Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Krimi Sammelband 6008: Paten, Killer, Serientäter: 6 Extra Thriller in einem Band September 2019: Alfred Bekker Thriller Sammlung

Krimi Sammelband 6008: Paten, Killer, Serientäter: 6 Extra Thriller in einem Band September 2019: Alfred Bekker Thriller Sammlung

Vorschau lesen

Krimi Sammelband 6008: Paten, Killer, Serientäter: 6 Extra Thriller in einem Band September 2019: Alfred Bekker Thriller Sammlung

Länge:
1,079 Seiten
11 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 23, 2019
ISBN:
9781393268420
Format:
Buch

Beschreibung

Alfred Bekker, Cedric Balmore

Krimi Sammelband 6008: Paten, Killer, Serientäter: 6 Extra Thriller in einem Band September 2019


 

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Und immer anders, als man zuerst denkt.


 

Dieses Buch enthält folgende Krimis:


 

Cedric Balmore: Blutiger Terror

Cedric Balmore: California Express

Alfred Bekker: Der Killer und sein Zeuge

Alfred Bekker: Der Sauerland-Pate

Alfred Bekker: Kahlgeschoren

Alfred Bekker: Die Apartment-Killer

Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 23, 2019
ISBN:
9781393268420
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


Ähnlich wie Krimi Sammelband 6008

Titel in dieser Serie (24)

Mehr lesen von Alfred Bekker

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Verwandte Kategorien

Buchvorschau

Krimi Sammelband 6008 - Alfred Bekker

Alfred Bekker, Cedric Balmore

Krimi Sammelband 6008:  Paten, Killer, Serientäter: 6 Extra Thriller in einem Band September 2019

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre. Mal provinziell, mal urban. Mal lokal-deutsch, mal amerikanisch. Und immer anders, als man zuerst denkt.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Cedric Balmore: Blutiger Terror

Cedric Balmore: California Express

Alfred Bekker: Der Killer und sein Zeuge

Alfred Bekker: Der Sauerland-Pate

Alfred Bekker: Kahlgeschoren

Alfred Bekker: Die Apartment-Killer

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred

Zum Blog des 

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Blutiger Terror

Ein Fall für Mike Torringer

Krimi von Cedric Balmore

Der Umfang dieses Buchs entspricht 129 Taschenbuchseiten.

Charly Smile ist ein vielfacher Mörder. Doch seiner habhaft zu werden ist nicht einfach, denn er lebt in Kuba. Mike Torringer erhält den Auftrag, in die Identität eines toten Schweizers zu schlüpfen und ihn nach Amerika zu bringen. Leider ist der Mann, dessen Namen er benutzt, alles andere als tot, die Tarnung fliegt auf, und Mike steckt im dicksten Schlamassel, denn nicht nur Smile will ihn umbringen, auch die kubanischen Behörden verdächtigen ihn als Spion.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

https//twitter.com/BekkerAlfred

Zum Blog des Verlags geht es hier

https//cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

1

Hört auf, dachte er. Macht endlich Schluss damit! Das ist doch Wahnsinn, idiotische Übertreibung!

Aber es ging weiter, immer weiter. Am schlimmsten war das grelle, mitleidlose Licht der Scheinwerfer. Es biss ihm in die Augen, und er konnte ihm auch dann nicht entrinnen, wenn er die Lider schloss. Und dann die Hitze, die verdammte Hitze! Die Klamotten klebten ihm am Leibe.

Sein Mund war trocken, aber er beantwortete jede Frage. Nur der Ton seiner Stimme wurde zunehmend mürrischer und gereizter. Wie oft hatten sich einzelne Fragen schon wiederholt? Zehnmal, fünfzigmal?

„Wann ist Ihr Vater gestorben?", fragte die glatte, unpersönliche Stimme hinter der Quarzlampe.

„Februar 61", sagte Mike Torringer.

„Wie heißen Sie?"

„John Pierre Armand."

„Woher stammt das John?"

„Eine Idee meiner Mutter. Sie hatte einen anglophilen Spleen", sagte Mike.

„Lebt Ihre Mutter noch?"

„Ja."

„Wo?"

„In Genf."

„Hat sie wieder geheiratet?"

„Die denkt nicht mal im Traum daran, sagte Mike. „Ich habe seit fünf Jahren nichts mehr von ihr gehört.

„Wie können Sie dann behaupten, dass sie gegen eine neue Heirat ist?"

„Weil ich sie kenne. Weil ich weiß, wie versessen sie aufs Geld ist, erwiderte Mike. „Sie hat Angst, jemand könnte sie wegen der Piepen zum Altar schleppen. – Sind Sie endlich fertig?

Der Mann hinter der Quarzlampe seufzte. „Ja, sagte er. „Ich bin fertig. Er knipste die drei Lampen aus.

Obwohl das Deckenlicht weiter brannte, hatte Mike sekundenlang das Empfinden, in völliger Dunkelheit zu sitzen. Nur vor seinen Augen tanzten grellrote Scheiben. Allmählich nahmen die Gesichter hinter den Lampen Konturen und Farbe an.

Er sah, dass seine Gesprächspartner schwitzten.

Sie hatten sich abgelöst, ihre Fragen hatten pausenlos an seinem einstudierten Wissen gezerrt.

Major Redcliff wischte sich mit einem Taschentuch über die spiegelblanke Glatze. „Alle Achtung, MT 002, sagte er. „Sie haben Ihre Sache prima gemacht. Ich fürchte, ich fühle mich im Moment matschiger als Sie. Drei Stunden haben Sie den Film durchgestanden!

„Und dabei ist er nicht ein einziges Mal gerissen", stellte Colonel McCoy fest. Er lehnte groß und wuchtig neben der Tür, zwischen den Lippen die unvermeidliche Zigarette. Er war hemdsärmlig, aber auch er schwitzte.

Mike stand auf und streckte sich. „Zigarette, bitte, sagte er. „Und einen Kaffee!

Eine zarte, duftende Hand glitt über seine Schulter. Die Hand schob ihm die Zigarette in den Mund. Mike grinste. Er kannte den Duft, den die Hand ausströmte, und er kannte die feingliedrigen Finger, die wie unbeabsichtigt seine Wange streiften. Diese Finger konnten, wenn sie nur wollten, einen kräftigen Mann von den Füßen holen und nach einem unfreiwilligen Salto zu Boden gehen lassen.

„Danke, Yolanda, sagte Mike. „Warst du die ganze Zeit hier?

„Nein, erwiderte sie. „Wenn ich mich entschließe, eine Sauna aufzusuchen, möchte ich auch die Kleider ablegen können.

Redcliff steckte das Taschentuch ein. „Wir hätten Sie nicht davon abzuhalten versucht", blödelte er.

„Sehr witzig!", meinte Yolanda kühl. Sie ging zum Fenster und zog die Jalousien hoch. Dann stellte sie die Klimaanlage an. Der Apparat begann leise zu rauschen.

„Gehen wir in mein Office", schlug McCoy vor.

Wenige Minuten später saßen sie um McCoys Schreibtisch, außer ihm Major Redcliff und Mike Torringer. Yolanda kam herein und brachte Kaffee. Dann ging sie wieder.

Die Männer schwiegen einige Minuten. Jeder hing seinen Gedanken nach. Es sah fast

so aus, als gäbe es nichts zu besprechen, und als wären sie nur zusammengekommen, um sich mit einer Tasse Kaffee aufzumöbeln.

McCoy ließ die Zigarette in den anderen Mundwinkel wandern. „Fassen wir noch einmal zusammen, MT 002, sagte er dann zu Mike. „Sie fliegen morgen erst nach Zürich, und dann nach Kuba. Endstation Havanna. Sie reisen unter dem Namen des tödlich verunglückten Schweizer Importeurs John Pierre Armand. Ihre Aufgabe steht fest. Schnappen Sie Mr. Smile! Bringen Sie ihn zurück in die Vereinigten Staaten, egal wie! Er räusperte sich. „Wenn das nicht gehen sollte, erwarten wir die Nachricht von Smiles Ableben."

Mike nahm einen Schluck aus der Tasse. Das Zeug war viel zu stark und bitter. Yolanda hatte es zu gut gemeint. Sonst wusste sie stets Maß zu halten. Sie war nicht FBI-Lieutenant geworden, weil sie blond, schlank und schön war, sondern weil sie Punkt für Punkt die strengen Ansprüche des FBI erfüllte.

„Ich bringe ihn zurück, sagte Mike und stellte die Tasse ab. „Den Rest können die Gerichte erledigen.

„Sie kennen die Schwierigkeiten der Mission, meinte Oberst McCoy. „Smile leitet eine umfangreiche und sehr mächtige Organisation. Er genießt dabei den Schutz der Behörden. Sie, mein Lieber, sind jedoch darauf angewiesen, als Einzelgänger zu arbeiten – in feindlichem Territorium, unter einem angenommenen Namen. Well, wir haben das alles zur Genüge besprochen. Sie wissen, Mike, warum wir Sie für den Job ausgesucht haben. Wir glauben, dass Sie die Nerven und die Geschicklichkeit besitzen, Smile zu erledigen. Ab morgen werden Sie ganz auf sich gestellt sein. Sie können sich nicht auf das FBI und Ihren Rang berufen, Sie müssen ganz in Ihrer Rolle aufgehen und dürfen nichts anderes als John Pierre Armand sein, ein Schweizer Kaufmann, der sich in Kuba aufhält, um den Export anzukurbeln.

