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Leichte Klettersteige in den Alpen: Klettersteigführer Alpen. Die schönsten Touren in den Bayerischen Alpen, Tirol, Dolomiten, am Gardasee, Brenta und in der Schweiz für Einsteiger und Familien.
Leichte Klettersteige in den Alpen: Klettersteigführer Alpen. Die schönsten Touren in den Bayerischen Alpen, Tirol, Dolomiten, am Gardasee, Brenta und in der Schweiz für Einsteiger und Familien.
Leichte Klettersteige in den Alpen: Klettersteigführer Alpen. Die schönsten Touren in den Bayerischen Alpen, Tirol, Dolomiten, am Gardasee, Brenta und in der Schweiz für Einsteiger und Familien.
eBook962 Seiten4 Stunden

Leichte Klettersteige in den Alpen: Klettersteigführer Alpen. Die schönsten Touren in den Bayerischen Alpen, Tirol, Dolomiten, am Gardasee, Brenta und in der Schweiz für Einsteiger und Familien.

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Über dieses E-Book

Mehr als 230 Klettersteige in Bayern, Tirol, Vorarlberg, Südtirol, Trentino und der Schweiz mit detaillierten Kartenskizzen, Infos über Gezeiten, Anforderungen und Charateristiken der Routen sowie Hüslers Klettersteigkreuz. Sind Sie schon einmal einen Klettersteig gegangen und haben das Abenteuer Steilwand erlebt? Wenn nicht, bekommen Sie hier die ideale Anleitung dafür. In den fünf vorgestellten Regionen erwarten Sie viele leichte Klettersteige, gerade richtig für "Beginner". Um das Steigen auf den gesicherten Routen zu lernen und zu üben, bietet der Führer die ideale Anleitung.
SpracheDeutsch
HerausgeberBruckmann Verlag
Erscheinungsdatum31. Mai 2019
ISBN9783734317194
Leichte Klettersteige in den Alpen: Klettersteigführer Alpen. Die schönsten Touren in den Bayerischen Alpen, Tirol, Dolomiten, am Gardasee, Brenta und in der Schweiz für Einsteiger und Familien.
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    Buchvorschau

    Leichte Klettersteige in den Alpen - Eugen E. Hüsler

    Höllental

    Einleitung

    Faszination Klettersteig

    Es ist nicht zu übersehen: Klettersteige liegen im Trend, sehr sogar. Vor ein paar Jahrzehnten noch stark umstritten, damals von selbst ernannten Anwälten einer »sauberen« Bergwelt (und auch den Alpenvereinen) strikt abgelehnt, erleben die Vie ferrate (italienisch: eiserne Wege) längst einen echten Boom: Die Gemeinde der Klettersteigler wächst unaufhaltsam und laufend entstehen neue Anlagen. Dafür gibt es Gründe, Ursachen, und die lassen sich leicht zusammenfassen: Viel Spaß – wenig Risiko. Weil Klettersteiggehen aber nicht nur Spaß macht, sondern auch leicht zu »lernen« ist, darf dieser Spielart des Alpinismus eine gute Zukunft prophezeit werden. Im Gegensatz zum Bergwandern verbindet sich beim Klettersteiggehen das Naturerlebnis mit echter Spannung. Man genießt die Landschaft aus einer anderen Perspektive. Die Vertikale ist nicht mehr tabu, sondern (sicherer) Spielplatz, auch steiles Felsgelände begehbar. Und genau das macht die besondere Faszination der Vie ferrate aus: Sie entführen uns ins Revier der Kletterer, wo der Abgrund stets präsent, die Tiefe unter den Schuhsohlen oft schier bodenlos ist – was für ein Hochgefühl!

    Unterschätzt werden darf das Begehen gesicherter Steige allerdings nicht. Man bewegt sich in der freien Natur, im Gebirge und ist damit Wind und Wetter ausgesetzt. Selbst eine gute Ausrüstung – so wichtig sie auch ist – garantiert noch keine absolute Sicherheit. Deshalb ist es wichtig, sich stets bewusst zu bleiben, dass auch eine Klettersteigtour eine Bergtour ist und der Ferratist vor allem ein Bergsteiger.

    Eiserne Geschichte

    Ein kurzer Blick zurück kann da nicht schaden, denn bekanntlich soll man aus der Geschichte lernen. Uns lehrt die »Ferrata-Historie« vor allem, dass es nur wenig Neues gibt unter der (Alpen-)Sonne: Bereits im 19. Jahrhundert wurde in Bayern, in Tirol und am Dachstein emsig gehämmert und gebohrt. Es war die Zeit der Erschließung, und neben dem Hüttenbau galt es, im alpinen Gelände neue Wege anzulegen. So erhielt mancher Dreitausender seinen gesicherten Anstieg. Relikte aus jener Epoche, als es noch jede Menge alpines Neuland gab, kann man beispielsweise am Hohen Dachstein bewundern. Andere Routen, wie jene am »Stüdlgrat« des Großglockners, sind längst wieder verfallen.

    Der erste alpine Klettersteig wurde 1843 auf Betreiben von Dr. Friedrich Simony amDachstein angelegt.

    Um echte Klettersteige handelte es sich dabei aber nicht; die wurden weder in Tirol noch in den Dolomiten »erfunden«, sondern weitab der großen Alpengipfel. Die Wiener waren es, die in ihren Hausbergen mehrere Kletterrouten ausbauten, schwierige Führen mit Eisen gangbar machten: der Weg als Ziel…

    Um die Jahrhundertwende entstanden bereits einige mittlerweile berühmte Wege wie der »Heilbronner« in den Allgäuer Alpen oder der »Eggersteig« im Wilden Kaiser. Damals wurden auch schon kritische Stimmen laut: Als der Grat vom Hochblassen zur Zugspitze – heute als »Jubiläumsgrat« bekannt – gesichert werden sollte, sprach man von einer Entweihung der Bergnatur. Und Julius Kugy, Pionier in den Julischen Alpen, war sehr verstimmt, als er von der Absicht erfuhr, »seine« Nordwandroute am Montasch (Jôf di Montasio) in einen Klettersteig zu verwandeln.

    In den Schreckensjahren 1915–1917 war vor allem der Krieg Baumeister in den Südalpen. Die Soldaten auf beiden Seiten der Front lieferten – eher unfreiwillig – ihren Beitrag zum Wegenetz. Viele dieser Steige sind inzwischen verfallen, nicht mehr begehbar, andere zu Touristenattraktionen geworden. Man denke nur an den legendären »Alpinisteig« in den Sextener Dolomiten oder an so manche Route am Karnischen Hauptkamm oder in den westlichen Julischen Alpen. Einen Markstein in der kleinen »Storia del ferro« bildet das Jahr 1936: Damals begann die »Società degli Alpinisti Trentini« (SAT) mit dem Bau des vielleicht schönsten Höhenweges der Alpen, der »Via delle Bocchette«. Heute, ein Vierteljahrhundert nach Fertigstellung des letzten Teilstücks (»Sentiero Benini«), lässt sich die gesamte Brentagruppe auf gesicherten Steigen durchwandern – ein Traumpfad für jeden Bergfreund!

    Moderne Sportklettersteige warten mit Gags wie verwegenen Seilbrücken auf (Brunnistöckli bei Engelberg).

    Leichtere Klettersteige werden eher aufwendig gesichert; wo natürliche Tritte und Griffe fehlen, sind Eisenstifte und Krampen gesetzt.

    In den 1960er-Jahren setzte dann der eigentliche »Ferrata-Boom« ein. Besonderen Fleiß legten die Cortineser Bergführer an den Tag – die Dolomiten entwickelten sich zum Mekka der Klettersteigler. Heute gibt es zwischen Eisack und Piave mehr als hundert gesicherte Routen! Doch auch in anderen Regionen der italienischen Ostalpen wurde mehr und mehr gehämmert, gebohrt und montiert: am Gardasee, in den Monti Lessini, in den Karnischen und Julischen Alpen, am Comer See. Und wenig später waren auch diesseits des Alpenhauptkamms entsprechende Aktivitäten zu registrieren: In Tirol entstand in den Siebziger- und Achtzigerjahren eine ganze Reihe mittlerweile klassischer Klettersteige: »Schlicker«, »Arlberger«, »Kaiser Max«.

    Nur nach Westen mochte sich das Virus Klettersteig nicht so recht ausbreiten. Die Schweiz, dem »echten« Bergsteigen besonders verbunden, blieb Bollwerk – bis 1993: Da wurde der erste Klettersteig Helvetiens eingeweiht, der »Tälli«. Zu diesem Zeitpunkt war noch weiter westlich die »Révolution française« bereits in vollem Gang. Inzwischen gibt es in den Bergen Savoyens, des Dauphiné, in der Haute Provence und in den Seealpen über hundert Klettersteige – »Via ferrata« heißt das in bestem Französisch. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Sportklettersteige, talnah, sehr spektakulär im Verlauf, aber höchst komfortabel gesichert. Felsberührung ist allerdings eher die Ausnahme, Nervenkitzel dafür garantiert – auf den Eisenkrampen am Überhang, auf Seilbrücken usw. Die schönsten Vie ferrate sind aber durchwegs richtig alpine Routen: »Egesengrat«, »Leukerbadner«, »Königsjodler«, »Braunwalder«. Erlebnis Bergnatur am sichernden Drahtseil – faszinierend!

