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Die Französische Revolution in dem Politischen Journal des G.B. von Schirach: Zweiter Teil: 1792
Die Französische Revolution in dem Politischen Journal des G.B. von Schirach: Zweiter Teil: 1792
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eBook595 Seiten7 Stunden

Die Französische Revolution in dem Politischen Journal des G.B. von Schirach: Zweiter Teil: 1792

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Über dieses E-Book

Die Zeitschrift "Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen" (in der Regel nur als "Politisches Journal" bezeichnet) war eine der ersten modernen Zeitschriften Europas. Sie erschien zwischen 1781 und 1840 in Altona (damals Holstein, heute Stadtteil von Hamburg) und wurde von einer Gesellschaft von Gelehrten unter der Leitung von Gottlob Benedikt von Schirach (1743-1804), später von seinem Sohn Wilhelm Benedict von Schirach (1779-1866) herausgegeben. Das "Politische Journal" entwickelte sich zu einer der damals auflagenstärksten Zeitschriften in deutscher Sprache und wurde zu ihrer Hochzeit als eine der besten und bedeutendsten Zeitschriften in Nord- und Mitteldeutschland beurteilt. Zu den Lesern des "Politischen Journals" gehörte u.a. Johann Wolfgang von Goethe.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum19. Dez. 2019
ISBN9783750455252
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    Buchvorschau

    Die Französische Revolution in dem Politischen Journal des G.B. von Schirach - Books on Demand

    Der Text folgt der Vorlage der BSB München, siehe Anhang Seite →. Die Rechtschreibung und Zeichensetzung der Druckvorlage sind weitestgehend beibehalten worden; allerdings ist die Rechtschreibung der Vorlage uneinheitlich, hauptsächlich bei den französischen Wörtern. So heißt es „Committe/Committée, „generale/générale und Mischformen.

    Der Text der Vorlage ist in einer Serifenschrift gesetzt, die Anmerkungen und Erläuterungen des Herausgebers in dieser serifenlosen Schrift. Die Anmerkungen des ›Politischen Journals‹ stehen in » «. Die Angaben zu Sachen oder Personen sind dem Portal Wikipedia entnommen, die Portraits sind entnommen (de Lamartine 1847).

    Politisches Journal

    nebst Anzeige von gelehrten

    und andern Sachen

    herausgegeben von einer

    Gesellschaft von Gelehrten

    Hamburg 1789 ff

    Die Zeitschrift ›Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen‹ (in der Regel nur als ›Politisches Journal‹ bezeichnet) war eine der ersten Zeitschriften Europas. Sie erschien zwischen 1781 und 1840 in Altona (damals Holstein, heute Stadtteil von Hamburg) und wurde von einer Gesellschaft von Gelehrten unter der Leitung von GOTTLOB BENEDIKT VON SCHIRACH (1743–1804), später von seinem Sohn WILHELM BENEDICT VON SCHIRACH (1779–1866) bis 1840 herausgegeben. Das ›Politische Journal‹ entwickelte sich zu einer der damals auflagenstärksten Zeitschriften in deutscher Sprache und wurde zu ihrer Hochzeit als eine der besten und bedeutendsten Zeitschriften in Nord- und Mitteldeutschland beurteilt. Zu den Lesern des ›Politischen Journals‹ gehörte u. a. JOHANN WOLFGANG VON GOETHE.

    Inhalt

    Einleitung

    Januar 1792

    Memoiren und Folgen, wegen der Französischen Emigranten in Deutschland.

    Schreiben [aus Coblenz].

    Authentisch-wahrer Aufschluß der verbreiteten Nachricht von der [angeblichen] Flucht des Königs von Frankreich.

    Antwort des Königs von Dänemark, an den auf die Notification der Constitutions-Annahme.

    Frankreichs Anarchie, und Begebenheiten.

    Das auswärtige Frankreich. Veränderungen. Anträge.

    Frankreich.

    Briefe [aus Coblenz].

    Auszug aus einem dritten Briefe von Coblenz.

    Aus einem Schreiben von Paris, vom 16ten Januar.

    Februar 1792

    Auszug aus einem Schreiben von Paris, vom 2ten Februar 1792.

    Coblenz, den 1sten Februar 1792.

    Frankreichs Anarchie, und Begebenheiten.

    Auswärtiges Frankreich. Zuwachs. Betriebe. Erfolge.

    Frankreich.

    Aus zweyen Briefen von Coblenz.

    März 1792

    Note und Antworten des Kaiserlichen Hofes.

    [Depesche des Hof- und Staats-Kanzlers, Fürsten von Kaunitz-Rietberg, von Wien an den Herrn v. Blumendorff, Chargé d‘Affaires des Kaisers zu Paris, 17.02.1792.]

    Zweyte Erläuterung, über die Vereinigung der Mächte.

    Depesche des Fürsten von Kaunitz an die Kaiserl. Ambassadeurs und Minister an verschiedne fremden Höfen [01.11.1791].

    Note des Fürsten von Kaunitz an den Französischen Ambassadeur zu Wien

    Schreiben des preußischen Gesandten zu Paris, Grafen von Golz, an den Hrn. von Leßart [28.02.1792].

    Frankreichs Anarchie. Insurrectionen. Tumulte. Bürgerkriege.

    Vermehrte Auswanderungen aus Frankreich. Geschichte der Emigranten. Schreiben von Coblenz.

    [Coblenz, den 28.02.1792.]

    Coblenz, vom 6ten März.

    Frankreich.

    Coblenz, den 15ten März 1792.

    April 1792

    Frankreichs Anarchie, Tumulte, Bürgerkriege, und andre Umstände.

    Auswärtiges Frankreich. Vermehrung. Hofnung. Betriebe.

    Geständniß eines Jacobiners, und Propagandisten. Ein Schreiben aus dem Haag. Und andre Anzeigen.

    Briefe [aus Coblenz].

    Briefe [aus Paris].

    Beylage zum vierten Monatsstücke April 1792 des Politischen Journals.

    Mai 1792

    Die Pariser National-Versammlung erklärt dem Hause Oesterreich den Krieg. Sitzungen am 20sten April. Anmerkungen. Kriegs-Decret.

    Geschichte des Französischen Kriegs. Erste Züge. Niederlagen. Fernere Vorfälle.

    Frankreichs inländische Anarchie und Begebenheiten.

    Frankreich.

    Allianz-Traktat zwischen Ihren Majestäten, dem Kaiser und dem Könige von Preußen, geschlossen zu Berlin, den 7ten Fbr. 1792. Mit der Königl. Preußischen Ratification vom 19ten Februar. [nur Titel]

    Allgemeiner Bericht von den Kriegs- und andern politischen Merkwürdigkeiten.

    Juni 1792

    Schreiben [aus Paris].

    Frankreichs Anarchie und Begebenheiten.

    Französischer Krieg. Fortsetzung.

    Frankreich.

    Briefe [aus Coblenz].

    Allgemeiner Bericht von den Kriegs- und andern politischen Merkwürdigkeiten.

    Juli 1792

    Genauer und umständlicher Bericht eines Augenzeugen von den am Junius in den Tuilerien begangnen Schändlichkeiten und Frevelthaten an dem Könige von Frankreich.

    Gegen-Erklärung des Wiener Hofes über den von Seite Frankreichs erfolgten feindlichen Angriff.

    Schreiben [von Cöln].

    Französischer Krieg. Fortsetzung.

    Frankreichs Anarchie und innere Begebenheiten.

    Höfe in Europa, und erste Vornehmungen gegen Frankreichs Unruhen.

    Frankreich.

    August 1792

    Erklärungen des Herzogs von Braunschweig, commandirenden Generals der vereinigten Armeen, an die Einwohner Frankreichs.

    Begebenheiten in Frankreich bis zum 10ten August.

    Französischer Krieg. Die vereinigten Armeen rücken in Frankreich ein. Erste Vorfälle.

    Manifest des Kaisers und des Königs von Preußen gegen die Französische Revolution.

    Tumult, Blutbad, und Verwüstung des Königlichen Schloßes zu Paris. Der König wird entsetzt und eingesperrt. Die Constitution vernichtet. Eine neue Volks-Versammlung berufen. Greuel-Scenen. Folgen.

    Französischer Krieg. Fortsetzung.

    Eine mitgetheilte neue Nachricht und Bemerkung von der Französischen Contre-Revolution.

    Allgemeiner Bericht von den politischen Merkwürdigkeiten.

    Vermischte Nachrichten.

    1792 September

    Manifest des Kaisers und des Königs von Preußen gegen die Französische Revolution.

    Kaiserliches Decret an die Reichsversammlung zur Kriegs-Erklärung gegen Frankreich. [nur Titel]

    Frankreichs Unmenschheit. Barbarey. Frevel. Begebenheiten.

    Geschichte des Französischen Kriegs.

    Historische Aufklärungen über die Pariser Mord-Scenen, und die Contre-Revolution.

    Fernere Geschichte des Französischen Kriegs. Schlacht bey Clermont.

    October 1792.

    Die Französische National-Versammlung hört auf zu seyn. Der National-Convent vernichtet die Constitution und hebt die Königliche Würde auf, erklärt Frankreich für eine Republik. Erste Folgen.

    Beschluß des Manifests des Kaisers und des Königs von Preußen gegen die Französische Revolution.

    Authentischer Bericht von den Begebenheiten in den Tuilerien, am 10ten August 1792

    Manifest des Herzogs von Braunschweig, an die Französische Nation.

    Vorfälle und Merkwürdigkeiten in Frankreich.

    Geschichte des Französischen Kriegs. Unterhandlungen. Rückzug der combinirten Armeen.

    Acten der Preußisch-Französischen Unterhandlungen. In dem Lager zu Hans, und St. Menehould in Champagne.

    November 1792

    Schreiben [aus Paris].

    Weiterer Einfall der Franzosen ins Teutsche Reich. Einnahme von Mainz, und Frankfurt. Teutsche Bürger-Tugend. Große Beyspiele. Begebenheiten.

    Die combinirte Arme verläßt Frankreich, trennt sich. Die Franzosen brechen in die Niederlande ein. Schlacht bey Mons [=Jemappes]. Erste Folgen.

    Innere Vorfälle und Merkwürdigkeiten in Frankreich. Königs-Proceß.

    Briefe. Aus Paris.

    Nachtrag und allgemeiner Bericht von den Kriegs- und andern politischen Merkwürdigkeiten.

    Dezember 1792

    Ueber die Schlacht bey Mons [=Jemappes].

    Anekdoten.

    Französischer Krieg in Teutschland. Frankfurt wird erobert. Weitere Vorfälle.

    Inländischer Zustand, und Begebenheiten in Frankreich. Königs-Proceß.

    Nachtrag zu der Kriegs-Geschichte, und allgemeiner Bericht von den politischen Merkwürdigkeiten.

    Vermischte Nachrichten.

    Bilder

    Digitalisate der BSB München

    Index

    Einleitung

    Das ›Politische Journal‹ des Gottlob Benedikt von Schirach¹ ist – neben Schlözers ›Stats-Anzeigen‹ – ein wichtiges Zeitdokument für das ausgehende 18. Jahrhundert, und hier insbesondere für die Französische Revolution. Ebenso wie Schlözer, auf den das ›Journal‹ öfters – kritisch – Bezug nimmt, beschreibt das ›Journal‹ in (Korrespondenten-) Berichten die Lage in dem – vorsichtig ausgedrückt – unruhigen Nachbarland. Die Verfasser/Redakteure machen keinen Hehl aus ihrer Bestürzung über das Chaos in Paris und in Frankreich und belegen dies auch mit detaillierten Nachrichten aus dem ganzen Land – Informationen, die in dieser Tiefe vielleicht nur dem ausgewiesenen Kenner und Spezialisten der französischen Geschichte vertraut sein dürften.

    Die Verfasser der Berichte sind durchweg konservativ – dem Adel oder der Krone freundschaftlich zugewandt, und je länger desto mehr entsetzt über das Chaos, das sich in Frankreich ausbreitet. Das Wort „Anarchie taucht zum ersten Mal Ende Juli 1789 auf – „Chaos im September 1789 – und verbleibt konstant in den folgenden Berichten; dabei werden diese Begriffe – auch „Gährung – in Zusammenhang gesetzt mit der Nationalversammlung. Deren Leistungen, z. B. die Proklamation der Menschenrechte und die Abschaffung des Feudalismus – werden verkannt. Im Laufe des Jahres 1791 nehmen die ironischen Bemerkungen immer mehr zu, übrigens auch im Schriftbild die Ausrufungszeichen; „Philanthropie und „Philosophie" werden gleichsam Schimpfwörter.


    ¹ Gottlob Benedikt von Schirach ( * 13. Juni 1743 in Holzkirch; † 7. Dezember 1804 in Altona) war ein Historiker und Publizist, Professor der Geschichte und Politik in Helmstedt. Er wurde 1776 in den erbländisch-österreichischen Adelsstand erhoben, trat 1780 in dänische Dienste und wurde dänischer Legationsrat.

    Politisches Journal

    1792

    Januar 1792

    Memoiren und Folgen, wegen der Französischen Emigranten in Deutschland.

    Stück 1, # 5, Seite 32 ff

    Da der König von Frankreich das grausame Decret der National-Versammlung, wodurch alle diejenigen Franzosen, die nicht am 1sten Januar nach Frankreich zurück gekehrt seyn würden, für Verbrecher der <33> beleidigten Nation sollten erklärt werden, nicht bestätigte: so sahe er sich durch die herrschende Parthey genöthigt, andere Schritte gegen die ausgewanderten Unterthanen zu thun. Er ließ also an denjenigen Höfen, in deren Ländern sich Franzosen befanden, Ministerielle Noten und Erklärungen übergeben, die mit Drohungen begleitet waren. Die Höfe antworteten, und der Kaiser selbst nahm sich der Umstände, als Chef des teutschen Reichs an. Es ist zur Zeitgeschichte nothwendig, die merkwürdigen diplomatischen Acten-Stücke in dieser Angelegenheit, mit ihren Folgen, die noch wichtiger werden, auf beglaubigte Art und Weise mitzutheilen.

    Der Französische Gesandte an dem Churfürstlich-Trierschen Hofe, Graf von Vergennes, übergab daselbst ein vom 8. November datirtes Official-Schreiben, in welchem der König von Frankreich erklärte:

    er sahe mit Mißvergnügen die Versammlungen der Emigranten zu Coblenz, und deren Bewafnungen, um einen feindlichen Einfall ins Königreich zu thun; daß die Begünstigungen dieser Absichten von Sr. Churfürstl. Durchl. Verdacht erregten, daß es den Grundsätzen des Völkerrechts entgegen sey, Unruhen in einem benachbarten alliirten Staate zu unterhalten, daß man wüßte, es würden zu Coblenz beleidigende Reden gegen die französische Constitution geführt, und daß Se. Maj. hoften, Ihre Churf. Durchl. würden die genauesten Maaßregeln ergreifen, um solche Unordnungen zu verhindern, und daß man sonst den Churfürsten selbst für das Unglück responsabel machen würde, welches die Begebenheiten herbeyführen könnten.

    Der Courier, der dieses Schreiben brachte hatte Ordre, die Antwort zu erwarten. — Sie erfolgte vom Churfürstlichen Minister folgender maaßen:

    Se. Churfürstl. Durchlaucht haben das Official-Schreiben vom 18. Nov., welches der Herr Graf von Vergennes im Namen Sr. Allerchristl. Majestät überreicht hat, durchgelesen. Er hat daraus bald erkannt; daß Se. Maj. nicht frey gewesen sind, als Sie dasselbe unterschrieben haben. Die Beschuldigungen welche <34> dieses Schreiben enthält, sind ungerecht und ungegründet: es existirt in dem Churfürstenthume keine bewafnete Versammlung. Es ist wahr, daß eine Anzahl Franzosen daselbst einen Zufluchtsort wider ungerechte Verfolgungen gesucht haben; aber man hat die Vorsicht gehabt, sie zu zerstreuen, und auf den Dörfern zu verlegen. Nichts kündigt einen feindlichen Einfall in Frankreich an. Se. Churf. Durchl. haben verbieten lassen, Kanonen, Kugeln, Flinten u.s.w. zu verkaufen, und haben in diesem Betrachte die alten Verordnungen und Verbote erneuern laßen. Sie hegen in Ihrem Herzen eine lebhafte Liebe für Seine Allerchristliche Majestät. Eben diese Gesinnungen beseelen die Durchlauchtigsten Brüder des Königs. Was den Vorwurf der Verletzung der Nachbarschaft betrift, so ist derselbe sehr ungerechter Weise gegen einen Prinzen angebracht, welcher ohnerachtet der großen Verluste, welche Frankreich ihn empfinden läßt, sich doch noch nicht von den Grundsätzen der Mäßigung entfernt hat, welche es stets beobachtet. Was die Reden betrift, die man den Emigranten vorwirft: so kann man ihnen wohl, nach so vielen Leiden, einige Klagen verzeihen. Diejenigen Reden und Ausdrücke, die man sich allgemein in Frankreich erlaubt, und zwar, an öffentlichen Oertern, und die das Gouvernement billigt, und die Insultationen, die man sich in öffentlichen Berathschlagungen gegen alle Souveräns erlaubt, sind auf ganz andre Weise strafwürdig. Uebrigens werden Se. Churf. Durchlaucht die schicklichen und gerechten Mittel anzuwenden wißen, um dem Unglücke zuvorzukommen, mit welchem man Dieselben bedroht.

    Mit dieser Antwort reiste der Courier nach Paris zurück. Dort betrieb die herrschende Parthey um desto mehr nun die heftigsten Maasregeln gegen die Emigranten, so daß der König am 14ten December selbst in die Nat. Versammlung kam, und den Krieg vorschlug, wie im vorigen Monatsstücke S. 1376 angeführt worden.

    So bald der Churfürst von Trier von diesem Schritte Nachricht bekam, ließ er am 21sten Dec. durch den Staats-Minister, Baron von Duminique, dem <35> Französischen Gesandten zu Coblenz nachstehende Note einhändigen.

    Unterzeichneter Staats- und Kabinetsminister hat den Auftrag von Sr. Churfürstl. Durchl., dem Kön. Französischen gevollmächtigten Minister, Hrn. von Vergennes, zu erkennen zu geben: Se. Churfürstl. Durchl. hätten aus den öffentlichen Französischen Blättern ersehen, daß Se. Maj. mittelst einer am 14. d. M. öffentlich gehaltenen Rede Sich beschweret, daß Ihre bey Sr. Churfürstl. Durchl. gethanene Schritte nicht vom nämlichen Erfolge gewesen wären, als jene, die Allerhöchstdieselben bey Sr. K[aiserlich] K[öniglichen] Maj. gethan hätten. Se. Churf. Durchl. haben alle Maaßnehmungen getroffen, um die in Ihre Staaten geflüchteten Franzosen auf den nämlichen Grundsätzen zu behandeln, nach welchen sie in den Oesterreichischen Staaten behandelt worden.

