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Ator: Das Herz des Drachen

Ator: Das Herz des Drachen

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Ator: Das Herz des Drachen

Länge:
387 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 1, 2019
ISBN:
9783748722434
Format:
Buch

Beschreibung

Eigentlich hat der Drache Ator ein recht angenehmes Leben, wenn man es von außen betrachtet.
 
Seine Arbeit in einem Security-Unternehmen gefällt ihm, er wohnt mit seinen drei besten Freunden – einem Wolf, einem Satyr und einem Naga – in einem großen Haus mit gewaltigem Grundstück um dieses herum und sein Hort ist aus menschlicher Sicht reichlich gefüllt.
Haus, Auto, Geld und gelegentlich auch Verabredungen mit hübschen Frauen – die Welt steht den vier Freunden definitiv offen.
 
Oder um es kurz zu sagen: Ator hat genau das, wovon jeder träumt.
Perfekter könnte es doch kaum für ihn laufen, nicht wahr?
 
Dennoch fehlt ihm trotz all der schönen Sachen etwas Wichtiges.
Etwas, wovon jeder Wandler, jeder mit 'besonderer' Abstammung, träumt und das man nicht einmal mit allem Geld der Welt kaufen könnte.
Seine Seelengefährtin, auf welche er schon seit Jahrhunderten wartet…
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 1, 2019
ISBN:
9783748722434
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Ator - Loreletta Nox

München

Kurzbeschreibung

Eigentlich hat der Drache Ator ein recht angenehmes Leben, wenn man es von außen betrachtet.

Seine Arbeit in einem Security-Unternehmen gefällt ihm, er wohnt mit seinen drei besten Freunden – einem Wolf, einem Satyr und einem Naga – in einem großen Haus mit gewaltigem Grundstück um dieses herum und sein Hort ist aus menschlicher Sicht reichlich gefüllt.

Haus, Auto, Geld und gelegentlich auch Verabredungen mit hübschen Frauen – die Welt steht den vier Freunden definitiv offen.

Oder um es kurz zu sagen: Ator hat genau das, wovon jeder träumt.

Perfekter könnte es doch kaum für ihn laufen, nicht wahr?

Dennoch fehlt ihm trotz all der schönen Sachen etwas Wichtiges.

Etwas, wovon jeder Wandler, jeder mit ‚besonderer‘ Abstammung, träumt und das man nicht einmal mit allem Geld der Welt kaufen könnte.

Seine Seelengefährtin, auf welche er schon seit Jahrhunderten wartet…

Prolog

Manchmal spielt das Leben nicht so, wie man es gerne hätte. Denn während der eine in Glück und Reichtum förmlich baden kann, droht der andere in Pech und Armut zu ertrinken.

Natürlich heißt es ja aber auch so schön, dass Jeder seines Glückes Schmied sei. Aber was ist Glück? Auch das wird von jedem anders wahrgenommen und definiert. Der eine mag sich an einem neuen Buch, einem leckeren Essen oder einem sonnigen Tag erfreuen und sich für den glücklichsten Menschen der Welt halten, der andere hingegen mag sein Glück bei seinem Partner oder seiner Partnerin finden.

Aber so einen Partner zu finden, der perfekt zu einem passt, ist auch mitunter gar nicht so leicht. Ja, es gibt sie, die Glücklichen, deren große Liebe ihnen förmlich vor die Füße stolpert. Aber es gibt auch die anderen. Jene, die mitunter Jahre, wenn nicht Jahrzehnte warten, bis das passiert – und mit viel Pech passiert es niemals.

Gut haben es da die Menschen, dass ihr Leben nicht lange währt. Bei den meisten ist vor dem 100ten Geburtstag Schluss, egal wie weit sie bis dahin gekommen sind oder eben nicht. Aber was ist, wenn nach dieser hübschen runden Zahl eben nicht automatisch das Ende kommt? Wenn die Zahl sich verdoppelt, verdreifacht, sich vielleicht sogar verhundertfacht? Wenn das eigene Leben einfach kein natürliches Ende findet und so eben aus Jahren oder Jahrzehnten des Wartens und Suchens einfach ein paar Jahrhunderte werden? Oder Jahrtausende?

Denn ob man es glauben mag oder nicht: Es gibt mehr auf der Welt als Menschen, Tiere und Pflanzen. Gestaltwandler, Zauberer, Blutsauger, all die geliebten und gehassten Gestalten, welche in Filmen, Büchern und Spielen als Pro- oder Antagonisten herhalten müssen, bevölkern ebenso die belebten Großstädte und idyllischen Dörfer wie es die Menschen zu tun pflegen. Nur, dass sie es seit den Zeiten des finsteren Mittelalters für sich behalten, um den Hetzjagden zu entgehen.

