In der dänischen Hauptstadt wartete Tareks Halbbruder Ibrahim vor einem kleinen Hotel, indem er ein Zimmer für die Beiden reserviert hatte. Die Tatsache, dass dieser Mann mit dem orientalischen Namen ein weißblonder Wikinger mit hellblauen Augen war, warf Diana beinahe um. Wenn Tarek von ihm erzählte, erwähnte er nie dessen europäisches Aussehen und ihre Vorstellung war verständlicherweise eine völlig gegensätzliche gewesen. Der dunkle Teint und die schwarzen, kurz geschorenen Haare unterschieden Tarek deutlich von seinem, etwas älteren, weißblonden Halbbruder. Aber hochgewachsen und schlank waren beide. Sie umarmten einander herzlich und wechselten ein paar Worte in dänischer Sprache. Ibrahim begrüßte Diana höflich, aber zurückhaltend und sagte gleichsam entschuldigend: Es tut mir leid, ich konnte kein besseres Hotel finden! Kopenhagen ist derzeit Kulturhauptstadt Europas und komplett ausgebucht! Diana betrachtete das weiß-rosa gestrichene Gebäude in der sauberen Straße und widersprach erstaunt: Aber es ist doch hübsch anzusehen!

Auf den ersten Blick mag das schon stimmen! bestätigte er, aber die Umgebung ist voll von Sexshops und entsprechendes Publikum ist nachts unterwegs. Wie überall in einem Hafenviertel!

Einen Vorteil gibt es! bemerkte Tarek, das Stadt-Zentrum, der Tivoligarten und der Königspalast sind in der Nähe!

Also, wenn die Königin von Dänemark hier wohnen kann, dann ist es für uns auch gut genug! Zwei oder drei Nächte wird es auszuhalten sein konterte Diana unbekümmert.

Das denke ich auch! beendete Tarek das Thema, du hast wirklich dein Möglichstes getan! Danke, Ibrahim!

Dieser wirkte nicht gerade überzeugt, aber er versprach, die Beiden später zum Abendessen zu treffen und verließ sie, da er noch arbeiten musste.

Diana und Tarek brachten ihr Gepäck in ein rosa tapeziertes und mit zierlichen, weißen Möbeln ausgestattetes Zimmer. Es sah auf den ersten Blick sehr kuschelig und bequem aus. Schwere Vorhänge, im Farbton der Wände gehalten, versuchten das Licht der untergehenden Sonne abzuschirmen, aber trotzdem war die Luft zu warm und dumpf in dem Raum. Wenn wir die Türe zum Badezimmer offenhalten und die Fenster aufmachen, wird es später angenehm zum Schlafen sein! sagte Tarek vorausdenkend. Als sie ihre Sachen verstaut hatten, geduscht und umgezogen waren, fuhren sie zu einem netten Restaurant in die Stadt. Ibrahim saß schon wartend an einem Tisch und begrüßte Tarek wie zuvor, mit einer herzlichen Umarmung.

Er rückte höflich Dianas Stuhl zurecht und dann studierten sie die reichhaltige Speisekarte mit dänischen Spezialitäten. Bald wurden schmackhafte, dampfende Köstlichkeiten serviert und die Brüder genossen mit Appetit ein ausgiebiges Menü - außer Diana, sie hatte seltsamerweise keinen Hunger. Die beiden Männer hatten offensichtlich viel zu erzählen, sprachen ihr zuliebe überwiegend Englisch, vermischten ihre Unterhaltung aber manchmal auch mit der dänischen Sprache.

Diana fand nichts dabei, obwohl die Möglichkeit bestand, dass sie über ihre Person sprachen - es störte sie nicht.

Ich habe gehört, du meinst, ihr kennt euch aus einem früheren, gemeinsamen Leben?, wendete sich Ibrahim unvermittelt und mit ernstem Ausdruck an sie, wie kommst du zu dieser Auffassung?

Der strenge Tonfall erinnerte Diana an ein Verhör. Tarek hatte Diana darauf vorbereitet, dass Ibrahim dem Koran sehr zugeneigt war und sie versuchte mit wenigen Worten die Erkenntnisse der Reinkarnationstheorie zu erklären. Auch dass sie auf einem Seminar mit dem Pendel und Tarot Karten umzugehen gelernt und viele Bücher über Wiedergeburt gelesen hatte, erwähnte sie beiläufig.

Der Koran verbietet solche Dinge! stellte Ibrahim fest und es klang schroff und sehr missbilligend. Offensichtlich konnte, oder wollte er Diana nicht verstehen und vermied es, ihren Ausführungen zu folgen. Seine Reaktion genügte ihr, um sich den ganzen Abend aus jeder weiteren Diskussion heraus zu halten. Sie hatte keine Lust zu missionieren, jemandem ihre Meinung aufzudrängen und wollte sich das genauso wenig von anderen gefallen lassen. Plötzlich sank ihr Stimmungsbarometer bis sie gedanklich eine wirksame Schutz Formel anwendete: Du bist mir egal! und sich damit innerlich schützte. An der weiteren Unterhaltung nahm sie nur mehr passiv teil und war froh, als der Abend ein Ende nahm. Von den vielen Eindrücken und der langen Reise erschöpft, kehrten sie sogleich in das Hotel zurück. Seit dem Besuch im Restaurant schien eine unsichtbare Wand zwischen Diana und Tarek zu sein, aber sie verdrängte ihren Unmut. Nach außen wirkte er ruhig und gelassen, kam ihr aber keinen Millimeter entgegen. Durch die äußerst hilfreiche „Du bist mir egal" Selbstsuggestion gelang es ihr abermals, negative Gedanken zu stoppen, um bald in einen unruhigen Schlaf zu fallen.

Kopenhagen ist eine hübsche Stadt, mit breiten Boulevards und nicht sehr hohen Gebäuden.

Das Hotel war nur vier Stockwerke hoch, und obwohl sie im obersten wohnten, drangen alle Geräusche von der Straße herauf. Ungeniert laute Unterhaltung weckte Diana nachts mehrmals auf. Nun verstand sie, weshalb Ibrahim so unglücklich über den Standort des Hotels gewesen war: Prostituierte und Betrunkene hielten offensichtlich nichts von Nachtruhe. Trotzdem war sie am nächsten Morgen halbwegs ausgeruht und freute sich auf den Tag.

Ibrahim holte sie am Vormittag ab und übernahm das Steuer des Wagens, damit Tarek seiner Frau ungehindert die Sehenswürdigkeiten zeigen konnte.

Sie fuhren durch die entzückende, kleine Altstadt, dann bis zu den Königsschlössern auf dem Lande und wieder zurück. Teilweise führte die Straße am Ufer des Öre Sunds entlang, der bis an die nahe Küste Schwedens reichte. Graugrüne Wogen und weiße Schaumkronen, gepeitscht von kaltem Wind, ließen keinen Zweifel daran, dass dieser Meeresarm im nördlichen Teil der Erde lag. Auch die Sonne kämpfte vergebens gegen eine steife Brise an, die den Seglern offensichtlich Freude bereitete. Auf dem Sund herrschte reges Treiben: Große und kleinere Boote, voll beladene, modern konstruierte Autofähren und riesige, elegante Kreuzfahrtschiffe schienen in alle Richtungen zu manövrieren und boten ein buntes Bild. Schließlich kehrten sie mittags zurück ins Zentrum Kopenhagens und bald danach musste Ibrahim wieder zur Arbeit – er war Taxifahrer.

Tarek und Diana verbrachten den sonnigen Nachmittag in der autofreien Altstadt. Sie spazierten Hand in Hand, wobei er zwischendurch von einigen Passanten erkannt wurde und auch ein paar Worte mit ihnen, in fließendem Dänisch wechselte. Darüber reagierte er belustigt: Weißt du, ich habe lange hier gelebt, aber die meisten dieser Leute kennen mich nur aus Ägypten! Es ist unglaublich - heute sehen sie mich zum ersten Mal in Dänemark! Nun musste Diana ebenfalls lachen.

Sie war den ganzen Vormittag während der Besichtigungstour mit Ibrahim zurückhaltend gewesen. Aber Tareks augenblickliche Unbeschwertheit und die kühle Sonne des Nordens wirkten erfrischend auf ihr Gemüt. Sie schlenderten sehr verliebt und entspannt durch die Fußgängerzone. Das tiefe Verstehen und das Gefühl der Einheit zwischen ihnen gewann wieder die Oberhand und ließ Diana ihren nächtlichen Unmut vergessen.

Der Abend nahm einen ähnlichen Verlauf, wie am Vortag. Sie besuchten ein anderes, gemütliches Restaurant und Diana nahm höflich an der Unterhaltung teil, blieb aber Ibrahim gegenüber weiterhin reserviert. Es wurde sehr spät und kaum zurückgekehrt in das Hotel, empfand sie die Atmosphäre des Zimmers besonders schwül und stickig, da die Sonne trotz zugezogener Vorhänge den Raum aufgeheizt hatte.

