Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Kostenlos für 30 Tage, dann für $9.99/Monat. Jederzeit kündbar.

Die großen Western Classic 21 – Western: Stadt in Angst

Die großen Western Classic 21 – Western: Stadt in Angst

Vorschau lesen

Die großen Western Classic 21 – Western: Stadt in Angst

Länge:
145 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 27, 2019
ISBN:
9783740954550
Format:
Buch

Beschreibung

Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen).

Die Stadt hieß Rio d'Oro und lag im Minenbezirk nahe der mexikanischen Grenze. Wahrscheinlich hätte Jesse Farwick in seinem ganzen Leben niemals etwas von Rio d'Oro gehört, wenn ihn nicht ein Brief erreicht hätte. Gelassen und scheinbar schläfrig hockte Jesse Farwick im Sattel des struppigen Schecken, den er Grashopper – Heuschreck – nannte. Jesse Farwick war hager und sehnig. Doch trotz Schläfrigkeit und zusammengesunkener Haltung spürte man, daß sich zäher Wille, Kraft und Ausdauer hinter dieser Hagerkeit verbargen. Seine Augen schimmerten hell in einem schmalen braunen Gesicht, das an den Schläfen und um den Mund scharfe Falten zeigte. Die Farwicks stammten aus den Tälern der Ozark Range in Missouri. Während des Bürgerkriegs wurde ein Teil der Familie ausgelöscht, der Rest in alle Winde verstreut. Einige der überlebenden Männer waren damals Geächtete geworden und gezwungen, andere Namen anzunehmen. Sie zogen von Missouri fort, um der Verfolgung zu entgehen. Von den wenigen Überlebenden seiner Sippe war er der einzige, der weiter seinen wirklichen Namen trug. Die beiden ersten Jahre nach dem Krieg hatte Jesse als Satteltramp zugebracht. Dann versuchte er es als Büffeljäger, um so zu einem kleinen Grundkapital zu kommen, mit dem sich eine Existenz aufbauen ließ. Eine Chance bot sich ihm bei der Eröffnung einer Frachtlinie zwischen Wichita Falls und Abilene: Er wurde Teilhaber in dem Unternehmen eines Oldtimers. Sein Leben schien nun in geregelten Bahnen zu verlaufen, auch wenn es am Rande der Indian Nations noch wild und abenteuerlich genug zuging. Jesse Farwick atmete auf und gab sich angenehmen Hoffnungen hin. Anderthalb Jahre später wurden seine Träume mit einem Schlag zerstört. Der blutige Aufstand der Comanchen und Kiowas stürzte die Llanos und den Nordwesten von Texas in ein Chaos. Der Verlust von neun Wagen und mehr als fünfzig Gespanntieren hatte das Unternehmen restlos ruiniert. Jesse überließ seinem Partner die Abwicklung dieses Bankrotts und schloß sich der Ranger-Kompanie aus San Angelo an, die zusammen mit Texas-Miliz und einer starken Truppe von Büffeljägern zu einer Strafexpedition in die Llanos aufbrach.
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 27, 2019
ISBN:
9783740954550
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Die großen Western Classic 21 – Western

Titel in dieser Serie (40)

Buchvorschau

Die großen Western Classic 21 – Western - U.H. Wilken

Die großen Western Classic

– 21 –

Stadt in Angst

U.H. Wilken

Die Stadt hieß Rio d’Oro und lag im Minenbezirk nahe der mexikanischen Grenze. Wahrscheinlich hätte Jesse Farwick in seinem ganzen Leben niemals etwas von Rio d’Oro gehört, wenn ihn nicht ein Brief erreicht hätte.

Gelassen und scheinbar schläfrig hockte Jesse Farwick im Sattel des struppigen Schecken, den er Grashopper – Heuschreck – nannte.

Jesse Farwick war hager und sehnig. Doch trotz Schläfrigkeit und zusammengesunkener Haltung spürte man, daß sich zäher Wille, Kraft und Ausdauer hinter dieser Hagerkeit verbargen. Seine Augen schimmerten hell in einem schmalen braunen Gesicht, das an den Schläfen und um den Mund scharfe Falten zeigte.

