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8 Strand Thriller für den Mörderurlaub: Krimi Sammelband 8003: CP Exklusiv Edition

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8 Strand Thriller für den Mörderurlaub: Krimi Sammelband 8003: CP Exklusiv Edition

Länge:
1,268 Seiten
14 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 7, 2019
ISBN:
9781393203551
Format:
Buch

Beschreibung

8 Strand Thriller für den Mörderurlaub: Krimi Sammelband 8003

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Theodor Horschelt: Kennen Sie Suzette?

Alfred Bekker: Tote Bullen

Alfred Bekker: Wettlauf mit dem Killer

Alfred Bekker: Killer ohne Skrupel

Alfred Bekker: Doppeltes Mörderspiel

Alfred Bekker: Verschwörung der Killer

Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger!

Alfred Bekker: Satansjünger

Ein Berliner Kriminalbeamter wird in der Nähe des Westhafens von Moabit umgebracht. Kommissar Harry Kubinke vom BKA und sein Team von Spezialisten übernehmen den Fall. Die Ermittler finden schnell heraus, dass der Ermordete in dunkle Geschäfte verwickelt war. Da stirbt ein weiterer Kommissar und die Spur des Killers führt in einen Club, der unter der Kontrolle krimineller Banden steht... Für Kubinke läuft die Zeit weg, denn auf der Todesliste des Mörders stehen offenbar noch weitere seiner Kollegen!

Alfred Bekker schreibt Fantasy, Science Fiction, Krimis, historische Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Seine Bücher um DAS REICH DER ELBEN, die DRACHENERDE-SAGA,die GORIAN-Trilogie und seine Romane um die HALBLINGE VON ATHRANOR machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er war Mitautor von Spannungsserien wie Jerry Cotton, Kommissar X und Ren Dhark.

Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 7, 2019
ISBN:
9781393203551
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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8 Strand Thriller für den Mörderurlaub - Alfred Bekker

Publisher

8 Strand Thriller für den Mörderurlaub: Krimi Sammelband 8003

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

––––––––

Theodor Horschelt: Kennen Sie Suzette?

Alfred Bekker: Tote Bullen

Alfred Bekker: Wettlauf mit dem Killer

Alfred Bekker: Killer ohne Skrupel

Alfred Bekker: Doppeltes Mörderspiel

Alfred Bekker: Verschwörung der Killer

Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger!

Alfred Bekker: Satansjünger

––––––––

Ein Berliner Kriminalbeamter wird in der Nähe des Westhafens von Moabit umgebracht. Kommissar Harry Kubinke vom BKA und sein Team von Spezialisten übernehmen den Fall. Die Ermittler finden schnell heraus, dass der Ermordete in dunkle Geschäfte verwickelt war. Da stirbt ein weiterer Kommissar und die Spur des Killers führt in einen Club, der unter der Kontrolle krimineller Banden steht... Für Kubinke läuft die Zeit weg, denn auf der Todesliste des Mörders stehen offenbar noch weitere seiner Kollegen!

Alfred Bekker schreibt Fantasy, Science Fiction, Krimis, historische Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Seine Bücher um DAS REICH DER ELBEN, die DRACHENERDE-SAGA,die GORIAN-Trilogie und seine Romane um die HALBLINGE VON ATHRANOR machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er war Mitautor von Spannungsserien wie Jerry Cotton, Kommissar X und Ren Dhark.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author 

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred

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Alles rund um Belletristik!

Kennen Sie Suzette?

Krimi von Theodore Horschelt

Der Umfang dieses Buchs entspricht 182 Taschenbuchseiten.

Auf der Suche nach einem verschwundenen Mädchen kommt der Privatdetektiv Henry Leland einem Verbrechen auf die Spur, das man ein „perfektes" Verbrechen nennen könnte, denn es ist mit einem solchen Raffinement verübt worden, dass es aussichtslos erscheint, es jemals völlig aufzuklären und die Täter zu überführen, zumal schon fünf Jahre seit dem Verschwinden des Mädchens verstrichen sind.

Es beginnt damit, dass ein Mr. Miller in Lelands Agentur aufkreuzt und Henry Leland den Auftrag gibt, Suzette de Bryse zu suchen, der er das letzte Vermächtnis eines gewissen Mr. Schooltz überbringen möchte. Henry Leland und sein Freund Bob Rayllor gehen an die Arbeit, unterstützt von der pikanten, ewig in ihren Chef verliebten Sekretärin Paddie.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /  Cover: Tony Masero, 2019

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter

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I.

„Sie sind spät dran, Henry", sagte Paddie und hörte zu tappen auf. Ein vorwurfsvoller Blick traf den großen, brünetten Mann, der ziemlich müde und lustlos das Vorzimmer betreten hatte.

„Und Ihr Gesicht deutet auf eine schlaflos verbrachte Nacht hin, fuhr die fülligschlanke Blondine bitter fort. „Wie würden Sie einen Mann nennen, der immer und immer wieder Gesellschaft sucht – bloß nicht dort, wo er sie ohne große Anstrengung finden würde?

„Ist das eine Frage, die ich beantworten muss, oder eine rhetorische?", erkundigte sich Henry Leland und streichelte sein angriffslustiges Kinn.

„Ach – Sie!", fuhr Miss Curzon auf; sie biss sich auf die Lippen und verschluckte den Rest.

Leland trat zu ihr und stützte beide Hände auf den Schlitten der Schreibmaschine. Paddie schlug errötend die Augen nieder. „Wie würden Sie eine Sekretärin nennen, Paddie, die Ihrem Chef dreimal in der Woche ..."

Er kam nicht weiter. „Ich würde sie eine Ideale nennen, knurrte Paddie schluckend, „eine, die nicht will, dass er in schlechten Kreisen verkehrt, sich verausgabt, seinen guten Ruf verliert.

„So kann man auch sagen!"

„Sicher kann man so sagen; es ist ja nur die Wahrheit. Aber die Wahrheit steht bei Ihnen nicht hoch im Kurs, wie?"

„Kommt ganz darauf an!"

„Worauf?"

„Wie man’s nimmt, Paddie-Schätzchen."

„Goddam – ich bin nicht Ihr Paddie-Schätzchen!"

„Nein? Dann geht es Sie auch einen feuchten Kehricht an, in welcher Gesellschaft ich verkehre."

In diesem Augenblick wurde die Tür von Lelands Büro geöffnet. Ein großer, semmelblonder Mann – er trug einen für die Jahreszeit viel zu hellen und luftigen Anzug – blieb auf der Schwelle stehen und musterte Chef und Sekretärin stirnrunzelnd. „Wie lange soll ich denn zum Donnerwetter noch warten? Es ist jetzt zehn Uhr."

Leland nahm ihn verblüfft aufs Korn. „Wer sind denn Sie, und wie kommen Sie in mein Büro?"

Der Semmelblonde deutete anklagend auf Paddie. „Ihre tüchtige junge Miss hat mich Punkt halb neun hier eingelassen und gesagt, Mr. Leland werde jeden Augenblick erscheinen. Bei Ihnen dauert, scheint’s, ein Augenblick neunzig Minuten."

„Sie sind doch wenigstens fünfunddreißig, Mister, Mister ..."

„Miller, Pevy Miller, stellte sich der andere eilig vor. „Ich bin erst 34.

„Also ein Jahr jünger als ich. Da sollten Sie längst wissen, dass Frauen immer übertreiben, wenn nicht sogar lügen."

„Mister Leland!", schnaubte Paddie entrüstet.

„Aber kommen Sie, lieber Miller, fuhr Leland gewandt fort. „Treten Sie ins Zimmer zurück und sagen Sie Onkel Doktor Leland, wo’s weh tut. Er schob Miller in das gemütlich, wenn auch nicht allzu teuer eingerichtete Privatbüro und bot ihm Platz und einen Whisky an. Miller nahm nur Platz.

Leland setzte sich ihm gegenüber an den Schreibtisch und fixierte ihn kurz. Er sah grobe, aber intelligente Gesichtszüge, die zugleich etwas Unaufrichtiges, wenn nicht Verschlagenes hatten, und bat erneut, alles Nötige zu sagen.

Miller betrachtete stirnrunzelnd seine breiten, kurz geschnittenen Nägel und gab seinem Herzen einen Stoß. „Also, das ist so, Mr. Leland: Ich wohne seit einer Woche im El Stacco. Holl, der Manager, hat Sie mir empfohlen. Als den Privatdetektiv von San Diego."

„Gerald Holl übertreibt aus Freundschaft."

„Das scheint mir auch so, stimmte Miller frech zu, „aber in der Not ...

„... nimmt Mister Miller mit dem kleinen Henry Leland vorlieb, nickte der Detektiv. Besser hätte sich sein neuer Klient gar nicht bei ihm einführen können. „Also, heraus mit der Sprache, lieber Miller; time ist money.

„Jetzt auf einmal, wie?, giftete sich der andere. „Nachdem ich anderthalb Stunden meiner kostbaren Zeit vertan habe.

„Niemand hat Sie gezwungen zu warten!"

„Sie sind aufs Verdienen nicht angewiesen?"

Leland wurde ernst. „Wie jeder bin ich aufs Verdienen angewiesen – aber nicht so sehr, dass ich mir in meinem eigenen Büro Grobheiten an den Kopf werfen lasse. Kommen Sie jetzt zur Sache, oder suchen Sie sich einen anderen Detektiv – ganz nach Belieben."

Miller wiegte ärgerlich den Kopf. „Dadurch, dass wir einander ankläffen ist keinem geholfen. Well, will Ihnen die Sache erzählen. Ich kam vor drei Wochen aus Afrika nach New York zurück. Ich habe das Vermächtnis eines Toten zu erfüllen. Max Schooltz ist in Nairobi in meinen Armen gestorben. Ich will Ihnen alles sagen, was er mir kurz vor seinem Tod mitgeteilt hat. Er war vor Jahren mit einer gewissen Suzette du Bryse liiert und hat sich im Krach von ihr getrennt. Suzette ist Mitte November 1954 nach San Diego gekommen und hat zunächst im Smith’’ Wohnheim für Mädchen gewohnt. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. Auftrag für Sie, Leland: Finden Sie Suzette. Ich habe ihr von Schooltz etwas zu übergeben, etwas von Wert."

„Woher stammten Schooltz und Miss de Bryse?"

„Ich habe leider keine Ahnung!"

„Das verstehe ich nicht; in Schooltz Pass muss doch der letzte amerikanische Wohnsitz eingetragen gewesen sein."

„Schooltz hatte keinen Pass! Millers Gesichtsausdruck verhärtete sich. „Sie werden mir schon glauben müssen, Mr. Leland. Ich habe Ihnen über Suzette de Bryse alles gesagt, was ich selbst weiß; ich habe nicht die Absicht, andere – für den Fall unerhebliche – Angelegenheiten mit Ihnen zu erörtern.

Leland lächelte sekundenlang dünn, wurde aber sofort wieder ernst.

„Ihr Auftrag, Mr. Miller, ist genau von der Art, von der viele meiner Berufskollegen heimlich träumen. Ich könnte Ihnen ja jetzt einen dicken Vorschuss abnehmen und Sie eine Woche oder auch zehn Tage hinhalten und danach mit Bedauern erklären, dass ich leider keinen Erfolg gehabt hätte. Auf diese Tour reise ich nicht! Ich sage Ihnen gleich das einzige, das es hier zu sagen gibt: Wenden Sie sich mit Ihrem Wunsch an die Polizei. Sie hat – gerade in solchen Fällen – ganz andere Möglichkeiten; außerdem hat sie in jedem Fall das eine mir voraus: sie arbeitet völlig kostenlos!"

Miller stierte den Privatdetektiv giftig an. „Die Polizei bleibt aus dem Spiel! Er machte eine sehr entschiedene Geste. „Und dafür habe ich meine Gründe. Sind Sie bereit anzunehmen – oder lehnen Sie den Auftrag ab?

„Well, ich nehme an – aber ich sage Ihnen gleich, Sie werfen unter Umständen Ihr gutes Geld zum Fenster hinaus! Kommen Sie mir hinterher ja nicht mit Klagen! Ich habe Ihnen reinen Wein eingeschenkt."

Der andere akzeptierte schweigend.

Wie Sie vorhin erwähnten, halten Sie sich bereits eine volle Woche in San Diego auf, fuhr Leland fort. „Vermutlich haben Sie schon auf eigene Faust Nachforschungen betrieben?

„Stimmt, aber ohne Erfolg. Smith’’ Wohnheim für junge Mädchen scheint hier völlig unbekannt zu sein."

„Gibt es sonst noch etwas von Belang zu erwähnen?"

„Nein! Miller erhob sich. „Wie viel Vorschuss möchten Sie haben?

„Vierhundert Dollar werden genügen."

Miller griff in die Tasche und holte achtlos vier zerknüllte Fünfziger heraus. „Stellen Sie mir eine Quittung über zweihundert Dollar aus. Sie scheinen mich zu überschätzen. Ich bin kein Millionär!"

„Und ich bin kein Pferdehändler!, konterte Leland eisig. „Entweder Sie zahlen vierhundert Vorschuss, oder ich muss meinen Rat wiederholen, sich an die Polizei zu wenden.

Miller errötete, und seine Zornesader schwoll an. Er wollte eine heftige Bemerkung machen, unterdrückte sie aber und bequemte sich endlich widerwillig dazu, weitere Zweihundert auf den Tisch zu legen.

Er erhielt seine Quittung und die Versicherung, man werde ihm Nachrichten über einen etwaigen Erfolg der Nachforschungen ins Hotel schicken.

Der neue Klient war damit einverstanden und ließ sich in den Korridor begleiten, wo er sich von Leland sehr frostig verabschiedete.

*

Das Haus 35 Indian Reservation, San Diego – in dem die Detektiv-Agentur Leland ihre Büroräume hatte – war ein fünfgeschossiges, neuerbautes Geschäftshaus in bester Lage. Außer Leland waren zwei Zahnärzte, ein Rechtsanwalt, ein Gynäkologe und verschiedene Agenturen dort untergekommen.

Einige Minuten nach Millers Verabschiedung betrat ein massiger, grauhaariger Gentleman von etwa vierzig Jahren Lelands Büro. Er war gewandt und clever und sehr elegant gekleidet. Zwischen seinen wulstigen Lippen baumelte eine dünne Zigarette, die er auch beim Sprechen nicht aus dem Mund nahm.

Leland winkte seinem Assistenten Rayllor, sich zu setzen.

Bob Rayllor hatte von seinem eigenen Büro aus über die Haussprechanlage das Gespräch zwischen Miller und Leland mitgehört.

„Dein Eindruck, Bob?", fragte Leland.

Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. „Der Kerl lügt wie gedruckt! An Burschen seines Schlages kann man sich höchstens die Finger verbrennen. Warum hast du den Auftrag überhaupt angenommen?"

„Möglicherweise aus purem Interesse, Lelands Augen richteten sich durch das geöffnete Fenster ins Leere, „oder besser gesagt, ich hatte ganz einfach die jähe Eingebung, mich mit dem Fall beschäftigen zu sollen. Suzette de Bryse werden wir finden, wenn sie überhaupt jemals in San Diego gewesen ist. Ebenso wichtig erscheint es mir, die wirkliche Identität Millers herauszubekommen.

In diesem Augenblick öffnete sich die Tür; Paddie Curzon streckte ihren blonden Wuschelkopf ins Zimmer. „Ich habe eben in El Stacco angerufen, Henry; die Angaben, die Miller über seinen Hotelaufenthalt gemacht hat, entsprechen der Wahrheit."

Leland nickte ihr ironisch zu. „Kluges Mädchen. Was würde ich unbedarfter Jüngling bloß ohne Sie anfangen!"

Paddie drehte ihm blitzschnell und graziös eine lange Nase und knallte die Tür hinter sich zu.

Bob Rayllor lachte belustigt.

„Ich habe dein letzten Teil der Lügengeschichte gar nicht mehr mitangehört, erklärte er, „sondern mich um Millers Wagen gekümmert, einen gelben Chrysler mit der Nummer 6491–59 New Mexiko, ich frage mich, woher eine Person, die vor drei Wochen noch in Nairobi, Afrika war, und danach nach New York geflogen ist, plötzlich zu einem New-Mexiko-Wagen kommt.

„Du wirst schleunigst Namen und Adresse des Beisitzers feststellen", bat Leland.

„Das werde ich ganz sicher tun, Henry, bestätigte sein Assistent nickend, „und dabei höchstwahrscheinlich den wirklichen Namen Millers erfahren.

„Ach – du meinst ... "

„Ich meine, dass Mr. Miller aus New Mexiko stammt und in seinem eigenen Wagen nach San Diego gefahren ist, also schätzungsweise eine Strecke von sechs- bis siebenhundert Meilen. Das ist kein Wochenendausflug. Er scheint sich auf einen längeren Aufenthalt in San Diego eingerichtet zu haben, und es scheint sich um eine Angelegenheit zu handeln, die das Licht des Tages und der Öffentlichkeit scheut."

„Einverstanden, Bob."

„Was werden wir unternehmen?"

„Wir teilen uns die Arbeit. Du versuchst, Millers wahre Identität festzustellen, und ich werde mich liebevoll mit Suzette de Bryse beschäftigen. Stirnrunzelnd fuhr Leland fort: „Wenn ich nur eine Ahnung hätte, welche Bewandtnis es mit Smith’’ Wohnheim für junge Mädchen hat.

„Vielleicht kann uns Dariella weiterhelfen?", fragte Rayllor mehr sich selbst als seinen Chef.

„Meinst du Dariella Conally von der Trocadero Bar?"

„Na wen denn sonst? Sie hat früher einmal eine Pension gehabt, ehe sie sich den lukrativen Job mit der Bar suchte."

Leland erhob sich. „Okay, dann stimmt die Richtung. Ich werde gleich mal versuchen, Dariella aufzustöbern."

Leland verließ seine Büroräume und fuhr mit dem Lift in den Keller, um dort auf dem direkten Weg in den Hof zu gehen, wo sein Ford abgestellt war.

Er stieg ein, startete den Motor und zündete sich eine Zigarette an, ehe er losfuhr.

Der erste September war ein drückend heißer feuchtigkeitsschwangerer Spätsommertag. Die Wäsche unter dem hauchdünnen Anzug klebte auf Lelands schweißnassem Körper. Er warf verdrossen seine Pall Mall in hohem Bogen auf die Straße. Nichts schmeckte ihm bei dieser Hitze.

Einige Häuserblocks vor dem abgesperrten Terrain des Flottenstützpunktes bog er nach rechts ab, fuhr später am Bischofspalais vorbei und erreichte die riesigen Fabrikanlagen des Industrieviertels mit seinen Obstkonservenfabriken, um später in ein sandiges Seitental einzubiegen und am Ende in der Nähe eines hell gestrichenen Bungalows zu stoppen, hinter dem die weiße Fassade eines schlossartigen Gebäudes im Licht flimmernder Sonnenstrahlen glänzte.

Nachdem er an der Bungalowtür geläutet hatte, öffnete eine adrette Negerzofe und musterte ihn aus großen, glänzenden Augen.

„Guten Tag, mein Kind, hier ist meine Karte. Melden Sie mich bitte Miss Conally."

„Guten Tag, Sir, erwiderte das Mädchen höflich. „Miss Conally ist eben erst aufgestanden. Ich weiß nicht, ob sie schon empfängt.

„Sagen Sie ihr bitte, ich käme auf eine Empfehlung von Bob Rayllor, und es sei sehr wichtig."

„Will es versuchen, Sir. Nehmen Sie bitte einen Moment im Vestibül Platz."

Das Mädchen entfernte sich durch eine Klapptür und beäugte dabei neugierig Lelands Geschäftskarte.

Nach wenigen Minuten kam sie zurück. Sie sagte, Miss Conally wolle Mr. Leland ausnahmsweise empfangen, sobald sie ihre Toilette beendet habe, Mr. Leland möge sich noch einige weitere Augenblicke gedulden.

Die weiteren Augenblicke dauerten genau 28 Minuten. Leland hatte inzwischen einige Zigaretten geraucht und sich in die neueste Nummer von Womans Magazine vertieft.

Plötzlich stand die Zofe wieder vor ihm, machte ihn durch ein Hüsteln auf sich aufmerksam und sagte: „Miss Conally ist jetzt soweit – bitte mir zu folgen."

Der Privatdetektiv wurde in ein mit dezentem Geschmack eingerichtetes Boudoir geführt und verbeugte sich knapp vor der mittelgroßen Frau, die eben durch die zweite Tür eintrat. Sie trug eine schwarze Flanellhose, schwarze Mokassins und eine ebenfalls schwarze Nylonbluse mit tiefem Ausschnitt. Sie hatte die dreißig längst hinter sich, sich aber eine jugendfrische, erstaunlich straffe Figur bewahrt mit schmalen, sanft gerundeten Hüften und einer kräftigen vollen Brust. Ihr dunkelblondes Haar war zu einer Art Pferdeschwanz zurückgekämmt und am Hinterkopf durch ein Samtband zusammengehalten. Trotz ihrer Vorliebe für Schwarz sah Miss Conally erstaunlich lebendig und frisch aus.

„Ich bin Dariella Conally, sagte sie mit dunkler Stimme. „Nehmen Sie Platz, Mr. Leland, und schießen Sie los. Entschuldigen Sie den etwas frostigen Empfang, aber ich bin am Morgen immer ungenießbar, und es dauert seine Zeit, bis ich endlich in Fahrt komme.

Leland wartete, bis sie Platz genommen hatte, und setzte sich ebenfalls. „Wenn Sie jetzt ungenießbar sind, gab er höflich zurück, „dann möchte ich Sie wahrlich einmal aufgetaut erleben.

Sie gönnte ihm ein strahlendes Lächeln, das allerdings jäh wieder abriss. „Herzlichen Dank für das reizende Kompliment! Aber ich nehme nicht an, dass Sie zum Süßholzraspeln hierhergekommen sind – ich habe Sie überhaupt nur empfangen, weil Sie mit meinem alten guten Freund Bob Rayllor zusammenarbeiten – bitte, fassen Sie sich kurz!"

„Well – es handelt sich lediglich um eine Auskunft,  Miss Conally. Ich soll den gegenwärtigen Aufenthalt einer gewissen Suzette de Bryse ermitteln. Die letzte Spur führt hierher nach San Diego. Das Mädchen soll Mitte November 1954 in Smith’ Wohnheim für junge Mädchen gewohnt haben. Dieses Wohnheim ist uns völlig unbekannt; Bob meinte nun, Sie könnten mir vielleicht einen Tipp geben, nachdem Sie damals ein ähnliches Unternehmen betrieben hätten."

Dariella Conally betrachtete ihn aufmerksam und – wie es ihm schien – etwas lauernd.

„Haben Sie jetzt die Wahrheit gesprochen, oder mir eine Glatteisstrecke unter die Nase geschoben?", fragte sie mit entwaffnender Offenheit.

„Ehrenwort – ich habe die reine Wahrheit gesprochen."

„Nun, dann kann auch ich meinerseits die Wahrheit sagen, meinte die sympathische Blondine nach kurzem Überlegen. „Smith’ Wohnheim – der Name war nur für den Hausgebrauch bestimmt, nach meinem Kompagnon Smith. Ich spreche nicht gern über diese Episode, denn wir haben die ganze Sache damals falsch angefangen, und sie endete mit einer großen Pleite und mit dem Verlust eines Vermögens; allerdings nicht meines Vermögens.

„Dann handelt es sich also um Ihr damaliges Etablissement, wenn ich Sie recht verstehe?, fragte Leland lebhaft. „Und Smith hat damals sein Vermögen verloren? Aber das geht mich schließlich nichts ...

„Sehr richtig. Moment – sagten Sie nicht gerade Suzette de Bryse?"

„So heißt die Gesuchte."

Dariella stützte in angestrengtem Nachdenken das Kinn in die offene Hand. „Wenn ich mich recht erinnere – das Mädchen war noch blutjung, etwa zweiundzwanzig; kam es nicht aus New Mexico nach San Diego?"

„Das könnte stimmen", bestätigte Leland hoffnungsvoll.

„Wenn Sie ein Bild hätten ..."

Der Detektiv schüttelte den Kopf. „Habe ich leider nicht. Aber wenn Sie sich schon entsinnen: Was war Suzette für ein Mensch?"

„Sie scheinen aber sehr wenig zu wissen, mein Bester!, musste er sich sagen lassen. „Ja, was war Suzette de Bryse für ein Mensch? Dariella starrte beharrlich den Teppich an. „Sie war kaum zweiundzwanzig, wie ich schon erwähnte; schwarzhaariger, sehr zarter, graziler französischer Typ; vermutlich stammte sie, wie auch der Name beweist, von Franzosen ab. Ich glaube mich erinnern zu können, dass sie als technische Zeichnerin ausgebildet war – richtig, das war es. Sie hat nur einen Monat bei uns gewohnt und dann einen Mann kennengelernt. Das typische Schicksal des

Gänschens vom Lande. Man schnuppert in die große Welt, hat sich endlich aus der Enge des Elternhauses befreit, lernt die große Liebe seines Lebens kennen – und hinterher gibt es ein grausames Erwachen."

Leland spitzte die Ohren. „Ist es Miss de Bryse so ergangen?"

„Vermutlich, wurde ihm trocken bedeutet. „Genaues weiß ich nicht. Ich dachte im Moment mehr an mein eigenes Schicksal. Wie hieß der Mann bloß, den Suzette damals kennenlernte? Er hat sie übrigens auch veranlasst, nach kaum einem Monat bei mir auszuziehen. Ja, ich glaube, Powell oder Power, zumindest so ähnlich. Er war von Beruf Ingenieur und muss irgend etwas mit Flugzeugen zu tun gehabt haben – tja, mein bester Mr. Leland, Dariella hob den Kopf, „das wäre es gewesen; alles, was ich weiß. Mehr kann ich leider auch nicht sagen."

Leland stellte vorsichtig noch einige Fragen, gewann aber recht bald die Überzeugung, dass er bereits alles erfahren hatte, was Miss Conally selbst wusste, und verabschiedete sich schnell höflich.

II.

Leland fuhr zur Südgrenze der Stadt und aß dort in einem intimen französischen Restaurant gut zu Mittag. Im beruflichen Einsatz konnte er ohne Weiteres auf kulinarische Genüsse verzichten – aber nur dann, wenn es unumgänglich nötig schien. Unter normalen Umständen aber war er genau das, was man ein Leckermaul nennt, und es kam ihm mehr auf die Qualität des Gebotenen als auf die Menge an.

Als er gegessen hatte, ließ er sich das Telefonbuch bringen und sah den Buchstaben „P" auf männliche Träger der Namen Power oder Powell durch.

Es gab dreizehn Powells und sieben Powers; auf den ersten Blick kam von den Powells keiner und von den Powers nur einer in Frage: Power, Gordon, Ingenieur und Vizepräsident der De Witt-Flugzeugwerke, Privatwohnung: Haus Barbara, Darton Point. Leland schrieb die Adresse in sein Taschenbuch, zahlte und verließ das Lokal, um zu den De Witt-Flugzeugwerken zu fahren.

Die De Witt-Werke waren nicht das größte Unternehmen der Flugzeugindustrie, die sich nach dem ersten Weltkrieg in San Diego angesiedelt hatten, aber ihre Fertigungsanlagen machten einen großzügigen und gediegenen Eindruck: ein großes Gelände in der Nähe der Bucht, zwanzig Werkhallen mit verglasten Sägedächern inmitten gepflegter Rasenflächen und Büsche, ein dreistöckiges Verwaltungsgebäude und – ganz am hinteren Ende – ein großer werkseigener Flugplatz.

Als Leland seinen Ford mühsam in die einzige freie Lücke am Parkplatz hineinzwängte, startete eben eine zweisitzige Zivilmaschine mit heulendem Düsenmotor. Vier weitere Tiefdecker unterschiedlicher Größe schlugen über dem Waldstück drei Meilen ostwärts des Platzes tolle Kapriolen.

Am Werkstor wurde Leland von einem einarmigen Veteranen aufgehalten und nach seinen Wünschen gefragt. Im Verlauf der Unterhaltung stellte sich heraus, dass Mr. Power für ein paar Tage verreist war, und dass er nicht nur Vizepräsident der Gesellschaft, sondern auch ihr technischer Direktor war.

45 Minuten nach seiner Ankunft landete Leland endlich bei einer Miss Castlenew, der Privatsekretärin Powers.

Für ihre verantwortungsvolle und schwierige Stellung war Miss Castlenew erstaunlich jung. Leland schätzte sie auf allerhöchstens 23 Jahre. Ihre Beine waren lang und sehr rassig, ihre Lippen fast zu üppig und zu grell geschminkt, ihr Gesicht pikant, und ihre Figur hätte sich auf der Titelseite eines Herrenjournals ausgesprochen auflagefördernd ausgewirkt.

Sie empfing den Privatdetektiv sehr höflich, drückte aber in Benehmen und Haltung gleichzeitig eine solch unverschämte, arrogante Sicherheit aus, dass sich Leland des Verdachtes nicht erwehren konnte, sie nehme bei Power eine Stellung ein, die über die einer bloßen Privatsekretärin bei weitem hinausginge.

„Detektive gehen bei uns ein und aus, erklärte Miss Castlenew, nachdem sie ihren Besucher eingehend gemustert hatte, „aber es handelt sich durchweg um beamtete Detektive. Was führt Sie zu uns, Mr. Leland?

„Eigentlich möchte ich in einer sehr dringenden Angelegenheit Mr. Power selbst sprechen."

„Tut mir leid, Miss Castlenew zuckte die Achseln. „Gordon – pardon: Mr. Power – ist geschäftlich verreist und kommt erst morgen Abend oder übermorgen früh zurück. Vielleicht kann ich Ihnen dienlich sein?

„Kaum! Leland zuckte die Achseln. „Ich habe einen Suchauftrag übernommen, und zwar handelt es sich um eine junge Dame, die vor fünf Jahren nach San Diego kam und von Beruf technische Zeichnerin war. Sie soll Mr. Power kennengelernt und von ihm einen Job erhalten haben – aber das ist weiter nichts als ein vage Vermutung.

„Möglich ist schließlich alles, erklärte die Sekretärin mit verächtlich geschürzten Lippen. „Würden Sie mir den Namen der jungen Dame sagen? Ich arbeite bereits sieben Jahre bei den De Witt-Werken; ich fand hier als blutjunges Ding meine erste Stellung. Vielleicht kann ich mich an die Gesuchte erinnern.

„Der Name ist Suzette de Bryse, erklärte der Detektiv ernst. „Sie war damals zweiundzwanzig oder einundzwanzig Jahre, eine zarte, schwarzhaarige Erscheinung von ausgesprochen französischem Typus.

„Suzette de Bryse?, wiederholte Miss Castlenew stirnrunzelnd. „Ein ungewöhnlicher Name – wenn ich ihn je gehört hätte, würde ich mich ganz bestimmt erinnern.

„Also nichts, stellte Leland betroffen fest. „Könnten Sie vielleicht trotzdem bei der Personalabteilung ...

„Das wollte ich eben selbst vorschlagen. Nehmen Sie doch bitte einen Augenblick Platz!"

Sie griff zum Telefonhörer, wählte eine Nummer und brachte bei einem Mädchen ihren Wunsch vor, das sie mit „Maggy" ansprach. Daraufhin musste sie eine Weile warten; danach meldete sich Maggy wieder.

Miss Castlenew sagte: „Also nicht? Das habe ich mir gleich gedacht! – Nein, Maggy, vielen Dank, das ist nicht nötig!"

Sie legte auf und wandte sich wieder lebhaft an Leland.

„Wie Sie selbst hören konnten, Mr. Leland, war Suzette de Bryse bei uns nie angestellt. Ich glaube überhaupt – auch ohne die näheren Zusammenhänge zu kennen – dass Sie auf einer Fehlspur sind."

„Und was bringt Sie zu dieser Überzeugung?"

Die reizvolle Sekretärin wand sich eine Weile verlegen hin und her und wollte nicht recht mit der Sprache heraus, fasste sich aber dann doch ein Herz und erklärte: „Was ich jetzt sage, bleibt hoffentlich ganz unter uns?"

„Sie können sich ganz darauf verlassen!"

Ein plötzlich aufgetauchter Gedanke schien Miss Castlenew unerhört zu amüsieren. Sie lachte kurz und trocken auf, beherrschte sich schnell wieder, warf Leland einen ängstlichen Seitenblick zu und begann von Neuem: „Wenn ein Mann einem weiblichen Greenhorn dabei behilflich ist, irgendwo festen Fuß zu fassen, tut er das wohl kaum aus uneigennützigen Beweggründen. Nun stand Mr. Gordon Power damals, vor fünf Jahren, kurz vor seiner Verlobung mit Barbara De Witt, der Tochter des Geschäftsführers und Hauptgesellschafters unseres Unternehmens. Ich glaube nicht, dass er durch besonderes Interesse für eine andere die einmalige Chance, die sich ihm bot, leichtfertig verspielt hätte."

„Damit mögen Sie recht haben, Miss Castlenew", pflichtete ihr Leland bei, fügte aber insgeheim hinzu: Leider reagieren Männer nicht selten ganz anders, und du, meine Gute, bist das beste Beispiel dafür.

Er erhob sich. „Entschuldigen Sie bitte die Störung, Miss Castlenew! Unter Umständen werde ich in den nächsten Tagen noch einmal hier vorsprechen. Vielleicht legen Sie für mich bei Mr. Power ein gutes Wort ein, damit er mich empfängt." Er verneigte sich knapp und verließ das Büro.

Dabei spürte er körperlich, wie sich Miss Castlenews Blicke in seinen Rücken bohrten.

Über seine nächsten Schritte war er sich völlig im Klaren. Er würde dem wackeren Gordon Power Blumen auf den Weg streuen. Ob das seiner eigenen Aufgäbe förderlich oder hinderlich sein, würde, konnte er im Augenblick noch nicht entscheiden.

*

Der Privatdetektiv fand Haus Barbara in der besten Villenlage von San Diego, ein weißes, einstöckiges Gebäude mit flachem Dach, das wie ein mit zwei multiplizierter Bungalow wirkte, inmitten eines weitläufigen Gartengrundstückes, das freilich im wesentlichen mit Salbei- und Sanddornbüschen, sowie mit einigen verkrüppelten Bäumen bewachsen war. Es sah ganz so aus, als habe man sich zunächst mit der Anläge eines Parks große Mühe gegeben, aber auf halbem Weg den Mut verloren und die weitere gärtnerische Gestaltung einfach verkümmern lassen.

Eine korrekt gekleidete ältere Schwarze saß stickend neben einem rosa ausgepolsterten Babykorb und ließ dabei einen etwa vierjährigen Jungen, der sich in einem knappen Luftanzug krähend auf der Wiese tummelte, nicht aus den Augen.

Da die zur Vorhalle führende Tür offenstand, brauchte Leland nicht zu läuten. Er trat ein und traf im Halbdüster des fensterlosen Raumes ein niedliches Stubenmädchen, dem er seine Karte mit der Bitte übergab, ihn Mrs. Power zu melden.

Das Mädchen ließ ihn einfach stehen, kam jedoch schon nach wenigen Minuten mit dem Bescheid wieder, Mrs. Power fühle sich nicht recht wohl und könne nur empfangen, wenn es sich wirklich um eine wichtige Angelegenheit handle.

Leland lächelte kurz. Er legte seine Worte sorgfältig auf die Waagschale, um ihre Wirkung nicht zu verderben, ehe er gelassen sagte: „Es handelt sich um eine Angelegenheit, die freilich für Mrs. Power nicht die allermindeste Bedeutung hat, aber dafür für eine andere Frau um so mehr – für ein junges Mädchen, das seit Jahren verschwunden ist."

Mit diesem Bescheid entfernte sich das junge Ding, um wenig später abermals zurückzukommen und Leland zum Mitkommen aufzufordern.

Der Detektiv wurde in einen winzigen, durch eine riesige Glaswand vom Wintergarten abgetrennten Raum geführt, der spärlich mit zierlichen Möbeln eingerichtet und durch eine Klimaanlage künstlich gekühlt war. Dort nahm er Platz.

Gleich nach ihm trat eine füllig-schlanke, rothaarige Frau von Mitte Zwanzig ein. Sie trug einen zartblauen Bademantel aus kräftigem Nylongewebe, und silberne Sandaletten mit sehr hohen Absätzen. Bei jedem Schritt klaffte der Mantel, Leland konnte sehen, dass sie darunter nur einen knappen blutroten Badeanzug trug. Mrs. Power war zweifellos eine bildschöne Frau, aber ihre müden, matten Bewegungen und ihre verdrossene Miene lösten in dem Besucher sofort die Überzeugung aus, dass sie nicht glücklich und gar nicht auf die Idee gekommen sei, einem Mann durch die achtlose Zurschaustellung ihrer Reize einheizen zu können.

Erst dicht vor Leland blieb sie stehen und blinzelte ihn aus kurzsichtigen Augen an. Vermutlich hätte sie eine Brille bitter nötig gehabt, verzichtete aber – wie viele Frauen – aus purer Eitelkeit auf den Gebrauch.

„Mr. Leland?", sagte sie lustlos und unentschlossen.

Der Privatdetektiv verneigte sich zustimmend.

„Was führt Sie zu mir?"

„Eigentlich hätte ich dringend Mr. Power sprechen müssen, sagte der Detektiv freundlich, „aber ich bin sicher, dass Sie über die Angelegenheit auch informiert sind: Ich habe heute morgen einen Ermittlungsauftrag bekommen, und zwar geht es darum, eine junge Dame zu finden, deren Spur vor fünf Jahren hier in San Diego versandet ist. Meine ersten Ermittlungen haben zu der – allerdings sehr vagen – Annahme geführt, dass es Ihr Gatte war, der dem jungen Mädchen damals einen Job verschafft hat. Das halte ich auch deshalb nicht für ausgeschlossen, weil die Betreffende, sie heißt Suzette de Bryse, von Beruf technische Zeichnerin ist. Wissen Sie etwas darüber?

Ein zartes Rot färbte Mrs. Powers Wangen und in ihre Augen trat sekundenlang ein kaltes Funkeln.

„Nein, meinte sie lebhaft, „der Name Suzette de Bryse sagt mir gar nichts, aber Sie sollten einmal in der Firma nachfragen. Sicher hat man sie dort angestellt. Mit zynischer Offenheit und einem Unterton echter Trauer in der Stimme fuhr sie fort: „Ich halte es für durchaus möglich, dass Gordon der jungen Dame behilflich war. Er ist ein ungeheuer entgegenkommender, freundlicher, stets hilfsbereiter Mensch – manchmal ..."

„Bei den De Witt-Flugzeugwerken war ich schon, Mrs. Power. Mein Besuch dort hat leider mit einer Fehlanzeige geendet. Suzette war angeblich nie dort angestellt. Denken Sie bitte scharf nach – inzwischen ist immerhin ein halbes Jahrzehnt vergangen. Vielleicht hat Mr. Power Ihnen gegenüber einmal Miss de Bryse erwähnt."

„Und ich bin ganz sicher, dass er das nie getan hat! Aber ich werde ihn fragen, sobald er zurückkommt."

„Das halte ich nicht für gut, widersprach Leland lächelnd. „Würden Sie das ganz mir überlassen? Sie wissen doch, wie Ehemänner sind: Sie kennen ihre Frauen und neigen dazu zu lügen, wenn sie von ihrer besseren Hälfte nach einem jungen Mädchen gefragt werden. Für mich ist es viel zu wichtig, Suzette de Bryse aufzuspüren, als dass ich mir eine Spur selbst zuschütten möchte ... Falls Ihr Mann Suzette gekannt hat, war ganz gewiss gar nichts dabei.

„Ganz meine Meinung, Mr. Leland, versetzte Mrs. Power schroff. „Ich werde also kein Wort sagen, ich beuge mich Ihrer besseren Einsicht – aber nicht ohne Gegenforderung.

„Wie bitte?", fragte Leland verwundert.

„O ja, Sie haben richtig gehört, versetzte Mrs. Power triumphierend und stampfte in einem jähen Temperamentsausbruch unmutig mit dem Fuß auf. „Ich füge mich Ihrem Wunsch nur dann, wenn Sie bereit sind, für mich zu arbeiten.

Sanft, in einem Ton, in dem man ein Kind überredet, lehnte Leland ab. „Das ist leider unmöglich, Mrs. Power. Ich habe doch schon einen Auftrag und kann keinen zweiten übernehmen."

„Sie können ihn ohne jede Interessenkollision übernehmen, widersprach die schöne, vom Leben enttäuschte Frau, „Ich beauftrage Sie ebenfalls, Näheres über diese Suzette de Bryses Schicksal zu eruieren und zahle dafür Ihnen gern eine Pauschale – würden Ihnen tausend Dollar passen?

Leland schüttelte lächelnd den Kopf. „Wenn Sie es wünschen, Mrs. Power, werde ich Sie über den weiteren Fortgang meiner Ermittlungen auf dem Laufenden halten, soweit ich damit nicht den Interessen meines Klienten zuwiderhandle – aber Geld kann ich dafür nicht nehmen."

„So, und warum nicht, wenn ich fragen darf?"

„Weil das alten erprobten Prinzipien widerspräche."

Sie machte eine unendlich verächtliche Geste. „Pah! Männer im Allgemeinen und Privatdetektive im Besonderen sind geldgierig wie Hamster. Sie wollen mich nur hinauftreiben! Also gut, sagen wir zweitausend."

„Schade, dass Sie mich so sehr verkennen, widersprach Leland schmunzelnd. „Es bleibt bei dem, was ich Ihnen gesagt habe: ich werde Ihnen alles über Suzette mitteilen, da Sie so sehr daran interessiert sind – soweit ich damit die Belange meines Generalklienten nicht verletze – und ich werde nicht einen Cent dafür von Ihnen nehmen. In welcher Weise soll ich Ihnen Bericht erstatten?

„Ich werde gelegentlich bei Ihnen anrufen oder Sie persönlich besuchen."

„Einverstanden!" Leland sah sie durchdringend an und legte den Zeigefinger auf die Lippen.

„Und, nicht wahr, Sie überlassen es ganz mir, mit Mr. Power über die Angelegenheit zu sprechen."

Sie nickte.

*

Kurz nach 17 Uhr betrat Leland Paddie Curzons Vorzimmer. Paddie tippte gerade eifrig einen Bericht auf ihrer elektrischen Schreibmaschine und sah kaum auf.

Leland blieb dicht vor ihr stehen. „Hallo, Paddie, der Bürokram kann bis morgen warten. Ich möchte mir nicht von der Gewerkschaft sagen lassen, ich würde meine Angestellten wie ein Sklavenhalter ausnützen."

„Erstens bin ich nicht bei der Gewerkschaft, erwiderte Paddie errötend, „und zweitens bin ich freiwillig hiergeblieben. Ich bin gespannt wie ein alter Flitzbogen! Bob hat nämlich einiges herausgebracht. Soll ich Bob zu Ihnen schicken?

„Ich bitte darum, entschied Leland gnädig. „Und da Sie schon einmal dageblieben sind, Sie neugieriges Wesen, können Sie auch gleich mitkommen.

Einige Minuten später saßen die drei in Lelands Privatbüro zusammen. Paddie holte Gläser, Bob Rayllor entkorkte die Whiskyflasche und goss ein, und der Boss holte aus dem Eisschrank eine Schale mit Eisstückchen.

Leland berichtete kurz und flüssig, was er erfahren hatte.

„Das arme Mädchen, sagte Paddie am Ende mitleidig. „Welche Schlüsse ziehen Sie aus Ihren Feststellungen, Henry?

„Dazu ist es eigentlich noch zu früh, murmelte Leland nachdenklich. „Eine feste Theorie habe ich mir noch nicht gebildet – höchstens eine persönliche Ansicht. Danach hat Gordon Power – ich zweifle nicht im mindesten daran, dass es Gordon Power war – damals, vor fünf Jahren, an dem jungen Mädchen Gefallen gefunden und ihre Arglosigkeit ausgenützt. Gleichzeitig wollte er sich vermutlich nicht die einmalige Chance, Schwiegersohn des alten De Witt zu werden, vermasseln, und hat deshalb Suzette rechtzeitig mehr oder weniger elegant, mehr oder weniger unanständig, wirkungsvoll abserviert. Wir werden das noch herausfinden. Er fixierte seinen cleveren Assistenten. „Nun zu dir, Bob. Was hast du zu berichten?"

Rayllor zog sein Taschenbuch zu Rate, blätterte einige Seiten um und blickte auf. „Na, du wirst Augen machen, Henry! Der gelbe Chrysler 6491–59 New Mexico gehört dem Makler Peverell Burks, 109 Caizado de Carriba, Alamogordo, New Mexico."

„Unser Pevy Miller ist selbstverständlich mit Peverell Burks identisch", warf Paddie sarkastisch ein.

„Was denn sonst? Aber halten Sie jetzt den Mund, Mädchen, und lassen Sie sich weiter berichten!, schnaubte Rayllor. „Es kommt noch besser: In Alamogordo, New Mexico, wurde eine Suzette de Bryse am 14. Mai 1933 geboren. Am 26. August, also heute vor fünf Tagen, hat die ebenfalls in Alamogordo ansässige Sandra Harlyne bei Gericht beantragt, ihre seit Januar 1956 verschollene Cousine Suzette de Bryse amtlich aufzubieten, das heißt, sie aufzufordern, ein Lebenszeichen zu geben – und sie im negativen Falle amtlich für tot zu erklären.

Ehe sich Leland zu dieser verblüffenden Feststellung äußern konnte, ertönte der Flursummer.

Paddie erhob sich. „Ich habe abgeriegelt, bevor ich zu Ihnen hereinkam, Henry."

Sie verließ eilig das Privatbüro; Leland hörte, wie sie die Tür entriegelte, mit dem Besucher einige Worte wechselte und dann zurückkam.

Herein trat – schon wieder! – Pevy Miller.

Leland erhob sich zögernd und gab seinen Mitarbeitern einen Wink zu verschwinden. Er sah den Besucher fragend an. „Sie, Mr. Miller? Was verschafft mir das Vergnügen Ihres Besuches?"

Der Klient Miller – der mit ziemlicher Sicherheit mit seinem wahren Namen Peverell Burks hieß – nahm unaufgefordert Platz und wischte sich mit einem aufdringlichen roten Seidentuch die schweißnasse Stirn. „Verflucht heiß, hier in San Diego!"

„In Afrika wird es bedeutend heißer gewesen sein", konterte Leland belustigt.

„Wieso in Afrika?, fragte Miller prompt. Er lachte unsicher, weil er zu spät merkte, welche Blöße er sich mit seiner Frage gegeben hatte. „Ach so – Afrika! Nein, Sie irren, manchmal ist es in Nairobi und Kenia angenehmer als im südlichen Kalifornien.

„Dann darf ich Ihnen sicher einen Drink servieren?"

Miller nickte.

Erst als er einen Whisky gekippt hatte, kam er auf den Zweck seines Besuches zu. sprechen.

„Möglicherweise wird Ihnen mein Verhalten kindisch vorkommen, Mr. Leland – ich bin lediglich gekommen, um nachzusehen, ob meine vierhundert Dollar gut angelegt sind. Wissen Sie, er leckte sich blitzschnell die Lippen und wirkte damit wie die Katze, die den Sahnetopf erspäht hat, „ich bin ein methodischer Mensch, der es mit der Erfüllung eines Versprechens sehr genau nimmt – besonders wenn es sich um ein einem Sterbenden gegebenes Versprechen handelt. Ich nehme an, dass Sie die Arbeit bereits aufgenommen und auch bereits ein erstes Ergebnis vorliegen haben.

„Das ist in der Tat der Fall, gestand der Detektiv zurückhaltend zu. „Ich habe Smith’ Wohnheim für junge Mädchen ausfindig gemacht ...

„Nein, so etwas! Miller schlug krachend mit der Faust auf den Schreibtisch, so dass die Gläser klirrten. „Ich bin schließlich auch nicht von vorgestern und habe mich acht Tage vergebens darum bemüht.

„Das ist dadurch zu erklären, dass Sie eben – im Gegensatz zu mir – nicht in San Diego seit Jahren ansässig sind. Als Besitzer des bewussten Boardinghouse figurierte jener Smith nur intern. Nach außen hin gab eine sehr ansehnliche Dame die Fassade ab – das weiß in San Diego kaum jemand. Details interessieren hier nicht; soviel steht fest: Mitte November 1954 ist Suzette de Bryse in San Diego angekommen und hat in Smith’ Wohnheim ein Zimmer belegt. Woher sie kam, habe ich noch nicht in Erfahrung gebracht, aber ich kenne ihren Beruf: sie war technische Zeichnerin."

„Davon hatte ich keine Ahnung", log Miller dreist, und man sah es ihm an, dass er log.

„Leider blieb Miss de Bryse nur einen Monat in dem Heim wohnen. Danach zog sie Knall und Fall aus. Was weiter mit ihr geschah, muss erst ermittelt werden. Sie scheint einen Mann kennengelernt zu haben ..."

„Ah – einen Mann! Miller sah den Detektiv gierig an. „Los, lassen Sie sich die Würmer nicht mit der Beißzange aus der Nase ziehen! Wie heißt er und wo wohnt er?

„Den Namen möchte ich noch nicht sagen."

„Wie bitte? Habe ich recht gehört?, tobte Miller jäh los. „Sie arbeiten in meinem Auftrag, Mann, und Sie haben mir alles mitzuteilen, was Sie dabei ermitteln!

„Sehr richtig!" Leland blieb sanft und gelassen, aber ein drohender Unterton in seiner Stimme hätte wohl jeden anderen gewarnt. „Ich muss Ihnen meine Ermittlungsergebnisse zugänglich machen, nicht aber meine Verdachtsmomente! Und nur um solche handelt es sich in diesem Fall. In den nächsten Tagen werde ich mehr wissen und Ihnen die Tatsachen dann mitteilen."

„Und warum diese Zurückhaltung heute? Warum, will ich wissen!"

„Aus einem höchst einfachen und jedem verständlichen Grund: Der Mann, den ich im Auge habe, ist sehr reich und hat großen Einfluss, und ich wiederum halbe keine Lust, mich einer mit einer Beleidigungsklage gekoppelten Schadensersatzforderung auszusetzen! Derlei deckt keine Haftpflichtversicherung, ich könnte in Teufels Küche kommen."

„Aber das sind doch lächerliche Ausflüchte!, schrie Miller. „Sie machen es nur besonders spannend, um noch mehr Geld aus mir herauszupressen! Ihr Verhalten ist nicht das eines seriösen Geschäftsmannes! Es steht hart an der Grenze des Betrugs!

Leland hielt Millers wütendem Blick ruhig stand. „Ich möchte Ihre letzte Behauptung überhört haben."

Miller fuhr auf, beugte sich über den Schreibtisch und bellte ihm ins Gesicht: „Gar nichts haben Sie überhört – gar nichts! Sie sind ein ..."

Ein jähes Aufblitzen in Lelands Augen mochte ihn doch gewarnt haben, denn er sprach den Satz nicht zu Ende.

„Ich sehe, dass Sie alle Trümpfe in der Hand haben, knirschte er. „Ich gebe mich geschlagen, well, aber nur für den Moment! Ich gehe jetzt schnurstracks zur Polizei und komme anschließend in Begleitung eines Beamten zurück – und der wird Ihnen die Flötentöne schon beibringen.

„Damit würden Sie nur tun, wozu ich Ihnen schon heute Vormittag riet! Leland schmunzelte. „Ich sagte Ihnen a priori, dass Ihr Ermittlungsauftrag bei der Polizei in besseren Händen wäre als bei mir. Ich vermute, dass Sie sich jetzt anders besonnen haben! Wenn Sie einen Moment warten, werde ich gleich mein Tageshonorar und die ausgelegten Spesen zusammenstellen, die Rechnung ausfertigen und Ihnen den Rest zurückzahlen ...

„Gar nichts werden Sie tun!, fauchte Miller giftig. „Sie haben meinen Auftrag angenommen, Sie haben mit mir einen Vertrag geschlossen, wenn auch nur mündlich, und die mir von Ihnen ausgehändigte Vorschussquittung mag notfalls dem Gericht als Beweis dienen.

„Wer spricht denn vom Gericht?, sagte Leland beschwichtigend. „Ich bin bereit, wenn auch zugestandenermaßen nicht sehr gern, die mit Ihnen vereinbarten Ermittlungen weiterzuführen, aber ich lasse mich nicht unter Druck setzen oder gar erpressen! Und jetzt, Mr. Miller, wäre ich Ihnen zu Dank verpflichtet, wenn Sie mich von Ihrer Anwesenheit befreien würden.

Miller erhob sich wie von der Tarantel gestochen.

Einen Augenblick lang sah es so ans, als setze er zu einer unflätigen Bemerkung an, aber er überlegte es sich doch noch anders, ergriff sein Glas und kippte den Whisky-Soda in einem Schluck hinunter. Mit den giftigen Worten: „Sie werden noch von mir hören, und Sie werden ein Leben lang an mich denken, Sie sauberer Detektiv, Sie!" stürmte er wütend davon.

„Es sieht ganz so aus, als handle es sich um größere Beträge", stellte Bob Rayllor grinsend fest, nachdem sich der cholerische Besucher entfernt hatte.

„Ich bin ganz deiner Meinung, Bob, pflichtete ihm Leland bei, „und deshalb erhältst du den Auftrag, mit dem nächsten Flugzeug nach Alamogordo zu fliegen und dich dort in unserer Sache umzutun.

„Wie bitte?, fragte Rayllor betroffen. „Das allein kann, wenn wir Pech haben, das Honorar und Spesenkonto Millers auffressen!

„Ich glaube, dass wir dabei trotzdem einen guten Schnitt machen werden, widersprach Leland. „Also, mein Lieber, es bleibt dabei, du siehst zu, dass du schleunigst nach New Mexiko kommst! Ruf gleich den Flugplatz an. Ich glaube, es gibt da ein 20-Uhr-Flugzeug nach Albuquerque, das du leicht erreichen kannst.

III.

Am Mittwochmorgen kam Henry Leland ausnahmsweise sehr pünktlich ins Büro, doch Paddie Curzon war noch pünktlicher gewesen und hatte sich schon an die Arbeit gemacht.

Leland begrüßte Paddie kurz und fuhr verdrossen fort: „Wenn Sie schon unbedingt Überstunden machen müssen, Paddie, dann verlange ich, dass Sie sie aufschreiben und verrechnen."

Das hübsche, gescheite Mädchen wandte den Kopf und sah ihn unwillig an. „Bin ich vielleicht ein Handlanger, dass ich jede Minute, die ich über die normale Geschäftszeit hinaus tätig bin, aufschreiben soll?"

„Das hat niemand behauptet, Paddie, aber ich lasse mir nicht gerne von einer Angestellten etwas schenken."

Paddie zuckte wie unter einer Ohrfeige zusammen und ließ mutlos die Arme sinken. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „So ist das also", murmelte sie,

Leland trat auf sie zu, nahm ihr Kinn zwischen die Finger und zwang sie, ihn anzusehen.

„Nein, so ist das nicht, wie Sie es in Ihrem kindischen Trotz betrachten!, berichtigte er unerwartet sanft. „Sie sind mehr ein guter Kamerad für mich als eine Sekretärin. Dass ich unser Verhältnis so betrachte, wissen Sie so gut wie ich! Aber gerade deswegen lehne ich es ab, Ihren Diensteifer und Arbeitswillen schäbig auszunützen.

Paddie rüstete sich zu einer heftigen Entgegnung, klappte aber den Mund wieder zu, weil sich die Tür ungestüm öffnete und Mr. Miller wie ein Blutvergießer in den Raum stürmte, gefolgt von einem saftlosen, vertrockneten Männlein mittleren Alters.

Er blieb dicht vor Leland stehen, musterte ihn aus blutunterlaufenen Augen und tobte los: „So, Sie smarter Geschäftsmann, jetzt weht der Wind aus einer anderen Ecke! Jetzt heißt es Farbe bekennen! Und ich werde es Ihnen noch beibringen ..."

„Seien Sie still!", fuhr ihm sein Begleiter überraschend grob in die Parade. Er schob sich geschickt in den Vordergrund und streckte dem Detektiv zur Begrüßung die Hand hin.

„Ich bin Rechtsanwalt Burner; wir haben einander vor etwa einem Jahr persönlich kennengelernt."

„Ich entsinne mich mit Vergnügen des Anlasses unserer Bekanntschaft, Mr. Burner. Vermutlich sind Sie zu mir gekommen, um mir mitzuteilen, dass Sie Mr. Pevy Miller anwaltschaftlich vertreten."

„Sie nehmen mir die Worte aus dem Mund, Mr. Leland."

„Dann darf ich die Herren sicher in mein Privatbüro bitten."

Miller zog ein langes Gesicht.

Leland erriet seine Gedanken und schmunzelte. Vermutlich hatte sich sein Klient vorgestellt, der Anwalt werde über ihn, den Detektiv wie ein Berserker herfallen und ihm zumindest den Kopf abreißen. Nun, da der Stecken anders schwamm, wünschte der cholerische Bursche auch den Juristen zum Teufel.

Als die Herren Platz genommen hatten, brachte Burner sein Verlangen sehr ernst vor.

„Sie, Mr. Leland haben gestern einen Ermittlungsauftrag Mr. Millers übernommen – entspricht das den Tatsachen?"

„Durchaus!" Der Detektiv nickte.

„Sie haben – und das spricht für Ihre große, berufliche Tüchtigkeit – bereits im Laufe des gestrigen Tages einiges ermittelt, weigern sich nun aber laut Vorbringen meines Klienten, ihm das Ergebnis mitzuteilen. Damit machen Sie sich des Vertragsbruches schuldig. Ich verweise da auf Crabtees Kommentar ..."

Leland hob schmunzelnd die Hand. „Sie brauchen nicht weiterzusprechen, Mr. Burner; Crabtrees Kommentar ist mir selbstverständlich bekannt. Ich muss allerdings der von Ihnen geäußerten Ansicht ganz entschieden widersprechen! Ich habe Miller gestern Abend alle bekannten Tatsachen mitgeteilt, wobei ich die Betonung auf Tatsachen legen möchte. Ich habe mich lediglich geweigert, ihm gewisse rein theoretische Spekulationen und Kombinationen zu eröffnen, die ich an die erwähnten Tatsachen knüpfe."

„Und warum das?", fragte Burner beunruhigt.

„Ich kann es ruhig sagen, Leland lächelte sardonisch „und dabei die Katze aus dem Sack lassen. Miss de Bryse ist Mitte Dezember 1954 Knall und Fall aus dem bewussten Wohnheim ausgezogen, und zwar soll sie, dem bloßen Vernehmen nach, einen Mann kennengelernt haben, der ihr einen Job vermittelt haben soll. Nennen wir ihn X. Ich habe aus 20 theoretisch in Frage kommenden männlichen Personen eine einzige ganz bestimmte herausgegriffen und bereits in der Umgebung des Betreffenden vorgefühlt, dabei jedoch bis jetzt keinerlei stichhaltigen Beweispunkt für die Richtigkeit meiner Annahme gefunden. Unglücklicherweise ist Mr. X verheiratet und in gewissem Sinne von seiner Frau abhängig, besitzt er zudem großen Einfluss. Wenn ich nun Mr. Miller meine rein theoretischen, durch nichts bewiesenen Schlussfolgerungen preisgebe, er irgendwo ein Wort darüber fallen lässt und Mr. X davon erfährt, sitze ich bös in den Nesseln, setze ich mich einem höchst gefährlichen und unangenehmen Schadensersatz und Beleidigungsprozess aus! Nur aus diesem Grund habe ich mich geweigert, den Namen zu nennen.

„Aber das ist doch Quatsch!", tobte Miller los, wurde aber durch einen gebieterischen Blick des Anwalts sofort wieder zum Schweigen gebracht.

„Ihre Ansicht ist rechtlich gut fundiert, fuhr Burner, erregt sein Kinn streichelnd, unbehaglich fort. „Mr. Miller kann Sie nicht zwingen. Aber auch ich empfinde Ihr Misstrauen als ungewöhnlich, wenn nicht sogar beleidigend.

„Ich wiederum, Mr. Burner, konterte Leland, gelassen lächelnd, „finde es meinerseits beleidigend, dass mich Mr. Miller über die Hintergründe seines Ermittlungsauftrags im Dunkeln lässt, beziehungsweise mich darüber sogar belogen hat. Vor allen Dingen finde ich es unerhört, dass er unter falschem Namen bei mir auftritt.

„Sie faseln, Mann!, kläffte Miller unsicher. „Wollen Sie im Ernst behaupten, dass ich nicht Pevy Miller sei?

„Das behaupte ich in der Tat so lange, gab Leland gelassen zu, „wie Sie sich mir gegenüber nicht ordnungsgemäß als Pevy Miller ausgewiesen haben.

Der Anwalt wandte sich halb zu seinem Klienten um und musterte ihn neugierig. „Nun, wie steht es damit, Mr. Miller? Sie haben doch sicher Ihren Pass bei sich?"

„Den müsste ich mir erst aus New York kommen lassen", bekannte der andere verlegen.

„Aber dann doch wenigstens Ihren Führerschein; schließlich chauffieren Sie einen gemieteten Wagen!"

„Leider, bekannte Miller zerknirscht, „habe ich auch meinen Führerschein in New York zurückgelassen.

„Well, Sie müssen es schließlich mit Ihrem Gewissen ausmachen, dass Sie ohne Führerschein Auto fahren, bedeutete ihm Burner ungnädig, „das ist Ihre Sache. Ich frage Sie hingegen klipp und klar: Können Sie sich als Pevy Miller ausweisen, oder nicht?

„Natürlich kann ich das!, brauste der andere auf. „Aber es wird einige Tage dauern. Ich muss die Unterlagen erst aus New York kommen lassen.

Burner blickte seinen Klienten kopfschüttelnd an. Sein Blick schweifte zu Leland, der ihm belustigt zublinzelte, und kehrte zu Miller zurück, dessen Verlegenheit von Sekunde zu Sekunde wuchs.

Burner erhob sich brüsk. „Mr. Miller, wie Ihnen Mr. Leland jederzeit bestätigen kann, bin ich als seriöser, korrekter Anwalt bekannt. Ich hätte niemals Ihre Vertretung übernommen, wenn Sie mir das alles, was eben hier zur Sprache gekommen ist, in meiner Kanzlei gesagt hätten! Unter diesen Umständen lege ich mein Mandat nieder. Ich kann nicht arbeiten, ohne dass vorher wenigstens die Grundlagen geklärt sind, und das ist bei Ihnen ganz und gar nicht der Fall! Ich bin außerstande, weiter für Sie tätig zu sein, und ich verzichte auf mein bis jetzt angefallenes Honorar! Er warf Miller noch einen giftigen Blick zu, ließ den versteinert Dasitzenden einfach wie einen dummen Jungen stehen, trat zu Leland und reichte ihm die Hand. „Mr. Leland, ich möchte Sie sehr um Entschuldigung bitten ...

„Aber ich bitte Sie, Mr. Burner, widersprach der Privatdetektiv vornehm. „Auf Sie fällt kein Schatten! Das versichere ich Ihnen gern und freiwillig vor Zeugen. Es hat mich gefreut, Mr. Burner!

Hoch erhobenen Hauptes verließ der Anwalt die Räume der Detektiv-Agentur, und Miller schlich wie ein geprügelter Hund hinter ihm her.

„Dem haben Sie’s aber gegeben, Henry!, war Paddie Curzons Kommentar. „Wenn Sie nur auch im Privatleben so schneidig wären wie beim Geschäft!

*

Bob Rayllors Trip nach New Mexiko war nur bis Albuquerque glatt vonstatten gegangen. Für die Weiterreise nach Alamogordo sah er sich auf einen höchst unzuverlässige Busverbindung angewiesen. Die Fahrt nach Süden führte durch ein Gelände, dessen Charakter durch Sand, Kakteen, Horizont und blauen Himmel gekennzeichnet war. Bob Rayllor war ehrlich froh, als er gegen Mittag Alamogordo erreichte, eine Kleinstadt von etwas 35 000 Einwohnern, der besonders deutlich anzumerken war, dass sie vor wenig mehr als einem Jahrhundert noch zum mexikanischen Hoheitsgebiet gehört hatte.

Rayllor stieg im Hotel „Mescalero" ab und machte sich auf seinem Zimmer frisch, ehe er in den Speisesaal ging, um sich ein ordentliches Mittagessen zu gönnen. Er war auf die Lösung des Rätsels nicht weniger neugierig als sein Freund und Chef Henry Leland, ließ sich aber durch seine innere Erregung durchaus nicht den Appetit verderben, denn er verfocht mit Leidenschaft die These, dass einzig und allein das Essen und Trinken Leib und Seele zusammen halte. Zum Abschluss trank er einen dreistöckigen Whisky, um den guten Sachen gewissermaßen die Krone aufzusetzen, und bestellte sich dann erst ein Taxi.

Als diese wenig später vorfuhr, erwies sich der Chauffeur als reinrassiger Mexikaner, der die amerikanische Sprache höchst eigenwillig handhabte, aber am Ende doch begriff, was der Yankee von ihm wollte, nämlich zum Bezirksgericht Alamogordo gefahren zu werden.

Das Bezirksgericht domizilierte in einem weißen, höchst eindrucksvoll in spanischem Stil erbauten Gebäude. Dort konnte sich Rayllor unschwer zum Urkundsbeamten durchfragen, der, zu Bob Rayllors Erleichterung, Judson hieß, also vermutlich kein Mexikaner war.

Mr. Judson, ein weizenblonder, schmalschultriger Mann unbestimmbaren Alters, schien seinerseits sonderbar erfreut, einen reinrassigen Yankee in seinem schmuddeligen Amtszimmer zu sehen, und schüttelte Rayllor begeistert die Hand. „Tut mir geradezu seelisch wohl, Mr. Rayllor, vertraute er dem Detektiv an, „einem Mann gegenüberzustehen, mit dem ich frei von der Leber weg sprechen darf, ohne gewollt oder ungewollt missverstanden zu werden. Was soll es sein?

„Hören Sie, Bill – zum Teufel, ich werde Sie einfach Bill nennen!"

„Fein, Bob, stimmte der andere zu, „seien Sie versichert, dass ich alles für Sie tun werde, was ich überhaupt tun kann! Schon weil wir Landsleute sind ...

Rayllor klopfte dem Beamten auf die Schulter. „Mein Anliegen ist folgendes: Am 26. August hat die hier ansässige Sandra Harlyne beantragt, entweder ihre Cousine Suzette de Bryse dazu zu bewegen, ein Lebenszeichen zu geben, oder besagte Suzette für tot zu erklären. Ich bin eigens von San Diego hierher geflogen, um mich über die Hintergründe dieser Geschichte zu informieren."

„Hm, knurrte Judson und warf Rayllor einen besorgten Blick zu, „darüber darf ich mich erst auslassen, wenn ich mich davon überzeugt habe, dass in Ihrem Fall das berechtigte Interesse vorliegt.

„Ich bin Erster Assistent der in San Diego lizenzierten Detektiv-Agentur Leland. Ein gewisser Miller – ein höchst undurchsichtiger Bursche – hat uns beauftragt, nach Suzette de Bryse zu fahnden. Ober die Beweggründe seines Wunsches hat er uns höchstwahrscheinlich belogen. Da wir uns mit unklaren Sachen nicht abgeben, hat mich mein Chef beauftragt, hierher zu fahren, nachdem wir gestern auf Grund einer telefonischen Rückfrage von dem inzwischen ergangenen Aufgebot erfahren haben."

Judson schien beruhigt.

„Nehmen Sie Platz, Bob, ich hole die Akte, wenn ich auch das Wichtigste aus dem Gedächtnis hersagen kann. In einer hässlichen Laune hat mich der Lümmel nach New Mexiko verschlagen, und ich schwitze jetzt schon fast dreißig Jahre hier. Ich weiß ziemlich genau, was hier gespielt wird."

Rayllor nahm an dem wurmstichigen Tisch Platz und wartete geduldig, bis der Beamte eine Akte aus dem Schrank genommen, sich ihm gegenübergesetzt und den Schnellhefter aufgeschlagen hatte.

Judson begann zu berichten, und Rayllor machte sich von Zeit zu Zeit eine Aufzeichnung.

„Also, Bob, hören Sie: am 29. Juli ist hier in Alamogordo der Großgrundbesitzer Sandy Ryan hochbetagt gestorben. Gemäß einem rechtsgültigen, am 14. September 195 bei dem hiesigen Notar Berensson errichteten Testament geht ein kleiner Teil des Gesamtvermögens an Ryans Großnichte Suzette de Bryse. Stirbt jedoch Suzette vor dem Tod ihres Großonkels, erbt eine andere Großnichte ihren Anteil, eben Sandra Harlyne. Ist auch Sandra nicht mehr am Leben, fällt bestimmungsgemäß das Teilerbe an die Waisenhausstiftung. Da Suzette seit fünf Jahren als verschollen gilt, hat Sandra Harlyne ein berechtigtes Interesse an der Klärung ihres Schicksals und musste dem Antrag stattgeben, das Aufgebotsverfahren zu eröffnen."

„Worin besteht der Vermögensanteil, der einem der beiden Mädchen zugewendet werden soll?", wollte Rayllor natürlich wissen.

„Leider weiß ich es nicht. Judson zuckte die Achseln. „Näheres könnte Ihnen sicher der Notar Berensson sagen.

„Und wie sind die beiden Mädchen miteinander verwandt?"

Wieder blätterte Judson in seiner Akte.

„Suzettes Mutter und Sandras Mutter waren Schwestern. Dana McLean heiratete Camille de Bryse und Bessy McLean Victor Harlyne. Dem Ehepaar de Bryse wurde am 14. Mai 1933 eine Tochter Suzette und dem Ehepaar Harlyne am 30. November 1936 eine Tochter Sandra geboren."

„Hm – so ist das also! Sind die Eltern der Mädchen noch am Leben?"

„Nein! Victor und Bessy Harlyne sind längst tot. Bei den de Bryses liegt die Situation etwas verzwickter: Camille de Bryse ist am 4. August 1942 gefallen. Seine Witwe Dana heiratete am 11. November 1944 ein zweites Mal und zwar den Witwer George Burks. Sie war mit ihm bis zum 14. September 1953 verheiratet, bis zu ihrem Tode. George Burks ist einige Monate nach ihr gestorben."

„Einen Moment, bat Rayllor nachdenklich und versuchte die Tatsachen in seinem Kopf zu ordnen. „Sie sagten George Burks?

„Allerdings!"

„Hatte George Burks etwa einen Sohn aus erster Ehe?"

„Ja, er hatte einen, und zwar Peverell, geboren am 26. März 1925. Peverell hat hier in Alamogordo ein gutgehendes Maklerbüro aufgezogen, und man kann ihm – ganz unter uns – zwar nichts Böses nachsagen, aber er genießt trotzdem keinen guten Ruf."

„Mit anderen Worten, rekapitulierte der Detektiv, „Suzette de Bryse und Sandra Harlynes Mutter waren Schwestern; durch die zweite Ehe ihrer Mutter mit George Burks wurde Suzette Peverell Burks Stiefschwester – habe ich das alles richtig mitbekommen?

„Allerdings, mein Bester! Haben Sie sonst noch irgendwelche Wünsche?"

„Ja! Zum ersten, dass Sie über unsere Unterhaltung absolutes, unverbrüchliches Stillschweigen bewahren und zum anderen, dass Sie mir etwas über Notar Berensson erzählen."

Die beiden blieben noch zwanzig Minuten zusammen, ehe sich Bob Rayllor hoch befriedigt von Judson verabschiedete.

*

Schlank, drahtig, hohe Stirn, kluge Augen hinter einer dicken Hornbrille – zupackender Techniker und Gelehrter in einem; das war der erste Eindruck, den Henry Leland von Gordon Power empfing.

Etwa um die gleiche Zeit, um die sich Bob Rayllor in Alamogordo von Bill Judson verabschiedete, wurde Leland in San Diego vom Vizepräsident der De Witt-Flugzeugwerke empfangen. Gordon Power wirkte in seinem mittelblauen Zweireiher mit zartem Fischgrätenmuster ausgesprochen dezent; weniger dezent waren seine protzigen goldenen Manschettenknöpfe, sein protziger goldener Krawattenclip, die übergroße Perle im Knoten und das goldene, juwelengeschmückte Zigarettenetui, das neben dem goldenen Kugelschreiber auf der Schreibtischplatte lag.

Ein Mann vermutlich, sinnierte Leland, der bei aller bestechenden Intelligenz aus ganz kleinen Verhältnissen stammt, später zu den Staubecken des Reichtums vorgedrungen ist und dazu nicht die richtige Einstellung gewonnen hat.

Gordon Power machte ein Gesicht, als wolle er die Welt im Allgemeinen und seinen Besucher im Besonderen verschlingen.

„Sie also sind Henry Leland, stellte er überflüssigerweise fest. „Gut, dass Sie gekommen sind; das erspart mir die Mühe, meinerseits zu Ihnen zu fahren.

„Wollen wir uns nicht lieber unter vier Augen unterhalten?", murmelte Leland, der ganz genau wusste, wo den anderen der Schuh drückte.

Ein freundlicher Seitenblick streifte Miss Castlenew, die sich bescheiden im Hintergrund des Chefbüros hielt, aber das Gespräch aufmerksam verfolgte.

„Nein, Miss Castlenew bleibt hier!, schnaubte der Ingenieur. „Gewissermaßen als Zeuge. Nehmen Sie Platz.

Leland gehorchte, und Power fuhr in heftiger Erregung fort: „Was fiel Ihnen bloß ein, Mann, sich gestern auch noch an meine Frau zu wenden? Konnten Sie denn meine Rückkehr nicht abwarten? Ihre Mitteilung war geradezu Wasser auf Barbaras Mühle! Seit dem Tag unserer Hochzeit wird Barbara von sinnloser Eifersucht gequält ..."

„Aber vollkommen grundlos, wie ich annehme." Leland machte ein schafsdämliches Gesicht.

„Was denn sonst?, zischte Power wütend. Wenn Blicke töten könnten, hätte er jetzt seinen Besucher wie einen seltsamen Schmetterling aufgespießt. „Nehmen Sie Folgendes zur Kenntnis, Mr. Leland: Ich habe nie im Leben Ihre Miss, wie heißt sie doch gleich, gekannt – ich habe ihr logischerweise auch keinen Job verschafft. Aber die Sache hat ein Nachspiel, das verspreche ich Ihnen! Ihretwegen habe ich jetzt bei meiner Frau die Hölle auf Erden. Selbst wenn ich ihr kniefällig versichern würde, die junge Dame nie gekannt zu haben – sie würde mir nicht glauben!

„Diese Reaktion konnte ich schließlich nicht voraussehen, log Leland dreist. „Gerade aus der Tatsache, dass ich mich geradewegs an sie wandte, hätte Ihre Gattin die Überzeugung gewinnen müssen, wie wenig daran gedacht wurde, dass etwa Sie in der bewussten Sache eine zweifelhafte Rolle gespielt hätten.

„Das behaupten Sie!, rief Power erbittert. „Was haben Sie bloß für eine schmutzige, hinterhältige Phantasie! Anstatt mich zu fragen, versuchen Sie über die Hintertreppe, mir Knüppel vor die Füße zu werfen! Pfui Teufel!

Leland glaubte Power kein Wort. Welchen Grund hätte er sonst gehabt, sich so über alle Maßen aufzuregen?

Miss Castlenew hatte sich wie ein Zerberus neben ihren Chef gesetzt und warf Leland giftige Blicke zu.

„Es handelt sich um Suzette de Bryse, begann Leland unbeirrt, „von Beruf technische Zeichnerin. Sie kam um den 15. November 1954 aus Alamogordo in New Mexico nach San Diego und fand zunächst in einem Wohnheim für junge Mädchen Aufnahme. Dieses Heim hat inzwischen geschlossen, die Besitzer haben Konkurs gemacht – doch zurück zu Suzette. Sie blieb nur etwa einen Monat in dem Wohnheim und kündigte dann von einem Tag auf den andern. Natürlich war man über ihren Entschluss erstaunt, doch sie begründete ihn mit der Behauptung, sie habe einen gewissen Power kennengelernt, einem Ingenieur der Fachrichtung Flugzeugbau, und dieser habe ihr einen Job und eine Wohnung verschafft – das war der erste Akt. Der zweite Akt begann gestern: Ein Jugendfreund Miss de Bryses ist irgendwo in Afrika gestorben und hat einen Kameraden, also einem zunächst völlig Unbeteiligten, in seiner Todesstunde das Versprechen abgenommen, Suzette de Bryse aufzusuchen und ihr ein Andenken zu übergeben. Der Betreffende hat nun mich beauftragt, Suzette zu suchen. Das ist alles; also kein Grund für Sie, sich so aufzuregen – wenn Sie, woran ich nicht zweifle, Suzette nicht gekannt haben.

„Kein Grund, sich aufzuregen! Ha, haha! Nein, wie kann ein Mensch nur so daherreden!, fauchte der Ingenieur „Ich rege mich aber auf! Und ich werde vor allen Dingen Ihre Informantin verklagen!

„Das wird Ihnen schwer werden, da Sie den Namen der Dame nicht kennen."

Drohend beugte sich Power über den Schreibtisch. „Ich werde den Namen der Dame – wie Sie sich auszudrücken belieben – kennen, bevor Sie mein Büro verlassen, Mr. Leland, so liegen die Dinge!"

„Und wie wollen Sie mich zwingen?"

„Im Falle Ihrer Weigerung lasse ich umgehend eine Feststellungsklage los ..."

Leland begann das Spiel Spaß zu machen. „Damit werden Sie nicht durchkommen; ich kenne die Gesetze. Unterstellen wir aber, dass Sie durchkommen; was wäre damit für Sie gewonnen?" Mit erhobener Stimme fuhr er fort: „Meine Informantin – nennen wir sie einfach Miss

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