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Blackline 5: Niclas & Joshua

Blackline 5: Niclas & Joshua

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Blackline 5: Niclas & Joshua

Länge:
463 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 25, 2019
ISBN:
9783959493079
Format:
Buch

Beschreibung

Zwei Männer, eine Leidenschaft. Musik und Tanz verbindet sie, doch die Vergangenheit überschattet ihr Leben. Liebe wird verleugnet, durch Leid ersetzt. Da, wo Vertrauen herrschen sollte, wächst Misstrauen.
Tauchen wir in eine Geschichte ein, die von Untreue, Schmerz, Verlangen und Liebe erzählt. Ein Herr, der an seinen Fähigkeiten zweifelt. Ein Sub, der sich nach Schmerz und Unterwerfung sehnt.
Beide Männer müssen ihren Stolz zur Seite schieben, damit Hoffnung und Liebe wachsen können. Denn nur Vergebung und bedingungslose Hingabe heilen die schlimmsten Wunden.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 25, 2019
ISBN:
9783959493079
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Blackline 5

Buchvorschau

Blackline 5 - Neschka Angel

Kapitel 1

Niclas Levi

* ~ * ~ *

Wieso falle ich immer auf Männer herein, die sich einen gerechten, toleranten Herrn schimpfen? Mein Ex-Master Bernd ist auch so ein egoistischer Kerl. Er hat mich vor zwei Tagen aus der Wohnung geschmissen.

Nur mit einem Rucksack, in dem ich schnell ein paar meiner persönlichen Sachen verstaut habe. Wenn das alles ist, was ich bis jetzt in meinem Leben geschafft habe, dann ist das verdammt wenig. Angeblich wäre ich zu widerspenstig, ungehorsam und kein bisschen devot. Dabei habe ich mich ihm unterworfen, und das seit einem Jahr. Schließlich haben wir zu der Zeit noch zusammengelebt. Das Kuriose war, dass es ihm jetzt erst aufgefallen ist. Ich bin zwar ein ergebener Junge, aber kein hirnloser Sklave. Heute Abend nehme ich all meinen Mut zusammen und hole mir meine restlichen Sachen bei ihm ab, die ich in der Eile dort vergessen habe.

Kaum verstummt die Klingel, wer öffnet mir die Tür? Sein bester Freund Armin. Ich bin wie gelähmt, frage mich, was er hier will. Mit zittrigen Beinen trete ich ein, will meine Taschen holen, als ich höre, wie Bernd über meine Unzulänglichkeiten schimpft. Fest presse ich die Lippen zusammen. Man sieht es mir nicht an, wie wütend ich bin. Ich bin echt froh, dass ich nichts mehr mit Bernd gemeinsam habe. Plötzlich steht er vor mir, beobachtet mich abfällig. Dieses teuflische, gemeine Lächeln, das in seinem Gesicht erscheint, verursacht mir eine Gänsehaut. Sprachlos starre ich beide Männer an. Der Schock, als ich höre, wie er lautstark meine angeblichen Fehler aufzählt, lässt mich zur Salzsäule erstarren.

Nur nicht in Tränen ausbrechen, ist alles, was ich in diesem Moment denken kann.

Ohne ein Wort schnappe ich mir die Tüte mit meiner Kleidung und verlasse Bernds Wohnung.

Traurig gehe ich durch Berlins Straßen, versuche keinen Gedanken daran zu verschwenden, wo ich diese Nacht verbringen könnte. Die Parkbank letzte Nacht war verdammt unbequem und geschlafen habe ich dort auch kaum. Immer in Bereitschaft wegzulaufen. Mehrmals patrouillierte die Polizei im Park und ich habe mich dann immer schnell hinter einem Gebüsch versteckt. Das geht an die Substanz. Ich bin müde, völlig kaputt. Trotz drei Pullover und zwei Paar Strümpfe friere ich mir die Eier ab. Mein Rücken schmerzt und die Kälte lässt mich zittern. Fröstelnd reibe ich mir über die Arme. Den Kopf gesenkt, überlege ich, was ich nun machen soll? Kein Job, kein Geld, keine Unterkunft. Nur vom Streetdance allein werde ich kaum überleben. Das bisschen, was die Leute spenden, reicht gerade mal für einen heißen Kaffee. Und in eine Obdachlosenunterkunft kriegt mich keiner rein. Tief in Gedanken versunken überquere ich die Straße. Als ich den Kopf hebe, bemerke ich ein leuchtendes, rotes Schild im Fenster eines Clubs.

Tänzer für den Club Black gesucht.

Vortanzen: Heute 16 Uhr.

Neugierig gehe ich näher. Schnell blicke ich zur Uhr gegenüber der Kirche. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät. Ups. Schon 16.15 Uhr. Ob sie mich noch reinlassen? Kräftig drücke ich gegen die schwere Eingangstür. Erleichtert stelle ich fest, dass sie sich ohne Probleme öffnen lässt. Mutig trete ich ein, erkenne eine große Menschenmenge, die sich vor einer Bühne versammelt hat. Mann, das sind aber verdammt viele Tänzer hier, die sich für den Job interessieren. Ein großer, herrischer Kerl steht vor ihnen, verteilt Nummern, die sich jeder ans Shirt kleben soll. Er hebt den Kopf, sieht mich, drückt mir einfach einen dieser Zettel in die Hand. Nummer fünfundzwanzig steht in Großbuchstaben dort. Nun gut, mache ich es mir eben solange an der Bar gemütlich. Ich setze mich auf einen der freien Stühle, frage, ob der Barkeeper meinen Rucksack aufbewahren kann. Er nickt, stellt mit ein Glas Wasser auf die Theke. Artig bedanke ich mich bei ihm. Ben, so lautet sein Name, der auf einem Namenschild steht, das er an seinem T-Shirt befestigt hat. Unter gesenkten Wimpern beobachte ich all die anderen Jungs. Die meisten von ihnen versuchen ihr Bestes. Ein Tänzer braucht keinesfalls perfekt zu sein, sondern seine Bewegungen müssen sexy wirken. Feurig, sinnlich sollen sie den Männern vor der Bühne einheizen. Ja, das ist genau das, was ich gut kann.

Ein weiterer Mann tritt ein, setzt sich zu mir an die Bar und bestellt sich etwas zu trinken. Aufmerksam beobachtet er alles um sich herum.

Mal nickt er, dann wieder schüttelt er mit dem Kopf. Ich schaue genauer hin, versuche mich zu erinnern, woher ich ihn kenne. Er hat lange, schlanke Beine, die zierliche, aber sportliche Figur eines Tänzers. Ob er sich hier auch bewerben möchte? Er dreht seinen Kopf zu mir herum und dunkelblaue Augen sehen mich schelmisch an. Röte schleicht sich auf meine Wangen. Er hat tatsächlich bemerkt, dass ich ihn beobachte. Blonde Locken, die durch eine schwarze Strähne unterbrochen werden, umrahmen sein Gesicht. Natürlich! Gedanklich haue ich mir mit der Hand vor meine Stirn. Neben mir sitzt kein Geringerer als Sam Milano. Er ist mein Vorbild, mein Idol. Immer wenn ich Sam im Fernsehen tanzen sehe, würde ich am liebsten mit ihm dort stehen.

Total aufgeregt wippe ich mit meinem Stuhl nach hinten. Ob ich ihn ansprechen soll? Ich fasse Mut. Dies ist eine so tolle Chance, die ich mir nicht entgehen lasse. Wer weiß, wann ich ihm noch mal so nahe komme. Ein großer, herrischer Mann kommt auf uns zu, spricht mit Sam, der direkt den Kopf neigt. Ich schlucke erregt, als ich dies beobachte. Der Mann wendet sich mir zu und erschrocken zucke ich zusammen. Dunkelblaue Augen schauen mich unter hochgezogenen Augenbrauen an. Er gibt mir die Hand und stellt sich als Dante Alvarez vor. Ach du meine Güte. Meine Finger zittern, sind eiskalt, als ich den Händedruck erwidere. Das ist doch der Besitzer des Club Black. Fuck, ich bin total aufgeregt. Gleich kann ich ihm zeigen, was ich draufhabe, dass er es nicht bereuen wird, sollte er mich tatsächlich wollen, mir einen Vertrag geben. Sam ist ein Profi, erkennt, wer gut und wer schlecht ist. Er wird zusammen mit Dante Alvarez bestimmt die Tänzer aussuchen. Ich werde mich ganz besonders anstrengen, ihnen zeigen, dass ich es wert bin, hier im Club tanzen zu dürfen.

Oh, ich hoffe sehr, seine Wahl fällt auf mich. Mein Entschluss steht fest. Ich werde alles geben. Daher nicke ich Sam und Dante zu, gleite elegant vom Sitz, begebe mich zum Discjockey, frage, ob er Techno-Dance-Music für mich auflegen könnte. Er nickt, hebt seinen Daumen. Aufgeregt warte ich, bis meine Nummer aufgerufen wird. Musik erklingt und alles um mich herum verschwindet. Ich tauche ein in eine Welt voller Leidenschaft und sinnlichen Bewegungen. Atemlos stehe ich Minuten später auf der Tanzfläche, verbeuge mich. Die anderen Jungs fangen an zu klatschen. Mein Blick gleitet zur Bar, ich sehe, wie Sam mit dem Kopf nickt, seinen Daumen hebt. Etwas später habe ich einen Vertrag in der Tasche, der mir mein zukünftiges Einkommen sichert. Ich bin so glücklich. Ben, der Barkeeper, reicht mir meinen Rucksack und hebt den Daumen. Ich bedanke mich bei ihm, schnappe mir meine Sachen und stehe kurz darauf wieder draußen auf der Straße. Kein Tanzen mehr in den Parks. Kein Betteln um Geld. Ein Problem weniger. Jetzt muss ich nur noch eine Unterkunft finden.

Mit neuer Hoffnung im Herzen hole ich einmal tief Luft. Der Druck in meinem Magen wird weniger. Ein Gefühl macht sich in mir breit, dass ich es auch ohne Bernd schaffe, mein Leben zu meistern.

Mein Körper spiegelt sich in einem der Schaufenster auf der Einkaufsstraße. Ich bleibe stehen, drehe mich und sehe genau hin. Meine grauen Augen leuchten zum ersten Mal seit Tagen glücklich auf. Die schwarzen Locken liegen wie immer ungebändigt um mein herzförmiges, leicht gebräuntes Gesicht.

Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen. Meine Eltern sind von Syrien nach Berlin ausgewandert, um hier zu studieren. Ein paar Jahre später bin ich auf die Welt gekommen. Sie liebten mich, förderten mein Tanzen. Mein Heim war mit Liebe durchtränkt und voller Musik. Dann hat ein betrunkener Autofahrer vor zwei Jahren mir in nur wenigen Sekunden alles genommen. Noch heute leide ich darunter. Mamas Gesang und Papas Tanzen, es fehlt mir so sehr. Ihre Umarmungen, wenn ich traurig war, weil meine Mitschüler wieder mal grob zu mir waren, weil ich so anders aussah als sie. Ich bin ein fünfundzwanzigjähriger Mann, der nur 1,73 Meter groß ist. Eine Stupsnase und einen etwas zu vollen Mund runden alles ab. Seit 18 Monaten versuche ich mich nun durchs Leben zu kämpfen. Wenn du ein devoter Junge, noch dazu ein Sub bist, bringt dich das in große Schwierigkeiten.

Warum? Nun ja. Ich liebe es, mich einem dominanten Mann anzuvertrauen, aber … da ist es dieses böse Wort Aber. Die meisten Männer möchten einen Sub, der alles ohne zu hinterfragen hinnimmt. Ich bin ein Sub. Einer, der nicht nur dahinvegetieren will und zufrieden ist, wenn er seinen Master glücklich macht. Ich will, dass auch meine Wünsche berücksichtigt werden. Es sollte, nein, es muss ein Gleichgewicht zwischen Master und Sub herrschen. Stimmt das nicht, passiert es, dass du auf der Straße landest. Wie man bei mir sieht.

Daher versuche ich ab sofort jeder Verführung durch einen herrschsüchtigen Kerl aus dem Weg zu gehen.

Freudig über meinen neuen Job schultere ich meinen Rucksack, gehe weiter die Straße entlang. Endlich ist da ein Stern am Horizont, der für mich leuchtet. Beim nächsten Kiosk kaufe ich eine Zeitung, wo Wohnungsangebote inseriert werden. Ich brauche, wenn es geht, eine billige Unterkunft. Sorgfältig lese ich mir die Annoncen durch. Eine spricht mich tatsächlich an. In einer WG hier in der Nähe ist ein Zimmer frei. Ich versuche mein Glück, wähle die angegebene Nummer. Mein Anruf wird gleich von einem der Bewohner entgegengenommen. Erleichtert höre ich, dass ich heute noch vorbeikommen darf. Mir fällt echt ein Stein vom Herzen. Ob mein Glück weiter anhält?

Kaum klingle ich, wird die Tür schon aufgedrückt. Die Jungs sind nett, freundlich und froh, dass sie nun einen geringeren Anteil an der Wohnungsmiete bezahlen müssen. Eins muss ich ihnen noch erzählen, bevor ich den Mietvertrag unterschreibe.

»Also, ich bin schwul. Verdiene mein Geld als Tänzer in einem Gay Club. Wenn ihr damit ein Problem habt, sagt es mir lieber sofort. Dann suche ich mir etwas anderes!«

Erstaunt schauen sie mich an, erklären, dass es ihnen egal wäre, mit welcher Person ich das Bett teile. Puh, das ist ja noch mal gut gegangen. Kaum vorzustellen, wenn sie homophob wären. Langsam begreife ich, dass ich mein Leben zurückhabe. Der Vormieter hat sogar seine Möbel dagelassen, die ich kostenfrei nutzen darf. Freudig richte ich mich ein, verstaue die wenigen Habseligkeiten im Schrank. Ich blicke auf mein Handy und muss erkennen, dass ich mich beeilen muss. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass ich heute Abend das erste Mal im Club Black auftrete und bin dementsprechend aufgeregt. Ich dusche mich, rasiere gründlich alle Haare von meinem Körper. Mit einer gut duftenden Lotion creme ich die gereizte Haut ein. Ich bin nervös, versuche mit ein paar Atemübungen ruhiger zu werden, ehe ich in den Club fahre.

Kaum bin ich dort, kommt Sam zu mir, begleitet mich zu einem Umkleideraum, der sich im hinteren Bereich befindet. Dort liegen schon ein paar Sachen für mich bereit, die ich heute Abend zum Tanzen anziehen soll. Während ich mich umziehe, wartet Sam, schaut zwischen den Vorhängen in den Club hinein und gibt mir ein Zeichen. Zittrig komme ich hervor, stehe atemlos auf dem Podium. Vor Angst, etwas verkehrt zu machen, bebe ich.

Die Musik erklingt und ich vergesse alles um mich herum. So war und ist es immer schon gewesen. Ich flirte mit den Männern, die sich vor mir versammelt haben, mache sie mit meinen Bewegungen heiß. Mehr als einer schnappt sich seinen Partner, verschwindet mit ihm in den Darkroom. Danach habe ich eine kleine Pause und Sam übernimmt. Ich beobachte ihn, bin fasziniert, wie toll er sich bewegt. Noch zwei weitere Tanzeinlagen liegen vor mir und ich liebe es, obwohl es sehr anstrengend ist.

Die Zeit verfliegt. Schon seit einer Woche tanze ich im Club Black. Ich fühle mich sehr wohl dort und die Jungs sind einfach nur klasse. Sie haben mich direkt in ihren Kreis aufgenommen. Heute Abend stehe ich nach meiner Vorführung atemlos an der Bar, schwitze und ordere bei Ben, dem Barkeeper, ein Wasser. Einer der Gäste kommt hinzu, erzählt, dass Bernd, mein Ex, mit seinem neuen Sub gerade hereingekommen ist. Ein Junge, der gerade mal volljährig ist. Blond, blauäugig und kein Freak, wie ich einer bin.

Mein Ex steht etwas seitlich von mir, zeigt zum Boden und der junge Mann kniet sich elegant vor ihm nieder. Bernd hebt seine Augenbrauen, schaut provozierend in meine Richtung und winkt mich zu sich. Als ich das sehe, koche ich vor Zorn. Wie kann er es wagen, mich herauszufordern? Zwar habe ich keine Gefühle mehr für ihn, trotzdem bin ich wütend. Dass er mir meine Unzulänglichkeit, hier vor allen im Club, unter die Nase reibt, macht mich echt zornig. Wie ich diesen Penner verachte. Doch äußerlich ganz gelassen hebe ich mein Glas und proste ihm grinsend zu. Gemächlich mache ich mich nach ein paar Sekunden auf den Weg zu ihm. Ich sehe, dass er empört ist, weil ich nicht direkt auf seinen Wink hin zu ihm gegangen bin. Nun ja, was soll ich sagen? Er ist nicht mehr mein Herr. Kaum stehe ich vor ihm, höre ich: »Du hast noch ein paar Sachen von dir bei mir. Du holst sie morgen Abend ab oder ich schmeiße sie in den Müll.« Mit trockenem Mund nicke ich und entferne mich direkt wieder aus seiner Nähe.

Sein Gesichtsausdruck ist einfach nur zu göttlich, beruhigt den feuerspuckenden Teufel in mir. Dass ich für Bernd angeblich nicht gehorsam genug war, ist eine verdammte Ausrede gewesen, nur um mich abzuservieren. Das nur, weil ich zu alt bin, und das schockiert mich nun doch sehr.

Er tätschelt den Kopf des jungen Mannes und als ich das sehe, bin ich wütend. Trotzdem lächele ich, sehe, wie er sich über die Lippen leckt, als er seinen Blick über mein Kostüm gleiten lässt. Eine knapp sitzende Hotpants aus Jeansstoff, die meinen Knack-Po hervorhebt, mehr zeigt, als sie verbirgt, und eine Baseballmütze, die meine Augen verdeckt. Sowie eine Weste, die passend zu meiner sexy Hose ist. Ich trage sie offen, damit meine nackte Brust auch gut zur Geltung kommt. Der Wunsch, Bernd zu zeigen, dass ich sehr wohl etwas wert bin, lässt mich daher eine falsche Entscheidung treffen. Nach Feierabend lerne ich an der Bar einen Mann kennen. Er umschmeichelt mich, macht mir tolle Komplimente. Um es Bernd und seinem Sub zu zeigen, wie begehrenswert die Männer im Club Black mich finden, gehe ich mit ihm in eines dieser Spielzimmer. Zum ersten Mal nach meiner Trennung von Bernd will ich einem Mann alles geben, mich in seinen Armen fallen lassen. Doch das böse Erwachen folgt direkt. Es ist eine verdammt schmerzhafte Erfahrung. Der Kerl will mich fesseln, mich ohne Kondom nehmen. Ein absolutes No-Go! Laut sage ich »Nein«. Da rastet er aus. Er packt meine Haare, zieht mich zurück aufs Bett. Ich trete ihn, schlage um mich. Was will ich mit einem Partner, der kein Nein akzeptiert? Da verlierst du den Glauben in dominante Männer. Nur gut, dass es in allen Spielzimmern des Clubs mehrere Panik-Schalter gibt. Direkt am Bett erkenne ich einen. Mit Müh’ und Not erreiche ich ihn. Fest haue ich mit der Faust darauf, in der Hoffnung, dass mich rechtzeitig jemand hier rausholt. Ein schriller Ton erklingt und die Tür öffnet sich automatisch. Kaum eine Minute später stürmt Dante, der Besitzer des Club Black, persönlich ins Zimmer und befreit mich. Er packt den Mann, schmeißt ihn hinaus, erteilt ihm Hausverbot. Er ruft sogar im Club Red an, schildert Devil Sanchez meinen Fall. Nun kann der Arsch von Möchtegern-Master sehen, wo er einen willigen Sub zum Spielen, nein, zum Quälen herbekommt. Dante umarmt mich, erkundigt sich, ob es mir gut geht. Dankbar schaue ich ihn an, nicke.

Niemals wieder werde ich mit einem Mann in eines der Zimmer gehen. Wenn er mich will, dann nur zu meinen Bedingungen, und zwar im Darkroom. Dort sind immer Männer. Du bist nie allein und kannst notfalls die Beine in die Hand nehmen und abhauen.

Am anderen Tag hole ich meine restlichen Sachen bei Bernd ab. Er öffnet die Tür, schaut mich gierig an und ich habe ein verdammt schlechtes Gefühl dabei. Hinter ihm steht Armin und ehe ich mich umdrehen kann, packt Bernd mich und zieht mich in seine Wohnung hinein. Obwohl ich über ihn hinweg bin, verletzen mich seine Worte doch sehr. Benommen versuche ich mich zu wehren. Das Einzige, was ich vernehme, ist, dass ich nichts wert bin außer zum Vögeln.

Armin hat leichtes Spiel mit mir, so geschockt bin ich über Bernds Aussage. Er nimmt mich mit zu sich nach Hause und redet ununterbrochen auf mich ein, sagt, ich solle Bernd vergessen, mich auf ihn konzentrieren. Er würde gut für mich sorgen und dann er zeigt mir, wo ich schlafen kann. Lange überlege ich, ob ich ihm eine Chance geben soll.

Es braucht nur diese eine verfickte Nacht, damit ich erkenne, dass ich einen großen, schrecklichen Fehler gemacht habe. Armin ist noch viel schlimmer als Bernd. Ich möchte diese fürchterlichen Stunden am liebsten vergessen, sperre sie im hintersten Winkel meines Gehirns ein. Bis jetzt klappt es ganz gut. Ich weiß, irgendwann wird dieses beschissene Erlebnis wieder an die Oberfläche drängen, ob ich es will oder nicht. Nur jetzt, jetzt möchte ich auf keinen Fall darüber reden, geschweige denn daran erinnert werden.

Fluchtartig habe ich meine Sachen geschnappt, bin aus seiner Wohnung gestürmt. Zerschlagen, verwundet bin ich in den Club Black gegangen. Dante hat mich zur Seite genommen und zu Doktor Eric Farber gebracht. Von allen Verletzungen wurden Fotos gemacht und protokolliert. Aus Scham habe ich ihn nicht angezeigt. Ich habe mir einfach eingeredet, dass nichts passiert ist und alles nur reine Fantasie ist. Bis jetzt klappt das sehr gut.

Ein paar Wochen vergehen. Jedes Mal schiebe ich Panik, wenn sich mir ein Mann im Club nähert, der dominant, herrisch ist. Bei jedem Top denke ich, er will mich zu etwas zwingen, was ich auf keinen Fall tun möchte. Es nutzt keinem, wenn ich bei jeder Gelegenheit darauf warte, dass er mein Safewort überhört. Es zu benutzen finde ich schon schlimm genug. Es ist ein Zeichen dafür, dass der Mann nicht genug auf meine Körpersprache achtet. Wie soll ich da Vertrauen aufbauen?

Ich rebelliere bei jeder Kleinigkeit, sehe nur Schlechtes, niemals das Gute in den Männern. Kein Wunder, dass ich keinen Partner an meiner Seite habe. Wer hält denn mein Misstrauen über längere Zeit aus? Immer bin ich auf der Hut, lehne alle Angebote ab, sobald ein Mann spielen will. Er braucht nur die Hand auszustrecken, mich fragend anzusehen, schon blocke ich alles ab, renne weg. Dabei bin ich stets darum bemüht, es zu versuchen. Mein Körper jedoch ist da anderer Meinung, spielt nicht mit, verkrampft sich bei der geringsten Berührung.

In der WG läuft es auch nicht so toll. Zu sagen, sie würden mich akzeptieren, ist anders, als es auch zu zeigen. Spannungen entstehen. Ich verziehe mich immer direkt aufs Zimmer, wenn ich nach Hause komme. Die Freundinnen meiner Mitbewohner sind oft da, wenn ich nachmittags aufstehe. Wir mögen uns, lachen viel. Anscheinend ist es den Jungs ein Dorn im Auge. Sie lassen hier und da mal ein Schimpfwort fallen, schnappen sich die Mädels, knallen hinter sich die Tür zu. Ihr Gestöhne höre ich bis in mein Zimmer. So als ob sie mir unter die Nase reiben wollten, dass sie Sex haben und ich nicht.

Tränen treten mir in die Augen. Ich ziehe die Decke über meinen Kopf, stecke mir die Kopfhörer des iPod in die Ohren. Meine wunde Seele weint, fragt sich, warum ich nicht den richtigen Partner finde? So viele Männer kommen jeden Abend den Club besuchen, aber der Mann, der mich alles vergessen lässt, ist nie darunter.

Jeden Abend tanze ich im Club Black, finde dort neue Freunde. Echte Freunde! Die Jungs, bei denen ich wohne, sind Arschlöcher. Sie machen sich über mich lustig, verhöhnen mein Tanzen. Genüsslich reibe ich ihnen unter die Nase, dass ich dabei mehr Geld verdiene, als sie je in ihrem Leben ausgeben können. Seitdem herrscht eisiges Schweigen. Lange lasse ich mir das nicht mehr gefallen und schon ist es passiert. Ohne dass ich es mitbekomme, melden sie mich bei einer dieser blöden TV-Shows an, die zurzeit überall zu sehen sind. Ich soll zeigen, was ich kann. Meine Antwort, sie können mich im Club Black tanzen sehen, lassen sie nicht gelten. Sie würden keinen Fuß in eine Schwulenbar setzen. Sie wären ganze Männer. Pah, wenn ich das schon höre.

Ich ertrage es einfach nicht mehr, wie falsch sie von uns schwulen Männern denken. Ein böses Wort gibt das andere. Anstatt meine Klappe zu halten, gebe ich ihnen Kontra. Ich bin gut im Tanzen, verdammt gut. Ein paar Tage später halte ich einen Brief in den Händen, der mir mitteilt, dass ich am 01.04.2018 im Berliner Tempodrom erscheinen soll. Ist das etwa ein Aprilscherz? Die Jungs lachen mich aus, verneinen dies.

»Na, traust du dich? Oder bist du zu feige, Niclas?«, sticheln sie den ganzen Abend, bringen mich damit auf die Palme. Zu feige? Na wartet, ich werde es euch zeigen. Sie schmeißen Geld auf den Tisch, wetten, dass ich mich blamiere. Und ich? Ich Idiot schlage ein.

~ * ~

Junge, Junge, bin ich aufgeregt. Mein Herz donnert so laut in der Brust, dass ich es bis in meine Ohren höre. Wie konnte ich Idiot mich nur so hinreißen lassen? Ich verfüge über mehr Verstand als sie, weiß immerhin, was ich kann. Eigentlich sollte es reichen. Ich muss ihnen gar nichts beweisen. Trotzdem stehe ich hier, warte, bis ich drankomme. Natürlich sind sie mitgefahren. Sie sind nur bei mir, damit sie Spaß haben, und zwar auf meine Kosten. Die Situation, in der ich gerade stecke, hätte gar nicht passieren dürfen. Das, was mir an Körpergröße fehlt, mache ich mit meiner viel zu großen, vorlauten Klappe wett. Irgendwann schlägt mir das Schicksal ins Gesicht, rächt sich, wie man gerade erkennt. Mist. Verfluchte Scheiße!

Mit hundert anderen fremden Menschen sitze ich hier im Studio und warte. Jeder von ihnen hofft, dass er der Sänger, Tänzer oder auch Depp von ganz Deutschland wird. Ob es allerdings reicht, entscheidet ein Gremium von Profis.

Profis? Ha-ha-ha. Der Witz ist gut. Als wenn sie zwischen Laien und Profis unterscheiden könnten, so wie sie die Akteure hier herunterputzen.

Lange überlege ich, ob mir einer der Namen aus der Jury bekannt ist. Wenn dort unten Profis sitzen würden, wüsste ich das. Gebannt verfolge ich einen weiteren Tänzer, lache leise, als er auf seinem Hintern landet. Grinsend versuche ich es zu verbergen. Ich presse die Lippen fest zusammen, keuche. Fest beiße ich in meine Faust und versuche mit aller Macht, nicht zu lachen. Als er jedoch erneut stolpert, kann ich mich nicht mehr zusammenreißen. Ein paar der Leute um mich herum sind irritiert, als ich losbrülle. Sie denken bestimmt, ich wäre verrückt. Womit sie nicht ganz so unrecht haben. Die meiste Zeit jedoch ist mir langweilig. Den Kopf in meinen Händen vergraben, harre ich zwischen all denen aus, die ihr Können hier zeigen möchten. Warte geduldig auf meinen Auftritt. Immer öfter höre ich negative Wertungen, egal ob der Kandidat gut war oder nicht. Was suchen sie denn für einen Sänger oder Tänzer? Einen Profi? Da sind sie hier falsch, weil hier ganz normale Menschen mit mehr oder weniger Talent sind. Da stellt sich bei mir die Frage, was, wenn ich versage?

Muss ich mir dann jeden Tag anhören, wie schlecht ich in Wirklichkeit bin? Seufzend blicke ich zur Uhr. Noch könnte ich einfach verschwinden. Fuck! Ich ärgere mich hier gerade wie verrückt. Mann, ich und mein Temperament. Immer bringt es mich in diverse ausweglose Situationen. Ich bin nun mal, wie ich bin. Entweder es wird akzeptiert oder sie können mich mal kreuzweise. Wäre es wirklich zu viel verlangt, wenn meine Mitbewohner einfach in den Club Black gekommen wären? Da hätten sie sich überzeugen können, wie toll ich tanze. Nein, sie müssen mich herausfordern, an meiner Ehre packen. Als ob ich mit meiner Zeit nichts Besseres anfangen könnte. Eigentlich müsste ich heute im Studio bei Claas sein, mit Sam ein Lied einsingen. Frustriert, dass sich das hier so hinzieht, nehme ich mein Handy, sende Sam eine SMS.

»Hi Sam, hier ist Niclas. Ich schaffe es heute nicht. Können wir den Song auf morgen verschieben?« Seine Antwort ist ein knappes Ja. Ups. Ich hoffe, Sam ist nicht allzu sauer.

Die Stunden ziehen sich. Die Jungs aus der WG amüsieren sich, pöbeln herum und werden von der Security verwarnt. Ich schüttele den Kopf, lasse sie einfach. Egal, ob ich aufs Klo gehe oder etwas zu trinken hole, immer ist einer von ihnen dabei. Denken die etwa, ich würde mich davonmachen? Nein, ich ziehe das jetzt knallhart durch. Vielleicht muss ich meine Prioritäten neu überdenken, mir vor Augen halten, dass sie keine besonders guten Mitbewohner sind. Bin ich denn so verzweifelt, sie als Freunde anzusehen? Was um Gottes willen hält mich hier? Morgen werde ich als Erstes im Internet nach einem neuen Zuhause suchen. Vielleicht ein kleines Appartement? Jetzt verdiene ich ja genug, um es mir leisten zu können.

Die WG-Bewohner überragen mich körperlich, hänseln, dass schwule Jungs keine richtigen Männer wären. Oh, ich weiß mich zu wehren und mehr als einmal sind sie wütend in ihr Zimmer abgerauscht. Hetero-Jungs musst du nur an ihrem Schwanz packen. Bildlich gesprochen. Jawohl!

Ich bin nicht schwach, zu klein oder zu alt. Der Mann, der mich bekommt, soll wissen, was er an mir hat. Da gibt es keine Ungereimtheiten. Mich gibt es nur, wenn er mir treu ist, weiß, was ich brauche. Ich will keine offene Partnerschaft. Ich teile niemals mit anderen Kerlen. Nein, auf keinen Fall.

Erschrocken zucke ich zusammen, sehe mich irritiert um. Beinahe wäre ich vor lauter Langeweile eingenickt und vom Stuhl gefallen. Na ja, die Nummer auf dem T-Shirt sagt mir, ich bin der Zweitausendzweihundertfünfzigste. Da sind noch einige andere Menschen vor meinem Auftritt dran, bevor ich mich zum Affen machen darf.

Ich habe also noch Zeit genug, schließe meine Augen erneut. Die langen Beine strecke ich weit von mir. Konzentriert höre ich, was um mich herum alles geschieht. Immer wieder blamieren sich die zwei Trottel, die mit mir hier hingefahren sind. Sie lästern über alles und denken, sie wären die Größten. Nur gut, dass ich zurzeit nur zum Schlafen in der WG bin.

Meine Mitbewohner sind nämlich nicht gerade gesellschaftsfähig. Sie belächeln meine Arbeit im Club Black. Ich wäre nur ein kleiner, schwuler Tänzer. Dabei haben diese blöden Kerle gar keine Ahnung, wie schweißtreibend das ist.

Ich versuche sie zu ignorieren, als sie mich anrempeln, über jeden herziehen, wenn sie ein vernichtendes Urteil zu hören bekommen. Ich finde, dass die Jury einfach keine Profis sind. Menschen mit etwas Mitgefühl würden sich über diejenigen, die sich trauen und vor ihnen auftreten, niemals lustig machen. Ich überhöre ihre Sticheleien einfach, stecke mir die Kopfhörer ins Ohr und lasse mich von meiner Musik hinwegtragen. Ein Junge stupst mich an, zeigt auf die Anzeige an der Wand. Ich öffne die Augen, blicke hoch zum Monitor. Erneut hat sich einer blamiert und versagt kläglich. Mit Tränen in den Augen rennt er an mir vorbei. Ich balle die Fäuste. Irgendwann denke ich, reicht es doch. Sie bringen den Mut auf, präsentieren sich vor einem Millionenpublikum, und was bekommen sie dafür? Harsche Kritik. Nicht nur das. Lachen dröhnt an meine Ohren. Meine Mitbewohner klopfen mir auf die Schulter, zeigen auf die Tafel, schreien laut, dass ich gleich dran wäre. Ich nicke, versuche cool zu bleiben. Das hätte ich mal besser vorher gemacht. Ein Resultat von meinem Temperament ist: Ich sitze mir hier seit Stunden den Hintern platt, um darauf zu warten, dass ich aufgerufen werde. Da, erneut bekommt ein anderer Kandidat, der sich gerade der Jury stellt, ein vernichtendes Urteil an den Kopf geworfen. Hinter der Bühne können wir auf einem riesigen Bildschirm alles mitverfolgen und sehen, wie sie fast alle versagen. Obwohl ich finde, einige waren gar nicht mal so schlecht. Die Kommentare, die wir vernehmen, sind das Allerletzte und bestimmt kein bisschen aufbauend. Anscheinend denken ein paar Menschen im Publikum ebenso, weil ich ein paar Buh-Rufe vernehme. Nervosität macht sich breit.

Viele werden blass, schlucken, kneten angespannt ihre Finger. Na, wenn das mal gut geht. Die Stimme eines Jury-Mitgliedes lässt mein Herz schneller klopfen. Sobald das rauchige, ungeduldige Timbre ertönt, er die Kandidaten beurteilt und ihr Talent herunterputzt, bin ich wie hypnotisiert. Dieser etwas sexy angehauchte, aber auch herrisch männliche Klang versetzt mir jedes Mal einen Schlag in den Magen. Boah, allein bei dem Gedanken, was mir nach meinem Auftritt blüht, wie er mit Worten über mich herfällt, wird mir schlecht.

Endlich wird meine Nummer aufgerufen. Die Jungs stehen hinter meinem Rücken, schubsen mich zur Tür. Wie um Himmels willen konnte ich mich nur auf solch einen Schwachsinn einlassen?

Nun gibt es kein Zurück mehr. Da muss ich wohl durch. Bebend streiche ich die widerspenstigen Locken zurück, beobachte die zwei Irren, die sich grinsend wieder hinsetzen, ihre Hände reiben und gebannt auf den großen Monitor starren.

Tief atme ich durch, begebe mich durch die Tür, bevor ich die Bühne vor dem Publikum betreten kann. Der Mann hinter der Kulisse hält mir ein Mikrofon entgegen. Mit zittrigen Fingern umfasse ich es. Er zeigt mit den Fingern, dass ich noch zwei Minuten habe, ehe ich dran bin. Tief atme ich ein, drücke selbstbewusst die Brust heraus. Ich werde es ihnen zeigen, beweisen, was ich kann, und mich auf keinen Fall zum Deppen der Nation machen. Nein. Allein für den Mut sollte jeder, der sich hier vor ein Millionen Publikum traut, etwas mehr Respekt verlangen können. Oder sehe ich das verkehrt? Wütend zittern meine Hände, als der Junge vor mir niedergemacht wird. Weinend rennt er an mir vorbei. Boah, ich schwöre, wenn sie das bei mir versuchen, kann die Jury etwas erleben.

Ich straffe mich, gehe durch die nun geöffnete Tür und stehe vor einem Publikum, das begeistert in die Hände klatscht, als sie mich sehen. Dabei habe ich doch noch gar nichts von mir gezeigt. Durchatmen, Niclas. Du weißt doch, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Zeig es ihnen. Vor allen Dingen diesem Mann, der dein inneres Gleichgewicht seit Stunden durcheinanderbringt, wie es noch keiner zuvor in deinem Leben geschafft hat.

Ich werde nicht zulassen, dass sie mich beschimpfen oder meine Begabung schlechtmachen, weil ich mich meiner Haut zu wehren weiß. Mut, Niclas. Du schaffst das! Trotzdem zittern die Finger wie verrückt. Schnell wische ich meine schweißnassen Hände an der Hose ab. Mit Herzklopfen stehe ich vor ihnen, starre in dieses verdammt helle Licht. Langsam erfasse ich, dass mich Millionen Menschen sehen, als die Kamera auf mich schwenkt.

Schwer schlucke ich. Wenn ich mich jetzt blamiere, kann ich heute Abend das Tanzen im Club Black vergessen. Hoffnung, dass die Jury mich leben lässt, keimt auf. Ansonsten können die sich warm anziehen. Ich weiß, was ich kann.

Nur zu, Niclas, auf in den Kampf. Zeig, was du draufhast. Aufgeregt schlucke ich. Das Erste, was ich wahrnehme, sind Tausende Augen, die mich erwartungsvoll anschauen, hoffen, dass ich mich blamiere, damit sie was zum Lachen haben. Leises Raunen entkommt dem Publikum, als ich mich in Pose stelle, sie mich ganz in Augenschein nehmen können. Licht überflutet die ganze Fläche und mehrere Kameras schwirren um mich herum. Einer aus der Jury fragt nach meinen Namen. Ich versuche stark zu sein, cool rüberzukommen. Versage jedoch kläglich.

Mehrmals muss ich Luft holen.

»Mein Name ist Niclas Levi. Ich bin 25 Jahre alt, komme aus Berlin«, stottere ich leise. Oh je. Oh je. Ich bin viel zu nervös, spüre, wie mir ein Schweißtropfen über die Schläfe läuft. Die Beine schlottern und grelles Licht leuchtet mir ins Gesicht, hindert mich daran zu erkennen, wer dort alles in der Jury sitzt. Blinzelnd versuche ich auszumachen, ob vielleicht auch eine Frau dabei ist. Ich

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