Die Farwicks stammten aus den Tälern der Ozark Range in Missouri. Während des Bürgerkriegs wurde ein Teil der Familie ausgelöscht, der Rest in alle Winde verstreut. Einige der überlebenden Männer waren damals Geächtete geworden und gezwungen, andere Namen anzunehmen. Sie zogen von Missouri fort, um der Verfolgung zu entgehen. Von den wenigen Überlebenden seiner Sippe war er der einzige, der weiter seinen wirklichen Namen trug.

Die beiden ersten Jahre nach dem Krieg hatte Jesse als Satteltramp zugebracht.

Dann versuchte er es als Büffeljäger, um so zu einem kleinen Grundkapital zu kommen, mit dem sich eine Existenz aufbauen ließ.

Eine Chance bot sich ihm bei der Eröffnung einer Frachtlinie zwischen Wichita Falls und Abilene: Er wurde Teilhaber in dem Unternehmen eines Oldtimers.

Sein Leben schien nun in geregelten Bahnen zu verlaufen, auch wenn es am Rande der Indian Nations noch wild und abenteuerlich genug zuging. Jesse Farwick atmete auf und gab sich angenehmen Hoffnungen hin.

Anderthalb Jahre später wurden seine Träume mit einem Schlag zerstört. Der blutige Aufstand der Comanchen und Kiowas stürzte die Llanos und den Nordwesten von Texas in ein Chaos.

Der Verlust von neun Wagen und mehr als fünfzig Gespanntieren hatte das Unternehmen restlos ruiniert. Jesse überließ seinem Partner die Abwicklung dieses Bankrotts und schloß sich der Ranger-Kompanie aus San Angelo an, die zusammen mit Texas-Miliz und einer starken Truppe von Büffeljägern zu einer Strafexpedition in die Llanos aufbrach.

Jesse Farwick ritt den klapprigen Mustang, den er von einem der Leibwächter Mata Extacados erbeutet und mit grimmigem Humor »Grashopper« getauft hatte.

Wieder begann das Leben eines Satteltramps. Im Laufe des nächsten Jahres übte er verschiedene Beschäftigungen aus, bis ihm seine zeitweilige Zugehörigkeit zu der Ranger-Truppe zu einem Job als Postfahrer und Transportbegleiter verhalf. Bei diesem neuen Job als bewaffneter Transportbegleiter entwickelte er jene Fähigkeit, die für seine Zukunft ausschlaggebend werden sollte: die Revolvergewandtheit. Die eigentliche Entscheidung fiel bei einem Überfall auf den Wertsachentransport an einem stürmischen Herbsttag.

Die Pferdewechselstation hieß Artesia Wells und lag auf der Strecke zwischen Laredo und San Antonio. Als die Kutsche in den Hof rumpelte, bot sich den beiden Männern auf dem Bock das gewohnte Bild. Das Küchenfenster der Hütte war weit geöffnet, das Windrad der Pumpe knarrte, und unter einem Wetterdach standen die Wechselgespanne bereit. Aber kein Mensch ließ sich blicken.

»Tom!« brüllte der Fahrer nach dem Stationsagenten, als er seine schwankende Kutsche zum Stehen gebracht hatte. »Wo steckst du, zum Teufel? Bist du taub?«

In diesem Moment erschien im Küchenfenster die Gestalt eines abgerissenen Burschen, dessen untere Gesichtshälfte von einem Halstuch verdeckt war und der ein Gewehr auf die beiden Männer richtete. Gleichzeitig tauchten an der Stallecke zwei Desperados mit schußbereiten Colts auf.

