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Manege frei für die Russische Armee
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eBook74 Seiten45 Minuten

Manege frei für die Russische Armee

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Über dieses E-Book

Der Autor verrichtet von 1965 bis 1993 Dienst bei den Raketentruppen der Sowjetarmee.
Die Armee - das war nicht nur eine Schule der Tapferkeit, sondern auch ein Quelle für Humor und lustige Situationen.
Einige dieser Geschichten aus dem Armeeleben, bei denen der Autor mitgewirkt hat oder zugegen war, sind in diesem Buch abgedruckt.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum29. Nov. 2019
ISBN9783750444102
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    Buchvorschau

    Manege frei für die Russische Armee - Juri Lenschizki

    Armeesprüche

    Ein ungewöhnlicher Wunsch

    „Die stärkste Waffe des Menschen

    ist sein Lächeln."

    Vorlesung im Fach Elektrotechnik.

    Der Dozent, der sie hielt, hatte den Rang eines Majors.

    Ich redete hin und wieder mit meinem Banknachbarn. Worüber wir sprachen, weiß ich nicht mehr. Möglicherweise passte mein Gesichtsausdruck nicht in das Umfeld, was die Aufmerksamkeit meines Dozenten erregte. Er unterbrach seine Vorlesung, richtete seinen Blick direkt auf mich und sagte:

    „Genosse Offiziersschüler, stehen Sie auf!" Ich sprang auf und nannte meinen Namen.

    „Genosse Offiziersschüler, warum lächeln Sie die ganze Zeit?"

    „Wahrscheinlich bin ich mit einem Lächeln auf die Welt gekommen, Herr Major", antwortete ich ohne nachzudenken.

    Im Hörsaal ertönte zunächst ein leichtes Lachen, dann herrschte Grabesstille.

    Alle, mich eingeschlossen, warteten auf die Reaktion des Dozenten. Der aber schwieg und schritt nachdenklich am Pult entlang. Endlich blieb er stehen, wandte sich mir zu und sagte:

    „Da Sie, Genosse Offiziersschüler, nun einmal mit einem Lächeln auf die Welt gekommen sind, wünsche ich Ihnen ein langes glückliches Leben und wenn Sie eines Tages sterben, sollen Sie auch ein Lächeln im Gesicht haben."

    Auch ein General muss mal

    „Die Säulen der Armee sind nicht die Generäle,

    sondern die Soldaten".

    Hurra! Fünf Jahre Ausbildung sind geschafft. Auf den Schultern das Dienstgradabzeichen Leutnant. Heute ist die Abschlussfeier. Heute ist der Ball. Der erste Offiziersball für uns alle. So wie wir muss sich auch Natascha Rostowa¹ gefühlt haben, als sie das erste Mal auf die feine Gesellschaft treffen sollte.

    Für unseren Abschlussball war einer der Kulturpaläste Perms gebucht worden. Mehr als 200 ausschließlich junge Leutnants waren geladen. Dazu kamen die verehrten Gäste: der Kommandostab der Militärschule, die Professoren und Dozenten, die Eltern, Freundinnen bzw. Ehefrauen derjenigen, die ihre Zeit nicht vergeudet und schnell schon mal geheiratet hatten, die Stadtverwaltung und, last but not least, der „Hochzeitsgeneral"², einer der stellvertretenden Oberbefehlshaber der Raketentruppen und Generalleutnant mit seiner Gattin.

    Die Tafel bog sich unter den Speisen und Getränken mit unterschiedlichem Alkoholgehalt. Der Militärkommandant der Stadt hatte Order, die jungen Leutnants heute mal nicht in den Bau zu bringen, sondern ihnen mit der Unterstützung des Garnisonsdienstes dabei behilflich zu sein, sicher an ihren Standort bzw. Wohnort zurückzukehren.

    Der Abend verlief nach Drehbuch: Reden, Glückwünsche, Prosits. So nach etwa vier bis sieben Prosit begann die Verbrüderung. Jeder wollte mit jedem anstoßen, denn in ein paar Tagen würden wir in alle Himmelsrichtungen verstreut sein. Fünf Jahre, Schulter an Schulter, Pritsche an Pritsche, ließen sich nicht einfach aus dem Gedächtnis löschen. Und so schien es vielen, dass nur Hochprozentiges in der Lage wäre, eben dieses Gedächtnis zu stärken. Und so taten die Schnaps- und Sektgläser in den Händen es der Brownschen Molekularbewegung³ gleich und bewegten sich regellos durch den Saal. Vor dem Schulleiter und dem stellvertretenden Oberbefehlshaber der Raketentruppen hatten sich Warteschlangen gebildet.Viele wollten unbedingt mit ihnen anstoßen und vielleicht sogar ein paar Sünden beichten. Aber das fällt natürlich unter das Beichtgeheimnis.

    Es waren wohl die bereits genossenen Getränke oder aber die Gefühle, die mich überwältigt hatten und mich zur Toilette zogen. Pipi machen. Eine vollkommen normale, irdische Sache. Ich beschloss, sie nicht aufzuschieben und begab mich direkt dorthin. Am Zielort angekommen, nahm ich den dafür vorgesehen Platz sowie die entsprechende Position ein und machte mich ans Werk. Ich stand also im Zustand vollkommener Glückseligkeit mit geschlossenen Augen da und malte mir gedanken – verloren aus, wie auf meine Schulterklappen die Sterne nur so herunter purzelten.

    Plötzlich stellte sich jemand neben mich. Ich kehrte vom Himmel auf die Erde zurück, öffnete die Augen und schielte langsam nach links. Das Erste, was meinen Blick traf, waren breite rote Zierstreifen.

    Als ich den Kopf hob, erblickte ich neben mir den „Hochzeitsgeneral", der mit der Steuerung des gleichen Vorgangs beschäftigt war wie ich.

    Wenn ich jetzt diese Zeilen schreibe, muss ich schmunzeln. Damals jedoch war ich verwirrt und wusste nicht, was ich tun sollte.

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