    Für Kids (in Begleitung Erwachsener!) sind Klettersteige ein echtes Abenteuer (Leiternsteig am Toblinger Knoten, Sextener Dolomiten).

    Aller Anfang…

    Es ist wie bei so vielen Dingen: Beim Zuschauen sieht auch das Gehen am Drahtseil ganz einfach aus. Ein eher bedächtiger, aber rhythmischer Bewegungsablauf, stetiges Höhersteigen bei (scheinbar) geringem Krafteinsatz, ab und zu unterbrochen vom »Klick« der Karabiner, die um- und eingehängt werden. Doch was aus sicherem Abstand so simpel wirkt, erweist sich in der Praxis als erheblich schwieriger. Da gibt es doch einiges, das zu beachten ist, und Fehler, die man vermeiden muss. Aber keine Bange: Klettersteiggehen kann man lernen – ganz leicht sogar.

    In diesem Buch werden über 200 Klettersteige vorgestellt, die sich besonders für Einsteiger eignen. Wer gut zu Fuß ist und über etwas Bergerfahrung verfügt, kann auf ihnen am Eisen schnuppern – und wird bald merken, wie schnell man süchtig wird nach dem Kitzel überm Abgrund, dem Felserlebnis auf den Vie ferrate. Die Routen verteilen sich schwerpunktmäßig auf fünf Alpenregionen. Das eröffnet Einsteigern die Möglichkeit, ohne viel Herumreisen mehrere Klettersteige zu begehen, etwa im Allgäu, in Tirol oder in den Dolomiten.

    Ausrüstung

    Klettersteigset Sicherheit vermittelt dem Klettersteigler sein Set: zwei elastische Bandstücke (50 bis 80 cm lang), eine Sturzbremse und zwei Schnappkarabiner mit großer Öffnung. Diese Sets werden von zahlreichen Herstellern angeboten; seit Mai 2017 müssen alle neu in den Handel kommenden Klettersteigsets der Norm EN 958 entsprechen. Sie gewährt optimale Sicherheit für Personen mit einem Gewicht von 40 bis 120 Kilogramm. Die Y-Form ist längst Standard; elastische Bänder ersetzen Seilstücke, die verknotet werden (und sich lösen können). Alle Verbindungsstellen sind vernäht, Bandfalldämpfer ersetzen mittlerweile metallene Sturzbremsen. Die Karabiner besitzen eine automatische Verschlusssicherung; das Set wird per Ankerstich in den Klettergurt eingebunden.

    Eine innovative Neuerung bietet das Set Skylotec Rider 3, bei dem ein Karabiner durch eine Seilbremse ersetzt ist. Dadurch wird die Sturzhöhe auf die Länge des Bandstücks am Set reduziert, was Verletzungsrisiken ganz erheblich mindert.

    Und noch eine Neuheit: Edelrid bietet mit dem Jester Comfort einen Anseilgurt, in den das Set integriert ist: einfache Handhabung, hohe Sicherheit.

    Da die neue Norm erst ab einem Körpergewicht von mindestens 40 Kilogramm verbindlich greift, haben verschiedene Hersteller (u. a. Edelrid und Skylotec) speziell für Kinder geeignete Sets entwickelt. Dabei wird der Fangstoßdämpfer bereits bei einer geringeren Belastung ausgelöst. Es empfiehlt sich aber trotzdem, Kids an Steilpassagen zusätzlich zu sichern (20-Meter-Seil).

    Fazit: Das Set dient unserer Sicherheit unterwegs. Noch wichtiger aber ist für Klettersteigler: nicht stürzen!

    Ein moderner Steinschlaghelm besticht durch leichtes Gewicht, sehr gute Belüftung sowie durch Multifunktionalität.

    Anseilgurt Hier setzten sich mehr und mehr moderne, leichte Hüftgurte durch, vorteilhafterweise mit verstellbaren Beinschlaufen. Für Kinder empfiehlt sich ein Kombigurt (alternativ Sitz- und Brustgurt).

    Kein Einfädeln mehr: »Jester Comfort« von Edelrid

    Helm Auf vielen Klettersteigen besteht erhebliche Steinschlaggefahr. Kluge Köpfe schützen sich deshalb – und setzen den Helm auf. Moderne Modelle weisen einen hohen Tragekomfort auf und wiegen bloß noch ein paar hundert Gramm.