Der Fahrer schnappte nach einer Schrotflinte. Doch ehe er den Doppellauf hochreißen konnte, traf ihn die Gewehrkugel in den Kopf und ließ ihn vom Bock stürzen. Das Peitschen des Gewehrschusses verschmolz mit dem harten Krachen von Jesse Farwicks altem 44er Dragoner-Colt. Der Bandit hinter dem Küchenfenster kippte nach vorn und hing schlaff über dem niedrigen Fentsterbrett der Adobehütte. Bevor das Gewehr zu Boden fiel, schnellte Farwick bereits mit einem Satz vom Bock der Kutsche. Neben seiner Hüfte wurde eine Radspeiche von einer Revolverkugel zersplittert. Ein zweites Geschoß prallte von der Nabe ab und schwirrte als Querschläger mit zornigem Brummen davon. Jesse Farwick glaubte, daß er nur durch Glück dem Schnellfeuer der beiden Desperados entging. Die drei Passagiere der Kutsche allerdings, die sich duckten und kaum die Vorgänge beobachten konnten, beschrieben das Geschehen später ganz anders und trugen damit wesentlich zur Entstehung der Farwick-Legende bei. Farwick hatte in diesen gefährlichen Augenblicken nicht überlegt, sondern nur instinktiv reagiert. Er rollte sich geschmeidig zur Seite, verwundert, daß er immer noch nicht getroffen war, obwohl die Kugeln dicht vor seinem Gesicht einschlugen und den Staub aufwirbelten. Dann hatte er seinen vertrauten Dragoner-Colt mit dem glatten Walnußkolben wieder im Anschlag und schoß. Zu seinem Erstaunen taumelte einer der Desperados gegen die Stallwand und brach zusammen. Der andere Bursche riß den Kopf herum und stieß einen fassungslosen Schrei aus. In diesem Moment schoß Farwick zum drittenmal und beendete damit den erbitterten Kampf.

Der Stationsagent und sein indianischer Stallhelfer lagen gefesselt und geknebelt in der Hütte. Nachdem Farwick sie befreit hatte, stöhnten beide vor Schmerz, als das Blut wieder in ihre abgeschnürten Glieder schoß. Sie waren brutal zusammengeschlagen worden und von der rücksichtslosen Knebelung fast erstickt. Es kostete Mühe, sie davon abzuhalten, den überlebenden Desperado sofort am Firstbalken des Stalls aufzuhängen. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei den drei Burschen um die gefürchtete Wallace-Bande. Die beiden Wallace-Brüder waren tot, und ihr überlebender Kumpan würde seine rechte Hand verlieren. Gerade der Zufallstreffer in das Gelenk seiner Revolverhand wurde zu einem Angelpunkt der Farwick-Legende.

Achthundert Dollar Belohnung fielen an den Sieger dieses Kampfes. Für Farwick hatte der Zwischenfall von Artesia Wells noch andere Folgen: Plötzlich konnte er sich vor Angeboten der verschiedensten Art kaum retten. Ein paar phantasievolle Zeitungsberichte machten aus ihm einen Helden und unübertrefflichen Revolvermann. Die letzte Eigenschaft war wenige Wochen später lebensnotwendig, als Farwick von einem Unbekannten angegriffen wurde und diesen Zweikampf annehmen mußte. Der Bursche war einer jener revolverbesessenen Narren, die der Ruhm eines anderen nicht ruhig schlafen läßt. Er trug bereits einen berühmt-berüchtigten Namen, der nach dem Duell der Vergangenheit angehörte. Farwick machte rasch die Erfahrung, daß es auch unter Revolverleuten noch Abstufungen und eine Rangfolge gab, die den Preis eines Mannes bestimmten. Dieser Kurswert war von Tatsachen und von Gerüchten abhängig. Farwicks Wert stieg noch erheblich, als sich herumsprach, daß der andere zuerst nach der Waffe gegriffen hatte und dennoch von ihm geschlagen wurde.

Farwick fühlte sich von dieser Entwicklung angewidert – besonders davon, daß ihn jeder für einen käuflichen Revolverkämpfer hielt. Jesse Farwick sah keinen anderen Ausweg als die Flucht nach vorn. Er nahm den Posten eines Deputys in einer jener wilden, zügellosen Rinderstädte an, die an dem großen Trail nach Norden wie Pilze aus dem Boden schossen. Für die Hüter des Gesetzes in diesen wüsten Treibherdenstädten wurde es sehr schwierig, Ordnung zu schaffen. Jeder unvorsichtige Schritt konnte ihnen zum Verhängnis werden. Unter den Trägern des Sterns gab es auch Männer, die jede Strömung ausnutzten.

Zu diesem Typ gehörte Farwicks Vorgesetzter, der seinem Deputy die undankbare Aufgabe des Nachtmarshals übertragen hatte.

Jesse widerstand selbst finanziellen Vorteilen, die ihm eine gewisse Blindheit eingebracht hätte, und kehrte seine stachligste Seite hervor. Daraufhin legte man ihm nahe, aus »gesundheitlichen Gründen«, von seinem Posten zurückzutreten. Als das nicht fruchtete und Jesse auch zwei Anschlägen entging, war für seine Gegner das Maß voll. Nach außen hin schien man sich mit seiner halsstarrigen Korrektheit abgefunden zu haben. Insgeheim aber fuhr man ein Geschütz auf, dessen schwere Ladung aus Verschlagenheit, Tücke und Intrigen bestand. Man spann ein Netz um ihn, in dem Farwick sich allmählich verfing.

Man warf ihm Korruption und Amtsmißbrauch vor. Die Beweise waren so erdrückend, daß sie vor jedem Gericht ausgereicht hätten. Darum ließ er es nicht auf einen Prozeß ankommen und wurde mit Schimpf und Schande davongejagt. Zum drittenmal stand er vor den Trümmern seines bisherigen Daseins.

Auch wenn die Vorwürfe gegen ihn unhaltbar waren, so haftete ihm doch die moralische Niederlage an. Irgendwann blieb ihm keine andere Wahl mehr. Jesse Farwick wurde ein Revolvermann. Er trieb sich zwei Jahre lang in Wyoming, Texas, Nevada und den Indian Nations herum. Zwischen ihm und den anderen Burschen der schnellen Gilde gab es nur einen Unterschied. Farwick übernahm nicht wahllos jeden gutbezahlten Job, sondern besah sich seinen Auftraggeber erst sorgfältig, bevor er sich zur Übernahme einer Aufgabe entschloß. Daß sein Weg trotzdem rauh war, lag in der Natur der Sache.

Vor drei Wochen hatte ihn der Brief eines Mannes namens Marcus Leroy aus Rio d’Oro erreicht und ihn in den Sattel getrieben. Der Mann war offenbar Arzt, denn er sprach von Ronny, Jesses jüngerem Bruder, als von seinem Patienten, dessen Zustand sehr bedenklich sei. Der eigentliche Grund seines Schreibens aber war, daß Ronny dicht vor seiner Verurteilung stand und nur für den Strick gesundgepflegt wurde.

Farwicks Züge verhärteten sich, wenn er an die Zeilen dachte, deren Wortlaut er fast auswendig kannte. Dieser Doc Marcus Leroy hätte nicht geschrieben, wenn er nicht überzeugt wäre, daß Ronny unschuldig war. Ein paar weitere Bemerkungen deuteten darauf hin, daß es für Jesse Farwick besser sei, in Rio d’Oro nicht sofort als Ronnys Bruder aufzutreten.

Ein erfahrener Wolf hatte eine Witterung für solche Zusammenhänge, auch wenn sie nicht ausdrücklich betont wurden. Die Anklage gegen Ronny war keine Lappalie. Ein Mann, der hinterrücks einen Marshal ermordete, gehörte an den Galgen – vorausgesetzt, daß er schuldig war. Man konnte also höchstens versuchen, Ronnys Unschuld zu beweisen. Das würde dem wahren Schuldigen nicht gefallen. Wenn dieser Mann über einflußreiche Freunde verfügte, wie der Doc es andeutete, dann waren die Folgen nicht abzusehen.

Farwick saß ab, nahm Grashopper beim Zügel und ging ein paar Minuten zu Fuß. Das war eine Gewohnheit, die er aus seiner Dienstzeit bei der Kavallerie beibehalten hatte und die sich bei langen Ritten als nützlich erwies. Man vertrieb nicht nur die Sattelsteifheit, sondern erhöhte auch die Ausdauer des Pferdes.

Die holprige Straße führte in langen Windungen vom Höhenrücken hinab zu einem Canyon, der an seiner engsten Stelle von einer Holzbrücke überspannt wurde.

Die Stadt lag im Süden und

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Die großen Western Classic 21 – Western denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen