Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Des Todes Tochter - Florana
Des Todes Tochter - Florana
Des Todes Tochter - Florana
eBook257 Seiten3 Stunden

Des Todes Tochter - Florana

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Über dieses E-Book

"Alles Leben hat eine Sache gemeinsam: Irgendwann endet es auf die eine oder andere Art und Weise. Viele, vor allem aber Tiere, spüren, wenn das Ende naht, und bereiten sich darauf vor. Aber dann gibt es auch diejenigen, die einfach so aus dem Leben gerissen werden – behaupten sie zumindest.
 
Humbug, sag ich dir! Alles folgt einem festen Plan, jeder Tod ist auf die Sekunde genau festgelegt. Deswegen ist er normalerweise auch der Letzte, den man sieht, bevor die Lichter ausgeknipst werden.
Zumindest, wenn man nicht schummelt.
 
Stellen wir uns also mal vor, dass deine Zeit gekommen ist und der Tod bei dir anklopft. Das gängigste Bild setzt sich aus einer schwarzen Kapuzenkutte, einem Knochenkerl und einer blitzblank gewienerten Sense zusammen, richtig?
 
Tja, aber statt dem alten Knochenkopp, steht da ein Mädchen. Süß und klein, mit hübschem Pferdeschwanz und einer unerträglich pinken Sense in der kleinen Hand, welches dich fröhlich angrinst.
Kannst du nicht glauben? Da muss eine Verwechslung vorliegen, meinst du? Nope, da muss ich dich enttäuschen. Denn vor dir steht der zukünftige Tod, die Tochter des Gevatters, Florana."
SpracheDeutsch
HerausgeberBookRix
Erscheinungsdatum28. Okt. 2019
ISBN9783748718994
Des Todes Tochter - Florana
Vorschau lesen

Mehr lesen von Loreletta Nox

Ähnlich wie Des Todes Tochter - Florana

Rezensionen für Des Todes Tochter - Florana

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

    Buchvorschau

    Des Todes Tochter - Florana - Loreletta Nox

    München

    Des Todes Tochter - Florana

    von Loreletta Nox

    Kleines Vorwort

    Liebe Rollenspieler

    - und natürlich auch alle anderen Fantasy-liebenden Leute -

    habt ihr euch schon einmal gefragt, was mit den geliebten Charakteren passiert, wenn sie ihre Abenteuer nicht mit heiler Haut überstehen und nicht einmal mehr eine Göttliche Intervention ihnen mehr helfen kann?

    Ja?

    Dann haltet ihr hier die Antwort in den Händen!

    Entstanden aus einer alten Rollenspielrunde, die sich dieselbe Frage gestellt hatte, zeigt die Geschichte um Collin und seine Freunde, wie das mögliche Leben der gefallenen Helden aussehen könnte.

    Eine nicht ganz ernst gemeinte Reise durch das chaotische Leben nach dem Leben diverser Rollenspielcharaktere - und jenen, die das noch vor sich haben.

    Kurzbeschreibung

    „Alles Leben hat eine Sache gemeinsam: Irgendwann endet es auf die eine oder andere Art und Weise. Viele, vor allem aber Tiere, spüren, wenn das Ende naht und bereiten sich darauf vor. Aber dann gibt es auch diejenigen, die einfach so aus dem Leben gerissen werden – behaupten sie zumindest.

    Humbug, sag ich dir! Alles folgt einem festen Plan, jeder Tod ist auf die Sekunde genau festgelegt. Deswegen ist er normalerweise auch der Letzte, den man sieht bevor die Lichter ausgeknipst werden.

    Zumindest, wenn man nicht schummelt.

    Stellen wir uns also mal vor, dass deine Zeit gekommen ist und der Tod bei dir anklopft. Das gängigste Bild setzt sich aus einer schwarzen Kapuzenkutte, einem Knochenkerl und einer blitzblank gewienerten Sense zusammen, richtig?

    Tja, aber statt dem alten Knochenkopp, steht da ein Mädchen. Süß und klein, mit hübschem Pferdeschwanz und einer unerträglich pinken Sense in der kleinen Hand, welches dich fröhlich angrinst.

    Kannst du nicht glauben? Da muss eine Verwechslung vorliegen, meinst du? Nope, da muss ich dich enttäuschen. Denn vor dir steht der zukünftige Tod, die Tochter des Gevatters, Florana."

    Prolog

    Summend marschierte das zierliche blonde Mädchen, einem Engel gleichend, über eine Blumenwiese. Schmetterlinge tanzten in ihrer Nähe, die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel herab und eine sanfte Brise spielte neckisch mit einer losen Strähne ihrer langen Haare. Den Rest hatte sie wohlweislich in einem hohen Pferdeschwanz gebändigt und diesen mit einer Schleife verziert.

    Die Uniform einer katholischen Mädchenschule, offenbar französischen Ursprungs, bedeckte den Körper und eine kleine lederne Schultasche wippte auf ihrer Schulter.

    Eigentlich ein harmonisches, fast schon friedliches Bild. Geneigte Betrachter, so es welche gäbe, würden darauf wohl hereinfallen, den ruhigen Anblick einfach genießen… wäre da nicht der kleine Schönheitsfehler, welchen der Gang des Mädchens hinterließ.

    Denn hinter ihr, ihr mit einem gewissen Abstand folgend, verging die Friedlichkeit der Blumenwiese. Verdorrte doch alles bis zur Unkenntlichkeit, zerfielen die Schmetterlinge noch im Flug zu Staub und verwehten im auffrischenden Wind.

    Erst nach Dutzenden weiteren Schritte hielt sie an, ließ den Blick der wässrig blauen Augen schweifen und hob eine zierliche, gar zerbrechlich wirkende, Hand an, um mit den Fingern leise zu schnippen.

    Unerwartet hell erklang der Ton, welchen sie damit produzierte und der sich auf einen Fleck vor ihr zu beschränken schien. Es wirkte gar so, als würde dieses feine Geräusch sich vor ihr verdichten und die Luft förmlich zum Vibrieren bringen, bis diese abrupt zersprang.

    Aus dieser Verwundung der Luft formte sich ein Portal, klein und wabernd, welches nur darauf zu warten schien, dass seine Erschafferin es durchquerte, damit es sich wieder schließen konnte.

    Ein helles Kichern, dann wieder das sanfte Summen und schon hüpfte sie beschwingt hindurch, wurde verschluckt und durch den Sog vorangetragen.

    Kapriolen schlagend reiste sie so durch den Strom, ehe sie mit einem kleinen Hüpfer das Ausspucken aus eben jenem kompensierte und ein weiteres Mal den Blick schweifen ließ.

    Vor ihr erstreckte sich ein Sandplatz, bevölkert von unüberschaubar vielen Leuten, die allesamt darauf warteten, dass sie an der Reihe wären. Ein überfüllter Schreibtisch war das gewählte Ziel der Anwesenden, hinter dem es geschäftig raschelte und knisterte. Und hinter eben jenem Schreibtisch…

    Ja, hinter diesem ragten zwei gewaltige Flügeltüren in die Höhe, welche sich in unregelmäßigen Abständen öffneten und wieder schlossen und dabei ein skurriles Wechselbild von Hell und Dunkel zur Schau stellten.

    Ja, hier war sie richtig! Freudig strahlend setzte sie hüpfend und summend ihren Weg fort, grüßte mal nach links, mal nach rechts und kicherte, als sie letztlich vor dem Schreibtisch angekommen war und den daran hockenden Kerl ausgemacht hatte.

    „Ich bin zurühüüück!", flötete sie diesem freudig entgegen, sodass er seine Aufmerksamkeit auf das Mädchen – nein, die junge Frau! – lenken musste. Normalerweise regte er sich durchgehend auf und glich dementsprechend auch einer Tomate. Doch nicht dieses Mal.

    Ihr Anblick wischte ihm sämtliche Farbe aus dem Gesicht, sodass er einer frisch gekalkten Wand allemal Konkurrenz hätte machen können. Was hatte der arme Kerl bloß?

    „Wie … schön!", quietschte er irgendwann hervor und zwang sich zu einem leicht verkniffenen Lächeln, welches seine Aussage eindeutig Lüge strafte.

    Umso rascher trug er allerdings etwas ein, um die für ihn wohl unangenehme Anwesenheit auf ein Minimum zu reduzieren, bevor er sie wieder verkniffen anlächelte und auf die Flügeltüren wies.

    „Geh ruhig durch. Du weißt ja, sie stehen dir beide offen."

    Vergnügt wirbelte sie auf dem Fußballen herum und setzte ihren gehüpften Weg weiter fort. Sie wirkte trotz allem deplatziert zwischen all den mitunter verkniffenen Gesichtern, ungewöhnlich deformierten Leibern und unwillig knurrenden Jägern, welche ihr kurzzeitig hinterher sahen und ihr offenbar für irgendetwas die Schuld in die Schuhe schoben.

    Aber das kümmerte sie scheinbar nicht.

    Die Qual der Wahl blieb ihr dennoch, während sie den Flügeltüren immer näherkam und weiterhin schnurgerade auf den mittleren Punkt zuhielt.

    Linke oder doch lieber rechte Seite? Wem wollte sie heute lieber auf die Nerven gehen? Eine wirklich schwere Entscheidung, aber letztlich verlegte sie sich darauf summend und hüpfend eine kleine Kurve nach rechts zu vollführen.

    Es wirkte verstörend auf die sie beobachtenden Jäger und deren ‚Kunden‘ wie sie mit fröhlichem Gemüt auf die sich öffnende Flügeltür zu hüpfte, von dem daraus hervorquellenden heißen Wind umspielt wurde und durch den Zugang zur Hölle in exakt jene verschwand.

    Wer es nicht besser wusste – und das waren zumindest die frisch Verstorbenen an den Seiten der Jäger – wunderte sich darüber, was so eine süße, unschuldige und vor allem junge Frau überhaupt auf dem Platz zu suchen gehabt hatte. Und wieso ausgerechnet sie in diesem so düsteren Zugang verschwinden musste.

    Aber jeder von ihnen würde sie noch früh genug wiedersehen und eines Besseren belehrt werden. Jene, die in der Musterung des Archivars für einsetzbar empfunden und somit durch dieselbe Tür gesandt werden würden, würden ebenso lernen, mit wem genau sie es zu tun hatten, wie auch jene, welche ausgemustert wurden und somit durch die linke Tür zu gehen hatten.

    Denn dieser kleine Flummi, welcher sich ihnen präsentiert hatte, durfte ungehindert auf beiden Ebenen wandeln – auch wenn sie definitiv die Untere bevorzugte.

    Fernab der Blicke der Neuzugänge hüpfte diese gerade auf die Ebene der Hölle und sah sich vergnügt um. Wie bei jeder Ankunft war sie mittig auf der mit rötlichem Sand überzogenen Ebene gelandet und gönnte sich einen ausgiebigen Blick auf die sieben Paläste der Sünden, welche kreisförmig um den Landeplatz angeordnet zu sein schienen.

    Wem sollte sie zuerst einen Besuch abstatten? Es gab ja so unendlich viele Möglichkeiten! Und dass sie einen Höflichkeitsbesuch bei ihrem Vater vollzog, war mitunter das Unwahrscheinlichste, was man von ihr erwarten würde. Und damit gerade genau das Richtige.

    Aus dem unschuldigen Lächeln wurde ein schier maliziöses Grinsen. Ja, das wäre perfekt! Wie kam sie nur immer auf so grandiose Ideen?

    Kichernd drehte sie sich daher wieder auf dem Fußballen herum, bis sie zwischen zwei der Paläste ausgerichtet war und schlenderte los. Und da sie noch eine gewisse Zeit lang unterwegs sein würde, konnte sie sich auch der Tagesplanung widmen.

    Punkt Eins: Ihren werten Herren Vater mit ihrem Überraschungsbesuch so sehr aus der Fassung bringen, dass er am liebsten freiwillig von seiner bezogenen Plattform springen würde.

    Punkt Zwei bis Hundert: Chaos stiften!

    Die letzten Punkte waren ihr dabei die Liebsten. Immer. Denn im Chaos stiften war sie ja besonders gut.

    Oh, wie sehr sie sich schon auf das entsetzte Gesicht des Knochenkopfs freute, wenn er die Tür öffnen würde und sie auf der Matte stünde. Wie lange würde er wohl dieses Mal brauchen, um sich davon zu erholen?

    Beschwingt hüpfte sie – nur nie die Illusion fallen lassen! – weiter, bis sie im roten Sand der Ebene etwas entdeckte. Etwas, worauf sie bereits eine halbe Ewigkeit gewartet hatte!

    Genau vor ihr, maximal zwanzig Schritte entfernt, lag einer der Jäger im Sand und schlief. Schwarze Hose, weißes Hemd, schwarze Krawatte, schwarzer Mantel und ein blauschwarzer Haarschopf: Collin!

    So sehr sie sich auch bemühte, ganz konnte sie ihr diebisches Kichern nicht unterdrücken. Das war einfach nur perfekt! Auf so eine Gelegenheit hatte sie gewartet.

    Denn üblicherweise verkroch sich der Jäger mit dem eiskalten Blick sonst wohin, wenn er ruhte und versaute ihr damit permanent jedweden Streich, den sie ihm hätte spielen können.

    Ihr war dabei herzlich egal, warum er ausgerechnet heute eine Ausnahme machte, denn: Einem geschenkten Gaul schaute man nicht ins Maul!

    Leise, wenn auch noch immer kichernd, huschte sie näher, bis sie nur noch eine Armlänge von ihm entfernt war. Das würde ein Spaß werden! Und sie wusste auch schon genau, was sie dem alten Brummkopp antun würde.

    So leise es ihr nur möglich war öffnete sie die lederne Schultasche, tastete suchend in dieser herum und betrachtete voller Genugtuung den Totenschädel, welchen sie letztlich aus den Untiefen ihrer Tasche zu Tage befördert hatte.

    Ein uralter Totenschädel, auf dessen Stirnplatte ein von schwarzen Rosen umschlungenes Schwert prangte, eine Augenhöhle leer, in der anderen ein Geldstück liegend. Wilson!

    Spardose, Alptraumspender und ältester Freund der jungen Frau – er war immerhin ihr erstes Opfer gewesen, da stand ihm auch die Ehre zu, sie auf ewig zu begleiten.

    Vorsichtig platzierte sie den Totenschädel, sodass dieser an Collins Bein angelehnt und die Augen diesem so zugewandt waren, dass sie ihn anglotzen konnten. Er würde schon wissen, was genau er zu tun hatte, wenn er wieder wach wäre.

    1

    Nach der erfolgreichen Platzierung ihres neuesten Meisterwerks der Streichekunst machte sie sich aber wieder auf den zuvor eingeschlagenen Weg. Denn nur, weil sie eine so unglaublich gute Gelegenheit bekommen und diese wahrgenommen hatte, hieß das noch lange nicht, dass sie von ihrem ursprünglichen Plan abweichen würde.

    So hüpfte sie summend weiter, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen tragend, und vergnügt den vereinzelten Seelen zuwinkend, welche ihren Weg kreuzten. Und welche schleunigst für Abstand zwischen ihr und ihnen sorgten.

    Och, was hatten die denn nur, hm?

    Wieder musste sie vergnügt kichern, doch dieses Mal gab sie sich nicht die Mühe dabei leise zu sein. Sie war viel zu gut gelaunt, als dass sie daran Anstoß genommen hätte – und sie war es ja auch gewöhnt.

    Bedauerlicherweise wurde es durch dieses allgegenwärtig präsente Misstrauen der Belegschaften immer schwieriger für sie ihr über alles geliebtes Chaos zu stiften. Aber man war ja erfinderisch – und konnte eine Gelegenheit erkennen, wenn diese sich bot.

    Aus ihrem Summen wurde ein fröhliches Pfeifen, mit welchem sie weiter über die rote Ebene hüpfte, bis sie deren Bruchkante erreichte.

    Zwischen zwei der Palästen, genau an der richtigen Stelle, schwebten dahinter doch einige Trümmerstücke, über welche sie nur noch musste. Die kleineren bildeten dabei eine Art Pfad, die größte beherbergte jedoch eine hübsche Hütte, welche ihr eigentliches Ziel war.

    Eine leichte Übung, nicht viel schwieriger als Käsekästchen zu spielen.

    Sofern man denn lebensmüde genug war und zum Gevatter höchstpersönlich wollte. Was nur selten vorkam.

    Eine andere Melodie summend hüpfte und tänzelte sie daher über die kleineren Stücke, landete letztlich auf dem größeren und marschierte beschwingt zur Türschwelle.

    Haltung annehmen, strahlendes Lächeln auf die Lippen zaubern und dann schwungvoll anklopfen. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern in einem herrlich nervtötenden Stakkato, bis die Tür vor ihrer Nase aufgerissen wurde und den Blick auf die kuttige Gestalt ihres Vaters freigab.

    Außer der schwarzen Kutte bekam man vom Knochenkopf normalerweise eh nicht viel zu sehen. Vielleicht noch die Sense, die er mit sich herumschleppte, wenn er sich denn einmal dazu bequemte seinem eigentlichen Beruf nachzugehen.

    Zuhause jedoch bekam man – und sofern man irgendwie von ihm abstammte – die seltene Gelegenheit mal in sein ach so wunderschönes Antlitz sehen zu können. Man bemerke den Sarkasmus.

    Aber das wäre zu weit vorgegriffen. Denn in jenem Moment stand er da, gewohnt gehüllt in seine Kutte, den Kopf suchend von links nach rechts und wieder zurück wandern lassend, bevor er innehielt und diesen dann nach unten senkte.

    Obligatorisches Grillenzirpen setzte ein, während die beiden einander anstarrten. Florana breit grinsend und mit erhobenem Mittelfinger vor ihrem Herrn Vater und Besagter wie versteinert auf seiner eigenen Türschwelle stehend.

    „Hui, das dürfte ein neuer Rekord sein, meinst du nicht?"

    Süffisant grinsend sah sie ihm dabei zu, wie er sich kurz umwandte, sich bückte, nur um dann mit zwei dick gepackten Koffern aus seiner eigenen Haustür zu marschieren und diese für sein herzallerliebstes Töchterlein sperrangelweit offen stehen zu lassen.

    „Das wars! Ich bin im Urlaub!"

    Und mit eben jenen heroischen letzten Worten rauschte er von dannen, während Florana ihm breit grinsend nachwinkte. „Viel Spahaaaß!"

    Sobald auch der letzte Zipfel der schwarzen Kutte aus ihrem Sichtfeld verschwunden war und sie ihn auch nicht mehr toben hören konnte, stieß sie einen begeisterten Schrei aus und straffte den Rücken. Dieser Moment verlangte nach Würde, um dem süßen Geschmack des Sieges gerecht werden zu können.

    Hocherhobenen Hauptes strich sie sich daher den knielangen Faltenrock glatt, zog ihren Pferdeschwanz noch einmal straff und stolzierte dann mit einem glücklichen Lächeln in das Domizil ihres Vaters.

    Welches er ihr ja so großzügig für die Dauer seiner Abwesenheit überantwortet hatte. Und wie jede gute Tochter würde sie sich auch ganz besonders aufmerksam darum kümmern, dass er es bei seiner Rückkehr wieder vorfinden würde.

    Eventuell nicht in demselben Zustand, in welchem er es verlassen hatte, aber es würde noch existieren! Dieses Mal zumindest… Vielleicht…

    Doch sobald die Tür hinter ihr ins Schloss gefallen und sie zu ihrem Zimmer stolziert war, war es vorbei mit der Würde.

    Schwungvoll pfefferte sie die Ledertasche gegen die nächstbeste Wand, ließ ihre Schuhe direkt folgen und tapperte dann ins Wohnzimmer, um sich dort bäuchlings auf die gewaltige Wohnlandschaft zu schmeißen, welche sich der Herr in altem Leinen gegönnt hatte.

    Oder besser gesagt, sich hatte gönnen müssen. Eventuell gab es da vor einiger Zeit einen unschönen Zwischenfall, welcher einen tobenden Greifen in einem nicht darauf ausgelegten Haus beinhaltet hatte.

    Die Erinnerung an die fliegenden Schaumstoffteile, die zerfledderten Tapeten und klirrenden Scherben zauberte ihr doch ein leichtes Grinsen auf die Lippen, während sie sich auf den Rücken rollte und zur Decke starrte.

    „Hm…", stieß sie aus und wackelte ein wenig mit den Zehen. Und nun? Sie hatte das gesamte Haus für sich, ihren alten Herren erfolgreich verscheucht und dafür gesorgt, dass Herr von und zu Brumm und Knurr definitiv angepisst aufwachen würde.

    Eigentlich ein Erfolg auf ganzer Linie, oder?

    Blöd nur, dass damit ihr vorläufiges Tagesziel bereits erreicht war. Zumindest der Teil, welchen sie mehr oder weniger geplant hatte. Jetzt hatte sie einfach nur noch Zeit und alle Möglichkeiten offen.

    Leises Klimpern ließ sie den Kopf weit in den Nacken legen und noch seliger grinsen als zuvor. Schön in Griffreichweite lag Wilson, beide Augen mit einer Münze gefüllt und dreckig grinsend, wie es nur ein Totenschädel konnte.

    Und da er nun samt Münze wieder bei ihr war, hieß das, dass er seinen Auftrag – Collin derbe auf den Sack zu gehen – erfolgreich beendet hatte. Was für eine herrliche Fortsetzung dieses ohnehin so wundervollen Tages!

    Quietschend vor Freude schwang Florana die Beine in die Luft, nutzte den Schwung und machte einen Purzelbäum rückwärts, bis sie hinter dem grinsenden Schädel hockte und in einer Siegesgeste beide Fäuste wild in die Luft rammen konnte.

    Nicht, dass sie im aktuellen Zustand der von den Menschen bewohnten Ebene überhaupt noch Geld gebraucht hätte, aber he, es besserte ihr nicht vorhandenes Taschengeld auf. Da konnte man sich doch auch mal freuen, oder nicht?

    „Na, wie knausrig war er denn?" Inspizierend pflückte sie die Münze aus der Augenhöhle, hielt sie gegen das Licht und biss sogar ungeniert hinein. Jup, eine echte Münze der Menschen mit mittlerem Wert. Sie sollte den sterblichen Jäger eindeutig öfter piesacken, das rentierte sich ja mal richtig.

    Zur Verwahrung stopfte sie das Stück Metall zwischen die gebleckten Grinsezähne Wilsons, sodass es wirkte, als würde dieser die Münze verschlucken. Mangels Körper sollte sie ja wohl wieder auf der Wohnlandschaft landen, aber das war ja das Schöne daran die Tochter des Todes zu sein.

    Statt also auf den Polstern zu landen, verschwand das Geldstück im Nichts, um dort mit einem hellen klingen bei ihren sonstigen Schätzen zu landen. Spardose eben!

    Mit neuer Begeisterung schwang sie sich von der Wohnlandschaft, schnappte sich Wilson und verschwand hüpfend und, dank diesem, klingelnd in ihr Zimmer. Ab mit dem treuen Kumpan auf seinen Stammplatz auf dem Regal und dann wieder rein in die Schuhe.

    So schön es auch war das ganze Haus für sich allein zu haben, es gab zwei Dinge, die gerade wohl essenziell wichtiger für sie waren, als sich weiterhin daran zu erfreuen.

    Zum einen

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1