    Handschuhe Ähnlich konzipiert wie Radlerhandschuhe, bieten Ferrata-Handschuhe einige Vorteile. Die Verletzungsgefahr an defekten Drahtseilen ist weitgehend eliminiert, ein sicheres Zupacken auch dann garantiert, wenn’s heiß ist und man an den Händen schwitzt.

    Bergschuhe Für wenig bis mäßig schwierige Klettersteige und alpines Gelände ist ein guter Allrounder ideal. Der Bergschuh mit Klettersteigeignung ist stabil, ohne schwer zu sein, er ist torsionssteif (darf sich nicht um die Horizontalachse verdrehen lassen) und weist Dämpfungszonen auf (wichtig für den Abstieg). Seine Spitze sollte eher schmal sein (vorteilhaft bei kleinen Tritten), aber nicht steif, um gute Reibung zu gewährleisten. Die Haftung kann verbessert werden, wenn die Gummisohle im Zehenbereich kein Profil aufweist.

    Beschädigte Drahtseile können zu Verletzungen führen, trotz Handschuhen.

    Gefahren

    Wenn das Leben gefährlich ist (wie der Volksmund behauptet), dann ist es das Herumturnen im Gebirge sowieso. Das wussten die Bergbauern schon immer, und deshalb begegneten sie dem Berg auch mit großem Respekt, unnötige Risiken meidend. Der moderne Mensch dagegen, der Natur in seinem Alltag entfremdet, an PC und Handy gefesselt, meist auch sitzend unterwegs (im Auto, in der Bahn), sucht das Abenteuer, den spannend-entspannenden Kontrast zu seiner Arbeitswelt. So begibt er sich wissentlich auf ein unbekanntes Terrain – in Gefahr halt. Und die kommt in den Bergen meistens von oben: Steinschlag, Regen, Schnee, Gewitter.

    Auf längeren Touren gehört ein Regenschutz auf jeden Fall in den Rucksack.

    Steinschlag In der Liste möglicher Unfallursachen steht der Steinschlag an erster Stelle, wie Statistiken belegen. Schuld daran sind leider auch rücksichtslose »Bergkameraden«, die leichtsinnig Steine lostreten. Steilrinnen und Geröllschluchten sollte man möglichst nur betreten, wenn niemand darin unterwegs ist.

    Im Gebirge auch mitten im Sommer möglich: ein Wettersturz mit Schneefall

    Wetter Immer wieder ist zu beobachten, wie sträflich von Bergsteigern die Wetterentwicklung unterschätzt wird. Wer einmal ein richtiges Unwetter im Hochgebirge erlebt hat oder bei massivem Temperatursturz mit einsetzendem Schneefall über eine Via ferrata abgestiegen ist, wird in Zukunft entschieden vorsichtiger sein. Deshalb: vorher Infos über die Wetteraussichten einholen! Ein strahlend schöner früher Morgen bietet keinerlei Gewähr, dass es den ganzen Tag über sonnig bleibt, dass weder Gewitter noch Regen drohen. Als Vorboten einer Wetterverschlechterung gelten Morgenrot, fallender Luftdruck (lässt sich am Höhenmesser ablesen), bestimmte Wolkenbilder (z.B. Schäfchenwolken nach längerem Schönwetter, Föhnfische und von Westen aufziehende Federwolken). Bilden sich bereits am Vormittag Haufenwolken, die rasch zu mächtigen Türmen anwachsen, sind Schauer, Blitz und Donner zu erwarten. Das sollte jeden Klettersteigler besonders interessieren, ist sein liebstes Sportgerät doch ein gigantischer Blitzableiter.

    Bergsturz am Cimòn della Pala; Steinschlag gehört zu den größten objektiven Gefahren im Gebirge.

    Eine Spitzenbewertung bekommen Klettersteige nur, wenn Route und Kulisse gleichermaßen zum Erlebnis beitragen, wie beispielsweise am Agner. Die »Ferrata Stella Alpina« ist allerdings etwas für erfahrene Ferratisti. Aber was noch nicht ist…

    Besonders gefährdet ist man auf »eisernen« Überschreitungen, bei denen auch der Abstieg über eine Via ferrata geht. Da hilft bei Gewittergefahr bloß: rechtzeitig umkehren. Wird man dennoch vom Unwetter erwischt, heißt die Devise: weg von Eisenleitern und Drahtseilen (aber natürlich nur, wenn das ohne Absturzgefahr geht)! Zu meiden sind herausragende Geländepunkte wie Gipfel, Grate oder isoliert stehende Bäume. Auch Felsnischen bieten keinen echten Schutz (Entladungsbrücken).

    Bin nicht schwindelfrei… Der Blick in die bodenlose Tiefe, er gehört auf Klettersteigen natürlich dazu, macht ja ihren besonderen Reiz aus: sicher am Abgrund, das kleine Abenteuer, wohliges Kribbeln im Bauch. Doch die Vorstellung, hoch über dem (sicheren) Boden auf ein paar Eisenklammern zu stehen, sich ans Drahtseil zu klammern, kann auch ganz andere Reaktionen auslösen: Bin ich schwindelfrei?

    Es gibt organisch bedingte Störungen des Gleichgewichtssinns, doch viel häufiger ist – vor allem bei Anfängern am Klettersteig – ein Schwindelgefühl, dessen Wurzeln psychischer Natur sind: Angst. Und die kann man (meistens) bezwingen, mit Geduld und beharrlichem Training. Allmähliche Gewöhnung an die Höhe (bzw. die Tiefe), verbunden mit der langsam wachsenden Gewissheit: Ich schaff’ es!

    Selbstüberschätzung Bergsteigen lernt man nicht von heute auf morgen, und das gilt auch fürs Klettersteiggehen. Es ist ein verhängnisvoller Irrtum, zu glauben, das sichernde Eisen wäre eine Versicherung gegen menschliche Unzulänglichkeit. Im Gegenteil, manchmal verleitet es zu gefährlichen Fehleinschätzungen. Deshalb der Rat: klein anfangen, allmählich steigern, nicht zu viel Ehrgeiz entwickeln. Und auf keinen Fall vergessen: Der Spaß an der Sache ist wichtiger als das (vielleicht zu hoch gesteckte) Ziel.

    Leicht zu merken – zehn Regeln für Klettersteigler

    1. Vor der Tour: Sich über die Wetteraussichten informieren; bei Gewitterneigung möglichst früh starten, besser Tour verschieben.

    2. Tourenplanung dem eigenen Können und Konditionsstand anpassen. Nicht gleich mit der schwierigsten Ferrata beginnen!

    3. Rucksack sorgfältig packen: nichts vergessen?

    4. Ausrüstung nicht nur mitnehmen, sondern auch benützen. Der Steinschlaghelm im Rucksack nützt recht wenig…

    5. Am Klettersteig nach Möglichkeit klettern, das Drahtseil dient in erster Linie der Sicherung. Wo das nicht mehr möglich ist, darauf achten, dass ein Seilabschnitt jeweils nur von einem Bergsteiger benützt wird.

    6. Sorgfältig gehen, Steinschlag vermeiden. In Rinnen und Schluchten nach Möglichkeit nur einsteigen, wenn das Gelände über einem »frei« ist, also keine anderen Bergsteiger unterwegs sind.

    7. Stets aufs Wetter achten. Bei Gewittergefahr weg von Graten und Eisenteilen – wer geht schon gerne an einem riesigen Blitzableiter entlang spazieren?

    8. Bei einem Wettersturz umdrehen! Selbst nur mäßig schwierige Klettersteige verwandeln sich bei Regen, Schneefall oder bei einem Temperatursturz (Vereisung) rasch in gefährliche Fallen.

    9. Kein blindes Vertrauen in Drahtseile, Haken und Verankerungen, sie können beschädigt sein. Drahtseile nicht unnötig auf Zug belasten.

    10. Defekte Sicherungen stets in der Hütte oder im Talort (bei der Polizei oder im Tourismusbüro) melden!

    Die Hüsler-Schwierigkeitsskala

    Sie umfasst sieben Stufen, von leicht (K1) bis extrem schwierig (K7). Die in diesem Buch vorgestellten Klettersteige weisen maximal den Schwierigkeitsgrad K3 auf. Die K-Einstufung bezieht sich stets auf die schwierigste Passage!

    K1 – leicht

    Natürlich handelt es sich hier nicht um einen simplen Wanderweg, der Steig ist aber in der Regel trassiert, die Sicherungen sind in Relation zum Gelände sehr komfortabel. Durchwegs große natürliche Tritte, wo sie fehlen, sind Leitern, Eisenbügel, Stege usw. montiert. Nur kürzere exponierte (und dann bestens gesicherte) Passagen.

    K2 – mittel

    Man bewegt sich abschnittweise bereits im Steilfels, die Routen sind aber recht aufwendig gesichert. Steilpassagen mit Eisenbügeln oder Leitern, Drahtseilsicherungen auch in wenig schwierigem Gelände.

    K3 – ziemlich schwierig

    Insgesamt bereits schwierig; steileres Felsgelände, längere Steilpassagen (kurz auch senkrecht) oder luftige Querungen, in Relation dazu aber eher üppige Sicherungen.

    Die höheren Schwierigkeitsgrade tauchen im Rahmen dieses Buches nicht auf:

    K4 – schwierig

    Das Gelände wird steiler, schwieriger. Oft finden sich nur mehr kleine Tritte und Griffe, die Sicherungen sind sparsamer gesetzt. Auch an exponierten Stellen hilft bloß ein Drahtseil; künstliche Haltepunkte (Haken, Krampen) nur bei den anspruchsvollsten Passagen.

    K5 – sehr schwierig

    Klettersteige in extremem Felsgelände! Senkrechte bis leicht überhängende Passagen, kleingriffig, oft bloß mit einem Drahtseil versehen. Nur für erfahrene Klettersteiggeher: gute körperliche Verfassung (Kraft, Ausdauer) und stabile Psyche Voraussetzung.

    K6 und K7 – extrem schwierig

    In diese Kategorie fallen nur ganz wenige »Gänsehautrouten«! Etwas für Unerschrockene mit starkem Bizeps.

    »Hüslers Klettersteigkreuz« (HKK)

    Ergänzt wird die K-Einstufung durch das Klettersteigkreuz (HKK). Seine vier Arme entsprechen den genannten Aspekten: nach links weisend Bergerfahrung, nach oben (Arm-)Kraft, nach rechts Kondition, nach unten Psyche. Unterteilt man jeden Arm in vier gleich lange Abschnitte (1 bis 4), entsteht ein exaktes Anforderungsprofil, aus dem sich jeder Klettersteigler die auf sein Können, seine Vorlieben zugeschnittene Touren herausfiltern kann. Je länger ein Arm, desto höher die entsprechenden Anforderungen. Beispiel: linker Arm 1 = hier braucht’s wenig Bergerfahrung, nach oben weisender Arm 3 = eine Route, die großen Krafteinsatz verlangt, rechter Arm 2 = mäßige konditionelle Anforderungen, nach unten weisender Arm 3 = Klettersteig mit längeren, sehr luftigen Passagen.

    Weiterführende Literatur

    Alle Titel von Eugen E. Hüsler, erschienen bei Bruckmann:

    Klettersteiggehen (Lehrschrift, 2006)

    Klettersteige 1 (Nordalpen, 2015) und Klettersteige 2 (Südalpen, 2012)

    Klettersteige mit kurzen Zustiegen (2011)

    Leichte Klettersteige Dolomiten (2013)

    Meine Klettersteig-Favoriten (2009)

    Top-Klettersteige Dolomiten (2008)

    Hüslers Klettersteigführer Gardasee mit Brenta (2012)

    Ran ans Eisen (2014)

    Im AT-Verlag erschienen:

    Fester Fels, solide Leitern: am »Tälli-Klettersteig«

    Klettersteige in den Bayerischen Alpen

    Steiles Gelände, beste Sicherungen am Grünstein.

    Die Alpspitze, ein alpines Wahrzeichen des Werdenfelser Landes.

    Ein echter Klassiker: die »Alpspitz-Ferrata«.

    Überall in den Bayerischen Alpen heimisch: der Stengellose Enzian.

    KLETTERSTEIGE IN DEN BAYERISCHEN ALPEN

    WEITERE KLETTERSTEIGE IN KURZFASSUNG

    Von der Alpspitz-Ferrata schaut man hinaus ins Voralpenland.

    Eine lange, aber nie langweilige Kammroute in den Allgäuer Alpen: der »Mindelheimer Klettersteig«.

    Ein Hit unter den Bayerischen Klettersteigen: die Route am Grünstein im Berchtesgadener Land.

    1 Mindelheimer Klettersteig

    Große »eiserne« Überschreitung

    Im Jahr 2015 wurde der »Mindelheimer« vierzig – längst ein Klassiker also. Und das hat seine guten Gründe. Da ist einmal der Steig, lang, deshalb auch ziemlich fordernd, mit originellen Passagen an den Schafalpenköpfen, dann das Panorama der Allgäuer Bergwelt mit ihren bekannten Gipfelzacken. Sehr angenehm ist auch, dass die Route weitab von allen Seilbahnen und Wintersportanlagen verläuft.

    Gipfel/Zielpunkt

    Fiderescharte – Schafalpenköpfe (2320 m) – Mindelheimer Hütte

    Ausgangspunkt

    Gebührenpflichtiger Wanderparkplatz (1176 m) an der Straße von Mittelberg (1215 m) nach Höfle

    Anfahrt

    Ins Kleinwalsertal kommt man von Kempten via Oberstdorf; gute Bahn- und Busverbindungen.

    Gehzeiten

    Insgesamt 9.30 Std.; Parkplatz – Fiderepasshütte 3 Std., »Mindelheimer Klettersteig« 4.30 Std., Mindelheimer Hütte – Parkplatz 2 Std.

