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Weimar: Kleine Stadtgeschichte
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eBook310 Seiten2 Stunden

Weimar: Kleine Stadtgeschichte

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Über dieses E-Book

"O Weimar! dir fiel ein besonder Los …" – die Menschen strömten und strömen in Scharen an die Ilm, und auch heute noch gilt das bekannte Goethe-Wort. Weimars Bürger grüßen die Gäste mit urbanem Selbstbewusstsein: mit viel Gefühl für die fürstlichen Mäzene des "Musenhofs", mit Stolz auf die bewegte, prominent und illuster bevölkerte Geschichte. "Weimarer Klassik" und "Bauhaus" zählen heute zum UNESCO-Welterbe. All das erzählt diese Kleine Stadtgeschichte – originell, kurzweilig und kenntnisreich. Doch auch die dunklen Kapitel werden nicht ausgespart. Vom diktatorischen Missbrauch des edlen "Mythos Weimar" wird ebenso berichtet wie von der deutschen Kulturmission.
Weimar atmet frei, und nichts Menschliches ist ihm fremd – auch nicht bei seinem Goethe! Dieses Buch liefert einen neuen Blick auf die Kulturstadt und ihre reiche Geschichte.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum28. Okt. 2019
ISBN9783791761633
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    Buchvorschau

    Weimar - Detlef Jena

    Detlef Jena

    Weimar

    Kleine Stadtgeschichte

    Umschlagmotive:

    Vorderseite: Karl-August Denkmal (Dreamstime; ©Meinzahn);

    Rückseite: Goethe und Schiller Denkmal (fotolia, Westend61)

    Für

    Ingeburg Margareta

    BIBLIOGRAFISCHE INFORMATION DER

    DEUTSCHEN NATIONALBIBLIOTHEK

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

    in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische

    Angaben sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

    ISBN 978-3-7917-3084-4

    © 2019 by Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

    Reihen-/Umschlaggestaltung und Layout: Martin Veicht, Regensburg

    Satz: Vollnhals Fotosatz, Neustadt a. d. Donau

    Druck und Bindung: Friedrich Pustet, Regensburg

    Printed in Germany 2019

    eISBN 978-3-7917-6163-3 (epub)

    Weitere Publikationen aus unserem Programm

    finden Sie auf www.verlag-pustet.de

    Kontakt und Bestellungen unter verlag@pustet.de

    Inhalt

    Zum Geleit

    Vorwort – Die Stadt als Bibliothek

    Ein Ort nirgendwo in der Mitte Europas

    Von der Ehringsdorferin bis zum Thüringer Reich: Ursprünge / Weimar trittbescheiden in die Geschichte ein / 1250 – Eine kleine Stadt wird geboren! / Weimars Stadtwappen / Historische Weichenstellung: Verwaltungszentrum und Nebenresidenz / Geschichte des Hornsteins

    Im Sog der Weltenwende: Residenz fürstlicher Reformer

    Die Stadt gerät in die deutsche Politik / Luther über die weltliche Obrigkeit / Herzog Johann verordnet die Reformation / Johann der Beständige / Gewinn aus der Niederlage im Schmalkaldischen Krieg / »Hauptstadt« eines kleinen Herzogtums / Kulturstadt im Geburtsstadium: Die Gründung der »Fruchtbringenden Gesellschaft« / Die Wilhelmsburg / Musikalischer Glanzpunkt für einen künftigen Musenhof: Johann Sebastian Bach / Anna Amalia: Startschuss für den Musenhof

    Geburt eines Mythos – Klassisches Symbol der deutschen Kulturnation

    Die Stadt horcht auf: Der Dichter des »Werther« kommt! / Goethe im Staatsdienst: Mehr Minister als Dichter! / Loblied Goethes auf Carl August / Goethes und Schillers Bund: Weimar gewinnt an Profil / Madame de Staël über Weimar / Das Ende der Klassik: Im Mahlstrom der Napoleonischen Kriege / Herzogin Louises Begegnung mit Napoleon im Oktober 1806 / Das Zweikaisertreffen von Erfurt: Menetekel kommenden Unheils / Das kleine Glück im Weltgetriebe: Die Stadt wird großherzogliche Residenz / Coudray und Hummel bereichern Stadtbild und Musikkultur an der Ilm / Clemens Wenzeslaus Coudray

    Die Last des Erbes: Carl Friedrich verleiht Weimar das Gesicht biedermeierlicher Genügsamkeit

    Ende einer Epoche: Goethe stirbt / Wie sich Weimar »nachklassisch« entwickelte / Was wird aus Goethes Erbe? – Tradition und Neuanfang / Franz Liszt: Der Hoffnungsträger kommt! / Im Wellenschlag der deutschen Revolution: Liszt bereichert das klassische Erbe / Freispruch für Franz Liszt! / Über den Entwurf einer Goethe-Stiftung

    Die Dichtung folgt der Musik: In Erwartung eines »silbernen Zeitalters«

    Sanfte Politik auf dem Weg in das Deutsche Reich / Aristokratische Pflege der klassischen Traditionen – Das Denkmal deutschen Weltgeistes! / Aus den Erinnerungen des Malers Friedrich Preller d. J. / Das Neue Museum

    Das Erbe der Klassik erwacht im Kaiserreich zu neuem nationalem Leben

    Endlich: Goethes Nachlass wird geöffnet / Das Goethe-und Schiller-Archiv als gestaltendes Zentrum / Weimars Ehrenbürger Friedrich Lienhard / Frühlingsblüten der Moderne an der Ilm

    Epochenwandel – der schwierige Gang durch die Weimarer Republik

    Ende der Fürstenherrschaft – kein Ende der klassischen Traditionen / Die Nationalversammlung und das republikanische Weimar / Das Bauhaus: Moderne Visionen nicht erwünscht / Walter Gropius über die Arbeit des Bauhauses

    Eine nationalsozialistische Heimstatt Adolf Hitlers

    Weimar im politischen Kalkül der NSDAP / 1932: Goethes 100. Todestag dient dem Führerkult / Ansprache zum 50-jährigen Bestehens der Goethe-Gesellschaft / Alltag im Nationalsozialismus / Das Gauforum: Ein Phantom bestimmt die Stadtplanung / Das Konzentrationslager Buchenwald

    Historisches Zwischenspiel: Im Schaukasten der proletarischen Diktatur

    Bittere Realität: Der geschändete Ettersberg / Konzentrationslager der Sieger / Unvereinbarkeit von Klassik und Parteilichkeit / Goethe, Thomas Mann und der Kalte Krieg / Thomas Manns Ansprache im Goethejahr 1949 / Zweigleisiger Umgang mit den Beschlüssen von Partei und Regierung / Sozialistische Konflikte: Holtzhauer und Fürnberg / Zwischen den Fronten: Die Goethe-Gesellschaft / Sozialistisches Kulturpanorama / Hans Cibulka – Weimar

    Die säkulare Vision von einer europäischen Kulturstadt

    Kurs auf das Kulturstadtjahr 1999 / Europa und die Welt blicken auf Weimar / Ein Ort deutschen Wesens und nationaler Geschichte / »Kosmos Weimar«

    Anhang

    Stadtplan / Zeittafel / Fürstliche Regenten über Weimar / Bildnachweis / Literatur (in Auswahl) / Register

    Zum Geleit

    Ein Buch »Kleine Stadtgeschichte« zu nennen und es dann über Weimar zu schreiben ist ein ehrgeiziges Vorhaben, umfasst die Geschichte der Stadt doch so viele Jahrhunderte und Epochen, hat sie doch unzählige Gesichter gesehen und Geschichten erlebt und füllt damit so manches Bücherregal. Selbst wenn man mit der Erzählung erst im Jahr 1250, dem Gründungsjahr Weimars, beginnt, lässt man die bedeutende Ur- und Frühgeschichte der Stadt und ihrer Umgebung außen vor. Und schon damit vermag man die Ausstellung eines gesamten Museums zu kuratieren.

    Seitenweise könnte man dieses Buch mit Auflistungen prominenter Namen füllen und hätte noch nicht einen Satz geschrieben. Stattdessen gelingt es Detlef Jena, einen Querschnitt der Weimarer Geschichte zu erzählen und ihre immer wieder bedeutende, aber auch ambivalente Rolle im Laufe der Jahrhunderte zu akzentuieren.

    Hier predigte schon Luther, dessen reformatorische Ansätze nicht selten Grundlage hitziger Diskussionen in Weimar wurden. Später ließen sich hier Goethe und Schiller nieder, schrieben u. a. »Iphigenie auf Tauris« und »Wilhelm Tell«. Johann Sebastian Bach und Franz Liszt prägten Weimar musikalisch und Herzogin Anna Amalia beeinflusste die Kulturentwicklung der Stadt maßgeblich. Paul Klee, Johannes Itten, Wassily Kandinsky und viele weitere Künstlerinnen und Künstler inspirierte die Stadt zu neuen Werken. Hier wurde das Bauhaus gegründet, von hier wurde es aber auch vertrieben. Man stellte »Entartete Kunst« aus und man errichtete ein Konzentrationslager auf dem Ettersberg, das uns bis heute Mahnung ist: Man blickt in Weimar zu großen Namen auf und man blickt hinab in geschichtliche Abgründe.

    Die Geschichte der Stadt ist so spannend, facettenreich und ambivalent, dass erst die Summe der Erzählungen über Weimar ein Bild abgeben, das der Stadt gerecht wird. In diesen Reigen reiht sich die »Kleine Stadtgeschichte« ein und sticht dabei mit neuen Erkenntnissen des Autors, wissenswerten Anekdoten und Auszügen aus historischen Dokumenten hervor. Ich danke Herrn Jena und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie jenen, die dazu beigetragen haben, dass dieses Buch nun veröffentlicht vorliegt.

    Vorwort – Die Stadt als Bibliothek

    Die Stadt Weimar ist der Sammelpunkt einer großen Zahl berühmter Schriftsteller, deren Schriften, in ganz Deutschland gelesen, großen Einfluss auf die öffentliche Meinung haben …

    KAISER NAPOLEON I.

    Weimar ist ohne die Geschichte des Umgangs mit dem Erbe der literarischen deutschen Klassik nicht denkbar. Die in Weimar und über die Stadt geschriebene Literatur füllt Bibliotheken. Das geflügelte Wort »In Weimar muss man entweder Goethe oder sein Schreiber sein« ist Programm und schließt im weiten Sinne Persönlichkeiten wie Johann Sebastian Bach, Friedrich Justin Bertuch, Franz Liszt, Johann Friedrich Preller oder die Meister des Bauhauses und viele Stadtbewohner ein.

    Stadtgeschichten sind seit der Mitte des 18. Jahrhunderts verbürgt. All die vielen Erinnerungen, Reiseberichte, Dokumentationen, Monografien oder literarischen Darstellungen und poetischen Versuche standen bis zum Jahre 1918 im Lichte der Fürstenherrschaft. Beispielhaft Adelheid von Schorns Aufzeichnungen über das »nachklassische Weimar« oder auch Julius Schwabes »Erinnerungen eines alten Weimarers an die Goethezeit« – von den Zeugnissen Goethes, Wielands oder Herders und Schillers über das Leben in Weimar gar nicht zu reden. Aufzeichnungen über das »von unten« betrachtete Weimar wie z. B. von Franz David Gesky besitzen einen originellen Eigenwert. Und erst die Manuskripte der vielen geistvollen Damen – Schopenhauer, Egloffstein, Göchhausen, Krackow …!

    Die Deutungshoheit über Persönlichkeiten und Ereignisse der Stadt lag bis 1918 primär in Weimar und an seinem Hof selbst. Nationale Bestrebungen zur Würdigung der Klassik, wie sie im 19. Jahrhundert in verschiedenen Projekten z. B. für eine Goethe-Stiftung zum Ausdruck kamen, standen und fielen mit dem Votum der Ernestiner. Nach der Novemberrevolution von 1918 änderte sich dieses Alleinstellungsmerkmal: Das Deutsche Reich knüpfte mit dem politisch geprägten Begriff »Weimarer Republik« an die humanistischen Traditionen der literarischen Klassik an und hoben sie auf die Ebene der Reichspolitik, ohne sie mit stabilen politischen Inhalten füllen zu können.

    Luftbild der Weimarer Altstadt, im Vordergrund das Stadtschloss, links der Platz der Demokratie.

    Die Nationalsozialisten verwandelten Weimar von ihren politischen Zentralen in München und Berlin aus in die geliebte »Heimstatt des Führers« und nahmen Weimars Bürger quasi in Geiselhaft, indem sie auf dem Ettersberg mit dem KZ Buchenwald ein Beispiel höchster Menschenverachtung schufen.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Thüringen für die »proletarische Diktatur« nach sowjetischem Vorbild requiriert. Die SED-Führung in Berlin betrachtete Weimar als Ausgangspunkt und Kern ihres Antifaschismus wie auch der sozialistischen Kulturpolitik. Im Kalten Krieg wurde die Stadt zum Aktionsfeld des deutsch-deutschen Kulturkampfs, der Freunde und Gegner auf beiden Seiten besaß und hie wie dort zu Höchstleistungen in der Erbe- und Traditionspflege anspornte. Die Gründung der »Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur« und das Fortbestehen der gesamtdeutschen »Goethe-Gesellschaft« waren sichtbarer Ausdruck des Widerstreits.

    Mit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland am Beginn der 1990er-Jahre trat für Weimar eine historisch nicht gekannte Situation ein: Zum ersten Mal in der Geschichte bestimmten weder ein Landesfürst noch ein »Führer« noch ein Generalsekretär, wie die Bürger über ihren Goethe zu denken hatten. Geistiges Nachsinnen um weltoffene Werte sollte von nun an allein den Grundregeln der freiheitlich demokratischen Wertegemeinschaft und der sozialen Marktwirtschaft folgen. Der aus historischen Gründen unendlich schwierige Weg dahin erhielt einen zielorientierten praktischen Impuls: Weimar wurde 1999 europäische Kulturhauptstadt – mit allen kurz- und langfristig wirkenden Konsequenzen.

    Die Darstellung der Stadtgeschichte ruhte weder in der Zeit des Nationalsozialismus noch in der DDR. Wie kompliziert die Erkenntnisgewinnung in der DDR zwischen einer auf Quellen beruhenden soliden Forschungsarbeit und der sozialistischen Siegesgewissheit gerade im deutsch-deutschen Weimar gewesen ist, dokumentiert die 1975 veröffentlichte »Geschichte der Stadt Weimar« von Lothar Wallraf und Gitta Günther. Darüber hinaus hat sich z. B. Letztere über politische Grenzen hinweg auch in den letzten 25 Jahren um die Stadtgeschichte Weimars verdient gemacht.

    Mit der »Wende« haben sich die methodischen Prinzipien historischer Betrachtungen verändert: Die Kulturgeschichte und das Leben von Persönlichkeiten sind ins Zentrum der Betrachtung getreten. Auch hier hat das Kulturstadtjahr determinierend gewirkt. Abgesehen von der Masse an Veröffentlichungen, die Vergangenheit und Gegenwart Weimars für den internationalen Tourismus aufschließen, haben einzelne Historiker und die neu formierten Institutionen der Klassik-Stiftung, des Landesarchivs oder des Stadtarchivs usw. umfassende Darstellungen veröffentlicht, deren Schwerpunkte eindeutig in der Kulturgeschichte liegen.

    Die nun vorliegende Kleine Stadtgeschichte folgt diesem Trend, weil sie sich an die heutigen Besucher Weimars wendet, vor allem jedoch, weil sein Platz in der Geschichte objektiv durch die Kulturgeschichte bestimmt wird und sich das allgemeine öffentliche Interesse an der Weimarer Klassik, der Weimarer Musik und an der Weimarer Moderne orientiert. So ist es ganz natürlich, dass auch der Autor dieser Kleinen Stadtgeschichte den umfassenden und grundlegenden kulturhistorischen Arbeiten der ausgewiesenen Meister moderner Stadtgeschichtsschreibung Weimars, u. a. Friederike Schmidt-Möbus / Frank Möbus, Siegfried Seifert, Jochen Klauss, Volker Wahl, Gerhard Müller oder Annette Seemann, besondere Aufmerksamkeit und demütige Achtung zollt. Zugleich legt der Autor Wert darauf, dem Leser selbst in diesem durch die Reihenvorgaben knappen Rahmen eigene neue Erkenntnisse vorzustellen, die über vorgegebene Leitbilder hinausgehen.

    Alle Leser, die in diesem Taschenbuch diese oder jene bedeutsame Persönlichkeit vermissen, dieses oder jenes Ereignis stärker betrachtet sehen wollen, werden auf das Literaturverzeichnis verwiesen – dort finden sich trotz des Auswahlcharakters durch den Verweis auf Quellen und literarische Arbeiten aus den letzten Jahrzehnten genügend einschlägige Titel, die der reichen Gesamtgeschichte dieser denkwürdigen Stadt gerecht werden.

    Der Autor dankt dem Verlag Friedrich Pustet und der Lektorin Christiane Abspacher und der Gestalterin Julia Wagner für das Vertrauen, diese Kleine Stadtgeschichte angesichts der unermesslichen Literatur, die über Weimar in der Welt ist, schreiben zu dürfen.

    Ein Ort nirgendwo in der Mitte Europas

    Weit, hoch, herrlich der Blick

    Rings ins Leben hinein!

    Von Gebirg zu Gebirg

    Schwebet der ewige Geist,

    Ewigen Lebens ahndevoll.

    JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

    AUF DEM ETTERSBERG

    Von der Ehringsdorferin bis zum Thüringer Reich: Weimars Ursprünge

    Die Ur-Weimarerin lebte im heutigen Ortsteil Ehringsdorf. Kam sie nur zu Besuch, wer hat sie begleitet, war sie vor 200.000 Jahren oder früher hier? – Das sind Anfangsfragen an Weimar und dessen Geschichte. Tatsache ist, dass die Weimarer Mulde für die Urväter und Urmütter über Jahrtausende hinweg eine beliebte Verweilregion gewesen ist. Die relative Zeitlosigkeit hat den frühen Menschen begleitet, und der hat seine Schnurkeramiken und Glockenbecher, aber dann auch schon Äxte und Schmuck recht arglos liegen gelassen.

    Das eifrig frequentierte Ilmtal lockte Ackerbauern und Viehzüchter an. Darüber vergingen Jahrtausende. Weimarer Gräberfelder aus den Jahren um 2000 v.Chr. erscheinen da schon fast modern! Kelten wie Germanen haben zwischen 1000 v. Chr. und 500 n. Chr. – grob überschlagen – wahre Schätze ihrer Stammeskulturen aus Haus, Hof, Acker und Wald, aber auch im kriegerischen Feld so fest in die Erde gepresst, dass die Ur- und Frühgeschichtsforscher allzeit gute Arbeit haben. Die frühen Thüringer (Toringi), formiert von ortsansässigen und aus dem Osten zugewanderten Stämmen, taten ein Übriges, um den Ortsnamen »Weimar« in die Welt zu bringen. Sie prägten den Begriff Vimari und bedachten damit ihre an einem heiligen See gelegene Kultstätte. Es wäre zu schön, wenn der Weimarer Schwansee gemeint gewesen wäre, der sich fabelhaft in die historische Gesamtvita der Stadt einpasst.

    Szenen aus dem Leben des Bonifatius: Heidentaufe (oben) und Märtyrertod (unten) im Fuldaer Sakramentar (Anfang 11. Jahrhundert)

    Der Wichtigkeit Weimars angepasst erscheint auch seine Erwähnung als Knotenpunkt im großen Thüringer Königreich des 5./6. Jahrhunderts. Die Könige Bisin und Herminafried dürften Wimari besucht haben. Zumindest sprechen die Gold- und Silberfunde im späteren Jakobsviertel von der Existenz schon privilegierter Persönlichkeiten. Es war das Jahrhundert der Völkerwanderung, des Vorstoßes der Hunnen unter König Attila aus dem Innern Asiens, in dem das Thüringer Reich zu europäischer Größe gewachsen ist. Nach der Unterwerfung in der Schlacht an der Unstrut 531 durch ein fränkisches Heer und dem Untergang des Thüringer Reichs verlosch zugleich Wimaris bescheiden aufflackerndes Licht in der Geschichte. Abseits fränkischer Machtpolitik wurde erst ein Jahrhundert später durch die Merowinger ein Herzogtum Thüringen gegründet, und die Missionsreisen v. a. des heiligen Bonifatius zur Christianisierung führten 741 zur Gründung des Bistums Erfurt.

    Die religiös-politische Aufwertung der Region erfasste auch das Ilmtal und förderte den Zuzug slawischer Siedler. Der überzeugende Beleg: ein befestigter Adelshof mit frühchristlicher Martins-Kirche als Kern einer auf Sesshaftigkeit orientierten Gemeinde. 899 tauchte in einer Urkunde des Kaisers Arnulf zum ersten Mal ein Ort namens Vvigmara auf. Weimars Annalen vermerken stolz die damit verbundene historische Ersterwähnung der Stadt. Ganz sicher ist die Vermutung allerdings nicht!

    Im Vergleich zu den vorausgegangenen Zeiten nahm das Tempo der urbanen Evolution jetzt erheblich an Fahrt auf. Bereits 949 hat sich ein Adelsgeschlecht, das den modischen Vornamen Wilhelm favorisierte, in dem zur Burg ausgebauten Adelssitz etabliert. Prompt wurden die Wilhelme in regionale Händel verwickelt, unter denen die Bewohner auf dem ziemlich eng begrenzten Areal der späteren Jakobsvorstadt zu leiden hatten. Die dort siedelnden Menschen haben reichhaltige Artefakte hinterlassen. Ihre Namen, Gesichter oder gar Gefühle bleiben im Dunkel der Geschichte verborgen.

    Weimar tritt bescheiden in die Geschichte ein

    Sollte der Name Vvigmara aus dem Jahre 899 tatsächlich »unser« Weimar gemeint haben, so

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