Tarek schien von alledem unberührt zu sein und wieder umgab ihn eine unnahbare Aura, die für sie unbegreiflich war. Diana wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte, fühlte sich ungeliebt und spürte, wie seine negative Ausstrahlung sie blockierte. Sollte das seine orientalische Vorstellung von Partnerschaft sein, oder betrachtete er es als Selbstverständlichkeit, sie als Frau zu haben? War er beleidigt, weil sie sich gegen über dem Bruder unnahbar verhielt? Hatte dieser Kritik bezüglich Tareks Hochzeit mit Diana geäußert? Es war ihr nicht bewusst, dass die Situation auch ihre Kindheit widerspiegelte: Diana hatte als kleines Mädchen nie gelernt mit ihrem Vater zu kommunizieren, da sie sich vor dem fremden Kriegsheimkehrer fürchtete.

Nun prallten auch noch kulturelle Gegensätze aufeinander und ihre Sprachlosigkeit verstärkte die Wand zwischen ihnen. Sie dachte an die Tarot Karte der „5 Münzen, die bezüglich der gemeinsamen Reise eine Krise prophezeit hatte, wobei aber der kommende Härtetest zu bewältigen sei. Trotzdem befielen sie tiefe Zweifel, ob sie diese Probe bestehen würde. „Ich kann ja immer noch das „Handtuch werfen, dachte sie insgeheim, „meine Ehe ist nur in Ägypten anerkannt!" Dieser schwache Trost half ihr im Moment, den nötigen Abstand zu bekommen.

Die folgende Nacht war von gleicher Qualität wie die vorhergegangene. Abermals verhinderte Verkehrslärm und die laute Unterhaltung von Betrunkenen und Dirnen einen ungestörten Schlaf. Von „Honey Moon" und ungetrübten Freuden einer Hochzeitsreise war nichts zu bemerken. Diana akzeptierte diesen Umstand scheinbar, fand sich vorerst damit ab und überlegte sogar, alleine nach Hause zu fahren und alles zu vergessen.

„Das kann ich immer noch tun", dachte sie bei sich und fiel schließlich in einen traumlosen Schlummer.

Am Morgen des nächsten Tages vertrieben strahlend blauer Himmel und Sonnenschein - die sie offenbar aus Wien in das bisher verregnete Kopenhagen mitgebracht hatten - ihre trüben Gedanken. Sie besuchten Tareks dänische Geschäftspartner in ihrem Reisebüro in der Fußgängerzone. Dort wurden sie mit freundlichem „Hallo! begrüßt und beide Herren folgten gerne Tareks charmanter Einladung zu einem Mittagessen. Dann telefonierte er mit Ibrahim und auch er konnte es einrichten, zu kommen. Die Unterhaltung war lebhaft und witzig und Diana genoss die unbeschwerte Stimmung und den Charme der netten Dänen. Aber bald nach dem Essen mussten Tareks Freunde wieder zu ihrer Arbeit und nahmen Abschied. Anschließend fuhren sie mit Dianas Auto (Ibrahim übernahm das Steuer) zum Hafen - und vor der berühmten, kleinen Meerjungfrau und Hamlets düsterem Schloss, „schoss Ibrahim einige Fotos mit ihrer Kamera.

Das Paar posierte engumschlungen vor den berühmten Sehenswürdigkeiten Kopenhagens und für Diana war die Welt wieder voll Harmonie und Fröhlichkeit, kühler Brise und Schaumkronen auf den rauen Wellen der Ostsee – alles schien perfekt.

Tarek und Diana planten am nächsten Tag, im Morgengrauen, zurück nach Österreich zu fahren und trennten sich deshalb endgültig von Ibrahim. Dieser hatte offenbar seine Meinung über Diana geändert und war zuletzt etwas freundlicher zu ihr gewesen. Sein Abschied war beinahe herzlich und sie akzeptierte es, ohne unnötig darüber nachzudenken. Schließlich kehrten die Beiden am späten Nachmittag, nach einem Bummel durch die romantische Innenstadt ins Hotel zurück. Sie gaben an der Rezeption den Auftrag, sie um vier Uhr früh zu wecken, um die erste Autofähre nach Deutschland zu erreichen. Im Zimmer angelangt, streckte Tarek sich bequem auf dem breiten Bett, vor dem Fernsehapparat, aus und Diana dachte, dass er nur etwas ausruhen wollte.