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Menschen und diesen ach so gruseligen Zeitgenossen, welche immer wieder für herrlich kribbelnde Gänsehaut oder wohlige Schmachtanfälle bei ihren Fans sorgen. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Ein schönes Beispiel ist wohl das Zusammenleben. Entweder man gehört zu den Beliebten oder eben nicht. Was aber am Ausgeprägtesten ist, ist die Trennung der unterschiedlichen Spezies. Der Magier wird lieber mit seinesgleichen umherstiefeln, vielleicht eine platonische Freundschaft mit einem Gestaltwandler hegen, aber Himmel bewahre, dass er jemals mit einem zusammenleben würde!

Es ist also eher unwahrscheinlich, dass man Vertreter dieser versteckten Arten mal auf einem Haufen zusammen erleben würde. Unwahrscheinlich, aber eben nicht gänzlich unmöglich. Solche aus der Not geborenen Gemeinschaften gibt es, auch wenn es nur sehr wenige sind.

Aber genau so eine illustre Gemeinschaft ist es, in welche sich die vier Außenseiter ihrer eigenen Arten geflüchtet haben. Wenn man sie sieht mag man allerdings gar nicht glauben, dass diese „Augenweiden" tatsächlich so etwas wie die eher unbeachteten Teenager in der High-School sein sollen, an denen man kichernd und lachend vorbeigeht und sie doch keines Blickes würdigt.

Ator, der Größte von ihnen, über zwei Meter hoch und breit wie ein Schrank, ein Drachenwandler, der sich seinen Unterhalt als Security verdient. Ein wahrer Brocken von Kerl, mit leicht gebräunter Haut, schwarzen zu einem Pferdeschwanz gebundenen Haaren und unpassend sanft wirkenden grünen Augen, der trotz seiner Masse und der unleugbaren Möglichkeit einen Arm wie ein Streichholz brechen zu lassen doch eine gewisse ruhige Selbstsicherheit ausstrahlt.

Der Zweite in der Runde, Ben, der Wolfswandler, misst nur zwei Zentimeter weniger als sein Freund und könnte sich gerade noch so hinter dessen massigem Kreuz verstecken, was die beiden mitunter gerne ausnutzen, wenn sie gemeinsam eine Schicht belegen. Optisch hat er seinen ganz eigenen Charme. Die Haut wesentlich heller als Ators, dafür aber mit unzähligen Narben ob seines geliebten Hobbies verziert, die hellbraunen Haare kurzgehalten und der Blick der fast schwarz wirkenden Augen zeugt von einer fast schon einschüchternden Disziplin.

Auch Rhiom, der Dritte im Bunde, ein Satyr, muss sich nicht verstecken, auch wenn er im Gegensatz zu seinen Freunden drahtiger gebaut ist. Nicht ganz so groß, aber doch ordentlich etwas hermachend, Brust, Rücken und Arme mit Tribal-Tattoos verziert. Die definitiv schwarz gefärbten Haare präsentieren sich in einem stolzen Undercut, dessen langes Haupthaar die meiste Zeit in einem eher zerzausten Pferdeschwanz gehalten wird, während braungrüne Augen vor Schalk nur so zu sprühen scheinen.

Kisame, der Vierte und Letzte, ein Naga. Definitiv der Jüngste in der beachtlichen Runde und neben seinen drei Freunden am schmächtigsten wirkend. Über zehn Zentimeter kleiner als der Brocken und definitiv schmal genug, um sich hinter jedem der drei anderen verborgen halten zu können, aber eindeutig nicht schmächtig. Bei ihm mag man am ehesten erkennen können woher er stammt, weist er doch asiatisch anmutende Züge auf. Braune Augen blitzen freundlich in die Welt und passen gut zum chaotischen fast gänzlich weißblondierten Strubbelkopf mit der eher hellen Haut.

Auch diese beiden haben sich zusammengeschlossen und frönen einer gemeinsamen Arbeit, um Kost und Logis bewerkstelligen zu können. Leder und Stahl hat es den beiden angetan, sodass der gemeinsame Laden in der Stadt für jeden etwas passendes parat hält. Mäntel, Stiefel, Klingen, Dekorationen, man bekommt bei ihnen alles – sei es nun für die einfache Wohnungsdekoration, die Küche oder gar für das geliebte Cosplay- oder LARP-Kostüm.

