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Manifest der Neuen Zeit: Weckruf für die "sanften Verschwörer"

Manifest der Neuen Zeit: Weckruf für die "sanften Verschwörer"

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Manifest der Neuen Zeit: Weckruf für die "sanften Verschwörer"

Länge:
483 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 5, 2019
ISBN:
9783945701270
Format:
Buch

Beschreibung

Wir müssen feststellen: Der Materialismus als Weltmodell hat längst ausgedient, überkommene Glaubenssysteme haben unsere Welt in eine prekäre Lage gebracht, die nach dringender Heilung schreit. Ansätze hierfür gab und gibt es zahlreiche – einer davon war Marilyn Fergusons „sanfte Verschwörung“, die ein Erwachen eines Neuen Bewusstseins durch innere Umpolung und eine Neuorientierung des Menschen als Grundlage für das Entstehen der Neuen Zeit sah. Jedoch ebbte diese Welle ab, und bisher haben sich auch die Voraussagen, es würden immer mehr Menschen von selbst in Liebe und Verbundenheit erwachen und so den Veränderungsprozess vorantreiben, nicht erfüllt.
Doch der Autor dieses Buches beharrt trotzig: Die Flut wird kommen, die Neue Zeit ist nicht aufzuhalten. Denn schaffen wir den Bewusstseinssprung nicht, geht die menschliche Zivilisation selbstverschuldet krachend unter. André Buchheim nimmt die unterschiedlichen Fäden von Fergusons Klassiker über „die sanfte Verschwörung“ noch einmal auf und verknüpft die losen Enden zu einem neuen, einheitlichen Weltentwurf. Somit liegt ein faszinierendes Werk vor, welches den Bewusstseinswandel selbst in den Mittelpunkt der Beschreibung stellt. Die Ursachen unseres Festhaltens am Alten werden aufgeklärt, ebenso der kollektive Zusammenhang von Bewusstsein und Gesellschaft – und dass es eben auch unsere kollektive bewusste Einstellung oder Haltung zu unserem Planeten ist, der ihn langsam auffrisst. Wie wir aus diesen destruktiven Formen der Gemeinschaft ausbrechen, beschreibt das Buch. Wie wir ankommen in einem Bewusstsein des ehrlichen, liebenden Mit-Seins, auch davon handelt es. Eine liebevolle, gerechte, nachhaltige Welt entsteht durch eine Gemeinschaft liebevoller, gerechter und nachhaltiger Individuen. Es entsteht, wofür wir stehen.
Daher seien wir achtsam, den durch die Liebe abgesteckten Rahmen niemals zu verlassen. Und gegen Liebe und Wahrheit als Grundsatz der Lebensführung kann sich kein vernünftiger Mensch wehren. Welchen Grund gäbe es, sie abzulehnen? Ganz im Gegenteil, auf diese Kräfte könnte sich die gesamte Menschheit einigen, weil jeder einzelne Mensch unter dieser Maxime am besten lebt, gleich welcher Herkunft, Religion oder Tradition er entstammt.
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 5, 2019
ISBN:
9783945701270
Format:
Buch

Über den Autor

André Buchheim wurde 1973 in Leipzig geboren. Seine frühe Kindheit war geprägt von Gewalt. Diese traumatisierende Erfahrung warfen schon in der Kindheit Fragen nach dem Warum auf und ließen den Wunsch nach anderen, von Liebe geprägten Gesellschafts- und Umgangsformen aufkommen. Bereits mit 13 Jahren kam er in Berührung mit Entspannungs- und Atemtechniken und erlernte die Hintergründe von Autogenem Training, Hypnose und dem katathymen Bilderlebens. Nach der Schule studierte er Geschichte und Archivwissenschaften in Potsdam und hatte ein Praktikum im Staatsarchiv Leipzig. Hernach durchlief er Ausbildungen bei verschiedenen spirituellen Kapazitäten, zum Beispiel K. Spiesberger, Z. Kolnikova, Dr. Wei. Es folgten umfassende beratende Tätigkeiten, heute arbeitet André Buchheim als spiritueller Meister und Lehrer für den Bewusstseinswandel der Menschheit und die Neue Zeit.


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Buchvorschau

Manifest der Neuen Zeit - André Buchheim

Welt!

Weg-Weiser

Zunächst erscheint es mir opportun, der geneigten Leserschaft ein paar Hinweise zu geben, was dieses Buch möchte und wie damit am besten zu praktizieren ist. Es wurde geschrieben, um eine theoretische und praktische Anleitung für die Zeitenwende zu geben. Es soll helfen, die heute ungestüme, rebellische Energie, die sich nur gegen das Alte richtet, in Kanäle zu lenken, um das Neue aufzubauen.

Gegliedert ist es in zwölf Kapitel, entsprechend der zwölf Monate eines Jahres. Diese Kapitel teilen sich jeweils in einen längeren theoretischen Teil mit je zwei Vorschlägen für die praktische Umsetzung auf. Ich habe versucht, Theorie und Praxis im Gleichgewicht zu halten, denn Wissen und Erfahrung sollten sich im spirituellen Prozess stets die Waage halten.

In den theoretischen Teilen jedes Kapitels möchte ich ein Hintergrundwissen vermitteln, das zum einen aus eigener Erfahrung rührt und zum anderen auf die großen Denker der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, des beginnenden „New Age", zurückgreift, um diese älteren, aber hoch zeitaktuellen Wurzeln erneut frei zu legen, sie einem breiteren Publikum, besonders der heutigen Jugend, nahezubringen und ihre Erkenntnisse und Denkungsart zu präsentieren, da bereits zu dieser Zeit der Ausweg aus unserer Misere deutlich beschrieben wurde. Dabei habe ich versucht, jede der Einzelmeinungen zu beachten, ihr Raum zu geben und sie gemeinsam aus der heutigen Perspektive zu einer einheitlichen Weltsicht zusammenzufassen.