Gehen wir später noch zum Abendessen aus? fragte sie, während sie ihren Koffer packte. Nein, antwortete er bestimmt, ich finde, dass wir pausieren sollten, da wir eine anstrengende Reise vor uns haben. Wenn du Hunger hast, könntest du etwas auf das Zimmer bringen lassen.

Plötzlich wirkte er wieder kühl und unnahbar und Diana unterdrückte ihre Enttäuschung (Später lernte sie, dass sie den Vorschlag wegen dem Ausgehen verkehrt formuliert hatte - Männer denken anders – man müsste es auf die Weise sagen: „Würdest du mit mir ausgehen?")

Sie spürte, wie Zorn in ihr hochstieg: Ich habe ohnehin keinen Hunger, sagte sie beherrscht, aber die Sonne steht noch hoch am Himmel, deshalb gehe ich jetzt spazieren! Innerlich kochte sie vor Wut über seine Gelassenheit. Sie musste hinaus in die frische Luft, auch um zu beweisen, dass er über sie nicht bestimmen konnte. Während bereits eine Sportsendung seine Aufmerksamkeit beanspruchte, bemerkte er ruhig: Ja, das ist eine gute Idee, pass auf, dass du dich nicht verläufst! Insgeheim war sie überrascht, dass er ihrer Flucht ohne weiteres zustimmte. Das sollte ihr gemeinsamer, letzter Abend hier sein? In den Fernseher starrend?

Die nordischen Nächte sind bekannter weise im Sommer sehr hell und Diana blieb so lange wie möglich weg, bis ihre Füße schmerzten. Letztendlich kehrte sie nach einigen Stunden, trotzdem noch viel zu früh, zurück. Immerhin blieb ja noch die Hoffnung auf einen romantischen, zärtlichen Abend.

Da bist du ja wieder! stellte er freundlich fest und widmete sich weiterhin einer Fußball Übertragung. Diana verschwand im Badezimmer, duschte ausgiebig und versuchte anschließend erfrischt, an seiner Seite der Sportsendung zu folgen. Bequem, wie zuvor, lag er auf seinem Bett und machte nicht den leisesten Eindruck an ihrer Person interessiert zu sein. Sie stand vor einem Rätsel, denn immerhin hatte sie bisher erfreuliche Erfahrungen im Hinblick ihrer Wirkung auf das andere Geschlecht gemacht. Das sollte der Mann sein, den sie im Vormonat in Ägypten heiratete und der voller Zärtlichkeit gewesen war?

Dianas innerlicher Frust wuchs und sie war unfähig ihre Lage von außen zu betrachten, um Abstand zu bekommen. Ihre Gedanken rotierten im Kreis. Was war es, das ihn so fremd machte? War es ihre unterschiedliche Herkunft? Er hatte doch so lange in Europa gelebt! Was machte sie falsch? Die unsichtbare Mauer zwischen ihnen wuchs.

Sie rollte sich unter ihrer Decke zusammen, rückte so weit wie möglich von ihm weg. Merkte er nicht, wie schlecht es ihr ging? Kümmerte es ihn überhaupt? Wurde er von seinem Bruder beeinflusst, dass sie nicht die richtige Frau für ihn sei? Alle diese Fragen und Zweifel kreisten in ihrem Kopf.

Früher wäre sie in dieser Situation sofort davongelaufen, aber alleine von Kopenhagen zurück nach Wien zu fahren erschien ihr zu gewagt.

Sie war derart blockiert, dass sie Schweißausbrüche bekam und in der irrigen Annahme, eine kalte Dusche würde ihr gut tun, bekam sie nachher einen Schüttelfrost. Natürlich rebellierte ihr Körper gegen diese schlechte Behandlung und in der Folge kroch sie mit klappernden Zähnen, zitternd unter ihre Bettdecke und rückte wieder an den äußeren Rand des Bettes. Den ersten Schritt zu tun war ihr unmöglich, ihr Unterbewusstsein hatte die Zurückweisung ihres Vaters gespeichert - aber das wurde ihr erst später bewusst. Diese negativen Gefühle hinderten sie am Einschlafen, bis die bewährte Technik: Du bist mir egal! einigermaßen half sie zu beruhigen. Trotzdem wurde diese Nacht ein Fiasko und durch den Weckruf des Hotels schreckte sie aus kurzem Schlaf hoch. Langsam richtete sie sich auf und versuchte einen klaren Kopf zu bekommen.

Von Tarek war nicht das leiseste Geräusch zu hören. Eine innere Stimme sagte zu ihr: Vergib ihm, vergib ihm! Auf diese Weise halfen Schutzengel! Sie bekreuzigte sich und sprach in Gedanken das Vaterunser, das stärkste, wirksamste Gebet, in dem alles Wichtige enthalten ist. Sie wiederholte es noch einige Male, bis sie innerlich ganz ruhig wurde und Guten Morgen sagen konnte. Sie fühlte sich gerädert und begann mechanisch Tee und ein paar Sandwiches für die Fahrt zuzubereiten, während Tarek zum Badezimmer ging und ebenfalls einen Guten Morgen wünschte. Diana musste wieder an die Tarot Karte denken, die diese Krise prophezeite, als sie Fragen zur Reise nach Dänemark gestellt hatte.

Im selben Moment vermutete sie, dass sie während dieser Nacht an ihrem eigenen Hindernis gescheitert war. Von dieser Warte aus gesehen war es richtig, dass er nichts unternahm, um ihr entgegen zu kommen. Im Augenblick dieser Erkenntnis, wandte Tarek sich in seiner besonnenen Art an sie: Weißt du, wenn der Berg nicht zu Mohammed kommt, muss Mohammed zum Berg kommen! Wenn ich kalt wirke, musst eben du den Anfang machen! Sie war zutiefst erstaunt. Also hatte er mitbekommen, was in ihr vorging! Er konnte offensichtlich Gedanken lesen und Diana war darüber sprachlos. Überraschenderweise war es ihre eigene Mauer, die sie zum Einsturz brachte. In manchen Augenblicken geschehen Dinge, die schwer zu erfassen sind und deren Sinn man erst viel später begreifen kann. Dieser Selbstschutz hatte Diana wahrscheinlich ein ganzes Leben gehindert, eine tiefe Partnerschaft zu leben. Nur die ganz große Liebe ist stark genug, ihn zum Verschwinden zu bringen, denn jeder Partner hält einen Spiegel vor und seine scheinbaren Probleme sind die eigenen. Gott sei Dank, hatte Diana darüber einiges gelesen und die Zusammenhänge begriffen.

Etwas benommen und kraftlos durch die gestörte Nachtruhe stellte sie den fertiggepackten Koffer an die Zimmertüre, trank eine Tasse Tee und kaute lustlos ein Stück Weißbrot. Draußen schimmerten die Dächer im Regen und graue Wolken verdunkelten die hellen, nordischen Nächte - passend zu ihrer Stimmung. Tarek nahm das gleiche, karge Frühstück zu sich während er seine Sachen packte. Beide sprachen leise das Nötigste, wohl auch, weil die anderen Hotelbewohner noch schliefen. Rasch war das Zimmer geräumt und sie trugen das Gepäck zu Dianas Auto. Die Rechnung war am Vorabend beglichen worden, um problemlos abreisen zu können. Nachdem sie alles im Wagen verstaut hatten, übernahm Tarek das Steuer und fuhr zielsicher durch die menschenleere Stadt.

Die anfängliche Schweigsamkeit wich schließlich einem friedlichen Einverständnis. Diana lehnte sich erschöpft in ihrem Sitz zurück und mit geschlossenen Augen empfand sie große Erleichterung über jeden Kilometer, der weg von dem unglückseligen Hotel mit dem negativen Umfeld führte und ließ ihren Gedanken freien Lauf....

Sie musste daran denken, wie wichtig es war, die eigenen Probleme zu lösen, bevor man in die nächste Inkarnation geboren wurde. In dieser Nacht war ihr Ego völlig in sich zusammengebrochen. Sie wusste nun, dass man bei sich beginnen musste, um all die verborgenen Dinge ans Licht zu holen – und zu entfernen. Jeder sollte sich selbst lieben und respektieren. Das passierte zwar nicht vor heute auf morgen, aber es ging um das Erkennen des Problems.

Wenn jeder ehrlich in seinem eigenen, besten Interesse handelte, würde es auch für andere das Beste sein. Dadurch wäre die Menschheit sogar im Stande, den Planeten Erde zu beschützen, denn jeder Einzelne würde die Verantwortung für seine Bewohner, die Lebewesen, Meere und Mineralien begreifen. Wenn nicht, fänden alle im nächsten Leben den selbstverursachten Mist – die gleichen Probleme - wieder vor... Deshalb waren viele Seelen jetzt, am Beginn eines neuen Jahrtausends, der „goldenen Wassermannzeit", zur Welt gekommen - eine einmalige Chance, die sie mit ihrem Karma gewählt hatten! Diese Gedanken gingen durch Dianas Kopf, während Tarek den Wagen durch die schwach erleuchtete dänische Hauptstadt lenkte. Gerne würde sie mit ihm darüber sprechen, – aber zu müde, um alles ins Englische zu übersetzen, zog sie es vor, die Fahrt schweigend zu genießen.

Es war nach wie vor stockdunkel, kalt und regnerisch, als sie Kopenhagen hinter sich ließen, um auf schnellstem Weg nach Deutschland zu gelangen.

Sobald sie die Autobahn erreichten, nahm er versöhnlich ihre Hand und sie spürte sogleich, wie alles Trennende zwischen ihnen einem tiefen Gefühl der Zusammengehörigkeit wich. Er hielt sie durchgehend fest. Die Straße führte durch die regenverhangene, dampfende Landschaft, die sich sanft hügelig, in der Dunkelheit verlor.

In südlicher Richtung war der Himmel schon deutlich heller und Dianas Depression blieb sichtlich mit den grauen Wolken, in dem düsteren Hotelumfeld zurück. Die Wärme seiner Hand strömte als belebende Energie durch die ihre und befähigte sie wieder zu sprechen: Tarek, obwohl diese Stadt wirklich hübsch anzusehen ist - machte sie mich schwermütig! Irgendetwas lag mir hier auf der Seele, warum das so ist, weiß ich nicht, vielleicht ist es das Klima oder die negative Schwingung des Hotels!

Möglich ist es, sagte er in Gedanken, deshalb lieben die Dänen sonnige Länder. Weißt du, dass Königin Margarete sehr gerne in Ägypten ist? Sie studierte Archäologie und war oft bei Ausgrabungen! Und scherzend fügt er hinzu: Vielleicht ist sie ein Verwandte aus unserem früheren Leben?

Wer weiß? Möglich wäre es!, freute sie sich über seine Bemerkung. Kaum erwähnte er das Wort Ägypten, versuchte sie ihre Phantasie dorthin zu lenken, was aber kein Ergebnis brachte: Stell dir vor, es gelingt mir nicht, uns in einem Haus am Roten Meer zu sehen! Was werde ich dort machen? Wie werden wir dort leben? Irgendwie habe ich Angst, dass es eine falsche Entscheidung ist, meine Wohnung aufzugeben. Ich habe bereits eine neue Mieterin gefunden, die nächstes Frühjahr einziehen und mir auch eine Ablöse zahlen wird!, sagte sie nervös und verunsichert.

Schau doch, wir haben uns freiwillig zu einem gemeinsamen Leben entschlossen, warum machst du dir jetzt schon Sorgen? beschwichtigte er sie, wenn es soweit ist, wird es dir gefallen! Du wirst dort viele Menschen aus aller Welt treffen, die dort leben und arbeiten!

Du hast recht, ich weiß nicht warum ich so denke, beruhigte sie sich sofort und ihre innersten Zweifel waren durch seine Worte wie weggeblasen. Die tiefhängenden Regenwolken und grauen Nebelschleier blieben zurück, je näher sie zur Fähre kamen. Tarek parkte das Auto im Bauch des Schiffes und dann kletterten sie steile, eiserne Stufen zum Restaurant und dem Zollfreideck empor.

Nach einem kleinen Imbiss im Bord Café kauften sie Fischspezialitäten für Wien ein. Was sagst du, mögen deine Freunde so etwas? Er deutete auf eingelegte Heringsspezialitäten in pikanter Currysauce, „es wäre etwas Ausgefallenes für das Gartenfest!"

Ja, ich denke schon! Bei uns kann man so etwas nur teuer kaufen, wenn überhaupt, stimmte Diana zu. Sie hatten nach ihrer Rückkehr einige Freunde zu einer Party eingeladen, um die weiteren Zukunftspläne und auch den Verkauf des Gartens bekannt zu geben.

2

Tarek suchte einige Dosen und Gläser in verschiedenen Geschmacksrichtungen aus und verstaute später alles im Kofferraum des Wagens. Insgesamt reichte die einstündige Fahrt, um alle Einkäufe zu erledigen.

Bei strahlendem Sonnenschein dockte die Fähre an Norddeutschlands Küste an und Diana löste Tarek am Steuer ab. Unwillkürlich beschleunigte sie ihre Fahrweise, um räumlichen Abstand von der grünen Insel zu bekommen und damit verblassten auch die quälenden Erinnerungen an die frustrierenden Nächte in Kopenhagen.

Tarek schlief tief und fest neben ihr. Zu seinem Halbbruder hatte er gesagt: Sie fährt so gut und vorausschauend, dass ich ihr voll vertraue. Wir könnten zusammen um die ganze Welt reisen. Würde ich das Auto lenken, schliefe sie - und umgekehrt könnte ich es genauso machen!

Diana war stolz, dass er so dachte. Diesbezüglich gab es überall genügend Vorurteile, was Frauen am Steuer betraf. Fast bei jedem Tank Stopp wechselten die Beiden den Sitz und kamen gut voran, denn wegen des Hochsommers gab es wenig Verkehr. Trotz des harmonischen Einvernehmens zwischen ihnen waren Dianas Gedanken unruhig auf die nahe Zukunft gerichtet: Tarek, ich muss überlegen, was ich meinen Vorgesetzten sagen werde! Sie wollen wissen, was ich plane, damit eventuell Vorkehrungen getroffen werden, mich am Arbeitsplatz zu ersetzen. Dazu ist ein halbes Jahr nötig. Ich habe versprochen, nach diesem Urlaub meine Entscheidung bekannt zu geben und frage dich deshalb, haben wir eine Alternative? Ist es besser zu warten, bis wir endlich zusammen leben können? Nach einer kleinen Pause antwortete er nachdenklich: Vermutlich halten wir noch länger aus. Aber wir sollten wirklich alles versuchen, um zu einem Ergebnis zu kommen.

Ich muss es tun! fuhr sie aufgeregt fort, im Vertrag mit meiner neuen Mieterin steht, dass die Wohnung, nächstes Jahr, Ende März zu räumen ist. Irgendwohin werde ich übersiedeln müssen, also habe ich gar keine andere Wahl, als mein Ausscheiden bekannt zu geben.

Du besitzt ein Haus in Luxor! sagte er lächelnd, dort können wir sofort zusammen leben! (Er hatte ein Dokument aus Ägypten – sozusagen als Morgengabe - mitgebracht, worin Diana als Eigentümerin seines Hauses auf Westbank aufschien).

Schön, dass du es erwähnst, freute sie sich über seinen Vorschlag, aber unseren Wünschen sind Grenzen gesetzt! Bis Ende Dezember werde ich mein Dienstverhältnis lösen und Ende März nächsten Jahres muss ich aus der Wohnung ausziehen, gab sie zu bedenken, „dann erst kann ich weitere Überlegungen anstellen!"

Du hast recht, stimmte er zu. Bis dahin werde ich eben so oft wie möglich nach Wien kommen, damit wir uns sehen. Wie viel Geld kannst du für den Garten bekommen? Ich werde in der Zwischenzeit alles für den Hausbau in die Wege leiten. Du erinnerst dich an das Haus am Roten Meer? Als dich der Makler mit deinen blonden Haaren sah, hat er gleich das Dreifache verlangt. Die glauben, die Europäer bekommen das Geld geschenkt!

Ja, ich erinnere mich, aber es hat mir ohnehin nicht gefallen. Außerdem brauchen wir noch Zeit, um zu genauen Vorstellungen zu kommen. Vielleicht wäre eine kleine Wohnung zu Beginn das Richtige?

Diese Idee stieß auf keine Gegenliebe, denn Tarek antwortete überzeugend: Weißt du, ich bin in meinem Leben so viel herumgezogen, dass es reicht! Wir sollten deshalb sofort damit beginnen einen Platz zu finden, wo wir endgültig bleiben können. Was hält du von einem Haus, welches später ein kleines Hotel sein kann?

Instinktiv lehnte sie diesen Gedanken ab: Das ist zwar keine schlechte Idee, aber es gibt so viele Hotels am Roten Meer und ich glaube nicht, dass es für uns notwendig sein wird, direkt am Arbeitsplatz zu leben. Stell dir vor, nie hat man Ruhe. Immerzu präsent sein, man hat keine Rückzugsmöglichkeit! Ich kann später mit einer kleinen Pension rechnen, die in Ägypten ausreicht, um gut leben zu können!

Dann brauche ich nur noch für mich zu arbeiten! scherzte er und fügte ernst hinzu: „Wie lange kann es dauern, bis der Verkauf des Gartens zustande kommt?"

Ich weiß es nicht, aber dieser Platz am Wasser ist eine Rarität und erfahrungsgemäß gibt es ganz wenige solche Gärten in Wien. Ich schätze, es wird Ende September oder Oktober klappen. Die Leute werden sich darum reißen! Übrigens, wir können dann gleich deinen nächsten Aufenthalt in Wien einplanen. Wie wäre es mit Ende September? Bis dahin gibt es vielleicht schon das Geld zum Mitnehmen!

Inschallah, das wäre zu schön! Ich habe einen Verwandten, durch den ich eine Sondergenehmigung bekommen kann, direkt am Meer ein Haus zu errichten. Nächstes Mal weiß ich schon, ob es der traumhafte Grund sein wird, den ich in El`Qursir gesehen habe! Selten sah Diana ihn so begeistert. Wo ist das? fragte sie. Es ist ungefähr hundert Kilometer südlich von Hurghada und der Bauplatz liegt paradiesisch!, schwärmte er.

Ich bin schon sehr neugierig! freute sie sich mit ihm, stell dir vor, ich habe noch keine Zeit gehabt zu erwähnen, dass uns eine Dame aus Salzburg in der Talkshow gesehen hat! (Diana hatte in einer beliebten Fernsehsendung von ihrer „außergewöhnlichen Liebesgeschichte berichtet")

Sie möchte uns gerne mit netten Leuten in Venedig zusammenbringen, die glauben, auch in der Zeit Tutankhamuns gelebt zu haben. Der Mann heißt Roberto, ist Alternativheiler und war damals Priester in der großen Pyramide. Er sagt, er hat immer denselben Traum aus dieser Zeit, es muss sich um ein Einweihungsritual handeln! Es wäre doch interessant, diese Menschen kennen zu lernen!"

Tarek reagierte misstrauisch: Wie hast du Kontakt zu dieser Dame bekommen?

Sie hat mir nach unserem Fernsehauftritt einen Brief mit ihrer Telefonnummer geschrieben und ich habe sie angerufen. So können wir den entzückendsten, romantischen Ort der Welt sehen! Das ist dann unsere zweite Hochzeitsreise! Warst du schon einmal in Venedig? Nun schwärmte Diana begeistert von der wunderschönen Lagunenstadt an der Adria.

Nein, so weit südlich war ich noch nie in Europa. Ich kenne große Teile von Deutschland, Frankreich, Polen und Belgien. Ich bin das früher alles mit dem Auto gefahren! gab er zur Antwort.

„Mein Mann, das unbekannte Wesen!, dachte sie und bemerkte, dass sie eigentlich sehr wenig von ihm wusste, aber die Gegenwart war ihr wichtiger: Dann interessiert dich diese Reise? Kann ich sie buchen?" Diana war in ihrem Element und sah ihn erwartungsvoll an.

Warum nicht, überlegte er, es scheint unser Schicksal zu sein, viel von der Welt zu sehen!

Da kenne ich einen weisen Spruch, sagte sie lächelnd: Mancher muss weit wandern, um zu sich selbst zu finden! Stimmt! sagte er nachdenklich, offenbar bin ich immer noch auf der Suche, denk nur, wie weit ich herumgekommen bin!

Und ich erst! fügte sie lachend hinzu und dachte dabei an ihre Traumreisen nach Australien, Kalifornien und Hawaii, in den vergangenen Jahren.

Durch ihre Gespräche, die abwechselnde Fahrweise und den ruhigen Verkehr, trafen sie früher als erwartet in München ein, aber Beate war nicht zu Hause. Später erfuhren sie zu ihrem Leidwesen, dass sie sich etwas hingelegt und so das Läuten nicht gehört hatte.

So sollte es nicht sein! lautete Doras Kommentar in ähnlichen Situationen, wenn etwas nicht klappte: „Du kannst eben nicht alles haben! Es ist mir ohnehin lieber, dass ihr wieder hier seid!" frohlockte sie, als die Beiden sofort nach ihrer Ankunft in Wien mit ihr telefonierten.

Tarek legte großen Wert darauf, sie glücklich zu machen: Weißt du, es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Mutter habe, denn meine ist viel zu früh gestorben, während ich in Dänemark lebte. Außerdem war ich erst zwei Jahre alt, als sie zurück zu ihrer Familie nach Kairo ging. Ich muss jedenfalls immer an Dora denken!, schwärmte er.

„Ja, meine Mutter ist außergewöhnlich – jeder ist von ihr begeistert!", bestätigte Diana und dachte dabei an Königin Nofretete, von deren Liebreiz die Menschen in Ägypten bis heute erzählten.

Strahlend schien die Sonne auch bei der Gartenparty und alle Sitzgelegenheiten und Liegestühle wurden aufgestellt. Nachbarn und Freunde kamen mit guter Laune und großen Erwartungen. Manche von den Eingeladenen lernten Tarek erst jetzt kennen. Doch nach Bekanntgabe ihrer Pläne, das Sommerhäuschen zu verkaufen und in Ägypten ein Haus zu bauen,

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