Gemeinsam hat sich dieser bunte Haufen in einem eher ruhigen Gebiet in Amerika niedergelassen und sich in einem ordentlich großen Anwesen einquartiert. Unterteilt in vier Flügel und in der Mitte mit gemeinschaftlichen Räumen versehen, hat so jeder seinen Platz, um den teilweise doch sehr unterschiedlichen Gelüsten zu frönen und nachzukommen, die die eigene Art manchmal hervorkitzelt.

Krafträume und Werkstätten sind dort ebenso zu finden, wie die individuell gestalteten Flügel, welche von eher düster anmutend bis hin zu luftig und offen einmal alles bieten, was man sich nur vorstellen kann. Und wenn doch einmal der Drang nach Freiheit zu groß wird, bietet das umliegende zum Anwesen gehörende Land samt eigenem großen See ihnen genügend Möglichkeiten sich auszutoben.

Aber so schön es auch ist trotz der vielen Unterschiede eine Gemeinschaft zu bilden, sich zu unterstützen, miteinander zu lachen und zu leben, ist es doch vor allem der Drache, der immer wieder die Einsamkeit verspürt. Jeder von ihnen mag von seiner eigenen Art ausgegrenzt worden sein, doch ihn trifft es am härtesten. Spürt er doch mit jedem Tag, der verstreicht, mehr und mehr das drängende Verlangen danach endlich sie zu finden. Die perfekte Eine, die seine Schuppen zum Glänzen und seine Glut zum Bersten bringen kann, die nur für ihn bestimmt ist und für niemanden sonst.

Wunschdenken, wie er weiß, ergeht es ihm doch nicht anders als seinen Freunden. Sie mögen es nicht aussprechen, aber auch ihnen sieht er deutlich an, dass sie langsam aufzugeben scheinen. Wenn es nicht sein soll, dann soll es nicht sein – dafür haben sie zumindest einander.

1

Eine neue Nacht, eine neue Schicht.

Laut wummernde Bässe, dunstige Luft, diffuses Licht. Die Gerüche von Zigaretten, Alkohol, Schweiß und Parfüm mischten sich zu einer einzigen Duftwolke, die unbarmherzig in Ators und Bens Nasen kroch und es nur ihrer langen Übung zu verdanken war, dass sie nicht angewidert die Gesichter verzogen.

Ben hatte sich zwischen den Waschräumen und dem DJ-Pult postiert, Ator ihm gegenüber nahe der gut besuchten Bar. Was willkürlich wirkte hatten die beiden sich jedoch im Laufe der langen gemeinsamen Arbeitszeit angewöhnt: Da beide die Menge größtenteils überragten bot ihnen diese Art der Aufteilung den besten Überblick und ermöglichte ein schnelles Eingreifen, falls es doch einmal nötig sein sollte. Und nötig war es schon mehr als nur einmal gewesen.

Aufmerksam glitten daher die Blicke der beiden Hünen über die dicht an dicht gedrängte Menge aus wogenden Leibern, die sich zum Rhythmus der hämmernden Musik bewegten. Kurz traf sich über der Masse der Blick der beiden, es wurde einander zugenickt. Alles ruhig.

Eine erfreuliche Abwechselung zu einer vergangenen Schicht, als beide dazu gezwungen gewesen waren mehrere aggressiv gewordene Männer und einige Frauen voneinander zu trennen und ins Freie zu befördern.

Stoische Ruhe ausstrahlend verlagerte Ator sein Gewicht ein wenig und verschränkte die kräftigen Arme vor der breiten Brust. Schwarzes T-Shirt, schwarze Hose, schwarze Schuhe, fast könnte er als eher passiver Besucher der Disco durchgehen. Wären da nicht die weißen Lettern, welche auf seinem Shirt prangten und unübersehbar das Wort SECURITY bildeten. So ruhig könnte die Nacht gerne weiter vergehen, er wäre wohl der Letzte, der sich darüber beschweren würde.

Aber wo er nach außen hin gelassen und aufmerksam wirkte, brodelte es in seinem Inneren. Trotz, dass ihn so viele Wesen umgaben, welche ausgelassen feierten und lachten, sich betranken und mitunter auch gegen seinen Leib wogten, hätte er sich nicht einsamer fühlen können.

All die fröhlichen Gesichter, die miteinander tanzenden oder knutschenden Paare um ihn herum, all der Lärm, sogar die Gerüche schienen für einen bedenklichen Moment von ihm abzurücken und seine Einsamkeit nur noch zu verstärken.

Sie war dort draußen, irgendwo. Und er hier drinnen, um für die nächsten Stunden darauf zu achten, dass all diese Wesen weiterhin ihren Spaß haben konnten. Wie ungerecht die Welt doch sein konnte, nicht wahr?

Etwas von seinen tristen Gedanken musste sich in den sonst so sanften grünen Augen gezeigt haben, denn als er ein weiteres Mal kontrollierend über die Menge hinwegblickte, traf ihn Bens fragender Blick unter leicht zusammengezogenen Augenbrauen. Nein, Mienenspiele waren nicht die größte Stärke seines Freunds und Arbeitskollegen, und es bedurfte schon eines sehr driftigen Grundes, um solche von ihm zu provozieren.

Beschwichtigend schüttelte der Drache daher den Kopf, langsam und kaum wahrnehmbar, aber für den ihm gegenüberstehenden Wolf trotz der Entfernung noch zu erkennen. Nicht jetzt.

Ob es ihm schmeckte oder nicht, ein knappes Nicken bestätigte die stumme Kommunikation, dann schweifte der wesentlich strengere Blick weiter. Erleichtert, dass er die drohende Unterhaltung fürs Erste abgewendet hatte, stieß Ator den Atem wieder aus, von dem er gar nicht gemerkt hatte, dass er ihn überhaupt angehalten hatte.

Ja, auf das Gespräch freute er sich ja bereits. Weder wäre es das erste noch das letzte zu diesem speziellen Thema, nur dieses Mal mit ihm als Hauptakteur.

Und warum das Ganze? Weil er ein verdammter Außenseiter in seiner eigenen Spezies war.

Weder besaß er schillernde Schuppen noch einen gewaltigen Hort voller Gold – zumindest nicht nach den Maßstäben von Drachen. Und auch wenn er unter den Menschen wie ein verdammter Berg dahinwalzte, war er doch unter seinesgleichen in seiner Gestalt eher ein Winzling, egal wie imposant seine humanoide Form auch sein mochte.

Ja, er war wuchtiger als einige der anderen Männchen, aber die Flügelspannweite… Die war eindeutig wichtiger als ein massiger, starker Körper. Und so war er immer weiter ins Abseits gerutscht, wurde ausgelacht und plump gesagt verarscht, bis er irgendwann einfach gegangen war.

Eine geraume Zeit war er allein umhergezogen, hatte sich mal hier, mal dort niedergelassen, aber es war nie endgültig gewesen. Bis er dann auf Ben getroffen war. Dem Wolf war es nicht besser ergangen als ihm selbst, auch er war fortgezogen nachdem es für ihn einfach keinen Platz mehr bei seinen Leuten gegeben hatte.

Fortan waren sie zu zweit unterwegs gewesen, was das Ganze doch ein wenig erträglicher gemacht hatte – was er auch offen und ehrlich zugab, wenn man ihn danach fragte. Später war dann auch Rhiom zu ihnen gestoßen.

Der Satyr war mit seiner Art und seinen mitunter schiefgegangenen Feuerzaubern stark angeeckt und letztlich mit einem Arschtritt davon getrieben worden. Die Zauber gingen auch jetzt noch schief – natürlich niemals mit Absicht, dass schwor er jedes Mal höchst feierlich, wenn auch mit einem dreckigen Grinsen auf den Lippen – aber es gehörte einfach zu dem extrovertierten Satyr dazu. Wenigstens klappten Naturzauber ohne größere Desaster…

Und zu guter Letzt, vor noch nicht gar zu viel Zeit, war dann auch Kisame in ihr Leben gestolpert. Oder sie in seines, je nachdem wie man es sehen wollte.

Wenn auch der Jüngste und eher Kleinste in der Runde bildete der stumme Kerl einen herrlichen Gegenpol zum ewig überdrehten Satyr, sodass es gar keiner Frage bedurfte, ob man ihn unter die Fittiche nehmen sollte oder eher nicht. Auch wenn er mit Vorliebe seine Freizeit im Bastelraum verbrachte und dort an irgendwelchen Gerätschaften herumhantierte, welche überhaupt erst dafür gesorgt hatten, dass er allein am Strand gehockt hatte.

Tja, so waren aus mehreren Einzelzimmern, die er abgegrast hatte, immer größere Wohnungen geworden. Eigentlich hatte er ja die letzte Wohnung – vier Zimmer, Küche, Bad, schön in einer Altstadt gelegen – sehr gemocht, aber mit dem Zuwachs durch Kisame war es dann doch ein wenig eng geworden. Also waren sie wieder einmal umgezogen.

Was hatte es da nicht für Diskussionen gegeben! Zu klein, zu laut… Irgendetwas war immer gewesen, weswegen man sich nicht einig geworden war. Bis sie letztlich das Anwesen gefunden hatten. Genügend Räume, viel Platz für jeden und alle zusammen, viel freie Fläche drumherum und für so ein imposantes, wenn auch etwas baufälliges, Gebäude ein wirkliches Schnäppchen!

Gut, sie hatten danach noch einiges an Geld und Zeit in die Renovierungs- und Umbauarbeiten stecken müssen, einen Teil hatten sie aber auch selbst gestemmt und jetzt? Jetzt erstrahlte der Kasten in neuem Glanz und alle waren glücklich und zufrieden. Zumindest was die Wohnsituation anging.

Immer wieder kam es vor, dass einen von ihnen die Einsamkeit plagte und etwas dagegen unternommen werden musste. Von lauter Musik bis hin zu Dauerbesetzung der Sportgeräte war dabei alles vertreten. Denn die einzige und strikteste Regel im Haushalt blieb: Wer fickt tut es auswärts! Alles andere wäre unfair und würde den Teufelskreis nur weiter befeuern. Und bisher hatte das auch ganz gut geklappt.

Während Kisame und Rhiom ihre Zeit mit dem Bauen und Basteln von allem, was man halt eben aus Stahl und Leder formen konnte, verbrachten, standen Ator und Ben sich in schöner Regelmäßigkeit als Security die Beine in den Bauch. Jeder, wie er es gerne mochte, auch wenn es dafür den einen oder anderen Spruch oder Scherz von der jeweiligen Gegenseite zu hören gab.

Wer Zuhause ist, kocht, Ende der Diskussion. Wäsche? Selbes Prinzip. Genauso wie alles andere auch. Gemeinschaft wie sie sein sollte. Vier Junggesellen in relativ friedlicher Eintracht zusammenwohnend. Könnte nicht toller sein, oder?

Doch, könnte es. Denn der Überschuss an Testosteron war einfach nicht zu leugnen und auch wenn es die meiste Zeit friedlich blieb, knallten die Hitzköpfe doch auch gelegentlich mal aneinander. Was dann jedes Mal zu unnötigen Renovierungsarbeiten führte. Aber besser es musste nur neuer Putz aufgetragen werden, als dass sie ein Grab schaufeln müssten, oder?

Ator selbst merkte nicht, wie er bei den Gedanken an seine ‚Familie‘ eine Grimasse zog. Eine seltsame Mischung aus Grinsen, Lächeln und ‚Oh mein Gott, wieso ertrage ich diese Idioten überhaupt?!‘ zierte sein Gesicht und brachte ihm einige irritierte Blicke der sich amüsierenden Nachtschwärmer in seiner Nähe ein.

Konzentration, Großer!

Wieder und wieder ließ er daher den Blick wandern, beobachtete einige Kerle, die zu tief ins Glas geschaut hatten, und schnaufte leise als sie von selbst den Rückzug antraten. Gut, also musste er doch keine Köpfe geraderücken. Schlecht, denn er würde gerne welche korrigieren, als kleine Ablenkung von seinen abwandernden Gedanken.

In Ermangelung von wirklicher Beschäftigung mit betrunkenen Randalierern tat ihm sein Kopf jedoch den Gefallen und schob die Erinnerung an den letzten Zusammenstoß in den Vordergrund.

Der besagte Abend war noch gar nicht so lange her, allerhöchstens eine Woche, wenn er sich nicht irrte. Der Laden war so voll gewesen, dass man kaum einen Schritt hatte machen können ohne jemandem auf die Zehen zu treten oder auf ungewollte Tuchfühlung zu gehen. Eine schiere Zerreißprobe für den armen Ben, über welche Ator selbst nur müde hatte lächeln können.

Hitze, der vermischte Geruch von Schweiß, Parfüm und Alkohol, eng gedrängte Leiber, dröhnende Musik und wildes Gelächter dominierten auch diesen Abend. Die penetrante Mischung schien aber wie so oft an dem Drachen abzuperlen, der ruhig seinen Blick schweifen ließ und einem Fels in der Brandung gleich auf seinem Posten stand. Anderen fehlte diese Abwehr jedoch, oder zumindest das Kennen und Abschätzen der eigenen Grenzen, denn im Laufe des Abends kam es, wie es eben kommen musste.

Zu viel Alkohol, zu viel Testosteron, zu tiefe Ausschnitte, zu wenig Raum – eine besonders explosive Mischung, welche dafür sorgte, dass ihm bei einem weiteren über die Menge schweifenden Blick der winkende Barkeeper ins Auge fiel. Einmal der weisend winkenden Hand nachgesehen, erfasste Ator recht schnell den Grund für das Zeichen: Einige junge und unverkennbar stark alkoholisierte Kerle stritten sich an der Theke.

Was zuvor wohl nur lautes Pöbeln und provokantes Fuchteln mit den Händen gewesen war, wandelte sich mit alarmierender Geschwindigkeit zu wüstem Schubsen und Stoßen. Zeit, um einzuschreiten, bevor sich die anbahnende Katastrophe ausweiten konnte.

Wenn ihr euch Aggressoren nähert, geht immer zu zweit, niemals allein. Denn in ihrer Wut können sie unberechenbar sein! Die wohl wichtigste Lektion, die sein Ausbilder ihm vor so langer Zeit mit auf den Weg gegeben hatte und an die er sich eisern hielt.

Dementsprechend hielt er, während er sich in Richtung Theke bewegte, Ausschau nach Ben, welchen er mit einem knappen Nicken an seine Seite beorderte. Auf seinen Freund war eindeutig Verlass, erfasste dieser doch mit zwei kurzen Blicken die Situation und setzte sich ebenfalls in Bewegung, um sich seinen Weg durch die feiernde Menge zu bahnen.

Ators Weg erwies sich wie so oft als einfach. Auch wenn der Laden voll war, so machten ihm die Leute doch Platz sobald sie ihn in ihrer Nähe wahrnahmen. Groß und breit verströmte er auch unter den normalen Menschen eine unleugbare Dominanz, versprach aber auch Sicherheit. Und für diese gedachte er wieder zu sorgen.

Nach einem letzten kurzen Blick zu seiner Linken, um zu kontrollieren wie nah Ben bereits war, erreichte er schließlich den Schauplatz der immer heftiger werdenden Auseinandersetzung und ragte mit seiner gesamten Größe hinter dem Verursacher auf, während Ben dasselbe beim anderen tat. Trotz der dröhnenden Musik und der nur noch lauter gewordenen Auseinandersetzung vor ihm, hallte Ators Stimme kraftvoll und klar an die Ohren der Umstehenden als er die Streithähne auf sich aufmerksam machte: „Meine Herren, es ist Zeit zu gehen."

„Misch dich nicht ein!"

Ator hatte mit keiner anderen Reaktion gerechnet, wenn er ehrlich sein sollte. Maßlose Selbstüberschätzung und reichlich Alkohol sorgten sehr gern dafür, dass die Menschen trotz drohender Gefahr übermütig wurden. Nicht, dass der Drache vorhatte Gewalt anzuwenden. Meist reichte seine Erscheinung schon aus, um solche Dispute zu einem raschen Ende zu bringen. Aber meist war halt nicht immer, so auch in diesem Fall.

Ganz anders sah das wiederum bei dem Mann aus, hinter welchem Ben aufragte und von dort aus ein achtsames Auge auf das Geschehen warf. Kein Wunder, denn dieser Mann konnte Ator ja auch sehen, welcher den Pöbler um gut zwei Köpfe überragte – wohl ein ernüchternder Anblick, auch wenn der Mann selbst nicht der Aggressor war.

Einer erledigt, blieb nur noch den anderen auf seine Lage aufmerksam zu machen: „Jetzt stellen wir erst einmal die Gläser weg und dann setzen wir das weitere Gespräch vor der Tür fort."

„Ich hab gesagt, misch dich nicht ein, du Hänf…, röhrte der mit dem Rücken zu ihm stehende Mann, während er sich zu Ator umwandte und schwungvoll sein Bierglas in das Gesicht des Drachen entleerte. Nicht, dass dieser Treffer geplant gewesen wäre, aber die Zielfähigkeit hatte ebenso wie die Selbstbeherrschung im Laufe des Abends doch drastisch gelitten. Was auch der Mann bemerkte, wurde dessen Sichtfeld doch primär von Brust ausgefüllt. Gezwungenermaßen wanderte so der Blick in die Höhe, hin zum nassen Gesicht des Brockens, bevor er das Wort zu ende auswürgte: „Ling…

Weder war es das erste Mal, dass Ator beleidigt oder mit irgendetwas begossen wurde, noch würde es das letzte Mal sein. Im Laufe seiner Jahrhunderte war das oft genug vorgekommen und dabei erwies sich dieser Mensch nicht einmal als der Kreativste von allen.

Nein, da war er wesentlich andere Kaliber jedweder Art von seinen Mitdrachen gewöhnt, welche ihn geschmäht hatten bis er den Schwarm verließ. Bier in den Augen brannte dennoch unangenehm, weswegen er seine Hand hob und sich damit kontrolliert die stinkige Flüssigkeit etwas abwischte. Unangenehm, ohne Frage, aber ihm dennoch nicht mehr als ein müdes Schmunzeln wert.

„Ich denke, dass wir uns darüber einig sind, dass dies nicht möglich sein wird, oder?" Um die Endgültigkeit des Rauswurfs zu unterstreichen legte Ator seine vom Bier nasse Hand auf die Schulter des noch immer blöd glotzenden Mannes, drückte dosiert zu und wies mit der zweiten Hand in Richtung Ausgang.

Auf dessen anderer Schulter landete eine zweite Pranke, die definitiv zu dem Hünen vor seiner Nase gehörte. Ein Blick offenbarte dem nun nicht mehr ganz so vorlauten Randalierer, dass er von zwei dieser Sorte umgeben war, wobei der Koloss genau vor ihm augenscheinlich das Sagen hatte. Flankiert von den beiden, die sich über seinen Kopf hinweg knapp zunickten, wurde er samt seines unfreiwilligen Kontrahenten an den anderen Feiernden vorbei zum Ausgang gebracht und in die kühle Nacht hinausgeschickt.

„Geht nach Hause und schlaft euch aus", war die letzte Anweisung Ators, bevor er mit Ben zusammen wieder nach drinnen verschwand und die Tür hinter sich zu fallen ließ.

2

Nur am Rande nahm er versunken in diese Erinnerung wahr wie sich exakt dieselbe Tür zur Disco öffnete und weitere Gäste ins Innere strömten. Ein kurzer, fahriger Blick, dann hatte er die fünfköpfige Gruppe partywütiger Frauen erfasst und als bereits leicht angeheitert eingestuft.

Nichts Ungewöhnliches, die meisten glühten vor, bevor sie sich ins pulsierende Nachtleben warfen. Und doch ruckte der gerade abgeschweifte Blick wieder zurück zu der hüpfenden und johlenden Traube aus Frauen. Warum interessierten sie ihn?

Von sich selbst irritiert zog er die Augenbrauen ein wenig zusammen und versuchte zu lokalisieren, was ihn da so stutzig hatte werden lassen. Drei blonde Schöpfe, ein brauner und ein blauschwarzer, vier hüpfend und sich bewegend, der letzte aber stoisch stillhaltend.

Im braunen Schopf glitzerte vergnügt eine kleine Plastikkrone – aha, Junggesellinnenabschied! – und der Rest wurde von kleinen Plüschohren geziert. Hase, Maus, Einhorn und …

Der blauschwarze Schopf war der einzige, der sich offenbar weigerte diese dämlichen Dinger aufzusetzen. Sehr zum Verdruss ihrer Freundinnen, deren Betteln und Flehen nur bedingt durch die dröhnende Musik verstehbar waren. Nein, die Teile würde er sich auch nicht aufsetzen, was auch immer sie bekommen hatte. Aber das war es auch schon mit seiner Observation, verschwanden die Schöpfe doch im allgemeinen Chaos der Tanzfläche.

Unbewusst lehnte er sich nach vorne, machte bereits den ersten Schritt, um ihnen zu folgen, bevor er innehielt. Dieses Rumpeln in seinem Brustkorb, dieses Vibrieren in der Kehle, er hatte es schon ewig nicht mehr wahrgenommen und ausgerechnet jetzt…? Verflucht!

Mühsam schluckte er das Grollen herunter, welches sich ihm entringen wollte, verschloss diesen seiner Drachenseite entspringenden Ton tief in sich und suchte rasch nach dem Blick des Wolfs.

Gefunden war dieser schnell, starrte sein Freund doch wieder mit diesem seltsamen Ausdruck zu ihm herüber und rang sich sogar dazu durch quer durch den Raum fragend eine Augenbraue anzuheben. So hatte er Ator noch nie erlebt und schon gar nicht während der Arbeit. Was auch immer seinen Freund so in Aufruhr versetzte, es musste etwas Großes sein, dass dieser von seinen Instinkten übermannt zu werden schien – und dann auch noch in einem so überfüllten Raum.

Quer durch den Raum konnte Ator aber nicht verhindern, dass Ben etwas in sein kleines Headset raunte und dann die Hand zum Zeichen für eine Pause hob. Noch einmal: Verdammt! Er brauchte keine Pause, er wollte keine, aber er war gezwungen sich mit einem unwilligen Schnauben von seinem Platz zu lösen und sich einen Weg zu der hübschen Tür mit dem kleinen Schildchen „Privat" zu bahnen.

Mit bemüht dosierter Kraft öffnete er diese für sich und schob sich in den dahinterliegenden Gang, Ben dicht auf seinen Fersen habend. Dem Wolf fiel es leicht sich Platz zu verschaffen, reichte doch meist schon einer seiner perfektionierten harten Blicke, damit sich die Menge für ihn teilte. Wahlweise könnte es aber auch an den Narben liegen, welche sein Gesicht zierten und vor denen die meisten Menschen zurückschreckten.

Seine Schonfrist währte allerdings nur, bis die beiden Brocken die Umkleide erreichten und die Tür hinter ihnen ins Schloss gefallen war. „Was zum Teufel ist los mit dir?!"

Ah, da hatten sie es schon. Die Mischung aus berechtigter Sorge und mühsam unterdrücktem Zorn mit welcher ihm die Frage entgegen geschleudert wurde. Konnte er es ihm verübeln? Nein, konnte er nicht. Er würde ihn dasselbe – wenn auch in anderem Tonfall – fragen, wenn die Rollen vertauscht wären.

„Nichts. Alles ist gut!" heraus zu posaunen war eindeutig die falsche Antwort, wie er dem ertönenden Grollen und Knurren entnehmen konnte. Ah, da kratzte der Wolf wieder dicht unter der Oberfläche und würde ihm am liebsten die Nase einmal blau färben. Und Bens Miene spiegelte diesen dringenden Wunsch unübersehbar wider – nur würde er sich zusammenreißen und zumindest warten, bis sie beide Zuhause wären. Dafür machte er seinen Job einfach zu gern, als dass er ihn wegen so etwas gefährden würde. Egal, wie berechtigt es auch war!

„Reiß dich gefälligst zusammen, knurrte es ihm entgegen, „mir gefällts hier nämlich!

Nun war es an Ator eine Augenbraue zu heben. Noch nie in all den Jahren hatte Ben jemals so deutlich gemacht, dass er einen Ort als angenehm genug empfand, um dort für längere Zeit zu verweilen.

Zu sehr an das Leben als einsamer Wolf gewöhnt, der frei und ungebunden herumstrolchen und hingehen konnte, wohin auch immer es ihn zog, war es ja ohnehin schon eine gewaltige Umstellung für ihn gewesen als sich ihre Gruppe nach und nach vergrößert hatte.

„Es ist nichts!" Aber der Versuch seinen Freund zu überzeugen endete mit dem lauten Knallen der Tür. Schöne Scheiße aber auch. Ändern konnte er es jetzt nicht mehr, aber sich vielleicht später ein wenig Zeit nehmen, um seinen rebellierenden Geist zu besänftigen.

Vielleicht selbst ein wenig saufen? Oder einen ordentlichen Flug im Schutz der Dunkelheit machen. Wenn ihm eine geeignete und nicht abgeneigte Frau über den Weg lief vielleicht sogar ein wenig andere körperliche Ertüchtigung? Eine schöne mögliche Auswahl, die er sich da zusammenstellte, als er selbst den Rückweg in den lärmenden Raum antrat.

Denn sobald er den privaten Bereich wieder hinter sich gelassen hatte, donnerte ihm erneut die heute besonders störende Wand aus Lärm und Gerüchen entgegen, welche er für einige weitere Stunden würde ertragen müssen.

Je weiter die Nacht voranschritt, desto öfter musste Ator sich dazu ermahnen nicht zu grollen. Die Bewegungen der Gäste wurden dank stetig fließendem Alkohol fahriger, die Köpfe benebelter und so wurde aus dem zu Beginn nur wenigen rempeln bald ein wahres Fest aus unfreiwilligem Körperkontakt.

Männer wie auch Frauen knallten gegen ihn, einige entschuldigten sich, andere merkten es nicht einmal mehr, so kaputt waren sie bereits. Der eine oder andere Griff an seinen Körper blieb dabei ebenfalls nicht aus, wenn sich einer von ihm abstieß und

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