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Die gelbe Tapete: Erzählung
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eBook56 Seiten47 Minuten

Die gelbe Tapete: Erzählung

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Über dieses E-Book

Eine junge Frau braucht nach der Geburt ihres Kindes Erholung, meint ihr Ehemann und mietet ein Sommerhaus, damit sie zur nötigen Ruhe kommt.
Die junge Mutter fühlt sich wohl in dem schönen Haus, einzig der Raum mit der gelben Tapete bereitet ihr Unbehagen. Die in sich verschlungenen Muster scheinen von Tag zu Tag bedrohlicher und flößen ihr Angst ein. Was nur verbirgt sich hinter der Tapete?
Unheimlich und beklemmend liest sich diese Geschichte in der Tradition von Edgar Allan Poe. Ein Schlüsseltext der amerikanischen Literatur in der Neuübersetzung von Christian Detoux.
SpracheDeutsch
HerausgeberDörlemann eBook
Erscheinungsdatum22. Aug. 2018
ISBN9783038209584
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    Buchvorschau

    Die gelbe Tapete - Charlotte Perkins Gilman

    Übersetzer

    Charlotte Perkins Gilman

    Es geschieht selten, dass gewöhnliche Leute wie John und ich im Sommer ein historisches Anwesen mieten können.

    Ein Herrenhaus aus der Kolonialzeit, ein Erbsitz, ein Geisterhaus, würde ich sagen, der Inbegriff romantischen Glücks – doch das hieße das Schicksal herausfordern!

    Und doch behaupte ich steif und fest, dass es ein wenig unheimlich ist.

    Würde man es sonst so günstig vermieten? Und wäre es so lange unbewohnt geblieben?

    John macht sich natürlich lustig über mich, doch so ist das eben in der Ehe.

    John ist äußerst praktisch veranlagt. Für Glaubensdinge hat er keine Geduld und gegen Aberglauben hegt er einen ausgeprägten Abscheu. Wer über Dinge spricht, die man nicht anfassen und sehen und in Formeln aufschreiben kann, für den hat er nur Hohn und Spott übrig.

    John ist Arzt, was ein Grund dafür sein mag – (das würde ich natürlich nie laut sagen, doch das hier ist geduldiges Papier und erleichtert mein Gemüt sehr) – es mag ein Grund dafür sein, dass ich nicht schneller gesund werde.

    Wissen Sie, er glaubt gar nicht, dass ich krank bin!

    Was kann man da machen?

    Wenn ein hochangesehener Arzt und noch dazu der eigene Ehemann Freunden und Verwandten versichert, es sei nichts weiter als eine vorübergehende nervöse Depression – eine leichte hysterische Neigung –, was soll man machen?

    Mein Bruder, ebenfalls Arzt und hochangesehen, sagt dasselbe.

    Darum nehme ich jetzt Phosphate oder Phosphite oder wie das heißt, nehme Stärkungsmittel und mache Ausflüge, gehe an die frische Luft, bewege mich viel, und es ist mir absolut verboten zu »arbeiten«, bis es mir wieder besser geht.

    Was mich betrifft, ich bin anderer Ansicht.

    Was mich betrifft, glaube ich, dass eine angemessene Aufgabe, dass Begeisterung und Abwechslung mir guttun würden.

    Doch was soll man schon machen?

    Eine Zeitlang habe ich geschrieben, ihnen zum Trotz; doch es im Geheimen zu tun oder ihre Ablehnung zu ertragen, strengt mich wirklich an.

    Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre, in meinem Zustand weniger Ablehnung zu erfahren und dafür mehr Gesellschaft und Anregung – doch John sagt, das Schlimmste sei, zu viel über meinen Zustand nachzudenken, und ich gebe zu, dass es mir nicht gut dabei geht.

    Also lasse ich es bleiben und erzähle lieber vom Haus.

    Es ist einfach wunderbar! Es steht etwas abseits, ein ganzes Stück von der Straße entfernt, ungefähr drei Meilen vom Dorf. Es erin-

    nert mich an die englischen Häuser, über die ich gelesen habe, mit Hecken und Mauern und abschließbaren Pforten und vielen kleinen Häuschen für die Gärtner und so.

    Es hat einen herrlichen Garten, wie ich ihn noch nie gesehen habe – groß und schattig, voller buchsbestandener Wege, gesäumt von rankenüberwucherten Lauben und Bänken.

    Es gab auch mal Gewächshäuser, doch die sind inzwischen alle verfallen.

    Es gab rechtliche Probleme, glaube ich, irgendwas mit Erben und Nebenerben; jedenfalls stand das Haus seit vielen Jahren leer.

    Das beeinträchtigt meinen romantischen Geisterglauben leider ein wenig; doch das ist mir egal – es ist etwas Merkwürdiges an dem Haus – ich fühle es.

    An einem Vollmondabend habe ich John sogar einmal davon erzählt, doch er sagte, was ich fühle, sei ein leichter Durchzug, und schloss das Fenster.

    Manchmal werde ich richtig böse auf John. Früher war ich ja nicht so empfindlich. Bestimmt liegt es an dieser nervösen Verstimmung.

    Doch John sagt, dass ich meine gebührliche Selbstbeherrschung verliere, wenn ich mich so fühle; also strenge ich mich an und beherrsche mich – wenigstens vor ihm –, und das macht mich sehr müde.

    Ich mag unser Zimmer nicht im Geringsten. Ich wollte eines im Erdgeschoss, das sich zur Terrasse hin öffnet, mit Rosen am Fenster und

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