    Diesemnach glaubt der Churfürst nicht, als Feind von Frankreich angesehen werden zu sollen. Man hat die Kriegsübungen untersagt; diejenigen Corps, auf welche man einen Verdacht schöpfen konnte, sind zerstreuet, und ist ihnen befohlen worden, das Churfürstenthum zu räumen. Man hat ihnen alle feindliche Gemeinschaft versagt; sie haben weder Flinten noch Canonen; sie dürfen keine Rekruten werben, und werden, wie in den Provinzen des K. K. Gebiets behandelt. Um über alles, was die Franzosen befahren dürften, zu beruhigen, haben Se. Churfürstl. Durchl. sogar geglaubt, Maaßnehmungen ergreifen zu sollen, alles, was einen kriegerischen Anschein hätte, aus Ihren Staaten zu entfernen, damit Sie einen neuen Beweis Ihrer Verehrung und Anhänglichkeit zu der Person des Königs zu Tage legen möchten. Se. Churfürstl. Durchl. bitten den gevollmächtigten Franz[ösischen] Minister, gegenwärtige Erklärung an seinen Hof gelangen zu lassen. Coblenz den 21. Dec. 1791.

    Baron von Duminique.

    Der Churfürst wandte sich aber auch zugleich an die teutschen Höfe, und besonders an das Oberhaupt des Reichs und stellte die Gefahr seines Landes vor. <36> Unterdeßen hatte schon der Französische Bothschafter zu Wien, Herr von Noailles, am 14ten Nov. eine Depesche an die dasige Staats-Kanzley übergeben, welche eben die Beschwerden enthielt, die die obige erste Note an den Churfürsten von Trier darstellt, wegen der in Teutschland sich versammelnden Emigranten. Darauf hatte man zu Wien für gut gefunden, die officielle Antwort zu verzögern. Aber die ankommenden erwähnten Vorstellungen des Churfürsten von Trier, und die auch zu Wien erhaltne Nachricht von dem angeführten Schritte des Königs von Frankreich am 14ten December, beschleunigten den Entschluß der Antwort des Kaisers, welche in der folgenden, aus dem Französischen getreu übersetzten, Note bestand.

    Der Hof- und Staats-Kanzler, Fürst von Kaunitz-Rittberg hat dem Kaiser von der durch den Französischen Ambassadeur officialiter communicirten ostensiblen Depesche des Herrn de Leßart, vom 14ten November datirt, Bericht erstattet, und ist authorisirt worden, gegen den Herrn Ambassadeur, über den Inhalt der Depesche, sich, in so weit sie sein Departement betrift, mit derjenigen Freymüthigkeit zu erklären, welche Se. Kais. Maj. über diejenigen Gegenstände, die die jetzt so wichtige Krisis des Königreichs Frankreich betreffen, zeigen zu müßen glaubt.

    Der Hof- und Staats-Kanzler hat demnach die Ehre, Ihm seiner Seits zu eröfnen, daß der Herr Churfürst von Trier dem Kaiser gleichfalls die Note mitgetheilt hat, die der Französische Minister den Auftrag erhalten hatte, zu Coblenz zu übergeben, zugleich mit der Antwort, die Se. Churfürstliche Durchlaucht auf diese Note hat ertheilen laßen; daß dieser Fürst zugleich Sr. Kaiserlichen Majestät zu erkennen gegeben hat: daß Er in Hinsicht der Französischen Emigranten und Flüchtlinge und der Waffen, und Munitions-Lieferungen, eben die Grundsätze und Vorschriften angenommen habe, die in den Oesterreichischen Niederlanden waren befolgt worden. Da sich aber unter seinen Unterthanen und in den umliegenden Gegenden lebhafte Besorgniße verbreiteten, daß die Ruhe seiner <37> Gränzlande und Staaten, ohnerachtet jener weisen Maaßregel, durch Einfälle und Gewaltthätigkeiten könnte gestöhrt werden, so hat der Herr Churfürst um den Beistand des Kaisers in dem Falle ersucht, wenn der Erfolg jene Besorgniße zur Würklichkcit bringen sollte.

    Der Kaiser ist über die gerechten und gemäßigten Absichten des Allerchristlichsten Königs sehr ruhig, und nicht weniger von dem großen Intereße überzeugt, welches die Französische Regierung hat, alle fremde souveraine Fürsten durch Tätlichkeiten gegen einen von ihnen nicht aufzubringen. Da aber die tägliche Erfahrung über den Bestand und das Uebergewicht der gemäßigten Grundsätze in Frankreich, und über die Subordination der Zweige der öffentlichen Macht, und besonders der Provinzen und Municipalitäten, keine solche sichere Beruhigung giebt, um nicht befürchten zu müßen, daß die erwähnten Thätlichkeiten, ohnerachtet der Absichten des Königs, und ohnerachtet der daraus erfolgenden Gefahren, ausgeübt werden dürften: so sehen Sich Se. Kais. Maj., sowohl in Folge Ihrer Freundschaft für den Churfürsten von Trier, als auch durch die Rücksichten, die Sie auf das Intereße des Teutschen Reichs, als Mitstand, und auf Ihr eignes Intereße, als Nachbar, nehmen müßen, genöthigt, dem General-Commandanten Ihrer Truppen in den Niederlanden, dem Marschall von Bender, die Anweisung zu geben, den Staaten Sr. Churfürstlichen Durchlauchten die schleunigste und nachdrücklichste Hülfe zu leisten, im Fall sie durch feindliche Einfälle verletzt, oder nur mit selbigen bedroht würden.

    Der Kaiser ist Sr. Allerchristlichsten Majestät zu aufrichtig ergeben und nimmt an dem Wohl von Frankreich und an der allgemeinen Ruhe einen zu großen Antheil, um nicht lebhaft zu wünschen, diese Extremität und die unvermeidlichen Folgen abzuwenden, die sie sowohl von Seiten des Oberhaupts und der Stände des Teutschen Reichs, als von den andern Souverains nach sich ziehen würde, die zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe, und für die Sicherheit und Ehre der Kronen gemeinschaftlich verbunden sind; <38> und in Folge dieses letztern hat der Hof- und Staats-Kanzler, Fürst von Kaunitz-Rittberg, den Auftrag, sich darüber auf das unverhohlenste gegen den Hrn. Ambaßadeur von Frankreich zu eröfnen, dem er übrigens die Ehre hat, die Versicherungen der ausgezeichnetsten Achtung zu wiederhohlen.

    Wien, Fürst von Kaunitz-Rittberg.

    den 21sten Dec. 1791.

    Der Inhalt der vorstehenden Note wurde dem Churfürsten von Trier unverweilt bekannt gemacht, und ihm der Schutz des Kaisers durch einen eigenhändigen Brief noch besonders zugesichert. In diesem Briefe sagte ihm das patriotische Reichs-Oberhaupt, wie öffentliche Blätter anführten, daß die Trierschen Lande alle Furchtsamkeit verschwinden lassen sollten, daß er an den General Bender die Ordre ergehen lassen, mit 20,000 Mann die Trierschen Grenzen von Luxemburg aus zu decken, und 80,000 Mann befehligt würden, auf den Fall, wenn die Franzosen es wagen sollten, den teutschen Boden zu betreten, gegen den Feind anzurücken. Diese Versichrung beruhigte das Land, und die Stände von Trier, welche ihre Besorgnisse dem guten Landesvater vorgetragen hatten.

    Wenige Tage drauf kam ebenfalls an den Churfürsten von Trier eine Versichrung des Königs von Preussen, in den besten, stärksten Ausdrücken, daß auch von Preußischer Seite solche Maaßregeln getroffen worden, welche alle Wünsche des Churfürsten im höchsten Grade befriedigten, und, daß der K[önigliche] Preußische Gesandte, Graf von Golz, zu Paris eine solche nachdrückliche Sprache zu führen angewiesen worden, daß, nach dem eignen Ausdrucke des Königs selbst, diese nachdrückliche Insinuationen an das Französische Ministerium alle Besorgniße heben müßten.

    Unterdessen war ein neuer Französischer Gesandter, am Hofe zu Coblenz angekommen, und hatte die Beschwerden wegen der Emigranten, und die Drohungen, wenn sie das Triersche Land nicht verließen, erneuert. Der Churfürst antwortete darauf in den der Natur der <39> Sache angemessensten Ausdrücken: wie er den Wünschen Sr. Allerchristlichen Majestät, nach seinen eignen Gesinnungen, und denen der andern Höfe, dadurch volle Gnüge leiste, daß er keine Bewafnungen, oder feindliche Anstalten der Emigranten in seinem Lande gestatte. Um dieses thätlich von neuen zu beweisen, ergieng eine abermalige Churfürstliche Vorschrift, in welcher jede Gattung von militairischen Exercitio untersagt, alle Anwerbung, alle Lieferungen oder Verfertigungen von Kriegs-Munition verboten wurden, und alle Emigranten mußten vier Stunden weit von der französischen Grenze wohnen, und durften keine Gänge, oder Reisen in großen Haufen vornehmen. Nach einem öffentlichen Blatte hat der Churfürst sich so geäußert, daß ein König von Frankreich, der sich durch die Jacobiner lenken lassen müße, einen teutschen Fürsten, der als nächster Anverwandter die Brüder des Königs mit Liebe aufgenommen habe, mit keinen Drohungen von seinen gutem und teutschen Vorsätze abbringen könne. Die teutsche Freyheit dürfe nicht leiden, und die Erhabenheit des teutschen Staats nicht dulden, daß man ein großes Mitglied desselben in drohende, und unverdiente Gefahr sehen könne. Unter diesen Umständen waren 2,000 Mann Kaiserlicher Truppen in die Stadt Trier eingerückt, und 6,000 hatten einstweilen die Triersche Gränze besetzt.

    Der Kaiser aber sahe sich durch die aus Paris eingehenden Nachrichten von den immer weiter betriebnen Kriegsdrohungen in der National-Versammlung, genöthigt, einen noch nachdrücklichern Schritt zu thun. Er schickte am 27ten December einen Courier nach Paris mit einer sehr ernsthaften Erklärung: daß, wenn Frankreich fortfahren würde, Bewegungen zu machen, welche der Sicherheit und Ruhe des teutschen Reichs gefährlich wären, Se. Maj. als des Reichs-Oberhaupt, nicht allein die kräftigsten Mittel dagegen zu ergreifen sich genöthigt sehen, sondern auch die gesammten Reichsstände zu gleichen wirksamen Maaßregeln, und Schritten auffodern würden. Von dieser Erklärung sind auch sogleich Abschriften an alle Höfe in Europa gesandt worden. Auch wurde der Befehl an alle Officiere gegeben, sich schleunigst nach ihren <40> Regimentern zu verfügen, und an das General-Commando in Böhmen, die dortigen Regimenter in Bereitschaft zu halten, um auf den ersten Wink den Marsch antreten zu können.

    Auf diese vorbeschriebne Art und Weise muß auch die im vorigen Stücke in der Kürze etwas undeutlich angezeigte Versichrung des Kaiserlichen Bestandes für die Französischen Prinzen, verstanden werden. Sie geniessen den Kaiserlichen Beystand nicht für eine etwanige bewafnete Unternehmung, sondern für den ruhigen und sichern Aufenthalt ihrer Personen; und sollten sich die Franzosen beygehn lassen, deshalb einen Krieg anzufangen, so wird Kaiser und Reich die beleidigten Rechte zu ahnden wissen.

    Der König von Preußen hat ebenfalls mit dem Kaiser zugleich einen neuern verstärkten Antheil an den Französischen Kriegsdrohungen genommen. Zuverläßige Briefe von Berlin melden, daß man daselbst für nöthig halte, Ernst gegen Frankreich zu gebrauchen, und daß deshalb sowohl den Preußischen Regimentern in Westphalen vorläufige Marschvorbereitungen anbefohlen worden, als auch vielleicht von Schlesien aus durch Böhmen ein Preußisches Corps an den Rhein marschiren würde, wenn es die Umstände erfoderten.

    Die Umstände müßten sich aber in Paris sehr ändern, wenn sie nicht solche wirksame Vorschritte erfodern sollen. Noch am 31sten December ließ der König durch den Siegel-Bewahrer der National-Versammlung anzeigen, daß er den Kaiser auf seine, oben befindliche Ministerielle Note geantwortet habe, daß er sein Verlangen wegen der Emigranten in Trier wiederholen müsse, und daß, wenn der Churfürst nicht wirklich an dem bestimmten Tage, den 15ten Januar, die Versammlungen in seinem Lande zerstreut hätte, ihn nichts hindern sollte, der National-Versammlung vorzuschlagen wie er schon vorläufig angekündiget habe, die Gewalt der Waffen zu gebrauchen.

    Die Gegenden am Rheine sind durch diese Nachricht sehr beunruhiget worden. In einem öffentlichen Blatte wird gemeldet, daß ein großer Theil der Bürgerschaft <41> zu Worms einige tausend National-Cocarden von Strasburg verschrieben, und auch wirklich erhalten habe. Dieß sey in mehrern andern Gegenden geschehen; einige Amtleute hätten sogar National-Fahnen zu Strasburg bestellt. Dabey rechnete man zu Strasburg stark auf 400 schon eingeschriebene Propaganda-Boten, welche die französische Revolutions-Armee mit hunderterley Freyheits-Predigten, Addreßen, und Aufruhrs-Schriften begleiten, und so allenthalben die Menschen gegen ihre Obrigkeiten, und die Staats-Verfaßung empören würden.

    So viel sich diese Menschen von diesem, bisher unerhörten Aufruhrs-Manöver versprachen; so wenig fürchteten sich verständige Leute, die den teutschen Sinn, und Patriotismus nicht bezweifeln, dafür. So war es ein ganz ungegründetes Gerücht, daß der weise, große Churfürst von Maynz die französischen Flüchtlinge aus Worms nicht aufnehmen, und seine bisher beherbergten Gäste nicht ferner dulden wolle. Vielmehr hat der Churfürst dem Prinzen von Condé seinen Hof angeboten, welcher aber für besser für seinen Plan gehalten hat, nach Ettenheim im teutschen Theile des Bißthums Strasburg, mit einer Anzahl von 4,000 Emigranten, sich zu begeben. Indessen ist der Churfürst mit Heßen-Darmstadt und Hessen-Caßel übereingekommen, daß, im Falle eines bedrohenden Angrifs von Seiten der Franzosen, ein ansehnliches Corps Truppen in Maynz einrücken soll. In dem Badenschen, und im Vorder-Oesterreichischen wurden große Magazine angelegt, und die tauglichsten Pferde ausgesucht.

    Diese kritischen, und einer kriegrischen Explosion sich so sehr nähernden Angelegenheiten in Teutschland, wurden die allgemeinen Gegenstände der Berathschlagungen aller großen Höfe in Europa. In London veranlaßten sie, nach der Ankunft mehrerer Couriere am 30sten December eine ungewöhnlich lange Berathschlagung des Cabinets-Ministeriums, welche durch die Nacht bis des Morgens 4 Uhr hindauerte. Man wollte hierauf wissen, daß, ohnerachtet der Englische Hof sich nicht in die Französ. Angelegenheiten habe mischen wollen, er doch nun, so bald Feindseligkeiten ausbrachen, nicht ohne <42> Antheil bleiben könne, und man einen allgemein ausgebreiteten Krieg zu besorgen habe.

    Wir werden noch in den unten folgenden Artikeln mehrere neuere Berichte nachzutragen haben, die bis Ende dieses Monats noch wichtig werden müssen.

    Schreiben [aus Coblenz].

    Stück 1, # 7, Seite 47 ff

    Coblenz, den 8ten Januar 1792.

    Wir befinden uns hier in einer höchstwichtigen und kritischen Epoche. Die Umstände werden Ihnen schon aus den Zeitungen bekannt seyn. Von der einen Seite mit einem Einfalle von Franzosen bedroht, von der andern des Schutzes des Kaisers und des Königs von Preußen versichert, sehen wir den kommenden Tagen zwischen Furcht und Hofnung entgegen. Am Ende des vorigen Jahrs kam ein neuer Französischer Gesandte, ein Herr von St. Croix hier an, und löste den Herrn Grafen von Vergennes in seinem Minister-Posten ab. Er wurde durch seine Bewillkommung nicht sehr erbaut. Am folgenden Morgen nach seiner Ankunft stand an der Thüre seiner Wohnung ein Zettel angeschlagen, mit den Worten: „Meine Herren, Sie werden ersucht, dem außerordentlichen Ambassadeur Platz zu machen." Sogleich verließen alle Franzosen, die dieß Haus bewohnten, dasselbige. Der Herr <48> Gesandte ließ sich bey einigen melden; er wurde nirgends angenommen. An demselbigen Tage kamen 200 Mann Kaiserliche Soldaten und holten aus der Citadelle Kriegs-Munition. Um 6 Uhr des Abends kam ein Courier vom Kaiser an den Churfürsten, der einen eigenhändigen Brief des Kaisers, mit der Zusicherung seines Beystandes, im Falle eines Französischen Angriffs, überbrachte.

    Als der Graf von Artois erfuhr, daß man den neuen Französischen Gesandten mit Verachtung betrachtete: so gab er sogleich Befehl, in seiner Person den Gesandten des Königs, Seines Bruders, zu respectiren, und dadurch wurde vieles verhindert, was sonst geschehen seyn möchte. Der Graf von Vergennes steckte indeßen, gleich nach der gehabten Abschieds-Audienz beym Churfürsten, die Kokarde der Prinzen an, und zeigte sich so bey Hofe. Er wurde von allen Emigranten darüber becomplimentirt. Es kommen noch täglich immer mehr Emigranten von allen Klaßen, auch sehr viele vom Militair an. Unser ganzes Land ist voll, und man begreift kaum, wie alle diese tausende von Menschen ernährt werden können. Die Lebensmittel sind auch so sehr gestiegen, daß diejenigen, die nicht von dem Französischen Gelde profitiren, laut murren, und man vor einigen Tagen gar für öffentliche Unruhe besorgt seyn mußte. Unsere Situation ist im höchsten Grade, in vieler Hinsicht, bedenklich.

    Der Prinz von Condé, welcher mit seinem Gefolge Worms verlaßen hat, ist noch kurz vor seiner Abreise in Gefahr gewesen, von einem Meuchelmörder umgebracht zu werden. Ein gewisser von Bußelot, ein Maltheser Ritter, oder wenigstens mit dem Kreuze geziert, war mit der Absicht dieses Attentats zu Worms angekommen, wurde aber, wie man sagt, durch einen Brief von Nancy verrathen und arretirt. Er gestand sogleich sein schwarzes Vorhaben, und gab den Maire von Thionville für den Anstifter an, der ihm 10,000 Livres versprochen habe, wenn er die Mordthat begangen hätte; er hat auch ausgesagt, daß mehrere Personen einen gleichen Auftrag mit ihm hätten. — Ob dergleichen auch mit zu der heutigen Philosophie gehört? Ob die <49> Französische Constitution durch Meuchelmorde befestigt werden soll? Am vorigen Dienstage kämen 2 Couriere von Petersburg und von Stockholm bey den Prinzen an. Ohnerachtet von ihren Depeschen nichts öffentlich bekannt geworden ist, so kann ich Ihnen doch sagen, daß [die Zarin] Catharine und [der König] Gustav Bedenken gefunden haben, den Prinzen in ihrer Unternehmung mit gewafneter Macht beyzustehen, daß sie aber auf andre Art und Weise sie unterstützen wollen. Man muß aber daraus nicht zu viel schließen, und ich will nur vorerst bemerken, daß Rußland und hiernächst Schweden ihre Maasregeln geändert, und dem Plane des Kaisers beygetreten seyn sollen, welcher auf einem andern Wege zu demselbigen Ziele führt.

    Man spricht hier viel von einem Vergleichs-Projecte, welches den Prinzen vorgelegt seyn, und dessen Urheber der Herr von Breteuil und seine Parthey in Frankreich seyn soll, an deren Spitze die Königin sich befinden soll. Nach diesem Project, soll die Constitution nur zur Hälfte umgeworfen, 2 Kammern, anstatt der National-Versammlung, errichtet, und der Adel mit Aufopferung einiger Privilegien, wieder in seine Rechte eingesetzt werden. Allein, so lange die Jacobiner-Parthey noch die Oberhand in Paris behält, wird dieses Project nicht ausgeführt werden können. Man will zwar wißen, daß ganz neue Auftritte für dieses Project vorbereitet würden, daß die Reise des Kriegs-Ministers, Herrn von Narbonne geheime Absichten gehabt, und daß die Generäle Lukner, Rochambeau und [la] Fayette, wenn der Plan zu Stande kommt, vielleicht eine überraschend neue Rolle spielen werden. Ich hoffe, Ihnen darüber bald genauere Nachrichten geben zu können.

    Authentisch-wahrer Aufschluß der

    verbreiteten Nachricht von der

    [angeblichen] Flucht des Königs von Frankreich.

    Stück 1, # 8, Seite 56

    Man hat den eigentlichen Grund der auf so vielfach beglaubigte Weise, und so diplomatisch-zuverläßig durch ganz Europa verbreiteten Nachricht von der Flucht des Königs von Frankreich am vorigen 20sten November, schon verschiedentlich anzugeben gesucht. Man hat sogar in Pariser, und sodann daher in andern teutschen Zeitungen vorgegeben, als wenn ein bloßer Spaß des H. v. Villette in dem Jacobiner-Clubbe dazu die Veranlassung gewesen wäre. Nichts von allem dem ist die Wahrheit. Wir sind so glücklich, den wahren Aufschluß von respectabler, authentischer Quelle her, dem Publico geben zu können.

    Man hat nun den wahren Grund der verbreiteten Nachricht von der Flucht des Königs von Frankreich ausfindig gemacht. Der geheime Ausschuß der Jacobiner hat diese Nachricht ausbreiten lassen, in der eben so wichtigen, als boshaften Absicht, um die Prinzen auf die Grenzen zu locken, sie daselbst aufheben, und nach Orleans führen zu lassen. Alle Anstalten waren ins geheim dazu gemacht. Alles war hiezu angeordnet. Die Briefe und Couriere waren unter angenommenen Nahmen von Aristokraten abgesandt. Um der Nachricht desto mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen, hatte man dafür gesorgt, den Rußischen Gesandten, Grafen von Romanzow, zuerst davon zu benachrichtigen. Die Prinzen, Brüder des Königs, waren im Begriffe, sich nach Tournay zu begeben, und würden in das Netz gerathen seyn, wenn nicht ein Courier aus Brüßel sie noch zu rechter Zeit unterrichtet hätte, daß die erhaltne Nachricht falsch sey.

    Antwort des Königs von Dänemark, an

    den auf die Notification der

    Constitutions-Annahme.

    Stück 1, # 10, Seite 59

    Wir haben im letzten Stücke des vorigen Jahrgangs des Journals, S. 1294, das Schreiben des Königs von Preußen auf die Notificirung der Annahme der Constitution von Ludwig dem XVIten, bekannt gemacht. Wir können hier nun das ebenfalls noch unbekannte Schreiben mittheilen, welches der König von Dänemark bey eben dieser Veranlaßung an den König von Frankreich erlaßen hat. Es lautet, aus dem Französischen übersetzt, wörtlich also:

    Ich habe aus dem Briefe, welchen Ewr. Maj. mir zu schreiben die Güte gehabt, ersehen, daß Sie Sich entschloßen haben, die Constitutions-Acte aus dem Grunde anzunehmen, weil Sie dieselbe als die Folgen des Wunsches des vorzüglich größer Theils Ihrer Nation ansehen mußten. Ich habe niemals den Schritten, die Ewr. Majestät gethan haben, um das Glück dieser Ihrer Nation zu sichern, meinen Beyfall versagt, und ich schmeichle mir, daß Sie gleichfalls meiner zuvorkommenden Freundschaft, womit ich diejenige, wovon Sie mir jetzt die Versicherungen wiederholt haben, und die einen großen Werth für mich hat, jederzeit erwiedern werde, so wie auch den Gesinnungen der großen Achtung werden Gerechtigkeit wiederfahren lassen, womit ich bim

    Mein Herr Bruder,

    Ewr. Majestät

    guter Bruder

    Christian.

    Kopenhagen, den 11. November 1791.

    Frankreichs Anarchie, und Begebenheiten.

    Stück 1, # 11, S. 59 ff.

    Schon vor geraumer Zeit haben wir bemerkt, daß die in Paris noch herrschende Jacobiner-Parthey, bey der entsetzlichen Lage, in welche sie das Reich gebracht hat, <60> kein anderes Mittel mehr wußte, als einen offenbaren Krieg, daß sie ihn wünschte, und zu erregen suchte. Diese Wahrheit hat sich, wie so viele andre, nunmehro in solchen Begebenheiten gezeigt, welche viele Höfe in Bewegung gesetzt haben. Von demjenigen, was in Teutschland darüber vorgegangen, giebt der obige Vte Artikel umständliche Nachricht. Hier müssen wir dasjenige anführen, was in Frankreich selbst vorgegangen ist.

    Man hielt im Jacobiner-Clubbe zu Paris lange, deklamatorische Reden, voller, jetzt so gewöhnlichen, Ungezogenheiten und Insultirungen gegen die gekrönten Häupter in Europa, und stellte einen Krieg als unvermeidlich vor. In der National-Versammlung harangirte Herr von Condorcet, und brachte eine so genannte Declaration zum Vorscheine, die das Ansehn eines Kriegs-Manifests hatte, brachte es auch dahin, daß diese Declaration im ganzen Reiche herum geschickt, und an alle militairische Corps vertheilt wurde. Sie enthält nichts besonders, was das Aussehn verdiente, welches ihr die Jacobiner-Parthey gern verschaffen wollte. H. v. Condorcet sagt, die französische Nation entsage allen Kriegen, in der Absicht, Eroberungen zu machen. {Das thun alle kluge Fürsten und selbst die kriegrischen, und sagen es gewöhnlich in ihren Kriegs-Manifesten.} Aber ein Land, fährt H. v. C. fort, wo eine Armee existirt, die nur die Hofnung des Erfolgs erwartet, um uns anzugreifen, können wir für kein freundschaftliches Land halten. Die Rechte der Nationen sind beleidigt, die Würde des Französischen Volks ist beschimpft, der Name des Königs wird gemißbraucht. Aber die ruhigen Einwohner des Landes, in welchem der Krieg geführt wird, sollen nicht als Feinde behandelt werden. Die öffentliche gebrauchte Gewalt soll nur angewandt werden, um diesen Ländern ihre Ruhe zu sichern, und ihre Gesetze zu behaupten. {Allso will sich Frankreich in die Behauptung der Gesetze der teutschen Länder mischen, ohne von irgend Jemanden darum ersucht worden zu seyn.} Die französische Nation wolle sich lieber unter ihren Ruinen begraben, als Gesetze sich vorschreiben, oder auch nur die ihrigen sich garantiren lassen. <61> Der ausgebreitete Kriegsgeist wurde durch vortheilhafte Berichte von der militairischen Committée aufgemuntert. Nach diesem Berichte waren die französischen Grenzen nach allen Weltgegenden hin in dem besten Vertheidigungsstande. Zehntausend Feuerschlünde, viele Millionen Kugeln, alle Arten von Ammunition, über 200,000 Mann Soldaten, ohne die vielen National-Garden, alles war in der besten Verfassung zum Kriege. Die Nat. Vers. bewilligte unter solchen Berichtserstattungen auch die 20 Millionen Livres, die der König zu Kriegsrüstungen verlangte.

    Wir haben im vorigen Monatsstücke S. 1311 u. f. die vier Partheyen geschildert, in denen anjetzt Frankreich getheilt ist. Am 5ten Januar trat ein Herr Isnard in der Nat. Vers. auf, und schilderte die Partheyen fast eben so, wie wir es vor 4 Wochen gethan haben, nur daß er 5 Partheyen machte, weil der kluge Jakobiner einen Unterschied zwischen den Gemäßigten und den nur scheinbar gemäßigten machte. Jene nannte er die wahren Patrioten. Das sind diejenigen, von welchen wir sagten, daß sie sich immer von den feinen Jakobinern lenken ließen, und ihnen in gutmüthiger Treuherzigkeit ihre Plane ausführen hülfen, ohne daß sie den gefährlichen Grund davon einsehen. Die nur Scheinbar Gemäßigten sind diejenigen, die heller sehen, und den Jacobinern sich oft widersetzen.

    Zu diesen gehören die Mitglieder des großen Clubs, der der Club der Feuillans genannt wird. Dieser Club und der Jacobiner Club waren einander so widrig gesinnt, daß es zu stürmischen Auftritten kam. Ein aufgehetzter Haufen Volks wollte am 3ten Januar das Haus stürmen, in welchem der Club sich versammelte, und die Mitglieder konnten sich nur durch die Flucht retten. Die Jakobiner behielten um so mehr in allem die Oberhand, da der Maire der Stadt Paris, Herr Pethion, ihr eifriges Mitglied und Beschützer ist. — So sehr aber auch alle Partheyen gegen einander erbittert waren, so einstimmig war doch aller ihr Wunsch für einen Krieg, freylich in ganz verschiednen Absichten und Hofnungen. Jede Parthey glaubte, durch den Krieg ihren vollständigen Sieg zu erhalten. Jede <62> Parthey sah kein ander Mittel, die andern nieder zu drücken. Besonders glaubten diejenigen, welche mit der Parthey der Prinzen gern einen Vergleich machen wollten, indem 2 Kammern der Gesetzgebung errichtet würden, und der Adel befriedigt würde, durch das zu den gegenwärtigen Uebeln hinzukommende Uebel des Kriegs, gewiß ihren Zweck zu erreichen. Man war daher in der Nat. Vers. am 6ten Januar, als man die Erklärung des Churfürsten von Trier, die in dem obigen Vten Artikel schon mitgetheilt worden, verlaß, ganz verlegen. Man beobachtete bloß ein tiefes Stillschweigen.

    Um, bey solchen Stimmungen der Gemüther übereilten Schritten von Feindseligkeiten, wenn möglich, zuvor zu kommen, erschien am 7ten Januar eine vom 4ten datirte Proclamation des Königs, die Erhaltung der guten Ordnung an den Grenzen betreffend. Der König befahl darinnen allen Administrations-Collegien, Municipalitäten, und Generalen, alle Kräfte aufzubieten, um den Wirkungen solcher Mittel vorzubeugen, welche etwann zur Reizung der Ungeduld des Volks, und des voreiligen Eifers der Armee angewandt werden könnten.

    Wisset, sagt der König in dieser Proclamation, daß es für euch Pflicht ist, das Signal des Gesetzes zu erwarten, und daß es ein Verbrechen wäre, demselben zuvor zu kommen. Der König besteht fortdauernd, im Namen der Französischen Nation, auf eine Genugthuung, welche die Gerechtigkeit so sehr, als das Völkerrecht, und das Intereße von ganz Europa fodern. Er verzweifelt noch nicht an dem Erfolge seiner Foderungen: er hat sie erneuert, und betreibt sie mit Thätigkeit. Er befiehlt allso, mit der größten Aufmerksamkeit zu wachen, daß alles fremde Gebiet unverletzlich geachtet werde, und daß alle Fremdlinge, die sich in Frankreich befinden, alle Beobachtung der Gastfreyheit, und des Schutzes der Gesetze genießen mögen.

    Man hatte wohl Ursache, den Krieg mit seinen Ausgaben zu scheuen, da die Finanzen immer übler wurden. Nach dem officiellen Berichte des Finanz-Ausschußes am 30. December machte der Etat der Ausgaben für das Jahr 1792 die Summe von 774 Millionen <63> aus, die Einnahme aber nur {wenn alles richtig einkäme} 530 Millionen, so daß schon

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