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Warum wir immer weitersegeln

Warum wir immer weitersegeln

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Warum wir immer weitersegeln

Länge:
232 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
28. Nov. 2019
ISBN:
9783667118783
Format:
Buch

Beschreibung

Für Elvis bis nach Schweden – ein unvergesslicher Segeltörn
Mit ihrem Segelboot Kathena nui sind sie auf der Ostsee unterwegs, mit Kurs auf Schweden. Ziel soll mindestens Gotland sein, über 600 Meilen entfernt. Genauer Fårö, die kleine Insel im Norden, wo man Elvis und Ingmar Bergman an einem Ort begegnen kann. Das gibt es nirgendwo sonst.
Ein Sommer wie jeder andere für den beliebtesten deutschen Fahrtensegler, könnte man meinen. Doch es wird ein besonderer Segelsommer für Wilfried Erdmann. Einer, der vor allem viel Sonne und wenig Westwind bringt. Man muss Geduld haben, aber darin sind Erdmann und seine Frau Astrid geübt. Er steht seit 53 Jahren an Deck, sie sogar noch länger – trotz Seekrankheit. Gemeinsam legen sie an Orten mit klangvollen Namen wie Kalmarsund, Solberg und Bovicken an, bezwingen Flauten, Hitze und das zunehmende Alter, das das Segeln nicht einfacher macht.
Reisetagebuch einer besonderen Segelreise
Trotz allem – oder gerade deswegen – ist "Warum wir immer weitersegeln" ein Loblied auf das Segeln, die Ostsee und auf Schweden, Erdmanns wahre Liebe. Sein Reisebericht lebt nicht von Katastrophen und Stürmen, stattdessen schildert der erfahrene Seebär seine Gedanken über das Leben an Bord – in einer Sprache, so klar und stoisch ruhig wie das Meer an einem Sommertag.
• Eindrücklicher Reisebericht über einen besonderen Segelsommer
• Erzählt von Wilfried Erdmann, Deutschlands beliebtestem Fahrtensegler
• Von der Ostsee bis nach Schweden – ein einzigartiger Segeltörn
• Anhang mit Anregungen, Ermutigungen und Tipps
• Maritimes Geschenk für Segler und Schweden-Liebhaber
Ein Buch über das Segeln von einem, der es wissen muss. Lassen Sie sich inspirieren - zum Nachmachen, oder vielleicht auch Andersmachen!
Freigegeben:
28. Nov. 2019
ISBN:
9783667118783
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Warum wir immer weitersegeln - Wilfried Erdmann

Zu diesem Buch

Die Sonne brennt. Wasser gurgelt. Log dreht sporadisch hoch. Großsegel und Genua stehen. Ich liege im Cockpit, Astrid sitzt aufrecht und beobachtet See und Kompass. Unser Schiff zieht langsam seine Bahn. Astrid und ich sind mit KATHENA NUI auf der Ostsee unterwegs: Kurs Schweden. Und vielleicht weiter, womöglich als Zugabe ein Abstecher ostwärts nach Estland. Ziel soll mindestens Gotland sein, über 600 Meilen entfernt. Dort genauer Fårö, die kleine Insel im Norden Gotlands, mit Augenmerk auf Elvis, Ingmar Bergman und die gigantischen Kalksteinsäulen. Darauf freuen wir uns beide. Sehr. »Für Elvis würde ich sogar noch mal um die Welt segeln«, sagt Astrid nebenbei.

Fahrtensegeln ist die archaischste Art des Reisens. Gerade in diesem Sommer, der viel Sonne und wenig Westwind bietet. Man muss Geduld haben. Auf See nimmt der Segelnde das einfach so hin. Trinkt einen Tee und wartet. Ich bin seit 53 Jahren Segler. Meine Frau noch länger. Sie leider all die Jahre begleitet von der Seekrankheit – absurd. Dennoch stammen Idee und Umsetzung dieses Ostseetörns allein von ihr. Nach der Nordsee, Norwegen und den Färöer-Inseln meinte sie, der Seegang der Ostsee könne ihr nicht so zusetzen. Sei nicht so anstrengend, und man müsse sich nicht bei jeder Welle übergeben. Doch das Unerwünschte geschieht: Augenflackern, Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen. Vom ersten Tag an ist ihr Magen dem zeitweise nicht gewachsen. Trotzdem liebt sie das Leben mit dem Boot über alle Maßen und sagt: »Ich habe ja meinen Einhandsegler fürs Grobe.«