Mike nickte. Das alles war seit Wochen festgelegt und bis ins Detail erörtert worden. Er hatte es satt, noch länger darüber zu sprechen.

„Ich möchte wissen, wie die Dodgers spielen, meinte er. „Wetten, dass sie sich von den Yankees schlagen lassen?

McCoy räusperte sich zum zweiten Mal. „Ich glaube, die Baseball-Prognosen überlassen wir den unverbesserlichen Wettfanatikern, meinte er. „Für uns steht jetzt Wichtigeres auf dem Spiel. Es geht nicht nur um Smiles Leben, Mike. Wir alle wissen, dass auch Sie selbst in dieser Sache Kopf und Kragen riskieren.

„Ach, du lieber Himmel, seufzte Mike spöttisch. „Man könnte fast meinen, das täte ich zum ersten Mal.

„Sie können zum ersten Mal nicht mit unserer Unterstützung rechnen, Mike", sagte der Colonel ernst.

„Jetzt ist die Zeit des Handelns gekommen, erklärte Mike. „Endlich! Worte bringen uns keinen Schritt weiter. Nichts für ungut, Colonel, aber unser kleiner Kreis erinnert mich an eine Gruppe Generalstäbler, die eine Schlacht am Sandkasten zu gewinnen versuchen. Die Wirklichkeit ist kein Sandkasten. Immerhin kann man sagen, dass ich gut vorbereitet in das Treffen gehe. Den Rest müssen wir der Entwicklung überlassen. Es gibt in diesem Fall eine Menge Imponderabilien, unwägbare Dinge, die sich nicht am Schreibtisch vorausberechnen lassen. Die größte Schwierigkeit liegt in der Person des Mannes, den ich verkörpern soll.

„Gerade darin sehe ich die geringste Gefahr, mischte sich Major Redcliff ein. „John Pierre Armand ist noch immer im Schweizer Handelsregister eingetragen, die Firma existiert, sie steht im Telefonbuch. Er selbst ist tot, verunglückt bei einer Klettertour in den Bergen. Niemand weiß das, ausgenommen die Firmenmitglieder und eine kleine Gruppe von Bergdörflern, und natürlich seine Mutter. Uns ist bekannt, dass er in Südamerika Geschäfte gemacht hat, vor allem in Guatemala. Sie sehen ihm ein wenig ähnlich, Mike. Es war eine gute Idee von Ihnen, sich das Haar färben zu lassen.

Mike fuhr sich unwillkürlich mit der Hand über den Schädel. Er war nicht gerade eitel, aber er hatte sich vor einigen Wochen, als der Plan für das Unternehmen Smile gefasst worden war, nur mit Bedauern von seinem weißblonden Bürstenhaarschnitt getrennt. Aber natürlich war es besser so. Es kam darauf an, diesem John Pierre Armand in möglichst vielen Punkten zu gleichen. Allerdings war kaum anzunehmen, dass er in Kuba jemand treffen würde, der den in Genf beheimateten John Pierre Armand kannte.

„Wie gesagt, mit den Papieren, die wir Ihnen beschafft haben, gehen Sie ein relativ geringes Risiko ein, fuhr Major Redcliff fort. „Schweizer Bürger werden auch in Kuba mit Glacéhandschuhen angefasst. Ich hoffe, dass man Sie entweder gar nicht oder nur wenig bespitzeln wird. Ihre Schwierigkeiten sind anderer und viel ernsterer Natur, Mike. Sie müssen mit Smile in Kontakt kommen, und Sie müssen es schaffen, diesen Supergangster zur Strecke zu bringen ...

„Und so weiter und so weiter, sagte Mike und erhob sich. „Ich denke, das alles haben wir bis zum Erbrechen durchgekaut. Sind wir endlich fertig?

Der Blick des Colonels ging ins Leere. „Mr. Smile hat mindestens siebenundzwanzig Amerikaner auf dem Gewissen, neunzehn davon waren Familienväter! Die tatsächliche Zahl seiner Opfer ist wahrscheinlich viel höher. Smile ist nicht nur ein vielfacher Mörder, er ist auch ein Landesverräter, ein Mann, der unseren Interessen schwersten Schaden zufügt. Es wird Zeit, dass ihm jemand das Handwerk legt, hohe Zeit! McCoy blickte Mike an. „Ich baue auf Sie, MT 002. Unterschätzen Sie diese Aufgabe nicht! Smile weiß, dass wir seinen Skalp wollen. Er hat Feinde, aber er hat auch die Mittel, sich seiner Feinde zu entledigen!

2

Mike landete am nächsten Nachmittag mit einer Maschine der Swissair in Zürich.

Er passierte die Pass und Zollkontrollen mit seinen amerikanischen Papieren. Niemandem fiel es auf, dass die im Pass angegebene Haarfarbe nicht mit der übereinstimmte, die sich unter Mikes Hut verbarg.

Er fuhr mit dem Taxi in die Stadt. Eine Stunde später betrat er das Hotel Pellierc, das am Ende der Zürcher Bahnhofstraße liegt. Das Hotel gehört zur zweiten Kategorie, es ist weder groß noch sonderlich exklusiv. Mike hatte ein ungutes Gefühl im Magen, als er unter dem Namen Armand ein Zimmer mit Bad bestellte. Es war immerhin möglich, dass man hier in Zürich den Genfer Kaufmann kannte.

Aber der Portier erkundigte sich nur höflich: „Wäre Ihnen ein Zimmer mit Fenster zum Hof recht? Der Ausblick ist zwar beschränkt, aber dafür haben Sie den Vorteil, nachts ruhig schlafen zu können. Leider geht unsere zentrale Lage auf Kosten der Ruhe ..."

„Ich nehme das Zimmer", entschied Mike.

Ein Boy brachte ihm das Gepäck nach oben.

Mike zerriss seinen amerikanischen Pass und das Flugticket. Er verbrannte die Papierfetzen in einem Ascher. Die Asche schüttete er ins Klo; ein Zug am Wasserkasten genügte, damit hatte er aufgehört, der amerikanische Staatsbürger Mike Torringer zu sein. Seine Marke MT 002 führte er diesmal ohnedies nicht bei sich.

Er nahm ein Bad und zog sich dann um. Er tätigte einige Einkäufe, um seine Ausrüstung zu vervollständigen; denn zum Beispiel war es unmöglich gewesen, in New York Unterwäsche mit dem Firmenetikett schweizerischer Unternehmen zu bekommen.

Schließlich buchte er im Reisebüro einen Flug der russischen Aeroflot nach Havanna. Es kostete zwar nicht mehr, mit einem Flugzeug der Swissair zu fliegen, aber Mike befürchtete, dass man bei der Swissair John Pierre Armand kannte.

Er kehrte ins Hotel zurück und packte seine Einkäufe aus. Inzwischen hatte er Hunger bekommen. Er freute sich auf ein gutes, solides Abendessen.

Das Telefon klingelte. Mike ging zu dem Apparat, der neben dem Bett stand. Er nahm den Hörer ab. „Ja?"

„Monsieur Armand? Sie haben Besuch, meldete sich der Portier. „Eine junge Dame. Ist es Ihnen recht, wenn ich sie hinaufschicke?

Mike brauchte einige Sekunden um sich eine Antwort einfallen zu lassen. Da hatte er den Salat! Jemand wünschte John Pierre Armand zu sprechen!

„Ja, natürlich, murmelte er. „Wer ist es denn?

Tuscheln. Dann das Räuspern des Portiers. „Pardon, Monsieur, aber die junge Dame scheint es sich in den Kopf gesetzt zu haben, Ihnen eine Überraschung zu bereiten."

Mike legte auf. Eine Überraschung! Die war ihr schon jetzt hundertprozentig geglückt!

Verdammt, war dieses Zürich ein Dorf? Wie erklärte es sich, dass diese junge Dame von der Ankunft eines gewissen John Pierre Armand im Hotel Pellierc Wind bekommen hatte?

Immerhin hatte er dem Portier nur den Namen Armand angegeben. Keinen Vornamen. Armands gab es im französischen Teil der Schweiz in Mengen. Zur Not konnte er sich herausreden.

Mike warf einen kurzen Blick in den Badezimmerspiegel. McCoy und Redcliff hatten leicht reden, wenn sie ihm geraten hatten, die weitere Entwicklung abzuwarten, aber es war bedeutend schwieriger, im Zuge dieser Entwicklung das richtige zu tun.

Es klopfte. Mike gab sich einen Ruck. Das Unternehmen Smile ging los!

3

Okay, es war Sommer . Die Mädchen trugen naturgemäß dünne, leichte Kleider, um sich den hohen Temperaturen anzupassen, aber Mike konnte sich nicht erinnern, in Zürich oder anderswo jemals eine junge Dame gesehen zu haben, die ihre Reize so geschickt – und offenherzig zur Schau stellte, wie es die Besucherin tat.

Sie war ein Knüller.

Als sie das Zimmer betrat, stand er genau in der Mitte des Raumes, hoch aufgerichtet, eine Hand in der Hosentasche, in den Mundwinkeln ein dünnes Lächeln, ganz in der Haltung eines Mannes, der auf ein frohes und zugleich unerwartetes Wiedersehen eingestellt ist.

Das Mädchen kam auf ihn zu, schnell, spontan, geradezu stürmisch. Noch ehe er dazu kam, ihre Schönheit im Detail zu betrachten, hatte sie sich bereits an seine Brust geworfen. Sie schlang die Arme um seinen Hals und presste sich gegen ihn. Sekundenlang starrte er in die grünlich schimmernden Schächte ihrer großen, lang bewimperten Augen. Ihre geöffneten Lippen kamen seinem Mund entgegen. Er küsste sie, beinahe unter Zwang. Es war ein höchst angenehmes Gefühl. Er spürte den Duft, der dem platinblonden Haar des Mädchens entströmte, und seine Körpermuskeln nahmen jede Linie des jungen, biegsamen Körpers wahr. Ihrem stürmischen und zugleich fordernden Drängen konnte er erst nach Sekunden des Nachgebens, seinen Willen entgegensetzen.

Behutsam löste er sich aus den weichen Armen. Er hielt die Besucherin auf Distanz. Ja, sie trug in der Tat ein aufregendes Kleid. Der grüne Chiffon verriet auf diskrete Weise, wie vorzüglich die Figur beschaffen war, die das Kleid umschmeichelte, und ein Ausschnitt von kühner Offenherzigkeit tat ein Übriges, Mikes Blicke voll zu beschäftigen.

„Pierre!, hauchte sie. „Ich bin ja so froh.

Es ist alles Theater, dachte er. Wahrscheinlich eine Hotelhyäne, die eine sorgfältig eingeübte Rolle spielt, um ihr Opfer ausnehmen zu können.

Wenn sie John Pierre Armand wirklich kennt, muss sie längst begriffen haben, dass ich ein anderer bin, folgerte er weiter. Wir sind uns ähnlich, aber die Ähnlichkeit geht nicht soweit, dass man uns miteinander verwechseln kann.

Er lachte hölzern. „Pardon, sagte er, „aber ich weiß im Moment wirklich nicht ...

Das Mädchen entzog sich ihm. „Aber Pierre!, sagte sie. „Erinnerst du dich nicht?

„Nein", sagte er.

Die Züge des Mädchens verwandelten sich, sie wurden hart und spröde. Plötzlich wirkte sie um Jahre gealtert. „Das ist schäbig, Pierre, einfach gemein!"

Mike verfluchte sein Pech. Diese Komödie hatte ihm gerade noch gefehlt! Was wollte die Kleine? Was versprach sie sich von diesem Auftritt?

„Darf ich Ihren Namen erfahren?", fragte er.

Sie starrte ihn an, als hätte sie plötzlich entdeckt, dass er ein Marsmensch sei. „Pierre! Treib es nicht zu weit!"

Er hob bedauernd die Arme und ließ sie wieder fallen. „Ich heiße Armand, sagte er. „Pierre Armand. Offensichtlich bin ich das Opfer einer Verwechslung geworden.

„Ich möchte, dass du endlich zur Vernunft kommst!", sagte das Mädchen ärgerlich.

„Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie die Aufforderung selbst beherzigten", meinte er.

Das Mädchen ging zum Telefon. Sie nahm den Hörer ab. „Verbinden Sie mich mit dem Etagenkellner."

Einige Sekunden verstrichen, dann fuhr sie fort: „Zimmer 21. Bitte bringen Sie uns eine Flasche Old Dimples, Eis und Soda."

Sie legte auf und wandte sich Mike lächelnd zu. „Es wird wie damals sein, sagte sie mit dunkler, belegter Stimme, „wie damals, als du Jean tötetest!

4

Mike merkte, wie sich ein merkwürdiges, fremdes Kribbeln auf seiner Kopfhaut ausbreitete. Er war sicher, dass es nicht von Insekten herrührte.

Hatte er es mit einer Verrückten zu tun?

Oder wollte man ihn für einen Mord verantwortlich machen, den ein anderer verübt hatte – der Mann, in dessen Rolle er geschlüpft war?

Das Mädchen kam auf ihn zu. Dicht vor ihm blieb es stehen. „Ich habe dich so vermisst, Pierre! Wie geht es deiner Mutter? Bist du noch immer mit ihr zerstritten?"

Er starrte dem Mädchen in die Augen. Ja, es war schön, daran gab es keinen Zweifel. Die Augen waren groß, klar und leuchtend; es war unmöglich, in ihnen einen Ausdruck des Spotts oder des Hohns zu entdecken. Der Mund war voll und weich, ein lockender Mund, an dessen Berührung er sich gern erinnerte. Aber darum ging es jetzt nicht. Er merkte, dass ihn das Abenteuer eingeholt hatte, noch ehe es ihm gelungen war, seinen Fuß auf kubanischen Boden zu setzen.

„Ich kenne Sie nicht!, sagte er mit ruhiger, fester Stimme. „Und Sie wissen das verdammt genau!

Das Mädchen lachte. Sie hatte weiße, ebenmäßige Zähne, deren Schärfe etwas raubtierhaft anmutete. „Aber Pierre! Vergessen wir den alten Streit, versuchen wir, alte, schöne Zeiten heraufzubeschwören!"

„Kommen Sie zur Sache, sagte er kühl „Ich bin ein Mann, der die Klarheit liebt.

Das Mädchen wandte sich ab. Es setzte sich an den Tisch. Mike nahm die Unterwäsche herunter, die darauf lag, und warf sie aufs Bett.

Das Mädchen beobachtete ihn lächelnd. „Du bist ärgerlich, Pierre. Hast du wirklich erwartet, der Vergangenheit entrinnen zu können?"

Er setzte sich dem Mädchen gegenüber. Es war besser so. Er wollte es beim Sprechen im Auge behalten. Er musste den kleinsten Reflex, die leiseste Reaktion, den geringsten Unterton registrieren können, um den Ursachen dieses mysteriösen Besuchs möglichst schnell auf den Grund zu kommen.

Er war sich dabei durchaus bewusst, welche Schwierigkeiten für ihn entstehen konnten.

Sein Pass war gefälscht. Es war eine ausgezeichnete Fälschung, aber unter der Quarzlampe konnte sie keiner eingehenden Prüfung standhalten, zumindest nicht hier in der Schweiz. In Kuba war diese Gefahr nicht gegeben.

Aber noch war er nicht in Havanna, noch war er in Zürich – zusammen mit einem Mädchen, das ihn für den Mörder eines gewissen Jean zu halten schien. Oder war das nur ein billiger Trick, um Geld aus ihm herauszupressen?

Es klopfte. „Herein!", rief Mike. Der Etagenkellner brachte den Whisky, die Gläser und das übrige.

Mike steckte sich eine Simon Arzt an. Er rauchte normalerweise Chesterfields, aber da er gehört hatte, dass Armand ein Simon Arzt-Raucher gewesen war, hatte er sich auf diese Marke umgestellt, zumindest für die Dauer dieser Mission.

„Ich erledige das schon", sagte Mike, als der Etagenkellner an dem Flaschenverschluss herumzufummeln begann.

Der Ober verbeugte sich und ging hinaus. „Erinnerst du dich nicht?, fragte das Mädchen und stützte das Kinn in die Hand. „Wir tranken damals auf Jeans Tod. Es war der perfekte Mord.

„Es gibt keinen perfekten Mord."

„Man hat die Leiche nie gefunden, Pierre."

„Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen."

„Plagt dich das Gewissen, Pierre? Das wundert mich. Ich habe deine Skrupellosigkeit stets bewundert."

„Hören Sie jetzt auf damit!"

„Bitte, sagte sie schulterzuckend. „Vielleicht ist es wirklich nicht ratsam, darüber zu sprechen. Im Zeitalter der Spionage haben Hotelzimmerwände Ohren – besonders bei uns in der Schweiz. Man soll die Toten ruhen lassen.

„Wer hat Sie hergeschickt?"

„Oh, du willst wissen, woher ich weiß, dass du hier abgestiegen bist? Das war leicht zu erfahren. Es genügt, wenn man die nötigen Beziehungen zu den Hotelboys unterhält. Komm, gib mir einen Whisky! Wir müssen auf das Wiedersehen trinken." Schweigend füllte er die Gläser. Es hatte keinen Sinn, den Empörten zu heucheln. Er musste herausbekommen, was es mit diesem Mädchen für eine Bewandtnis hatte.

„Ich bin unter dem Namen Armand abgestiegen. Es stimmt, dass ich Pierre Armand heiße. Es stimmt aber auch, dass es davon allein in Genf zwei Dutzend gibt."

„Es gibt nur einen John Pierre Armand, mein Lieber", sagte das Mädchen mit sanfter Stimme.

„Wer sagt Ihnen, dass ich John heiße?"

Das Mädchen lächelte, und diesmal war es doch ein sehr spöttisches Lächeln. „Gib es doch auf, Liebling. Ich habe dich durchschaut. Wenn du mich los sein willst, können wir uns natürlich darüber unterhalten – obwohl ich das bedauern würde. Du bist der einzige Mann, den ich wirklich bewundere und der mir etwas bedeutet..."

„Wollen Sie, dass ich die Polizei rufe?", fragte er kühl und schob ihr ein Glas über den Tisch zu.

Das Mädchen lachte. „Du bist ein Witzbold! – Cheerio, mein Engel! Sie trank, setzte das Glas ab und sagte: „Der Engel mit den blutigen Händen!

Mike nahm einen tüchtigen Schluck. Er hatte ihn bitter nötig. Die Sandkastenspiele waren vorbei. Die bittere Wirklichkeit hatte begonnen. Sollte er schon am ersten Widerstand scheitern? Er dachte an Smile, an den Mörder, der in Kuba saß und die Zahl seiner Opfer ständig vergrößerte.

Nichts darf sich zwischen mich und die Aufgabe stellen, dachte Mike und biss die Zähne aufeinander. Schon gar nicht dieses junge, hübsche Ding, das sich einbildet, mit mir Ball spielen zu können!

Er nahm einen weiteren Schluck und lehnte sich entspannt zurück. „Wir sind uns nie im Leben begegnet, und Sie wissen es!, sagte er nachdrücklich. „Machen Sie endlich Schluss mit der Komödie!

„Wer von uns beiden spielt denn eine Komödie?", fragte sie lauernd.

Er schaute sie an und fand, dass das Grün ihrer Augen klarer, kristallener und kälter geworden war.

Es klopfte. Dann wurde die Tür aufgerissen. Ein Mann trat ein und drückte die Tür hinter sich ins Schloss. Mike stand auf.

Der Mann war groß und muskulös. Er trug eine Sportkombination, ein auf Taille gearbeitetes Jackett mit Oxford-Karos. Die Sachen waren nicht mehr neu, aber man sah, dass sie von einem guten Schneider stammten.

Der Mann war ungefähr dreißig Jahre alt. Er hatte ein rundes Gesicht mit der platt geschlagenen Nase des Boxprofis. Seine Augen waren dunkelbraun, sie standen ziemlich weit auseinander und hatten einen tückisch-verschlagenen Ausdruck. Sein spöttisches Grinsen konnte die grobschlächtigen Züge kaum mildern.

„Hallo, sagte er. „Schon alles geritzt?

„Du störst, Kay", meinte das Mädchen.

„Das kann ich nicht finden, sagte der Schläger und verschränkte die Arme vor der Brust. „Der Bursche ist nicht viel älter als ich und sieht gut aus. Ich weiß, dass du auf solche Männer fliegst. Hau ab, Mädchen – den Rest erledige ich.

„Du weißt, dass ich diese Masche hasse,  meinte das Mädchen. „Ich lasse mich nicht herumkommandieren! Warum hast du mich nicht gewähren lassen? Ich wäre mit ihm schon klar gekommen!

„Sicher, aber auf andere Weise, als ich’s schätze, sagte der Mann. „Verschwinde, ehe ich anfange, die Geduld zu verlieren.

„Mich fragt wohl keiner?", mischte sich Mike ein.

Der Mann grinste. „Sie sind gleich dran, M’sieur."

Das Mädchen ging hinaus.

Der Schläger trat an den Tisch. Er hob die Whiskyflasche und musterte sie. „Old Dimples, meinte er verächtlich. „Viel Aufmachung und wenig Qualität.

„Wer sind Sie, und was wollen Sie?", fragte Mike.

Der Schläger stellte die Flasche ab. „Hunderttausend Schweizer Franken, erwiderte er. „Wann kann ich sie haben?

5

Mike schob die Hände in die Hosentaschen. „Morgen Abend", sagte er.

Der Schläger grinste. „Na, bitte! Es ist doch überraschend, wie schnell man unter Männern ins Geschäft kommt "

„Moment, mein Freund. Ich habe kein Geld zu verschenken. Was bieten Sie mir dafür?"

„Sicherheit, Kumpel."

„Sicherheit?"

„Sie haben sich John Pierres Papiere beschafft. Ich weiß nicht, wie Ihr richtiger Name lautet, ich weiß nur, dass Sie als John Pierre Armand auftreten – unter einem falschen Namen also. Wenn Sie wollen, dass das nicht bekannt wird, müssen Sie zahlen. Meine Forderung beläuft sich auf hunderttausend Schweizer Franken. Wann kann ich die Piepen kassieren?"

„Morgen Abend, ich sagte es bereits, meinte Mike. „Aber ich sagte weder wann, noch sagte ich, dass Sie das Geld von mir bekommen.

„He, Moment mal, Freundchen, so können Sie mit mir nicht umspringen! Sie haben Dreck am Stecken, sonst würden Sie nicht mit Johns Papieren herumreisen. Ihnen kann nicht daran liegen, dass wir Sie auffliegen lassen. Okay, wir sind gar nicht daran interessiert, einen Skandal heraufzubeschwören. Wir wollen nur Ihr Geld ..."

„Wer war das Mädchen?", unterbrach Mike.

Der Mann grinste. „Eine alte Flamme von John. Sie hat ein bisschen mit Ihnen gespielt. Das machte ihr Spaß, wissen Sie."

„Es war wirklich ein Hauptvergnügen, erklärte Mike. „Wer ist dieser Jean, von dem sie gesprochen hat?

„Ich habe keine Ahnung. Vielleicht hat sie das alles erfunden, um die Begegnung besonders spannend zu machen. Das ist so ihre Art. Vergessen Sie die Kleine. Wann können Sie zahlen?"

„Ich gehöre zu den altmodisch denkenden Leuten, die sich nicht erpressen lassen", sagte Mike.

„Dann wird’s Zeit, dass Sie umdenken."

„Wie stellen Sie sich das vor?"

„Ganz einfach, sagte der Mann. Er zog das Jackett aus und warf es achtlos über einen Stuhl. Unter seinem weißen Oberhemd zeichneten sich deutlich die kräftig entwickelten Muskelpakete ab. „Ein Mann, der unter falschem Namen reist, besitzt im Allgemeinen kein Bankkonto. Er trägt sein Geld bei sich – fast immer im doppelten Boden seiner Koffer. Stimmt’s?

Es stimmte. Mike schwieg.

Der Mann öffnete die Manschetten und krempelte sich die Ärmel hoch. „Ein Mann, der unter falschem Namen auftritt, leidet unter einem großen Handicap, fuhr er fort. „Er ist nicht in der Lage, die Polizei zu rufen.

Mike nahm die Hände aus den Hosentaschen. Er wusste genau, was kommen würde.

„Fassen wir es zusammen, sagte der Mann grinsend. „Sie sind ein Betrüger – wenn nicht etwas noch Schlimmeres. Sie haben eine Menge Geld bei sich, sind aber nicht bereit, es mir zu geben. Also hole ich es mir. Mit Gewalt. Gewalt ist meine Spezialität. Sehen Sie diese Muskeln? Ich kann Ihnen nur raten, sie zu respektieren. Ich habe mal einen Menschen totgeschlagen, im Ring. Damals gab es ein großes Geschrei, aber niemand konnte mir was am Zeug flicken. Ich konnte doch nichts dafür, dass mein Punch stärker war als das Stehvermögen meines Gegners. Ich sage Ihnen das nur, weil ich Ihnen eine letzte Chance geben möchte.

„Welche Chance?"

„Geben Sie mir das Geld. Jetzt, sofort. Dann lassen wir Sie zufrieden."

„Sie verpflichten mich zu Dank, meinte Mike. „Ich konnte nicht ahnen, dass der Abend so amüsant werden würde.

Der Mann blinzelte. Es war zu sehen, dass er seine gute Laune verlor. „Okay, meinte er. „Ganz wie Sie wollen. Machen Sie Ihr Testament!

Er ging auf Mike los.

Haltung und Beinarbeit machten sofort deutlich, dass er ein routinierter Profi war. Er schoss zwei Haken ab, einmal links und einmal rechts, kurz hintereinander, sehr scharf und im Ansatz kaum erkennbar. Mike konnte gerade noch rechtzeitig die Deckung hochnehmen und abtauchen.

Mike konterte. Er war genau in der richtigen Stimmung für diesen Fight.

Sein Gegner wich leichtfüßig tänzelnd zurück, der Schlag ging ins Leere. Im nächsten Moment griff er an. Mike stoppte ihn mit einer gerade herausgestochenen Linken. Der Boxer blinzelte überrascht mit den Augen. Er hatte eine hübsche, kleine Schau abziehen wollen und sah sich unverhofft einem Mann gegenüber, der sich im Gebrauch der Fäuste auskannte.

Mike begriff rasch, dass es schwer sein würde, die Kopfdeckung des Gegners zu durchbrechen. Er lieferte eine harte Schlagserie, die dem Körper des Boxers galt und systematisch an dessen Luftreserven zehrte. Mike musste dabei einiges einstecken, aber er war ein guter Nehmer. Seine Treffer trugen wesentlich dazu bei, seine ohnehin ausgezeichnete Kampflaune zu verbessern.

Binnen zwei Minuten hatte Mike den Gegner in die Verteidigung getrieben, und er war es, der das Kampfgeschehen diktierte. Ein Stuhl fiel um. Mike marschierte weiter vorwärts. Er schaffte es zweimal hintereinander, harte Kopftreffer zu landen. Mit Befriedigung notierte er die Zeichen der Schwäche, die sein Gegner schon zeigte. Offenbar war der Boxer augenblicklich nicht im Training, sondern zehrte von dem Ruhm und den Erfahrungen längst vergangener Kämpfe. Damit lässt sich natürlich kein Fight gewinnen.

Der Schläger musste das feststellen, als Mikes Rechte knallhart auf seinem Kinn landete, genau auf dem Punkt. Der Boxer fiel über den Stuhl, auf dem sein Jackett lag. Mitsamt dem Sitzmöbel ging er zu Boden.

Er traf keine Anstalten, wieder auf die Beine zu kommen.

Mike bückte sich und nahm die Brieftasche des Mannes aus dem Jackett. Er öffnete sie und zog den Ausweis hervor. Er lautete auf den Namen Kay Beringer. Beringers Alter war mit einunddreißig Jahren angegeben, als Beruf stand Schausteller darin. Außer einem ungültigen Kinobillett, drei Briefmarken und hundertsechzig Schweizer Franken befand sich nichts in der Tasche. Mike merkte sich den Namen und verstaute die Brieftasche wieder in dem Jackett.

Beringer kam langsam zu sich. Zumindest stöhnte er leise und veränderte seine Stellung.

Mike nahm einen Schluck aus dem Glas und brachte seine Kleidung in Ordnung. Er war keineswegs zufrieden. Die Situation war noch immer gefährlich. Wie sollte es jetzt weitergehen?

Insgeheim verfluchte Mike den sonst so tüchtigen Major Redcliff. Warum hatte er nur ausgerechnet den Namen des John Pierre Armand als Tarnung gewählt?

Beringer wälzte sich auf den Rücken. Er starrte Mike ins Gesicht und fing an, sich zu erinnern. Er befingerte sein Kinn und stemmte sich dann in die Höhe. Leicht taumelig ging er zum Bett. Dort setzte er sich abrupt hin.

„Mann, wo haben Sie bloß das Boxen gelernt?"

„Du lieber Himmel, das war nicht der Rede wert, meinte Mike bescheiden. „Geht es Ihnen besser?

„Mir geht’s lausig!", erklärte Beringer knurrend. Er stand auf und ging ins Bad. Mike hörte, wie Beringer den Wasserhahn aufdrehte.

Als Beringer zurück kam, wirkte er wesentlich frischer. „Sie haben mir eine Lektion erteilt, meinte er spöttisch, „aber unser kleines Problem ist damit nicht aus der Welt geschafft.

„Die Hunderttausend, meinen Sie?"

„Ja, nickte Beringer. „Ich brauche das Geld bis morgen Mittag.

„Und was ist, wenn ich die Zahlung verweigere?"

„Dann sorge ich dafür, dass die Polizei sich für Sie interessiert."

„Hm", machte Mike.

„Entscheiden Sie sich!"

„Wann ist die letzte Frist?"

„Für die Zahlung? Morgen Mittag. Ein Uhr mittags werde ich hier sein!"

„Okay, sagte Mike. Er fügte ganz ehrlich hinzu: „Darauf freue ich mich schon jetzt.

„Ich muss Sie warnen, meinte Beringer drohend und bückte sich nach seinem Jackett. Er schlüpfte hinein, ohne die Ärmel herunter zu krempeln. Er zog den verrutschten Schlipsknoten straff und sagte: „Wir behalten das Hotel im Auge. Sie haben keine Chance, uns durch die Lappen zu gehen!

„Ich danke Ihnen für die Information!", sagte Mike.

6

Nach dem Abendessen ging Mike aus.

Er betrachtete in Muße die eleganten Geschäftsauslagen und versuchte zu entdecken, ob er beobachtet wurde. Es war zu viel Betrieb auf der Straße, um das schnell und sicher festzustellen. Er bummelte durch die Anlagen am Seeufer und blieb gelegentlich stehen, um sich umzuschauen. Niemand folgte ihm. Er ging zurück ins nahe Stadtzentrum.

Beringer machte ihm weniger Sorgen als die wichtige Frage, ob es ratsam war, die Komödie unter dem Namen John Pierre Armand fortzusetzen. Schon zu Beginn des Abenteuers hatte sich herausgestellt, dass die Wahl des Namens falsch gewesen war. Empfahl es sich unter diesen Umständen, zurück nach New York zu fliegen, um das Spiel mit neuen Papieren zu beginnen?

Nein, dazu verspürte er keine Lust. Die Büffelei, das Schnüffeln in der Vergangenheit Kranker oder Verstorbener, die langwierige Umstellung – all das würde sich zwangsläufig wiederholen und seine Geduld strapazieren. Er musste weitermachen, er musste John Pierre Armand bleiben. Das war schon deshalb wichtig, weil vermieden werden musste, dass die Liste von Mr. Smiles Opfern inzwischen noch umfangreicher wurde.

Er ging zurück ins Hotel.

Als er das Zimmer betrat, blieb er überrascht stehen. Am Tisch saß das Mädchen.

Sie hatte ein Glas mit Whisky vor sich stehen und lächelte ihm entgegen. Diesmal trug sie ein Stadtkostüm, eine anthrazitfarbene Angelegenheit mit rotem Pulli, die beiden Farben in eindrucksvollem Kontrast zum Platinblond ihres Haares.

Mike zog die Tür hinter sich ins Schloss. „Guten Abend, sagte er höflich. „Haben Sie sich nicht im Zimmer geirrt?

„Keineswegs, erwiderte sie. „Ich habe vergessen, Zigaretten mitzubringen. Können Sie mir aus der Verlegenheit helfen?

„Gewiss", sagte er und legte die Schachtel Simon Arzt auf den Tisch.

Das Mädchen klaubte sich mit spitzen Fingern eine Zigarette aus der Schachtel. Mike bemerkte, dass sie sehr schöne Hände hatte. Wenn der Solitär, den sie trug, echt war, musste er gut zweitausend Dollar wert sein. Mike gab ihr Feuer.

„Danke", sagte sie.

Er setzte sich. „Es ist direkt wohltuend, Sie einmal weniger hektisch zu erleben, meinte er und griff nach seinem Glas und der Whiskyflasche. Er füllte das Glas zu einem Drittel und stellte die Flasche auf das Tablett zurück. „Darf ich erfahren, welchem Umstand ich das Vergnügen Ihres Besuches zuzuschreiben habe?

„Ich wollte Sie wiedersehen."

„Ist das alles?"

„Nicht ganz."

„Das dachte ich mir. Wie Sie sehen, ist es nicht schwierig, mit mir in Kontakt zu kommen. Hatten Sie befürchtet, dass ich das Hotel wechsle?"

„Nein. Gefalle ich Ihnen?"

„Das kommt darauf an, was Sie darunter verstehen. Als Frau finde ich Sie attraktiv und begehrenswert. Sie sind jung und schön. Was Ihre übrigen Eigenschaften und Qualitäten angeht, so bedaure ich, Sie mit einer Ratte vergleichen zu müssen."

Die Lippen des Mädchens zuckten. „Okay, haben Sie jetzt Ihren Ärger abreagiert?"

„Ich war nicht verärgert."

„Sie sind ein seltsamer Mensch."

„Diese Spezies muss es auch geben."

„Wie lautet Ihr wirklicher Name?"

„Ist doch unwichtig."

„Nicht für mich. Wie sind Sie darauf gekommen, ausgerechnet als John Pierre Armand aufzutreten? Er ist hier in Zürich nicht unbekannt. Ihr Spiel ist gefährlich. Es muss früher oder später auffliegen."

„Sie kannten den richtigen Pierre Armand?"

„O ja."

„Gut?"

„So gut, wie eine Frau einen Mann kennen kann, mit dem sie ein Verhältnis hatte."

„Wer war Jean?"

Das Mädchen lächelte. „Ist das ein Scherz? Ich liebe makabre Scherze."

Mike blickte sie genau an. „Wer war Jean?", wiederholte er.

„Vergessen Sie es."

„Wann ist er ermordet worden?"

„Es ist gefährlich, dieses Thema anzuschneiden. Ich rate Ihnen, die Finger davon zu lassen."

„Okay, ich will es versuchen, meinte Mike. „Wollen Sie mir jetzt bitte sagen, was Sie zu mir führt?

„Die Neugier, erklärte das Mädchen. „Ich möchte wissen, wer sich jetzt hinter dem Namen Armand verbirgt.

„Versprechen Sie sich davon die Möglichkeit einer weiteren Erpressung?"

Das Mädchen lächelte. „Nein, nein. Daran habe ich nicht gedacht."

„Woran denn sonst?"

„Ich bin dreiundzwanzig Jahre alt. Ich bin kein unbeschriebenes Blatt mehr. Ich lache über Leute, die von Liebe und Romantik sprechen, aber das Lachen ist nicht immer echt. Es gibt Stunden, wo ich merke, dass ich gerade diese Dinge brauche. Romantik. Liebe. Verstehen."

„Na hören Sie mal!, warf er spöttisch ein. „Dafür haben Sie doch Kay Beringer!

„Machen Sie sich lustig über mich? Kay ist kein Mann, er ist bestenfalls ein Schläger. Heute haben Sie ihm bewiesen, dass er nicht einmal als Schläger was taugt! Nein, er bedeutet mir nichts. Er ist ein Lückenfüller, nichts weiter. Aber bleiben wir beim Thema. Es gibt Tage, wo ich mein Leben verfluche und nur hoffe, eines Tages den Richtigen zu finden. Sie unterbrach sich und blickte ihn an. „Sie verstehen mich doch?

Er grinste. „Ja-ja, ich verstehe Sie. Sie möchten mit einem wackeren Mann am heimischen Herd sitzen und die lieben Kleinen großziehen."

„Der Jammer ist, dass wackere Männer so dünn gesät sind", meinte das Mädchen.

„Ich fürchte eher, dass Ihre Lebensführung der richtigen Partnersuche im Wege steht. Natürlich ist es immer noch Zeit zur inneren und äußeren Umkehr."

„Jetzt wird das Gespräch dumm und banal", erklärte das Mädchen. Sie drückte die kaum angerauchte Zigarette im Ascher aus.

„Erzählen Sie mir etwas von Pierre Armand", forderte Mike.

„Deshalb bin ich nicht zu Ihnen gekommen."

„Sondern?"

„Ihretwegen, allein Ihretwegen! Sie erhob sich und streifte die Kostümjacke ab. „Sie gestatten doch, dass ich mir’s ein wenig bequem mache?, fragte sie und warf ihm unter langen Wimpern hervor einen Seitenblick zu.

Mike griff nach dem Glas. Er bemerkte, dass der rote, eng anliegende Pulli die klassische Figur der Besucherin in sehr vorteilhafter Weise betonte, und er bemerkte auch, dass das Mädchen alles tat, um ihre Reize ins rechte Licht zu rücken. Er war keineswegs unempfindlich für appetitliche Girls, aber er konnte es sich nicht leisten, auf die Tricks eines Mädchens einzugehen, von dem er wusste, dass es zu einer Erpresserbande gehörte.

„Sie sind groß und stark, murmelte sie und ging auf ihn zu. „Genau der richtige Mann für mich! Ich spüre, dass wir füreinander geschaffen sind ...

Sie blieb dicht neben ihm stehen. Mit der Hüfte berührte sie seine Schulter. Gleichzeitig legte sie eine Hand auf seinen Kopf. Zart strich sie über sein gefärbtes Haar. „Ich glaube, wir könnten uns gut verstehen", flüsterte sie.

Mike erhob sich. „Sie müssen nach Hause, sagte er. „Ihre Mutter wartet schon.

„Ich wünschte, Sie hätten Recht, und es gäbe eine wartende Mutter, sagte das Mädchen bitter. „Vielleicht wäre es dann nie so weit mit mir gekommen.

„Ich helfe Ihnen in die Jacke."

„Danke, schon gut", meinte das Mädchen ablehnend. Zu seinem Erstaunen ging sie hinaus, ohne den weiteren Versuch einer Annäherung gemacht zu haben.

Als sie gegangen war, erschien ihm das Zimmer leer und düster. Er nahm noch einen Schluck aus dem Glas, ehe er das Gepäck untersuchte. Die Kofferschlösser waren intakt. Der größere Teil seiner Barschaft – vor allem die kubanischen Pesos – befanden sich ohnehin nicht im Hotel. Er hatte die Ledertasche mit dem Geld in einem Schließfach des Zürcher Hauptbahnhofes untergebracht.

Mike blickte auf die Uhr. Er fand, dass es noch zu früh war, ins Bett zu gehen.

Ob es ihm gelang, dem Mädchen zu folgen? Er verließ das Zimmer.

Als er auf der Straße stand, war von dem Mädchen nichts zu sehen. Er bummelte die Bahnhofstraße hinab und bog dann in eine Nebenstraße ein. Vor einem beleuchteten Hauseingang blieb er stehen. Unter den vielen Firmenschildern fiel ihm eins auf, das die Detektei Argus (IV. Stock) anpries. Ein Zusatz machte darauf aufmerksam, dass Aufträge zu jeder Tages und Nachtzeit angenommen wurden.

Mike fuhr mit dem Lift ins vierte Stockwerk. Die Detektei Argus teilte die Etage mit einem Dutzend anderer Firmen.

Mike klopfte an die Tür. Ein hemdsärmeliger Mann öffnete ihm. Der Mann schnaufte asthmatisch; er hatte einen vorstehenden Bauch, ein Doppelkinn, eine Halbglatze und ein misstrauisches, etwas mürrisches Gesicht. Irgendwie ähnelte er einer Dogge.

„Ja?", fragte er kauend.

„Störe ich beim Abendessen?"

„Kommen Sie nur herein. Mein Name ist Aichfeld, Detektiv Harry Aichfeld. Ich bin der Besitzer der Agentur." Er streckte Mike eine Hand entgegen, die sich feucht und schwammig anfühlte.

Mike ließ die Hand sofort wieder los. Seine Meinung von Privatdetektiven war nicht sehr hoch, und Aichfeld war keineswegs danach angetan, diese Meinung zu ändern. Das Büro des Detektivs schien aus dem vergangenen Jahrhundert zu stammen. Die alten, reichlich strapaziert wirkenden Möbel mussten aus Versteigerungen stammen.

Aichfeld räumte rasch die Reste des Abendbrotes zusammen, das er am Schreibtisch eingenommen hatte. „Der Bückling war Klasse, bemerkte er und wischte sich mit dem Unterarm über die Lippen. „Zart und aromatisch, eine Delikatesse. Essen Sie gern Fisch?

„Leidenschaftlich", sagte Mike trocken.

„Sehr vernünftig. Schon wegen des Eiweißgehalts, meinte Aichfeld. „Nehmen Sie doch Platz! Er trat an das Waschbecken und säuberte sich die Hände. Mike setzte sich.

„Ihr Deutsch ist etwas hart, sagte Aichfeld und trocknete sich die Hände. „Sie sind kein Schweizer?

„Würde es Sie stören, wenn wir mich aus der Debatte heraushalten?"

„Nicht die Spur", meinte Aichfeld gelassen. Er setzte sich Mike gegenüber in einen Drehstuhl, der zweifellos Seltenheitswert hatte.

Aichfelds Kinn glänzte fettig. Er lehnte sich zurück und sagte: „Im Leben ist alles eine Honorarfrage. Dafür kann man die Neugier anheizen – oder zügeln."

„Ich brauche nur eine Auskunft. Vorausgesetzt, dass Sie in der Lage sind, sie mir zu geben."

„Das werden wir gleich wissen. Worum geht’s?"

„Ich möchte wissen, ob Sie einen gewissen Kay Beringer kennen", fragte Mike.

Aichfeld öffnete eine Schreibtischschublade. „Rauchen Sie?"

„Danke, nicht im Augenblick."

Aichfeld nahm eine billige Zigarre aus der Schublade. Wie billig sie war, wurde erst deutlich, als ihr scharfer, beißender Qualm die Luft verpestete.

„Kay Beringer, sagte er paffend, „ja, den kenne ich. Ein gefährlicher Bursche. Mehrfach vorbestraft. Die Auskunft kostet fünfundzwanzig Schweizer Franken.

Mike legte das Geld auf den Tisch.

„Ich stelle Ihnen sofort eine Quittung aus", sagte Aichfeld und griff hastig nach den Banknoten.

„Nicht nötig. Sagen Sie mir nur, was Sie über Beringer wissen."

Der Detektiv steckte das Geld ein. „Ein Ex-Boxer, der wegen verschiedener Regelwidrigkeiten aus dem Verband ausgestoßen wurde. Später zog er als Schauboxer mit einer Bude durch das Land. Er trat vor allem in Deutschland und Österreich auf, aber auch hier in der Schweiz. Etwa vor einem Jahr machte er sich in Zürich sesshaft. Ich sehe ihn oft, denn es gehört zu seinem Job, die Touristen zu neppen. Meistens besorgt er ihnen Mädchen. Er ist das, was man einen Zuhälter nennt."

„Kennen Sie seine Freunde?"

„Ein Mann wie Beringer hat keine Freunde."

„Gehört er einer Bande an?"

„Das bezweifle ich. In der Schweiz gibt es keine Banden. Sogar die Gangster sind hier Individualisten, sie arbeiten fast immer als Einzelgänger."

„Es muss einmal eine Zeit gegeben haben, wo er mit einem gewissen Jean verkehrte."

„Das ist möglich. Wenn Sie es wünschen, stelle ich darüber entsprechende Nachforschungen an. Pro Tag müssen Sie dafür neunzig Franken zahlen – plus Spesen, versteht sich. Billiger macht’s Ihnen hier in Zürich niemand."

„Tut mir leid, ich reise morgen schon ab. Im Grunde genügt mir die Information."

„Schade, sagte Aichfeld und brachte Mike zur Tür. „Ich hätte Ihnen gern bewiesen, wie tüchtig ich bin. Falls Sie mal wieder Hilfe brauchen, einen zuverlässigen, welterfahrenen Mann – dann denken Sie bitte an Harry Aichfeld!

„Ich werde mich daran erinnern."

Mike ging zurück zum Hotel.

Inzwischen hatte der Nachtportier den Dienst übernommen. „Hat jemand nach mir gefragt?", erkundigte sich Mike. Der Portier verneinte. Mike fuhr nach oben.

Als er sein Zimmer betrat, hatte er sofort das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Er konnte nicht auf Anhieb sagen, wodurch dieses Gefühl ausgelöst wurde.

Im Zimmer herrschte keinerlei Unordnung. Alles stand an seinem Platz. Das Fenster war geschlossen. Schnuppernd hob er die Nase. Ja, ein Hauch des Parfüms, das das Mädchen benutzte, lag noch immer in der Luft. Er blickte ins Bad.

Alles war okay.

Er begann sich auszuziehen. Als er einen Kleiderbügel brauchte, öffnete er die Tür des Schrankes. Etwas kam auf ihn zu, schwer und schlaff.

Er trat einen Schritt zurück.

Vor ihm fiel kopfüber ein Körper  aus dem Schrank. Schwer schlug er auf den Boden.

Mike zog die Luft durch die Zähne.

Er sah zwei Dinge sofort. Erstens: der Mann war Kay Beringer, und zweitens: Beringer war tot.

7

Mike legte lauschend den Kopf zur Seite.

Irgendwo auf der Etage ließ sich jemand ein Bad ein. Man hörte das Rauschen des Wassers. Sonst war alles still.

Mike bückte sich. Er drehte Beringer auf den Rücken und sah ein Messer mit kurzem, gedrungenem Griff aus dem Körper des Toten ragen.

Beringer hatte erstaunlich wenig Blut verloren. Seine Augen waren geöffnet. Der starre Blick war ohne Ausdruck, aber der verzogene Mund spiegelte noch etwas von der Verzweiflung und dem Schmerz des Todeskampfes wider.

Mike schaute sich um. Im Kleiderschrank waren einige Blutspuren zu sehen. Im Zimmer selbst gab es nirgendwo Blut- oder Kampfspuren.

Mike prüfte sein Gepäck. Die Koffer waren vollzählig vorhanden. Aber an einem waren beide Schlösser gewaltsam geöffnet worden. Mike nahm sich nicht die Mühe, den Kofferinhalt zu prüfen. Es war nichts von Wert oder Bedeutung darin.

Es war sehr wahrscheinlich, dass Beringer Mikes Weggang beobachtet hatte. Er war in das Zimmer eingedrungen, um das Gepäck zu durchwühlen. Dabei war er von seinem Mörder überrascht worden.

Mike wusste, dass es seine Pflicht gewesen wäre, die Polizei und die Hotelleitung zu benachrichtigen. Aber gerade das ging nicht. Es würde Fragen geben. Man würde seinen Pass untersuchen und rasch dahinterkommen, dass er mit den Papieren eines Toten reiste.

Er konnte es sich nicht leisten, wegen dieses Toten seine Mission platzen zu lassen; es war auch nicht daran zu denken, dass er irgendwelche Aussagen machte, die seine wahre Identität klärten.

In gewisser Hinsicht war sein Auftrag politischer Art. Schon deshalb durfte kein Mensch erfahren, dass er FBI-Lieutenant war, der die Schweiz lediglich als Zwischenstation auf dem Wege nach Kuba benutzte.

Aber wie sollte er verhindern, dass diese Fakten bekannt wurden? Selbst wenn er aus Furcht vor peinlichen Enthüllungen darauf verzichtete die Behörden einzuschalten, würde man am nächsten Tag den Toten finden.

Recherchen der Polizei würden rasch gewisse Tatsachen zutage fördern, die ihn belasten mussten.

Beringer war ein Erpresser gewesen. Wenn Aichfeld das wusste, war es sicherlich auch der Polizei bekannt. Beringer hatte den Bewohner des Zimmers 21 aufgesucht, und dabei war es zu einer Prügelei gekommen.

Die Polizei musste zwangsläufig darauf kommen, dass dies der Auftakt eines Erpressungsversuchs gewesen war. Der Mord musste sich in den Augen der Behörden als logischer Abschluss dieses Manövers darstellen.

Alles andere ergab sich von selbst.

Die Polizei würde entdecken, dass ein gewisser Pierre Armand in dem Zimmer gewohnt hatte. Sie würde auch erfahren, dass dieser Armand einen Flug nach Kuba gebucht hatte. Was sich daraus ableiten ließ, war alles andere als erfreulich. Vermutlich würden die Behörden in Havanna informiert sein, noch ehe TU 114 der Aeroflot aufsetzte.

Mike war FBI-Mann. Es entsprach seiner Erziehung und seinem Pflichtbewusstsein, den Mord zu melden, um eine möglichst schnelle Aufklärung der Tat sicherzustellen – und gerade das musste er jetzt im Interesse seiner Mission unterlassen.

Mike dachte an Smile und die 27 Toten, die auf dessen Konto gingen. Erst musste Smile erledigt werden. Alles andere hatte Zeit.

Mike zog sich wieder an. Er wuchtete den Toten zurück in den Kleiderschrank. Dann verließ er das Zimmer, wobei er die Tür sorgfältig abschloss.

Zwanzig Minuten später betrat er Aichfelds Büro.

Der Detektiv saß am Schreibtisch; er hatte die Beine hochgelegt und las in einer Rennzeitung. Als er sah, wer der Besucher war, schwang er die Füße auf den Boden und erhob sich.

Mike blieb am Schreibtisch stehen. „Können Sie einen Toten verschwinden lassen?", fragte er.

Aichfeld grinste unsicher. „Gewiss, sagte er. „Ich rufe einfach die Pietät an.

„Sie wissen, wie ich’s meine."

„Wir haben in der Schweiz das eine oder das andere Gesetz, das respektiert werden müsste, meinte Aichfeld vorsichtig. „Natürlich gibt’s Möglichkeiten, Gesetze zu umgehen – aber das ist gefährlich. Ein Mann in meinem Beruf riskiert dabei seine Lizenz. Ich brauche Ihnen nicht zu erklären, was das bedeutet.

„Sie erklärten vorhin, alles sei nur eine Frage des Honorars", meinte Mike.

„Wollen Sie nicht Platz nehmen?"

Mike setzte sich.

Aichfeld legte die Zeitung auf den Schreibtisch und verschränkte die Arme vor der Brust. „Schießen Sie los", bat er.

„Ich habe in meinem Hotelzimmer einen Toten entdeckt."

„Warum haben Sie die Polizei nicht informiert?"

„Es gibt für mich eine Reihe plausibler Gründe, die Polizei aus dem Spiel zu lassen."

„Ist man hinter Ihnen her?"

„Nein."

„Mit mir können Sie offen reden."

„Niemand ist hinter mir her – ausgenommen Beringer."

„Wollten Sie deshalb wissen, was mit ihm los ist?"

„Ja."

„Er hat versucht, Sie zu erpressen?"

„Ja."

„Das ist seine übliche Tour", bestätigte der Privatdetektiv.

„Sie war’s", sagte Mike nachdrücklich.

Aichfelds Augen wurden klein. „Soll das heißen, dass es ihn erwischt hat?"

„Ja."

„In Ihrem Zimmer?"

„Ja."

„Wann?"

„Während ich bei Ihnen war."

„Dann haben Sie ja ein Alibi!"

„Ja.

„Hören Sie endlich auf, immer nur mit Ja zu antworten, sagte Aichfeld. „Das macht mich ganz nervös.

„Wir müssen rasch handeln. Also verzichten wir lieber auf lange Reden."

„Na gut. Beringer liegt tot in Ihrem Hotelzimmer. Man wird Sie verdächtigen, weil er Sie erpressen wollte. Dem wollen Sie entrinnen – stimmt’s?"

„Stimmt", sagte Mike.

„Nicht zu machen, sagte Aichfeld nach kurzem Nachdenken. „Ich kann das Ding nicht zurechtbiegen. Sie müssen selber sehen, wie Sie damit fertig werden.

Mike schaute sich im Büro um. „Was Ihnen fehlt, ist ein bisschen Repräsentation, Herr Aichfeld."

„Repräsentation kostet Geld."

„Sie können es von mir haben."

Aichfeld öffnete die Schublade und holte eine seiner grässlichen Zigarren daraus hervor. „Verlockend, sagte er beinahe betrübt, „sehr verlockend. Aber mit Mord will ich nichts zu tun haben. Es sei denn, Sie beauftragen mich, die Hintergründe der Tat aufzudecken.

„Das kann die Polizei besser als Sie."

„Vorausgesetzt, dass man ihr die Möglichkeit dazu bietet. Aber gerade das wollen Sie ja umgehen!"

„Ich will ja nicht den Mörder decken, ich muss nur vermeiden, dass der Verdacht auf mich fällt. Der Tote kann und soll gefunden werden – aber nicht heute oder morgen, und nicht in meinem Hotelzimmer."

„Hm, machte Aichfeld. „Wie lange soll der Tote verschwunden bleiben?

„Mindestens eine Woche. Zwei wären mir noch lieber."

„Wie stellen Sie sich das vor?, fragte Aichfeld und steckte die Zigarre mit einem Streichholz an. Er passte, bis sie den richtigen Zug hatte, und fügte dann hinzu: „Hier gibt es keine Aufbewahrungsorte für unbequeme Leichen.

„Es müsste sich einer finden lassen."

„Wie?"

„Das ist Ihre Sache. Dafür bezahle ich Sie."

„Was bieten Sie?", fragte er nach kurzer Pause.

„Fünftausend Schweizer Franken."

Mike merkte, wie Aichfeld mit sich kämpfte.

„Ein hübscher Batzen Geld – aber was ist, wenn ich mich dabei ruiniere? Ich kenne Sie nicht. Vielleicht erzählen Sie mir ein Märchen! Vielleicht sind Sie sogar der Mörder!"

„Ich war bei Ihnen, als es passierte."

„Das sagen Sie!, knurrte Aichfeld misstrauisch. „Ich kann es im Moment nicht nachprüfen. Sie wohnen in der Nähe. Wenn ich den Toten verstecke und man findet ihn erst nach ein oder zwei Wochen, wird es schwer sein, die genaue Tatzeit zu bestimmen. Abweichungen von ein oder zwei Stunden sind dann gut möglich. Ich werde also nie erfahren, ob Sie mir einen Bären aufgebunden haben oder nicht!

„Denken Sie einmal logisch, bat Mike. „Wäre ich zu Ihnen gekommen und hätte mich für Beringers Vergangenheit interessiert, wenn ich die Absicht gehabt hätte, ihn zu töten?

„Warum nicht? Sie weigerten sich, mir Ihren Namen zu nennen. Das ist verdächtig."

„Wie lange arbeiten Sie schon als Privatdetektiv?"

„Elf Jahre."

„Dann müssen Sie es doch schon oft erlebt haben, dass Ihre Klienten anonym bleiben wollten."

„O ja, sehr oft sogar."

„Genau so ist es bei mir. Ich bin in dem Hotel unter einem falschen Namen abgestiegen. Deshalb kann ich mich nicht an die Polizei wenden. Ich muss es erreichen, dass der Tote aus meinem Zimmer verschwindet – um jeden Preis!"

„Ich denke, für sechstausend wird es sich machen lassen, meinte Aichfeld und blinzelte Mike in die Augen. „Keine Schecks!

„Sie bekommen das Geld in bar!"

8

Es war der scheußlichste Abflug, an den er sich erinnern konnte.

Dabei gab es nicht die geringsten Schwierigkeiten. Er konnte das Hotel verlassen, ohne verfolgt zu werden, und die Abfertigung durch die Zoll- und Passbehörden vollzog sich ebenso rasch wie lautlos und glatt. Störte ihn gerade diese Perfektion der Behandlung? Er witterte hinter jedem Beamten einen Mann, der einen besonderen Auftrag erfüllte, hinter jeder Phase der Abfertigung eine Falle. Er rechnete mit einer Verhaftung in letzter Sekunde, aber nichts dergleichen geschah.

Es war ein sehr zweifelhaftes und recht bitteres Vergnügen, diesen jähen Frontwechsel auszukosten. Plötzlich stand er auf der anderen Seite. Er hatte Grund, sich vor der Polizei und deren Nachstellungen zu fürchten.

Andererseits durfte er damit rechnen, dass Aichfeld gute Arbeit geleistet hatte. Mike war dem Detektiv behilflich gewesen, den Toten aus dem Fenster abzuseilen. Aichfeld hatte die Leiche dann mit einem Lieferwagen abtransportiert. Die Aktion war überhaupt nur möglich gewesen, weil Mikes Zimmerfenster zum Hof wies.

Die russische Stewardess sah genauso aus, wie man sich ein russisches junges Mädchen vorstellt. Sie war hübsch und hatte eine gesunde Gesichtsfarbe. Ihr Make-up war sehr dezent aufgelegt. Im Gegensatz zu ihren westlichen Kolleginnen trug sie ziemlich dicke Nylons; außerdem war ihre Frisur ohne modischen Pfiff.

Die Stewardess führte ihn lächelnd auf seinen Platz. Neben ihm hatte bereits ein weiblicher Passagier Platz genommen; eine bildhübsche Rothaarige, die eine Sonnenbrille trug und so kühl wirkte, als hätte sie die letzte Nacht im Tiefkühlfach eines Eisschrankes verbracht.

Mike blickte aus dem runden, nicht ganz sauberen Fenster. Noch fünf Minuten bis zum Abflug! Er zog eine Zeitung aus der Tasche, die er sich vor dem Abflug gekauft hatte und begann zu lesen, ohne das Gedruckte bewusst in sich aufzunehmen.

Er spürte, dass ihn etwas irritierte. War es die Tatsache, dass er neben diesem aufregend hübschen Mädchen saß?

Im nächsten Moment wusste er, was es war. Die Rotblonde verwendete das gleiche Parfüm wie das Mädchen, das mit Beringer befreundet gewesen war.

Er dachte an diese platinblonde Bekanntschaft und fragte sich, inwieweit sie mit dem Mord in Zusammenhang gebracht werden konnte. Er verfluchte seine Mission, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Es widerstrebte ihm, einen Mord in dieser Weise beiseite zu schieben und ungelöst zurückzulassen.

Die Minuten verstrichen. Die Maschine füllte sich langsam. Endlich war der Abflugtermin herangerückt. Die Tür schloss sich. Mike schaute sich um. Die Maschine war nur zur Hälfte ihrer Kapazität ausgenutzt. Vielleicht kamen bei der Zwischenlandung in Lissabon noch Passagiere hinzu; von dort ging es dann weiter über die Azoren und die Bermudas nach Kuba.

Es folgten die üblichen Lautsprecherdurchsagen, das Anschnallen, der Start. Als sie in der Luft waren, stieß Mike einen Seufzer aus. Dabei hatte er wirklich keinen Grund, zu triumphieren. Wenn Aichfeld geschnappt worden war, oder wenn Furcht den Privatdetektiv veranlasst hatte, die Behörden zu informieren, konnte bereits die Landung in Lissabon zu einer Katastrophe führen.

Das Mädchen neben Mike nahm die Sonnenbrille ab. Die Stewardess verteilte Zeitungen. Sie sprach ein sehr korrektes, hartes Englisch.

Mike lehnte den Kopf zurück und schloss die Augen. Er war müde und fühlte sich zerschlagen, ein Zustand, den er sonst kaum kannte.

„Bringen Sie mir einen Kognak, bitte", sagte das Mädchen neben ihm zu der Stewardess. Sie sprach Englisch. Ihre Stimme war dunkel und angenehm.

„Mir auch, sagte Mike und hob die Lider. „Russischen. Aus Aserbaidschan.

Die Stewardess lächelte ihm strahlend in die Augen. „Sie kennen russischen Kognak?"

„Ja, sagte er. „Ich liebe ihn.

Die Stewardess eilte beglückt davon.

Mikes Nachbarin sagte: „Ist er wirklich trinkbar?"

„Sie können ihn mit den besten französischen Marken vergleichen, meinte Mike. „Etwa mit Remy Martin oder Martell. Er hat fast den gleichen Charakter.

„Tatsächlich?"

„Natürlich ist das Zeug nur für den Export bestimmt", sagte Mike.

„Ich verstehe", meinte sie und musterte ihn aufmerksam.

Er erwiderte ihren Blick. Sie war etwa fünfundzwanzig Jahre alt und hatte ein interessantes, ebenmäßiges Gesicht. Ihre großen, violett schimmernden Augen vertrugen sich nicht recht mit dem Rotblond des Haares, waren aber doch ungewöhnlich schön und ausdrucksstark. Ihre Lippen machten einen fast hungrigen Eindruck: die Lippen eines Sinnesmenschen, prall und voller Lebensgier. Dagegen wirkte die etwas arrogante Art, die aus Haltung und Stimme des Mädchens sprach, eher abwehrend.

„Sie fliegen nach Lissabon?", fragte er.

„Nein, sagte sie. „Nach Kuba.

„Wie interessant, ich auch. Sie leben dort?"

„Nein. Und Sie?"

„Ich bin geschäftlich dorthin unterwegs."

„Sie sprechen ein ausgezeichnetes Englisch. Ich würde Sie für einen Amerikaner halten."

„Sehe ich so aus?"

„Nicht, was die Kleidung betrifft, aber sonst ..."

„Ich bin Schweizer", sagte er.

„Sie leben in Zürich?"

„Nein, in Genf."

„Oh, ich liebe Genf!"

„Sie sind dort zu Hause?"

„Nein, ich bin Amerikanerin, aber ich habe viel in der Schweiz zu tun."

„Geschäftlich?"

„Eher privat", sagte sie ausweichend.

„Mein Name ist übrigens Armand. Pierre Armand", stellte er sich vor.

„Angenehm. Ich heiße Claire Winters."

Die Stewardess brachte den Kognak in großen, bauchigen Schwenkern.

„Auf einen guten Flug!", sagte Mike und hob sein Glas.

Miss Winters lächelte ihn an, ganz kurz nur, und etwas spröde. Sie tranken.

„Wirklich ausgezeichnet", sagte sie und stellte das Glas ab.

„Werden Sie lange in Kuba bleiben?", fragte er.

„Das kommt ganz darauf an, sagte sie unbestimmt. Er hatte das Gefühl, dass sie seinen Fragen bewusst aus dem Wege ging. „Und Sie?

„Bei mir liegen die Dinge ähnlich, meinte er. „Ich muss abwarten, welche geschäftlichen Möglichkeiten sich mir bieten.

Sie sprachen noch über dies und jenes. Dann verstellte das Mädchen den Sessel und meinte: „Ich glaube, ich werde jetzt ein wenig schlafen. Die letzte Nacht war für mich sehr aufregend." Sie schloss die Augen, ohne nähere Angaben über die Ursache dieser Aufregungen gemacht zu haben.

Sie schlief bis zur Landung in Lissabon.

In Lissabon wurden die Flugpassagiere gebeten, die TU 114 zu verlassen. Der Aufenthalt war auf eine dreiviertel Stunde festgelegt. In dieser Zeit wurde die Maschine aufgetankt und für die Überseereise fertig gemacht.

Die Passagiere versammelten sich im Flughafenrestaurant. Die meisten nutzten die Pause, um etwas zu sich zu nehmen.

Mike setzte sich mit Claire Winters an einen Tisch. Er hatte inzwischen festgestellt, dass das Mädchen eine ausgezeichnete Figur mit langen, schlanken Beinen hatte. Einige der männlichen Fluggäste musterten ihn mit unverhohlenem Neid; es war zu spüren, dass sie gern seine Stelle eingenommen hätten.

Diesmal tranken sie Kaffee. Als Claire bezahlte, warf Mike einen kurzen Blick in ihre Handtasche. Er sah sofort den Griff der kleinen automatischen Pistole, die sich darin befand. Warum mochte Claire Winters um Himmels willen mit einer Waffe reisen.

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Krimi Sammelband 6008 denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen