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Geld stinkt nicht: Eine kurze Geschichte von Wirtschaft und Steuern

Geld stinkt nicht: Eine kurze Geschichte von Wirtschaft und Steuern

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Geld stinkt nicht: Eine kurze Geschichte von Wirtschaft und Steuern

Länge:
521 Seiten
16 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Dez. 2019
ISBN:
9783962298999
Format:
Buch

Beschreibung

Wirtschaftsordnung und Steuerpolitik von der Steinzeit bis zur Bundesrepublik Deutschland. Wer denkt, dass Themen wie Geschichte, Wirtschaft oder Steuern langweilig, trocken oder uninteressant sind, der wird mit diesem Buch eines Besseren belehrt.
Sachkundig, mit klarer Sprache und viel Humor erklärt der Autor für den Laien die grundlegenden Zusammenhänge der Wirtschafts- und Steuerpolitik in den verschiedenen Epochen der Menschheit.
Dabei wird der Leser feststellen, dass der Bezug zum Geld und zu den Steuern, von der Antike bis ins heutige Digitalzeitalter, nahezu immer den gleichen Regeln folgt. Die erste Regel der Steuer-Staatsräson lautet: Da wir der Staat sind, können wir machen, was wir wollen. Wir sind unantastbar! Schon König Ludwig, XIV. stellte fest: „Der Staat bin ich!“, eine Devise, der anscheinend auch unsere heutigen „Volksvertreter“ folgen.
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Dez. 2019
ISBN:
9783962298999
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Geld stinkt nicht - Dr. Uwe Lawrenz

handelt.

Kap. 1 Kuriose Steuerkonstruktionen von Ablager bis Zündholzsteuer

„Du kannst einen Fürsten lieben. Du kannst einen König lieben. Aber der Mann, den du fürchten musst, ist der Steuereintreiber."

Sumerische Keilschrifttafel, 3. Jahrtausend v. Chr.

Wer an dieser Stelle lustige Anekdoten erwartet, ist vielleicht etwas enttäuscht. Tatsächlich hatten auch die für den heutigen Menschen kurios anmutenden Steuerarten in der Geschichte meistens einen gut gemeinten Hintergrund. Oftmals ging es um den sozialen Ausgleich. Fenstersteuern, Dach- oder Perückensteuern mussten hauptsächlich von reichen Bürgern entrichtet werden, da sich ärmere Menschen kein großes Haus oder eine Perücke leisten konnten. Diese Steuern hatten zudem den Vorteil, dass die Bürger ihr Vermögen im Gegensatz zu einer allgemeinen Vermögenssteuer nicht verstecken konnten. Fenster und Dächer kann man relativ einfach zählen und wer eine Perücke besaß, wollte diese auch in der Öffentlichkeit tragen. Andere Steuern, wie die Salzsteuer, die Papiersteuer oder die Zündholzsteuer hatten dagegen keinen lenkenden oder sozial ausgleichenden Hintergrund. Sie wurden einfach erhoben, weil der Staat das Monopol auf diese Waren besaß und neue Steuereinnahmen zu allen Zeiten stets willkommen waren. Auch im Steuerrecht der heutigen Bundesrepublik finden sich noch viele solcher Bagatellsteuern.

Die Nachtigallensteuer diente hauptsächlich dem Schutz bereits damals bedrohter Tierarten. Auch die Spatzensteuer hatte einen eher gut gemeinten Hintergrund. Spatzen wurden als Nahrungskonkurrenten des Menschen angesehen, die das knappe Getreide wegfraßen. Im China der Fünfzigerjahre unter Mao Tse-tung ging die Kampagne so weit, dass die Dorfbewohner stundenlang auf Töpfe schlagen mussten, bis die Spatzen, die von der Propaganda als Volksfeinde gebrandmarkt wurden, entkräftet vom Himmel fielen. Millionen von Spatzen wurden in dieser Zeit getötet. Nur kurze Zeit später hatten sich die Insekten, die sonst die Spatzen gefressen hatten, so stark vermehrt, dass die Ernten in Gefahr gerieten. Daraufhin musste China Hunderttausende von Spatzen aus der Sowjetunion importieren. Nicht jede gut gemeinte Aktion führt zu auch einem guten Ergebnis. Das sieht man vor allem bei den Auswirkungen der verschiedenen Steuern. Die Liste der kuriosen Steuerarten wird niemals vollständig sein können, da der Einfallsreichtum der Herrscher nie versiegen wird. Hier sollen exemplarisch nur einige dieser kreativen Steuerkonstruktionen genannt werden.

Das Ablager war im mittelalterlichen Mecklenburg bei der Bevölkerung verhasst. Ursprünglich eine freiwillige Abgabe (ausführlicher wird das Ablager in. Kap. 4.6 beschrieben) wurde das Ablager im Laufe der Zeit zu einer permanenten Steuer, von der einige Dörfer weitaus stärker betroffen waren als andere. Die Bartsteuer wurde von Zar Peter I. 1698 in Russland eingeführt. Peter wollte das rückständige Russland modernisieren. Männern wurde das Tragen eines Bartes verboten; bei Zahlung einer hohen Steuer konnte dieses Verbot aufgehoben werden. Der Bartträger musste seine Steuermarke immer bei sich führen, ansonsten wurde er öffentlich rasiert.

Dachsteuern wurden in Österreich im 18. Jh. eingeführt. Diese Steuer erwies sich als besonders kontraproduktiv, da nach der Einführung dieser Steuer viele historische Gebäude von ihren Eigentümern aufgegeben wurden.

Die Fahrradsteuer wurde ab dem Ende des 19. Jh. in mehreren europäischen Ländern eingeführt. Fahrräder waren zu dieser Zeit noch weitgehend den besseren Schichten vorbehalten. Diese Steuer hatte demnach das Ziel eines sozialen Ausgleichs. In den meisten österreichischen Bundesländern war eine Steuer von 5 Schilling fällig. In Frankreich wurde die Fahrradsteuer 1893 eingeführt, pro Sitz mussten 6 Franc pro Jahr entrichtet werden. Im Jahr 1900 kamen durch die Fahrradsteuer immerhin 5,5 Millionen Franc in die Staatskasse. In Hessen waren Militärpersonen, Arbeiter, sofern sie mit dem Rad zur Arbeit fuhren, und Gewerbetreibende mit einem Jahreseinkommen bis 1.500 Mark von der Steuer befreit. Im Saarland wurde sie noch nach 1945 erhoben. Sie betrug 12 RM und erfolgte personenbezogen. Zum Nachweis der Steuerzahlung wurde eine „Radfahrmarke" in den Personalausweis eingeklebt.

Die Fenstersteuer wurde in mehreren europäischen Ländern im 18. Jh. eingeführt. Daraufhin wurde eine Vielzahl von Fenstern in den Städten zugemauert. Nachdem man erkannt hatte, dass diese Steuer besonders unpopulär war und zu solchen skurrilen Effekten führte, wurde sie zuletzt in England 1851 abgeschafft.

Mit der Jungfernsteuer wurden unverheiratete Frauen in Preußen im 18. Jh. belegt. Hier war der ökonomische Grund einleuchtend. Nach den moralischen Vorstellungen der damaligen Zeit konnten Jungfern keine Kinder bekommen und somit weder zukünftige Soldaten noch Steuerzahler zur Welt bringen. Allerdings gab es bis in das zwanzigste Jahrhundert bestimmte Berufe, in denen Frauen nicht verheiratet sein durften. So war die Position einer Mamsell, der obersten Wirtschafterin auf einem Rittergut, immer daran gebunden, dass sie unverheiratet war. Das Gleiche galt auch für manche Männer; die Inspektoren auf den großen Landgütern durften in der Regel nicht verheiratet sein. Für Lehrerinnen in Baden-Württemberg galt diese Regel sogar noch bis 1956.

Die Kopfsteuer klingt für uns heute unsozial, da jeder unabhängig von seinen Einkünften die gleiche Steuer bezahlen muss. Viele Kulturen vom Altertum bis in die heutige Zeit argumentierten aber, dass gleiche Rechte auch gleiche Pflichten abverlangen sollten. Sie sahen die relativ niedrige Kopfsteuer als demokratische Steuer an, mit der beispielsweise auch das aktive Wahlrecht begründet wurde. Wahlberechtigt war nur, wer seine Kopfsteuer bezahlt hatte. Heute gibt es diese Steuer nur noch in Mountain View in den USA.

Die Papiersteuer gab es in England von 1697 bis 1861 und die Perückensteuer im Königreich Preußen von 1698 bis 1717. Beide Steuern waren ihrer Natur nach eher Luxussteuern, die hauptsächlich die oberen Stände tragen mussten.

Die Prinzessinnensteuer gab es nicht nur im mittelalterlichen Mecklenburg, sondern auch in anderen deutschen Territorien. Der Name ist etwas irreführend, denn in diesem Fall mussten nicht die Prinzessinnen Steuern zahlen, sondern die Steuer wurde zur Aufbringung der standesgemäßen Mitgift bei der Heirat der Prinzessin fällig. Es gab zeitgenössische Berichte, nach denen die Menschen in ihrer abendlichen Andacht dafür gebetet hatten, dass ihr Landesherr möglichst keine Töchter bekommt. Die Spatzensteuer wurde in Württemberg und Hannover im 18. Jh. eingeführt. Diese Steuer wurde fällig, wenn nicht eine bestimmte Anzahl toter Spatzen abgeliefert wurde. In vielen Gemeinden wurden Kinder engagiert, um die Spatzen zu jagen. Da die Entlohnung der Kinder deutlich niedriger ausfiel als die fällige Steuer, war das eine typische Win-Win-Situation. Die Bürger mussten nicht auf die anstrengende und zeitraubende Spatzenjagd gehen und die Kinder hatten einen guten Nebenverdienst.

Natürlich darf hier nicht die Steuer fehlen, die dem Buch seinen Namen gegeben hat. Der römische Kaiser Vespasian, der zwischen den Jahren 9 und 69 regierte, führte eine Toilettensteuer ein, um die Staatskasse aufzubessern. Sein Vorgänger Nero hatte ihm einen gewaltigen Schuldenberg hinterlassen. Der Urin war früher ökonomisch sehr wichtig zum Bleichen der Wäsche und für das Gerben von Leder. Er wurde deshalb zentral in großen Amphoren gesammelt. In gefaultem Urin bilden sich Ammoniakverbindungen, die in Kombination mit Sonnenlicht und dem Chlorophyll von Gras aktiven Sauerstoff bilden, das ideale Bleichmittel für weiße Wäsche. Vespasian fragte seinen Sohn Titus, als er ihm die ersten Einnahmen aus der Steuer unter die Nase hielt, ob der Geruch ihn störe. Als dieser verneinte, entgegnete Vespasian „Atqui e lotio est" – Und doch ist es vom Urin. Der Volksmund machte daraus „Pecunia non olet" – Geld stinkt nicht. Wie so viele andere erwies sich auch diese Steuer als ein glatter Fehlschlag. Die römischen Bürger nutzten nicht mehr die öffentlichen Latrinen, sondern erleichterten sich dort, wo sie gerade Lust hatten. Abgesehen von den hygienischen Problemen in der Stadt wurde der wirtschaftlich so wertvolle Urin extrem teuer.

Zum Schluss bleibt noch die Zündholzsteuer, die in der Bundesrepublik Deutschland erst 1981 abgeschafft wurde. Da der Staat ein Monopol auf die Herstellung von Streichhölzern besaß, war diese Steuer eine gefundene Gelegenheit für die Generierung von Mehreinnahmen.

Kap. 2 Ein kleiner Exkurs in die Volkswirtschaftslehre

„Volkswirtschaft ist der Zeitpunkt, an dem die Leute anfangen, darüber nachzudenken, warum sie so wenig Geld haben."

Kurt Tucholsky

Zu Beginn dieses Kapitels bitte ich alle Volkswirte um Entschuldigung. Natürlich ist die ökonomische Realität komplizierter, als hier dargestellt wird. Es ist aber wichtig, dass auch der interessierte Laie die grundlegenden Auswirkungen von Steuern auf die Gesellschaft versteht. Bei den gezeigten Zusammenhängen wird wohl jeder seriöse Volkswirt zustimmen.

Alle Menschen sind jeden Tag Akteure an Märkten. Bereits morgens auf dem Weg zur Arbeit, wenn beim Bäcker die Tageszeitung und Brötchen gekauft werden, wird man Teil von Gütermärkten. Auf der Arbeit ist man Akteur am Arbeitsmarkt. Beim Blick abends auf das Sparbuch oder das Aktiendepot ist man Bestandteil der Finanzmärkte. Als Mieter oder Besitzer eines Hauses ist man zudem auch noch ein Teil der Immobilienmärkte. Alle Entscheidungen, die der Mensch trifft, haben einen Einfluss auf das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage von Märkten. Selbst im Sozialismus ist es nicht gelungen, Märkte und Preismechanismen zu beseitigen. Die Volkswirtschaftslehre untersucht das Zusammenwirken von Marktmechanismen, zeigt, wie Preise entstehen und Menschen Entscheidungen treffen.

Dabei gelten einige wichtige Grundsätze:

1.Menschen treffen jeden Tag Entscheidungen und stehen dabei vor abzuwägenden Alternativen

Greifswald ist eine der ältesten Universitätsstädte Deutschlands, das Stadtbild wird in hohem Maße von der Universität geprägt. Für einen Studenten in Greifswald ist Zeit seine wichtigste Ressource. Er kann sie für das Studium verwenden, mit Jobben im Supermarkt seinen Lebensunterhalt verdienen oder mit seinen Freunden die Freizeit genießen. Jede Stunde, die er für eine dieser Tätigkeiten nutzt, steht nicht mehr für eine andere zur Verfügung. Er muss sich deshalb gut überlegen, wie er seine Zeit am besten einteilt.

2.Die Kosten eines Gutes bestehen darin, was man dafür aufgeben muss

Jeder Mensch ist Zielkonflikten ausgesetzt und muss täglich Entscheidungen über die Kosten und den Nutzen seiner Aktionen treffen. Unser Student hat lange darüber nachgedacht, ob er eine Berufsausbildung beginnt oder ein Studium. Bei einer Berufsausbildung verdient er früher Geld, kann eine Familie gründen und für das eigene Haus sparen. Das Studium kostet dagegen Zeit und Kraft, muss zu einem großen Teil selbst finanziert werden und bedeutet eine lange Zeit der Abhängigkeit von Professoren oder Assistenten. Dafür hat er im späteren Arbeitsleben im Regelfall ein besseres Einkommen, eine interessantere Arbeit und einen höheren sozialen Status. Den Preis, den man bezahlen muss, um dafür etwas anderes zu bekommen, nennt man Opportunitätskosten.

3.Alle Menschen haben Präferenzen

Unser Student braucht auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Für das im Supermarkt erarbeitete Geld kauft er sich ein teures Mountainbike und geht zweimal in der Woche mit seinen Freunden in die Studentenkneipe. Seine Eltern, die noch weitere Kinder haben, müssen dagegen anders planen. Sie überlegen, ob sie das ersparte Geld für einen Familienurlaub ausgeben, für die Ausbildung der Kinder oder besser für die eigene Altersversorgung zurücklegen sollen.

4.Menschen reagieren auf Anreize

Bei allen Entscheidungen vergleichen Menschen die Kosten und den Nutzen. Ihr Verhalten wird sich ändern, wenn sich die Kosten oder der Nutzen einer Aktion ändern. Die Lieblingskneipe unseres Studenten hatte vor Kurzem die Preise erhöht. Er überlegt deshalb, ob er künftig nur noch einmal in der Woche in die Kneipe geht oder lieber pro Woche eine Stunde mehr im Supermarkt arbeitet. Da er dort gerade eine kleine Lohnerhöhung bekommen hatte, entscheidet er sich für die zweite Alternative. Er könnte aber auch in einen anderen Studentenklub mit niedrigeren Preisen gehen oder statt des Biers Wein trinken, weil dieser gerade billig ist. Alle diese Entscheidungen haben Konsequenzen für ihn, seinen Arbeitgeber und den Wirt der Kneipe.

5.Menschen denken in Grenzbegriffen

Viele Entscheidungen im Leben werden in kleinen Schritten abgewandelt. Wenn der Bäcker den Preis für ein Brötchen um zwei Cent erhöht, wird man das Brötchen wahrscheinlich trotzdem weiter dort kaufen. Man nennt das eine marginale Änderung. Menschen müssen ständig entscheiden, ob die zusätzlichen Kosten auch einen zusätzlichen Nutzen verschaffen. Ein gutes Beispiel dafür sind Last-Minute-Preise. Obwohl der reguläre Flug 500,- EUR kostet, verkauft die Airline die frei gebliebenen Plätze für 200,- EUR. Es ist in diesem Fall lukrativer, die letzten Plätze zu füllen, auch wenn die kalkulierten Kosten höher sind. Man sagt dazu, der Grenznutzen, d. h. der marginale Nutzen übersteigt die Grenzkosten, die marginalen Kosten.

6.Es gilt immer das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens

Obwohl unser Student gerne mit seinen Freunden in die Kneipe geht, achtet er auf sein Trinkverhalten. Das erste Glas Bier in geselliger Runde schmeckt am besten, der Grenznutzen ist dabei am höchsten. Schon beim zweiten und dritten Bier geht der Grenznutzen im Vergleich zu den Grenzkosten immer weiter zurück. Obwohl der Preis für das Glas immer der gleiche ist, weiß er spätestens beim vierten Bier, dass die Grenzkosten den Grenznutzen übersteigen. Der Kater am nächsten Morgen und das Geld, für das er ja arbeiten muss, ist die Ausgabe nicht mehr wert.

Angebot und Nachfrage

Bleiben wir bei unserem Studenten in Greifswald. Er muss für das Geld, das er in der Kneipe ausgibt, im Supermarkt arbeiten. Demzufolge möchte er möglichst viel für sein Geld bekommen. Wenn der Preis steigt, wird er wahrscheinlich weniger trinken. Der Preis entscheidet über die nachgefragte Menge. Obwohl er gerne mit seinen Freunden abends in der Kneipe sitzt, wird es einen Preis geben, den er unter keinen Umständen mehr bereit ist zu bezahlen. Diesen Preis nennt man Prohibitivpreis. Umgekehrt kennt er seine Grenze und würde, auch wenn es Freibier gibt, nur eine bestimmte Menge trinken. Diese Menge nennt man die Sättigungsmenge. Auf der anderen Seite des Marktes stehen die Wirte: Sie möchten möglichst viel Geld verdienen. Ein Wirt, der hohe Preise verlangt, wird weniger Gäste haben. Dagegen wird ein anderer Gastwirt mit niedrigen Preisen zwar jeden Abend ein volles Haus haben, aber zum Monatsende feststellen, dass die Einnahmen nicht ausreichen. Aus dem Wechselspiel von Angebot und Nachfrage entstehen ein Marktgleichgewicht und damit ein Gleichgewichtspreis.

Dieser Gleichgewichtspreis ist noch von vielen anderen Faktoren abhängig. Obwohl unser Student lieber Bier trinkt, würde er auf Wein umsteigen, wenn dieser gerade billig ist. Ein Gut, welches aus Sicht des Konsumenten ein mehr oder weniger guter Ersatz ist, nennt man ein Substitutionsgut. Da er auch noch raucht, spielt der Zigarettenpreis eine Rolle für sein Trinkverhalten. Wenn die Tabaksteuer wieder steigt, hat er weniger Geld für Bier zur Verfügung. Solche Güter nennt man Komplementärgüter. Natürlich beeinflussen auch eine Lohnerhöhung im Supermarkt oder eine Preiserhöhung in seiner Kneipe sein Konsumverhalten. In solchen Fällen spricht man von positiven und negativen Schocks des Angebotes oder der Nachfrage.

Aus dem Marktgleichgewicht ergeben sich die Konsumenten- und die Produzentenrente. Der Begriff Rente hat dabei nichts mit der Altersversorgung zu tun, sondern beschreibt den geldwerten Vorteil, der sich aus dem Marktgleichgewicht ergibt. In der Nachfragekurve sieht man, dass es auch Konsumenten gibt, die mehr bezahlen würden. Diese sparen das Geld, das oberhalb des Gleichgewichtspreises liegt. Für die Angebotsseite gilt sinngemäß das Gleiche. Gastwirte, die ihre Waren sonst auch billiger verkaufen würden, haben Mehreinnahmen, wenn sie zum Gleichgewichtspreis verkaufen.

Ökonomische Kosten von Steuern

Nun weiß jeder, dass auf das Bier in der Kneipe eine Reihe verschiedener Steuern erhoben werden. Der Wirt zahlt Einkommenssteuer und führt die Lohnsteuer für seine Angestellten ab. Da er ein Gewerbe ausübt, zahlt er Gewerbesteuer. In Greifswald beträgt der Hebesatz auf die Gewerbesteuer zurzeit 425 Prozent. Bis zu einem Hebesatz von 380 Prozent kann der Gastwirt die Gewerbesteuer mit der Einkommensteuer weitgehend verrechnen. Der darüber liegende Anteil sind effektive Kosten des Wirtes. Als er die Kneipe gekauft hatte, hat er Grunderwerbssteuer an die Gemeinde entrichtet und er zahlt jährlich seine Grundsteuer. Die Angestellten kommen mit dem Auto zur Arbeit, beim Tanken zahlen sie die Mineralölsteuer und für das Auto die jährliche Kfz-Steuer. Die Waren, die der Wirt verkauft, unterliegen der Biersteuer, der Schaumweinsteuer, der Branntweinsteuer, der Alkopopsteuer und der Tabaksteuer, jeweils zuzüglich der Mehrwertsteuer. Auch die Konsumenten zahlen ihre diversen Steuern. Von den 37 Steuerarten, die in Deutschland zurzeit erhoben werden, treffen die meisten davon auch den Wirt, seine Angestellten und seine Gäste. Der Marktpreis, den die Konsumenten mit einer Steuer zahlen, ist jetzt deutlich höher als der vorherige Gleichgewichtspreis. Gleichzeitig ist der Preis, den der Verkäufer erhält, erheblich kleiner als der frühere Gleichgewichtspreis. Sowohl die Angebots- als auch die Nachfragekurve verschieben sich beträchtlich. Für einige Gäste ist der Prohibitivpreis erreicht, sie kommen nicht mehr in die Kneipe. Manche Wirte schließen, für sie lohnt sich das Geschäft nicht mehr. Entscheidend ist, dass beide Gruppen dann auch keine Steuern mehr zahlen. Generell wird sowohl die Nachfrage als auch das Angebot kleiner ausfallen als in einem Marktgleichgewicht. Das ursprüngliche Diagramm sieht jetzt wie folgt aus:

Die Menge an verkauftem Bier geht von x0 am Schnittpunkt der beiden Kurven auf x1 zurück. Der Gleichgewichtspreis p0 entspricht in diesem Diagramm dem Schnittpunkt der beiden Kurven auf der Preisachse. Die Konsumenten bezahlen höhere Preise (p1+ t), die Produzenten erhalten geringere Erlöse (p1) als im Gleichgewicht. Sowohl die Konsumentenrente KR als auch die Produzentenrente PR werden kleiner. Das als SE bezeichnete Viereck ist das Steueraufkommen. Das effektiv zu verteilende Steueraufkommen VSE (VSE = SE – VK – VV) wird noch einmal erheblich kleiner durch die Kosten der Verwaltung VK und die in jeder Gesellschaft vorkommenden Verteilungsverluste VV. Das grau markierte Dreieck ZL bezeichnet den Wohlfahrtsverlust oder die Zusatzlast ZL für die Gesellschaft. Als Wohlfahrt bezeichnet man den ökonomischen Nutzen aller Individuen einer Volkswirtschaft. Durch eine Steuer gehen also ökonomische Vorteile der Marktteilnehmer verloren und das effektiv zu verteilende Steueraufkommen muss immer deutlich kleiner sein als die Wohlfahrtsverluste der Gesellschaft.

Die Laffer-Kurve

Der amerikanische Ökonom A. B. Laffer hat die Auswirkungen der Steuersätze auf verschiedene Steuerarten untersucht. Unabhängig von der Steuerart und den jeweiligen Gütern nimmt der Wohlfahrtsverlust immer exponentiell mit der Steuerquote zu. Gleichzeitig wächst mit steigender Steuerquote auch der sogenannte Steuerwiderstand; die Marktteilnehmer versuchen, der Steuer auszuweichen. Dementsprechend haben die Steuereinnahmen eines Staates bei jeder Steuerart ein Optimum. Auch wenn das Optimum der jeweiligen Steuer davon abhängt, wie elastisch die Nachfrage des Gutes und die Präferenz der Marktteilnehmer ist, gibt es in jedem Fall einen Steuersatz, ab dem das Gesamtaufkommen dieser Steuer sinken wird. Durch den steigenden Steuerwiderstand weichen die Marktteilnehmer auf steuerllich günstigere Alternativen aus oder konsumieren weniger. Das Gleiche gilt auch für einkommensabhängige Steuerarten. Hier ist ein höherer Steuersatz ein starker Anreiz dafür, weniger zu arbeiten. Die Versuchung, an der Steuer vorbei zu agieren, steigt spürbar an.

Kritiker von Laffer wenden gerne ein, dass das Staatsdefizit unter Ronald Reagan nach den Steuersenkungen in den USA größer geworden ist. Jedoch muss man dabei berücksichtigen, dass die Ausgaben des Staates, unter anderem die Rüstungskosten durch das SDI-Programm, in dieser Zeit enorm gestiegen sind. Zudem wird bei dieser Diskussion oft völlig unterschlagen, dass sich durch die Steuerreform die allgemeine Wohlfahrt erhöht hat. Die Bürger bekamen wieder mehr Waren und Dienstleistungen für ihr Geld. In den Achtzigerjahren ist das durchschnittliche Nettoeinkommen der US-Bürger spürbar angestiegen, die Menschen konnten wieder mehr konsumieren. In Russland haben Steuersenkungen 2001 tatsächlich auch zu Mehreinnahmen des Staates geführt. Der IWF kam zu dem Schluss, dass die Russen wegen der geringeren Belastung nach der Reform weniger Steuern hinterzogen haben. Kein ernstzunehmender Ökonom wird die Ergebnisse von Laffer bestreiten, auch wenn im Einzelfall immer strittig sein wird, ob der gegenwärtige Steuersatz links oder bereits rechts vom Optimum liegt.

Aufkommen aus der Körperschaftssteuer in der Bundesrepublik Deutschland in Millionen EUR

Ein gutes Beispiel dafür, dass die Laffer-Kurve in der Praxis tatsächlich funktioniert, zeigte die Reform der Körperschaftsteuer im Jahr 2008, eine Absenkung von 25 auf 15 Prozent. Die Körperschaftssteuer ist die Einkommenssteuer von Kapitalgesellschaften wie der GmbH oder Aktiengesellschaft. Sie wurde 1920 von Reichsfinanzminister Erzberger eingeführt; der Steuersatz für einbehaltene Gewinne betrug zunächst 10 Prozent. 1946, nach dem Zweiten Weltkrieg, stieg der Steuersatz auf eine Höhe von 65 Prozent, wobei Ausschüttungen noch einmal zusätzlich von der Einkommensteuer betroffen waren. Damit wurden Kapitalgesellschaften in der BRD unattraktiv, viele Unternehmer wechselten die Rechtsform. In der DDR wurde der Spitzensteuersatz der Körperschaftsteuer auf 95 Prozent festgesetzt und damit die Kapitalgesellschaften fast vollständig abgeschafft. In der Bundesrepublik wurden seit 1953 ausgeschüttete Gewinne niedriger als einbehaltene Gewinne besteuert, da auf Ausschüttungen zusätzlich die Einkommensteuer anfiel. Der Steuersatz für ausgeschüttete Gewinne betrug 30 Prozent, für thesaurierte Gewinne 60 Prozent. 1958 wurden diese Sätze auf 15 und 51 Prozent gesenkt.

1977 wurde das Anrechnungsverfahren eingeführt, die Körperschaftsteuer auf ausgeschüttete Gewinne wurde auf die Einkommensteuer angerechnet und damit eine Doppelbesteuerung vermieden. Wegen der komplizierten Handhabung wurde das Anrechnungsverfahren 2001 durch das Halbeinkünfteverfahren ersetzt, bei dem der Empfänger nur die Hälfte der Ausschüttung versteuern musste. Der Körperschaftsteuersatz lag einheitlich bei 25 Prozent, ohne Unterschied zwischen thesaurierten und ausgeschütteten Gewinnen. Mit der Unternehmenssteuerreform 2008 wurde der Körperschaftssteuersatz von 25 Prozent auf 15 Prozent gesenkt und gleichzeitig die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge eingeführt. Um an dieser Stelle einen weitverbreiteten Irrtum aufzuklären, der tatsächliche Steuersatz aus Kapitaleinkünften einer GmbH beträgt 48,33 Prozent und ist damit erheblich höher als alle Einkommenssteuersätze. Man sollte meinen, dass solch eine drastische Senkung der Steuersätze wie 2008 zu Mindereinnahmen führt, doch in der Praxis geschah das Gegenteil.

Das Aufkommen aus der Körperschaftsteuer stieg von 15,87 Milliarden EUR im Jahr 2008 auf 20,04 Milliarden EUR im Jahr 2014. Der Grund dafür ist trivial, nach der Steuerreform wurde es ökonomisch vorteilhaft, Gewinne zu erwirtschaften und damit die Eigenkapitalbasis der Unternehmen zu stärken. Bis dahin waren die meisten Betriebe in hohem Maße von Fremdkapital abhängig. Auch in diesem Falle reagierten Menschen einmal wieder auf Anreize.

Der Ökonom P. M. Gutmann geht in seiner Kritik noch weiter. Er untersuchte die Auswirkungen der Laffer-Kurve auf den Arbeitsmarkt, das folgende Diagramm stellt seine Ergebnisse etwas zugespitzt dar:

Bei einem Steuersatz von 0 Prozent ist der Anteil der Beschäftigten in der regulären Wirtschaft am höchsten. Die Quote der Staatsbeschäftigten wird auch bei diesem Steuersatz nicht Null betragen, da der Staat außer Steuern noch weitere Einnahmequellen, wie z. B. Zölle besitzt. Mit zunehmendem Steuersatz sinkt der Anteil der Beschäftigten in der legalen Wirtschaft, die Quote der Staatsbeschäftigten und die Schwarzarbeit nehmen zu. Verwaltungen haben immer die Eigenschaft, dass mit zusätzlichen Einnahmen auch die Anzahl der Beschäftigten wächst, weil sie neue Aufgabenfelder für sich entdecken. Schon im Alten Testament wird eindrucksvoll beschrieben, wie die Liste der königlichen Beamten vom Gründungskönig Saul über David bis hin zu Salomo immer länger wird (siehe 2Sam 8,16-18, 2Sam 20,23-26 und 1Kön 4,2-6). Bis 1504 lag die komplette Finanz- und Zivilverwaltung im Fürstentum Mecklenburg in der Hand eines leitenden Beamten, dem Vogt. Zusammen mit einem Beamten der mittleren Ebene, dem Kornschreiber und 4 bis 6 niederen Beamten, den Landreitern und Holzvögten war er für die gesamte Verwaltung des Landes zuständig.

Erst 1504 kam ein zweiter leitender Beamter, der Küchenmeister, für die Finanzverwaltung, das Rechnungswesen und die Archivierung der Belege hinzu. Bis zur Kreisgebietsreform vor ein paar Jahren beschäftigte die Stadtverwaltung von Greifswald, einer relativ kleinen Stadt mit knapp 59.000 Einwohnern, 1.041 Mitarbeiter. Zusätzlich arbeiteten am Finanzamt in Greifswald laut dem Regierungsportal Mecklenburg-Vorpommern 235 Mitarbeiter. Nun soll an dieser Stelle nicht die Arbeit der Mitarbeiter in den Verwaltungen pauschal kritisiert werden, viele von ihnen arbeiten durchaus engagiert. Nicht nur ich, sondern die meisten Menschen haben unter ihren Bekannten und Verwandten solche, die in Verwaltungen arbeiten und die es oft nicht leicht haben, in diesem System zurechtzukommen. Aber die entscheidende Frage ist doch, ob sich die staatlichen Aufgaben seit dem Mittelalter tatsächlich um weit mehr als das Hundertfache erhöht haben oder ob die Abläufe in den Verwaltungen wirklich so effizient und bürgernah sind, wie es angebracht wäre. Ein schönes Beispiel dafür, dass gerade eine große Verwaltung nicht immer zu den besten Ergebnissen gelangt, ist eine aktuelle Provinzposse aus Vorpommern. Zurzeit werden hier die Vorbereitungen für den vom Bund geförderten Anschluss von Breitbandinternet mit Glasfaserkabeln getroffen. In ihrer Ausgabe vom 27. März 2019 meldete die „Ostseezeitung", dass in dem Dorf Steinfurth in der Nähe von Greifswald von den 170 Bewohnern nur ein Grundstück schnelles Internet erhält. Dafür bekommt der örtliche Friedhof eine Glasfaserleitung für High-Speed-Internet. Nun sollte wohl bekannt sein, dass die Bewohner eines Friedhofs nicht mehr allzu großen Wert auf schnelles Internet legen. Allerdings meinte eine Freundin, das wäre für sie ein echter Grund, sich dort begraben zu lassen, wo hat man in Vorpommern sonst schnelles Internet? Auch der Anschluss in vielen anderen Orten ist fragwürdig. In der Kleinstadt Karlsburg mit 1.300 Bewohnern werden nur 20 Grundstücke angeschlossen, ähnlich sieht die Lage in anderen Dörfern aus. Der Grund für diese unverständliche Praxis ist zum einen das Nebeneinander von privaten Unternehmen wie der Telekom und den Verwaltungsbehörden, andererseits das Kompetenzgewirr innerhalb der Verwaltung. Federführend für die Erarbeitung der Netzpläne ist das Breitbandkompetenzzentrum in Berlin, welches aber über die konkreten Gegebenheiten vor Ort nur wenig weiß. Eine weitere Koordinierungsstelle sitzt bei der Landesregierung im Energieministerium in Schwerin. Die zuständige Mitarbeiterin des Kreises, welche die Lage vor Ort am besten kennt, hatte keinen Einfluss auf die Planungen. Sie hatte bereits frühzeitig auf Missstände hingewiesen:

„Trotzdem habe ich in Schwerin mehrfach auf die Probleme aufmerksam gemacht. Doch ich stoße seit 2016 auf taube Ohren. Das ist auch für mich frustrierend." So blockieren sich die verschiedenen Behörden über Jahre gegenseitig.

Auch in einem gefestigten und sozial weitgehend austarierten Rechtssystem wie der Bundesrepublik ist der Anteil der Schwarzarbeit sehr hoch. Eine aktuelle Studie von 2019 berechnet die Steuermindereinnahmen durch Schwarzarbeit in der BRD mit 127 Milliarden EUR bei einer Fehlertoleranz von plus / minus 30 Prozent. Das entspricht für das Fiskaljahr 2017 einer Quote von 17,3 Prozent der gesamten Steuereinnahmen. Geht die Steuerquote über das Optimum der Laffer-Kurve hinaus, hat der Staat nicht mehr genügend Geld für seine Verwaltung. Der Anteil der Staatsbeschäftigten sinkt und die legale Wirtschaft kommt fast vollständig zum Erliegen. Das konnte man sehr gut in der späten Phase der DDR beobachten. Scharen von sogenannten Feierabendbrigaden erledigten nach ihrer regulären Arbeit im Betrieb fast alle privaten Bauprojekte und Handwerkerarbeiten. Ein Großteil der benötigten Materialien und Werkzeuge wurden aus den Betrieben entwendet, getreu einer anders gemeinten Parole des Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbrichts: „Aus unseren volkseigenen Betrieben kann man noch viel mehr herausholen." Natürlich arbeiteten diese Brigaden nicht für DDR-Währung, sondern nur für andere begehrte Waren oder Westgeld. Der Tauschhandel blühte. Wer Westgeld besaß oder an einer Stelle war, bei der die knappen Waren verteilt wurden, konnte in der DDR sehr gut leben. Bereits Mitte der Siebzigerjahre lauteten mehr als die Hälfte aller privaten Kleinanzeigen im „Bauernecho, einer Wochenzeitung für die Landbevölkerung: „Suche XYZ, biete blaue Fliesen. In der DDR-Bevölkerung war diese Chiffre als Westmark gut bekannt.

Steuern lenken die Nachfrage, oft aber auch nicht

Natürlich gibt es auch den Lenkungsgedanken von Steuern. Für Güter, die schädlich für eine Gesellschaft sind, sinkt in der Theorie durch eine Steuer die Nachfrage. So haben die Einführung der Alkopop- oder die mehrfache Erhöhung der Tabaksteuer durchaus zu geringerem Konsum geführt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Viele Konsumenten sind auf Alternativen umgestiegen, die nicht weniger gesundheitsschädigend waren. Damit wurde der Lenkungsgedanken nur bedingt erreicht. Im Falle der Tabaksteuer sank das Steueraufkommen sogar beträchtlich, ohne dass diesem ein höherer gesundheitlicher Nutzen gegenüberstand. Oft sind die Konsumenten einfach nur auf unversteuerte Schwarzmarktzigaretten ausgewichen.

n-tv.de meldete am 03.08.2004 unter der Überschrift „Raucher zahlen weniger Steuern":

„Stolze 1,8 Milliarden Euro Mehreinnahmen hatte die Bundesregierung mit der jüngsten Erhöhung für den Staatshaushalt 2004 eingeplant. Geld, das das Gesundheitssystem entlasten sollte. Der erwartete Geldsegen wurde zwischenzeitlich behutsam reduziert – auf eine Milliarde Euro. Und jetzt das: Allein im zweiten Quartal sanken die Einnahmen bei der Tabaksteuer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 222 Millionen Euro. Statt eines Zugewinns muss der Fiskus damit ein Tabaksteuer-Minus von sechs Prozent verbuchen."

Ökonomen sagen dazu: Die Nachfrage reagierte leider elastischer als von der Regierung erwartet.

Entwicklung des Steueraufkommens aus der Mineralölsteuer / Energiesteuer von 2002 bis 2017 in Millionen EUR

Die mehrfache Erhöhung der Mineralölsteuer von 1999 bis 2003 war ökonomisch gesehen ebenfalls ein glatter Fehlschlag. Statt der erwarteten Steuermehreinnahmen ging das Steueraufkommen deutlich zurück. Da die meisten Beschäftigten täglich zur Arbeit pendeln müssen, wurden die Kosten für sie größer, sodass sie weniger Geld für andere Ausgaben zur Verfügung hatten. Gleichzeitig sanken die Steuereinnahmen durch den Umstieg auf Diesel- und Erdgasfahrzeuge. Dieses Beispiel zeigt eine typische Situation, bei der alle Seiten verloren haben. Selbst unter Berücksichtigung der Umweltziele hatte die Steuererhöhung eher negative Auswirkungen. Viele Kommunen glauben, dass sie spürbare Mehreinnahmen haben werden, wenn sie die Hebesätze der Gewerbesteuer anheben. So hat Greifswald nach der letzten Erhöhung 2013 auf 425 Prozent im Dezember 2018 den Hebesatz auf 450 Prozent angehoben. Bereits die Erhöhung von 2013 brachte im darauffolgenden Jahr trotz einer Phase der Hochkonjunktur Steuermindereinnahmen von 1,4 Millionen EUR. Die Bürgerschaftsversammlung hat dann im März 2019 auf die Steuererhöhung verzichtet. Offizieller Grund dafür war, dass irgendwo im Budget noch 6 Millionen EUR aufgetaucht sind, mit denen keiner gerechnet hatte. Als Unternehmer fragt man sich dabei sofort, was die Verwaltung dort wohl für ein Controlling hat.

Direkte oder indirekte Steuern?

Zum Schluss soll noch kurz die Frage diskutiert werden, ob ein Staat die direkten Steuern wie die Einkommenssteuer oder besser die indirekten Steuern wie die Mehrwertsteuer erhöhen sollte, um seine Einnahmen zu erhöhen. Neben der Mehrwertsteuer ist die Einkommenssteuer die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Sie wird als Lohnsteuer von Beschäftigten, veranlagte Einkommenssteuer bei Selbstständigen oder als Körperschaftssteuer bei GmbH und Aktiengesellschaften erhoben. Eine Einkommenssteuer erhöht die Kosten der Arbeit. Die Produzentenrente wird deutlich kleiner. Unternehmen werden also weniger Arbeit anbieten, die Arbeitsmenge wird geringer. Gleichzeitig sinken die Nettolöhne, die Konsumentenrente wird ebenfalls geringer. Bei einem progressiven Steuertarif werden vor allem gutverdienende Beschäftigte versuchen, ihre Arbeitszeit zu verringern und dafür mehr Freizeit zu bekommen. Die Beschäftigungsquote insgesamt wird kleiner. Auch ich will mich an dieser Stelle als „Grenznutzenoptimierer" outen. Vor knapp zwei Jahren bin ich von der 5-Tage-Arbeitswoche auf die 4-Tage-Woche übergegangen. Der Tausch war einfach zu verlockend, 20 Prozent weniger Arbeitszeit stehen nur ca. 10 Prozent weniger Einkommen gegenüber. Die zusätzliche Freizeit ist mir in diesem Fall wichtiger als das entgangene Einkommen. Wenn das allerdings alle gut Verdienenden in der Bundesrepublik so handhaben, dann bekommt die Gesellschaft ein Problem. Alleine die 10 Prozent der Spitzenverdiener erwirtschaften mehr als 50 Prozent des gesamten Aufkommens der Einkommenssteuer.

Der gleiche Effekt wie bei einer hohen Einkommenssteuer entsteht auch bei der Einführung eines Mindestlohnes. Dabei fallen hauptsächlich Arbeitsstellen für gering qualifizierte Beschäftigte weg, da der Lohn jetzt über dem Marktgleichgewicht liegt. Durch die Verschiebung der Reallohnkurve lohnt es sich für die Betriebe nicht mehr, solche Stellen anzubieten. Das sieht man sehr schön in Greifswald. Nach Einführung des Mindestlohnes fahren jetzt nachts von ehemals 36 Taxis nur noch zwei in der Stadt. Die Einnahmen durch die Nachtschwärmer reichen nicht mehr aus, um die Betriebskosten zu decken. Gleichzeitig stiegen die Preise für eine Taxifahrt in Greifswald teils um mehr als 40 Prozent, sodass die Nachfrage nochmals deutlich kleiner wurde. Ähnlich ist die Situation im Reinigungsgewerbe und im Wachdienst. Die Preise sind deutlich gestiegen und das Angebot ist spürbar zurückgegangen. Im Reinigungsgewerbe ist wohl der Anteil der Schwarzarbeit deutschlandweit am höchsten. Dadurch sind natürlich auch viele reguläre Arbeitsplätze für gering Qualifizierte verschwunden. Selbstverständlich ist der soziale Ausgleich sehr wichtig. Deshalb sollte jede Gesellschaft hierbei ein Optimum finden, wie die unterschiedlichen Interessen am besten durchgesetzt werden können. Generell gilt, je höher die Einkommenssteuer oder je höher der Mindestlohn ausfallen, desto geringer ist die Gesamtbeschäftigung und desto höher ist auch der Wohlfahrtsverlust für die Gesellschaft. Arbeit reagiert relativ elastisch, im Gegensatz zu einer Erhöhung der indirekten Steuern versuchen deutlich mehr Menschen, bei einer Erhöhung der Einkommenssteuer dieser auszuweichen.

Wird dagegen durch eine Umsatzsteuer der Preis eines Gutes erhöht, sinkt in der Theorie die Nachfrage. Auch hierbei entsteht wieder ein Wohlfahrtsverlust, der mit steigender Steuerquote größer wird. Allerdings gibt es viele Güter, wie Lebensmittel, welche die Konsumenten kaufen müssen, sogenannte unelastische Güter. Natürlich werden auch in diesem Fall die Verbraucher versuchen, auf andere Güter auszuweichen. Da das aber nur in relativ geringem Umfang möglich ist, schlägt die Erhöhung der Umsatzsteuer auf alle Konsumenten durch. Der Wohlfahrtsverlust wird zum großen Teil vom Verbraucher getragen. Die Mehrwertsteuer ist eine unsoziale Steuer, da vor allem die ärmeren Haushalte in Relation zu ihrem Einkommen mehr bezahlen müssen als reichere Haushalte. Trotzdem sind indirekte Steuern sehr beliebt, da ihr weniger Menschen ausweichen können. Dänemark, Kroatien und Schweden haben bereits Mehrwertsteuersätze von 25 Prozent. Die unterschiedlichen Auswirkungen von direkten und indirekten Steuern zeigen das große Dilemma der Steuerpolitik. Strebt ein Staat eine möglichst hohe Beschäftigungsquote an, sollte er die Einkommenssteuer senken. Bei einem gleichbleibenden Finanzbedarf geht das aber nur über die Erhöhung der Verbrauchssteuern, was vor allem die Ärmeren trifft. Deshalb sollte jeder Staat im eigenen Interesse hinterfragen, ob er die richtige Ausgabenpolitik betreibt und im Zweifelsfall die Ausgaben kürzen.

Kap. 3 Steuern und Abgaben in der Antike

3.1 Der Urknall der Geschichte

Kinder stellen viele Fragen: Weshalb haben viele Leute Vorurteile gegenüber anderen Menschen und fremden Kulturen? Wieso essen die meisten Asiaten Reis, während Europäer lieber ihr Brot aus Weizen oder Roggen mögen? Warum essen so viele Amerikaner ihre Frühstücksflocken aus Mais? Weshalb leben auf dem Bauernhof Kühe, Schweine, Ziegen und Schafe, aber keine zahmen Rehe? Warum wurde die Antilope kein Haustier, obwohl sie doch früher viel häufiger vorkam als wilde Schafe oder Ziegen?

Die Antwort auf diese Fragen und die Erklärung vieler kultureller Eigenheiten des heutigen Menschen liegen in den dunklen Tagen der Menschheitsgeschichte. Die neolithische Revolution veränderte den Menschen weitaus stärker als alle

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