    Charakter/Schwierigkeit

    Sehr populäre Kammüberschreitung in den Allgäuer Alpen mit reichlich Eisen und noch mehr Aussicht. Viele hübsche Einzelstellen am Klettersteig; landschaftlich lohnend sind auch Zu- und Abstieg. Als Tagestour überaus anstrengend, ideal mit einer Hüttenübernachtung. Die gesicherte Strecke an den Schafalpenköpfen ist länger, als man auf den ersten Blick glauben mag, die Einstiegspassage – ein kleiner Überhang (Schlüsselstelle) – recht knackig.

    Hütten/Einkehr

    Fiderepasshütte (2067 m), Tel. 0664/320 36 76 (Österreich). Mindelheimer Hütte (2013 m), Fax Hütte 0171/670 66 73

    Karte

    AV-Karte 1:25 000, Blatt BY 2 »Kleinwalsertal«

    Zustieg Auf einer Sandstraße durchs Wildental zur Fluchtalpe (1390 m), dann links und in vielen kurzen Kehren weiter bergan zur Vorderwildenalpe. Nun etwas flacher in die Mulde unter der Hammerspitze und zuletzt in Schleifen hinauf zu der weiten Senke des Fiderepasses (2035 m) mit der gleichnamigen Hütte. Über Geröll und Schrofen in die winzige Fiderescharte (2199 m) und zum Einstieg.

    Mindelheimer Klettersteig Die ersten Meter setzen gleich den Tarif: Mit Hilfe von Eisenbügeln erklimmt man den kurzen Überhang. Nun leichter aufwärts in eine senkrechte Rinne. An Eisenbügeln aus dem Loch, dann den Drahtseilen nach in die Gratkerbe knapp rechts des Nördlichen Schafalpenkopfs (2320 m).

    Spektakuläre, gut gesicherte Passage am »Mindelheimer Klettersteig«

    Am Grat entlang zu einem Steilabbruch, über ihn gut gesichert zu einer Leiter. Weiter am breiten Kammrücken entlang, mit Hilfe einiger Eisenklammern über einen Absatz hinunter. Eine solide Brücke hilft über einen Felsspalt; dann geht’s in einer schrägen Verschneidung (Fixseile) unter Überhängen abwärts. Wenig weiter bricht der Grat über eine senkrechte Wand ab; an Eisenbügeln hinunter in die Scharte zwischen Nördlichem und Mittlerem Schafalpenkopf.

    Der Anstieg zum Mittelgipfel startet recht rasant über steile Felsen; Eisenstifte entschärfen diese Passage. Einem engen Kamin entsteigt man nach rechts, anschließend leiten die Seilsicherungen über gestufte Felsen auf ein spitzes Köpfl. Gleich jenseits auf Klammern an dem plattig-steilen Fels abwärts, rechts um einen Turm herum und senkrecht auf ein abschüssiges Band. Gut gesichert über und um die zerklüfteten Gipfelzacken des Mittleren Schafalpenkopfs (2301 m). Dahinter hinab in die nächste Gratscharte (2104 m), zuletzt mit Seilsicherungen und ein paar Klammern.

    Steil aufwärts durch zwei Kamine und über ein Band auf den Südlichen Schafalpenkopf (2272 m). An dem breiten Rücken sanft bergab, dann links in eine Steilrinne. Über eine Leiter hinunter auf eine Rippe, an der man zum Felsfuß abklettert (Eisenstifte). Der Spur folgend bergab auf einen Wiesenboden. Zuletzt über das Kemptner Köpfl (2191 m) zur Kemptner Scharte. Etwa zehn Gehminuten weiter südlich steht die Mindelheimer Hütte (2013 m).

    Abstieg Aus der Kemptner Scharte auf schön angelegtem Weg an dem felsigen Rücken (Drahtseile) im Zickzack abwärts zum Felsfuß, dann in weiteren Kehren hinunter in den grünen Boden der Hinterwildenalpe (1777 m). Weiter zur Fluchtalpe und auf dem Anstiegsweg zurück zum Parkplatz.

    Mit Eisenklammern entschärfter Steilaufschwung am »Mindelheimer«

    2 Hindelanger Klettersteig

    Allgäuer Kraxelfreuden

    Eigentlich ist er ja mehr als nur eine Via ferrata, der »Hindelanger«, eine Gratroute in beeindruckender Länge, über ein halbes Dutzend Gipfel führend und vom Nebelhorn bis Breitenberg (1893 m) über Hinterstein rund acht Stunden weit. Echten Klettersteigcharakter hat allerdings bloß der erste Abschnitt vom Seilbahngipfel bis in die Mulde vor dem Großen Daumen (2280 m).

    Gipfel/Zielpunkt

    Großer Daumen (2280 m)

    Ausgangspunkt

    Bergstation der Nebelhorn-Seilbahn (2224 m), Talstation in Oberstdorf

    Anfahrt

    Der touristische Hauptort des Allgäus hat beste Bahn- und Straßenanbindung.

    Gehzeiten

    Insgesamt 6.30 Std.; Nebelhorn – Klettersteig – Großer Daumen 4.30 Std., Rückweg übers Koblat 2 Std. Schnupperrunde 2 Std.

    Charakter/Schwierigkeit

    Anspruchsvolle Kammüberschreitung in alpinem Gelände. Zwischen den gesicherten, teilweise recht ausgesetzten Passagen immer wieder ungesicherte leichte Kletterstellen (I) und Gehgelände, viel Erde und Gras – bei Nässe deshalb nicht zu empfehlen. Bei Gewitter weg vom Grat; es gibt mehrere Notabstiege ins Koblat. Schnupperrunde ideal für Einsteiger (K2).

    Hütte/Einkehr

    Einkehrmöglichkeiten am Nebelhorngipfel und an der Zwischenstation Höfatsblick

    Karte

    AV-Karte 1:25 000, Blatt BY 4 »Allgäuer Hochalpen«

    Entsprechend rege ist bei schönem Wetter der »Verkehr« auf diesem Teilstück. Das hat natürlich auch seinen Grund darin, dass man am dicken Drahtseil bequem zum Nebelhorn (2224 m) hinaufschweben kann: Einstieg ins Klettersteigvergnügen auf Gipfelhöhe.

    Hindelanger Klettersteig Vom Baukomplex am Nebelhorngipfel (2224 m) führt eine Treppe hinab zu einer Pfadspur, die am Grat entlang, eine erste Felskuppe umgehend, zum Einstieg leitet (Tafel). Eine steile Leiter macht den Auftakt; Drahtseile und mehrere Leitern, gelegentlich auch Eisenstifte sichern dann die lange Gratroute. Dazwischen hat man immer wieder auch unangenehm erdige Passagen. Hinter dem Westlichen Wengenkopf (2235 m) läuft die Route gut gesichert hinunter in eine Scharte. Sie markiert den Endpunkt des Schnupperparcours, rechts leitet eine Spur hinab zum Koblatweg.

    Am »Hindelanger Klettersteig« sind mehrere, teilweise recht lange Leitern verbaut.

    Drahtseile sichern ausgesetzte Passagen am zerklüfteten Grat der Wengenköpfe.

    Der Weiterweg zum Östlichen Wengenkopf wartet mit einigen anspruchsvollen Stellen auf; mehrere Grateinschnitte sind ab- und aufsteigend zu überwinden. Reichlich Luft unter den Schuhsohlen bietet eine Stelle unmittelbar am messerscharfen Grat (Tritteisen); wenig später steigt man über eine Eisenleiter ab zum Fuß einer senkrechten Wand. Unmittelbar nach der folgenden Scharte (Zwischenabstieg ins Koblat) leitet eine lange, schräge Leiter zurück auf den Kamm. Weiter in anregendem Auf und Ab, nur teilweise gesichert, zum Östlichen Wengenkopf (2206 m). Dahinter bietet sich nach steilem Leiterabstieg erneut die Möglichkeit, die Kraxelei abzubrechen; am Gegenanstieg zu den »Zwiebelsträng« (die ihren Namen von dem hier massenhaft vorkommenden Bergschnittlauch haben) helfen ein paar Tritteisen über plattige Felsen. Aus dem Koblat blinken die smaragdgrünen Augen von Laufbichel- und Koblatsee herauf, am südöstlichen Horizont steht die elegante Felspyramide des Hochvogels. Schließlich entlässt einen die abwechslungsreiche Route über eine letzte Leiter in eine Gratsenke. Wenig weiter stößt man auf den Normalweg zum Großen Daumen (2280 m). In einer Viertelstunde ist der Gipfel erreicht, und man kann zurückschauen auf den langen »eisernen« Grat.

    Abstieg Auf markiertem Weg mit einigem Auf und Ab über das Karrenplateau des Koblat zum Edmund-Probst-Haus (1927 m) bzw. zur Station Höfatsblick der großen

    3 Salewa-Klettersteig

    Genuss mit Schattenseite

    Seit dem Sommer 2007 hat der Iseler – Hausberg von Oberjoch – seinen Klettersteig, werbewirksam benannt nach einem bekannten Sportartikelhersteller. Leider verläuft die

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