Segeln ist inzwischen oftmals Konsum. Immer mehr Menschen schaffen sich große Boote an und gehen segeln. Das ist uns in diesem Sommer besonders aufgefallen. Wir sahen sehr viele Boote um einen Platz auf dem Wasser und im Hafen kämpfen. Niemand schien sich zu interessieren, wer du bist und woher du kommst. Keiner hatte Lust, seinen Nachbarn auf ein Glas in die Kajüte einzuladen. Auch wir nicht.

Wir segeln also nach Dänemark. Erst mal. Dann haben wir uns Südschweden vorgenommen. Die See ist ruhig, der Wind mild. Die Wolken hoch. Die Ostsee. Hm, die Ostsee mit ihren geringen Ausmaßen ist eigentlich kein Meer und wäre doch so gern eines. Sie ist seit Jahrzehnten das Lieblingsrevier der deutschen Segler. Seit 1989 zum Glück auch das der ostdeutschen Segler. Zwar ohne Palmen und ohne Haie, aber mit echten Landesgrenzen, die bewirken, dass auf der anderen Seite andere Kulturen und andere Lebenseinstellungen existieren. Das macht es überaus spannend.

Der einzige Aspekt meiner in diesem Buch beschriebenen Reise, der garantiert Leser fesseln würde, wäre ein Unglück. Aber das hat nicht stattgefunden. Wir sind auf keinen Schärenfelsen gebrummt, haben keinen Sturm abgewettert, keinen Container gerammt. Sind nicht von Piraten überfallen, vom Affen gebissen worden oder auf ein Riff aufgelaufen. Das hatten wir früher schon.

Der Text beinhaltet unsere Gedanken über das Leben an Bord, unser Tun an und unter Deck und den Umgang mit einem Schiff auf der Ostsee. Ein Seglerbuch? Ja, sicher. Aber nicht in der Form eines Logbuchs, obschon alle kursiv gedruckten Zeilen meinem Logbuch entnommen sind, weil sie authentisch und nachhaltig sind. Es ist zudem ein Loblied auf Schweden. Das hoffe ich.

Segeln heißt erleben, weil man unterwegs genug Zeit hat, sich einzuprägen, was an einem vorbeizieht. Wir erinnern uns lebhaft an die reiche Natur in Schweden. Sie ist unsere wahre Liebe, besonders diese herrlichen Punkte, wo die See auf Schären und Inseln stößt. Wir sind fasziniert von meilenlangen weißen Stränden und hoch aufgetürmten Klippen und genießen etliche Male die außergewöhnliche Einsamkeit.

Für Leser, die Anregung, Ermutigung und Tipps suchen, habe ich diese in einem Anhang festgehalten.

Dann mal weg. Gutes Lesen.

Wilfried Erdmann

Goltoft/Schlei, August 2019

Es ist Mai

Der 10. Mai ist ein Montag. Das gleiche Aufbruchdatum wie zu unserem Nordseetörn zu den Färöern. Ich hocke im Cockpit, noch in langer Hose und im Pullover. Astrid liegt derweil auf der Koje. Es geht ihr schlecht. Die Aries, unsere Windsteueranlage, steuert uns sehr zuverlässig. Es gibt nichts weiter zu tun. Das Schiff ist ausgerüstet. Proviant und Wasser gebunkert, Ölzeug und Gummistiefel eingepackt, dicke Pullover sowie eine Flasche Rum und ein paar Flaschen Wein, um in den Häfen und Buchten für innere Wärme zu sorgen, falls der Sommer wieder kalt und nass wird. Wie in den Jahren zuvor.

Doch der erste Morgen sieht gut aus. Der Himmel ist hoch, ein paar federleichte Wolken schmücken ihn. Die See bietet eine Szenerie, in der Farben und Konturen verlaufen wie auf einem impressionistischen Gemälde. An diesem Tag ist auf dem Wasser eine so brillante Sicht, dass ich auf direktem Kurs den Leuchtturm von Bagenkop auf 20 Meilen erahnen kann. Ich stelle mich an Deck, reiße die Arme hoch und rufe laut: »Land in Sicht.«

»Blödsinn«, sagt Astrid, »mach endlich Frühstück.«

Gut, dass wir auf unserer Hochzeitsreise 1972 in der Biskaya nicht untergangen sind. Seitdem führe ich noch intensiver Logbuch, um mein Leben festzuhalten. Es bildet eine Chronologie für jede Reise. – Mal sehen, was ich im Schweden-Sommer notiert habe:

Beide um 09 h an Bord in Missunde. Kommen bei Abfahrt schwer aus der Box. Zu eng, da Wasser gefallen. Nur mit aller Kraft quetschen wir uns zwischen den Dalben raus. Es quietscht, aber gelingt. Wunderschöner Himmel und stilles Wasser. Leichter Wind und eine feine Strömung helfen uns bis Schleimünde.

Anderntags geht es also aus der Schlei auf die Ostsee nach Bagenkop. Fast noch im Schlaf machen wir uns auf den Weg. Wie üblich sehr schnell. Raus aus der Koje, Tee im Stehen und ran an die Festmacher. Das Großsegel lässt sich verdammt schwer hochziehen, das Fall hat sich mit dem Kutterfall vertörnt. Rufe laut: »Scheiße«, und ordne die Wuhling. Danach brauche ich zum Abreagieren eine Stunde Wache. Astrid folgt mit zwei Stunden und ist letztendlich bis eine halbe Meile vor der Hafeneinfahrt seekrank. Wir machen gleich links an Platz fünf fest und sind müde – nach lumpigen 25 Meilen. Recht leer der Hafen. Genießen Kaffee und Eiskrem im einzigen Lokal des Hafens. Na, es ist eher eine Frittenbude. Wir bummeln durchs Dorf. Außer der Kirche, die leider verschlossen ist, können wir nichts Reizvolles entdecken. Auch der Friedhof drum herum ist ein Schmuckstück. Dänemark eben. Vielleicht etwas zu ordentlich und sauber angelegt, doch das scheint ein Standard auf diesen Inseln zu sein.

Im Hafen liegen überwiegend deutsche Yachten. Zum Abend hin nur deutsche, die, wie ich vermute, auf der Durchreise nach Schweden sind. Wie wir. Die Dänen haben offenbar ihre Schiffe noch nicht zu Wasser gelassen.

Tags darauf herrscht viel Wind. Genauer: Zu viel Wind, um abzulegen. Also bleiben wir, und ich darf vorrangig Bücher signieren. Zugegeben: So viele habe ich unterwegs noch nie signiert. Alle naselang kommt ein Skipper und noch öfter seine Frau, die mit äußerst freundlichen Sätzen um eine Unterschrift bitten. Gelegentlich mit der Zusatzfrage: »Wird aus dieser Fahrt wieder ein Buch?« Meine Antwort bleibt offen.

Astrid ist währenddessen um unseren Bootsnachbarn in Sorge. Er segelt mit seiner Frau auf einer schmucken X 34 und hat sich mit seinem ebenso schicken Rennrad aufs Pflaster gelegt. Bei vermutlich höchstem Tempo mit Rückenwind rutschte er von der Pedale ab und landete kopfüber auf dem Asphalt. Ihn, der wie man hört, Chirurg ist, hat es an der Stirn erwischt, ebenso an Arm und Bein, und die Finger der linken Hand sehen ebenfalls übel aus. Er braucht gewiss einen Krankenwagen, der ihn schnell ins Krankenhaus nach Svendborg transportiert, immerhin 45 Kilometer entfernt. Der Unfall erinnert mich an meinen Bruder, der ebenfalls bei hoher Fahrt solch einen Sturz hatte und danach nie mehr richtig Hunderte Kilometer am Stück abreißen konnte. Die Rennmaschinen der Nachbarn standen fein angelascht an der Reling, als sie mit ihrer X festmachten. Sie stachen mir gleich ins Auge. »Meine ›Maschine‹ hätte ich auch gern mit an Bord«, sage ich zu Astrid. Als wir am folgenden Tag wieder auf See wollen, ist unser Nachbar seit Mitte der Nacht verarztet und überall verbunden aus dem Krankenhaus zurück. Seine Finger, »sein wichtigstes Werkzeug«, machen ihm Sorgen. Ich biete an, seine X mit seiner Frau zurück zur Küste nach Grömitz oder Heiligenhafen zu segeln. Doch das will er eindeutig nicht.

Eine Kreuz steht uns bevor, ziemlich nass und schräg, klar, kaum eines der deutschen Boote bewegt sich mit uns. Ihre schönen Schiffe bleiben fein vertäut am Steg. Die Crews stehen am Kai und zeigen sauber gekämmtes Haar im Gegensatz zu dem, was uns erwartet. Nämlich klatschnasse Köpfe. Mit voller Kraft geht es an den Wind. Dreimal zick und zack, schon ist das Kap Dovnsklint gerundet, und der Wind hat gedreht. Weiter mit Kurs 100, das ist gut Ost und folglich mit achterlichem Wind. Ich fiere die Segel und lege mich lang. Klasse, so allein im Cockpit und die Aries macht es. Astrid liegt trotz Wilhelms Pillen gegen Drehschwindel bei Astronauten flach. Es geht ihr nicht gut. Höchstwahrscheinlich trägt die schlechte Nacht im Hafen mit Wind und quietschenden Fendern zu ihrer Lage bei. Mir geht es auch nicht besonders. Ich bin nicht in Form. Mir ist kalt, ich fühle mich schwach, und gleichzeitig zappele ich irgendwie aufgeregt umher. Ich tröste mich damit, dass ich mich ans Bordleben erst gewöhnen muss.

Rødby ist das Ziel. Wir schneiden im Bojenweg eine Tonne, und schon stehen wir linker Hand vor dem großen Fährhafen. Am kurzen Schwimmsteg ist ein guter Platz frei. Die anderen sind belegt mit einheimischen Booten. Es scheint, dass Gastlieger selten Rødby anlaufen. Ist auch nicht sonderlich attraktiv. Ich weiß wirklich nicht, warum ich mit KATHENA 7 und KATHENA GUNILLA gute Erinnerungen mit Rødby verknüpfe. Wir suchen nach dem Festmachen ein Café und finden im Dorf eine Pølserbude. Astrid bestellt lässig zweimal Grillwurst mit Fritten. Keiner isst alles auf. Es schmeckt halt nicht. Ob die Dänen so wenig Wert legen auf Qualität? Hauptsache, sie haben eine Flasche Tuborg Grøn vor sich. Sogar zwei oder drei, es ist ja Sonntag. Warum nur trinken die Dänen am liebsten Bier aus der Flasche?

An Bord machen wir uns ein Spiegelei und trinken warmes Bier – auch aus der Flasche. Sind dabei ungewöhnlich lustig und legen uns mit einem angenehmen Glimmer früh in die Kojen, weil wir schon seit der Morgendämmerung auf den Beinen sind. Astrid nutzt die Steuerbord-Hundekoje, es ist die breiteste, und ich ziehe Backbord im Salon die Decke über mich. Gute Nacht, Rødbyhavn.

Hier wird schon tüchtig am Fehmarnbelttunnel gebuddelt. Überall Kräne, Erde, Bagger. Noch hat man nicht angefangen, unter der Ostsee zu graben, aber die dänischen Arbeiten schreiten voran, während auf deutscher Seite der Planfeststellungsbeschluss für die Anbindung und den Ausbau der Autobahn usw. noch nicht durchgewinkt sind – soviel ich weiß.

Wir segeln an mindestens 100 Windrädern vorbei. Schönes Erlebnis, manchmal ganz dicht oder dazwischen hindurch auf dem Weg nach Gedser. Beim Segelbergen gibt es einen kleinen Disput mit meiner Frau. Sie möchte unbedingt, dass ich das Groß bei Wind von vorn einpacke, und hält dann schon dementsprechend Kurs. Mir

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