Wie schnell oder langsam man dies liest, ist jedem selbst überlassen. Anders sieht es bei den Übungen aus, diese sind immer auf mindestens einen Monat festgelegt. Die vorgestellten Übungen sind unterschiedlicher Natur, es gibt eher magische und meditative, aber auch ganz pragmatisch-praktische Umsetzungsvorschläge. Wenn beispielsweise ein Monat dran ist, in dem wir uns um soziale Belange kümmern sollten, so kann man dieses Verhalten auch zur allgemeinen Grundlage machen, das heißt nach dem Monat in einem festzulegenden Rahmen sozialen Ausgleich zu üben. Wenn es jedoch um Meditation geht, rate ich, Schritt für Schritt vorzugehen, auch wenn es dadurch länger dauert. Wenn die Meditation zum Beispiel in 4 Wochen aufgeteilt ist, dann sollte erst zum nächsten Schritt übergegangen, wenn der vorherige getan wurde.

Abkürzungen auf dem spirituellen Weg sind ohnehin zu misstrauen. Was soll man davon halten, wenn einem die Erleuchtung an einem Wochenende versprochen wird, ein Zustand, den nur die Wenigsten je erfahren haben, und das oft erst nach jahrzehntelangem Ringen und Bemühen. Dabei ist es an der Zeit, dass Erleuchtung Allgemeingut wird, womit die geistige Elite der Zukunft eine Massenerscheinung sein wird.

Somit kommen wir, wenn wir die Praxisteile gewissenhaft durcharbeiten, auf mindestens ein Jahr Arbeit. Dieses Jahr ist ein Gesamtüberblick über relevante Themen des Bewusstseinswandels und der Neuen Zeit. Es hat allerdings nicht den Anspruch, den Leser mit allen Teilen der Esoterik bekannt zu machen, sondern bevorzugt mit jenen, die das Feld der Wahrnehmung und der Bewusstheit erweitern. Es bietet also ein festes Fundament und es bleiben dennoch genügend Spezialthemen übrig, mit denen man sich später, über dieses Jahr hinaus, noch befassen kann.

Zusätzlich entspricht dieses Jahr der Zeit vor der Einweihung, die klassisch mit einem Jahr und einem Tag angegeben wird. Diese Zeit hilft den Schülern, sich zu entscheiden, ob dieser Weg tatsächlich der richtige für sie ist, und den Meistern und Meisterinnen der Tradition gibt es Gewissheit, ob es sich für sie um die richtige Auszubildende respektive den richtigen Auszubildenden handelt.

Obwohl ich mich viel auf klassische Elemente und Techniken des Welt-Weisheitserbes berufe, diese sind in ihrer Wirkung wohl erprobt, geht es in diesem Buch um die Initiierung der Neuen Zeit. Die Jugend, die „alten Hasen, die „Schläfer der ursprünglichen sanften Verschwörung, die Generationen für Liebe, Wahrheit und Frieden wachzurufen und sie zusammenzuschweißen, sie auszustatten mit dem nötigen Hintergrundwissen und die Aktion anzuregen, das möchte dieses Buch erreichen.

Es geht nicht um uns, es geht um das Wohl der Welt! Packen wir es an...

Begeisterung

„Nur durch einen neuen Geist kann sich die Menschheit erneuern, und das Potential für einen neuen Geist dieser Art ist naturbedingt."

Marilyn Ferguson in „Die sanfte Verschwörung"¹

Ein Geist geht um in der Welt – der Geist einer Neuen Zeit. Wie feiner Nebel, Tropfen an Tropfen, breitet er sich aus und umhüllt die Erde. Und gerade weil dieser Geist, dieser Nebel feinstofflich, leicht und durchlässig ist, sehen ihn die meisten nicht, sie durchschreiten ihn, ohne etwas zu merken, und doch legt sich ein Film feiner Feuchtigkeit um jedes Wesen, das mit ihm in Berührung kommt, die Lust auf Lebendigkeit weckend, es nährend und erhaltend. Dieses Nähren und Halten als Wesenseigenschaften des neuen Geistes machen ihn so attraktiv für viele Menschen und wecken ein unbewusstes Sehnen nach Heimat, Ankommen und Paradies.

Niemand kann diesem Geist entgehen, und jeder, der ernsthaft von ihm berührt wird, wird aus seiner eigenen Bahn gelenkt und gelockt. Denn ein leises Wispern und Flüstern ist in uns: Eine bessere Welt ist zu erschaffen. Dies ist keine ferne Utopie, sondern jetzt umsetzbar. Und sie entsteht, sobald Du die Neue Zeit verkörperst, wenn Du es zulässt, Dein Bewusstsein mit Inhalten des Lichtes und der Liebe zu fluten. Denn wahrlich, ich sage Dir: Alles ist Liebe, sobald uns die Liebe alles ist!

Wasser drängt zu Wasser, der Fluss fließt ins Meer und eines kommt zum anderen. Die Entwicklung in ihrem Lauf hält weder Ochs’ noch Esel auf. Denn hier soll sich zielgerichtet Evolution entfalten, und wir alle sind Teil dieses Prozesses. Alle Sinne, alle Wahrnehmung und schöpferische Kraft des Einzelnen sollten daran und darauf ausgerichtet sein. Und je mehr Individuen bei diesem großen Werk mit anpacken, umso eher wird sich der Geist als kollektive Kraft der Massen zeigen, alles transmutierend, was lebensfeindlich, weltfeindlich, geistfeindlich ist oder überhaupt sich feindlich gebärdet. Denn das Wesen der Neuen Zeit ist lebensbejahend, weltbejahend und geistbejahend. Es stellt den Geist, den Spirit, ins Zentrum, fördert das Lebendige und segnet damit die Welt. Es ist also das Wesen der Neuen Zeit, vollkommen zu dem konträr zu sein, was die alte, heutige Zeit für wichtig und richtig hält. Diese Zeit ist insoweit von der Umwertung aller Werte gekennzeichnet, dass die verdrehten und verzerrten (Un-)Werte zugunsten echter, innerer Werte aufzugeben sind. Statt des materiellen Gewinns zählen die inneren Werte mehr. Damit erscheint diese Umwertung nicht als Umsturz, sondern als Rückkehr zu den wahren Werten des Lebens, die nunmal in Geld und Gold nicht aufzuwiegen sind.

Die großen Gewalten der Alten Zeit haben sich derzeit allesamt versammelt, der Welt diesen Geist auszutreiben; Wirtschaft, politische Parteien (links wie rechts), Kirchen und Wissenschaft, Gläubige und Atheisten, überall dort, wo neues Denken, Fühlen und Handeln sich zu entwickeln drohen, sind dieselben Reaktionen zu erwarten: sie schreien „Esoterik, „Okkultismus, „Sekte". Und sicher ist die Neue Zeit etwas von alldem und doch nichts davon. Genauso ist sie etwas von dem Alten und doch nichts davon. Und dies sorgt für Rat- und Orientierungslosigkeit unter den Mächtigen.

Was also ist die Neue Zeit? Sie bietet tausend Alternativen, doch selbst ist sie alternativlos. Sie ist das Potential zu allem, zur Tugend ebenso wie zum Verbrechen, und doch wählt sie die Tugend und meidet das Verbrechen. Sie ist zutiefst irrational und damit Grundlage alles Rationellen. Sie ist unberechenbar, unkorrumpierbar, unbestechlich. Sie ist unbeweglich und beinhaltet doch alle Möglichkeit zur Bewegung. Sie ist die Einheit der Vielfalt, ein Abbild des Paradieses auf Erden. Sie unterscheidet sich nicht von der alten Zeit, sie ist ganz anders als diese. So dürfen wir uns auch als Neue Menschen nicht von den Menschen der alten Zeit unterscheiden, ja, es ist gar kein Vergleich möglich zwischen ihnen und uns, denn wir leben in einer anderen Welt, hier gelten andere Gesetze. Diese Gesetze sind es, denen es sich zu unterwerfen gilt, die es uns Heutigen zum Teil so schwer machen, den Wechsel zu vollziehen. Zu verrückt, irrational und komisch scheinen die Forderungen zu sein, die die Neue Zeit an den Menschen stellt.

Dennoch, die Aussicht auf das Neue, der verlockende Geruch eines Goldenen Zeitalters der Zukunft, die Versprechen von Frieden und Gerechtigkeit, die nur die Neue Zeit wirklich erfüllen kann, versetzen Menschen nun schon lange, von Generation zu Generation, seit Jahrtausenden in einen Taumel der Begeisterung. Unbewusst irren wir zwar durch die Zeit, doch innerlich sind wir getrieben von einem unbekannten Land, welches wir gern in ferne Zeiten rückprojizieren. Und doch, alle Weltzeitalter liegen in uns als Muster vor, als eine Schablone, ein inneres Wissen, das es zu vollziehen und auszufüllen gilt. Daher lässt sich die Sehnsucht nach der Neuen Zeit nicht abstellen, denn sie ist dem Menschen inhärent. Daher ist das einzige Mittel, welches sie verhindern könnte, die Vernichtung der Menschheit, und einige haben sich diesem Plan verschrieben. Und jeder, der angesichts der Fakten weder aufsteht noch handelt, macht sich zum Mittäter an der Zerstörung unserer schönen Erde.

Die Neue Zeit zu unterdrücken, diesen impliziten Willen solange es geht aufzuhalten, haben sich die Reichen und Mächtigen zusammengeschlossen. Ihre Arbeit, dies zu bewerkstelligen, umfasst seit Jahrhunderten eine Doppelstrategie. Erstens: Not, Leid und Elend für die Menschen erschaffen, irgendein Schreckensszenario heraufbeschwören, bei dem jeder ums eigene Überleben kämpft und des Anderen nicht mehr gedenkt, mit dem Ziel der Teilung (alá „teile und herrsche) im Innen wie vom Außen. Zweitens: Um die inhärente Sehnsucht, die man äußerlich nicht bekämpfen kann, zu neutralisieren, gilt es, einerseits die Weisheitslehren und die Liebe zu Gott lächerlich zu machen und andererseits jedwede Ablenkung durch materiellen Sinngenuss wie auch egobezogene „Spiritualität und Verschwörungstheorien zu fördern. So wird jede mögliche Maßnahme eingeleitet, die den Einzelnen davon abhält, sich mit sich, seiner Seele und der Wahrheit zu befassen. Und echte Spiritualität ist Wahrheitssuche.

Natürlich müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, dass allein das System dafür verantwortlich ist, denn zur Ablenkung von der Wahrheit gehören immer zwei: einer, der Zerstreuung anbietet, und einer, der sie konsumiert. Zum ewigen Konsum als einzigem Sinn ist kein Mensch geboren, es sei denn, er bringt sich selbst in diese Zwangslage, doch dazu im nächsten Kapitel mehr. Dennoch, die „Reichen und Mächtigen" sind eine Realität. Es sind jedoch keine Familien, Rassen oder Geheimbünde, die hier die Strippen ziehen. Denn ob man will oder nicht, das Rad des Schicksals sorgt immer für einen gewissen Umlauf, und irgendwann endet jede Ära oder Dynastie, das ist der Lauf der Dinge. Daher bezieht sich das nicht auf eine bestimmte Personengruppe, sondern konkret auf die, die jetzt das Geld ergo die Macht haben und bemüht sind, Bestehendes zu erhalten, den Status Quo. An ihnen scheitert jeder realistische Verstand, sie treiben die Geschichte immer weiter vorwärts (in ihrem Sinne und nur nach ihrer Vorstellung), auf dass die Macht sich mehre und nie wieder aufhöre. Unsterbliche wollen sie werden – und bleiben doch arme Würstchen, die von der Anhaftung an die vergänglichen Phänomene in den Wahnsinn getrieben werden. Sie versuchen, die Zeit anzuhalten, sagen zum Augenblick, dass er doch verweilen, immer so bleiben soll, da es so schön ist, wie dieser Gedanke schon ähnlich in Goethes „Faust" manifest ist. Und Faust weiß, dass das nicht geht, denn alles fließt, und niemand bringt das Rad der Zeit zum Stillstand, außer Gott.

Daher wird weiters von dieser Seite versucht, alle wahren Werte in den Dreck zu ziehen und dafür eine gesellschaftliche „Normalität" zu propagieren, die wahrhaft satanisch ist. Und genau dies, was schon über 6.000 Jahre vollzogen wird, macht die Umwertung, die Rückkehr zu den wahren Werten, notwendig.

Aus all dem ergibt sich, dass die Neue Zeit als Machtfaktor von allen Mächten der alten Welt nicht nur anerkannt, sondern sogar leidenschaftlich bekämpft wird. Bekämpfen muss man aber nur den Gegner, den man wirklich fürchtet. Bekämpfen muss man nur das, was den Wandel beinhaltet, den man ablehnt. Und auch darin sind alle Mächtigen sich einig: Es soll keinen Wandel geben, wir machen weiter wie bisher, irgendwie kommen wir gestärkt aus der Krise hervor, hat ja bisher auch immer geklappt. Diesen „Wesen" möchte man den Spruch der Alten entgegenschleudern, wonach der Krug immer nur so lange zum Brunnen geht, bis er bricht. Und doch werden sie, getrieben von Gier und Angst, nicht klug und sehen nicht, wie ihre Macht ihre Ohnmacht begründet.

Der Systembruch wäre eine Katastrophe, ebenso das sture Weitermachen, da genau dies zum Bruch führen wird. Jedoch wissen die Mächtigen auch, dass der Bruch, der als nächstes kommt, auch das Ende der menschlichen Zivilisation wie des Lebens auf diesem Planeten bedeuten kann. Also rafft man, solange man kann, um etwas zu haben für die Zeit nach dem Zusammenbruch, welchen man in teuren, atombombensicheren Bunkern zu überleben hofft.

Doch das, was sich da zusammenbraut, wird alle betreffen, arm wie reich, und das Hamstern von Besitz und Lebensmitteln erscheint unter der Perspektive der Wirklichkeit wie ein sinnloser Versuch, nicht nur sein Leben, sondern dann besonders sein Leiden zu verlängern. Jedenfalls können wir spirituellen Menschen ausschließen, dass darin die Lösung läge. Ganz im Gegenteil, diese Haltung beschleunigt den Untergang nur, und man möchte mit Nietzsche sagen, dass es besser wäre, wenn man schon die Zerstörung forciert, den eigenen Untergang auch zu wollen. Dies ist aber nicht der Fall.

Und so ist der moderne Mensch hin und her geworfen zwischen den Weltmächten, den realen wie den eingebildeten, den drohenden kollektiven Tod vor Augen. So „modern" wir uns auch wähnen, wir teilen doch all die Urängste unserer Ahnen, wenn sie zum Beispiel in einem Segelschiff den Atlantik überquerend neues Terrain betraten. Wie sie haben wir im Sturm das Sinken des Schiffes immer vor Augen und den Impuls in uns, uns an dem Mast festzuklammern, der soeben samt Schiff vom tosenden Ozean zu Grunde gezogen wird.

! So muss uns eines klar sein: Entweder wir schaffen es, dass das Schiff oben bleibt, sprich die Erde überlebt, oder wir sterben allesamt mit Mann und Maus. Nichts ist dann überlebensfähig, geht die Welt unter, wird niemand vereinzelt überleben können. Nur gemeinsam haben wir eine Chance.

Es ist sicher dem einen oder anderen Kenner bereits aufgefallen, dass ich strukturell immer wieder auf Karl Marx’ „Manifest der kommunistischen Partei" zurückgreife, denn auf die Gedanken dieses Mannes und die daraus entstandene Ideologie ist in diesem Zusammenhang gesondert einzugehen, weil, betrachtet man es mal genauer, die Lehre vom Kommunismus nichts anderes ist als das Versprechen der Neuen Zeit. Nur hat er es neu formuliert und seines spirituellen Gewandes entkleidet, wodurch es fahl und nackt wirkt. Und Marxens Kommunismus war wirklich als Schreckgespenst gezeichnet, während die Neue Zeit eher mit paradiesischen Zuständen für alle lockt. Die rein materialistische Weltanschauung hat schließlich den Versuch eines realen Kommunismus zu Fall gebracht; jedoch nicht nur dies, sondern auch die Tatsache, dass Marx zwar ein hervorragender Analytiker des Systems war, aber ein lausiger Menschenkenner. Doch darauf werden wir im nächsten Kapitel eingehen. Es genügt uns hier, schon einmal festzustellen, dass der Materialismus als Weltanschauung, Glaubensersatz und Ideologie insgesamt gescheitert ist.

Daher entwickelt sich auch der wissenschaftliche Paradigmenwechsel rasant, worauf später im Kapitel „Zeitenwende" noch näher eingegangen werden soll. Darüber schrieb der Eingeweihte Sir George Trevelyan bereits im Jahre 1977:

„Bisher haben die meisten Menschen stillschweigend angenommen, daß die Materie die primäre Realität sei, das Universum ein toter Mechanismus. Jetzt wird unser kollektives Bewußtsein mit einer alternativen Vorstellung durchflutet – nämlich daß der Geist primär ist und daß die große Einheit die Erscheinungswelt in all ihrer Mannigfaltigkeit durchdringt."²

Und dieses neue Wissen begeistert mehr und mehr Menschen. Indes, so neu ist es nicht, diese Ansicht der Welt kann in fernste Zeiten zurückverfolgt werden. Doch bleiben wir erst noch in der Zeit des Karl Marx. Damals stand dem Materialismus der Idealismus gegenüber, die „deutsche Philosophie genannt, die Marx aber verkehrt herum fand, wie er es selbst ausdrückte, und sie deshalb „vom Kopf auf die Beine stellte. In Wirklichkeit hatte er das, was recht gerichtet war, auf den Kopf gestellt. Sein zentraler Ansatzpunkt war die Frage, ob das Sein das Bewusstsein bestimmt oder ob Bewusstsein das Sein bestimmt, kurz: ob Bewusstsein ein Produkt der Materie ist oder die Materie ein Produkt des Bewusstseins, des Geistes. Denn diese Frage bestimmt darüber, was das Primäre ist: Wonach sollten wir uns ausrichten, worauf sollte der Blick gerichtet sein, auf das Außen, auf die vergängliche Materie, die wir haben, besitzen, konsumieren möchten, oder umgekehrt auf das Innen, das unvergängliche Ideal, welches in uns angelegt ist und entfaltet werden möchte?

Nun, man mag darüber spekulieren oder philosophieren, aber Ideologien nutzen uns hier nichts, denn sie sind immer eine Art künstliche Anschauung von Welt und Wirklichkeit, eher ein Meinen und Wünschen, dass es so wäre, als die nüchterne Feststellung, wie es ist. Und zwischen diesen beiden Ideologien Materialismus und Idealismus steht, quasi als Bindeglied aus Geist schöpfend und damit die Materie formend und segnend, die Spiritualität als lebendige Haltung. Spekuliere und operiere, heißt es in den okkulten Wissenschaften, denke nach und probiere aus.

Spiritualität strebt nach der Unmittelbarkeit der Anschauung aus der Ganzheit, etwas, das den Geist öffnet, das Bewusstsein erweitert und Begeisterung wachruft. Wahrhaft in-spiriert kann nur sein, wer sein Leben in-Spirit gründet. Und Inspiration brauchen wir, gerade in der heutigen Zeit würde uns etwas mehr Ausrichtung auf Spirit und Ideal gut tun.

Sicher, der Mensch ist müde geworden, sowohl gegenüber apokalyptischen Vorstellungen als auch Errettungsideologien. Was aber, wenn dann doch plötzlich eine Apokalypse vor der Türe steht? Und wenn die eigene Errettung der einzige Ausweg ist, die ganze Welt zu retten? Wir alle sind dazu aufgerufen, jetzt die Helden der Menschheitsgeschichte zu sein. Lang genug ward es vorbereitet und dieses Wissen im Welt-Weisheitserbe kodiert, von den Eingeweihten als Heiligstes erachtet, behütet und immer weiter – selbst unter Lebensbedrohung durch die Mächtigen – durch die Zeiten getragen.

Was nun genau ist jenes Geheimnis, das die Mächtigen so bedrohlich finden? Es ist das Geheimnis der Transmutation, einer nachhaltigen und dauerhaften Veränderung im Kern jedes Menschen und Dinges, die Verwandlung unseres Bleis in Gold für alle. Es sind Geschichten vom Goldenen Zeitalter, von einer gerechten Gesellschaft, die aus den goldenen Kernen der geeinten Menschheit erschaffen wird – ein Reich tausendjährigen Friedens, wie es die Bibel beschreibt. Und es handelt von der Wahrheit, dass wir alle ein Saatkorn des neuen Reiches in uns tragen. Ein Senfkorn, womit es Jesus vergleicht, das durch die Schärfe der Vernunft genauso zum Keimen gebracht werden kann wie von der Weisheit des Herzens oder dem Feuer der Leidenschaft, der Begeisterung für und der Inspiration durch Liebe und Wahrheit.

Wenn dieses Korn aber in uns ist, so werden wir es nur finden, indem wir uns entschlossen und begeistert mit unserer Innenwelt verbünden. Vom euphorischen Strohfeuer ist diese Art der Leidenschaft unterschieden durch die Art und Dauer des Brennens. Denn dieses Licht, das es hier zu entdecken gilt, brennt milde wie eine Öllampe und gleichzeitig gleißender als 1000 Sonnen, ja all das Licht der Myriaden von Sternen reicht nicht an den hellen Glanz dieses Lichtes heran, und doch liegt es häufig eingefaltet im Dunkel eines versteinerten Herzens. Es ist das ewige Licht des Geistes, welches uns unsere tiefsten Tiefen und Abgründe erhellt und erschauen lässt. Es ist das Licht der Seele in der geheimen Kammer des Herzens. Und es ist das Licht unter unserer Wurzel, unsere Kern-Energie, die unsere Grundhaltung prägt und alle Resonanz dominiert und die uns unsere Schritte und Wege erhellt.

! Dieses innere Licht zu entzünden, zu pflegen und zum Strahlen zu bringen, ist die heilige Pflicht eines jeden spirituellen Menschen. Indem wir uns lichtvoll gestalten, erhellen wir die Welt.

Wir sehen, dass – im Gegensatz zu den Ideologien, welche meist auf -ismus zu enden pflegen – die Spiritualität im Kern Lebenspraxis ist. Während Ideologien meist ein theoretisches Sammelsurium von Ideen sind, welche in der Praxis erst noch ihre Tauglichkeit erweisen müssen, zielt die Spiritualität im Grunde auf den individuellen Entschluss, der Wahrheit die Ehre zu geben. Danach zu suchen, ist Sinn jeder spirituellen Übung. Wer spirituell praktiziert, aber die Wahrheit nicht verehrt, geht irre. Der alte Wahlspruch „Erkenne dich selbst" gilt noch immer, also sollten wir bestrebt sein, die Wahrheit über unser Selbst zu erringen, und diese entspricht meist nicht dem, was wir über uns glauben, woran wir festhalten, womit wir uns identifizieren. In der Tat haben die meisten Menschen kein realistisches Selbstbild. Dies hat mehrere Ursachen.

Die meisten Menschen machen sich besser oder schlechter als sie sind. Warum sie das tun, diese Ursachenforschung betreiben wir dann im nächsten Kapitel. Für unsere Betrachtung jetzt genügt festzustellen, dass sie es tun. Sie entwickeln ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Dies kann in dem Moment, wo es geschieht, durchaus sinnvoll sein, doch ist er vorbei, dann nicht mehr. Behalten wir die Verzerrung dennoch bei, entsteht ein „Sehschaden" – und dann ist es unmöglich, die Realität neutral zu betrachten oder sich nach ihr zu richten, sondern ab dann richten wir uns stets nach dem inneren Eindruck inklusive der Verzerrungen. Das ist so, wie sich die Frontscheibe des Autos mit Bildtapete zu bekleben, sich reinzusetzen, loszufahren und sich an dem Bild zu orientieren, was wir sehen. Weit kommen wir so nicht, und irgendwann stehen wir lieber still, als den nächsten Unfall zu provozieren.

Denn das Problem ist, dass diese Verzerrungen wie ein Filter wirken – oder vielmehr wechselwirken, der Blick, der eigentlich unsere Realität verzerren soll, beginnt, auch die äußere Realität zu verzerren. Je mehr wir dieser Perspektive trauen und folgen, umso mehr baut sie sich auf, bis sie sich wie ein Ring um uns schließt. Da wir in diesem Zustand keinen unmittelbaren Zugang zur Wahrheit mehr haben, sind wir gezwungen, unserer Interpretation zu folgen. Damit entfernen wir uns mehr und mehr von unserem Selbst, welches sich mehr und mehr einfaltet, was zu Einfalt führt.

Verfolgen wir diese Verzerrungen, die unterschiedlicher Natur sein können, zurück, betrachten sie sozusagen von der Metaebene aus, werden wir eine Gemeinsamkeit, einen kleinsten gemeinsamen Nenner finden: Sie alle beruhen auf der Identifikation mit der Materie, mit etwas Vergänglichem. Der Buddhismus nennt dies Anhaftung an das Leid. Denn allen materiellen Erscheinungen ruht das Leid eigener Vergänglichkeit inne.

Es wird also klar, dass eine Entzerrung der Wirklichkeit nötig ist, was dazu führt, dass wir alles, was wir für wirklich halten, kritisch hinterfragen sollten. Und wenn die Verzerrung zu einer Entfremdung vom Selbst führt, so können wir die Entzerrung daran messen, inwieweit ein Mensch bereits zu sich gekommen ist. Da fast alle Menschen unter Formen der Entfremdung leiden, ist also das Zu-Sich-Kommen unsere primäre Pflicht.

Ein Mensch, der eins ist in seinem Selbst, entfesselt das Seelenlicht und seine Schöpferkraft. Um das Selbst zu entfalten, braucht es eine Kraft, die wir das ewige Licht oder den kreativen Funken der Begeisterung nennen. Diesen gilt es zu befreien. Der kreative Funke sorgt dafür, dass unsere Routine unterbrochen wird, um Neues zu lernen, er hilft, die Gewohnheiten zu ändern und den Wohlstand zu erschaffen, der allen zugute kommt.

Wir können also sagen: Um die alte Welt zu erhalten, gilt es, den Menschen sinnlos zu beschäftigen, ihn in irgendeine Routine zu zwingen, die nicht zu ihm passt, wodurch er sich entfremdet und die Verbindung zum kreativen Funken verliert oder dieser ganz erlischt. Ein solcher Mensch funktioniert für fremde Einzelinteressen. Um die Neue Welt aus der Wiege zu heben, sollten wir unseren kreativen Funken entfachen und ihn mit unseren besten Fähigkeiten und Talenten verbinden, um in freiwilligem und natürlichem Tätig-Sein Nutzen für die Welt zu erschaffen. Somit kreieren wir frei und im Interesse der Menschheit und damit auch im eigenen.

Die Reichen und Mächtigen versuchen, diesen kreativen Funken unbedingt und mit allen Mitteln zu unterdrücken. Dieser Unterdrückung wirkt unser eigenster, innerer Wunsch, unserer Bestimmung zu folgen und zum Wohle der Welt jenes Licht-Paket zu entfalten, welches in der Seelenkammer eingefaltet liegt, entgegen. Dieses Entbrennen im eigenen Interesse wollen sie verhindern.

Ich wage jetzt mal die These, dass, würde jeder Mensch seiner Bestimmung nachgehen und seine Talente und Fähigkeiten entfalten, für alles in optimaler und überreichlicher Weise auf diesem Planeten gesorgt wäre. In gemeinschaftlicher Kraftanstrengung wird getan, was hierzu notwendig ist. Somit entsteht eine Welt vielfältigster, glücklicher und vervollkommneter Individuen, die dem Weltgeist verpflichtet sich zu einer liebenden Einheit als Menschheit verbinden. Niemand wird ausgeschlossen, alle sind aufgehoben, jeder bringt sich zum Wohl und Gelingen des Ganzen ein. Eine solche Welt würde die Tat nicht mehr nach dem zu erwartenden Gewinn, sondern nach dem zu erzielenden Nutzen für die Gemeinschaft entscheiden. Es würde über kurz oder lang ein hochtechnologisches, friedliches und nachhaltiges weltweites Utopia entstehen. Und dieses wurzelt nicht in irgendeiner Ideologie oder Überzeugung, sondern in der täglichen persönlichen Lebenspraxis.

Es ist klar, dass es Menschen gibt, die eine solche freie, grenzenlose Welt des Geistes ablehnen oder die auch keinen Zugang zu dieser Vorstellung haben. Da es aber um Praxis geht, hat jeder Mensch die Möglichkeit, Erfahrungen damit zu machen. Und aus Erfahrung wächst Erkenntnis.

Die Beschäftigung mit den eigenen geistigen Inhalten und Überzeugungen, Gedanken und Gefühlen, Instinkten und Intuitionen führt uns tief in unsere Innenwelt und in Verbindung mit uns selbst. Hier können wir unsere inneren Instanzen kontaktieren, wir können uns aus der Matrix unserer oberflächlichen Identifizierung in die Tiefe unseres inneren Funktionierens abgleiten lassen. Schließlich beginnen wir, uns selbst zu verstehen, Muster und Programme zu erkennen und zu nutzen, wenn sie hilfreich sind, oder zu korrigieren, wenn sie es nicht sind.

Interessanterweise ist es so: Je tiefer wir in uns selbst hinabtauchen, umso weniger sind die Inhalte und Instanzen individuell, denn ganz unten, in der tiefsten Schicht, finden wir unseren Zugang zu den archaischen Kollektivkräften. Hier liegt die Kraft des Mythos begründet, hier fließt der Strom kosmischen Schicksals durch den Menschen hindurch und schafft sich Bahn als kollektive Schöpfung der Welt. Auch diese Ebenen werden nur von der Begeisterung angesprochen. Sie verhalten sich nicht rational und kennen die Kategorien Gut und Böse, Schöpferisch und Zerstörerisch nicht.

Von diesen Kräften Gebrauch zu machen, kann gefährlich sein, wie die Vergangenheit immer wieder bewiesen hat. Da hier aber auch die Kraft der Weltenschöpfung verborgen liegt, kommen wir um die Weckung dieses Ungeheuers nicht drum herum. Ausgenutzt kann diese Kraft werden, wenn sie von außen gereizt wird. In diesem Fall ist das Bewusstsein nicht klar genug, um zu erkennen, was passiert, es ist in seiner Urteilskraft getrübt. Da es sich um Kollektivkräfte handelt, ist der vermasste Mensch besonders anfällig dafür und könnte so Handlungen begehen, die er bei wachem Verstand nie tun würde.

Anders sieht es aus, wenn man sich individuell auf den Weg macht, diese Kräfte in sich zu beschwören. Denn dadurch sind sie gezwungen, individuelle Form anzunehmen, wodurch sie fassbar und verstehbar, aber auch bezwingbar werden. Und man wird dann weniger anfällig für die Verführungskünste der Massenverführer, egal ob im politischen, im religiösen oder wissenschaftlichen Bereich oder bei der Werbung.

Es ist wie ein Meer, auf welchem unser Sein ruht, welches aufgerührt oder beruhigt werden kann, je nachdem, ob etwas in Bewegung versetzt oder zum Stillstand gebracht werden soll. Wir können jedoch nicht alles aus diesem Urmeer der Kreativität schöpfen, sondern nur das, was in uns auch angelegt ist. Daher gilt es, unsere innere Veranlagung zu erforschen.

Verlassen wir erst einmal die archetypische Ebene und tauchen auf, bis wir die erste individuelle in uns erreichen. Dies ist ein kleiner Punkt unterhalb der Wurzel unseres Seins. Hier ist die innere Schnittstelle zwischen dem kollektiven und dem individuellen Bereich. Hier ist der tiefste Grund unseres individuellen Seins angelegt, und je nach Einstellung bestimmt dieser Punkt das grundsätzliche Erleben der Welt und die Art unseres Beitrags zur Schöpfung (siehe Abbildung 1).

Dieser Kern ist wie ein Filter und Übergangstor; aus der kollektiven Ebene kann nur Einfluss haben, was zur Grundenergie dieses Kerns passt. Der Prophet David Spangler schreibt hierzu:

„Ihr habt jetzt Energien in eure Welt gebracht, die jenseits von Form, die im Herzen der Form sind, Kernenergien, und zum ersten Mal könnt ihr Energien subtiler Art auslösen und mit ihnen direkt auf die Formen einwirken. Ich [das Wesen von Liebe und Wahrheit, Anm. André Buchheim] habe mich selbst in diesen Energien verkündet und offenbart. Sie gehören mir an. Ich bilde die Substanz eurer Welt; ich kann nicht wider mich selbst handeln. Wenn diese Energien frei werden, müssen sie das zum Ausdruck bringen, was ich bin, und ich bin Liebe. Ich bin Wahrheit. Ich bin Licht. Ich bin Schönheit. Ich bin Freude, aber ich bin Leben, immer mehr Leben in wachsender Fülle."³

Ich möchte anmerken, dass diese Beschreibung, was den Kern ausmacht, bereits dem Ideal der Neuen Zeit entspricht. Der Kern kann, bevor er entsprechend transformiert wurde, jedoch auch ganz anders aussehen, gegenteilig, auf Zerstörung, Schmerz und Leid gerichtet (siehe Abbildung 2). Es ist klar, die Polung prägt uns, dies macht uns im Kern aus, hier liegt der Grund unseres konkreten Schaffens und Erlebens. Je nachdem, wie unsere Grundeinstellung ist, wird hier sozusagen das Schicksal gekiest, denn wir können nur erleben, was diese Einstellung zulässt, und was sie ausschließt, bleibt uns im Leben verwehrt und verborgen, wünschen wir es uns auch noch so sehr.

Dieser zentrale Kern bestimmt unser persönliches Lebensfundament. Es ist das Feld, welches wir wahrnehmen und bestätigen, auf welchem unsere Schöpfung ruht. Als Grundresonanz wirkt dieser Punkt und bestimmt, ob wir einen Schmerzkörper oder einen Seligkeitskörper ausbilden. Es ist das Feld, auf welchem wir unsere Saat ausbringen, die dereinst Früchte tragen, also Ertrag bringen soll. Und je nach Einstellung ist dies ein fruchtbarer Ackerboden, welcher reiche Frucht hervorbringt, oder Fels, auf dem der Same verdorrt.

Unseren innersten Persönlichkeitskern können wir auch analog zum Erdmittelpunkt betrachten. So wie der Erdkern für das Entstehen der Pole und des Erdmagnetfeldes zuständig ist, so ist auch unser innerster Kern ein magnetisches Energiefeld mit einer entsprechenden Polung. Dieses bildet die Grundlage unseres erschaffenen und uns umgebenden Lebensfeldes und bestimmt die Grundresonanz, auf welcher wir anziehen und abstoßen, aufbauen und niederreißen, uns entfalten oder zusammenziehen. Diese gegensätzliche Grundbewegung wird dann auch von unserer Seele übernommen. Nur wenn der Kern gut ausgerichtet ist, kann sich die Seele öffnen.

Der Kern bestimmt über alles: unsere Energieausrichtung und Polung, unsere Persönlichkeit und Charakterbildung, unsere Ausstrahlung, unsere Wahrnehmung von der Welt und selbst darüber, wie wir von der Welt wahrgenommen werden, denn aus dieser Grundhaltung und ihr entsprechend wachsen all unsere Einzelhaltungen zu uns und den Dingen. Wie wir grundsätzlich all unsere Beziehung gestalten, darüber bestimmt der Kern.

Eine sehr klare und deutliche Gegenüberstellung der unterschiedlichen Ausrichtung im Kern zeigt uns das Märchen „Frau Holle" der Brüder Grimm in den Persönlichkeiten der Goldmarie und der Pechmarie. In Märchen und Mythen haben die Altvorderen die Wahrheit der Welt kodiert. In diesem Märchen steckt so viel Wahrheit über den Kern, dass es sich einer näheren Betrachtung lohnt.

Eine Stiefmutter hatte zwei Töchter. In der Erstfassung war sie nur Mutter. Die Grimms spielen hier auf ein in ihrer Zeit typisches Problem an: Da Frauen häufig im Kindbett starben, kam es nicht selten vor, dass der betroffene Mann nach gegebener Zeit erneut heiratete und weitere Kinder zeugte. So sind die Geschwister eigentlich nur Halbgeschwister, wobei der neuen Mutter und dem Prototyp der bösen Stiefmutter im Märchen die eigene Tochter lieber ist als die der Vorgängerin. Nur so lässt sich erklären, wie das Märchen weitergeht, denn die eine Tochter war hässlich wie die Nacht, die andere jedoch schön wie der helle Tag, und dennoch liebte die Mutter die hässliche, eigene Tochter mehr und verdammte den Sonnenschein zur Sklavenarbeit. Ich bin mir sicher, so wie es beschrieben steht, meinten die Grimms mehr die inneren, die Kernqualitäten der Mädchen, die sich zwar auch im Außen zeigen können, jedoch häufig von oberflächlicher Erscheinung überdeckt werden. Schon hier zeigt sich eine Kernentscheidung: die für Höhe, Tiefe und ein klares Profil oder für die Oberflächlichkeiten der materiellen Welt und die Profilierung. Klar ist: Etwas mag oberflächlich schön in Erscheinung treten, kann aber innerlich morsch, hohl und finster sein, etwas kann vielleicht nicht so attraktiv erscheinen an der Oberfläche, ist aber innerlich stark, glänzend und lichtvoll. Und je nachdem wie wir agieren oder reagieren, verraten wir unsere Kernorientierung: Sind wir auf Oberflächlichkeit eingestellt oder suchen wir die innere Wahrheit? Deutlich wird dies in der Wahl unserer Partner und Freunde. Umgeben wir uns lieber mit hübschen oder mit tiefgründigen Menschen (wobei das eine das andere nicht ausschließen muss)?

Ich habe schon Menschen kennengelernt, die aufgrund bloßer körperlicher Attraktivität bei ihrem Partner respektive ihrer Partnerin blieben, auch wenn der Inhalt der Persönlichkeit ihnen immer wieder Leid und Schmerz zufügte. „Aber er ist doch so niedlich…, „Sie ist doch so süß…, „Sie sehen doch so gut aus…" Wer so lebt, kann entweder bei dieser oberflächlichen Einstellung bleiben und weiter leiden oder dem Leiden auf den Grund gehen und sich von der Oberfläche lösen. Es ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen… Doch zurück zu Frau Holle.

In der Urfassung beugt sich Goldmarie, die mit dem goldenen Kern, zu tief über einen Brunnenrand und fällt hinein. Der Brunnen symbolisiert den Übergang zur Innenwelt und Anderswelt. Er führt in die Tiefe, ins Außergewöhnliche, ins innerste Wesen der Dinge. Das Motiv ist bekannt, wir folgen mit „Alice im Wunderland dem weißen Kaninchen durch seinen Bau in die unterirdische, verborgene Welt, die von der Herz-Königin regiert wird, einer allerdings im Kern eher zweifelhaften Persönlichkeit, wodurch Alice herausgefordert wird, zur eigenen Heldin der Geschichte zu reifen. Oder wir werden in die Lüfte gehoben wie Dorothy durch den Wirbelsturm und ins geheimnisvolle Land des „Wizard of Oz geführt, wo auch ihre Aufgabe es ist, zur Heldin zu reifen und die Wahrheit im Kern zu entdecken, um zurückkehren zu können. In den neueren okkulten Wissenschaften nennt man dies eine Erfahrung mit einer nicht-alltäglichen Realität. Diese wird häufig beschrieben, bevor es zu einer grundlegenden Veränderung der Persönlichkeit kommt, einer Transmutation des Kerns. Doch dazu gleich mehr.

Wir können uns frei entscheiden, ob wir abwarten, bis so eine Erfahrung von selbst kommt – vielleicht kommt sie auch nie – oder ob wir uns auf die Suche begeben und freiwillig in den Brunnen zur eigenen Tiefe springen. Wer es wagt, gewinnt eine wesentliche Erkenntnis über sein Selbst und kann sogar sein Schicksal in eine grundsätzlich andere Bahn lenken.

Apropos Schicksal: In den späteren Fassungen von „Frau Holle" wird die Arbeit spezifiziert, die Stieftochter sitzt am Brunnenrand und spinnt Fäden. Dabei verletzt sie sich an der Spindel und lässt diese vor Schreck in den Brunnen fallen. Nachdem sie dies der

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